
Textmustervariation
Description
Um als valide Sprachtheorie zu gelten, muss die Textlinguistik sowohl Musterhaftigkeit als auch Variation ausreichend Rechnung tragen. Bislang lag der Fokus jedoch hauptsächlich auf Textmusterkonstanz. Variationslinguistische Ansätze sind daher erforderlich, wobei sich aber die Frage stellt, ob die Textlinguistik methodologisch in der Lage ist, Variation angemessen zu erfassen.
Diese Studie entwickelt einen Parameteransatz, mit dem Textgruppen induktiv und korpusgestützt hinsichtlich ihrer textexternen und makrotextuellen Eigenschaften untersucht werden können. Im Mittelpunkt steht der bislang vernachlässigte Parameter der Autorin bzw. des Autors (auch "inter-individuelle Variation"), dessen Einfluss in einem bilingualen (frz.-dt.) Korpus audiovisueller Wetterberichte analysiert wird.
Die Analyse zeigt ein hohes Maß an Variation, das sogar über die inter-individuelle Ebene und die mikrotextuellen Merkmale hinausgeht. Eine kognitiv-sprachwissenschaftliche Einordnung macht jedoch deutlich, dass diese Variation das Prinzip der Musterhaftigkeit nicht untergräbt, sondern als komplementäres Prinzip zu verstehen ist. Weitere variationsorientierte Ansätze erweisen sich somit als vielversprechend und interdisziplinär anschlussfähig.
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Person
Vince Liégeois , Université Bourgogne Europe, Dijon, Frankreich.