
Das Alevitentum
Lehre, Seele, Gemeinschaft
Ismail Kaplan(Author)
Rat der Aleviten (Publisher)
Published in March 2022
Book
Hardback
326 pages
978-3-00-071537-2 (ISBN)
Description
Ismail Kaplan, Das Alevitentum - Lehre & Seele & Gemeinschaft:
In Deutschland leben 700-800.000 Aleviten, die in der deutschen Öffentlichkeit unbemerkt sind.
Sind sie deshalb so unbekannt, weil weil sie sich besonders darum bemühen, ihren Kindern den Weg in die deutsche Gesellschaft zu erleichtern?
Alevitischer Glaube richtet sich an die Vervollkommnung der Menschen und bietet seinen Gläubigen Wärme und Geborgenheit, wozu die völlige Gleichberechtigung der Frau entscheidend beiträgt.
Dieses Buch bringt seinen Leserinnen und Lesern das Alevitentum, wie es heute in Deutschland existiert, nahe. Es bietet eine Vielfalt von Informationen zum Verständnis einer Glaubenslehre und einer Gemeinschaft, die in ihrem Ziel um ein friedliches Zusammenleben bei gleichzeitiger Wahrung ihres Glaubens und ihrer traditionellen Werte Beispielhaftes leistet.
Ein Buch mit hohem Informationswert der alevitischen Glaubensgemeinschaft in unserem Land.
Reviews / Votes
1. Rezension von Andreas Gloy Studienleiter für Sekundarstufe I Pädagogisch-Theologisches Institut der Nordkirche Hamburg "Endlich ist es da", mag so manche(r) freudig denken. Da das Alevitentum vergleichsweise über weniger schriftliche Darlegungen verfügt als andere Religionen, wird hier für viele eine Lücke geschlossen: Für Lehrkräfte und Personal in Bildungseinrichtungen, kulturell und gesellschaftlich Interessierte, dialogorientierte Menschen und, nicht zuletzt, für Alevit*innen selbst. Ismail Kaplan strukturiert äußerst genau, umfangreich, detailliert und von unschätzbarer Grundkenntnis geprägt einen leicht lesbaren Zugang zum Alevitentum. Nach der Lektüre des Werkes (326 Seiten) ist man nicht nur gut informiert, sondern findet leicht erneuten Zugriff, wenn etwas nachgeschlagen werden muss. Aber die gute Buchstruktur leitet die Leser*innen über geordnete Kapitel z.B. durch Geschichte, Gottesverständnis, Quellen, Glaubensgrundsätze, den Cem-Gottesdienst und das Ethiksystem über Interreligiösen Dialog bis zum Alevitischen Religionsunterricht. Auch wichtige Personen im Alevitentum werden dargestellt. Nicht nur diese Passagen, sondern auch einige alevitische Erzählungen sind für Schüler*innen im Religionsunterricht (für alle) direkt verwendbar! Ismail Kaplan ist ein Werk von unschätzbarem Wert gelungen. Danke! 2. Rezension von Dr. Jochen Bauer Fachreferent Religionsunterricht Behörde für Schule und Berufsbildung der Freien und Hansestadt Hamburg "Die Seele des Alevitentums einzufangen: Was im Untertitel anklingt, ist eine große Herausforderung, der sich Ismail Kaplan mit seiner umfangreich erweiterten Neuauflage seiner bereits 2004 erstellten Erstauflage widmet. Der langjährige Bildungsbeauftragte der Alevitischen Gemeinde Deutschland gibt auf nunmehr 326 Seiten einen umfangreichen Einblick in das Alevitentum. Er skizziert die Entstehung und Entwicklung des Alevitentums von seinen Ursprüngen bis zur aktuellen Entwicklung in Deutschland und gibt einen Einblick in die komplexe Identitätsentwicklung einer religiösen Minderheit, die sich in und durch Migration neu findet und definiert. Der historische Abriss und die Darstellung gegenwärtiger alevitischer Gemeinschaftsbildung bildet den Rahmen für den Kern des Buches: Kaplan bietet einen Überblick über die theologischen Grundlagen des alevitischen Glaubens und seiner Quellen. Er schildert das Gottes- und Schöpfungsverständnis und die Glaubensgrundsätze vor dem Hintergrund alevitischer Traditionen. Diese nimmt er in ihrer Vielgestalt von Schriften, Lyrik, Weisheiten und Anekdoten in den Blick und geht auf Interpretationsweisen von innerer und äußerer Bedeutung (Zahiri und Batini) ein. Einen großen Raum nimmt die Deutung der religiösen Praxis ein: Cem-Gottesdienst, Ikrar-Beziehungen, Musik, Semah-Ritual, Rizalik, Gedenktage, Feste, Bestattungskultur u.v.m. In einem ausführlichen Schlussteil protraitiert er die zentralen Personen des Alevitentums ¬¬- von Ali über Hallac-i Mansur und Hünkar Hace Bektas Veli bis zu Pir Sultan Abdal und weiteren ¬- und bietet Auszüge ihrer zentralen Gedanken und Werke. Der umfangreiche Materialteil umfasst darüber hinaus Gülbenk-Gebete zu verschiedenen Anlässen und alevitische Erzählungen wie die Hizir-Geschichten. Chronologie, Glossar und Literaturverzeichnis runden das Buch ab. Ismail Kaplan nimmt das Alevitentum von innen heraus in den Blick, so dass die "Seele" des Alevitentums durchzuscheinen vermag. Er bietet keinen distanziert historisierenden oder religionswissenschaftlich systematisierenden Zugang, vielmehr eine theologische Selbstdarstellung und Selbstreflexion. Kaplan gelingt es, Aleviten wie Nicht-Aleviten ein Grundverständnis alevitischen Glaubens zu vermitteln. Das Werk ist Handbuch, Glaubenslehre und Quellensammlung in einem. Darin sucht es seinesgleichen.More details
Edition
Erw. Neuaufl.
Language
German
Place of publication
Hamburg42
Germany
Target group
Aleviten, Religionslehrer, Studenten, Schüler in der Sek I u. II, Fachpublikum für Religion/Philosophie
Edition type
Enlarged edition
Illustrations
43
Fotos,
Tabellen
Grafiken
ISBN-13
978-3-00-071537-2 (9783000715372)
Schweitzer Classification
Person
Author
Dipl. Sozialpädagoge
Ismail Kaplan geb. 1950 in Niksar/Türkei. Maschinenbau- und Sozialpädagogik-Studium an der Technischen Universität Istanbul (ITÜ) sowie an der Ev. Fachhochschule Bochum. Er war als Ingenieur von 1972-1976, Sozialberater von 1976-1981 bei der AWO sowie pädagogischer Mitarbeiter von 1981-1987 bei der Stadt Herne tätig. Ismail Kaplan war von 1988-1999 Referent bei der Sozialbehörde Hamburg und von 1999-2013 Bildungsbeauftragter bei der Alevitischen Gemeinde Deutschland in Köln. Er war an der Einführung des alevitischen Religionsunterrichts und der Erstellung der Lehrpläne für den Unterricht in Deutschland federführend beteiligt. Ismail Kaplan war langjährig als Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Weingarten und der Universität Hamburg tätig. Er hat mehrere Bücher in Deutsch und Türkisch veröffentlicht, u.a. Deutsch-Ausländische Begegnungsstätten in Hamburg, Das Alevitentum, Murest- Handbuch Interreligiöser Dialog, Glaubenselemente sunnitischer und alevitischer Sicht und Alevice-Inancımız und Direncimiz. Er vertritt z.Zt. die Alevitischen Gemeinden in Hamburg in der Kommission für den Religionsunterricht für alle (RUfa).
Ismail Kaplan geb. 1950 in Niksar/Türkei. Maschinenbau- und Sozialpädagogik-Studium an der Technischen Universität Istanbul (ITÜ) sowie an der Ev. Fachhochschule Bochum. Er war als Ingenieur von 1972-1976, Sozialberater von 1976-1981 bei der AWO sowie pädagogischer Mitarbeiter von 1981-1987 bei der Stadt Herne tätig. Ismail Kaplan war von 1988-1999 Referent bei der Sozialbehörde Hamburg und von 1999-2013 Bildungsbeauftragter bei der Alevitischen Gemeinde Deutschland in Köln. Er war an der Einführung des alevitischen Religionsunterrichts und der Erstellung der Lehrpläne für den Unterricht in Deutschland federführend beteiligt. Ismail Kaplan war langjährig als Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Weingarten und der Universität Hamburg tätig. Er hat mehrere Bücher in Deutsch und Türkisch veröffentlicht, u.a. Deutsch-Ausländische Begegnungsstätten in Hamburg, Das Alevitentum, Murest- Handbuch Interreligiöser Dialog, Glaubenselemente sunnitischer und alevitischer Sicht und Alevice-Inancımız und Direncimiz. Er vertritt z.Zt. die Alevitischen Gemeinden in Hamburg in der Kommission für den Religionsunterricht für alle (RUfa).
Content
Inhaltsverzeichnis
Gleichnisse/Analoge im Buch: 9
Geleitwort 10
Vorwort 11
GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG der Aleviten 14
Religionshistorische Entwicklung der Aleviten 25
Stellung der Aleviten in Deutschland 31
Stellung und Verteilung der Aleviten in der Türkei 36
IDENTITÄTSFINDUNG im Alevitentum 41
Aspekte der alevitischen Identität 42
Stärke der alevitischen Identität 46
Selbstverständnis und Selbstbeschreibung der Aleviten 49
Auftreten und Verhalten von Aleviten in der Öffentlichkeit 53
BEREICHE des Alevitentums 55
Anfänge und Entwicklung des Alevitentums 59
GOTTESVERSTÄNDNIS im Alevitentum 64
Gottesnamen im Alevitentum 64
Quellen für das alevitische Gottesverständnis 64
Schöpferische Eigenschaft Gottes nach alevitischen Schöpfungsgeschichten 65
Eigenschaften Gottes aus alevitischer Sicht 67
ALEVITISCHE QUELLEN 77
Was ist eine Quelle? Was sind alevitische Quellen? 77
Alevitische Quellen schriftliche Form entstanden oft aus der Not heraus. Sie sind begrenzt und teilweise unzuverlässig. 78
Umgang mit alevitischen Quellen und ihre Batini-Auslegungen (Interpretationen) 79
Interpretationen alevitischer Quellen unter den Zahiri- und Batini-Aspekten 79
Die repräsentative Kraft der Glaubensriten 81
Schriftliche QUELLEN 82
Sprache und Übersetzung der Quellen 82
Einzelne schriftliche Quellen 84
Alevitische Lyrik: Gesänge und Gedichte 88
Alevitische Weisheiten: 89
Alevitische Anekdoten: 91
Das Verhältnis der Aleviten zum KORAN 92
GLAUBENSGRUNDSÄTZE der Aleviten 95
Glaubensbekenntnis 96
2. Der Glaube an die heilige Kraft/Seele (kutsal güç/can) im Menschen 101
3. Der Glaube an den Weg zur Vervollkommnung der Menschen (insan- i kamil olmak) bis zum Einswerden mit der Wahrheit 106
4. Der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele (canın ölmezligi) 114
Der CEM-Gottesdienst der Aleviten (Cem) 123
Cem-Haus: Gebetshaus/-stätte der Aleviten 123
Funktionen des Cem-Gottesdienstes 124
Grundlage des Cem-Gottesdienstes (kırklar cemi) 126
12 Dienste im Cem-Gottesdienst (12 hizmet) 130
Ablauf des Cem-Gottesdienstes 133
Arten des Cem-Gottesdienstes 136
Fürbitte (Gülbenk) 139
Rechenschaft im Cem-Gottesdienst (dâra durmak) 141
Bekämpfung des Egos (benligi/nefsi yenmek) 142
Das Gelöbnismahl (lokma) 143
Gesegnetes Wasser (sakka suyu) 144
Versprechung/Geständnis (ikrar) 145
Weggemeinschaft der Familien (musahiplik) 149
Opfer (KURBAN) im Alevitentum 150
Eheschließung und alevitische TRAUUNG 151
MUSIK im Alevitentum 153
Das Saiteninstrument SAZ 154
SEMAH-Rituale 155
Das alevitische ETHIKSYSTEM: 4 Tore mit 40 Stufen (4 Kapı 40 Makam) 161
Das erste Tor ist seriat 163
Das zweite Tor ist der mystische Weg (tarikat) 163
Das dritte Tor ist das Tor der Erkenntnis (marifet) 164
Das vierte Tor ist die Wahrheit (hakikat) 165
Zahiri- und Batini-Bedeutungen der 4 Tore mit 40 Stufen 170
BATINI-Deutungen einiger Handlungen in alevitischen Quellen 175
Die SEELE (can) und das ICH: Grundlagen der menschlichen Existenz 177
Das EINVERNEHMEN (rızalık) im Alevitentum 182
Die Stadt des Einvernehmens: RIZA SEHRI 187
Paradies auf Erden oder im Jenseits? 189
Interreligiöser DIALOG aus der Sicht der Aleviten 192
Konversion aus alevitischer Sicht 194
Richtlinien alevitischer Erziehung 196
Geschlechterverhältnis im Alevitentum 201
Gebote und Verbote aus Sicht der Aleviten 204
Frömmigkeit/Religiosität im Alevitentum 207
Bestattungskultur von Aleviten 210
ALEVITISCHE FEST- UND GEDENKTAGE 215
Das Alevitentum als RELIGIONSUNTERRICHT in den Schulen 221
BEFREIUNGSAUFBRUCH im Sinne der Religionsfreiheit 237
ANERKENNUNG UND VERTRÄGE der Aleviten mit den Bundesländern 241
ZUKUNFTSPERSPEKTIVE der Aleviten in Deutschland 251
Schlusswort 256
Anhänge - INFORMATIONEN 256
Wichtige PERSONEN im Alevitentum 257
Der Heilige Ali (599- 661 n. Chr.) 257
Die 12 Imame 261
Hallâc-ı Mansûr (858-922 n. Chr.) 263
Hünkar Bektas Veli (ca. 1209-1295 n. Chr.) 267
Yunus Emre (1238-1320 n. Chr.) 271
Seyyid Imadeddin Nesimi (1345-1418 n. Chr.) 275
Hatayi (1487-1524 n. Chr.) 277
Pir Sultan Abdal (16. Jh. - gest. 1590 n. Chr.) 279
Kul Himmet (16. Jhd. n. Chr.) 286
Kul Nesimi (17. Jhd. n. Chr.) 288
Fürbitten (gülbenk) 290
Geschichten aus alevitischen Quellen 297
Wahre Geschichten 303
Alevitische Gemeinde Deutschland e.V. (Almanya Alevi Birlikleri Federasyonu-AABF) 306
Chronologie zur Geschichte der Aleviten 310
Leser-Meinungen 317
Erläuterung alevitischer Hauptbegriffe 321
Deutschsprachige Quellen/ Literatur 331
Türkischprachige Quellen / Literatur 334
Abkürzungsverzeichnis