
Finanz-Controlling
Description
Ferner sind seit einiger Zeit Änderungen in der Unternehmensführung zu verzeichnen, die als finanzorientierte Unternehmensführung ("Führung von der finanziellen Seite her") gekennzeichnet werden können. Die Gesamtunternehmensleitung agiert wie ein Investor, indem sie den Teilbereichen Finanzmittel zur Verfügung stellt und eine Mindest-Verzinsung fordert; die organisatorischen Teilbereiche verwenden diese Mittel relativ selbständig. Der Gesamtunternehmensleitung obliegt die finanzielle Führung, und den Teilbereichen die leistungswirtschaftliche (operative) Führung. Für diese finanzielle Führung sind spezielle Führungsinstrumente erforderlich.
Mit dem Aufkommen des Shareholder-Value-Konzeptes bzw. der wertorientierten Unternehmensführung ist eine neue, stärker am Kapitalmarkt orientierte Form der Unternehmensführung verbunden, die ein Umdenken in vielen Bereichen sowie den Einsatz neuer Instrumente erfordert.
Das Buch wendet sich an Leser, die sich in Studium oder Beruf mit Finanz-Controlling beschäftigen. Es soll den Leser mit der Problematik des Finanzmanagements und Finanz-Controllings vertraut machen und Lösungswege aufzeigen. Entsprechend werden zunächst der Aufgabenbereich des Finanz-Controllings und die finanziellen Probleme erläutert. Darauf aufbauend werden Wege zur Gestaltung von Finanzcontrolling-Systemen und -Prozessen erörtert sowie Instrumente für die kurzfristige und die langfristige Finanzplanung vorgestellt. Im Kapitel "Shareholder-Value-Konzept" werden der Inhalt und die Instrumente dieser kapitalmarktorientierten Unternehmensführung erläutert. Abschließend wird auf das Berichtswesen als grundlegende Komponente eines Führungssystems eingegangen, da Informationsbeschaffung und -übermittlung eine notwendige Voraussetzung für ein funktionierendes Führungssystem bilden.
Zur Neuauflage: Neben diversen Überarbeitungen wurde das Buch ergänzt durch einen Übungsteil mit Aufgaben zum Prüfen des Erlernten sowie zwei Fallstudien, die die Umsetzung der kurzfristigen und der langfristigen Finanzplanung am Beispiel demonstrieren. Als Lernhilfe sind den Kapiteln Lernziele vorangestellt. Das Kapitel "Risikomanagement" ist hinzugekommen. Schließlich wurde ein Glossar hinzugefügt.

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Content
2 - Vorwort zur 1. Auflage [Seite 6]
3 - Inhaltsübersicht [Seite 8]
4 - Inhaltsverzeichnis [Seite 10]
5 - Verzeichnis häufig verwendeter Symbole und Abkürzungen [Seite 14]
6 - 1. Inhaltliche Abgrenzung und Probleme des Finanzcontrollings [Seite 16]
6.1 - 1.1. Kennzeichnung des Finanzcontrollings [Seite 16]
6.2 - 1.2. Finanzwirtschaftliche Ziele und Probleme [Seite 17]
6.3 - 1.3. Finanzcontrolling: Inhaltliche Abgrenzung und Aufgaben [Seite 30]
7 - 2. Gestaltung von Finanzcontrolling-Systemen [Seite 39]
7.1 - 2.1. Finanzplanung und Unternehmensplanung [Seite 39]
7.2 - 2.2. Funktionale Hierarchie-Ebenen eines Finanzmanagement-Systems [Seite 44]
7.3 - 2.3. Prozess des Finanzcontrollings [Seite 52]
7.4 - 2.4. Planungs- und Erfassungsgrundsätze [Seite 68]
8 - 3. Zahlungsorientierte Finanzplanung [Seite 73]
8.1 - 3.1. Konzeption aus zahlungsorientierter und jahresabschlussorientierter Finanzplanung [Seite 73]
8.2 - 3.2. Finanzplan als Instrument der Finanzplanung [Seite 75]
8.3 - 3.3. Finanzprognose als Problembereich [Seite 81]
8.4 - 3.4. Verfahren zur Finanzprognose [Seite 84]
8.5 - 3.5. Fallbeispiel zur zahlungsorientierten Finanzplanung [Seite 114]
9 - 4. Jahresabschlussorientierte Finanzplanung und Finanzanalyse [Seite 129]
9.1 - 4.1. Gegenstand der jahresabschlussorientierten Finanzplanung und Finanzanalyse [Seite 129]
9.2 - 4.2. Finanzwirtschaftliche Aussagen auf Basis von Jahresabschluss-Größen - Beziehungen zwischen Finanzströmen und Jahresabschluss- Größen [Seite 132]
9.3 - 4.3. Kapitalflussrechnung als Darstellungsinstrument [Seite 137]
9.4 - 4.4. Ermittlung des Kapitalbedarfes (Kapitalbindungsanalyse) [Seite 185]
9.5 - 4.5. Finanz-Kennzahlen als Beurteilungsgrößen [Seite 190]
9.6 - 4.6. Fallbeispiel zur jahresabschlussorientierten Finanzplanung und -analyse [Seite 231]
10 - 5. Shareholder-Value-Konzept ? Wertorientiertes Controlling [Seite 251]
10.1 - 5.1. Kennzeichnung und Entstehung des Shareholder-Value-Konzeptes [Seite 251]
10.2 - 5.2. Merkmale und Komponenten eines Shareholder-Value-Konzeptes [Seite 254]
10.3 - 5.3. Wertsteigerungsanalyse: Shareholder-Value-orientierte Beurteilungsgrößen [Seite 262]
10.4 - 5.4. Diskussion um das Shareholder-Value-Konzept [Seite 304]
11 - 6. Risikomanagement [Seite 312]
11.1 - 6.1. Risikomanagement ? Inhaltliche Klärung und Ansätze [Seite 312]
11.2 - 6.2. Gestaltungsansätze für eine Risikomanagement-Konzeption [Seite 313]
11.3 - 6.3. Risikomanagement als Aufgabe des Controllings [Seite 318]
11.4 - 6.4. Frühwarnsystem als Instrument des Risikomanagements [Seite 320]
12 - 7. Berichtswesen [Seite 326]
12.1 - 7.1. Inhalt und Gestaltungsaspekte des Berichtswesens [Seite 326]
12.2 - 7.2. Anforderungen an das Berichtswesen [Seite 329]
12.3 - 7.3. Berichtsarten und -darstellung [Seite 331]
13 - Aufgaben und Fälle zur Übung [Seite 334]
13.1 - 1. Inhaltliche Abgrenzung und Probleme des Finanzcontrollings [Seite 334]
13.2 - 2. Gestaltung von Finanzcontrolling-Systemen [Seite 335]
13.3 - 3. Zahlungsorientierte Finanzplanung [Seite 337]
13.4 - 4. Jahresabschlussorientierte Finanzplanung und Finanzanalyse [Seite 342]
13.5 - 5. Shareholder-Value-Konzept ? Wertorientiertes Controlling [Seite 351]
13.6 - 6. Risikomanagement [Seite 358]
13.7 - 7. Berichtswesen [Seite 359]
14 - Lösungshinweise zu den Aufgaben und Fällen [Seite 360]
14.1 - 3. Zahlungsorientierte Finanzplanung [Seite 360]
14.2 - 4. Jahresabschlussorientierte Finanzplanung und Finanzanalyse [Seite 368]
14.3 - 5. Shareholder-Value-Konzept ? Wertorientiertes Controlling [Seite 391]
15 - Glossar [Seite 398]
16 - Literaturverzeichnis [Seite 409]
17 - Sachwortverzeichnis [Seite 417]
4.1. Gegenstand der jahresabschlussorientierten Finanzplanung und Finanzanalyse (S. 114)
Inhalt und Erfordernis einer jahresabschlussorientierte Finanzplanung und -analyse:
Die jahresabschlussorientierte Finanzplanung wird nicht – wie es eigentlich dem Prinzip der Finanzplanung entspricht – auf der Basis von Zahlungen durchgeführt, sondern von Größen des Jahresabschlusses, d.h. von Vermögens- und Kapitalbeständen bzw. Erträgen und Aufwendungen. Anhand von Jahresabschlussgrößen, die sich auf die Vergangenheit oder die Zukunft beziehen können, werden Aussagen hinsichtlich der bisherigen oder der zukünftigen finanziellen Lage des Unternehmens abgeleitet.
Mit dieser Finanzplanung ist eine Finanzanalyse verbunden, in der Jahresabschlussgrößen (Bilanzstruktur etc.) bezüglich finanzieller Ziele analysiert werden. Dabei werden sowohl Zukunftsdaten als auch – im Rahmen der Kontrolle sowie als Basis der Planung – Vergangenheitswerte des Jahresabschlusses oder unterjähriger Zwischenabschlüsse der Finanzbuchhaltung betrachtet. Die Jahresabschlussanalyse bezüglich des Vorjahres dient unternehmensintern nicht nur (unmittelbar) der Unternehmensführung, sondern auch der Beurteilung des extern entstehenden Bildes des Unternehmens. Dies ist relevant, weil die zu veröffentlichenden Jahresabschlussdaten von Externen – wie z.B. Banken (Kreditwürdigkeitsbeurteilung) – zur Beurteilung des Unternehmens verwendet werden. Um dies auch für die Zukunft beurteilen zu können, sind Plan- Jahresabschlüsse zu erstellen. Die jahresabschlussorientierte Vorgehensweise bei der liquiditätsorientierten Finanzplanung erleichtert auch die Integration von Erfolgsrechnung und Bilanz, und so der Ziele Erfolg und Vermögenssituation, denen im Rahmen der langfristigen Finanzplanung höhere Bedeutung zukommt als in der kurzfristigen, die durch geringeren Handlungsspielraum eher passiv ist. Desweiteren schafft die jahresabschlussorientierte Finanzplanung und -analyse die Verbindung zwischen Finanzplanung und dem Rechnungswesen, das in der laufenden Unternehmensführung verwendet wird. Darüber hinaus können Jahresabschlussdaten – aufgrund ihrer Standardisierung und relativ guten öffentlichen Zugänglichkeit – mit den Werten anderer Unternehmen, insbes. Konkurrenten, verglichen werden. Schließlich ist Überschuldung (Schulden sind nicht durch Vermögen gedeckt) bei Kapitalgesellschaften ein Insolvenzgrund, was die Betrachtung der Jahresabschlussgrößen erfordert.
Anmerkung: mit dem Ausdruck „Jahresabschlussgrößen" ist nicht gemeint, dass der Betrachtungszeitraum ausschließlich ein Jahr betragen kann, sondern er stellt auf die Art der Berichtsgrößen ab, die sich auch auf ein Quartal beziehen können.
Begründung der Konzeption aus jahresabschlussorientierter Fp und zahlungsorient. Fp:Grundlage für die Notwendigkeit einer jahresabschlussorientierten Finanzplanung ist – neben den angesprochenen Erfordernissen zur Betrachtung von Jahresabschlussdaten – die oben bereits vorgestellte Konzeption aus jahresabschlussorientierter Finanzplanung neben zahlungsorientierter Finanzplanung. Langfristig bestehen größere Prognoseprobleme als kurzfristig. Einzelne Zahlungen bzw. die sie auslösenden einzelnen Aktivitäten des Unternehmens (Materialeinkauf, Dienstleistungsnutzung etc.) sind kaum mit ausreichender Verläßlichkeit vorhersehbar. Deshalb wird – anstelle der Verwendung von Zahlungen – auf globale Größen zurückgegriffen, mit denen die Zahlungsvolumina näherungsweise und pauschal abgeschätzt werden: den Jahresabschlussgrößen. Jahresabschlussgrößen – Kapital- und Vermögensbestände der Bilanz sowie Erträge und Aufwendungen der Erfolgsrechnung – stehen global für Zahlungskomplexe und spiegeln deren Volumen wider. Hintergrund ist, dass für längere Zeiträume (z.B. 1 Jahr) viele Ertrags- / Aufwandsarten gleichzeitig Einzahlungen / Auszahlung sind (Wertentstehung und Einzahlung / Verkauf bzw. Verbrauch und Auszahlung / Beschaffung in gleicher Periode).
Daneben sind Zahlungen mit Bilanzveränderungen verbunden (z.B. Investitionsauszahlung: Anlagenzugang, Krediteinzahlung: Verbindlichkeitenzugang). Jahresabschlussorientierte Finanzplanung und -analyse ist der Versuch, aus Zukunfts- oder Vergangenheitsdaten des Jahresabschlusses auf Zahlungen und damit die Liquiditätssituation zu schließen.