Das Zeichen des Vampirs
Susan Hubbard(Author)
cbj (Publisher)
Published on 19. January 2009
Book
Hardback
416 pages
978-3-570-13748-2 (ISBN)
Description
Kein Schatten, kein Spiegelbild, keine Seele . - Der besondere Vampirroman!
Bislang hat Ariella Montero sich nicht daran gestört, dass der Vater sie über die Maßen behütet und von der Umwelt abschirmt. Doch als sie 13 wird, spürt sie, wie in ihr eigenartige Veränderungen vorgehen. Sie beginnt, Fragen über sich und ihre Herkunft zu stellen - und kommt allmählich der Wahrheit näher: Ihr Vater wurde kurz vor ihrer Geburt durch einen Biss zum Vampir und jetzt, in der Pubertät, deuten erste Anzeichen darauf hin, dass auch Ariella Vampirin ist .
Eines Nachts wird Ariellas beste Freundin Kathleen ermordet aufgefunden und vieles deutet darauf hin, dass es Ariellas Vater war, der an ihr seinen Blutdurst gestillt hat. Oder war es Ariella selbst? Als die Polizei zu ermitteln beginnt, flieht Ariella nach Süden, begibt sich auf die Suche nach ihrer Mutter - und wird dort mit dem wahren Geheimnis ihrer Familie konfrontiert .
Die Geschichte eines Mädchens, das lernen muss, mit seinem gefährlichen Erbe umzugehen .
Spannende Vampirstory: Für Fans von Stephenie Meyer und Anne Rice
Bislang hat Ariella Montero sich nicht daran gestört, dass der Vater sie über die Maßen behütet und von der Umwelt abschirmt. Doch als sie 13 wird, spürt sie, wie in ihr eigenartige Veränderungen vorgehen. Sie beginnt, Fragen über sich und ihre Herkunft zu stellen - und kommt allmählich der Wahrheit näher: Ihr Vater wurde kurz vor ihrer Geburt durch einen Biss zum Vampir und jetzt, in der Pubertät, deuten erste Anzeichen darauf hin, dass auch Ariella Vampirin ist .
Eines Nachts wird Ariellas beste Freundin Kathleen ermordet aufgefunden und vieles deutet darauf hin, dass es Ariellas Vater war, der an ihr seinen Blutdurst gestillt hat. Oder war es Ariella selbst? Als die Polizei zu ermitteln beginnt, flieht Ariella nach Süden, begibt sich auf die Suche nach ihrer Mutter - und wird dort mit dem wahren Geheimnis ihrer Familie konfrontiert .
Die Geschichte eines Mädchens, das lernen muss, mit seinem gefährlichen Erbe umzugehen .
Spannende Vampirstory: Für Fans von Stephenie Meyer und Anne Rice
More details
Language
German
Product notice
With dust jacket
Dimensions
Height: 21.5 cm
Width: 13.5 cm
ISBN-13
978-3-570-13748-2 (9783570137482)
Schweitzer Classification
Persons
Susan Hubbard lebt in Florida und unterrichtet englische Literatur an der University of Central Florida. Ihre ersten Bücher, zwei Sammlungen mit Kurzgeschichten, wurden ebenso hoch gelobt wie 'Das Zeichen des Vampirs', ihr erster Jugendroman.
Content
Meine Mutter spaziert an einem kühlen Frühlingsabend durch Savannah. Ihre Clogs klappern auf dem Kopfsteinpflaster wie Pferdehufe. Sie schlendert an blühenden Azaleenbüschen und mit Louisianamoos bewachsenen Lebenseichen vorbei und kommt auf einen begrünten Platz mit einem Cafe.
Mein Vater sitzt auf einem Hocker an einem schmiedeeisernen Tisch, auf dem zwei Schachbretter liegen. Er ist gerade dabei, auf einem der beiden eine Rochade auszuführen, als er aufblickt und meine Mutter sieht. Er lässt einen Bauern fallen, der von der Tischplatte auf den Gehsteig rollt.
Meine Mutter beugt sich hinunter, hebt die Schachfigur auf und reicht sie ihm. Sie blickt von ihm zu den anderen beiden jungen Männern, die mit ihm am Tisch sitzen. Ihre Gesichter zeigen keinerlei Regung. Sie sind groß und hager, alle drei, aber mein Vater hat dunkelgrüne Augen, die irgendwie vertraut wirken.
Mein Vater streckt eine Hand aus und umfasst ihr Kinn. Er blickt in ihre hellblauen Augen und sagt: 'Ich kenne dich.'
Mit der anderen Hand zeichnet er die Kontur ihres Gesichts nach, fährt zweimal den spitzen Haaransatz entlang. Ihr kastanienbraunes Haar ist lang und voll, mit zartem Flaum am Ansatz, den er aus ihrer Stirn zu streichen versucht.
Die beiden anderen Männer am Tisch verschränken die Arme und warten. Mein Vater hat gegen beide gleichzeitig gespielt.
Meine Mutter betrachtet das Gesicht meines Vaters - das schwarze Haar fällt ihm aus der Stirn und über den grünen Augen verlaufen zwei geradlinige dunkle Augenbrauen. Seine Lippen sind schmal, aber geschwungen wie Amors Bogen. Sie lächelt schüchtern.
Er lässt die Hände sinken, erhebt sich vom Stuhl und gemeinsam schlendern sie davon. Die Männer am Tisch räumen seufzend die Schachbretter ab. Sie müssen jetzt gegeneinander spielen.
'Ich bin auf dem Weg zu Professor Morton', sagt meine Mutter.
'Wo ist sein Büro?', fragt mein Vater.
Meine Mutter deutet mit der Hand in Richtung Kunstakademie. Er legt eine Hand auf ihre Schulter, ganz leicht nur, und lässt sich von ihr führen.
'Was ist das in deinen Haaren? Ein Käfer?', fragt er plötzlich und zupft an etwas, das wie ein Insekt aussieht.
'Eine Haarspange.' Sie zieht die kupferne Libelle aus ihren Haaren und reicht sie ihm. 'Es ist eine Libelle. Kein Käfer.'
Er schüttelt den Kopf, dann lächelt er und sagt: 'Halt still.' Behutsam schiebt er eine Locke durch die Libelle und steckt sie hinter ihrem linken Ohr fest.
Sie wenden sich von der Akademie ab und spazieren jetzt Hand in Hand eine steile Kopfsteinpflasterstraße hinunter.
Es wird dunkel und merklich kühler, trotzdem bleiben sie stehen und setzen sich auf eine Mauer.
Meine Mutter sagt: 'Heute Nachmittag saß ich am Fenster und sah zu, wie die Bäume beim Sonnenuntergang langsam dunkler wurden. Dabei dachte ich: Ich werde älter. Mir bleiben nicht mehr so viele Tage, um zuzusehen, wie die Bäume dunkler werden. Man könnte sie zählen.'
Er küsst sie. Es ist ein flüchtiger Kuss, der kaum ihre Lippen berührt. Der zweite Kuss dauert länger.
Sie zittert.
Er beugt sich zu ihr hinunter und bedeckt ihr Gesicht - Stirn, Wangen, Nase, Kinn - mit kleinen, schnellen Wimpernschlägen. 'Schmetterlingsküsse', sagt er, 'um dich zu wärmen.'
Über sich selbst erstaunt, wendet meine Mutter den Blick ab. Innerhalb von Minuten hat sie, ohne zu zögern oder zu protestieren, so viel geschehen lassen. Und sie hat nicht vor, jetzt damit aufzuhören. Sie fragt sich, für wie alt er sie hält. Sie ist sich sicher, dass sie älter ist - er sieht aus wie fünfundzwanzig und sie ist vor Kurzem dreißig geworden. Sie fragt sich, wann sie ihm sagen soll, dass sie mit Professor Morton verheiratet ist.
Sie stehen auf und gehen weiter, folgen den Betonstufen zum Fluss hinunter. Am Fuß der Treppe befindet sich ein geschlossenes gusseisernes Tor.
'Ich hasse Momente wie diesen', sagt meine Mutter. Mit ihren Clogs kann sie nicht darüberklettern.
Mein Vater steigt über das Tor und öffnet es. 'Es war nicht abgeschlossen', sagt er.
Als sie hindurchgeht, überkommt sie ein Gefühl der Unvermeidlichkeit. Sie bewegt sich auf etwas vollkommen Neues und doch Vorherbestimmtes zu. Sie spürt, wie Jahre des Unglücklichseins von ihr abfallen. Einfach so, ohne Anstrengung.
Sie gehen am Flussufer entlang. Vor ihnen leuchten die Lichter der Touristenshops, und als sie bei ihnen angekommen sind, sagt er: 'Warte.' Sie sieht, wie er in eines der Geschäfte geht, in dem irisches Kunstgewerbe verkauft wird, aber durch das geriffelte Glas der Tür kann sie ihn nicht mehr sehen. Er kommt mit einem weichen wollenen Schultertuch heraus. Er legt es ihr um und zum ersten Mal seit Jahren fühlt sie sich schön.
Werden wir heiraten?, fragt sie sich. Aber sie braucht diese Frage nicht zu stellen. Als sie weitergehen, sind sie bereits ein Paar.
Mein Vater erzählt mir die Geschichte zweimal. Ich habe Fragen. Aber ich stelle sie ihm erst nach dem zweiten Mal.
'Woher wusstest du, was sie denkt?', lautet meine erste Frage.
'Sie hat mir später erzählt, was sie gedacht hat', sagt er.
'Was ist mit Professor Morton passiert?', frage ich als Nächstes. 'Hat er nicht versucht, sie daran zu hindern, ihn zu verlassen?'
Ich bin dreizehn, aber mein Vater sagt, dass ich auf die dreißig zugehe. Ich habe lange schwarze Haare und blaue Augen. Bis auf die Augen komme ich nach meinem Vater.
'Professor Morton hat versucht, deine Mutter zurückzuhalten', sagt mein Vater. 'Er hat es mit Drohungen versucht. Er hat es mit Gewalt versucht. Das hatte er schon einmal getan, als sie davon gesprochen hatte, ihn zu verlassen. Aber dieses Mal war sie verliebt und hatte keine Angst. Sie packte ihre Sachen und ging.' 'Ist sie zu dir gezogen?'
'Nicht sofort, nein. Sie nahm sich eine kleine Wohnung in der Innenstadt, in der Nähe des Colonial-Friedhofs, eine Wohnung, von der manche immer noch behaupten, es würde darin spuken.'
Ich sehe ihn aufmerksam an, aber ich lasse mich durch die Erwähnung der Spukwohnung nicht ablenken.
'Wer hat die Schachpartie gewonnen?', frage ich.
Sein Blick wird wacher. 'Das ist eine sehr gute Frage, Ariella', sagt er. 'Ich wünschte, ich wüsste die Antwort.'
Normalerweise hat mein Vater auf alles eine Antwort.
'Hast du gewusst, dass sie älter ist als du?', frage ich.
Er zuckt mit den Achseln. 'Darüber habe ich nicht nachgedacht. Alter hat nie eine große Rolle für mich gespielt.' Er steht auf, geht zum Salonfenster und zieht die schweren Samtvorhänge zu. 'Zeit für dich, ins Bett zu gehen', sagt er.
Ich habe noch Hunderte von Fragen. Aber ich nicke und widerspreche nicht. Heute Abend hat er mir mehr als je zuvor von meiner Mutter erzählt, die ich nie gesehen habe, und noch mehr von sich selbst.
Bis auf eines - die eine Wahrheit, die er nicht erzählen möchte, die eine Wahrheit, für die ich Jahre brauchen werde, um sie nur annähernd zu verstehen. Die Wahrheit darüber, wer wir wirklich sind.
Im Haus meines Vaters
Die hohen Gaubenfenster des oberen Stockwerks waren goldene, von grünen Weinranken umgebene Rechtecke, die von Gesimsen beschirmten Fenster des unteren Stockwerks gelbe Augen.
Mein Vater sitzt auf einem Hocker an einem schmiedeeisernen Tisch, auf dem zwei Schachbretter liegen. Er ist gerade dabei, auf einem der beiden eine Rochade auszuführen, als er aufblickt und meine Mutter sieht. Er lässt einen Bauern fallen, der von der Tischplatte auf den Gehsteig rollt.
Meine Mutter beugt sich hinunter, hebt die Schachfigur auf und reicht sie ihm. Sie blickt von ihm zu den anderen beiden jungen Männern, die mit ihm am Tisch sitzen. Ihre Gesichter zeigen keinerlei Regung. Sie sind groß und hager, alle drei, aber mein Vater hat dunkelgrüne Augen, die irgendwie vertraut wirken.
Mein Vater streckt eine Hand aus und umfasst ihr Kinn. Er blickt in ihre hellblauen Augen und sagt: 'Ich kenne dich.'
Mit der anderen Hand zeichnet er die Kontur ihres Gesichts nach, fährt zweimal den spitzen Haaransatz entlang. Ihr kastanienbraunes Haar ist lang und voll, mit zartem Flaum am Ansatz, den er aus ihrer Stirn zu streichen versucht.
Die beiden anderen Männer am Tisch verschränken die Arme und warten. Mein Vater hat gegen beide gleichzeitig gespielt.
Meine Mutter betrachtet das Gesicht meines Vaters - das schwarze Haar fällt ihm aus der Stirn und über den grünen Augen verlaufen zwei geradlinige dunkle Augenbrauen. Seine Lippen sind schmal, aber geschwungen wie Amors Bogen. Sie lächelt schüchtern.
Er lässt die Hände sinken, erhebt sich vom Stuhl und gemeinsam schlendern sie davon. Die Männer am Tisch räumen seufzend die Schachbretter ab. Sie müssen jetzt gegeneinander spielen.
'Ich bin auf dem Weg zu Professor Morton', sagt meine Mutter.
'Wo ist sein Büro?', fragt mein Vater.
Meine Mutter deutet mit der Hand in Richtung Kunstakademie. Er legt eine Hand auf ihre Schulter, ganz leicht nur, und lässt sich von ihr führen.
'Was ist das in deinen Haaren? Ein Käfer?', fragt er plötzlich und zupft an etwas, das wie ein Insekt aussieht.
'Eine Haarspange.' Sie zieht die kupferne Libelle aus ihren Haaren und reicht sie ihm. 'Es ist eine Libelle. Kein Käfer.'
Er schüttelt den Kopf, dann lächelt er und sagt: 'Halt still.' Behutsam schiebt er eine Locke durch die Libelle und steckt sie hinter ihrem linken Ohr fest.
Sie wenden sich von der Akademie ab und spazieren jetzt Hand in Hand eine steile Kopfsteinpflasterstraße hinunter.
Es wird dunkel und merklich kühler, trotzdem bleiben sie stehen und setzen sich auf eine Mauer.
Meine Mutter sagt: 'Heute Nachmittag saß ich am Fenster und sah zu, wie die Bäume beim Sonnenuntergang langsam dunkler wurden. Dabei dachte ich: Ich werde älter. Mir bleiben nicht mehr so viele Tage, um zuzusehen, wie die Bäume dunkler werden. Man könnte sie zählen.'
Er küsst sie. Es ist ein flüchtiger Kuss, der kaum ihre Lippen berührt. Der zweite Kuss dauert länger.
Sie zittert.
Er beugt sich zu ihr hinunter und bedeckt ihr Gesicht - Stirn, Wangen, Nase, Kinn - mit kleinen, schnellen Wimpernschlägen. 'Schmetterlingsküsse', sagt er, 'um dich zu wärmen.'
Über sich selbst erstaunt, wendet meine Mutter den Blick ab. Innerhalb von Minuten hat sie, ohne zu zögern oder zu protestieren, so viel geschehen lassen. Und sie hat nicht vor, jetzt damit aufzuhören. Sie fragt sich, für wie alt er sie hält. Sie ist sich sicher, dass sie älter ist - er sieht aus wie fünfundzwanzig und sie ist vor Kurzem dreißig geworden. Sie fragt sich, wann sie ihm sagen soll, dass sie mit Professor Morton verheiratet ist.
Sie stehen auf und gehen weiter, folgen den Betonstufen zum Fluss hinunter. Am Fuß der Treppe befindet sich ein geschlossenes gusseisernes Tor.
'Ich hasse Momente wie diesen', sagt meine Mutter. Mit ihren Clogs kann sie nicht darüberklettern.
Mein Vater steigt über das Tor und öffnet es. 'Es war nicht abgeschlossen', sagt er.
Als sie hindurchgeht, überkommt sie ein Gefühl der Unvermeidlichkeit. Sie bewegt sich auf etwas vollkommen Neues und doch Vorherbestimmtes zu. Sie spürt, wie Jahre des Unglücklichseins von ihr abfallen. Einfach so, ohne Anstrengung.
Sie gehen am Flussufer entlang. Vor ihnen leuchten die Lichter der Touristenshops, und als sie bei ihnen angekommen sind, sagt er: 'Warte.' Sie sieht, wie er in eines der Geschäfte geht, in dem irisches Kunstgewerbe verkauft wird, aber durch das geriffelte Glas der Tür kann sie ihn nicht mehr sehen. Er kommt mit einem weichen wollenen Schultertuch heraus. Er legt es ihr um und zum ersten Mal seit Jahren fühlt sie sich schön.
Werden wir heiraten?, fragt sie sich. Aber sie braucht diese Frage nicht zu stellen. Als sie weitergehen, sind sie bereits ein Paar.
Mein Vater erzählt mir die Geschichte zweimal. Ich habe Fragen. Aber ich stelle sie ihm erst nach dem zweiten Mal.
'Woher wusstest du, was sie denkt?', lautet meine erste Frage.
'Sie hat mir später erzählt, was sie gedacht hat', sagt er.
'Was ist mit Professor Morton passiert?', frage ich als Nächstes. 'Hat er nicht versucht, sie daran zu hindern, ihn zu verlassen?'
Ich bin dreizehn, aber mein Vater sagt, dass ich auf die dreißig zugehe. Ich habe lange schwarze Haare und blaue Augen. Bis auf die Augen komme ich nach meinem Vater.
'Professor Morton hat versucht, deine Mutter zurückzuhalten', sagt mein Vater. 'Er hat es mit Drohungen versucht. Er hat es mit Gewalt versucht. Das hatte er schon einmal getan, als sie davon gesprochen hatte, ihn zu verlassen. Aber dieses Mal war sie verliebt und hatte keine Angst. Sie packte ihre Sachen und ging.' 'Ist sie zu dir gezogen?'
'Nicht sofort, nein. Sie nahm sich eine kleine Wohnung in der Innenstadt, in der Nähe des Colonial-Friedhofs, eine Wohnung, von der manche immer noch behaupten, es würde darin spuken.'
Ich sehe ihn aufmerksam an, aber ich lasse mich durch die Erwähnung der Spukwohnung nicht ablenken.
'Wer hat die Schachpartie gewonnen?', frage ich.
Sein Blick wird wacher. 'Das ist eine sehr gute Frage, Ariella', sagt er. 'Ich wünschte, ich wüsste die Antwort.'
Normalerweise hat mein Vater auf alles eine Antwort.
'Hast du gewusst, dass sie älter ist als du?', frage ich.
Er zuckt mit den Achseln. 'Darüber habe ich nicht nachgedacht. Alter hat nie eine große Rolle für mich gespielt.' Er steht auf, geht zum Salonfenster und zieht die schweren Samtvorhänge zu. 'Zeit für dich, ins Bett zu gehen', sagt er.
Ich habe noch Hunderte von Fragen. Aber ich nicke und widerspreche nicht. Heute Abend hat er mir mehr als je zuvor von meiner Mutter erzählt, die ich nie gesehen habe, und noch mehr von sich selbst.
Bis auf eines - die eine Wahrheit, die er nicht erzählen möchte, die eine Wahrheit, für die ich Jahre brauchen werde, um sie nur annähernd zu verstehen. Die Wahrheit darüber, wer wir wirklich sind.
Im Haus meines Vaters
Die hohen Gaubenfenster des oberen Stockwerks waren goldene, von grünen Weinranken umgebene Rechtecke, die von Gesimsen beschirmten Fenster des unteren Stockwerks gelbe Augen.