
Autopsie des Vaters
Roman
Pascale Kramer(Author)
Rotpunktverlag
1st Edition
Published on 7. August 2017
Book
Hardback
176 pages
978-3-85869-759-2 (ISBN)
Description
Ania hat ihren Vater jahrelang kaum gesehen. Da erreicht sie eines Tages ein Anruf seiner neuen Frau: Gabriel hat in der Nacht Selbstmord
begangen. Der Freitod scheint im Zusammenhang mit dem Skandal zu stehen, den der als linker Intellektueller bekannte Radiojournalist
ausgelöst hat, als er öffentlich Partei für zwei junge Einheimische ergriff, die an seinem Wohnort einen afrikanischen Sans-Papiers brutal
ermordet haben.
Als sich Ania zur Beerdigung in der Pariser Peripherie aufmacht, schlägt ihr in dem tief gespaltenen Dorf eine hasserfüllte Atmosphäre
entgegen. Aber auch in ihrem alten Elternhaus stößt sie einzig auf Fremdheit und muss sich die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte,
dass ihr Vater eine solch unerträgliche Wendung vollzog.
Pascale Kramer seziert in Autopsie des Vaters ein Land im Kippzustand. Das Skalpell ansetzend, erzählt sie vom Wegschauen, von der Abschottung einer ganzen Gesellschaftsschicht und wirft gleichzeitig ein schmerzhaft klares Licht auf das Innerste einer Familie, die verpasste Verständigung zwischen Vater und Tochter.
begangen. Der Freitod scheint im Zusammenhang mit dem Skandal zu stehen, den der als linker Intellektueller bekannte Radiojournalist
ausgelöst hat, als er öffentlich Partei für zwei junge Einheimische ergriff, die an seinem Wohnort einen afrikanischen Sans-Papiers brutal
ermordet haben.
Als sich Ania zur Beerdigung in der Pariser Peripherie aufmacht, schlägt ihr in dem tief gespaltenen Dorf eine hasserfüllte Atmosphäre
entgegen. Aber auch in ihrem alten Elternhaus stößt sie einzig auf Fremdheit und muss sich die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte,
dass ihr Vater eine solch unerträgliche Wendung vollzog.
Pascale Kramer seziert in Autopsie des Vaters ein Land im Kippzustand. Das Skalpell ansetzend, erzählt sie vom Wegschauen, von der Abschottung einer ganzen Gesellschaftsschicht und wirft gleichzeitig ein schmerzhaft klares Licht auf das Innerste einer Familie, die verpasste Verständigung zwischen Vater und Tochter.
More details
Series
Language
German
Place of publication
Zürich
Switzerland
Dimensions
Height: 20.4 cm
Width: 12.5 cm
Weight
282 gr
ISBN-13
978-3-85869-759-2 (9783858697592)
Schweitzer Classification
Other editions
Additional editions

E-Book
09/2017
1st Edition
Rotpunktverlag
€17.99
Available for download
Persons
Author
ISNI: 0000 0001 2282 237X GND: 128450304
Translation
ISNI: 0000 0000 1084 0573 GND: 113140800
Content
Ania klopfte und trat ein. Sie war überrascht von dem abgestandenen Geruch nach Wäsche und alter Haut, den ein Luftzug sinnlos aufwirbelte. Ein Notizblatt wehte ihr vor die Füße, als die Tür hinter ihr zufiel.
Clara war im Schlafzimmer, sie rief, sie werde gleich kommen. Ania hängte ihre Tasche an die Garderobe, band ihren Pferdeschwanz neu, bedauerte, sich für diese erste Begegnung nicht ein bisschen hübscher gemacht zu haben. Die Badezimmertür hinter ihr war einen Spaltbreit geöffnet; eine nackte Glühbirne warf Reflexe auf die dunkelgrünen Fliesen. Ania erinnerte sich, wie es ihr als Kind zuwider war, mit nackten Füßen den gekachelten Boden zu betreten. Sie stieß die Tür auf und machte Licht. Die Badewanne war voller Handtücher. Auf dem Rand des Waschbeckens lagen ein schaumverklebter Plastikrasierer und die gesammelten Medikamente von jemandem, der Angst hat zu sterben. Ania drang in
die Intimsphäre eines Vaters ein, von dem sie letztlich nur Ansichten gekannt hatte, sie fühlte nichts, aber es war verwirrend.
Clara war im Schlafzimmer, sie rief, sie werde gleich kommen. Ania hängte ihre Tasche an die Garderobe, band ihren Pferdeschwanz neu, bedauerte, sich für diese erste Begegnung nicht ein bisschen hübscher gemacht zu haben. Die Badezimmertür hinter ihr war einen Spaltbreit geöffnet; eine nackte Glühbirne warf Reflexe auf die dunkelgrünen Fliesen. Ania erinnerte sich, wie es ihr als Kind zuwider war, mit nackten Füßen den gekachelten Boden zu betreten. Sie stieß die Tür auf und machte Licht. Die Badewanne war voller Handtücher. Auf dem Rand des Waschbeckens lagen ein schaumverklebter Plastikrasierer und die gesammelten Medikamente von jemandem, der Angst hat zu sterben. Ania drang in
die Intimsphäre eines Vaters ein, von dem sie letztlich nur Ansichten gekannt hatte, sie fühlte nichts, aber es war verwirrend.