
Unbehagen
Description
Armin Nassehi zeigt in seinem neuen Buch, warum moderne komplexe Gesellschaften mit der Bewältigung von Krisen notorisch überfordert sind. Unser sehnlichster Wunsch, aus einem Guss regiert zu werden, wird in solchen Situationen zwangsläufig enttäuscht - und das Unbehagen an der Gesellschaft nimmt zu.
Moderne Gesellschaften folgen einerseits stabilen Mustern, sind träge und kaum aus der Ruhe zu bringen. Andererseits erweisen sich ihre Institutionen und Praktiken immer wieder als erstaunlich fragil und vulnerabel. In Situationen, die wir Krisen nennen, prallen diese beiden widersprüchlichen Seiten der gesellschaftlichen Moderne besonders heftig aufeinander.
An unserem strategielos anmutenden Umgang mit der Pandemie und der Klimakrise wird deutlich, dass die unterschiedlichen politischen, ökonomischen, familialen und wissenschaftlichen Instanzen der Gesellschaft eigenen Operationslogiken folgen, die sich intern und extern eklatant widersprechen. Infolgedessen muss der Versuch einer Bündelung aller politischen Kräfte zur Krisenüberwindung zwangsläufig scheitern. Forderungen nach mehr Gemeinschaft, Solidarität und Zusammenhalt klingen zwar gut, sind vor diesem Hintergrund aber illusorisch.
Armin Nassehi vertritt in seinem Buch die These, dass komplexe Gesellschaften sich fortlaufend selbst als krisenhaft erleben, ohne je in eine Form prästabilierter Harmonie zurückzukehren. Er deutet zugleich an, was man aus unserem Umgang mit der Pandemie und der Klimakrise lernen kann, um uns für künftige Krisensituationen besser zu rüsten - ohne übersteigerte Erwartungen zu wecken.
Reviews / Votes
Das Buch zur Stunde"ZDF Blaues Sofa, Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur)
Das ungemein spannende, sehr informative und mit vielen anschaulichen Beispielen aus unterschiedlichen Forschungsfeldern argumentierende Werk, ist trotz hoher Komplexität ein großer Lesegenuss.
soziopolis.de, Ingeborg Villinger
Ein erfrischend realistisches Bild unserer deliberativen Möglichkeiten und Grenzen
Philosophie Magazin, Thorsten Jantschek
Es geht ihm in seinem Buch zur Theorie der überforderten Gesellschaft nicht um eine Bewertung der Krisenbewältigung, vielmehr dient sie als Beispiel, das gesellschaftliche Unbehagen als ambivalentes Grundmotiv moderner Lebensführung auszumachen.
Berliner Zeitung, Harry Nutt
Mit seinem Plädoyer für eine Konzentration auf konkrete Sachfragen markiert Nassehi ein Gebot der Stunde.
NZZ, Tilman Asmus Fischer
Eine soziologische Analyse, die der Frage nachgeht, an welchen sozialen Strukturen die Lösung gesamtgesellschaftlicher Krisen scheitert."
FAZ, Ramy Youssef
Überfordert fühlt sich die Gesellschaft tagtäglich, viele sehnen sich nach der großen Lösung aller Probleme. Der Soziologe zeigt, warum das aussichtslos ist und wir uns erwachsen weiter durchschlagen sollten. Wir haben keine Wahl, und das ist auch gut so."
ZEIT, Jens Bisky
Perspektivendifferenz statt normativer Sicherheit das ist das Kunsthandwerk, das über den Erfolg künftiger Koalitionen und die Zukunft unserer Gesellschaft im 21. Jahrhundert entscheiden wird und das kann man bei Armin Nassehi lernen.
taz, Peter Unfried
Der Sozialwissenschaftler Armin Nassehi zeigt in seinem neuen Buch, warum der Versuch einer politischen Bündelung aller Kräfte auf ein gemeinsames Ziel in komplexen Gegenwartsgesellschaften zwangsläufig scheitern muss.
3sat, Cécile Schortmann
Ein kluges Buch, dessen Erkenntnisse gerade angesichts einer möglichen neuen Corona-Welle im Winter und der drängenden Klimapolitik sehr wertvoll sind."
Deutschlandfunk Andruck, Ina Rottscheidt
Nassehis Analyse kann als fruchtbar für die Weiterentwicklung der modernen Demokratie angesehen werden.
buchessenz, Hans-Peter Schunk
Anregende, gut lesbare Theorie der überforderten Gesellschaft."
Saarbrücker Zeitung, Christoph Schreiner
Das ist die große Stärke dieses Autors: Er macht plausibel, wie die Gesellschaft neu verzahnt und Überforderung reduziert werden kann. Angesichts erhitzter Debatten über die großen Zukunftsfragen kühlt Armin Nassehi die Emotionen runter, ohne die Herausforderungen zu negieren."
Deutschlandfunk Kultur, Vera Linß
Warum stößt unserer Krisenmanagement zwangsläufig an Grenzen? Warum laufen moderne Gesellschaften Gefahr, zu scheitern, wenn sie versuchen, sich kollektiv zu verändern? Der Soziologe Armin Nassehi hat dafür eine spannende Erklärung, die trotzdem Mut macht."
Bayern 2 Diwan, Marie Schoess
Armin Nassehi ist einer der produktivsten und einflussreichsten Soziologen des Landes und mischt sich mit originellen, die Diskussion befeuernden Thesen immer wieder in aktuelle Debatten ein."
NDR Kultur, Ulrich Kühn
Der prominente Soziologe geht von der Frage aus: Warum sind wir trotz Wissen und Einsicht unfähig, mit akuten Krisen wie Corona oder der Klimaproblematik umzugehen?
SRF Literaturclub, Philipp Tingler
Nicht nur am Beispiel der Corona-Krise beschreibt der bekannte Soziologe Armin Nassehi, dass moderne Gesellschaften so komplex und fragil sind, dass der Wunsch nach einer politischen Bündelung aller Kräfte auf ein gemeinsames Ziel hin meist scheitern muss. Hannoversche Allgemeine Zeitung
In seiner theoriegeleiteten Gesellschaftsanalyse untersucht der Autor die Gründe dieses Verharrens und Überfordertseins und legt dar, was wir aus unserem Umgang mit der Pandemie und der Klimakrise lernen können, um für künftige Krisensituationen besser gerüstet zu sein.
Bremen Zwei
Deutschlands wichtigster Gegenwartsanalytiker."
die tageszeitung
Gewitzt und wortgewandt wie kein Zweiter."
Der Freitag, Wolfgang Michal
Eine Theorie der überforderten Gesellschaft, die nun als Blaupause für den Umgang mit Krieg und der Angst vor dem Krieg gelesen werden kann.
Harry Nutt, Frankfurter Rundschau
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Content
1 Einleitung
Das Unbehagen in der Kultur ff.
Die Frage
Risiko Theorie
2 Soziodizee
Theodizee
Handeln / Handlungsfähigkeit
Von der Theodizee zur Soziodizee
Drei Soziodizeen
3 Versuchsaufbau
Änderungsimperative
Evolution
Der Fehlschluss von der Notwendigkeitauf die Möglichkeit
Gesellschaft der Gegenwarten
Fixierung auf Gegenwarten
4 ( An-)Ordnung
Überall Akteure
Versammlungen oder Differenzierungen?
Was für Systeme?
(Un-)Erreichbarkeit
5 Andockstellen
Ambivalenz des Selbstverhältnisses
Sach- und Sozialdimension
Querlagen
Institutionenabhängige Lebenslagen
6 Arrangements
Institutionen
Filigrane Ordnung
Die verborgene Krise
7 Himmel
Gesellschaft als Familienangelegenheit
Moralüberschuss
Ex oriente lux?
Tianxia
Die Welt in Ordnung bringen
8 Organisation
Die Organisation der Gesellschaft
Gesellschaft als Organisation?
9 Offenheit
'Trade-tested Betterment'
Noch einmal: Krise
10 Latenz
Schutzlosigkeit
Physiodizee
Die Ungerechtigkeit des Sprechens
Latenzverlust in der Sachdimension
11 Konsum
Was macht einen Unterschied?
Unterhaltung
12 Was tun?
Sichtbarkeit / Unsichtbarkeit
Risiko-Lernprozesse
Genügt Evolution?
Ein Beispiel: Sterben als Risiko
Am Ende noch einmal: Latenz
Anmerkungen
Sachregister

