
Robert
Und andere gereimte Geschichten, Satiren und Märchen
Anis Hamadeh(Author)
Kinzelbach, Donata (Publisher)
1st Edition
Published in February 2013
Book
140 pages
978-3-942490-09-2 (ISBN)
Description
Skurril, bizarr, grotesk, fantastisch, exzentrisch, kafkaesk. Es gibt mehrere orthografisch herausfordernde Adjektive, mit denen sich die vorliegende Sammlung beschreiben lässt. Größtenteils handelt es sich um Satiren, ein wenig Nonsens ist auch dabei. Zwei oder drei der Stücke haben sogar Tiefgang, ich kann mich bloß nicht daran erinnern, welche es waren. Sie werden es bestimmt herausfinden. Nicht selten weiß das Publikum letztlich mehr als der Autor, der ja im Grunde nur in poetische Trancen fällt und später das Protokoll abgibt.
Warum ich diese Geschichten schreibe? Fragen Sie nicht! Es ist ein Kreuz. Immer wieder werde ich darauf hingewiesen, dass ich doch einmal etwas Normales veröffentlichen könnte statt dieser absurden und seltsamen Storys, und ich habe es wirklich versucht. Vielleicht ist es der schädigende Einfluss von Wilhelm Busch, dessen gesammelte Werke mir als Kleinkind auf den Kopf gefallen sind, als ich im Bücherregal der Eltern nach Inspiration suchte. Oder die Heinz-Erhard-Schallplatten, die ich in die Finger bekommen hatte. Oder die vielen Stunden britischer Comedy. Über etwaige Spätfolgen hatte ich mir damals überhaupt keine Gedanken gemacht. Jetzt kann man wahrscheinlich nicht mehr viel richten.
Für wen ich solche Geschichten schreibe? Auch darauf weiß ich keine vernünftige Antwort. Allerdings habe ich schon einmal ein Kind, einen Jugendlichen, einen Erwachsenen und einen Senioren gleichzeitig zum Lachen gebracht. Das war, als ich in Stuttgart auf der Bühne ausgerutscht bin.
Die gereimten Geschichten im ersten Teil des Buches trage ich bei Lesungen zum Teil auswendig vor. Einige sind die Anfänge von Serien mit jeweils sieben Teilen, so das Huhn, das Krokodil aus Kiel, Champion Leo sowie die Meeresvolksaga, deren erster Teil von der Meerjungfrau Sibylle erzählt.
Die historischen Vorträge im hinteren Teil dieses Werks sind überarbeitete Referate aus meiner Oberstufenzeit. Es ist mir ein Rätsel geblieben, dass weder die Lehrerschaft noch die Mitschüler diese höchst aufschlussreichen und dabei kurzweiligen Analysen je angemessen gewürdigt haben.
Falls Sie die Entstehung der Texte interessiert, was ich eigentlich nicht annehme: Vor fünfzehn Jahren begann ich mit einer experimentellen Serie von Einseitern, der ich den Namen "Bambus" gab. Zum einen, weil der Bambus flexibel ist, ebenso wie die Texte inhaltlich und formal stark variierten, zum anderen, weil Bambustexte neben ihrer Kleinschreibung statt Punkt und Komma Gedankenstriche aufwiesen, wie in einem Telegramm, und die sehen - mit etwas Fantasie - aus wie Bambusstäbe. Für die vorliegende Anthologie habe ich die Stücke allerdings freiwillig formatiert. Selbst die Dialog-Reihe "Die Jungs" (Heinz und Helmut) stammt aus dem Bambus. Drei der neueren Episoden habe ich in dieses Buch aufgenommen.
Wenn Sie aus Gründen, die ich nicht hinterfragen will, mehr wissen möchten, können Sie meine Website besuchen und zum Beispiel von der "Litbox" - einer Jukebox für Literatur - die mp3s von "Robert" und "Das Huhn" kostenlos herunterladen. Sollte das nicht reichen, ist da noch das Hörbuch "Die Dichter" mit Textheft, das man bestellen kann, ebenso das Hörbuch vom Krokodil aus Kiel - ja sogar das Wimmelbild vom Cover, in DIN A1-Format.
Anis Hamadeh
Warum ich diese Geschichten schreibe? Fragen Sie nicht! Es ist ein Kreuz. Immer wieder werde ich darauf hingewiesen, dass ich doch einmal etwas Normales veröffentlichen könnte statt dieser absurden und seltsamen Storys, und ich habe es wirklich versucht. Vielleicht ist es der schädigende Einfluss von Wilhelm Busch, dessen gesammelte Werke mir als Kleinkind auf den Kopf gefallen sind, als ich im Bücherregal der Eltern nach Inspiration suchte. Oder die Heinz-Erhard-Schallplatten, die ich in die Finger bekommen hatte. Oder die vielen Stunden britischer Comedy. Über etwaige Spätfolgen hatte ich mir damals überhaupt keine Gedanken gemacht. Jetzt kann man wahrscheinlich nicht mehr viel richten.
Für wen ich solche Geschichten schreibe? Auch darauf weiß ich keine vernünftige Antwort. Allerdings habe ich schon einmal ein Kind, einen Jugendlichen, einen Erwachsenen und einen Senioren gleichzeitig zum Lachen gebracht. Das war, als ich in Stuttgart auf der Bühne ausgerutscht bin.
Die gereimten Geschichten im ersten Teil des Buches trage ich bei Lesungen zum Teil auswendig vor. Einige sind die Anfänge von Serien mit jeweils sieben Teilen, so das Huhn, das Krokodil aus Kiel, Champion Leo sowie die Meeresvolksaga, deren erster Teil von der Meerjungfrau Sibylle erzählt.
Die historischen Vorträge im hinteren Teil dieses Werks sind überarbeitete Referate aus meiner Oberstufenzeit. Es ist mir ein Rätsel geblieben, dass weder die Lehrerschaft noch die Mitschüler diese höchst aufschlussreichen und dabei kurzweiligen Analysen je angemessen gewürdigt haben.
Falls Sie die Entstehung der Texte interessiert, was ich eigentlich nicht annehme: Vor fünfzehn Jahren begann ich mit einer experimentellen Serie von Einseitern, der ich den Namen "Bambus" gab. Zum einen, weil der Bambus flexibel ist, ebenso wie die Texte inhaltlich und formal stark variierten, zum anderen, weil Bambustexte neben ihrer Kleinschreibung statt Punkt und Komma Gedankenstriche aufwiesen, wie in einem Telegramm, und die sehen - mit etwas Fantasie - aus wie Bambusstäbe. Für die vorliegende Anthologie habe ich die Stücke allerdings freiwillig formatiert. Selbst die Dialog-Reihe "Die Jungs" (Heinz und Helmut) stammt aus dem Bambus. Drei der neueren Episoden habe ich in dieses Buch aufgenommen.
Wenn Sie aus Gründen, die ich nicht hinterfragen will, mehr wissen möchten, können Sie meine Website besuchen und zum Beispiel von der "Litbox" - einer Jukebox für Literatur - die mp3s von "Robert" und "Das Huhn" kostenlos herunterladen. Sollte das nicht reichen, ist da noch das Hörbuch "Die Dichter" mit Textheft, das man bestellen kann, ebenso das Hörbuch vom Krokodil aus Kiel - ja sogar das Wimmelbild vom Cover, in DIN A1-Format.
Anis Hamadeh
More details
Series
Language
German
Place of publication
DE
Germany
Target group
Young adult
Lyrik - skurril, bizarr, grotesk, fantastisch, exzentrisch, kafkaesk ...
Dimensions
Height: 21 cm
Width: 14.5 cm
ISBN-13
978-3-942490-09-2 (9783942490092)
Schweitzer Classification
Content
Robert
Robert war 'ne Frohnatur,
er sah das Positive nur
im Leben.
Da konnt' es auch mal Regen geben.
Für Robert war das kein Problem.
Sein Ohrensessel war bequem
und seine Heizung warm,
im Kessel Wasser für den Tee -
es kam
nicht d'rauf an,
wie das Wetter war,
der Mann
fand es immer nur wunderbar.
Sein Vetter war
Karl,
dem war alles egal;
er trug seinen Schal
auch im Sonnenschein.
Als Robert mal lachte,
da dachte
der Karl:
"Das kann nicht für lange sein,
bald wird ihm bange sein.
Ist nicht normal.
Er ist jeden Tag heiter,
so geht das nicht weiter.
Und während ich schwitze
macht er seine Witze.
Was kann denn da bloß nur im Gange sein?
Der Robert ist weder ein Held
noch sieht er gut aus
noch hat er viel Geld.
Ich krieg' schon heraus,
warum das Leben
ihm gefällt.
Zu dumm, dass eben
mir das fehlt,
das fröhliche Gesumme,
weil ich nur brumme
jeden Tag,
weil ich das Leben nicht so mag.
Ich tobe und ich rase!"
Da plötzlich befahl
eine Stimme dem Karl:
"Nimm die Vase
und wirf sie an die Wand mit Wut!
Vielleicht ist's danach wieder gut."
So tat er's dann.
In seinem Wahn
zersprang das gute Stück -
Scherben bringen Glück!
Doch war's noch nicht genug
mit dem zerbroch'nen Krug.
Es wurde richtig derbe,
denn Kalle, der nichts lernte,
nahm die Scherbe
der zerstörten Vase
und entfernte
sich damit die Nase.
Das tat ziemlich weh,
oh je, oh jemineh!
Es wurde nicht gut,
er verlor sehr viel Blut.
Man brachte ihn ins Hospital -
der arme Vetter Karl!
Als Robert es in der Zeitung las,
erschrak er
und wurde leichenblass.
Da lag er,
der Karl,
das war kein Spaß.
Sofort fuhr er los in die Klinik.
Man merkte schon an seiner Mimik,
dass er betroffen war.
Der Vetter hatte offenbar
'ne schwere Phase.
Er lag im Bett
und war nicht nett
und hatte keine Nase.
Da sagte Karl:
"Nun höre mal!
Ist es gerecht,
dass von uns beiden
nur der eine Leiden
hat?
Ist das nicht schlecht?
Hier, sieh das Resultat
und staune!
Hast du jetzt trotzdem gute Laune?"
Robert kratzte seinen Bart.
"Na, so ein Ding!
Ich ring'
um Fassung.
Lass uns
nicht argumentieren
und den Kopf dabei verlieren!"
Einigermaßen grienig
verließ er dann die Klinik
und fühlte sich gefesselt,
sogar im Ohrensessel.
Aus der Gerüchteküche
drangen Gerüche
wie Flüche
zu ihm,
wegen der Vase
und der Nase,
wegen des Vetters
und all des Gezeters.
Robert hatte viel Geduld,
traf ihn doch wirklich keine Schuld.
So sehr er auch überlegte,
was den Karl bewegte,
er fand nicht einen Grund.
Das Grübeln macht nur übellaunig
und ist ungesund.
So blieb er eine Frohnatur
rund um die Uhr.
Er spielte Beatles-Platten
und schlief auf Bambusmatten.
Doch weil der Karl so traurig war,
sagten die Leute: "Siehste mal,
dem Robert ist es ganz egal.
Der ist bestimmt nicht ganz normal."
Sie brachten Robert in Bedrängnis
und schließlich sogar ins Gefängnis,
wo es ziemlich eng ist.
Bloß, wie auch immer das Wetter war,
der Vetter fand es wunderbar.
Selbst im Gefängnis kam er klar.
Nur eins war Kalle wohl geglückt:
Man hielt den Robert für verrückt
und legte ihn für alle Fälle
in eine Gummizelle.
Dann nach zwei Jahren
hat Karl erfahren,
dass Robert noch immer nicht weiter war,
dass, was man auch tat,
er stets heiter war,
und dass die Buddhisten
ihn langsam vermissten.
Sie standen vorm Tor
mit 'nem Leiterwagen.
Die würden sich sogar noch weiter wagen,
um ihn zu befrei'n.
Am Ende sah Karl es dann ein:
Er machte 'ne Fratze
und schnitt sich 'ne Glatze
und seufzte: So muss es wohl sein!
Robert war 'ne Frohnatur,
er sah das Positive nur
im Leben.
Da konnt' es auch mal Regen geben.
Für Robert war das kein Problem.
Sein Ohrensessel war bequem
und seine Heizung warm,
im Kessel Wasser für den Tee -
es kam
nicht d'rauf an,
wie das Wetter war,
der Mann
fand es immer nur wunderbar.
Sein Vetter war
Karl,
dem war alles egal;
er trug seinen Schal
auch im Sonnenschein.
Als Robert mal lachte,
da dachte
der Karl:
"Das kann nicht für lange sein,
bald wird ihm bange sein.
Ist nicht normal.
Er ist jeden Tag heiter,
so geht das nicht weiter.
Und während ich schwitze
macht er seine Witze.
Was kann denn da bloß nur im Gange sein?
Der Robert ist weder ein Held
noch sieht er gut aus
noch hat er viel Geld.
Ich krieg' schon heraus,
warum das Leben
ihm gefällt.
Zu dumm, dass eben
mir das fehlt,
das fröhliche Gesumme,
weil ich nur brumme
jeden Tag,
weil ich das Leben nicht so mag.
Ich tobe und ich rase!"
Da plötzlich befahl
eine Stimme dem Karl:
"Nimm die Vase
und wirf sie an die Wand mit Wut!
Vielleicht ist's danach wieder gut."
So tat er's dann.
In seinem Wahn
zersprang das gute Stück -
Scherben bringen Glück!
Doch war's noch nicht genug
mit dem zerbroch'nen Krug.
Es wurde richtig derbe,
denn Kalle, der nichts lernte,
nahm die Scherbe
der zerstörten Vase
und entfernte
sich damit die Nase.
Das tat ziemlich weh,
oh je, oh jemineh!
Es wurde nicht gut,
er verlor sehr viel Blut.
Man brachte ihn ins Hospital -
der arme Vetter Karl!
Als Robert es in der Zeitung las,
erschrak er
und wurde leichenblass.
Da lag er,
der Karl,
das war kein Spaß.
Sofort fuhr er los in die Klinik.
Man merkte schon an seiner Mimik,
dass er betroffen war.
Der Vetter hatte offenbar
'ne schwere Phase.
Er lag im Bett
und war nicht nett
und hatte keine Nase.
Da sagte Karl:
"Nun höre mal!
Ist es gerecht,
dass von uns beiden
nur der eine Leiden
hat?
Ist das nicht schlecht?
Hier, sieh das Resultat
und staune!
Hast du jetzt trotzdem gute Laune?"
Robert kratzte seinen Bart.
"Na, so ein Ding!
Ich ring'
um Fassung.
Lass uns
nicht argumentieren
und den Kopf dabei verlieren!"
Einigermaßen grienig
verließ er dann die Klinik
und fühlte sich gefesselt,
sogar im Ohrensessel.
Aus der Gerüchteküche
drangen Gerüche
wie Flüche
zu ihm,
wegen der Vase
und der Nase,
wegen des Vetters
und all des Gezeters.
Robert hatte viel Geduld,
traf ihn doch wirklich keine Schuld.
So sehr er auch überlegte,
was den Karl bewegte,
er fand nicht einen Grund.
Das Grübeln macht nur übellaunig
und ist ungesund.
So blieb er eine Frohnatur
rund um die Uhr.
Er spielte Beatles-Platten
und schlief auf Bambusmatten.
Doch weil der Karl so traurig war,
sagten die Leute: "Siehste mal,
dem Robert ist es ganz egal.
Der ist bestimmt nicht ganz normal."
Sie brachten Robert in Bedrängnis
und schließlich sogar ins Gefängnis,
wo es ziemlich eng ist.
Bloß, wie auch immer das Wetter war,
der Vetter fand es wunderbar.
Selbst im Gefängnis kam er klar.
Nur eins war Kalle wohl geglückt:
Man hielt den Robert für verrückt
und legte ihn für alle Fälle
in eine Gummizelle.
Dann nach zwei Jahren
hat Karl erfahren,
dass Robert noch immer nicht weiter war,
dass, was man auch tat,
er stets heiter war,
und dass die Buddhisten
ihn langsam vermissten.
Sie standen vorm Tor
mit 'nem Leiterwagen.
Die würden sich sogar noch weiter wagen,
um ihn zu befrei'n.
Am Ende sah Karl es dann ein:
Er machte 'ne Fratze
und schnitt sich 'ne Glatze
und seufzte: So muss es wohl sein!