
Veröffentlichung von (automatisch) anonymisierten Gerichtsentscheidungen
Michael Keuchen(Author)
Duncker & Humblot (Publisher)
1st Edition
Published on 29. April 2025
Book
Hardback
719 pages
978-3-428-19354-7 (ISBN)
Description
Gerichtsentscheidungen sind zu veröffentlichen, um Information, Transparenz und Kontrolle zu ermöglichen. Die Informationstechnologie erlaubt nicht nur eine vollständige Veröffentlichung, sondern benötigt mittlerweile Entscheidungen im sehr großen Umfang als Trainingsdaten für KI-Verfahren. Dennoch besteht ein Mangel an frei verfügbaren Gerichtsentscheidungen, da im Schnitt nur 2,3 % der Entscheidungen veröffentlicht werden. Allerdings ist davor eine umfassende Anonymisierung geboten. Die Rechtspraxis kommt dem Gebot auf Grund einer vorwiegend manuellen Anonymisierung nicht in einem ausreichenden Umfang nach. Folge ist nicht nur ein Veröffentlichungsdefizit, sondern auch eine unzureichende Anonymisierungsqualität, wie ein De-Anonymisierungsexperiment zeigt. Daraus werden Ableitungen für den Rechtsbegriff der Anonymität und Verbesserungen vorgeschlagen. Um die Anonymisierungsqualität und den Durchsatz zu erhöhen, werden Verfahren der automatischen Anonymisierung mittels KI erläutert.
Reviews / Votes
»Der Autor legt in einem umfassenden Kapitel die rechtlichen Bedingungen dar, die von den Verfahrensordnungen (ZPO, VwGO usw.) über Informationsfreiheits- und Datennutzungsgesetz bis zur EMRK reichen. Diese Komplexität muss ein automatisiertes Anonymisierungsverfahren verinnerlichen, damit es die Aufgabe erfüllen kann, eine ausreichend große Zahl an Entscheidungen ebenso sicher wie zügig zu anonymisieren. Der Autor checkt diese Vorgaben mit großer Präzision - auch an ausländischen Beispielen - und schafft damit ein Standardwerk für die Entwicklung des Zugangs und Verständnisses breiter Bevölkerungsschichten zu gerichtlichen Entscheidungen.« Hasso Lieber, in: LAIKOS, 3/2025 »Besonders verdienstvoll ist der ausführliche rechtsvergleichende Blick nicht nur auf die unionale, sondern auch auf die österreichische Situation (S.318 ff. ), die keineswegs ausgespart, sondern - soweit ersichtlich und für einen deutschen Dissertanten zugänglich - detailgetreu und aktuell wiedergegeben wird. [...] Zusammengefasst ein in jeder Hinsicht äußerst gewichtiges Werk, das in den Fachbibliotheken von Zivil-, Straf- und Verwaltungsgerichten, aber auch in Anwaltskanzleien, die sich mit Fragen der Anonymisierung von Gerichtsentscheidungen zu befassen haben, keinesfalls fehlen darf. Gleichermaßen zu empfehlen ist der vorliegende Band an Datenschutzbeauftragte, Medienanwält:innen, Legal-Tech-Entwickler:innen, Justizverwaltungen und last but not least der juristischen Academia.« Prof. Dr. Clemens Thiele, in: jusIT, 4/2025 »Keine aktuelle Diskussion über die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI) für den Rechtsmarkt kommt ohne die Frage aus, wann (endlich) mehr veröffentlichte Gerichtsentscheidungen als Datengrundlage für spezielle juristische KI-Entwicklungen zur Verfügung stehen. Die von Michael Keuchen vorgelegte Dissertationsschrift könnte daher nicht aktueller sein. [.] Es ist den entsprechenden Verantwortlichen daher zu empfehlen, die von Keuchen vorgelegte Dissertation eingehend zu studieren und insbesondere auf die automatische Anonymisierung von Gerichtsentscheidungen zu setzen, um Deutschland als digitalen und öffentlichen Rechtsstaat weiter voranzubringen.« Dr. Benedikt M. Quarch, in: LegalTech, 4/2025More details
Series
Thesis
Doctoral thesis
2024
Univ. Erlangen-Nürnberg
Language
German
Place of publication
Berlin
Germany
Product notice
sewn/stitched
Cloth over boards
Illustrations
8
7 Tab., 1 Abb.; 719 S., 1 s/w Abbildung, 7 s/w Tabellen
7 Tab., 1 Abb.; 719 S., 1 schw.-w. Abb., 7 schw.-w. Tab.
Dimensions
Height: 237 mm
Width: 164 mm
Thickness: 43 mm
Weight
1166 gr
ISBN-13
978-3-428-19354-7 (9783428193547)
Schweitzer Classification
Person
Michael Keuchen studierte Rechtswissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und absolvierte das Rechtsreferendariat im OLG-Bezirk Nürnberg. Er war als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FAU für den Fachbereich Rechtswissenschaft (PD Dr. Martin Zwickel, Prof. Dr. Axel Adrian) sowie für den Lehrstuhl für Korpus- und Computerlinguistik (Prof. Dr. Stephanie Evert) tätig. In der Zeit arbeitete er promotionsbegleitend in verschiedenen interdisziplinären Projekten zum Themenkomplex »automatische Anonymisierung von Gerichtsentscheidungen«. Seit dem Abschluss der Promotion ist er für die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit tätig.
Content
1. Einleitung, Begriffsbestimmungen und Problemaufriss
2. Rechtliche Betrachtungen bei der Veröffentlichung von Gerichtsentscheidungen durch den Staat
Transparenz und Open Data - Open Justice im Hinblick auf die Entscheidungspublikation
3. Rechtliche Vorgaben zur Anonymisierung von Gerichtsentscheidungen
Grenzen der Veröffentlichung und Anonymisierung - Verfassungsrechtliche Schutzpositionen - Ableitungen aus den Regelungen zur Öffentlichkeit oder Nichtöffentlichkeit? - Einfachgesetzliche Schutzvorschriften
4. Sichere Anonymisierung aus dem Blickwinkel der De-Anonymisierung
Begriffliche Grundlagen für eine Anonymisierungsdogmatik - Besonderheiten bei Gerichtsentscheidungen im Vergleich zu strukturierten Daten - Anonymisierungstechniken für die Entscheidungsanonymisierung - Anonymitätsmaßstäbe für die Entscheidungsanonymisierung - Ableitungen aus De-Anonymisierung und Re-Identifikation
5. Ansätze für eine Automatisierung der Anonymisierung von Gerichtsentscheidungen
Ausgangslage und Anforderungen an die automatische Anonymisierung - Technische Lösungsansätze - Automatische Anonymisierung als Ausweg aus dem Entscheidungsdefizit
6. Ergebniszusammenfassung
Frei zugängliche Gerichtsentscheidungen für Legal Tech - Mehrwerte von veröffentlichten Gerichtsentscheidungen - Veröffentlichungsquoten seit Jahrzehnten überwiegend gering - Veröffentlichungspflicht von Gerichtsentscheidungen - Anonymisierungspflicht von Gerichtsentscheidungen - Sichere Entscheidungsanonymisierung - Automatische Anonymisierung