Die Segel von Tau Ceti
Roman
Michael McCollum(Author)
Heyne (Publisher)
Published on 6. October 2008
Book
Paperback/Softback
432 pages
978-3-453-52501-6 (ISBN)
Description
Science-Fiction-Entertainment pur - für alle Fans von "Star Wars"
Als der Stern Tau-Ceti in einer Supernova explodiert, gelingt es den Bewohnern dieses Sonnensystems, ein Schiff loszuschicken, das neue Welten erkunden soll. Bald treffen die Aliens auf Boten von der Erde, und zunächst scheint der Kontakt zwischen den Völkern reibungslos zu verlaufen. Doch dann stellt sich heraus, dass die Tau-Ceti-Wesen nicht so friedlich sind, wie sie uns glauben machen .
Als der Stern Tau-Ceti in einer Supernova explodiert, gelingt es den Bewohnern dieses Sonnensystems, ein Schiff loszuschicken, das neue Welten erkunden soll. Bald treffen die Aliens auf Boten von der Erde, und zunächst scheint der Kontakt zwischen den Völkern reibungslos zu verlaufen. Doch dann stellt sich heraus, dass die Tau-Ceti-Wesen nicht so friedlich sind, wie sie uns glauben machen .
More details
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.7 cm
Width: 11.8 cm
ISBN-13
978-3-453-52501-6 (9783453525016)
Schweitzer Classification
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Persons
Michael McCollum wurde 1946 in Phoenix, Arizona, geboren und studierte an der University of Arizona Luft- und Raumfahrttechnik. Seit seinem Abschluss ist er als Raumfahrtingenieur tätig und hat an beinahe allen militärischen und zivilen Raumfahrzeugtypen
Content
Faslorn von den Phelanern stand auf der Brücke des Sternenschiffs Far Horizons und schaute zu, wie dicke Taue aus filigranen Fäden aus den Frachträumen quollen. Die Leinen der Takelage liefen schon seit einem halben Dutzend Schichtwechseln aus den Ladebuchten. Nun näherte sich die erste Phase des Bremsmanövers des Sternenschiffs dem Ende.
Faslorn ließ den Blick über die Instrumente des Schiffs schweifen, als die letzten paar kelder gebündelten Leinen sich ablösten. Dann widmete er seine Aufmerksamkeit wieder den Monitoren und verfolgte, wie die Millionen lange Masse der Sternenbremse sich zu voller Länge entfaltete und sich ruckartig spannte.
'Alarm', befahl Faslorn. 'Rückschlag erfolgt.'
Der Alarm hallte in allen Gängen des riesigen Sternenschiffs wider, und tausende Besatzungsmitglieder hielten in ihren jeweiligen Tätigkeiten inne und suchten einen Halt. Faslorn schlang eine Sechsfingerhand um einen Pfosten und hielt sich daran fest. Weit draußen sah er die Reflektionswelle der Sternenbremse auf die Far Horizons zulaufen.
Dann brandete die Rückschlagwelle gegen das Schiff und schüttelte es so stark durch, dass das Deck sich wölbte. Er nahm jedoch kaum Notiz von den Schwingungen, mit denen die Kräfte sich im Sternenschiff neu verteilten.
Seine volle Aufmerksamkeit galt den Bildschirmen. Und der Takt seines Doppelherzens erhöhte sich leicht, als er die riesige Konstruktion überflog, von der sein Schicksal und das von hunderttausend Besatzungsmitgliedern abhingen.
'Keine Schäden an der Bremse oder dem Schiff', meldete einer der Implementierungstechniker.
Faslorn stieß die phelanische Entsprechung eines Seufzers aus. 'Sehr gut. Die Haltegurte kappen.'
Auf ganzer Länge der eingerollten Bremse erhellten winzige funkelnde Lichter die ewige Nacht des Alls, als die Bänder, die die Bremse zusammenhielten, durchtrennt wurden. Nach der Zerstörung der Bänder setzte die Wirkung der Zentrifugalkraft ein. Das ätherische Gespinst der Bremse schlug mächtige Wellen, als es sich aufrollte.
Es war schwierig, den Fortschritt der Implementierung zu verfolgen. Die zusammengerollte Bremse war anfangs eine lange Leine, die sich bis zum Fluchtpunkt verdrillt und verdreht hatte, und als diese Masse sich nun entfaltete, enthüllte sie die reflektierende Folie, mit der die Oberfläche beschichtet war. Eine zu hundert Prozent reflektierende Oberfläche ist im Weltraum praktisch unsichtbar. Sie reflektierte die Schwärze des Raums und verzerrte zugleich die Spiegelbilder der Sterne. Für einen Beobachter schien es, als ob das Universum von einer riesigen, unsichtbaren Klaue zerknüllt würde.
Weit hinter dem Sternenschiff öffnete eine riesige Blume ihre Blüten zum Weltraum und markierte das Ende einer Reise, die über drei phelanische Lebensalter gedauert hatte. Es war eine Reise, die in Feuer begonnen hatte und die damit enden würde, dass man an der Fotosphäre der kleinen gelben Sonne vorbeischrammte, die ihr Ziel war - und die im Moment nur den hellsten Lichtpunkt am Himmel darstellte.
Faslorns Generation war wahrscheinlich die letzte Generation der Phelaner, die ihr Leben zwischen den Sternen verbrachte. In ein paar Dutzend tarn würde die Begegnung mit den intelligenten Wesen der gelben Sonne stattfinden. Es war Faslorns Aufgabe - und die seiner Schiffskameraden -, eine Heimstatt unter den fremdartigen zweibeinigen Kreaturen zu finden, die sich selbst großspurig als Homo Sapiens bezeichneten. Falls er Erfolg hatte, würde die nächste Generation von Phelanern mit einem festen Boden statt einem stählernen Deck unter den Füßen geboren. Und wenn nicht, würde Faslorns Linie vermutlich mit ihm enden.
'Schau, wie sie den Himmel ausfüllt', sagte sein Assistent. Über ihnen hatte die Sternenbremse sich schon so weit ausgedehnt, dass sie den kalten Lichtpunkt ausblendete, der einmal ihre Heimat gewesen war.
Faslorns Geste war die phelanische Entsprechung eines Lächelns. 'Das stimmt, Paldar. Es wird auch nicht mehr lange dauern, bis sie uns bemerken.'
Während der Kapitän der Far Horizons den steten Reigen der Implementierung beobachtete, dachte er an die schwierige Aufgabe, die vor ihm lag. Es hatte auch eine gewisse Symbolkraft, dass die Sterne hinter ihm langsam durch die Reflexionen der Sterne vor ihm ausgeblendet wurden.
Die Far Horizons war im Einsatz. Es gab keinen Weg zurück. Das Schicksal zweier intelligenter Spezies würde durch die nun folgenden Ereignisse entschieden werden.
Starhopper
Die rötliche Kugel des Mars füllte einen ganzen Quadranten des sternenübersäten Himmels aus und flutete die transparente Kuppel mit rubinrotem Licht. Doch so schön der Anblick auch war, Victoria Bronson hatte nur Augen für das pyramidenförmige Ensemble aus Brennstofftanks und Rohrleitungen, die sich als Silhouetten gegen den Planeten abzeichneten. Nach einer zwanzigjährigen Planungs- und dreijährigen Bauphase war Starhopper nun fast fertig. Bald würden Tanker hunderttausend Tonnen Flüssigsauerstoff in die großen Brennstofftanks des Schiffs pumpen. Zehn Tage später - vorausgesetzt, dass beim komplexen Countdown keine Pannen auftraten - würde der erste Besucher der Menschheit bei einem anderen Stern zu seiner langen Reise in die tiefe Schwärze aufbrechen.
Die Menschen hatten fast die ganze Zeit von Reisen zu den Sternen geträumt, seit sie wussten, dass es sich bei den kleinen Lichtpunkten um ferne Sonnen handelte. Während Schriftsteller Oden an den Raumflug komponierten, stöhnten die Ingenieure über die enormen Energien, die hierfür erforderlich waren. Eskapistisch orientierte Science-Fiction-Autoren ersannen fantastische Pläne für den blitzschnellen Flug zwischen Sternsystemen, während Physiker das Problem nicht minder fantasievoll angingen. Wissenschaftler spekulierten über die Existenz von Wurmlöchern, Dimensionen außerhalb der normalen Raumzeit oder eine verzerrte Raumzeit als Breschen in der Mauer der Einstein-Barriere. Leider erwiesen die Anstrengungen der Wissenschaftler sich als genauso wirkungslos wie die Bemühungen der Dichter und Schriftsteller. Trotz aller Versuche entzogen die Sterne sich auch weiterhin dem Zugriff der Menschheit.
Das heißt, bis zum Jahr 2217. In diesem Jahr verkündete nämlich ein junger marsianischer Physiker namens Dardan Pierce, dass die Zeit für die Erforschung der näheren Sterne gekommen sei. In einer im System Journal for Astrophysics veröffentlichen Studie skizzierte Pierce die Parameter für einen erfolgreichen interstellaren Raumflug. Dabei war Pierces Sternenschiff gar nicht mal ein futuristisches überlichtschnelles Gerät, sondern ein Raumschiff, das fast ein ganzes Menschenalter für seine Reise benötigen würde. Er schloss seine Studie mit der Anregung für seine Kollegen, einen Prototypen in Form einer mit Instrumenten bestückten Raumsonde zu bauen und dieses Gerät auf eine Forschungsmission zu den Welten zu senden, von denen man wusste, dass sie Alpha Centauri umkreisten: den nächsten Nachbarn der Sonne am Firmament.
Faslorn ließ den Blick über die Instrumente des Schiffs schweifen, als die letzten paar kelder gebündelten Leinen sich ablösten. Dann widmete er seine Aufmerksamkeit wieder den Monitoren und verfolgte, wie die Millionen lange Masse der Sternenbremse sich zu voller Länge entfaltete und sich ruckartig spannte.
'Alarm', befahl Faslorn. 'Rückschlag erfolgt.'
Der Alarm hallte in allen Gängen des riesigen Sternenschiffs wider, und tausende Besatzungsmitglieder hielten in ihren jeweiligen Tätigkeiten inne und suchten einen Halt. Faslorn schlang eine Sechsfingerhand um einen Pfosten und hielt sich daran fest. Weit draußen sah er die Reflektionswelle der Sternenbremse auf die Far Horizons zulaufen.
Dann brandete die Rückschlagwelle gegen das Schiff und schüttelte es so stark durch, dass das Deck sich wölbte. Er nahm jedoch kaum Notiz von den Schwingungen, mit denen die Kräfte sich im Sternenschiff neu verteilten.
Seine volle Aufmerksamkeit galt den Bildschirmen. Und der Takt seines Doppelherzens erhöhte sich leicht, als er die riesige Konstruktion überflog, von der sein Schicksal und das von hunderttausend Besatzungsmitgliedern abhingen.
'Keine Schäden an der Bremse oder dem Schiff', meldete einer der Implementierungstechniker.
Faslorn stieß die phelanische Entsprechung eines Seufzers aus. 'Sehr gut. Die Haltegurte kappen.'
Auf ganzer Länge der eingerollten Bremse erhellten winzige funkelnde Lichter die ewige Nacht des Alls, als die Bänder, die die Bremse zusammenhielten, durchtrennt wurden. Nach der Zerstörung der Bänder setzte die Wirkung der Zentrifugalkraft ein. Das ätherische Gespinst der Bremse schlug mächtige Wellen, als es sich aufrollte.
Es war schwierig, den Fortschritt der Implementierung zu verfolgen. Die zusammengerollte Bremse war anfangs eine lange Leine, die sich bis zum Fluchtpunkt verdrillt und verdreht hatte, und als diese Masse sich nun entfaltete, enthüllte sie die reflektierende Folie, mit der die Oberfläche beschichtet war. Eine zu hundert Prozent reflektierende Oberfläche ist im Weltraum praktisch unsichtbar. Sie reflektierte die Schwärze des Raums und verzerrte zugleich die Spiegelbilder der Sterne. Für einen Beobachter schien es, als ob das Universum von einer riesigen, unsichtbaren Klaue zerknüllt würde.
Weit hinter dem Sternenschiff öffnete eine riesige Blume ihre Blüten zum Weltraum und markierte das Ende einer Reise, die über drei phelanische Lebensalter gedauert hatte. Es war eine Reise, die in Feuer begonnen hatte und die damit enden würde, dass man an der Fotosphäre der kleinen gelben Sonne vorbeischrammte, die ihr Ziel war - und die im Moment nur den hellsten Lichtpunkt am Himmel darstellte.
Faslorns Generation war wahrscheinlich die letzte Generation der Phelaner, die ihr Leben zwischen den Sternen verbrachte. In ein paar Dutzend tarn würde die Begegnung mit den intelligenten Wesen der gelben Sonne stattfinden. Es war Faslorns Aufgabe - und die seiner Schiffskameraden -, eine Heimstatt unter den fremdartigen zweibeinigen Kreaturen zu finden, die sich selbst großspurig als Homo Sapiens bezeichneten. Falls er Erfolg hatte, würde die nächste Generation von Phelanern mit einem festen Boden statt einem stählernen Deck unter den Füßen geboren. Und wenn nicht, würde Faslorns Linie vermutlich mit ihm enden.
'Schau, wie sie den Himmel ausfüllt', sagte sein Assistent. Über ihnen hatte die Sternenbremse sich schon so weit ausgedehnt, dass sie den kalten Lichtpunkt ausblendete, der einmal ihre Heimat gewesen war.
Faslorns Geste war die phelanische Entsprechung eines Lächelns. 'Das stimmt, Paldar. Es wird auch nicht mehr lange dauern, bis sie uns bemerken.'
Während der Kapitän der Far Horizons den steten Reigen der Implementierung beobachtete, dachte er an die schwierige Aufgabe, die vor ihm lag. Es hatte auch eine gewisse Symbolkraft, dass die Sterne hinter ihm langsam durch die Reflexionen der Sterne vor ihm ausgeblendet wurden.
Die Far Horizons war im Einsatz. Es gab keinen Weg zurück. Das Schicksal zweier intelligenter Spezies würde durch die nun folgenden Ereignisse entschieden werden.
Starhopper
Die rötliche Kugel des Mars füllte einen ganzen Quadranten des sternenübersäten Himmels aus und flutete die transparente Kuppel mit rubinrotem Licht. Doch so schön der Anblick auch war, Victoria Bronson hatte nur Augen für das pyramidenförmige Ensemble aus Brennstofftanks und Rohrleitungen, die sich als Silhouetten gegen den Planeten abzeichneten. Nach einer zwanzigjährigen Planungs- und dreijährigen Bauphase war Starhopper nun fast fertig. Bald würden Tanker hunderttausend Tonnen Flüssigsauerstoff in die großen Brennstofftanks des Schiffs pumpen. Zehn Tage später - vorausgesetzt, dass beim komplexen Countdown keine Pannen auftraten - würde der erste Besucher der Menschheit bei einem anderen Stern zu seiner langen Reise in die tiefe Schwärze aufbrechen.
Die Menschen hatten fast die ganze Zeit von Reisen zu den Sternen geträumt, seit sie wussten, dass es sich bei den kleinen Lichtpunkten um ferne Sonnen handelte. Während Schriftsteller Oden an den Raumflug komponierten, stöhnten die Ingenieure über die enormen Energien, die hierfür erforderlich waren. Eskapistisch orientierte Science-Fiction-Autoren ersannen fantastische Pläne für den blitzschnellen Flug zwischen Sternsystemen, während Physiker das Problem nicht minder fantasievoll angingen. Wissenschaftler spekulierten über die Existenz von Wurmlöchern, Dimensionen außerhalb der normalen Raumzeit oder eine verzerrte Raumzeit als Breschen in der Mauer der Einstein-Barriere. Leider erwiesen die Anstrengungen der Wissenschaftler sich als genauso wirkungslos wie die Bemühungen der Dichter und Schriftsteller. Trotz aller Versuche entzogen die Sterne sich auch weiterhin dem Zugriff der Menschheit.
Das heißt, bis zum Jahr 2217. In diesem Jahr verkündete nämlich ein junger marsianischer Physiker namens Dardan Pierce, dass die Zeit für die Erforschung der näheren Sterne gekommen sei. In einer im System Journal for Astrophysics veröffentlichen Studie skizzierte Pierce die Parameter für einen erfolgreichen interstellaren Raumflug. Dabei war Pierces Sternenschiff gar nicht mal ein futuristisches überlichtschnelles Gerät, sondern ein Raumschiff, das fast ein ganzes Menschenalter für seine Reise benötigen würde. Er schloss seine Studie mit der Anregung für seine Kollegen, einen Prototypen in Form einer mit Instrumenten bestückten Raumsonde zu bauen und dieses Gerät auf eine Forschungsmission zu den Welten zu senden, von denen man wusste, dass sie Alpha Centauri umkreisten: den nächsten Nachbarn der Sonne am Firmament.