
Leidenschaft in Çamlıca
Recaizade Mahmut Ekrem(Author)
Literaturca (Publisher)
Published on 1. December 2014
Book
261 pages
978-3-935535-33-5 (ISBN)
Description
Eine beachtenswerte Würdigung des Romans stammt aus der Feder des Literaten Ahmet Hamdi Tanpinar (1901-1962), der wichtige Hinweise auf einige Charakteristika gab und der die parodistischen und ironischen Züge unterstrich. Tanpinar diagnostizierte als erster "eine starke Anti-Poetik" in diesem Roman. Er sah darin eine Antwort sowohl auf beliebte türkische Werke, als auch auf einige europäische Autoren (z. B. Lamartine). Auch die kurzlebige, sinnlose Verpuffung seichter Existenzen, die für jene Zeit der Belle Epoque so typisch scheinen, sieht Tanpinar in den Rahmen einer umfassenden Gesellschaftskritik eingebunden. Unübersehbar aber vor allem ist jene Spaltung, die in den letzten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die türkische Gesellschaft ereilt hatte. Tanpinars Konklusion ist, dass das Werk eine antiromantische Haltung Ekrems manifestiert.
Die türkische Literaturwissenschaftlerin Jale Parla hat in ihrem Werk Babalar ve Ogullar. Tanzimat Romaninin Epistemolojik Temelleri eine tiefgehend "entlarvende" neue Wertung des Romans in den Raum gestellt und damit im Nachhinein ein Meisterwerk definiert. Sie führt aus, wie jedes Wort, jede Aussage in diesem Roman eine Parodie auf bestimmte Werke der Weltliteratur sowie auf die damalige türkische Literatur sind. Gleichzeitig ist der Roman eine Parodie auf die Lebensweise der jungen osmanischen Erben jener Zeit, deren Lebenssinn sich in der Nachäffung der (vermeintlich) europäischen Lebensweise erschöpft. Eine philosophische Idee, die sich in dieser Zeit des Verfalls in der osmanischen Gesellschaft im Roman sichtbar wurde, kommt hier literarisch zum tragen: Alles, was vormals seit Generationen einen Wert hatte, ist jetzt nichts mehr wert, ist Nichts. Alles zerrinnt zum sinnentleerten Nichts - vielleicht nicht sinnlos aber doch ohne tieferen Zweck und Sinn, ohne etwas Wertvollem und Neuem Raum zu geben.
More details
Language
German
Edition type
New edition
Product notice
Unsewn / adhesive bound
Dimensions
Height: 20 cm
Width: 13.5 cm
ISBN-13
978-3-935535-33-5 (9783935535335)
Schweitzer Classification
Persons
Recaizade Mahmut Ekrem (1847-1914) war einer der wichtigsten Figuren der modernen Literatur der Türkei, die in der letzen Phase des Osmanischen Reichs ihre Anfänge hatte. Er hat nicht nur durch sein dichterisches Werk, sondern auch als erster türkischer Literaturkritiker neue Wege eingeschlagen. Er setzte auf allen Gebieten der türkischen Literatur neue Maßstäbe und gründete die legendäre Zeitschrift Servet-i Fünun (Reichtum der Wissenschaften), die zu einer Art Schule für mehrere Generationen türkischer Autoren wurde.
Content
Nach einem Unwetter in einer Donnerstagnacht regnete es bis zum nächsten Morgen ununterbrochen. Der Regen reinigte die Luft und spülte jedes Staubkörnchen fort, bescherte der Natur eine ganz neue Stimmung. Gleich am darauf folgenden Freitagmorgen ab acht Uhr erlebte der Park einen nie da gewesenen Ansturm von Besuchern. Frauen und Männer liefen in getrennten, kleinen Gruppen im Park auf und ab. Manche von ihnen legten sich auf die Liegen oder setzten sich auf die Stühle, die zwischen den Blumenbeeten aufgestellt waren, und hörten der Musikkapelle zu, die Stücke aus der gerade sehr beliebten Operette 'La Belle Hélène' spielte oder sie betrachteten vergnügt die Vorbeilaufenden.
Unter allen Zuschauern fiel ein junger Herr von etwa dreiundzwanzig oder fünfundzwanzig Jahren ins Auge, mit einem runden, blassen Gesicht, braungelben Augen, schwarzen Haaren und einem schmalen Schnurrbart, von eher kleiner Statur, aber sehr elegant. Er saß an einem Tisch mit zwei Stühlen, nahe des unteren Eingangs, wo er alle Besucher, die den Park betraten oder verließen, gut im Auge hatte. Auf dem einen Stuhl hatte er es sich bequem gemacht, auf den anderen hatte er seinen Mantel abgelegt, derart geschickt, dass die Etikette 'Schneider Mir' im Innenteil des Kragens - wie zufällig - sehr gut zu sehen war, ja, sogar unbedingt die Blicke anderer junger Herren auf sich zog.