
Der Junge, der den Wind einfing
Eine afrikanische Heldengeschichte
Irisiana (Publisher)
Published on 8. March 2010
Book
Hardback
384 pages
978-3-424-15043-8 (ISBN)
Article exhausted; check for reprint
Description
'Yes, we can!' auf Malawisch
Dies ist die außergewöhnliche und tief berührende Geschichte eines jungen Mannes, dem es trotz zahlreicher Widerstände gelingt, sich einen Traum zu erfüllen. William wächst auf einer Farm in Malawi auf, einem der ärmsten Länder der Welt. Im Alter von 14 Jahren baut er ein 12 Meter hohes Windrad, mit dem er Strom erzeugen kann. Damit verändert er das Leben seiner Familie und der Menschen in seinem Dorf zum Positiven. Als sich seine Geschichte dank Internet ausbreitet, überstürzen sich die Ereignisse und machen ihn über Nacht weltweit berühmt. Er wird als Held gefeiert, als jemand, der zeigt, dass sich mit geringen Mitteln und einer Vision Großes für die Gemeinschaft bewirken lässt.
Eine moderne Heldensaga, die zum Staunen anregt, Hoffnung gibt und Mut macht, dass es auch allergrößten Widerständen zum Trotz gelingen kann, das scheinbar Unmögliche zu erreichen.
Dies ist die außergewöhnliche und tief berührende Geschichte eines jungen Mannes, dem es trotz zahlreicher Widerstände gelingt, sich einen Traum zu erfüllen. William wächst auf einer Farm in Malawi auf, einem der ärmsten Länder der Welt. Im Alter von 14 Jahren baut er ein 12 Meter hohes Windrad, mit dem er Strom erzeugen kann. Damit verändert er das Leben seiner Familie und der Menschen in seinem Dorf zum Positiven. Als sich seine Geschichte dank Internet ausbreitet, überstürzen sich die Ereignisse und machen ihn über Nacht weltweit berühmt. Er wird als Held gefeiert, als jemand, der zeigt, dass sich mit geringen Mitteln und einer Vision Großes für die Gemeinschaft bewirken lässt.
Eine moderne Heldensaga, die zum Staunen anregt, Hoffnung gibt und Mut macht, dass es auch allergrößten Widerständen zum Trotz gelingen kann, das scheinbar Unmögliche zu erreichen.
More details
Language
German
Product notice
With dust jacket
Dimensions
Height: 21.5 cm
Width: 13.5 cm
ISBN-13
978-3-424-15043-8 (9783424150438)
Schweitzer Classification
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Book
01/2021
Diederichs
€12.00
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Content
Alles war nun vorbereitet, also wartete ich. Die Muskeln. in meinen Armen brannten immer noch, so hart hatte ich gearbeitet, doch jetzt war ich fertig. Das Räderwerk war verschraubt und gesichert. Der Turm war stabil und bewegte sich nicht unter seiner Last, dem Geflecht aus Stahl und Plastik. Als ich ihn betrachtete, erschien er mir als genau das, was er war: ein Gebilde aus einem Traum.
Die Nachricht von meiner Maschine hatte sich in den Dörfern rasch verbreitet; von überall her strömten nun Menschen zusammen. Die fliegenden Händler erspähten die Maschine von ihren Ständen aus und packten ihre Sachen ein. Die Lkw-Fah-rer ließen ihre Fahrzeuge am Straßenrand stehen. Sie kamen ins Tal und versammelten sich in den schattigen Ecken. Ich erkannte die Gesichter wieder: Monatelang hatten sich einige von ihnen über mich lustig gemacht. Auch jetzt flüsterten sie noch, lachten sogar. Immer mehr Leute kamen. Es war so weit. Mit der linken Hand balancierte ich die kleine Zunge und die Drähte, während ich mich mit der rechten Hand auf die erste Stufe des Turms hinaufzog. Das weiche Holz ächzte unter meinem Gewicht, und die Versammlung verstummte. Langsam und zuversichtlich kletterte ich weiter nach oben, bis ich den groben Rahmen der Maschine direkt vor Augen hatte. Ihre Plastikflügel waren schwärzlich verbrannt, ihre metallenen Knochen mit Bolzen gesichert und festgeschweißt. Ich hielt inne und sah mir die Rost- und Farbflecken, die sich gegen die Felder und Berge absetzten, genau an. Jedes einzelne Teil hatte seine eigene Entdeckungsgeschichte zu erzählen, wie es verloren gegangen und in einer Zeit der Not und Angst wiedergefunden worden war. Jetzt endlich fügten sich die Teile zu einem Ganzen zusammen, und wir alle waren wie neugeboren.
Vom Herzen der Maschine baumelten zwei Drähte lose herab und tanzten leise im Wind. Ich verknotete die ausgefransten Enden mit den Drähten, die aus der Zunge hervorsprossen, genau so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Die Menge unten brach in gackerndes Gelächter aus. "Ruhe da drüben!", hörte ich jemanden sagen. "Wir wollen doch mal sehen, wie verrückt dieser Junge wirklich ist." Eine plötzliche Brise brachte die Stimmen zum Schweigen und mauserte sich dann zu einem ordentlichen Wind. Er zupfte an meinem T-Shirt und pfiff durch die Stufen des Turms. Ich griff zum Rad hinüber und entfernte ein gebogenes Stück Draht, das das Rad an Ort und Stelle hielt. Gleich darauf begannen Rad und Flügel, sich zu drehen: erst langsam, dann immer schneller, bis der Turm unter der schieren Kraft der Bewegung schwankte. Ich bekam ganz weiche Knie, konnte mich aber festhalten.
Lass mich nicht im Stich.
Ich umklammerte Zunge und Drähte und wartete auf ein Wunder. Als es sich schließlich ereignete, war es zunächst nur ein winziges Licht, das von meiner Handfläche aus flackerte, und dann ein herrliches Leuchten. Die Menge hielt den Atem an; den Menschen da unten lief ein Schauer über den Rücken. Die Kinder drängelten sich nach vorn, um einen besseren Blick auf das, was da passierte, zu erhaschen. "Es ist wirklich wahr!", rief jemand.
"Ja", hörte ich einen anderen. "Der Junge hat es geschafft."
Die Magie mitsamt ihren vielen Rätseln umgab mich Tag und Nacht und ist Gegenstand meiner frühesten Erinnerung - aus der Zeit, in der mich mein Vater vor dem sicheren Tod rettete und zu dem Helden wurde, der er heute noch ist. Ich war sechs Jahre alt und spielte auf der Straße, als sich eine singende und tanzende Gruppe von Hirtenjungen näherte. Wir lebten damals auf einer Farm in dem Dorf Masitala in der Nähe der Stadt Kasungu; die Hirtenjungen arbeiteten für einen benachbarten Farmer, der viele Kühe besaß. Sie erzählten mir, dass sie an diesem Morgen wie üblich die Kühe gehütet und dabei mitten auf der Straße einen riesigen Sack gefunden hatten. Als sie ihn öffneten, war er voller Kaugummis! Könnt ihr euch einen solchen Schatz vorstellen? Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich Kaugummi liebte.
"Sollen wir dem Kleinen welche geben?", fragte einer der Hirtenjungen.
Ich hielt den Atem an und erstarrte. In meinen Haaren hatten sich ein paar tote Blätter verfangen.
"Tja, warum eigentlich nicht?", sagte ein anderer Junge. "Seht ihn euch doch nur mal an."
Einer der Hirtenjungen griff in den Sack und holte eine Handvoll Kaugummis heraus, einen von jeder Farbe. Kugel für Kugel ließ er sie in meine Hände fallen. Ich stopfte sie mir alle auf einmal in den Mund. Als die Hirtenjungen ihres Weges zogen, spürte ich, wie mir der süße Kaugummisaft vom Kinn tropfte und klebrige Flecken auf meinem Hemd hinterließ. Am nächsten Tag spielte ich gerade unter dem Mangobaum, als ein Händler vorbeikam, von seinem Fahrrad stieg und mit meinem Vater plauderte. Er erzählte ihm, dass er am Morgen zuvor auf seinem Weg zum Markt eine seiner Taschen verloren hatte. Als er es endlich bemerkt und kehrtgemacht hatte, war die Tasche verschwunden. Voller Kaugummis sei sie gewesen, erzählte er. Einige seiner Kollegen berichteten ihm davon, dass ein paar Hirtenjungen die Kaugummis freigiebig in den Dörfern verteilten, was ihn sehr wütend machte. Seit gestern fuhr er mit dem Rad die Gegend ab und suchte überall nach den Jungen. Schließlich stieß er eine schreckliche Drohung aus.
"Ich war beim sing'anga; wer auch immer die Kaugummis gegessen hat, dem wird es bald sehr leidtun." Der sing'anga ist der Medizinmann.
Ich hatte die Kaugummis schon längst heruntergeschluckt. Nun verwandelte sich die süße Erinnerung daran auf meiner Zunge in ätzendes Gift. Ich fing an zu schwitzen, mein Herz pochte wild. Unbemerkt rannte ich in das Eukalyptuswäldchen hinter unserem Haus, lehnte mich an einen Baum und versuchte, mich der gefährlichen Substanz wieder zu entledigen. Ich würgte und spuckte, steckte mir den Finger in den Hals und tat alles, um den Fluch loszuwerden. Doch es war nur ein trockenes Würgen. Einzig ein wenig farbiger Speichel hatte sich auf den Blättern zu meinen Füßen gesammelt; rasch bedeckte ich ihn mit Erde.
Doch plötzlich, als verdeckte eine dunkle Wolke die Sonne, spürte ich, wie das allwissende Auge des Zauberers mich durch die Bäume hindurch beobachtete.
Die Nachricht von meiner Maschine hatte sich in den Dörfern rasch verbreitet; von überall her strömten nun Menschen zusammen. Die fliegenden Händler erspähten die Maschine von ihren Ständen aus und packten ihre Sachen ein. Die Lkw-Fah-rer ließen ihre Fahrzeuge am Straßenrand stehen. Sie kamen ins Tal und versammelten sich in den schattigen Ecken. Ich erkannte die Gesichter wieder: Monatelang hatten sich einige von ihnen über mich lustig gemacht. Auch jetzt flüsterten sie noch, lachten sogar. Immer mehr Leute kamen. Es war so weit. Mit der linken Hand balancierte ich die kleine Zunge und die Drähte, während ich mich mit der rechten Hand auf die erste Stufe des Turms hinaufzog. Das weiche Holz ächzte unter meinem Gewicht, und die Versammlung verstummte. Langsam und zuversichtlich kletterte ich weiter nach oben, bis ich den groben Rahmen der Maschine direkt vor Augen hatte. Ihre Plastikflügel waren schwärzlich verbrannt, ihre metallenen Knochen mit Bolzen gesichert und festgeschweißt. Ich hielt inne und sah mir die Rost- und Farbflecken, die sich gegen die Felder und Berge absetzten, genau an. Jedes einzelne Teil hatte seine eigene Entdeckungsgeschichte zu erzählen, wie es verloren gegangen und in einer Zeit der Not und Angst wiedergefunden worden war. Jetzt endlich fügten sich die Teile zu einem Ganzen zusammen, und wir alle waren wie neugeboren.
Vom Herzen der Maschine baumelten zwei Drähte lose herab und tanzten leise im Wind. Ich verknotete die ausgefransten Enden mit den Drähten, die aus der Zunge hervorsprossen, genau so, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Die Menge unten brach in gackerndes Gelächter aus. "Ruhe da drüben!", hörte ich jemanden sagen. "Wir wollen doch mal sehen, wie verrückt dieser Junge wirklich ist." Eine plötzliche Brise brachte die Stimmen zum Schweigen und mauserte sich dann zu einem ordentlichen Wind. Er zupfte an meinem T-Shirt und pfiff durch die Stufen des Turms. Ich griff zum Rad hinüber und entfernte ein gebogenes Stück Draht, das das Rad an Ort und Stelle hielt. Gleich darauf begannen Rad und Flügel, sich zu drehen: erst langsam, dann immer schneller, bis der Turm unter der schieren Kraft der Bewegung schwankte. Ich bekam ganz weiche Knie, konnte mich aber festhalten.
Lass mich nicht im Stich.
Ich umklammerte Zunge und Drähte und wartete auf ein Wunder. Als es sich schließlich ereignete, war es zunächst nur ein winziges Licht, das von meiner Handfläche aus flackerte, und dann ein herrliches Leuchten. Die Menge hielt den Atem an; den Menschen da unten lief ein Schauer über den Rücken. Die Kinder drängelten sich nach vorn, um einen besseren Blick auf das, was da passierte, zu erhaschen. "Es ist wirklich wahr!", rief jemand.
"Ja", hörte ich einen anderen. "Der Junge hat es geschafft."
Die Magie mitsamt ihren vielen Rätseln umgab mich Tag und Nacht und ist Gegenstand meiner frühesten Erinnerung - aus der Zeit, in der mich mein Vater vor dem sicheren Tod rettete und zu dem Helden wurde, der er heute noch ist. Ich war sechs Jahre alt und spielte auf der Straße, als sich eine singende und tanzende Gruppe von Hirtenjungen näherte. Wir lebten damals auf einer Farm in dem Dorf Masitala in der Nähe der Stadt Kasungu; die Hirtenjungen arbeiteten für einen benachbarten Farmer, der viele Kühe besaß. Sie erzählten mir, dass sie an diesem Morgen wie üblich die Kühe gehütet und dabei mitten auf der Straße einen riesigen Sack gefunden hatten. Als sie ihn öffneten, war er voller Kaugummis! Könnt ihr euch einen solchen Schatz vorstellen? Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich Kaugummi liebte.
"Sollen wir dem Kleinen welche geben?", fragte einer der Hirtenjungen.
Ich hielt den Atem an und erstarrte. In meinen Haaren hatten sich ein paar tote Blätter verfangen.
"Tja, warum eigentlich nicht?", sagte ein anderer Junge. "Seht ihn euch doch nur mal an."
Einer der Hirtenjungen griff in den Sack und holte eine Handvoll Kaugummis heraus, einen von jeder Farbe. Kugel für Kugel ließ er sie in meine Hände fallen. Ich stopfte sie mir alle auf einmal in den Mund. Als die Hirtenjungen ihres Weges zogen, spürte ich, wie mir der süße Kaugummisaft vom Kinn tropfte und klebrige Flecken auf meinem Hemd hinterließ. Am nächsten Tag spielte ich gerade unter dem Mangobaum, als ein Händler vorbeikam, von seinem Fahrrad stieg und mit meinem Vater plauderte. Er erzählte ihm, dass er am Morgen zuvor auf seinem Weg zum Markt eine seiner Taschen verloren hatte. Als er es endlich bemerkt und kehrtgemacht hatte, war die Tasche verschwunden. Voller Kaugummis sei sie gewesen, erzählte er. Einige seiner Kollegen berichteten ihm davon, dass ein paar Hirtenjungen die Kaugummis freigiebig in den Dörfern verteilten, was ihn sehr wütend machte. Seit gestern fuhr er mit dem Rad die Gegend ab und suchte überall nach den Jungen. Schließlich stieß er eine schreckliche Drohung aus.
"Ich war beim sing'anga; wer auch immer die Kaugummis gegessen hat, dem wird es bald sehr leidtun." Der sing'anga ist der Medizinmann.
Ich hatte die Kaugummis schon längst heruntergeschluckt. Nun verwandelte sich die süße Erinnerung daran auf meiner Zunge in ätzendes Gift. Ich fing an zu schwitzen, mein Herz pochte wild. Unbemerkt rannte ich in das Eukalyptuswäldchen hinter unserem Haus, lehnte mich an einen Baum und versuchte, mich der gefährlichen Substanz wieder zu entledigen. Ich würgte und spuckte, steckte mir den Finger in den Hals und tat alles, um den Fluch loszuwerden. Doch es war nur ein trockenes Würgen. Einzig ein wenig farbiger Speichel hatte sich auf den Blättern zu meinen Füßen gesammelt; rasch bedeckte ich ihn mit Erde.
Doch plötzlich, als verdeckte eine dunkle Wolke die Sonne, spürte ich, wie das allwissende Auge des Zauberers mich durch die Bäume hindurch beobachtete.