
Das Recht des Todes
Grundlegung einer juristischen Thanatologie
Karlheinz Muscheler(Author)
Duncker & Humblot (Publisher)
1st Edition
Published on 19. September 2024
Book
Hardback
617 pages
978-3-428-19333-2 (ISBN)
Description
Die Publikation begründet ein neues Rechtsgebiet: die Lehre von Sterben und Tod, die »juristische Thanatologie«. Straf-, Zivil-, Verwaltungs- und Verfassungsrecht werden zusammengedacht und in ein Gespräch mit anderen Wissenschaften gebracht, insbesondere der Philosophie. Es geht um »das Recht gegen den Tod« (Tötungsdelikte in Straf- und Zivilrecht), »das Recht auf den Tod« (Sterbehilfe, Suizid, Beihilfe zum Suizid, Tötung auf Verlangen), »das Recht des Todes« (Definition des Todes) und »das Recht der Toten« (Status des Leichnams, Obduktion, Transplantation, Bestattungsrecht, postmortales Persönlichkeitsrecht, Enteignung der Toten im Urheber-, Erb- und Erbschaftsteuerrecht). Am Ende zeigt sich ein eher düsteres Bild, in dem von den vielbeschworenen Werten Sicherheit, Autonomie, Würde und Pietät wenig übrigbleibt. Der Autor kritisiert die herrschende Praxis auf allen Gebieten und entwickelt zahlreiche Vorschläge, wie sich das Bild deutlich aufhellen ließe.
Reviews / Votes
»Mit betont gesellschaftssensibler und progressiver Diktion ist hier ein Brückenschlag über die thanatologisch interessierten Disziplinen gelungen, insofern sämtliche akuten, das Sterben und den Tod tangierenden und zugleich die normative Ebene streifenden Diskurse abgebildet sind oder zumindest über den Weg der Analogie erschlossen werden können. Und nicht allein dies: Im Zuge einer Recherche- und Reflexionsarbeit, deren Aufwand gigantisch gewesen sein muss, rekonstruiert der Autor die Phalanx der relevanten rechtlichen Stränge in ihrer immensen Breite und führt sie einer plausiblen, gegenwartsadäquaten Lösung zu. Das man über die gebotenen Positionen von einer anderen Warte aus wird streiten können, mithin: müssen, ist vorprogrammiert und verleiht dem Werk seinen fachjuristischen Reiz. Man muss jedoch nicht Rechtswissenschaftler:in sein, um zu erkennen, worum es sich hier handelt: um ein Opus magnum im wahrsten Sinne des Wortes, um einen ganz großen Wurf.« Prof. Dr. Thorsten Benkel, in: Jahrbuch für Tod und Gesellschaft, Bd. 5/2026 »Dieses Werk ist mE einer der wichtigsten und relevantesten juristischen Bücher der letzten Jahrzehnte, da es bahnbrechend ist und ein Grundlagenwerk darstellt sowie ein eigenes Rechtsgebiet begründet. Vivamus, moriendum est, heißt es bei Seneca. Bei Muscheler dürfte es wohl heißen: Critice cogitemus, moriendum est. Danke dafür.« Dr. Michael Bonefeld, in: Recht der Familienunternehmen, 2/2026 »Zweifellos ein sehr wichtiges und nachdenklich stimmendes Buch, das einen wertvollen und zur Diskussion anregenden großen Fundus an Argumenten und Überlegungen in einer einzigartigen Gesamtdarstellung auf einem der Tabufelder unserer Zeit bietet.« Prof. Dr. Martin Schöpflin, in: Neue Juristische Wochenschrift, 23/2025 »Das von Muscheler verfasste Grundlagenwerk schließt ein Forschungsdesiderat. Es erweitert unser Wissen über das >Recht des Todes<. Künftige Untersuchungen zu diesem Themenkreis müssen sich an dem Buch inhaltlich und methodisch messen lassen. Dem Buch ist nicht nur unter Juristen eine große Verbreitung zu wünschen.« Prof. Dr. Hannes Ludyga, in: Zeitschrift für Erbrecht und Vermögensnachfolge, 6/2025 »Muscheler hat ohne jeden Zweifel ein Meisterwerk vorgelegt! Er hat ein neues Terrain erstmals abgesteckt und damit Pionierarbeit geleistet. Er hat mehr als deutlich gemacht, dass der Tod nicht nur ein Thema für Philosophie, Theologie, Medizin und Biologie, sondern auch für die Jurisprudenz ist.« Dr. Michael Fuchs, in: Zeitschrift für evangelisches Kirchenrecht, Bd. 70, 1-2/2025 »Das Ziel, ein neues Rechtsgebiet - im Sinne einer querschnittlich - integrativen Betrachtung aller todesrelevanten Rechtsfragen - zu schaffen, hat der Verf. ohne Zweifel erreicht. Wer das Buch zur Hand nimmt und sich von manchen Unebenheiten der Erstauflage nicht zu sehr ablenken lässt, wird das Buch mit großem Gewinn lesen. Muschelers >Recht des Todes< hat das Zeug zum Standardwerk.« Prof. Dr. Stephan Rixen, in: Gesundheitsrecht, 7/2025 »Zusammenfassend bietet >Das Recht des Todes< eine fundierte Analyse der rechtlichen, ethischen und philosophischen Fragen, die den Tod und das Sterben betreffen. Besonders die Abschnitte über das Recht des Leichnams, das postmortale Persönlichkeitsrecht und die Erbschaftsteuer sind von großer Bedeutung und beleuchten zentrale juristische Fragestellungen, die in der Praxis immer relevanter werden. Muscheler gelingt es, diese komplexen Themen klar und präzise darzustellen, und er setzt mit seinem Werk wichtige Impulse für die juristische Diskussion über den Umgang mit dem Tod im modernen Recht.« Andreas Kuhn, in: notar, 1/2025 »Insgesamt handelt es sich um ein sehr anspruchsvolles, enzyklopädisches Werk, das den Anspruch, eine juristische Thanatologie zu etablieren, durchaus einlöst. Auch wenn man die Positionen und Argumentationen nicht immer teilt, sie teilweise auch für falsch oder überzogen hält, ist das Buch eine sehr gute Grundlage, sich mit allen relevanten Rechtsaspekten rund um Sterben und Tod auseinanderzusetzen. Jedem/r, der/die sich mit den rechtlichen Fragen rund um Tod und Sterben beschäftigen möchte, sei das Buch trotz der genannten Einschränkungen und Ambivalenzen und mit der Aussicht zu lernen und sich zu ärgern uneingeschränkt empfohlen.« Prof. Dr. Dietrich Henckel, in: Zeitpolitisches Magazin, Ausgabe 47/2025 »Muscheler ist konsequent, seine Kritik an allen Freiheitseinschränkungen zieht sich durch sein Werk wie ein roter Faden. Der Aphorismus von Lec, wonach man die Anzahl der Gedanken derart vervielfachen müsse, dass die Anzahl der Wächter für sie nicht ausreicht, muss dem Autor gefallen. Gedanken findet man in dem Werk unzählige; man wird nicht leicht ein Buch finden, das von ihnen nur so sprüht.« Prof. Dr. Andreas Frieser, in: Zeitschrift für die gesamte erbrechtliche Praxis, 4/2025 »Insofern stellt sich gar nicht erst die Frage, ob man eine Leseempfehlung als Rezensent aussprechen sollte, man kann Jedem nur schlichtweg anraten, sich die Zeit zu nehmen und solch ein Buch (Werk) zu lesen und auf sich wirken zu lassen. Für jemanden, der selbst mitunter das eine oder andere juristische Werk niedergeschrieben hat, bleibt es ein faszinierendes Rätsel, wie Muscheler nicht nur die Zeit, sondern auch die Muße gefunden hat, solch ein Werk zu verfassen. Es wird seinen Verfasser überdauern und als Grundlegung maßgeblich sein.« Dr. Pierre Plottek, in: Zeitschrift für die Steuer- und Erbrechtspraxis, 12/2024 »Die außerordentliche Tiefe und Durchdachtheit lässt vermuten, dass Muscheler zu diesem Werk Jahrzehnte geforscht hat. Ein weiterer beeindruckender Beleg, dass Muscheler zur intellektuellen Elite gehört. Erbrechtlern, die vom Blick über den Tellerrand fasziniert sind, sei die Lektüre sehr empfohlen.« Dr. Claus-Henrik Horn, in: Zeitschrift für die gesamte erbrechtliche Praxis, 12/2024More details
Language
German
Place of publication
Berlin
Germany
Dimensions
Height: 238 mm
Width: 165 mm
Thickness: 42 mm
Weight
1038 gr
ISBN-13
978-3-428-19333-2 (9783428193332)
Schweitzer Classification
Person
Promotion und Habilitation an der Universität Freiburg, venia legendi für Bürgerliches Recht, Handelsrecht, Rechtsphilosophie und Rechtsgeschichte. Von 1992 bis 2022 Inhaber des Lehrstuhls für Deutsche Rechtsgeschichte, Bürgerliches Recht und Handelsrecht an der Ruhr-Universität Bochum. Zahlreiche Veröffentlichungen, insb. zur Rechtsphilosophie, zur Rechtsgeschichte, zum Familien-, Erb- und Stiftungsrecht, Initiator/Mitbegründer der Vereine »Fundare e.V. - Gemeinnütziger Verein zur Förderung des Stiftungswesens« und »Hereditare - Wissenschaftliche Gesellschaft für Erbrecht e.V.«.
Content
A. Einleitung
Der zeitgenössische Tod - Philosophie des Todes
B. Das Recht gegen den Tod
Das Tötungsverbot - Das Tötungsverbot im Strafrecht - Das Tötungsverbot im Zivilrecht
C. Das Recht auf den Tod
Die Selbsttötung - Die medizinische Suizidassistenz - Direkte aktive Sterbehilfe / Tötung auf Verlangen
D. Das Recht des Todes: Bestimmung von Tod und Todeszeitpunkt
Das Recht und die Frage nach Tod und Todeszeitpunkt - Entwicklung des Hirntod-Kriteriums - Phänomenologie des Hirntodkriteriums - Kritik des Hirntodkonzepts - Die Bedeutung der Frage nach dem Tod
E. Das Recht und der Leichnam
Definitionen - Leichenschau - Pflichten in Bezug auf Leichen
F. Das postmortale Persönlichkeitsrecht
Allgemeines - Eine kurze Rechtsvergleichung - Kant und die Metaphysik der Sitten - Strafrechtlicher Schutz des postmortalen Persönlichkeitsrechts - Unvererblichkeit des Geldentschädigungsanspruchs aus lebzeitiger Persönlichkeitsrechtsverletzung - Unvererblichkeit des zu Lebzeiten bereits entstandenen Gegendarstellungsanspruchs - Das postmortale Persönlichkeitsrecht im Zivilrecht - Warum kann während des Totseins kein Vermögensschaden des Toten entstehen?
G. Die Enteignung der Toten
Das Urheberrecht - Die 30-Jahres-Frist des deutschen Erbrechts - Enteignung durch Erbschaftsteuer