Unverlierbare Zeit
Psychosoziale Spätfolgen des Nationalsozialismus bei Nachkommen von Opfern und Tätern
Brandes & Apsel (Publisher)
1st Edition
Published in 2001
Book
Paperback/Softback
352 pages
978-3-86099-422-1 (ISBN)
Description
Die hier versammelten Beiträge beruhen auf empirischen Forschungen und klinischen Fallstudien, wie sie aus der psychotherapeutischen Praxis hervorgehen. Dabei beschränken sie sich auf zwei (in sich differenzierte) Gruppen, nämlich Nachkommen jüdischer Überlebender einerseits, nationalsozialistisch "identifizierte" Täter andererseits.
Psychologische und speziell psychoanalytische Forschungen haben vielfach gezeigt, daß vergangene Wirklichkeiten gegenwärtige Befindlichkeiten, Orientierungen und Praktiken zutiefst prägen. Häufig bilden sich solche Kontinuitäten, ohne daß die Personen, die dieser Kraft der Tradierung unterworfen sind, ein Bewußtsein davon besitzen. Nicht zuletzt die Untersuchungen zu den psychosozialen Folgen des Nationalsozialismus haben nachgewiesen, daß sich solche unbewußten Überlieferungen über mehrere Generationen erstrecken können.
Wie groß die Spielräume für historische und biographische Repräsentationen auch sein mögen, so ist Vergangenes doch immer auch als etwas Unverfügbares präsent und psychosozial wirksam. Die Vergangenheit entzieht sich in mannigfacher Weise dem menschlichen Willen. Dies gilt nicht allein in dem trivialen Sinn, daß alles, was einst geschah, unwiderruflich geschehen ist. Auch die Bedeutung des Vergangenen ist keineswegs vollständig unserem Willen unterstellt. Selbst wenn wir an der zeit- und geschichtstheoretischen Einsicht festhalten, daß das Bild, das wir uns von vergangenen Ereignissen und Erlebnissen machen, von nachträglichen Erfahrungen und aktuellen Perspektiven abhängig ist, entziehen sich Vergangenheiten unserer Verfügungsgewalt.
Beiträge von:
Dan Bar-On, Elisabeth Brainin/Vera Ligeti/Samy Teicher, Anita Eckstaedt, Kurt Grünberg, Gertrud Hardtmann, Stefanie Knauf, Hans-Dieter König, Angela Kühner, Alexandre Métraux, Jürgen Müller-Hohagen, Jürgen Straub
Psychologische und speziell psychoanalytische Forschungen haben vielfach gezeigt, daß vergangene Wirklichkeiten gegenwärtige Befindlichkeiten, Orientierungen und Praktiken zutiefst prägen. Häufig bilden sich solche Kontinuitäten, ohne daß die Personen, die dieser Kraft der Tradierung unterworfen sind, ein Bewußtsein davon besitzen. Nicht zuletzt die Untersuchungen zu den psychosozialen Folgen des Nationalsozialismus haben nachgewiesen, daß sich solche unbewußten Überlieferungen über mehrere Generationen erstrecken können.
Wie groß die Spielräume für historische und biographische Repräsentationen auch sein mögen, so ist Vergangenes doch immer auch als etwas Unverfügbares präsent und psychosozial wirksam. Die Vergangenheit entzieht sich in mannigfacher Weise dem menschlichen Willen. Dies gilt nicht allein in dem trivialen Sinn, daß alles, was einst geschah, unwiderruflich geschehen ist. Auch die Bedeutung des Vergangenen ist keineswegs vollständig unserem Willen unterstellt. Selbst wenn wir an der zeit- und geschichtstheoretischen Einsicht festhalten, daß das Bild, das wir uns von vergangenen Ereignissen und Erlebnissen machen, von nachträglichen Erfahrungen und aktuellen Perspektiven abhängig ist, entziehen sich Vergangenheiten unserer Verfügungsgewalt.
Beiträge von:
Dan Bar-On, Elisabeth Brainin/Vera Ligeti/Samy Teicher, Anita Eckstaedt, Kurt Grünberg, Gertrud Hardtmann, Stefanie Knauf, Hans-Dieter König, Angela Kühner, Alexandre Métraux, Jürgen Müller-Hohagen, Jürgen Straub
More details
Series
Edition
1., Aufl.
Language
German
ISBN-13
978-3-86099-422-1 (9783860994221)
Schweitzer Classification