Wernher von Braun
Visionär des Weltraums - Ingenieur des Krieges - Biographie
Michael Neufeld(Author)
Siedler (Publisher)
Published on 27. April 2009
Book
Hardback
688 pages
978-3-88680-912-7 (ISBN)
Description
Visionär des Weltraums - Ingenieur des Krieges
Am 20. Juli 1969 landeten zum ersten Mal Menschen auf dem Mond - das historische Ereignis war der Triumph Wernher von Brauns, eines so genialen wie ehrgeizigen Ingenieurs aus Deutschland. Seit seiner Jugend folgte er unbeirrbar seinem Traum von der Eroberung des Weltraums, für den er bedenkenlos auch mit den Nationalsozialisten paktierte. Michael J. Neufelds hochgelobte Biographie bietet ein spannendes und differenziertes Porträt des Raumfahrtpioniers und seiner Zeit.
Wernher von Braun (1912-1977) war die herausragende Figur der Raumfahrt im 20. Jahrhundert. Schon als Kind interessierte er sich für Raketen, und Anfang der dreißiger Jahre experimentierte er im Berliner Verein für Raumschifffahrt. Nach Abschluss seines Ingenieurstudiums warb ihn das Heereswaffenamt an. Seit 1937 war das NSDAP- und SS-Mitglied von Braun maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung und Fertigung der sogenannten V2-Rakete; dass Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen in der Fertigung eingesetzt wurden und Tausende starben, leugnete er gewusst zu haben.
Seine NS-Vergangenheit verhinderte den Aufstieg des jungen Raketeningenieurs in den USA jedoch nicht: 1945 begab er sich in die Hände der Amerikaner, die ihn für ihr Raketenprogramm gut gebrauchen konnten. Ab 1959 war er bei der NASA an der Entwicklung der bemannten Raumfahrt beteiligt. Die Mondflüge Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre waren der Höhepunkt seiner Laufbahn. Michael J. Neufeld zeichnet ein faszinierendes Porträt des wendigen Ingenieurs, der trotz seiner NS-Vergangenheit zum Star der Raumfahrt wurde.
Die maßgebliche Biographie des genialen und umstrittenen Raumfahrtpioniers
40. Jahrestag der ersten Mondlandung am 20. Juli 2009
Die spannende Geschichte der Eroberung des Weltraums
Am 20. Juli 1969 landeten zum ersten Mal Menschen auf dem Mond - das historische Ereignis war der Triumph Wernher von Brauns, eines so genialen wie ehrgeizigen Ingenieurs aus Deutschland. Seit seiner Jugend folgte er unbeirrbar seinem Traum von der Eroberung des Weltraums, für den er bedenkenlos auch mit den Nationalsozialisten paktierte. Michael J. Neufelds hochgelobte Biographie bietet ein spannendes und differenziertes Porträt des Raumfahrtpioniers und seiner Zeit.
Wernher von Braun (1912-1977) war die herausragende Figur der Raumfahrt im 20. Jahrhundert. Schon als Kind interessierte er sich für Raketen, und Anfang der dreißiger Jahre experimentierte er im Berliner Verein für Raumschifffahrt. Nach Abschluss seines Ingenieurstudiums warb ihn das Heereswaffenamt an. Seit 1937 war das NSDAP- und SS-Mitglied von Braun maßgeblich verantwortlich für die Entwicklung und Fertigung der sogenannten V2-Rakete; dass Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen in der Fertigung eingesetzt wurden und Tausende starben, leugnete er gewusst zu haben.
Seine NS-Vergangenheit verhinderte den Aufstieg des jungen Raketeningenieurs in den USA jedoch nicht: 1945 begab er sich in die Hände der Amerikaner, die ihn für ihr Raketenprogramm gut gebrauchen konnten. Ab 1959 war er bei der NASA an der Entwicklung der bemannten Raumfahrt beteiligt. Die Mondflüge Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre waren der Höhepunkt seiner Laufbahn. Michael J. Neufeld zeichnet ein faszinierendes Porträt des wendigen Ingenieurs, der trotz seiner NS-Vergangenheit zum Star der Raumfahrt wurde.
Die maßgebliche Biographie des genialen und umstrittenen Raumfahrtpioniers
40. Jahrestag der ersten Mondlandung am 20. Juli 2009
Die spannende Geschichte der Eroberung des Weltraums
More details
Language
German
Illustrations
44
44 s/w Abbildungen
Dimensions
Height: 22.7 cm
Width: 15 cm
ISBN-13
978-3-88680-912-7 (9783886809127)
Schweitzer Classification
Persons
Michael J. Neufeld, 1951 in Kanada geboren, ist Chef der Abteilung für Geschichte der Raumfahrt im National Air and Space Museum der Smithonian Institution in Washington. Er hat bereits ein Buch über die Raketenversuchsstation Peenemünde veröffentlicht un
Content
Zur Terminologie
Wernher von Braun und seine Kollegen bezeichneten ihre deutschen Raketenprojekte als Aggregat 1 bis 12. Die A4-Rakete, die ab September 1944 als Waffe vor allem gegen London und Antwerpen eingesetzt wurde, erhielt im November 1944 von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den Namen V2 (für "Vergeltungswaffe" 2), unter der sie allgemein bekannt wurde. Darum habe ich für die Zeit vor 1944/45 die Bezeichnung A4 benutzt, dann durchgehend V2.
Vorbemerkung
Zur Hundertjahrfeier der Luftfahrt im Jahr 2003 führte die US-Fachzeitschrift Aviation Week and Space Technology eine Umfrage unter ihren Lesern durch -überwiegend Ingenieuren und Piloten - und fragte nach den "100 Stars of Aerospace", den hundert wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Fliegens. Wernher von Braun kam auf Platz zwei nach den Brüdern Wright, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass die Befragten mehrheitlich Amerikaner waren. Dennoch ist es ein Beweis für Wernher von Brauns historische Bedeutung, zumindest in den Augen seiner früheren Kollegen - Luft- und Raumfahrtingenieuren und Managern. Das Ergebnis war umso interessanter, als der Name von Braun allmählich aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit geschwunden ist. Mit Ausnahme der Gemeinde der an der Raumfahrt Interessierten und derjenigen, die sich mit NS-Geheimwaffen und ihrer Herstellung durch KZ-Häftlinge befassen, kennt kaum jemand unter vierzig Jahren heute seinen Namen. Aber Wernher von Braun ist eine für die Entwicklung von ballistischen Raketen und Raumfahrzeugen zu bedeutende Persönlichkeit, als dass man ihn vergessen könnte, vor allem weil seine Karriere im "Dritten Reich" grundlegende Fragen hinsichtlich der moralischen Verantwortung von Wissenschaftlern und Ingenieuren im 20. und 21. Jahrhundert aufwirft.
Trotz seiner unzweifelhaften Bedeutung stellt sich die Frage: Warum noch eine Biographie? Es gibt bereits eine ganze Reihe von Büchern über ihn. Aber ich bin seit zwanzig Jahren überzeugt, dass es weder auf Englisch noch auf Deutsch eine gibt, die gründlich und gut lesbar ist und dazu auf sorgfältiger Erforschung der Primärquellen beruht. Seit ich Mitte 1987 begonnen habe, mich mit deutschen Raketen zu befassen, sind ein halbes Dutzend Biographien erschienen, wovon einige durchaus beachtlich sind, aber in dieser Beziehung hat sich nichts geändert. Mindestens drei dieser neuen Publikationen sind sozusagen Hagiographien, weil Freunde, Kollegen und Raumfahrtfans die Heldenverehrung fortzusetzen versuchen, die Wernher von Braun im Kalten Krieg entgegengebracht wurde. Die neueren kritischen Studien, eine auf Englisch und zwei auf Deutsch, sind alle kürzer und stützen sich überwiegend auf Sekundärquellen. Und die deutschen Biographien - alte wie neue - legen verständlicherweise besonderes Gewicht auf die NS-Zeit; dabei hat von Braun die Hälfte seines Lebens und zwei Drittel seines Berufslebens in den Vereinigten Staaten verbracht. Auf amerikanischer Seite mangelt es dagegen oft an der elementaren Fähigkeit, sein Leben in Deutschland zu erforschen. Mit Ausnahme seines Freundes Ernst Stuhlinger waren englischsprachige Biographen nicht in der Lage, Deutsch zu lesen. Das Ergebnis sind oft ungenaue Darstellungen mit unzuverlässigen Informationen über deutsche Geschichte. Aber auch wenn sie sein Leben in den Vereinigten Staaten behandeln, weisen sie oft Fehler auf und lassen eine wissenschaftliche Analyse vermissen.
Fachforscher haben das Thema überwiegend gemieden, nicht zuletzt weil Wernher von Braun als biographischer Gegenstand schwierig ist. Man muss zwei Sprachen beherrschen, die Geschichte zweier Länder kennen und mit Raketen- und Raumfahrttechnik einigermaßen vertraut sein. Außerdem hat von Braun 1945 fast seine gesamte persönliche Habe verloren, einschließlich seiner Korrespondenz. Dasselbe passierte seinen Eltern. Er rettete nur wenige Dinge, an denen er hing. Folglich sind seine Unterlagen praktisch erst seit seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten im Alter von dreiunddreißig Jahren erhalten. Für die zweite Hälfte seines Lebens hat der Biograph das umgekehrte Problem: Es gibt ungeheure Mengen von Unterlagen (in einer Länge von über 60 Metern), die aber voller Trivialitäten sind. Das Problem wird vergrößert dadurch, dass sich die meisten in Huntsville, Alabama, befinden und schwer zugänglich sind, weil die Institution, in deren Besitz sie sind, das U.S. Space and Rocket Center, zum einen nicht über ausreichende Mittel verfügt und sich zum anderen schützend vor ihren Gründer Wernher von Braun stellen möchte.
Ein weiteres Problem ist die Unzugänglichkeit seiner Witwe, seiner Kinder und seiner amerikanischen Verwandten, die nicht bereit waren, sich interviewen zu lassen, nicht einmal von befreundeten Biographen. Als Autor des Buches Die Rakete und das Reich: Peenemünde und der Beginn des Raketenzeitalters (1995, deutsch 1997), einer kritischen Geschichte des deutschen Raketenprogramms von Brauns, hatte ich gar keine Möglichkeit, mit ihnen zu sprechen. Auch seine früheren deutschen Kollegen wollten nach der Veröffentlichung des Buches nicht mehr mit mir reden, obwohl im National Air and Space Museum zwölf Interviews hinterlegt sind, die ich früher mit ihnen geführt habe.
Andererseits habe ich reichhaltiges Material gefunden, auf das ich mich bei der vorliegenden Biographie stützen konnte. Für von Brauns Zeit in Deutschland gibt es die zwar nicht persönlichen, jedoch informativen Akten des Peenemünde-Projekts - Material, das ich im Kern auch für Die Rakete und das Reich benutzt habe, dazu alte und neue Forschungen aus deutschen und amerikanischen Kriegsverbrecherprozessen. In den fünfziger Jahren schrieb von Braun mehrere kurze Erinnerungen und gab Interviews darüber, wie er die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus erlebte. Diese Quellen sind problematisch, aber von unschätzbarem Wert. Weitere Informationen fand ich in seiner Nachkriegskorrespondenz und in den Erinnerungen von Peenemünder Kollegen. Ich habe auch die Memoiren seines Vaters und die von ihm aufgeschriebene Genealogie ausgewertet; zudem habe ich bislang unbekannte Quellen in Deutschland aufgespürt, darunter neue Informationen über die Familie von Braun und über seine Jugend und seine Schulzeit. Für die amerikanische Zeit habe ich fünf Jahre Forschungsarbeit in US-Archiven investiert, um in seinen Unterlagen und in den umfangreichen Akten der Nationalarchive und der NASA die Spreu vom Weizen zu trennen. Ich konnte auch mehrere amerikanische Kollegen von Brauns befragen und die umfassenden, meist aus den sechziger Jahren stammenden "Oral History"-Interviews auswerten, die die Space Agency und mein Museum gesammelt haben. Eine ergiebige Quelle ist auch die archivierte Sammlung, die Wernher von Brauns Vater in Deutschland hinterlassen hat; sie enthält aufschlussreiche Briefe des Sohnes aus den Nachkriegsjahren.
Ich hoffe, dass es mir aufgrund der herangezogenen Quellen gelungen ist, einen umfassenden, ausgewogenen, sorgfältigen Bericht vom Leben Wernher von Brauns zu schreiben.
Wernher von Braun und seine Kollegen bezeichneten ihre deutschen Raketenprojekte als Aggregat 1 bis 12. Die A4-Rakete, die ab September 1944 als Waffe vor allem gegen London und Antwerpen eingesetzt wurde, erhielt im November 1944 von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels den Namen V2 (für "Vergeltungswaffe" 2), unter der sie allgemein bekannt wurde. Darum habe ich für die Zeit vor 1944/45 die Bezeichnung A4 benutzt, dann durchgehend V2.
Vorbemerkung
Zur Hundertjahrfeier der Luftfahrt im Jahr 2003 führte die US-Fachzeitschrift Aviation Week and Space Technology eine Umfrage unter ihren Lesern durch -überwiegend Ingenieuren und Piloten - und fragte nach den "100 Stars of Aerospace", den hundert wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Fliegens. Wernher von Braun kam auf Platz zwei nach den Brüdern Wright, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass die Befragten mehrheitlich Amerikaner waren. Dennoch ist es ein Beweis für Wernher von Brauns historische Bedeutung, zumindest in den Augen seiner früheren Kollegen - Luft- und Raumfahrtingenieuren und Managern. Das Ergebnis war umso interessanter, als der Name von Braun allmählich aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit geschwunden ist. Mit Ausnahme der Gemeinde der an der Raumfahrt Interessierten und derjenigen, die sich mit NS-Geheimwaffen und ihrer Herstellung durch KZ-Häftlinge befassen, kennt kaum jemand unter vierzig Jahren heute seinen Namen. Aber Wernher von Braun ist eine für die Entwicklung von ballistischen Raketen und Raumfahrzeugen zu bedeutende Persönlichkeit, als dass man ihn vergessen könnte, vor allem weil seine Karriere im "Dritten Reich" grundlegende Fragen hinsichtlich der moralischen Verantwortung von Wissenschaftlern und Ingenieuren im 20. und 21. Jahrhundert aufwirft.
Trotz seiner unzweifelhaften Bedeutung stellt sich die Frage: Warum noch eine Biographie? Es gibt bereits eine ganze Reihe von Büchern über ihn. Aber ich bin seit zwanzig Jahren überzeugt, dass es weder auf Englisch noch auf Deutsch eine gibt, die gründlich und gut lesbar ist und dazu auf sorgfältiger Erforschung der Primärquellen beruht. Seit ich Mitte 1987 begonnen habe, mich mit deutschen Raketen zu befassen, sind ein halbes Dutzend Biographien erschienen, wovon einige durchaus beachtlich sind, aber in dieser Beziehung hat sich nichts geändert. Mindestens drei dieser neuen Publikationen sind sozusagen Hagiographien, weil Freunde, Kollegen und Raumfahrtfans die Heldenverehrung fortzusetzen versuchen, die Wernher von Braun im Kalten Krieg entgegengebracht wurde. Die neueren kritischen Studien, eine auf Englisch und zwei auf Deutsch, sind alle kürzer und stützen sich überwiegend auf Sekundärquellen. Und die deutschen Biographien - alte wie neue - legen verständlicherweise besonderes Gewicht auf die NS-Zeit; dabei hat von Braun die Hälfte seines Lebens und zwei Drittel seines Berufslebens in den Vereinigten Staaten verbracht. Auf amerikanischer Seite mangelt es dagegen oft an der elementaren Fähigkeit, sein Leben in Deutschland zu erforschen. Mit Ausnahme seines Freundes Ernst Stuhlinger waren englischsprachige Biographen nicht in der Lage, Deutsch zu lesen. Das Ergebnis sind oft ungenaue Darstellungen mit unzuverlässigen Informationen über deutsche Geschichte. Aber auch wenn sie sein Leben in den Vereinigten Staaten behandeln, weisen sie oft Fehler auf und lassen eine wissenschaftliche Analyse vermissen.
Fachforscher haben das Thema überwiegend gemieden, nicht zuletzt weil Wernher von Braun als biographischer Gegenstand schwierig ist. Man muss zwei Sprachen beherrschen, die Geschichte zweier Länder kennen und mit Raketen- und Raumfahrttechnik einigermaßen vertraut sein. Außerdem hat von Braun 1945 fast seine gesamte persönliche Habe verloren, einschließlich seiner Korrespondenz. Dasselbe passierte seinen Eltern. Er rettete nur wenige Dinge, an denen er hing. Folglich sind seine Unterlagen praktisch erst seit seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten im Alter von dreiunddreißig Jahren erhalten. Für die zweite Hälfte seines Lebens hat der Biograph das umgekehrte Problem: Es gibt ungeheure Mengen von Unterlagen (in einer Länge von über 60 Metern), die aber voller Trivialitäten sind. Das Problem wird vergrößert dadurch, dass sich die meisten in Huntsville, Alabama, befinden und schwer zugänglich sind, weil die Institution, in deren Besitz sie sind, das U.S. Space and Rocket Center, zum einen nicht über ausreichende Mittel verfügt und sich zum anderen schützend vor ihren Gründer Wernher von Braun stellen möchte.
Ein weiteres Problem ist die Unzugänglichkeit seiner Witwe, seiner Kinder und seiner amerikanischen Verwandten, die nicht bereit waren, sich interviewen zu lassen, nicht einmal von befreundeten Biographen. Als Autor des Buches Die Rakete und das Reich: Peenemünde und der Beginn des Raketenzeitalters (1995, deutsch 1997), einer kritischen Geschichte des deutschen Raketenprogramms von Brauns, hatte ich gar keine Möglichkeit, mit ihnen zu sprechen. Auch seine früheren deutschen Kollegen wollten nach der Veröffentlichung des Buches nicht mehr mit mir reden, obwohl im National Air and Space Museum zwölf Interviews hinterlegt sind, die ich früher mit ihnen geführt habe.
Andererseits habe ich reichhaltiges Material gefunden, auf das ich mich bei der vorliegenden Biographie stützen konnte. Für von Brauns Zeit in Deutschland gibt es die zwar nicht persönlichen, jedoch informativen Akten des Peenemünde-Projekts - Material, das ich im Kern auch für Die Rakete und das Reich benutzt habe, dazu alte und neue Forschungen aus deutschen und amerikanischen Kriegsverbrecherprozessen. In den fünfziger Jahren schrieb von Braun mehrere kurze Erinnerungen und gab Interviews darüber, wie er die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus erlebte. Diese Quellen sind problematisch, aber von unschätzbarem Wert. Weitere Informationen fand ich in seiner Nachkriegskorrespondenz und in den Erinnerungen von Peenemünder Kollegen. Ich habe auch die Memoiren seines Vaters und die von ihm aufgeschriebene Genealogie ausgewertet; zudem habe ich bislang unbekannte Quellen in Deutschland aufgespürt, darunter neue Informationen über die Familie von Braun und über seine Jugend und seine Schulzeit. Für die amerikanische Zeit habe ich fünf Jahre Forschungsarbeit in US-Archiven investiert, um in seinen Unterlagen und in den umfangreichen Akten der Nationalarchive und der NASA die Spreu vom Weizen zu trennen. Ich konnte auch mehrere amerikanische Kollegen von Brauns befragen und die umfassenden, meist aus den sechziger Jahren stammenden "Oral History"-Interviews auswerten, die die Space Agency und mein Museum gesammelt haben. Eine ergiebige Quelle ist auch die archivierte Sammlung, die Wernher von Brauns Vater in Deutschland hinterlassen hat; sie enthält aufschlussreiche Briefe des Sohnes aus den Nachkriegsjahren.
Ich hoffe, dass es mir aufgrund der herangezogenen Quellen gelungen ist, einen umfassenden, ausgewogenen, sorgfältigen Bericht vom Leben Wernher von Brauns zu schreiben.