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Grüne Landschaften
Vision: Die Welt als Garten
Campus (Publisher)
Published in September 1999
Book
Hardback
224 pages
978-3-593-36037-9 (ISBN)
Description
Industrieller Raubbau hat weltweit viele Gegenden verwüstet. Die berühmten Landschaftskünstler Helen Mayer Harrison und Newton Harrison haben sich darauf spezialisiert, ihnen Stolz und Schönheit zurückzugeben. Erstmals beschreiben sie ihre wichtigsten Projekte und ihre Pläne für ganz Europa.
Reviews / Votes
Ein bisschen Paradies"Für die Expo 2000 haben die Autoren ein poetisches Konzept entwickelt, wie auf der Halbinsel Europa so etwas wie ein gigantischer Garten entstehen könnte." (Die Zeit, 21.10.1999)
More details
Series
Language
German
Illustrations
mit 16 Seiten Bildteil
Dimensions
Height: 22.8 cm
Width: 15.2 cm
Weight
468 gr
ISBN-13
978-3-593-36037-9 (9783593360379)
Persons
Helen Mayer Harrison und Newton Harrison teilten sich eine Professur für Visuelle Kunst an der University of California in San Diego. 1993 gründeten sie das Harrison Studio und sind jetzt wieder hauptberufliche Künstler. Seit 1971 zeigen sie weltweit - von New York bis Nagoya, von Venedig bis Bonn - in Hunderten von Ausstellungen und Einzelprojekten Visionen und Konzepte für die Reparatur von zerstörten Landschaften. Ihr jüngstes großes Ausstellungsprojekt in Deutschland war "Gefährdete Wiesen in Europa" in der Bundeskunsthalle Bonn.
Author
Contributions
Content
Zeit zum Träumen
Wir sind der Überzeugung, daß - zusammen mit der globalen Ausbreitung der Menschheit - die Einzigartigkeit und die Unterschiede an verfügbarem Raum und Energie die Menschen dazu gebracht haben, eine Art Kultursphäre zu erfinden. Jeder Ort ist einzigartig und extrem vielfältig, in jedem Ort agieren die unterschiedlichen Teile der Kultursphäre - wie die Ökosysteme in der Biosphäre - auf eigene Weise untereinander, um sich gegenseitig ernähren, bereichern und unterstützen zu können.
Das Weltgeschehen paßt sich nun der fortschreitenden Informationsbewegung an und muß auf die extreme Geschwindigkeit der Aktien-, Wertpapier- und Geldgeschäfte reagieren. Das führt zu einer Beschleunigung des Lebens, und zwar nicht nur der Leute, die direkt mit diesen Geschäften zu tun haben, und derer, die ihnen assistieren, sondern von uns allen. Man betrachte nur die Tickerbandsimulationen, die unten auf dem Bildschirm vorbeiziehen, während man sich die Nachrichten anhört! Man hört fast gleichzeitig mit, was irgendwo anders passiert! Man hört von einem Unglück nach dem anderen, ohne Zeit für das Mitleid mit den Opfern zu haben und die Erfahrung zu verarbeiten.
Man denke daran, wie Rechenzeit, also Zeit zum Lösen von Aufgaben, im krassen Gegensatz steht zu der Zeit fürs Geschichtenerzählen oder zu der Zeit, die wir einfach mit anderen zusammen verbringen. Natürlich durchdringen sich diese Zeiten gegenseitig, doch nur dann, wenn wir über die Zeit und unser Verhältnis zu ihr anders nachdenken, laufen wir nicht Gefahr, von der Maschinenzeit kontrolliert zu werden, der Computerzeit, der Produktionszeit, der Konsumzeit, wenn wir Produzenten oder Konsumenten sind statt Freunde, Experimentierende oder Liebende. Zeit zur Empathie, so könnte man sagen, ist Zeit, in der man lebt und für sinnliche Dinge aufgeschlossen ist, gern durch den Wald wandert oder über den intimen Markt promeniert, ist Zeit zum Träumen, Meditieren und Nachdenken.
Wir können es vielleicht "Kunstzeit" nennen: Man beschleunigt die Zeit nicht, in der man sich einen Film ansieht, oder die Zeit, die es dauert, sich ein Theaterstück anzusehen, ein Symphoniekonzert anzuhören, andere Kunstwerke auf sich wirken zu lassen. Das alles erfordert die Zeit, die es dauert, es tatsächlich zu erleben. Hingegen hätte bestimmt niemand Lust - während 100 Millionen Kühlschränke produziert werden -, sich die Zeit zu nehmen, alle winzigen Unterschiede zu betrachten, die jeden dieser Kühlschränke so einzigartig machen!
Wir sind der Überzeugung, daß - zusammen mit der globalen Ausbreitung der Menschheit - die Einzigartigkeit und die Unterschiede an verfügbarem Raum und Energie die Menschen dazu gebracht haben, eine Art Kultursphäre zu erfinden. Jeder Ort ist einzigartig und extrem vielfältig, in jedem Ort agieren die unterschiedlichen Teile der Kultursphäre - wie die Ökosysteme in der Biosphäre - auf eigene Weise untereinander, um sich gegenseitig ernähren, bereichern und unterstützen zu können.
Das Weltgeschehen paßt sich nun der fortschreitenden Informationsbewegung an und muß auf die extreme Geschwindigkeit der Aktien-, Wertpapier- und Geldgeschäfte reagieren. Das führt zu einer Beschleunigung des Lebens, und zwar nicht nur der Leute, die direkt mit diesen Geschäften zu tun haben, und derer, die ihnen assistieren, sondern von uns allen. Man betrachte nur die Tickerbandsimulationen, die unten auf dem Bildschirm vorbeiziehen, während man sich die Nachrichten anhört! Man hört fast gleichzeitig mit, was irgendwo anders passiert! Man hört von einem Unglück nach dem anderen, ohne Zeit für das Mitleid mit den Opfern zu haben und die Erfahrung zu verarbeiten.
Man denke daran, wie Rechenzeit, also Zeit zum Lösen von Aufgaben, im krassen Gegensatz steht zu der Zeit fürs Geschichtenerzählen oder zu der Zeit, die wir einfach mit anderen zusammen verbringen. Natürlich durchdringen sich diese Zeiten gegenseitig, doch nur dann, wenn wir über die Zeit und unser Verhältnis zu ihr anders nachdenken, laufen wir nicht Gefahr, von der Maschinenzeit kontrolliert zu werden, der Computerzeit, der Produktionszeit, der Konsumzeit, wenn wir Produzenten oder Konsumenten sind statt Freunde, Experimentierende oder Liebende. Zeit zur Empathie, so könnte man sagen, ist Zeit, in der man lebt und für sinnliche Dinge aufgeschlossen ist, gern durch den Wald wandert oder über den intimen Markt promeniert, ist Zeit zum Träumen, Meditieren und Nachdenken.
Wir können es vielleicht "Kunstzeit" nennen: Man beschleunigt die Zeit nicht, in der man sich einen Film ansieht, oder die Zeit, die es dauert, sich ein Theaterstück anzusehen, ein Symphoniekonzert anzuhören, andere Kunstwerke auf sich wirken zu lassen. Das alles erfordert die Zeit, die es dauert, es tatsächlich zu erleben. Hingegen hätte bestimmt niemand Lust - während 100 Millionen Kühlschränke produziert werden -, sich die Zeit zu nehmen, alle winzigen Unterschiede zu betrachten, die jeden dieser Kühlschränke so einzigartig machen!