Handbuch Kinderimpfung
Die kompetente Entscheidungshilfe für Eltern
Ulrich Heininger(Author)
Irisiana (Publisher)
Published on 16. March 2009
Book
Hardback
128 pages
978-3-424-15002-5 (ISBN)
Description
Sichere Entscheidungshilfe für Eltern
Was müssen Eltern wissen, wenn es darum geht, ihr Kind gegen bestimmte Infektionskrankheiten impfen zu lassen? Wann genügt es, auf die natürlichen Abwehrkräfte des kindlichen Körpers zu setzen?
Dieses Buch vermittelt Eltern fundiert und auf leicht verständliche Art und Weise die erforderlichen Grundkenntnisse, um vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern die richtige Entscheidung treffen zu können. Dieses Handbuch mit den aktuellsten Forschungsergebnissen zum Thema Impfen bietet allen Eltern kompetenten und objektiven Rat.
Was müssen Eltern wissen, wenn es darum geht, ihr Kind gegen bestimmte Infektionskrankheiten impfen zu lassen? Wann genügt es, auf die natürlichen Abwehrkräfte des kindlichen Körpers zu setzen?
Dieses Buch vermittelt Eltern fundiert und auf leicht verständliche Art und Weise die erforderlichen Grundkenntnisse, um vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern die richtige Entscheidung treffen zu können. Dieses Handbuch mit den aktuellsten Forschungsergebnissen zum Thema Impfen bietet allen Eltern kompetenten und objektiven Rat.
More details
Language
German
Dimensions
Height: 22 cm
Width: 16 cm
ISBN-13
978-3-424-15002-5 (9783424150025)
Schweitzer Classification
Person
Professor Dr. Ulrich Heininger, ausgebildeter Kinderarzt, gehört seit Jahren zu den führenden Impfexperten im deutschsprachigen Raum. Als Mitglied der "Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut" in Berlin ist er zuständig für die Impfempfehlungen f
Content
Impfungen haben nicht nur die Lebensbedingungen allgemein verbessert. Sie haben auch viel dazu beigetragen, dass die Krankheitshäufigkeit und Sterblichkeit durch Infektionskrankheiten seit mehreren Jahrzehnten deutlich rückläufig ist. Dies ist vor allem den so genannten Standardimpfungen zu verdanken, das heißt Impfungen, die allen Menschen empfohlen werden.
Diese großen Impferfolge finden jedoch in der Allgemeinbevölkerung, aber auch bei Studierenden der Medizin und Ärztinnen und Ärzten nicht immer die verdiente Anerkennung. Sie werden oftmals sogar grundsätzlich infrage gestellt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Wissens- und Ausbildungsdefizite in Studium, Fort- und Weiterbildung aufseiten der Ärzteschaft; unbegründete Ängste vor schwerwiegenden Nebenwirkungen und die Befürchtung, die "Abwehrkräfte des Kindes würden nicht genügend durch Wildinfektionen trainiert", aufseiten der Eltern. Die oftmals kritische, bisweilen sogar ablehnende Einstellung gegenüber Impfungen mancher Eltern wird dadurch begünstigt, dass gerade wegen des Impferfolges einige Erkrankungen kaum noch bekannt sind und deshalb die Notwendigkeit eines Impfschutzes beim Kind nicht eingesehen wird.
Wer sich aber vorstellen kann oder es gar selbst erlebt hat, wie ein Säugling mit Keuchhusten auf einer Intensivstation an Hustenanfällen zu ersticken droht, oder was es für Eltern bedeutet, wenn ihr Kind als Folge einer Meningitis taub geworden ist, der weiß, welchen Segen die Impfungen gebracht haben.
Zahlreiche impfkritische, ja Impfungen oftmals in Bausch und Bogen ablehnende Schriften haben zu einer erheblichen Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung geführt. Nicht immer besitzen die Verfasser dieser Publikationen die notwendige Sachkenntnis, was zur Verbreitung von Fehlinformationen beiträgt. Es ist mir als Kinderarzt, der sich seit vielen Jahren speziell mit der Verhütung von Infektionskrankheiten beschäftigt, deshalb ein besonderes Anliegen, Eltern mit diesem Ratgeber in Impffragen ehrlich, sachlich und ausgewogen zu informieren.
Wer sich gründlich informiert, wird eine vernünftige Entscheidung treffen können. Sie wird meiner Überzeugung nach im Allgemeinen für die empfohlenen Impfungen ausfallen. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle allen Müttern und Vätern, die mich durch ihr Interesse am Impfschutz ihres Kindes motiviert haben, dieses Buch zu aktualisieren.
Kurze Geschichte des Impfens
Von der ersten Pockenimpfung bis heute
Seuchen versetzen die Menschheit in Angst und Schrecken und führen jährlich zu Millionen von Todesfällen. Früher waren dies die Pest und die Pocken, heute sind es Aids, Malaria und die Tuberkulose. Diese epidemisch auftretenden Infektionskrankheiten nähren den Wunsch der Menschen, sich davor zu schützen. Unser Schutzbedürfnis - und keine "Profitgier" der pharmazeutischen Industrie, wie manchmal unterstellt wird - ist also die Basis für die Entwicklung von Heilmitteln (Medikamente) und Impfstoffen. Dabei ist häufig die Natur das Vorbild der Forschung. Wie die noch junge Geschichte des Impfens zeigt, waren es sorgfältig beobachtende Ärztinnen und Ärzte, die natürliche Abläufe und Prinzipien von Infektionskrankheiten erkannten, nachahmten, veränderten und häufig sogar noch verbesserten - zu unserem Nutzen. Doch nicht immer war die Impfstoffforschung von Erfolg gekrönt. Misserfolge und Rückschläge wie fehlende Wirksamkeit oder unerwartete Nebenwirkungen mussten in Kauf genommen werden.
Es ist ein Grundprinzip der Forschung, nicht nur Erfolge, sondern auch auftretende Probleme öffentlich mitzuteilen und zu diskutieren. Diese Transparenz ist Voraussetzung für erfolgreiche Lösungen. Liegt hier eine Ursache für die Skepsis gegenüber Impfungen, welche die Geschichte des Impfens von Beginn an begleitete?
Trotz vieler eindrucksvoller Erfolge stehen wir auch heute noch vor ungelösten Problemen. Gegen die Erreger von Aids, Tuberkulose und Malaria haben wir keine oder keine zufriedenstellenden Impfstoffe zur Verfügung. Segensreiche Impfstoffe, wie zum Beispiel die Konjugatvakzinen zur Bekämpfung der eitrigen Hirnhautentzündung, sind aus verschiedenen Gründen in vielen Entwicklungsländern, die sie wegen der hohen Zahl an Krankheitsfällen am dringendsten bräuchten, noch nicht verfügbar. In wohlhabenden Ländern dagegen, wo die Impferfolge zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität von Kindern beigetragen haben, werden paradoxerweise gerade Impfungen in ihrer Wertigkeit angezweifelt. Man darf gespannt sein, wie sich die Geschichte des Impfens weiterentwickeln wird. Wir stehen jedenfalls - wie die Generationen vor uns - vor großen Aufgaben.
Allgemeine Grundlagen zum Impfen
Wie das Immunsystem Infektionen und Impfungen verarbeitet
Der Mensch besitzt eine angeborene, natürliche Resistenz gegenüber Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und bestimmte Pilze. Diese "unspezifische Immunität" wird in erster Linie durch unsere Haut und Schleimhäute als mechanische Barrieren gegenüber Infektionserregern ermöglicht. Ein Neugeborenes kommt zunächst steril, das heißt frei von Bakterien und anderen Mikroorganismen, zur Welt. Von den ersten Lebensminuten an findet dann Kontakt mit Mikroorganismen aus der Umgebung statt. Sie führen zu einer allmählichen Besiedelung von Haut und Schleimhäuten. Dies geschieht im Allgemeinen unbemerkt und in friedlicher Koexistenz, weshalb man diese Bakterien auch als normale, körpereigene Flora bezeichnet. Sie trägt zur natürlichen Immunität des Menschen bei, weil diese Bakterien als Platzhalter fungieren und somit die Ausbreitung von krank machenden Mikroorganismen bis zu einem gewissen Grad verhindern können.
Darüber hinaus verfügen wir von Geburt an über verschiedene, in Körperflüssigkeiten gelöste Eiweißsubstanzen, die Infektionserreger abtöten können bzw. zu deren effektiver Beseitigung beitragen. Schließlich helfen auch Zellen des Immunsystems, sogenannte Leukozyten (weiße Blutkörperchen), bei der ungezielten Abwehr von eingedrungenen Erregern, indem sie diese abtöten ("natürliche Killerzellen") und verdauen ("Phagozyten" = Fresszellen).
Dennoch gelingt es manchen Mikroorganismen von Zeit zu Zeit, unsere natürliche Immunität zu überwinden und eine Infektion (manchmal mit, manchmal ohne begleitende Krankheitszeichen) hervorzurufen. Jede Infektion bewirkt eine weitere Stimulierung des Immunsystems, wobei jetzt eine "spezifische Immunantwort" ausgelöst wird. Dies geschieht auf zweierlei Arten:
Zum einen wird die Bildung von Abwehrstoffen, sogenannte Antikörper, gefördert. Diese im Blut gelösten Eiweißmoleküle erkennen fremde Bestandteile des Infektionserregers, die Antigene. Dabei handelt es sich um Proteine (Eiweiße), Lipoproteine (Fett-Eiweiß-Gemische) oder Polysaccharide (Zuckerverbindungen). Die Bildung der Antikörper erfolgt durch bestimmte weiße Blutkörperchen, die B-Lymphozyten. Die Stimulation der B-Lymphozyten wird durch Antigenpräsentierende Zellen ausgelöst. Diese Zellen verdauen die eingedrungenen Infektionserreger und präsentieren anschließend auf ihrer Oberfläche die zerlegten Bestandteile der Erreger, wo sie von den B-Lymphozyten als "fremd" erkannt werden. Sobald ein B-Lymphozyt nach dem "Schlüssel-Schloss-Prinzip" sein passendes Antigen gefunden hat, beginnt er sich in Tochterzellen zu teilen ("Klonierung") und nach einer Umwandlung in großen Mengen Antikörper zu produzieren, welche gezielt die eingedrungenen Infektionserreger beseitigen.
Diese großen Impferfolge finden jedoch in der Allgemeinbevölkerung, aber auch bei Studierenden der Medizin und Ärztinnen und Ärzten nicht immer die verdiente Anerkennung. Sie werden oftmals sogar grundsätzlich infrage gestellt. Die Gründe dafür sind vielfältig: Wissens- und Ausbildungsdefizite in Studium, Fort- und Weiterbildung aufseiten der Ärzteschaft; unbegründete Ängste vor schwerwiegenden Nebenwirkungen und die Befürchtung, die "Abwehrkräfte des Kindes würden nicht genügend durch Wildinfektionen trainiert", aufseiten der Eltern. Die oftmals kritische, bisweilen sogar ablehnende Einstellung gegenüber Impfungen mancher Eltern wird dadurch begünstigt, dass gerade wegen des Impferfolges einige Erkrankungen kaum noch bekannt sind und deshalb die Notwendigkeit eines Impfschutzes beim Kind nicht eingesehen wird.
Wer sich aber vorstellen kann oder es gar selbst erlebt hat, wie ein Säugling mit Keuchhusten auf einer Intensivstation an Hustenanfällen zu ersticken droht, oder was es für Eltern bedeutet, wenn ihr Kind als Folge einer Meningitis taub geworden ist, der weiß, welchen Segen die Impfungen gebracht haben.
Zahlreiche impfkritische, ja Impfungen oftmals in Bausch und Bogen ablehnende Schriften haben zu einer erheblichen Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung geführt. Nicht immer besitzen die Verfasser dieser Publikationen die notwendige Sachkenntnis, was zur Verbreitung von Fehlinformationen beiträgt. Es ist mir als Kinderarzt, der sich seit vielen Jahren speziell mit der Verhütung von Infektionskrankheiten beschäftigt, deshalb ein besonderes Anliegen, Eltern mit diesem Ratgeber in Impffragen ehrlich, sachlich und ausgewogen zu informieren.
Wer sich gründlich informiert, wird eine vernünftige Entscheidung treffen können. Sie wird meiner Überzeugung nach im Allgemeinen für die empfohlenen Impfungen ausfallen. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle allen Müttern und Vätern, die mich durch ihr Interesse am Impfschutz ihres Kindes motiviert haben, dieses Buch zu aktualisieren.
Kurze Geschichte des Impfens
Von der ersten Pockenimpfung bis heute
Seuchen versetzen die Menschheit in Angst und Schrecken und führen jährlich zu Millionen von Todesfällen. Früher waren dies die Pest und die Pocken, heute sind es Aids, Malaria und die Tuberkulose. Diese epidemisch auftretenden Infektionskrankheiten nähren den Wunsch der Menschen, sich davor zu schützen. Unser Schutzbedürfnis - und keine "Profitgier" der pharmazeutischen Industrie, wie manchmal unterstellt wird - ist also die Basis für die Entwicklung von Heilmitteln (Medikamente) und Impfstoffen. Dabei ist häufig die Natur das Vorbild der Forschung. Wie die noch junge Geschichte des Impfens zeigt, waren es sorgfältig beobachtende Ärztinnen und Ärzte, die natürliche Abläufe und Prinzipien von Infektionskrankheiten erkannten, nachahmten, veränderten und häufig sogar noch verbesserten - zu unserem Nutzen. Doch nicht immer war die Impfstoffforschung von Erfolg gekrönt. Misserfolge und Rückschläge wie fehlende Wirksamkeit oder unerwartete Nebenwirkungen mussten in Kauf genommen werden.
Es ist ein Grundprinzip der Forschung, nicht nur Erfolge, sondern auch auftretende Probleme öffentlich mitzuteilen und zu diskutieren. Diese Transparenz ist Voraussetzung für erfolgreiche Lösungen. Liegt hier eine Ursache für die Skepsis gegenüber Impfungen, welche die Geschichte des Impfens von Beginn an begleitete?
Trotz vieler eindrucksvoller Erfolge stehen wir auch heute noch vor ungelösten Problemen. Gegen die Erreger von Aids, Tuberkulose und Malaria haben wir keine oder keine zufriedenstellenden Impfstoffe zur Verfügung. Segensreiche Impfstoffe, wie zum Beispiel die Konjugatvakzinen zur Bekämpfung der eitrigen Hirnhautentzündung, sind aus verschiedenen Gründen in vielen Entwicklungsländern, die sie wegen der hohen Zahl an Krankheitsfällen am dringendsten bräuchten, noch nicht verfügbar. In wohlhabenden Ländern dagegen, wo die Impferfolge zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität von Kindern beigetragen haben, werden paradoxerweise gerade Impfungen in ihrer Wertigkeit angezweifelt. Man darf gespannt sein, wie sich die Geschichte des Impfens weiterentwickeln wird. Wir stehen jedenfalls - wie die Generationen vor uns - vor großen Aufgaben.
Allgemeine Grundlagen zum Impfen
Wie das Immunsystem Infektionen und Impfungen verarbeitet
Der Mensch besitzt eine angeborene, natürliche Resistenz gegenüber Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und bestimmte Pilze. Diese "unspezifische Immunität" wird in erster Linie durch unsere Haut und Schleimhäute als mechanische Barrieren gegenüber Infektionserregern ermöglicht. Ein Neugeborenes kommt zunächst steril, das heißt frei von Bakterien und anderen Mikroorganismen, zur Welt. Von den ersten Lebensminuten an findet dann Kontakt mit Mikroorganismen aus der Umgebung statt. Sie führen zu einer allmählichen Besiedelung von Haut und Schleimhäuten. Dies geschieht im Allgemeinen unbemerkt und in friedlicher Koexistenz, weshalb man diese Bakterien auch als normale, körpereigene Flora bezeichnet. Sie trägt zur natürlichen Immunität des Menschen bei, weil diese Bakterien als Platzhalter fungieren und somit die Ausbreitung von krank machenden Mikroorganismen bis zu einem gewissen Grad verhindern können.
Darüber hinaus verfügen wir von Geburt an über verschiedene, in Körperflüssigkeiten gelöste Eiweißsubstanzen, die Infektionserreger abtöten können bzw. zu deren effektiver Beseitigung beitragen. Schließlich helfen auch Zellen des Immunsystems, sogenannte Leukozyten (weiße Blutkörperchen), bei der ungezielten Abwehr von eingedrungenen Erregern, indem sie diese abtöten ("natürliche Killerzellen") und verdauen ("Phagozyten" = Fresszellen).
Dennoch gelingt es manchen Mikroorganismen von Zeit zu Zeit, unsere natürliche Immunität zu überwinden und eine Infektion (manchmal mit, manchmal ohne begleitende Krankheitszeichen) hervorzurufen. Jede Infektion bewirkt eine weitere Stimulierung des Immunsystems, wobei jetzt eine "spezifische Immunantwort" ausgelöst wird. Dies geschieht auf zweierlei Arten:
Zum einen wird die Bildung von Abwehrstoffen, sogenannte Antikörper, gefördert. Diese im Blut gelösten Eiweißmoleküle erkennen fremde Bestandteile des Infektionserregers, die Antigene. Dabei handelt es sich um Proteine (Eiweiße), Lipoproteine (Fett-Eiweiß-Gemische) oder Polysaccharide (Zuckerverbindungen). Die Bildung der Antikörper erfolgt durch bestimmte weiße Blutkörperchen, die B-Lymphozyten. Die Stimulation der B-Lymphozyten wird durch Antigenpräsentierende Zellen ausgelöst. Diese Zellen verdauen die eingedrungenen Infektionserreger und präsentieren anschließend auf ihrer Oberfläche die zerlegten Bestandteile der Erreger, wo sie von den B-Lymphozyten als "fremd" erkannt werden. Sobald ein B-Lymphozyt nach dem "Schlüssel-Schloss-Prinzip" sein passendes Antigen gefunden hat, beginnt er sich in Tochterzellen zu teilen ("Klonierung") und nach einer Umwandlung in großen Mengen Antikörper zu produzieren, welche gezielt die eingedrungenen Infektionserreger beseitigen.