Das Königskind
Roman
Judith Healey(Author)
Blanvalet (Publisher)
Published on 10. August 2009
Book
Paperback/Softback
608 pages
978-3-442-37309-3 (ISBN)
Description
Eine ungewöhnliche Heldin im Kampf für ihre Liebe und ihre Familie!
Nichts wünscht sich die französische Prinzessin Alaïs Capet mehr, als ihrem Sohn Francis endlich die Wahrheit über seine Herkunft zu offenbaren. Doch dieses Wissen ist gefährlich, denn in Francis Adern fließt das Blut zweier Königshäuser. Sollte seine Abstammung bekannt werden, würde er zum Spielball der Mächtigen Europas werden. Und so schweigt Alaïs - bis Francis entführt wird und sie alles daran setzen muss, ihren Sohn zu retten .
Beste historische Unterhaltung!
Nichts wünscht sich die französische Prinzessin Alaïs Capet mehr, als ihrem Sohn Francis endlich die Wahrheit über seine Herkunft zu offenbaren. Doch dieses Wissen ist gefährlich, denn in Francis Adern fließt das Blut zweier Königshäuser. Sollte seine Abstammung bekannt werden, würde er zum Spielball der Mächtigen Europas werden. Und so schweigt Alaïs - bis Francis entführt wird und sie alles daran setzen muss, ihren Sohn zu retten .
Beste historische Unterhaltung!
More details
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.3 cm
Width: 11.5 cm
ISBN-13
978-3-442-37309-3 (9783442373093)
Schweitzer Classification
Persons
Judith Healey war lange Jahre als Sozialarbeiterin für große Stiftungen tätig. Nachdem sie überaus erfolgreich bereits Gedichte, Kurzgeschichten und Erzählungen veröffentlich hat, ist "Die Gesandte der Löwin" ihr Aufsehen erregendes Romandebüt. Judith Hea
Content
Die Legende vom Kelch des heiligen Johannes:
Es heißt, dass Johannes beim letzten Abendmahl einen Kelch mit vergiftetem Wein gereicht bekam. Johannes aber segnete den Kelch, woraufhin man eine Schlange aus dem Gefäß herauskriechen sah, und der Wein wurde wieder rein. Bei der mittelalterlichen Sekte der Katharer kommt dem heilige Johannes, von dem man annimmt, dass er das vierte Evangelium und möglicherweise auch die Apokalypse verfasst hat, eine besondere Verehrung zu.
Vorwort
Zu Beginn des zwölften Jahrhunderts war Frankreich noch ein recht kleines Königreich. Es umfasste in der Hauptsache das Gebiet der im Norden gelegenen Île de France und besaß ansonsten nur wenig Land. Zudem waren die Könige von Frankreich unablässig in Gefechte mit den angevinischen Königen von England - Henry II. und später dessen Söhnen, Richard und John -verwickelt. Somit standen große Teile der Normandie, der Region von Le Mans und Aquitaniens, die König Louis aufgeben musste, als seine erste Ehefrau, Eleanor, ihn verließ, um den jungen Henry zu heiraten, unter der Kontrolle der Plantagenets.
Über Frankreich herrschte zu jener Zeit Philippe Auguste, der von seinem Vater, welcher lange auf die Geburt eines Sohnes hatte warten müssen, "Dieudonné", "von Gott geschenkt", genannt wurde. Philippe Augustes Hoheitsgebiet war von zahlreichen mächtigen Herzogtümern umgeben, insbesondere von Burgund und der Champagne, die sich zeitweilig wohlwollend, bisweilen aber auch streitlustig verhielten. Beide agierten vollkommen souverän, obgleich ihre Führer offiziell dem König von Frankreich huldigten, der nach dem zur damaligen Zeit geltenden System der Lehnstreue ihr Oberherr war.
Die Gebiete im Süden, welche das Mittelmeer umringten, standen unter der Kontrolle einiger unbedeutender kleiner Adliger oder Viscounts, die den Grafen von Toulouse ihre Anerkennung zollten. In diesen Ländern herrschte eine sehr viel freizügigere Lebensweise und Kultur als im Norden, und auch die Schönheit wurde stärker verehrt und ausgiebiger gepflegt. Zudem waren die Grafschaften deutlich kleiner als die großen Herzogtümer des Nordens.
Trotz der Begrenztheit seiner Grafschaften aber war "der Süden", wie er in Paris genannt wurde, keineswegs unvermögend. Ganz im Gegenteil. Denn durch ihre Nähe zu den Handelszentren hatten die südlichen Grafschaften nicht mit dem Problem der Goldknappheit zu kämpfen, welches Frankreich zu jener Zeit zunehmend zu schaffen machte, bis es schließlich sogar gezwungen war, sein gesamtes Hartgeld in Silber zu prägen. Die Seehäfen des Südens, welche zusätzlich den Handel erleichterten, der wiederum das Gold einbrachte, mussten dem König von Frankreich in seinen vom Binnenland umschlossenen Territorien im Norden also recht verlockend erschienen sein.
Dennoch war der Süden weit entfernt vom Zentrum Frankreichs und überdies mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Zu jener Zeit, in der unsere Geschichte ihren Anfang nimmt, muss es daher noch ziemlich unwahrscheinlich erschienen sein, dass die südlichen Länder einmal Teil des nördlichen Königreiches werden könnten.
Alles das änderte sich jedoch mit dem Auftauchen einer eigenartigen religiösen Sekte, die während der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts wie aus dem Nichts entstand. Die Angehörigen dieser Religionsgemeinschaft betrachteten sich als Christen und nannten sich "bons hommes" oder "bons chrétiens", also "gute Menschen" oder auch "gute Christen". Ihre Feinde dagegen nannten sie "Katharer" beziehungsweise "Cathari", die "Reinen", dies jedoch eher abfällig im Sinne von "Hochmütige, die sich rein dünken", und stempelten sie als Ketzer ab. Obgleich zu Anfang noch eine verhältnismäßig kleine Gruppe, stellten die Katharer wegen ihrer schlichten, unkomplizierten Bräuche, welche an die der frühen Christen erinnerten, doch eine gewaltige Herausforderung für die katholische Kirche dar. In sich über mehrere Jahrzehnte erstreckenden hitzigen Debatten versuchten Vertreter der römischen Kirche im zwölften Jahrhundert immer wieder aufs Neue, diese abtrünnigen Schäflein dazu zu überreden, wieder in den Schoß der vorherrschenden christlichen Kirche zurückzukehren, doch der neue Glaube verbreitete sich stetig weiter und fand immer mehr Anhänger.
Manchmal wurden die Katharer auch Dualisten genannt, da manche von ihnen dem christlichen Gott nicht nur eine, sondern zwei Seiten zuschrieben - die helle und die dunkle Seite - oder in einigen Fällen gar an zwei gleichberechtigte Götter glaubten, also an das Gute und an das Böse. Es hieß, die Ursprünge ihres Glaubens lägen im alten Persien begründet, in der Religion des Manichäismus, welche durch die in dem Königreich östlich der Lombardei heimischen Bogomilen weiterverbreitet worden war. Doch ganz gleich wo sie auch herstammen mochten, die neuen religiösen Überzeugungen stellten für die Kirche Roms gleich in mehrfacher Hinsicht eine ständig ernster werdende Bedrohung dar: Die neue Religion setzte wandernde Laienprediger ein, brauchte keine offiziellen Priester und erfüllte die Bedürfnisse der Gläubigen auch ohne die Organisation, den Ablasshandel oder das Streben nach Gold, welche für die christliche Kirche jener Zeit so typisch waren.
Im Jahr 1207 sandte Papst Innozenz diesbezüglich schließlich seinen dritten und letzten Brief an König Philippe Auguste von Frankreich. In diesem Schreiben forderte er den König abermals auf, eine Armee aufzustellen und gen Süden zu marschieren, um die Anhänger der neuen Glaubensrichtung zu bekämpfen. Philippe weigerte sich zunächst noch, die Forderung des Papstes zu erfüllen. Letzten Endes aber sollte der Ruf der orthodoxen Religion sowie die verlockende Aussicht, Land und Gold zu gewinnen, sich für den Staat Frankreich doch als unwiderstehlich erweisen. Der Albigenserkreuzzug, wie er später genannt wurde, sollte der erste Religionskrieg der Geschichte sein, in dem Christen gegen Christen kämpften. Aber zu der Zeit, in der unsere Geschichte spielt, war Philippe von Frankreich noch keineswegs davon überzeugt, dass er diesen Kampf aufnehmen sollte.
König Philippe hielt sich gerade an seinem Hof in Paris auf, als die Abgesandten des Papstes dessen Brief überbrachten. Sie erschienen in Begleitung von Philippes langjährigem Freund William von Caen. Beim Eintreffen der Gäste befand der König sich gerade in Gesellschaft seiner Respekt einflößenden Halbschwester, der Prinzessin Alai's, die, wenn es um die Äußerung ihrer Meinung ging, für gewöhnlich alles andere als zurückhaltend war. An diesem Punkt beginnt unsere Erzählung.
Paris, Oktober 1207 Abteikirche von St. Denis
Wenn ich daran zurückdenke, wie das Abenteuer damals anfing, dann sehe ich im Geiste unweigerlich wieder die Abteikirche in St.
Es heißt, dass Johannes beim letzten Abendmahl einen Kelch mit vergiftetem Wein gereicht bekam. Johannes aber segnete den Kelch, woraufhin man eine Schlange aus dem Gefäß herauskriechen sah, und der Wein wurde wieder rein. Bei der mittelalterlichen Sekte der Katharer kommt dem heilige Johannes, von dem man annimmt, dass er das vierte Evangelium und möglicherweise auch die Apokalypse verfasst hat, eine besondere Verehrung zu.
Vorwort
Zu Beginn des zwölften Jahrhunderts war Frankreich noch ein recht kleines Königreich. Es umfasste in der Hauptsache das Gebiet der im Norden gelegenen Île de France und besaß ansonsten nur wenig Land. Zudem waren die Könige von Frankreich unablässig in Gefechte mit den angevinischen Königen von England - Henry II. und später dessen Söhnen, Richard und John -verwickelt. Somit standen große Teile der Normandie, der Region von Le Mans und Aquitaniens, die König Louis aufgeben musste, als seine erste Ehefrau, Eleanor, ihn verließ, um den jungen Henry zu heiraten, unter der Kontrolle der Plantagenets.
Über Frankreich herrschte zu jener Zeit Philippe Auguste, der von seinem Vater, welcher lange auf die Geburt eines Sohnes hatte warten müssen, "Dieudonné", "von Gott geschenkt", genannt wurde. Philippe Augustes Hoheitsgebiet war von zahlreichen mächtigen Herzogtümern umgeben, insbesondere von Burgund und der Champagne, die sich zeitweilig wohlwollend, bisweilen aber auch streitlustig verhielten. Beide agierten vollkommen souverän, obgleich ihre Führer offiziell dem König von Frankreich huldigten, der nach dem zur damaligen Zeit geltenden System der Lehnstreue ihr Oberherr war.
Die Gebiete im Süden, welche das Mittelmeer umringten, standen unter der Kontrolle einiger unbedeutender kleiner Adliger oder Viscounts, die den Grafen von Toulouse ihre Anerkennung zollten. In diesen Ländern herrschte eine sehr viel freizügigere Lebensweise und Kultur als im Norden, und auch die Schönheit wurde stärker verehrt und ausgiebiger gepflegt. Zudem waren die Grafschaften deutlich kleiner als die großen Herzogtümer des Nordens.
Trotz der Begrenztheit seiner Grafschaften aber war "der Süden", wie er in Paris genannt wurde, keineswegs unvermögend. Ganz im Gegenteil. Denn durch ihre Nähe zu den Handelszentren hatten die südlichen Grafschaften nicht mit dem Problem der Goldknappheit zu kämpfen, welches Frankreich zu jener Zeit zunehmend zu schaffen machte, bis es schließlich sogar gezwungen war, sein gesamtes Hartgeld in Silber zu prägen. Die Seehäfen des Südens, welche zusätzlich den Handel erleichterten, der wiederum das Gold einbrachte, mussten dem König von Frankreich in seinen vom Binnenland umschlossenen Territorien im Norden also recht verlockend erschienen sein.
Dennoch war der Süden weit entfernt vom Zentrum Frankreichs und überdies mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt. Zu jener Zeit, in der unsere Geschichte ihren Anfang nimmt, muss es daher noch ziemlich unwahrscheinlich erschienen sein, dass die südlichen Länder einmal Teil des nördlichen Königreiches werden könnten.
Alles das änderte sich jedoch mit dem Auftauchen einer eigenartigen religiösen Sekte, die während der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts wie aus dem Nichts entstand. Die Angehörigen dieser Religionsgemeinschaft betrachteten sich als Christen und nannten sich "bons hommes" oder "bons chrétiens", also "gute Menschen" oder auch "gute Christen". Ihre Feinde dagegen nannten sie "Katharer" beziehungsweise "Cathari", die "Reinen", dies jedoch eher abfällig im Sinne von "Hochmütige, die sich rein dünken", und stempelten sie als Ketzer ab. Obgleich zu Anfang noch eine verhältnismäßig kleine Gruppe, stellten die Katharer wegen ihrer schlichten, unkomplizierten Bräuche, welche an die der frühen Christen erinnerten, doch eine gewaltige Herausforderung für die katholische Kirche dar. In sich über mehrere Jahrzehnte erstreckenden hitzigen Debatten versuchten Vertreter der römischen Kirche im zwölften Jahrhundert immer wieder aufs Neue, diese abtrünnigen Schäflein dazu zu überreden, wieder in den Schoß der vorherrschenden christlichen Kirche zurückzukehren, doch der neue Glaube verbreitete sich stetig weiter und fand immer mehr Anhänger.
Manchmal wurden die Katharer auch Dualisten genannt, da manche von ihnen dem christlichen Gott nicht nur eine, sondern zwei Seiten zuschrieben - die helle und die dunkle Seite - oder in einigen Fällen gar an zwei gleichberechtigte Götter glaubten, also an das Gute und an das Böse. Es hieß, die Ursprünge ihres Glaubens lägen im alten Persien begründet, in der Religion des Manichäismus, welche durch die in dem Königreich östlich der Lombardei heimischen Bogomilen weiterverbreitet worden war. Doch ganz gleich wo sie auch herstammen mochten, die neuen religiösen Überzeugungen stellten für die Kirche Roms gleich in mehrfacher Hinsicht eine ständig ernster werdende Bedrohung dar: Die neue Religion setzte wandernde Laienprediger ein, brauchte keine offiziellen Priester und erfüllte die Bedürfnisse der Gläubigen auch ohne die Organisation, den Ablasshandel oder das Streben nach Gold, welche für die christliche Kirche jener Zeit so typisch waren.
Im Jahr 1207 sandte Papst Innozenz diesbezüglich schließlich seinen dritten und letzten Brief an König Philippe Auguste von Frankreich. In diesem Schreiben forderte er den König abermals auf, eine Armee aufzustellen und gen Süden zu marschieren, um die Anhänger der neuen Glaubensrichtung zu bekämpfen. Philippe weigerte sich zunächst noch, die Forderung des Papstes zu erfüllen. Letzten Endes aber sollte der Ruf der orthodoxen Religion sowie die verlockende Aussicht, Land und Gold zu gewinnen, sich für den Staat Frankreich doch als unwiderstehlich erweisen. Der Albigenserkreuzzug, wie er später genannt wurde, sollte der erste Religionskrieg der Geschichte sein, in dem Christen gegen Christen kämpften. Aber zu der Zeit, in der unsere Geschichte spielt, war Philippe von Frankreich noch keineswegs davon überzeugt, dass er diesen Kampf aufnehmen sollte.
König Philippe hielt sich gerade an seinem Hof in Paris auf, als die Abgesandten des Papstes dessen Brief überbrachten. Sie erschienen in Begleitung von Philippes langjährigem Freund William von Caen. Beim Eintreffen der Gäste befand der König sich gerade in Gesellschaft seiner Respekt einflößenden Halbschwester, der Prinzessin Alai's, die, wenn es um die Äußerung ihrer Meinung ging, für gewöhnlich alles andere als zurückhaltend war. An diesem Punkt beginnt unsere Erzählung.
Paris, Oktober 1207 Abteikirche von St. Denis
Wenn ich daran zurückdenke, wie das Abenteuer damals anfing, dann sehe ich im Geiste unweigerlich wieder die Abteikirche in St.