
Felatun Bey und Rakim Efendi
Historischer Roman: Kulturelle Identität im späten Osmanischen Reich - Tradition oder Moderne?
Ahmet Mithat Efendi(Author)
Literaturca (Publisher)
Published on 1. March 2014
Book
201 pages
978-3-935535-32-8 (ISBN)
Description
Felâtun Bey und Rakım Efendi von Ahmet Mithat Efendi ist ein faszinierender historischer Roman, der das Istanbul des 19. Jahrhunderts und die gesellschaftlichen Umwälzungen im Osmanischen Reich eindrucksvoll beleuchtet.
Der Roman folgt zwei kontrastreichen Charakteren: Felâtun Bey, der wohlhabende, aber oberflächliche Dandy, der blind europäische Lebensweisen nachahmt, und Rakım Efendi, der fleißige, moralisch aufrechte junge Mann aus bescheidenen Verhältnissen, der traditionelle osmanische Werte mit Bildung und Fleiß verbindet.
Über die Erlebnisse dieser beiden Figuren untersucht der Roman Themen wie kulturelle Identität, Modernisierung, Moral, Liebe, gesellschaftliche Erwartungen und die Folgen unkritischer Europäisierung. Felâtun Beys verschwenderischer Lebensstil führt zu finanziellem Ruin und Herzschmerz, während Rakım Efendis Disziplin und Integrität ihm Erfolg und Zufriedenheit bringen.
Der Roman zeichnet ein lebendiges Bild von Istanbul im 19. Jahrhundert, mit realistischen Schilderungen des Alltags, Humor, Ironie und einem faszinierenden Zusammenspiel von türkischer und europäischer Literaturtradition. Die deutsche Übersetzung von Beatrix Caner bewahrt den Kern von Mithat Efendis Erzählkunst und macht das Werk für Leserinnen und Leser von historischer Fiktion, kultureller Gesellschaftskritik und Romanen über Tradition und Moderne besonders empfehlenswert.
More details
Language
German
Place of publication
Berlin
Germany
Target group
Diese Ausgabe richtet sich an Leserinnen und Leser, die sich für historische Romane, türkische Literatur des 19. Jahrhunderts und die gesellschaftlichen Umwälzungen im Osmanischen Reich interessieren. Besonders angesprochen werden Menschen, die an Kulturgeschichte, Tradition und Moderne, Moral, Liebe und gesellschaftliche Werte interessiert sind.
Der Roman spricht sowohl ein literarisch interessiertes Publikum als auch Studierende, Lehrende und Forschende in den Bereichen Literaturwissenschaft, Turkologie und Kulturgeschichte an. Leserinnen und Leser, die historische Fiktion schätzen und gleichzeitig Einblicke in das Alltagsleben, die sozialen Strukturen und die kulturelle Dynamik des Istanbul des 19. Jahrhunderts gewinnen möchten, finden hier eine bereichernde Lektüre.
Product notice
Unsewn / adhesive bound
Dimensions
Height: 20 cm
Width: 13.5 cm
Weight
250 gr
ISBN-13
978-3-935535-32-8 (9783935535328)
Schweitzer Classification
Persons
Author
Autor
Ahmet Mithat Efendi (1844-1912) war einer der produktivsten türkischen Schriftsteller der Tanzimat-Zeit und gilt als Pionier der modernen türkischen Literatur. Er verfasste zahlreiche Romane, darunter "Felâtun Bey und Rakım Efendi" und "Cevdet Bey und seine Söhne", die gesellschaftliche Veränderungen, Modernisierung, kulturelle Identität und Moral im Osmanischen Reich thematisieren. Neben Romanen schrieb er Kurzgeschichten, Essays und journalistische Artikel über Bildung, Gesellschaft und westliche Einflüsse. Mithat Efendi setzte sich dafür ein, Literatur in einer für die breite Bevölkerung verständlichen Sprache zu vermitteln, und verband in seinen Werken Unterhaltung mit didaktischer Botschaft. Seine Werke spiegeln die sozialen, kulturellen und moralischen Spannungen der osmanischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wider und machen ihn zu einer zentralen Figur der türkischen Literaturgeschichte.
ISNI: 0000 0001 0876 3748
Ahmet Mithat Efendi (1844-1912) war einer der produktivsten türkischen Schriftsteller der Tanzimat-Zeit und gilt als Pionier der modernen türkischen Literatur. Er verfasste zahlreiche Romane, darunter "Felâtun Bey und Rakım Efendi" und "Cevdet Bey und seine Söhne", die gesellschaftliche Veränderungen, Modernisierung, kulturelle Identität und Moral im Osmanischen Reich thematisieren. Neben Romanen schrieb er Kurzgeschichten, Essays und journalistische Artikel über Bildung, Gesellschaft und westliche Einflüsse. Mithat Efendi setzte sich dafür ein, Literatur in einer für die breite Bevölkerung verständlichen Sprache zu vermitteln, und verband in seinen Werken Unterhaltung mit didaktischer Botschaft. Seine Werke spiegeln die sozialen, kulturellen und moralischen Spannungen der osmanischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wider und machen ihn zu einer zentralen Figur der türkischen Literaturgeschichte.
ISNI: 0000 0001 0876 3748
Translation
Content
Felâtun Bey, Sohn des Mustafa Merakî Efendi, ist ein Phänomen. Es lohnt sich, ihn kennen zu lernen, denn er ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit.
Mustafa Merakî Efendi selbst residiert in einem benachbarten Stadtteil von Tophane, der an dem vornehmen Beyoglu grenzt. Begnügen wir uns vorerst mit dieser knappen Angabe zu seinem Hintergrund.
Mustafa Efendi dürfte etwa fünfundvierzig Jahre alt sein. Wie es seinerzeit gute Sitte war, wurde er von seinem Vater als junger Bursche in den Hafen der Ehe gelotst, noch bevor er wusste, wie es ihm geschah. Um seine guten Manieren und seine Ehre nicht aufs Spiel zu setzen, hatte ihn sein Vater mit sechzehn Jahren kurzerhand verheiratet. Diese frühe Ehe ist der Grund dafür, dass Mustafa Merakî Efendi, trotz seines noch recht jungen Alters, einen Sohn im Alter von siebenundzwanzig Jahren hat: den schon erwähnten Felâtun Bey. Allerdings ist seine Nachkommenschaft nicht auf diesen einen Sohn beschränkt, er hat auch eine Tochter namens Mihriban, die derzeit süße fünfzehn Lenzen zählt.
Wenn ein Mann im diesem gewissen Alter ist, das als bestes Mannesalter zählt, dürfte es als großes Glück gelten, Kinder in diesem Alter zu haben. Doch wollen wir umgehend auch daran erinnern, dass derartiges Glück vorwiegend Vätern vorbehalten ist, während diese Tatsache für Mütter gewöhnlich eine fatale Bedeutung hat. Das war auch bei der Gattin vom Mustafa Merakî Efendi der Fall. Sie nämlich war ganze zwölf Jahre alt, als sie mit dem Sechzehnjährigen vermählt worden war. Welch eine eigenartige Sitte! Die Ehefrau muss drei vier Jahre jünger sein als der Ehemann. Nun, das Mädchen, das mit zwölf Jahren in den Stand der Ehe befördert worden war, brachte mit fünfzehn Jahren ihr erstes Kind zur Welt. Danach geriet sie zwar des öfteren in gesegnete Umstände, doch war es ihr nicht vergönnt, die Frucht ihres Leibes zu behalten, sie erlitt mehrere Fehlgeburten.
Weil die Herren Doktoren der Ursache dieses Umstandes nicht nachgegangen waren, erklärten sie kurzerhand, dass sich im Mutterleib der Dame ein unheilbares Übel eingenistet habe - und kümmerten sich nicht weiter darum. Sie überließen das Feld den Hebammen. Diese fixierten den Unterleib der schwangeren Frau und wandten ihre gesamte Heilkunst an, sodass es ihnen gelungen war, eine Fehlgeburt zu verhindern. Doch die unglückliche Frau starb nach der Geburt ihrer Tochter im Wochenbett. Möge Gott ihrer Seele gnädig sein!