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Die Mafia im Visier
Fiona Kelly(Author)
Ravensburger (Publisher)
1st Edition
Published on 1. January 2002
Book
Hardback
191 pages
978-3-473-34514-4 (ISBN)
Description
Mickey Stone, der Drahtzieher des Anschlags auf Maddies Familie, bei dem Maddies Mutter ums Leben kam, ist aus dem Gefängnis entflohen. Die Special Agents wissen von den Fluchtplänen und heften sich an seine Fersen. Er soll sie zu anderen Mafiabossen führen - doch dann verlieren sie seine Spur.
More details
Series
Edition
1. Aufl.
Language
German
Place of publication
Ravensburg
Germany
Dimensions
Height: 19.2 cm
Width: 12.8 cm
Thickness: 2.3 cm
ISBN-13
978-3-473-34514-4 (9783473345144)
Persons
Content
London. 14. August. Sieben Minuten vor Mitternacht. Das Gefängnis Ihrer Majestät - Wormwood Scrubs. Eine lange, hohe Ziegelsteinmauer. Ein Pförtnerhaus mit zwei dicken, massiven Türmen. Ein weißer, steinerner Torbogen. Solide Holztore, die während der Nacht geschlossen bleiben. Danny Bell sah aus den verdunkelten Fenstern seines Überwachungswagens. Er hatte ein kleines Hochleistungsfernglas auf das Eingangstor gerichtet. Schweiß rann seinen Nacken hinunter. Seine Kleidung klebte ihm am Körper. Es war eine schwüle Nacht. Stille. Danny wischte sich mit einem Ärmel den Schweiß vom Gesicht. Im Wagen herrschte eine schier unerträgliche Hitze, aber man konnte kein Fenster öffnen. Jemand hätte ihn und seine Kollegen sehen können. Das hätte alles vermasselt. Als er sich wieder das Fernglas vor die Augen hielt, stand das Tor offen. Sein Herz begann schneller zu schlagen. Ein Krankenwagen kam aus dem Dunkel nach draußen gerollt. Die Sirene begann loszuheulen. Blaulicht blinkte. Danny sprach in das Mikrofon seines Headsets. Alex Cox saß im Heck des durch die Straßen rasenden Krankenwagens. Der 19-jährige Londoner PIC-Agent war angespannt und aufmerksam. Zwei Wachleute des Gefängnisses und ein Arzt waren bei ihm. Alex' Aufmerksamkeit konzentrierte sich auf die Gestalt, die auf einer Trage lag. Der Patient war ein schwergewichtiger Mann Mitte fünfzig. Kurz geschnittenes eisgraues Haar auf einem massigen Kopf, ein Bulldoggengesicht, bleich und schweißnass. Eine durchsichtige Plastikmaske versorgte ihn mit Sauerstoff. Der Gefängnisarzt beobachtete ihn besorgt. Gegenüber saßen die beiden Wachleute. Einer war ein kräftiger Mann Anfang vierzig mit einem grimmigen Gesicht. Der andere war viel jünger. Ende zwanzig, schätzte Alex. Er selbst war zum ersten Mal bei einem solchen Einsatz dabei - und sichtlich gestresst. Er starrte Mickey Stone an, als könnte er es nicht glauben, sich mit dem Mann im selben Wagen zu befinden, der einmal die ganze Londoner Unterwelt beherrscht hatte. Der Krankenwagen bog jetzt nach links ab und raste die Cane Road entlang. Sein Ziel war das Hammersmith Hospital, keine fünf Minuten entfernt. Alex war bis in die Fingerspitzen gespannt - jeden Moment konnte etwas Unvorhergesehenes geschehen. Er musste bereit sein., fragte der junge Wachmann. Der Arzt sah sich zu ihm um., sagte er. Der ältere Wachmann legte dem jüngeren eine Hand auf die Schulter., sagte er. Barry Dean war erst seit drei Monaten beim Gefängnispersonal und noch dabei, sich einzuarbeiten. Er hatte als Erster die Hilferufe aus Mickey Stones Zelle gehört. Stone hatte zusammengekrümmt auf seiner Pritsche gelegen, mit leichenblassem Gesicht, die Hände verkrampft auf der Brust. Alex hörte eine Stimme in seinem winzigen Ohrhörer. Es war Danny aus dem Überwachungswagen., murmelte Alex zwischen den Zähnen. Der Motor des Krankenwagens übertönte seine Antwort., fragte Danny., flüsterte Alex ausdruckslos. Seine Lippen bewegten sich fast unmerklich. Alex' Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf die Trage. Mickey Stone streckte gerade einen Arm aus und krallte seine Hand in das Hemd des Arztes., stöhnte er mit geweiteten Augen. Er setzte sich auf., sagte er langsam, mit rauer Stimme. Der ältere Wachmann beugte sich vor und löste Stones Griff. Stone heulte auf und ließ sich zurückfallen. Alex beobachtete ihn. Falls er die Schmerzen nur vortäuschte, war er ein guter Schauspieler., sagte der Arzt. Er kauerte sich auf den Boden und öffnete seinen Koffer. Alex bemerkte, dass die Hände des Arztes zitterten, als er eine sterile Spritze herausholte und eine klare Flüssigkeit aus einer kleinen Glasflasche aufzog. Danny saß im Laderaum des Überwachungsmobils vor einer Konsole mit Hightech-Elektronik. Seine Hände flogen über Skalen und Schalter. Hier liefen die Informationen der Operation Babysitter zusammen. Zwei Wagen der Police Investigation Command parkten in der Braybrook Street. Verstärkung, falls es Probleme geben sollte. In jedem von ihnen saßen vier bewaffnete Agenten, geführt von Superintendent Marsh und Detective Mike Slater. Man wollte kein Risiko eingehen. Im Hauptquartier der PIC Control saß Detective Chief Superintendent Jack Cooper und hörte sich Dannys knappe und präzise Mitteilungen aus dem Überwachungsmobil an. Es herrschte Hochspannung. Die Operation Babysitter war ein Spiel - aber es war ein Spiel, von dem Jack Cooper überzeugt war, dass er es spielen musste. Der Verbrecher Mickey Stone saß jetzt seit zwölf Monaten in Untersuchungshaft. Jack Cooper hatte seine Verhaftung veranlasst und koordiniert. Sie war der Lohn monatelanger Anstrengungen gewesen - und sie hatte schreckliche persönliche Konsequenzen für Cooper und seine Familie gehabt. Nun stand Stones Verhandlung für diverse Vergehen kurz bevor. Wenn man ihn verurteilte, würde er eine lange Zeit hinter Gittern verbringen müssen. Mickey Stone wollte das verhindern. Die PIC wusste, dass er einen Fluchtversuch unternehmen würde. Darum hatte man sich die Operation Babysitter ausgedacht: Sie sollte dafür sorgen, dass Stones Flucht nach Plan verlief - allerdings nach dem Plan Jack Coopers., sagte Danny in sein Mikrofon. Jack Cooper bemerkte die Anspannung in Dannys Stimme. Der afroamerikanische PIC-Trainee war erst achtzehn, aber Superintendent Cooper hatte volles Vertrauen zu ihm. Danny hatte die winzigen Wanzen entwickelt, die sie unbemerkt an Michael Stones Kleidung anbringen konnten. Und er hatte etwa die Hälfte der Hochleistungsgeräte konstruiert, die den Überwachungswagen füllten. Danny war jung, aber ein absolutes Elektronik-Genie. Darum setzte ihn PIC-Chef Cooper auch bei schwierigsten Fällen ein., knurrte Cooper in das Mikrofon auf seinem Schreibtisch., kam die atemlose Antwort. Danny stellte einen anderen Kanal ein, um die wartenden Kollegen der beiden PIC-Wagen in der Nähe über den neuesten Stand der Dinge zu informieren. Jetzt kam es auf genaues Timing an, auf Sekundenbruchteile. Entweder die Zahnräder der Operation Babysitter griffen perfekt ineinander oder . Doch ein war undenkbar. Der Arzt zog die Nadel aus Mickey Stones Vene und beugte seinen Arm nach oben. Stone warf den beiden Wachleuten einen Blick zu. Er wurde immer nervöser. Alex beobachtete ihn scharf. Der Schweiß auf Stones Stirn rührte nicht nur von der Hitze im Wagen. Der Mann war kurz davor, in Panik auszubrechen. Alex spannte seine Muskeln, er war bereit, sofort zu reagieren. Schon Sekunden nach der Injektion schwand die Leichenblässe aus Stones Gesicht. Was auch immer der Arzt ihm gegeben hatte - es wirkte sofort.