
aire
Gedichte
Birgit Kreipe(Author)
kookbooks (Publisher)
1st Edition
Published on 28. June 2021
Book
80 pages
978-3-948336-11-0 (ISBN)
Description
Die Gedichte in aire spüren inneren und äußeren Umbrüchen nach - etwa Krankheit, Umzug, Verlust - und interessieren sich für disruptive oder allmähliche Veränderungen: für die sukzessive Integration von Sinneseindrücken, das Gären von Gefühlen, Gedanken- und Erinnerungsspuren sowie die dadurch ausgelöste spezifische Unruhe - und deren Sprünge und Transformation in neue Erfahrung. Die poetischen Prozesse, die sie entwickeln und denen sie sich aussetzen, sind Unternehmungen in instabiles Terrain. Reize und Eindrücke, die vertraut erscheinen, wandeln und entziehen sich, geraten aber nie ganz aus dem Blick. Die Gedichte durchwandern Lichtungen und Wüstungen, ikonische Bildschichten, stoßen auf
Schamquellen, surreale Meere, Gegenengel und Gehirnwellen. Dabei greifen sie unter anderem auf Quellen aus der Fotografie (Francesca Woodman) und Malerei (Gerhard Richter), der Psychoanalyse, der Neuropsychologie und
Meditationsforschung zurück - und setzen auf die Erfahrung erweiternde und transformierende Kraft der Kunst.
More details
Series
Language
German
Edition type
New edition
ISBN-13
978-3-948336-11-0 (9783948336110)
Schweitzer Classification
Person
Author
Birgit Kreipe, geboren 1964 in Hildesheim, studierte Psychologie und Germanistik und arbeitet als Psychotherapeutin, Autorin und Übersetzerin von Lyrik in Berlin. 2012 erschien ihr Gedichtband schönheitsfarm beim Verlagshaus Berlin, 2016 ihr Gedichtband SOMA bei kookbooks. Zuletzt publizierte sie in transistor und park. Ihre Gedichte wurden mit dem Münchner Lyrikpreis und dem Irseer Pegasus 2014 ausgezeichnet. 2016 erhielt
sie ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats. 2018 war sie Finalistin beim Lyrikpreis Meran. 2021/22 ist sie Stipendiatin der deutschen Akademie Rom, Casa Baldi, und des Berliner Senats.
Content
ich suche den zweiten park, den man nicht sieht.
der puls wird ruhiger dort. engel-fallschirme
landen unablässig im laub. der park selbst
träumt diesen ort. sonnenlicht fließt
grünlicher honig, zwischen stämmen hinab
aus einem angekippten klaren topf:
das ist die gnade. gottesanbeterinnen
mannshoch, steigen mit mächtigen gliedern
an lichtfäden auf, wie an durchsichtigen lianen.
reste von staubblumen - vögeln. grünfaserig
die aufgerauten gedächtnisspeicher der bäume.
überall blüht mülltütenmüll, überall eisbecher
spritzen. ruinen von bushaltestellen und bussen.
hier kleben noch meine alten gebete.
warten. werden allmählich gelb, platzen auf.
verhoben und ehrlich, knallten sie auf beton.
und wenn die dunkelheit ihre trupps schickt
mich einzukreisen, kratze ich
die wenigen tropfen licht auf
hänge sie in die nacht
wie kleine, aufsteigende leitern.