Die zerbrochenen Engel
Wolfgang Louis(Author)
fhl Verlag Leipzig
1st Edition
Published on 9. December 2009
Book
Paperback/Softback
233 pages
978-3-942025-18-8 (ISBN)
Description
"Gemeinhin kehren ja alle Dinge, einerlei wie ungestüm darin herumgewühlt wurde, wieder zur Ruhe zurück, und ich muss gestehen, dass ich mich diesem Ausgangspunkt und Endergebnis allen Treibens näher verwandt fühle als seinen Zwischenstationen, weswegen ich einer möglicherweise eintönigen und nichts sagenden Stille jedem egal wie unterhaltsamen und bedeutungsvollen Geschehen gegenüber den Vorzug gebe."
Der Titel des Buches ist gleichfalls derjenige der letzten Erzählung. Während es dort allerdings tatsächlich um einen Jungen geht, der aus Versehen die Weihnachtsengel kaputt macht, lässt sich der Titel über das ganze gesetzt als Metapher verstehen. Es wird von Missgriffen und Irrtümern erzählt, von Verfehlungen, welche sich aus dem Charakter des jeweils Handelnden erklären. Bewusst oder unbewusst liegt für den Moment der Erzählung dieser Charakter bloß und es ist am Leser zu erkennen, welches die wahre und ausschlaggebende Verletzung ist, an welcher der jeweils Erzählende leidet.
So etwa derjenige (Im Nobiskrug), der in der Vorhölle auf seinen Abtransport wartet und sich darüber ereifert, dass die Reihenfolge nicht korrekt eingehalten wird. Oder auch der Protagonist in Nieten, der täglich mit seiner Pistole russisch Roulette spielt und es für einen bösartigen Witz des Zufalls ansieht, wenn er beim Abdrücken nie die Kugel erwischt. Oder jemand entdeckt (Ein System von Löchern), dass sich aus den verschiedenen Maßen seiner Wohnung sein gesamtes Leben ablesen lässt. Ein anderer wieder (Der Nagel) wird jahrelang rätseln, warum sein Vater, bevor er sich in der Jauchegrube ertränkte, einen Nagel in die Wand des Korridors schlug. Man wird beobachten können, wie jemand, umgeben von plappernden Verwandten allmählich abstumpft (Tischgesellschaft), da die Geschwindigkeit der Themenwechsel eine Einschaltung in die Gespräche nicht zulässt. Es wird ebenso berichtet, was passiert, wenn man die Gewohnheiten eines Mannes zu ändern sucht, der lieber in Kaffeehäusern sitzt, als sich in irgendeiner Weise zu betätigen, indem man ihm einen Urlaub aufzwingt (Urlaub in Tillern). Geheimnisse, wie die betörenden Eigenschaften der Aubergine oder was die einzige Erfindung ist, die sich niemals kontrollieren lässt (Wettlauf der Zahlen), werden verraten, nicht ohne dem Handelnden Nöte aufzuzwingen und sein Leben zu verkomplizieren.
Während sich die meisten Geschichten im heutigen Berlin denken ließen, so sind doch auch einige Erzählungen darunter, die auf völlig anderer Bühne spielen. Der Sturm verzweifelter Junggesellen auf einen Harem (Der Harem des Harran-al-Mera) hat notwendigerweise orientalisches Ambiente. Entsprechend in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort spielen die Erlebnisse des Heiligen, der Wasser zu Bier verwandelte (Wasser und Bier) und diejenige des Musikers, der eine Kriegsoper schrieb und nach einem General sucht, der bereit ist, diese mit seinem Heer aufzuführen (Die große Schlacht). So wird der Leser in der Erzählung Der Husten gar in eine Zeit versetzt, in der das Erhängen am Galgen nicht unüblich war und durch Die Mau-Mau-WM lernt er das schöne Dörfchen Dilli kennen.
Im Erzählband "Die zerbrochenen Engel" wird von Abgründen menschlicher Gedanken und von Hintergründen menschlicher Taten erzählt. Einmal bleibt Wolfgang Louis dabei ganz nah an den Dingen, so dass es einen erschrecken kann. Manch andere Geschichte hingegen scheint der Realität unendlich weit enthoben und lässt einen amüsiert darauf blicken und aufatmen. Doch immer sind es scheinbar profane Begebenheiten, die zu existentiellen Problemen werden, die das Leben bestimmen und den Erzählenden leiden lassen.
Louis' Erzählweise entfaltet eine Leichtigkeit, die wortgewandt, spielerisch und unkonventionell in feinen Satzteppichen verwebt ist. Der Stil der Erzählungen ist durchweg humorvoll, also von einer im Hintergrund bleibenden Komik, die weniger zum Lachen als zum Schmunzeln einladen soll.
Der Leser wird in Vergangenheiten entführt, ihm werden Türen in Raum und Zeit einen Spalt breit geöffnet, dass es ihm gerade eben gelingt, einen Blick hineinzuwerfen. Er wird dort Kleinode entdecken.
All diese Details machen die ungewöhnliche Sammlung zu einer spannenden Reise in die Welt der Verfehlungen, der Verletzbarkeiten und Wandlungen innerhalb der menschlichen Psyche und - des ganz alltäglichen Miteinanders.
Der Titel des Buches ist gleichfalls derjenige der letzten Erzählung. Während es dort allerdings tatsächlich um einen Jungen geht, der aus Versehen die Weihnachtsengel kaputt macht, lässt sich der Titel über das ganze gesetzt als Metapher verstehen. Es wird von Missgriffen und Irrtümern erzählt, von Verfehlungen, welche sich aus dem Charakter des jeweils Handelnden erklären. Bewusst oder unbewusst liegt für den Moment der Erzählung dieser Charakter bloß und es ist am Leser zu erkennen, welches die wahre und ausschlaggebende Verletzung ist, an welcher der jeweils Erzählende leidet.
So etwa derjenige (Im Nobiskrug), der in der Vorhölle auf seinen Abtransport wartet und sich darüber ereifert, dass die Reihenfolge nicht korrekt eingehalten wird. Oder auch der Protagonist in Nieten, der täglich mit seiner Pistole russisch Roulette spielt und es für einen bösartigen Witz des Zufalls ansieht, wenn er beim Abdrücken nie die Kugel erwischt. Oder jemand entdeckt (Ein System von Löchern), dass sich aus den verschiedenen Maßen seiner Wohnung sein gesamtes Leben ablesen lässt. Ein anderer wieder (Der Nagel) wird jahrelang rätseln, warum sein Vater, bevor er sich in der Jauchegrube ertränkte, einen Nagel in die Wand des Korridors schlug. Man wird beobachten können, wie jemand, umgeben von plappernden Verwandten allmählich abstumpft (Tischgesellschaft), da die Geschwindigkeit der Themenwechsel eine Einschaltung in die Gespräche nicht zulässt. Es wird ebenso berichtet, was passiert, wenn man die Gewohnheiten eines Mannes zu ändern sucht, der lieber in Kaffeehäusern sitzt, als sich in irgendeiner Weise zu betätigen, indem man ihm einen Urlaub aufzwingt (Urlaub in Tillern). Geheimnisse, wie die betörenden Eigenschaften der Aubergine oder was die einzige Erfindung ist, die sich niemals kontrollieren lässt (Wettlauf der Zahlen), werden verraten, nicht ohne dem Handelnden Nöte aufzuzwingen und sein Leben zu verkomplizieren.
Während sich die meisten Geschichten im heutigen Berlin denken ließen, so sind doch auch einige Erzählungen darunter, die auf völlig anderer Bühne spielen. Der Sturm verzweifelter Junggesellen auf einen Harem (Der Harem des Harran-al-Mera) hat notwendigerweise orientalisches Ambiente. Entsprechend in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort spielen die Erlebnisse des Heiligen, der Wasser zu Bier verwandelte (Wasser und Bier) und diejenige des Musikers, der eine Kriegsoper schrieb und nach einem General sucht, der bereit ist, diese mit seinem Heer aufzuführen (Die große Schlacht). So wird der Leser in der Erzählung Der Husten gar in eine Zeit versetzt, in der das Erhängen am Galgen nicht unüblich war und durch Die Mau-Mau-WM lernt er das schöne Dörfchen Dilli kennen.
Im Erzählband "Die zerbrochenen Engel" wird von Abgründen menschlicher Gedanken und von Hintergründen menschlicher Taten erzählt. Einmal bleibt Wolfgang Louis dabei ganz nah an den Dingen, so dass es einen erschrecken kann. Manch andere Geschichte hingegen scheint der Realität unendlich weit enthoben und lässt einen amüsiert darauf blicken und aufatmen. Doch immer sind es scheinbar profane Begebenheiten, die zu existentiellen Problemen werden, die das Leben bestimmen und den Erzählenden leiden lassen.
Louis' Erzählweise entfaltet eine Leichtigkeit, die wortgewandt, spielerisch und unkonventionell in feinen Satzteppichen verwebt ist. Der Stil der Erzählungen ist durchweg humorvoll, also von einer im Hintergrund bleibenden Komik, die weniger zum Lachen als zum Schmunzeln einladen soll.
Der Leser wird in Vergangenheiten entführt, ihm werden Türen in Raum und Zeit einen Spalt breit geöffnet, dass es ihm gerade eben gelingt, einen Blick hineinzuwerfen. Er wird dort Kleinode entdecken.
All diese Details machen die ungewöhnliche Sammlung zu einer spannenden Reise in die Welt der Verfehlungen, der Verletzbarkeiten und Wandlungen innerhalb der menschlichen Psyche und - des ganz alltäglichen Miteinanders.
More details
Edition
1., Auflage
Language
German
Dimensions
Height: 19 cm
Width: 12.4 cm
ISBN-13
978-3-942025-18-8 (9783942025188)
Schweitzer Classification
Persons
Wolfgang Louis ist 1964 im Rheinland geboren. Nach dem obligatorischen Absolvieren von Schule und Zivildienst war er erst Praktikant bei einem Kirchenmaler, begann dann aber ein Musikstudium in Bamberg. 10 Jahre war er danach als selbstständiger Musiklehrer tätig, um dann anschließend in verschiedenen Städten mit verschiedenen Berufen neue Eindrücke zu sammeln. Hierbei betätigte er sich als Koch, Museumswärter, Komparse, Landschaftsgärtner oder auch als Bauhelfer. Seit 1999 lebt Wolfgang Louis in Berlin und machte sich hier um die Mitbegründung der Berliner Lesebühne Texttouren (www.texttouren.com) verdient. Seine tiefe Leidenschaft gilt dem Schreiben und Lesen von Geschichten und Romanen. Der Erzählband "Die zerbrochenen Engel" ist das erste Werk, das im fhl Verlag erscheint.