Phönix
Thriller
Philip Le Roy(Author)
Limes (Publisher)
Published on 16. November 2009
Book
Hardback
656 pages
978-3-8090-2581-8 (ISBN)
Description
'Grangés Thron wackelt!' Critiques libres
Fairbanks in Alaska: In einem Geheimlabor wird ein Forscherteam auf kaltblütige Weise hingerichtet. Ziel der Wissenschaftler war es, tote Zellen wiederzubeleben und so den Tod zu überlisten.
Das FBI, völlig ratlos, beauftragt den Profiler Nathan Love, einen Meister der asiatischen Kampfkünste und Zen-Anhänger. Durch meditative Übungen gelingt es Love, in die Haut sowohl der Opfer als auch der Täter zu schlüpfen. Nach einer atemberaubenden Jagd von den Gletschern Alaskas durch die Slums von Manila bis an die Côte d'Azur führt die heißeste Spur Nathan Love schließlich in den Vatikan, zu einem fanatischen Verfechter der Glaubenslehre. Hier findet er auch den Schlüssel zu all den grauenhaften Ereignissen: eine hochbrisante aramäische Handschrift aus dem Jahre 70 nach Christus .
Fairbanks in Alaska: In einem Geheimlabor wird ein Forscherteam auf kaltblütige Weise hingerichtet. Ziel der Wissenschaftler war es, tote Zellen wiederzubeleben und so den Tod zu überlisten.
Das FBI, völlig ratlos, beauftragt den Profiler Nathan Love, einen Meister der asiatischen Kampfkünste und Zen-Anhänger. Durch meditative Übungen gelingt es Love, in die Haut sowohl der Opfer als auch der Täter zu schlüpfen. Nach einer atemberaubenden Jagd von den Gletschern Alaskas durch die Slums von Manila bis an die Côte d'Azur führt die heißeste Spur Nathan Love schließlich in den Vatikan, zu einem fanatischen Verfechter der Glaubenslehre. Hier findet er auch den Schlüssel zu all den grauenhaften Ereignissen: eine hochbrisante aramäische Handschrift aus dem Jahre 70 nach Christus .
More details
Language
German
Product notice
With dust jacket
Dimensions
Height: 21.5 cm
Width: 13.5 cm
ISBN-13
978-3-8090-2581-8 (9783809025818)
Schweitzer Classification
Persons
Philip Le Roy wurde 1962 in Toulouse geboren. Nach einem BWL-Studium arbeitete der begeisterte Cineast, Kampfkünstler und Rockbassist u. a. in der Werbung und als Drehbuchautor. Für 'Phönix' wurde er mit dem 'Großen Preis der Kriminalliteratur' ausgezeich
Content
Judäa, im Jahre 70 n. Chr.
Miriam machte ein paar Schritte nach vorn auf der Schwelle der Höhle, die Hände gegen den Felsen gepresst, die Füße am Rand der steilen Felswand. Ein heißer Wind fegte durch ihr langes graues Haar. Das Tote Meer lag bleifarben in einer herrlichen, trockenen, leeren Natur. Nichts bewegte sich.
Und doch nahm die Geschichte ihren Lauf.
Seit vierzig Jahren verbreiteten die Schüler Jesu seine Lehre unter Einsatz ihres Lebens. Die Jünger, seine Anhänger der ersten Stunde, waren als Märtyrer gestorben, gekreuzigt, enthauptet, gesteinigt, ermordet, bei lebendigem Leib gehäutet worden, doch andere waren immer zahlreicher an ihre Stelle getreten. Das Christentum hatte sich in Palästina, in Skythien, in Phrygien, in Mazedonien, auf Zypern, in Äthiopien, in Indien, in Mesopotamien, in Persien, in Griechenland verbreitet. Alle Schichten der Bevölkerung traten ihm bei, die Reichen, die Intellektuellen, die Bankleute, die Händler, die Sklaven. In Rom hatte die Bewegung die regierungsnahen Kreise erfasst. Markus und Matthäus hatten ihre Evangelien verfasst, wobei Ersterer sich auf die Wunder des Nazareners und Letzterer auf Bibelzitate gestützt hatte, die bezeugten, dass Jesus derjenige war, den die Propheten geweissagt hatten. Er hatte zwar nicht das Reich Gottes auf Erden errichtet, doch durch seine Auferstehung hatte er die Menschen von der Angst vor dem Tod und den Schrecken des Lebens befreit.
Miriam hatte ihre ganz eigene Rolle in dieser geistigen Umwälzung gespielt. Oder besser, ihre Rollen. Die einer Sünderin, die der Messias vor der Steinigung gerettet hatte, die der Maria von Bethanien, die dem Herrn mit ihrem Haar die Füße gewaschen hatte, und die der Maria von Magdala, die die erste Zeugin
der Auferstehung gewesen war. Nachdem sie ein letztes Mal ihre Identität gewechselt hatte, hatte sie Palästina verlassen, um Jehoschua zu folgen. In all diesen Jahren waren die beiden Liebenden auf den Straßen des Orients und des Okzidents umhergereist, verblüffte Zuschauer dessen, was sie ausgelöst hatten.
Miriam blickte auf die Ruinen von Qümran hinab, wo die Sekte der Essener einst gewagt hatte, den Besatzungstruppen zu trotzen, die sich mit den politisch-religiösen Parteien Jerusalems verbündet hatten. Zwei Jahre zuvor hatte die zehnte römische Legion die Region verwüstet und den Ort dem Erdboden gleichgemacht. Der Turm, das Kloster, die umfangreiche Bibliothek mit ihren Hunderten von Büchern waren völlig zerstört worden.
Im Laufe ihrer endlosen Rundreise, die sie nach Judäa zurückgebracht hatte, hatten die beiden Nomaden beschlossen, in diesem Heiligtum, das mittlerweile dem Wüstensand preisgegeben war, Station zu machen. In Qümran hatten sie sich einst versteckt, und sie fühlten sich diesem Ort verbunden.
Angesichts der reglosen und stummen Landschaft ging Miriam in die enge, gewölbte, zugige und dunkle Höhle zurück. Jehoschua, der auf einem Lager aus mehreren Schichten Leinenstoff saß, betrachtete sie, während er über seinen Bart strich. Er spürte, dass sie traurig war.
"Wahrlich, ich sage dir, Miriam, nicht Sanftmut ist die Triebfeder einer Revolution, sondern der Schmerz." Sie kniete nieder. Er strich ihr übers Haar. "Wir haben die Geschichte der Region verändert", sagte sie, um sich zu trösten.
Er beugte sich vor, um einen Kuss auf ihre Lippen zu drücken, der mehr Liebe als die Evangelien enthielt. "Die Geschichte der Welt", verbesserte er. Er stand auf, wobei seine Gelenke knackten, und ging zu einem flachen Stein, auf dem Häute ausgebreitet waren, die eine feine Schrift zierte. Er rollte sie zu einer einzigen Rolle zusammen und wickelte sie in die Laken aus Leinen.
"Unser Werk ist im Begriff, sich zu vollenden und sogar über uns hinauszuwachsen. Wahrlich, das Senfkorn ist ein Baum geworden und wird bald ein Wald sein."
Er steckte die dicke Rolle in einen Tonkrug, der zu drei Vierteln eingegraben war. Das Alter hatte ihn veranlasst, seine Erinnerungen zu schreiben. "Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde, und es ist nichts heimlich, was man nicht wissen werde", hatte er eines Tages seinen Jüngern erklärt. Er hatte Qümran gewählt, um sein an die Zukunft gerichtetes Bekenntnis zu vergraben. Das beruhigte sein Gewissen und schmeichelte seiner Intelligenz. Denn der machiavellistische Plan, den er ersonnen hatte, würde für immer das Denken der Menschheit prägen.
Mit dem verbleibenden Stoff verstopfte Miriam die Öffnung des Krugs. Dann kratzten sie die Wände ab, um ein klebriges schwärzliches Pulver zu gewinnen, das sie durchkneteten, bevor sie die Öffnung gründlich damit einschmierten. Derart versiegelt, würde das Gefäß die Manuskripte aller Voraussicht nach über die Generationen hinweg bewahren. Sie begruben ihren Schatz unter einer Schicht Erde, packten ihre wenigen Sachen zusammen und verließen die Höhle.
Und sie verschwanden im Licht und in der Anonymität.
Die Schneeflocke ermordet die Bougainvillea
"Das ist mein Blut.!"
Nachdem er das Brot und den Wein gesegnet und die Liturgien des Wortes und der Eucharistie abgespult hatte, goss Pater Almeda den Wein in einen Kelch und schüttete die Hostien auf eine Patene. Vier Gottesdienstbesucher kamen zum Altar, um ihre Oblate in Empfang zu nehmen. Die Witwe Ryler, die stets als Erste bedient wurde, humpelte schneller als die anderen auf ihren O-Beinen. Als ihr Mann gestorben war, hatte die Unglückliche den Verstand verloren. Nach ihr war Elma Todson an der Reihe, die ihren Mann seit mehr als dreißig Jahren mit Christus betrog. Das Ehepaar Dakobsky beschloss die kurze Schlange. Da die Rente, die der Bundesstaat Alaska ihnen gewährte, kaum zum Leben reichte, waren sie Stammgäste in den Einrichtungen wie der Kirche und der Bentley Mall, wo es etwas geschenkt gab. Der alte Walt Finch war in der dritten Reihe sitzen geblieben, mit verschränkten Armen und das Kinn auf der Brust. Er schnarchte. "Gehet hin in Frieden!"
"Wir danken Gott, dem Herrn", erwiderten die zahnlosen Alten.
Zu dieser Jahreszeit hatte Pater Almeda alles andere als ein volles Haus. Daher kürzte er das Ritual ab. Nachdem er die Kommunion beendet und hastig den Segen gesprochen hatte, weckte er Finch und begleitete sein Grüppchen von Gläubigen zum Kirchenvorplatz, der vom Blizzard gepeitscht wurde und wo ein von der katholischen Gemeinde von Fairbanks, Alaska, gemieteter Kleinbus wartete, der die Schäfchen wohlbehalten nach Hause bringen sollte.
Miriam machte ein paar Schritte nach vorn auf der Schwelle der Höhle, die Hände gegen den Felsen gepresst, die Füße am Rand der steilen Felswand. Ein heißer Wind fegte durch ihr langes graues Haar. Das Tote Meer lag bleifarben in einer herrlichen, trockenen, leeren Natur. Nichts bewegte sich.
Und doch nahm die Geschichte ihren Lauf.
Seit vierzig Jahren verbreiteten die Schüler Jesu seine Lehre unter Einsatz ihres Lebens. Die Jünger, seine Anhänger der ersten Stunde, waren als Märtyrer gestorben, gekreuzigt, enthauptet, gesteinigt, ermordet, bei lebendigem Leib gehäutet worden, doch andere waren immer zahlreicher an ihre Stelle getreten. Das Christentum hatte sich in Palästina, in Skythien, in Phrygien, in Mazedonien, auf Zypern, in Äthiopien, in Indien, in Mesopotamien, in Persien, in Griechenland verbreitet. Alle Schichten der Bevölkerung traten ihm bei, die Reichen, die Intellektuellen, die Bankleute, die Händler, die Sklaven. In Rom hatte die Bewegung die regierungsnahen Kreise erfasst. Markus und Matthäus hatten ihre Evangelien verfasst, wobei Ersterer sich auf die Wunder des Nazareners und Letzterer auf Bibelzitate gestützt hatte, die bezeugten, dass Jesus derjenige war, den die Propheten geweissagt hatten. Er hatte zwar nicht das Reich Gottes auf Erden errichtet, doch durch seine Auferstehung hatte er die Menschen von der Angst vor dem Tod und den Schrecken des Lebens befreit.
Miriam hatte ihre ganz eigene Rolle in dieser geistigen Umwälzung gespielt. Oder besser, ihre Rollen. Die einer Sünderin, die der Messias vor der Steinigung gerettet hatte, die der Maria von Bethanien, die dem Herrn mit ihrem Haar die Füße gewaschen hatte, und die der Maria von Magdala, die die erste Zeugin
der Auferstehung gewesen war. Nachdem sie ein letztes Mal ihre Identität gewechselt hatte, hatte sie Palästina verlassen, um Jehoschua zu folgen. In all diesen Jahren waren die beiden Liebenden auf den Straßen des Orients und des Okzidents umhergereist, verblüffte Zuschauer dessen, was sie ausgelöst hatten.
Miriam blickte auf die Ruinen von Qümran hinab, wo die Sekte der Essener einst gewagt hatte, den Besatzungstruppen zu trotzen, die sich mit den politisch-religiösen Parteien Jerusalems verbündet hatten. Zwei Jahre zuvor hatte die zehnte römische Legion die Region verwüstet und den Ort dem Erdboden gleichgemacht. Der Turm, das Kloster, die umfangreiche Bibliothek mit ihren Hunderten von Büchern waren völlig zerstört worden.
Im Laufe ihrer endlosen Rundreise, die sie nach Judäa zurückgebracht hatte, hatten die beiden Nomaden beschlossen, in diesem Heiligtum, das mittlerweile dem Wüstensand preisgegeben war, Station zu machen. In Qümran hatten sie sich einst versteckt, und sie fühlten sich diesem Ort verbunden.
Angesichts der reglosen und stummen Landschaft ging Miriam in die enge, gewölbte, zugige und dunkle Höhle zurück. Jehoschua, der auf einem Lager aus mehreren Schichten Leinenstoff saß, betrachtete sie, während er über seinen Bart strich. Er spürte, dass sie traurig war.
"Wahrlich, ich sage dir, Miriam, nicht Sanftmut ist die Triebfeder einer Revolution, sondern der Schmerz." Sie kniete nieder. Er strich ihr übers Haar. "Wir haben die Geschichte der Region verändert", sagte sie, um sich zu trösten.
Er beugte sich vor, um einen Kuss auf ihre Lippen zu drücken, der mehr Liebe als die Evangelien enthielt. "Die Geschichte der Welt", verbesserte er. Er stand auf, wobei seine Gelenke knackten, und ging zu einem flachen Stein, auf dem Häute ausgebreitet waren, die eine feine Schrift zierte. Er rollte sie zu einer einzigen Rolle zusammen und wickelte sie in die Laken aus Leinen.
"Unser Werk ist im Begriff, sich zu vollenden und sogar über uns hinauszuwachsen. Wahrlich, das Senfkorn ist ein Baum geworden und wird bald ein Wald sein."
Er steckte die dicke Rolle in einen Tonkrug, der zu drei Vierteln eingegraben war. Das Alter hatte ihn veranlasst, seine Erinnerungen zu schreiben. "Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde, und es ist nichts heimlich, was man nicht wissen werde", hatte er eines Tages seinen Jüngern erklärt. Er hatte Qümran gewählt, um sein an die Zukunft gerichtetes Bekenntnis zu vergraben. Das beruhigte sein Gewissen und schmeichelte seiner Intelligenz. Denn der machiavellistische Plan, den er ersonnen hatte, würde für immer das Denken der Menschheit prägen.
Mit dem verbleibenden Stoff verstopfte Miriam die Öffnung des Krugs. Dann kratzten sie die Wände ab, um ein klebriges schwärzliches Pulver zu gewinnen, das sie durchkneteten, bevor sie die Öffnung gründlich damit einschmierten. Derart versiegelt, würde das Gefäß die Manuskripte aller Voraussicht nach über die Generationen hinweg bewahren. Sie begruben ihren Schatz unter einer Schicht Erde, packten ihre wenigen Sachen zusammen und verließen die Höhle.
Und sie verschwanden im Licht und in der Anonymität.
Die Schneeflocke ermordet die Bougainvillea
"Das ist mein Blut.!"
Nachdem er das Brot und den Wein gesegnet und die Liturgien des Wortes und der Eucharistie abgespult hatte, goss Pater Almeda den Wein in einen Kelch und schüttete die Hostien auf eine Patene. Vier Gottesdienstbesucher kamen zum Altar, um ihre Oblate in Empfang zu nehmen. Die Witwe Ryler, die stets als Erste bedient wurde, humpelte schneller als die anderen auf ihren O-Beinen. Als ihr Mann gestorben war, hatte die Unglückliche den Verstand verloren. Nach ihr war Elma Todson an der Reihe, die ihren Mann seit mehr als dreißig Jahren mit Christus betrog. Das Ehepaar Dakobsky beschloss die kurze Schlange. Da die Rente, die der Bundesstaat Alaska ihnen gewährte, kaum zum Leben reichte, waren sie Stammgäste in den Einrichtungen wie der Kirche und der Bentley Mall, wo es etwas geschenkt gab. Der alte Walt Finch war in der dritten Reihe sitzen geblieben, mit verschränkten Armen und das Kinn auf der Brust. Er schnarchte. "Gehet hin in Frieden!"
"Wir danken Gott, dem Herrn", erwiderten die zahnlosen Alten.
Zu dieser Jahreszeit hatte Pater Almeda alles andere als ein volles Haus. Daher kürzte er das Ritual ab. Nachdem er die Kommunion beendet und hastig den Segen gesprochen hatte, weckte er Finch und begleitete sein Grüppchen von Gläubigen zum Kirchenvorplatz, der vom Blizzard gepeitscht wurde und wo ein von der katholischen Gemeinde von Fairbanks, Alaska, gemieteter Kleinbus wartete, der die Schäfchen wohlbehalten nach Hause bringen sollte.