
Max Schulze
Ministry of Planning
Pagina Verlag
Published on 15. January 2015
Book
Paperback/Softback
120 pages
978-3-944146-54-6 (ISBN)
Description
Kunstkatalog anlässlich der Ausstellung "Ministery of Planning" im Museum Goch.
Neben der Ausstellung in Goch zeigt der Katalog auch Arbeiten von den Ausstellungen in der Zeit von 1910 bus 1913 in den Städten Bonn, Mönchengladbach, Köln, Detroit und Duisburg.
Mit Texten von Dr. Stephan Mann, Steffen Fischer, Christoph Platz und Marcel Hiller.
More details
Language
English
German
Edition type
New edition
Product notice
sewn/stitched
Dimensions
Height: 32 cm
Width: 23 cm
Weight
750 gr
ISBN-13
978-3-944146-54-6 (9783944146546)
Schweitzer Classification
Persons
Author
Photographer
Translation
Content
Ein Ministerium entsteht
Unabhängig von dem gegenwärtigen Stand der Diskussion über Malerei beschäftigt sich das Museum Goch in unregelmäßigen Abständen immer wieder mit Malerei als einer der substanziellen Disziplinen in der Kunst. Mit dem Düsseldorfer Künstler Max Schulze stellt das Museum eine weitere Position dieser klassischen Gattung zu Diskussion. In seiner ersten musealen Einzelausstellung präsentiert der junge Künstler Ergebnisse seiner Arbeit, in der er grundlegenden Fragen zur Bildfindung und Wahrnehmung nachgeht: Wie verhalten sich Abstraktion und Figuration zueinander?
Welchen Einfluss haben Inszenierung und die Veränderung von räumlichen Attributen auf die
Lesbarkeit von Malerei? Welche Prozesse liegen der künstlerischen Entscheidung zugrunde?
Mit diesen Fragen versucht Max Schulze das klassische Bildverständnis zu erweitern und erarbeitet sich eine eigene Position. Durch die Erweiterung des Blickfeldes über den Bildträger hinaus geht er sowohl in seinen Motiven als auch in den Räumen seiner Bildpräsentationen neue Wege. Mit Hilfe von Farbschichtungen und Überlagerungen, Durchbrüchen und Verletzungen der Oberflächen sowie der Inszenierung des Endproduktes 'Mischtechnik auf Keilrahmen' dringt er immer weiter in neue Dimensionen der Malerei vor.
In dieser Phase seiner Arbeit lädt das Museum Goch den Künstler ein, die Räume des Museums, die sich in einem 1991 umgebauten ehemaligen Amtsgericht befinden, zu bespielen. Genau an diesem Ort entwickelt Max Schulze unter dem Titel 'Ministry of Planning' ein Ausstellungs- und Präsentationskonzept, das sich auf ein realexistierendes Ministerium bezieht, das er während einer Reise 2013 - 14 durch Kambodscha und Vietnam entdeckte. Die Aufgaben dieses universalen
Ministeriums, das üblicherweise in Entwicklungs- oder Schwellenländern existiert, sind überaus komplex und je nach Land so unterschiedlich, dass eine übergreifende Definition kaum möglich scheint. Hauptaufgabenfelder sind oft Raum-, Entwicklungs-, Wirtschafts-, und Nachhaltigkeitsplanung, die nach Bedarf des jeweiligen Landes auch erweitert und abgeändert werden können. Genau solch ein Ministerium installiert der Künstler nun im Museum Goch am Niederrhein und nimmt so auf die ehemals staatliche Funktion des Gebäudes Bezug, um es mit neuen Aufgaben zu füllen. Dabei fasziniert Max Schulze die scheinbare Unsinnigkeit einer Planung ohne genaues Ziel und er stellt dies in eine Relation zur eigenen Fragestellung innerhalb der Malerei. Den Museumsraum belässt er nicht als reinen Aufbewahrungsort seiner Bilder, sondern inszeniert ihn präzise, um ihn als Erweiterung der Lesbarkeit von Malerei zu aktivieren. Mit gelb markierten Säulen und dem Einbau von Gitterwänden greift Max
Schulze formal in die Museumsräume ein. Die Bilder selbst werden durch die Platzierung innerhalb der Einbauten sowie durch die verwendete Farbigkeit Straßenoder Gefahrenschildern vergleichbar und werden benutzt, um den Raum oder die Besucher zu organisieren. Wie eine Warnung wirken diese Eingriffe und lassen den Besucher mit mehr Fragen als Antworten zurück. Die schwarze Folie, die den gesamten Boden der Ausstellungsräume bedeckt, macht den wohnlichen Holzboden des Museums unsichtbar und steigert auf diese Weise die artifizielle Atmosphäre der Inszenierung.
Trotz aller Umbaumaßnahmen in den Ausstellungsräumen wird deutlich, dass es sich nicht um eine
Installation im klassischen Sinne handelt. Vielmehr entsteht durch die architektonischen Eingriffe eine neue Plattform für die Inszenierung von Malerei. Gleichzeitig setzt sich Schulze mit der Frage auseinander, wie Farbe zur Regulierung der Außenwelt genutzt werden kann. Er untersucht in seiner Arbeit, wie eben sie in der Gesellschaft als Zeichen verwendet wird und stellt dabei den Abstraktionsgehalt der Realität in den Mittelpunkt seiner Untersuchung. So finden sich abstrakte
Währungssymbole wie Dollar oder Eurozeichen, die auf der ganzen Welt verstanden werden, in seinen
Bildern wieder. Sind diese ein Kommentar auf aktuelle Fragen zur Finanzkrise? Weist der inszenierte Raum über eine Plattform für die Malerei hinaus und stellt insgeheim allgemeingültige gesellschaftliche
Fragen zur aktuellen politischen Situation? Hilft eine Mietpreisregulierung, die Städte nicht in arm und reich zu teilen? Können wir uns durch mehr Planung mit Absperrungen vor Flüchtlingsströmen schützen? Ist die Planung, die im Ministerium erarbeitet wird, positiv oder negativ zu werten? Wann fängt eine Spur an, eine Figur zu werden und wann fängt das Bild an eine Geschichte zu erzählen? Und um welche Geschichte handelt es sich eigentlich? Hier, inmitten des inszenierten Raums, fordert uns der Künstler heraus, die losen Enden und Anknüpfungspunkte, welche er in diesem Ministerium vorgibt, zueinander in Beziehung zu setzen und mit eigenen Fragen zu verbinden. Wir freuen uns sehr, dass diese Publikation unsere flüchtige Ausstellung dokumentiert und damit ein Stück weit dauerhaft erlebbar macht. Darüber hinaus wird erstmalig eine größere Übersicht des malerischen Werks der letzten Jahre in einem Katalog festgehalten. Hierfür danken wir zuerst dem Künstler, der die Ausstellung mit großem Engagement vorbereitete und installierte. Unser Dank gilt auch Carolin und Jochen Börgmann, ohne die dieses Vorhaben nicht möglich gewesen wäre. Und schließlich freuen wir uns, dass Marcel Hiller und Christoph Platz mit ihren treffenden und inspirierenden Texten das Werk in diesem Katalog vorstellen.
Steffen Fischer & Stephan Mann