Sturmkind
Ursula Isbel(Author)
CBT (Publisher)
Published on 6. October 2008
Book
Paperback/Softback
256 pages
978-3-570-30536-2 (ISBN)
Description
Pferde, Liebe und Romantik - einfach unwiderstehlich!
Die junge Adelige Georgina liebt nichts mehr als ihre wilden Ausritte am Meer. Hier kann sie den strengen Blicken ihrer Mutter entfliehen, die nur ein Ziel hat: ihre Tochter zu verheiraten. Als sich der Mann, den sie für Georgina auswählt, als arroganter Snob entpuppt, schwört sich das freiheitsliebende Mädchen, nie im Gefängnis der Ehe zu landen. Bis sie auf den Klippen von Windrush Hall eine Begegnung hat, die ihr Schickslal für immer verändern wird .
Beeindruckende Landschaftsbilder, atemlose Spannung und große Gefühle.
Die junge Adelige Georgina liebt nichts mehr als ihre wilden Ausritte am Meer. Hier kann sie den strengen Blicken ihrer Mutter entfliehen, die nur ein Ziel hat: ihre Tochter zu verheiraten. Als sich der Mann, den sie für Georgina auswählt, als arroganter Snob entpuppt, schwört sich das freiheitsliebende Mädchen, nie im Gefängnis der Ehe zu landen. Bis sie auf den Klippen von Windrush Hall eine Begegnung hat, die ihr Schickslal für immer verändern wird .
Beeindruckende Landschaftsbilder, atemlose Spannung und große Gefühle.
More details
Language
German
Dimensions
Height: 18.3 cm
Width: 12.5 cm
ISBN-13
978-3-570-30536-2 (9783570305362)
Schweitzer Classification
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Person
Ursula Isbel, 1942 in München geboren, war nach ihrem Modegrafik-Studium und dem Besuch einer Sprachenschule als Lektorin tätig. Mit 27 hat sie ihren ersten Roman geschrieben, dem viele weitere Erzählungen und Kinder- und Jugendbücher folgten. Heute lebt
Content
Die Dienstboten nannten mich 'Sturmkind', weil ich in einer stürmischen Frühlingsnacht des Jahres 1814 geboren wurde. Ein Schiff geriet in die gefährliche Strömung beim Höllenschlund, der berüchtigten Bucht vor unserer Küste, und zerschellte an den Klippen. Ein Segelschoner lief auf Grund. Viele spanische und portugiesische Seeleute ertranken.
Unsere alte Amme Nanny erzählte oft davon. Sie half bei meiner Geburt und hielt mich als Erste in den Armen.
'Ein ganzes Büschel dunkler Haare hattest du schon auf dem Kopf, während alle anderen Babys, denen ich auf die Welt geholfen habe, fast kahlköpfig waren', sagte sie. 'Hast ausgesehen wie ein Hausgeist, einer von diesen strubbeligen Hobgoblins. Und wolltest einfach nicht schreien, obwohl ich dich ein paarmal mit dem Kopf nach unten durch die Luft geschwenkt habe.'
Mir erschien diese Behandlung grausam. Nanny behauptete, das müsste so sein.
'Babys müssen schreien, sobald sie auf dieser Welt sind, sonst ersticken sie.'
Doch sie wollte nichts darüber sagen, wie so eine Geburt ablief, sooft wir sie auch danach fragten.
'Das werdet ihr noch früh genug erfahren', sagte sie zu meiner Schwester Chrystobel und mir und verzog ihr breites Gesicht zu einer geheimnisvollen Grimasse, die zugleich komisch und finster wirkte. Ihre graugelben Haare hingen wie Strähnen von Flachs unter der gestärkten Haube hervor.
In der gleichen Sturmnacht wurde auch unsere graue Stute Belle geboren, Iseults und Percivals Tochter. Sie blieb ihr Leben lang unberechenbar wie ein Apriltag. Kein Pferd aus dem Stall meines Vaters hat je so viele Reiter abgeworfen wie sie. Nur bei Papa war sie immer lammfromm und das rettete ihr über Jahre hinweg das Leben.
Wenn einer von uns die Gabe gehabt hätte, in die Zukunft zu sehen, wäre Belle längst nicht mehr im Stall von Windrush Hall gestanden. Doch auch wenn keiner die künftigen Ereignisse voraussehen konnte, machte sich mein Vater wohl bis ans Ende seiner Tage Vorwürfe wegen seiner Sorglosigkeit, was Belle betraf.
Ich selbst ritt Belle nie. Als sie zehn war, brachte sie ein Fohlen zur Welt, das ihr äußerlich aufs Haar glich, ein graues Stutfohlen mit einer weißen Zeichnung auf der Stirn.
Wir nannten sie Melilot. Ich bekam Melilot zum sechzehnten Geburtstag von meinem Vater geschenkt. Nach drei Shetlandponys war sie mein erstes eigenes Reitpferd.
Es war längst klar, dass Melilot und ich zusammengehörten. Schon als Fohlen kam sie an den Weidenzaun, sobald sie mich sah. Und sie wieherte aus ihrer Box, die sie anfangs mit Belle teilte, wenn sie meine Stimme hörte.
Papa hatte es sich nicht nehmen lassen, sie selbst zuzureiten. Er wollte sichergehen, dass ich ein zuverlässiges Pferd bekam, ohne Belles 'Grillen', wie er es nannte. Dabei war seine Sorge unbegründet. Ein sanfteres, gutmütigeres Pferd als meine Melilot konnte es nicht geben und ich habe auch nie ein anderes Pferd so sehr geliebt wie sie.
Helen, meine jüngere Schwester, hatte am Morgen meines Geburtstags einen Kranz aus Gänseblümchen geflochten, der im Frühstückszimmer an meinem Platz lag. Meine fünf Geschwister sangen mir ein Ständchen. Es klang nicht besonders melodisch. Bis auf Chrystobel, die eine schöne, klare Sopranstimme hatte, konnte keiner von uns gut singen. Ich hörte sowieso kaum hin. Ich sah nur das glänzende neue Halfter über meiner Stuhllehne hängen und konnte den Blick nicht davon wenden, während sie mich umringten.
Mama hielt eine feierliche Ansprache. Sie sagte, dass ich jetzt eine junge Dame sei und versuchen müsste, mehr Haltung und Weiblichkeit an den Tag zu legen, das nötige Zartgefühl zu entwickeln, das eine Frau zieren sollte, und mich anmutiger zu bewegen.
'In einem Jahr wirst du in die Gesellschaft eingeführt, Georgina', sagte sie. Mama war die Einzige in unserer Familie, die mich Georgina nannte. 'Ich hoffe sehr, dass du dich bis dahin zu einer würdevollen jungen Dame entwickelt hast, die weiß, was sich schickt. Du musst lernen, dein wildes Temperament zu zügeln.'
Mein Bruder Cedric zwinkerte mir zu. Papa nahm mich in die Arme und drückte mich, dass ich kaum Luft bekam. Ich spähte an seinem Arm vorbei auf das Halfter und hätte am liebsten eine Serie von Luftsprüngen gemacht wie ein Fohlen auf der Frühlingsweide.
'Papa!', rief ich. 'Ich glaube, ich kann es erraten!'
Und er lachte sein polterndes Lachen, gab mich frei, führte mich zu meinem Platz am Tisch und sagte: 'Ich will keine langen Reden schwingen, junge Lady. Für mich bist du recht so, wie du bist. Bleib so, werde kein zimperliches Salonpflänzchen, was deine Mutter auch immer sagen mag. Melilot gehört dir. Sie ist von jetzt an dein Pferd, und es gibt keinen, dem ich sie lieber gäbe.'
'. aber versprich, stets im Damensattel zu reiten', warf Mama ein, während sie sich ans obere Ende des Tisches setzte, sorgsam darauf bedacht, ihr duftiges Batistkleid mit den veilchenblauen Bändern in elegante Falten zu legen.
Zum Glück kamen Crawley und die Mädchen herein, um Tee, Hafergrütze, Fisch, Eier und Schinken zu servieren. So brauchte ich kein Versprechen zu geben, das ich sowieso gebrochen hätte.
Unter dem Tisch kauerten unsere Jagdhunde - die gefleckte Higgelty, Brownie mit den bernsteinfarbenen Augen und Piggelty, der beste aller Hasenjäger. Seit ich denken konnte, beklagte sich Mama darüber, dass die Hunde während der Mahlzeiten im Esszimmer sein durften. Papa aber weigerte sich, sie auszusperren, obwohl er sonst in vielem nachgab, um seine Ruhe zu haben.
Aubrey, der mir gegenübersaß, lächelte mir heimlich zu. Er war mein Lieblingsbruder, fünfzehn Monate älter als ich. Während wir uns zuzwinkerten, fiel mir ein, dass sein Platz bald wieder leer sein würde, denn er musste in einer Woche zurück aufs College nach Oxford.
Der Gedanke war wie eine dunkle Wolke, die für kurze Zeit diesen heiteren, lang ersehnten Tag überschattete. Es gab kaum etwas, was ich nicht getan hätte, um Aubrey hierzubehalten.
'Was machst du für ein finsteres Gesicht, Georgie?', fragte meine Schwester Chrystobel. 'Ich dachte, du freust dich und bist glücklich. Warum packst du nicht endlich deine Geschenke aus?'
Aubreys Päckchen öffnete ich zuerst. Er hatte mir ein Buch mit Gedichten von Wordsworth geschenkt, in feines Leder gebunden, mit Goldbuchstaben, wunderschönen zarten Zeichnungen und bunten Bändern zum Einmerken. Chrystobel hatte Filethandschuhe aus Seidengarn für mich gehäkelt, mit Rüschen an den Handgelenken, hauchzart und perfekt, wie nur sie es konnte. Ich hätte so etwas nie zustande gebracht, auch nicht wenn man mich zehn Jahre lang im Turmzimmer eingesperrt hätte.
Ich umarmte und küsste sie, obwohl ich nicht gern Handschuhe trug, außer im Winter, wenn ich an den Fingern fror. Sie hatte sich solche Mühe gemacht und es war lieb gemeint, das zählte. Mama ließ es sich nicht nehmen, wieder eine kleine Predigt zu halten. Sie ermahnte mich, mir ein Beispiel daran zu nehmen, mit welchem Geschick und welcher Geduld meine Schwester die feinsten Handarbeiten verfertigte.
Unsere alte Amme Nanny erzählte oft davon. Sie half bei meiner Geburt und hielt mich als Erste in den Armen.
'Ein ganzes Büschel dunkler Haare hattest du schon auf dem Kopf, während alle anderen Babys, denen ich auf die Welt geholfen habe, fast kahlköpfig waren', sagte sie. 'Hast ausgesehen wie ein Hausgeist, einer von diesen strubbeligen Hobgoblins. Und wolltest einfach nicht schreien, obwohl ich dich ein paarmal mit dem Kopf nach unten durch die Luft geschwenkt habe.'
Mir erschien diese Behandlung grausam. Nanny behauptete, das müsste so sein.
'Babys müssen schreien, sobald sie auf dieser Welt sind, sonst ersticken sie.'
Doch sie wollte nichts darüber sagen, wie so eine Geburt ablief, sooft wir sie auch danach fragten.
'Das werdet ihr noch früh genug erfahren', sagte sie zu meiner Schwester Chrystobel und mir und verzog ihr breites Gesicht zu einer geheimnisvollen Grimasse, die zugleich komisch und finster wirkte. Ihre graugelben Haare hingen wie Strähnen von Flachs unter der gestärkten Haube hervor.
In der gleichen Sturmnacht wurde auch unsere graue Stute Belle geboren, Iseults und Percivals Tochter. Sie blieb ihr Leben lang unberechenbar wie ein Apriltag. Kein Pferd aus dem Stall meines Vaters hat je so viele Reiter abgeworfen wie sie. Nur bei Papa war sie immer lammfromm und das rettete ihr über Jahre hinweg das Leben.
Wenn einer von uns die Gabe gehabt hätte, in die Zukunft zu sehen, wäre Belle längst nicht mehr im Stall von Windrush Hall gestanden. Doch auch wenn keiner die künftigen Ereignisse voraussehen konnte, machte sich mein Vater wohl bis ans Ende seiner Tage Vorwürfe wegen seiner Sorglosigkeit, was Belle betraf.
Ich selbst ritt Belle nie. Als sie zehn war, brachte sie ein Fohlen zur Welt, das ihr äußerlich aufs Haar glich, ein graues Stutfohlen mit einer weißen Zeichnung auf der Stirn.
Wir nannten sie Melilot. Ich bekam Melilot zum sechzehnten Geburtstag von meinem Vater geschenkt. Nach drei Shetlandponys war sie mein erstes eigenes Reitpferd.
Es war längst klar, dass Melilot und ich zusammengehörten. Schon als Fohlen kam sie an den Weidenzaun, sobald sie mich sah. Und sie wieherte aus ihrer Box, die sie anfangs mit Belle teilte, wenn sie meine Stimme hörte.
Papa hatte es sich nicht nehmen lassen, sie selbst zuzureiten. Er wollte sichergehen, dass ich ein zuverlässiges Pferd bekam, ohne Belles 'Grillen', wie er es nannte. Dabei war seine Sorge unbegründet. Ein sanfteres, gutmütigeres Pferd als meine Melilot konnte es nicht geben und ich habe auch nie ein anderes Pferd so sehr geliebt wie sie.
Helen, meine jüngere Schwester, hatte am Morgen meines Geburtstags einen Kranz aus Gänseblümchen geflochten, der im Frühstückszimmer an meinem Platz lag. Meine fünf Geschwister sangen mir ein Ständchen. Es klang nicht besonders melodisch. Bis auf Chrystobel, die eine schöne, klare Sopranstimme hatte, konnte keiner von uns gut singen. Ich hörte sowieso kaum hin. Ich sah nur das glänzende neue Halfter über meiner Stuhllehne hängen und konnte den Blick nicht davon wenden, während sie mich umringten.
Mama hielt eine feierliche Ansprache. Sie sagte, dass ich jetzt eine junge Dame sei und versuchen müsste, mehr Haltung und Weiblichkeit an den Tag zu legen, das nötige Zartgefühl zu entwickeln, das eine Frau zieren sollte, und mich anmutiger zu bewegen.
'In einem Jahr wirst du in die Gesellschaft eingeführt, Georgina', sagte sie. Mama war die Einzige in unserer Familie, die mich Georgina nannte. 'Ich hoffe sehr, dass du dich bis dahin zu einer würdevollen jungen Dame entwickelt hast, die weiß, was sich schickt. Du musst lernen, dein wildes Temperament zu zügeln.'
Mein Bruder Cedric zwinkerte mir zu. Papa nahm mich in die Arme und drückte mich, dass ich kaum Luft bekam. Ich spähte an seinem Arm vorbei auf das Halfter und hätte am liebsten eine Serie von Luftsprüngen gemacht wie ein Fohlen auf der Frühlingsweide.
'Papa!', rief ich. 'Ich glaube, ich kann es erraten!'
Und er lachte sein polterndes Lachen, gab mich frei, führte mich zu meinem Platz am Tisch und sagte: 'Ich will keine langen Reden schwingen, junge Lady. Für mich bist du recht so, wie du bist. Bleib so, werde kein zimperliches Salonpflänzchen, was deine Mutter auch immer sagen mag. Melilot gehört dir. Sie ist von jetzt an dein Pferd, und es gibt keinen, dem ich sie lieber gäbe.'
'. aber versprich, stets im Damensattel zu reiten', warf Mama ein, während sie sich ans obere Ende des Tisches setzte, sorgsam darauf bedacht, ihr duftiges Batistkleid mit den veilchenblauen Bändern in elegante Falten zu legen.
Zum Glück kamen Crawley und die Mädchen herein, um Tee, Hafergrütze, Fisch, Eier und Schinken zu servieren. So brauchte ich kein Versprechen zu geben, das ich sowieso gebrochen hätte.
Unter dem Tisch kauerten unsere Jagdhunde - die gefleckte Higgelty, Brownie mit den bernsteinfarbenen Augen und Piggelty, der beste aller Hasenjäger. Seit ich denken konnte, beklagte sich Mama darüber, dass die Hunde während der Mahlzeiten im Esszimmer sein durften. Papa aber weigerte sich, sie auszusperren, obwohl er sonst in vielem nachgab, um seine Ruhe zu haben.
Aubrey, der mir gegenübersaß, lächelte mir heimlich zu. Er war mein Lieblingsbruder, fünfzehn Monate älter als ich. Während wir uns zuzwinkerten, fiel mir ein, dass sein Platz bald wieder leer sein würde, denn er musste in einer Woche zurück aufs College nach Oxford.
Der Gedanke war wie eine dunkle Wolke, die für kurze Zeit diesen heiteren, lang ersehnten Tag überschattete. Es gab kaum etwas, was ich nicht getan hätte, um Aubrey hierzubehalten.
'Was machst du für ein finsteres Gesicht, Georgie?', fragte meine Schwester Chrystobel. 'Ich dachte, du freust dich und bist glücklich. Warum packst du nicht endlich deine Geschenke aus?'
Aubreys Päckchen öffnete ich zuerst. Er hatte mir ein Buch mit Gedichten von Wordsworth geschenkt, in feines Leder gebunden, mit Goldbuchstaben, wunderschönen zarten Zeichnungen und bunten Bändern zum Einmerken. Chrystobel hatte Filethandschuhe aus Seidengarn für mich gehäkelt, mit Rüschen an den Handgelenken, hauchzart und perfekt, wie nur sie es konnte. Ich hätte so etwas nie zustande gebracht, auch nicht wenn man mich zehn Jahre lang im Turmzimmer eingesperrt hätte.
Ich umarmte und küsste sie, obwohl ich nicht gern Handschuhe trug, außer im Winter, wenn ich an den Fingern fror. Sie hatte sich solche Mühe gemacht und es war lieb gemeint, das zählte. Mama ließ es sich nicht nehmen, wieder eine kleine Predigt zu halten. Sie ermahnte mich, mir ein Beispiel daran zu nehmen, mit welchem Geschick und welcher Geduld meine Schwester die feinsten Handarbeiten verfertigte.