
Meine Frau will einen Garten
Vom Abenteuer, ein Haus am Stadtrand zu bauen
Gerhard Matzig(Author)
Goldmann (Publisher)
Published on 1. March 2010
Book
Hardback
256 pages
978-3-442-31201-6 (ISBN)
Description
Ein hinreißend humorvolles Buch über den Traum vom eigenen Haus
Frühmorgens um fünf liegt ein Mann schlaflos im Bett und wackelt unschlüssig mit den Zehen. Soll er, oder soll er nicht? Soll er seiner Frau Pia und seinen drei Kindern den größten Wunsch erfüllen? Ein eigenes Haus im Grünen: Das ist der Traum seiner Familie. Leider ist das aber genau das, was er nicht will, denn er liebt das Leben in der Stadt, in einer Altbauwohnung in der Nähe von Kinos und Kneipen. Schließlich überwindet er seine Widerstände und trifft eine mutige Entscheidung: Er baut selbst ein Haus. Und eigentlich wäre das ein großartiges Abenteuer - wenn es nicht von haarsträubenden Widrigkeiten, absurden Begegnungen und dem heimlichen Wunsch begleitet wäre, sich aus dem Staub zu machen. Natürlich bleibt der Mann und stellt sich seiner zehenwackelnden Schlaflosigkeit und den Kernfragen des Lebens. Zum Beispiel nach den richtigen Fliesen im Bad.
Die herzerwärmende Geschichte einer wunderbaren Familie: charmant und liebenswert!
Frühmorgens um fünf liegt ein Mann schlaflos im Bett und wackelt unschlüssig mit den Zehen. Soll er, oder soll er nicht? Soll er seiner Frau Pia und seinen drei Kindern den größten Wunsch erfüllen? Ein eigenes Haus im Grünen: Das ist der Traum seiner Familie. Leider ist das aber genau das, was er nicht will, denn er liebt das Leben in der Stadt, in einer Altbauwohnung in der Nähe von Kinos und Kneipen. Schließlich überwindet er seine Widerstände und trifft eine mutige Entscheidung: Er baut selbst ein Haus. Und eigentlich wäre das ein großartiges Abenteuer - wenn es nicht von haarsträubenden Widrigkeiten, absurden Begegnungen und dem heimlichen Wunsch begleitet wäre, sich aus dem Staub zu machen. Natürlich bleibt der Mann und stellt sich seiner zehenwackelnden Schlaflosigkeit und den Kernfragen des Lebens. Zum Beispiel nach den richtigen Fliesen im Bad.
Die herzerwärmende Geschichte einer wunderbaren Familie: charmant und liebenswert!
More details
Language
German
Place of publication
München
Germany
Product notice
With dust jacket
Dimensions
Height: 20 cm
Width: 12.5 cm
ISBN-13
978-3-442-31201-6 (9783442312016)
Schweitzer Classification
Person
Author
Gerhard Matzig, geboren 1963, schreibt Bücher und ist Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Für seine Essays und Reportagen wurde er vielfach ausgezeichnet, zuletzt erhielt er den DAI-Literaturpreis. Gerhard Matzig ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in München.
Content
Wie es kam, dass die Erde nach Feierabend stillstand? Und wie ich hierher geraten konnte? In dieses wundersch?ne Haus am Stadtrand, umgeben von einer wundersch?nen Frau und gro?n Z?en, von Gartenzwergen und Bayernfahnen, dazu angehalten, den Rasen zwar nicht zwischen 12 und 14 Uhr, daf?r aber grunds?lich am Samstag zu m?n? Wie all das geschehen konnte? Gute Frage, wirklich, das ist eine sehr gute Frage.
1. Kapitel, in welchem eine Familie vorgestellt wird, die sich morgens um halb sieben anh?rt wie ein sinkender Flugzeugtr?r. Eine schlimme Krankheit wird beim ?berm?deten m?lichen Familienvorstand vermutet, aber dann doch nicht best?gt. Wenn man jedoch gesund ist, denkt seine Frau, kann man dann nicht auch ein Haus bauen?
Das Bett knarzt. Pia grummelt im Schlaf. Deshalb verharre ich mitten in der Bewegung, was meine Bauchmuskeln genau eine halbe Sekunde mitmachen. Dann sacke ich ?zend zur?ck ins Kissen. Pia grummelt jetzt nicht mehr im Schlaf, sondern im ?ger. Sie dreht den Kopf zu mir r?ber und sagt: ?F?nf. Es ist f?nf Uhr. F?nf Uhr fr?h. Kannst du schon wieder nicht schlafen?? Sie macht das kleine Licht an ihrer Seite an und setzt sich auf. Meine Frau schaut mich jetzt zugleich z?lich, sorgenvoll und supersauer an. So einen Blick hat nur Pia drauf. Sie hat gr?ne Augen. ?Schlaf weiter, Pia?, sage ich.
?W?rde ich ja gerne?, antwortet sie, ?aber da liegt ein Mann neben mir, der immer zwischen drei und sechs aufwacht und sich ?ber mich beugt, um nachzuschauen, wie sp?es ist. Das h?rt sich nach anstrengenden Sit-ups an, weil du dabei meistens r?chelst, weshalb ich aufwache. Immer zwischen drei und sechs.?
?'tschuldigung.?
?Schon gut. Warum nimmst du den Wecker nicht auf deine Seite??
?Ich will keinen Wecker. Der Wecker tickt. Und beim Ticken h?rt man, wie die Zeit vergeht. Mein Leben vertickt. Ich bin 45 Jahre alt, und der Wecker sagt dazu: tick, tick, tick. Und du willst, dass wir alle in ein Haus an den Stadtrand ziehen, und der Wecker sagt dazu tick, tick, tick.?
?Bl?dsinn. Du tickst ja nicht richtig, Liebling. Komm, schlaf weiter. Mach dir keine Sorgen. Wir finden eh nie ein Haus.? Sie g?t und kuschelt sich seufzend wieder in ihr Kissen.
?Ich kann nicht schlafen.?
?Hmmm. Warum nicht??
?Weil du einen Garten willst. Und so, wie du ein Haus f?r uns suchst, wirst du auch eines finden. Meine Tage hier in dieser Wohnung sind gez?t. Tick, tick, tick.?
Pia h?rt das nicht mehr, sie ist schon wieder eingeschlafen. Vermutlich tr?t sie vom Garten. Ihr Traum ist mein Alptraum. Seit Monaten kann ich nicht mehr richtig schlafen und wache immer viel zu fr?h auf. Garten, Haus, Vorort, S-Bahn, ein Leben in Verschuldung und an der Peripherie. Und am Samstag immer zum Gartencenter. Tick, tick, tick. Der Wecker klingt h?sch. Und auch ein bisschen wie eine Bombe. Als wollte mir der Wecker sagen, dass mein Leben, so wie ich es kenne, bald vorbei sein wird. Da soll man schlafen k?nnen.
Drau?n vor dem Schlafzimmerfenster wei?der aufziehende M?nchner Herbstmorgen nicht genau, ob er sich noch wie ein frisch geb?gelter Sp?ommertag oder schon wie ein knittriger Fr?hwintertag anf?hlen soll. Ich bin, in der Mitte meines Lebens angekommen, ebenso m?de wie schlaflos.
Auf Pias Seite stapeln sich seit Monaten Zeitschriften rund um den Nachttisch, die Traumh?er pr?ntieren. Perfekte H?er mit perfekten Menschen darin. Pia l?t mir Zeit, aber sie h?rt auch nicht auf, Hausbesichtigungstermine zu vereinbaren. Oder gleich vom Hausbau zu sprechen. Vom ?gro?n Abenteuer?, wie sie sagt. So habe ich mir Termine beim K?chenplaner und Entscheidungen ?ber Fliesenmuster auch immer vorgestellt: als das gro? Abenteuer meines Lebens. Fehlt nur noch, dass wir eine Musterhausausstellung besuchen. So weit kommt's noch, denke ich und w?e mich wieder herum. Die Laune ist nicht so besonders. Die Ehe zurzeit auch nicht.
Ich w?rde gern weiterschlafen. Oder aufstehen. Die Unentschlossenheit macht wach und m?de zugleich. Ein Dilemma. Ist das Problem eines Mitte-des-Lebens-Lebens nicht vielleicht einfach diese Mitte? Ich bin deshalb zurzeit f?r jedes Extrem zu haben. Knittriger Wintertag, denke ich, genau, ich bin jetzt einfach mal f?r Wintertag. Man muss die R?er suchen in der Mitte des Lebens. Aber nicht unbedingt die R?er der Stadt. Pia will ein Haus mit Garten am Stadtrand. Ich nicht.
Einen Winterwolkentag w?nsche ich mir. Winterwolkentag h?rt sich nach Bettdecke an. Bettdecke hei? Schlaf, und an Schlaf w? mir gelegen. Noch eine Stunde, h?chstens anderthalb, dann stehen unsere Kinder Julia, Anton und Max auf, erst eins, dann zwei, dann drei - und dann auch meine Frau. Es wird noch nicht halb sieben sein, und schon wird mein Leben sein, als spiele es sich auf dem Deck eines Flugzeugtr?rs ab, der in Kriegshandlungen verwickelt und soeben von einem Torpedo gerammt wurde.
Erst br?llt der Kapit? ?Schadensmeldung! Ich brauche einen vollst?igen Schadensbericht!? Dann br?llt der Erste Offizier: ?Maschinenausfall. Wassereinbruch achtern. Wir schalten um auf Notstrom. Schlagseite. Vierzehn Grad. Wir sinken.? Dann wieder der Kapit? ?Okay Leute, raus, alle raus hier.? Und mitten im Get?mmel h?re ich Anton heulen. Er heult, weil ihm sein Bruder eine wichtige Indiana-Jones-Figur aus dem Lego-Sortiment entwendet hat. Dann br?llt Max, weil Anton ihn daf?r geschubst hat. Dann br?llt Julia, weil sie als ?teste findet, dass sich ihre j?ngeren Br?der nicht so auff?hren sollen. Sie spielt gerne die Ersatzmama und entwickelt wegen ihrer Br?der fr?he Merkmale eines sp?ozialistischen Blockwarts. Dann br?llt Pia. Sie findet, dass sich ihre Tochter nicht als Ersatzmama und schon gar nicht wie ein Ersatzblockwart auff?hren soll.
Dann br?lle ich. Weil ich finde, dass sich meine Familie nicht so auff?hren soll. Und dann auch einfach so. Einfach, weil ich nicht wei? ob ich ein Haus bauen soll. Und weil ich m?de bin.
Schlaf w? gut. Und dazu eine dicke Decke, die man ?ber alles wie Pulverschnee breiten k?nnte: ?ber die Gedanken zu Immobilienkrediten, ?ber Baukostensteigerungsnachrichten und Gartencenterprospekte, ?ber neue Schulen f?r die Kinder und ?ber eine Zukunft im Vorort. Und dann schlafen, einfach nur schlafen. Nur dass ich nicht schlafen kann.
1. Kapitel, in welchem eine Familie vorgestellt wird, die sich morgens um halb sieben anh?rt wie ein sinkender Flugzeugtr?r. Eine schlimme Krankheit wird beim ?berm?deten m?lichen Familienvorstand vermutet, aber dann doch nicht best?gt. Wenn man jedoch gesund ist, denkt seine Frau, kann man dann nicht auch ein Haus bauen?
Das Bett knarzt. Pia grummelt im Schlaf. Deshalb verharre ich mitten in der Bewegung, was meine Bauchmuskeln genau eine halbe Sekunde mitmachen. Dann sacke ich ?zend zur?ck ins Kissen. Pia grummelt jetzt nicht mehr im Schlaf, sondern im ?ger. Sie dreht den Kopf zu mir r?ber und sagt: ?F?nf. Es ist f?nf Uhr. F?nf Uhr fr?h. Kannst du schon wieder nicht schlafen?? Sie macht das kleine Licht an ihrer Seite an und setzt sich auf. Meine Frau schaut mich jetzt zugleich z?lich, sorgenvoll und supersauer an. So einen Blick hat nur Pia drauf. Sie hat gr?ne Augen. ?Schlaf weiter, Pia?, sage ich.
?W?rde ich ja gerne?, antwortet sie, ?aber da liegt ein Mann neben mir, der immer zwischen drei und sechs aufwacht und sich ?ber mich beugt, um nachzuschauen, wie sp?es ist. Das h?rt sich nach anstrengenden Sit-ups an, weil du dabei meistens r?chelst, weshalb ich aufwache. Immer zwischen drei und sechs.?
?'tschuldigung.?
?Schon gut. Warum nimmst du den Wecker nicht auf deine Seite??
?Ich will keinen Wecker. Der Wecker tickt. Und beim Ticken h?rt man, wie die Zeit vergeht. Mein Leben vertickt. Ich bin 45 Jahre alt, und der Wecker sagt dazu: tick, tick, tick. Und du willst, dass wir alle in ein Haus an den Stadtrand ziehen, und der Wecker sagt dazu tick, tick, tick.?
?Bl?dsinn. Du tickst ja nicht richtig, Liebling. Komm, schlaf weiter. Mach dir keine Sorgen. Wir finden eh nie ein Haus.? Sie g?t und kuschelt sich seufzend wieder in ihr Kissen.
?Ich kann nicht schlafen.?
?Hmmm. Warum nicht??
?Weil du einen Garten willst. Und so, wie du ein Haus f?r uns suchst, wirst du auch eines finden. Meine Tage hier in dieser Wohnung sind gez?t. Tick, tick, tick.?
Pia h?rt das nicht mehr, sie ist schon wieder eingeschlafen. Vermutlich tr?t sie vom Garten. Ihr Traum ist mein Alptraum. Seit Monaten kann ich nicht mehr richtig schlafen und wache immer viel zu fr?h auf. Garten, Haus, Vorort, S-Bahn, ein Leben in Verschuldung und an der Peripherie. Und am Samstag immer zum Gartencenter. Tick, tick, tick. Der Wecker klingt h?sch. Und auch ein bisschen wie eine Bombe. Als wollte mir der Wecker sagen, dass mein Leben, so wie ich es kenne, bald vorbei sein wird. Da soll man schlafen k?nnen.
Drau?n vor dem Schlafzimmerfenster wei?der aufziehende M?nchner Herbstmorgen nicht genau, ob er sich noch wie ein frisch geb?gelter Sp?ommertag oder schon wie ein knittriger Fr?hwintertag anf?hlen soll. Ich bin, in der Mitte meines Lebens angekommen, ebenso m?de wie schlaflos.
Auf Pias Seite stapeln sich seit Monaten Zeitschriften rund um den Nachttisch, die Traumh?er pr?ntieren. Perfekte H?er mit perfekten Menschen darin. Pia l?t mir Zeit, aber sie h?rt auch nicht auf, Hausbesichtigungstermine zu vereinbaren. Oder gleich vom Hausbau zu sprechen. Vom ?gro?n Abenteuer?, wie sie sagt. So habe ich mir Termine beim K?chenplaner und Entscheidungen ?ber Fliesenmuster auch immer vorgestellt: als das gro? Abenteuer meines Lebens. Fehlt nur noch, dass wir eine Musterhausausstellung besuchen. So weit kommt's noch, denke ich und w?e mich wieder herum. Die Laune ist nicht so besonders. Die Ehe zurzeit auch nicht.
Ich w?rde gern weiterschlafen. Oder aufstehen. Die Unentschlossenheit macht wach und m?de zugleich. Ein Dilemma. Ist das Problem eines Mitte-des-Lebens-Lebens nicht vielleicht einfach diese Mitte? Ich bin deshalb zurzeit f?r jedes Extrem zu haben. Knittriger Wintertag, denke ich, genau, ich bin jetzt einfach mal f?r Wintertag. Man muss die R?er suchen in der Mitte des Lebens. Aber nicht unbedingt die R?er der Stadt. Pia will ein Haus mit Garten am Stadtrand. Ich nicht.
Einen Winterwolkentag w?nsche ich mir. Winterwolkentag h?rt sich nach Bettdecke an. Bettdecke hei? Schlaf, und an Schlaf w? mir gelegen. Noch eine Stunde, h?chstens anderthalb, dann stehen unsere Kinder Julia, Anton und Max auf, erst eins, dann zwei, dann drei - und dann auch meine Frau. Es wird noch nicht halb sieben sein, und schon wird mein Leben sein, als spiele es sich auf dem Deck eines Flugzeugtr?rs ab, der in Kriegshandlungen verwickelt und soeben von einem Torpedo gerammt wurde.
Erst br?llt der Kapit? ?Schadensmeldung! Ich brauche einen vollst?igen Schadensbericht!? Dann br?llt der Erste Offizier: ?Maschinenausfall. Wassereinbruch achtern. Wir schalten um auf Notstrom. Schlagseite. Vierzehn Grad. Wir sinken.? Dann wieder der Kapit? ?Okay Leute, raus, alle raus hier.? Und mitten im Get?mmel h?re ich Anton heulen. Er heult, weil ihm sein Bruder eine wichtige Indiana-Jones-Figur aus dem Lego-Sortiment entwendet hat. Dann br?llt Max, weil Anton ihn daf?r geschubst hat. Dann br?llt Julia, weil sie als ?teste findet, dass sich ihre j?ngeren Br?der nicht so auff?hren sollen. Sie spielt gerne die Ersatzmama und entwickelt wegen ihrer Br?der fr?he Merkmale eines sp?ozialistischen Blockwarts. Dann br?llt Pia. Sie findet, dass sich ihre Tochter nicht als Ersatzmama und schon gar nicht wie ein Ersatzblockwart auff?hren soll.
Dann br?lle ich. Weil ich finde, dass sich meine Familie nicht so auff?hren soll. Und dann auch einfach so. Einfach, weil ich nicht wei? ob ich ein Haus bauen soll. Und weil ich m?de bin.
Schlaf w? gut. Und dazu eine dicke Decke, die man ?ber alles wie Pulverschnee breiten k?nnte: ?ber die Gedanken zu Immobilienkrediten, ?ber Baukostensteigerungsnachrichten und Gartencenterprospekte, ?ber neue Schulen f?r die Kinder und ?ber eine Zukunft im Vorort. Und dann schlafen, einfach nur schlafen. Nur dass ich nicht schlafen kann.