Die Sterne der Provence
Roman
Simonetta Greggio(Author)
Blanvalet (Publisher)
Published on 8. December 2008
Book
Paperback/Softback
144 pages
978-3-442-37172-3 (ISBN)
Description
Romantisch - sinnlich - einfach köstlich
Ein hinreißend charmanter Roman über Liebe und Lebenslust.
In New York soll der gefeierte Sternekoch Gaspard eine hohe Auszeichnung der internationalen Gourmetwelt erhalten. Doch plötzlich gerät seine Welt ins Wanken: Er darf nicht in die USA einreisen, und daheim in Paris findet er seine Frau in den Armen seines Kompagnons. Hals über Kopf lässt Gaspard sein bisheriges Leben hinter sich und übernimmt in der Provence ein kleines Gasthaus. Inkognito verwöhnt er dort seine Gäste - und als eines Tages die zarte Stella sein Lokal besucht, gibt es für ihn nichts Wichtigeres mehr, als sie mit immer neuen kulinarischen Kreationen zum Essen, zum Leben und zur Liebe zu verführen .
Mit wunderschön illustrierten Rezepten
Ein hinreißend charmanter Roman über Liebe und Lebenslust.
In New York soll der gefeierte Sternekoch Gaspard eine hohe Auszeichnung der internationalen Gourmetwelt erhalten. Doch plötzlich gerät seine Welt ins Wanken: Er darf nicht in die USA einreisen, und daheim in Paris findet er seine Frau in den Armen seines Kompagnons. Hals über Kopf lässt Gaspard sein bisheriges Leben hinter sich und übernimmt in der Provence ein kleines Gasthaus. Inkognito verwöhnt er dort seine Gäste - und als eines Tages die zarte Stella sein Lokal besucht, gibt es für ihn nichts Wichtigeres mehr, als sie mit immer neuen kulinarischen Kreationen zum Essen, zum Leben und zur Liebe zu verführen .
Mit wunderschön illustrierten Rezepten
More details
Series
Language
German
Place of publication
München
Germany
Illustrations
14
14 farbige Abbildungen
Dimensions
Height: 18.3 cm
Width: 12.5 cm
ISBN-13
978-3-442-37172-3 (9783442371723)
Schweitzer Classification
Persons
Simonetta Greggio, 1961 in Padua geboren, lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Frankreich. Als Journalistin und Autorin hat sie u.a. für die Kultzeitschrift City gearbeitet sowie diverse Reportagen, Porträts, Gastrokritiken und Reiseführer verfasst.
Content
Er war ungemein erleichtert, wieder zurück zu sein.
Was für eine verrückte Geschichte! Erschöpft, wie er war, hatte er nur noch einen einzigen Wunsch: unter seine Bettdecke zu schlüpfen, die Arme um seine Frau zu schlingen, seine Nase in ihrem Nacken zu vergraben und ihren Geruch einzuatmen.
Sie würde sich zu ihm drehen, ohne dabei die Augen zu öffnen. Ah, sich einfach nur fallen lassen und alles vergessen!
Die schöne, elegante Violaine - jene Art von Frau, die alle zehn Jahre gerade mal fünf Minuten allein ist - hatte vor einem Jahr die sonderbare Idee gehabt, sich Hals über Kopf in ihn zu verlieben. Bis heute konnte er es noch immer nicht fassen, dass sie inzwischen seine Frau war.
Er steckte den Schlüssel ins Schloss, noch immer außer Atem von der Treppe, die er hinaufgehastet war, und betrat die Wohnung. Drinnen war es stockfinster. Die schweren Vorhänge waren zugezogen, das Licht am Eingang gelöscht. Eilig schleuderte er sein Gepäck in die Garderobe und begann sich auszuziehen, während er noch ging. Ein Kleidungsstück nach dem anderen ließ er auf seinem Weg durch die Wohnung zu Boden gleiten; das Schlafzimmer erreichte er mit nichts weiter am Leib als seinen heruntergekrempelten Socken sowie einem Schuh, den er sich mühsam abzustreifen versuchte, während er auf einem Bein balancierte.
Wie ein Labrador, der mit angelegten Ohren und hängender Zunge an einem menschenleeren Strand den Wellen hinterherjagt.
Angefangen hatte alles am Vortag in New York. Voller Stolz war er dort angekommen, die Brust derart geschwellt, dass ihm das Atmen schwerfiel, ohne dabei die Knopfleiste seines Hemds zum Bersten zu bringen. Ein Knopf war ihm tatsächlich bereits im Flugzeug in die vordere Reihe gehüpft und im dicken Teppichboden der First Class abhanden gekommen.
Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte er sich beeilen müssen, um im Hotel noch zu duschen und sich umzuziehen. Anschließend hätte er den Abend, der ihm zu Ehren ausgerichtet werden sollte, mit einer in mühsamem Englisch genuschelten Dankesrede eröffnet. Er hätte sich auf einem erleuchteten Podium wiedergefunden, bekleidet mit einem Smoking - von Dior -, schwarzer Krawatte und makellosem Plastron, die Schuhe derart auf Hochglanz poliert, dass sich sein Gesicht darin spiegelte.
Er sollte die Auszeichnung 'Küchenchef des Jahres, Kategorie Kreativität' erhalten oder besser gesagt world's best chief in the artistic category, wie
es auf der Einladungskarte in goldenen Lettern gedruckt stand.
Sein eigentlicher Name, Philippe Coimbra, wurde nur noch in offiziellen Dokumenten wie diesem verwendet. Zunächst nur für seine Freunde, später auch für alle anderen, war er einfach nur Gaspard. Bereits in der Grundschule hatte man ihn nach diesem Kobold benannt, weil er sich bei Auseinandersetzungen als wahrer Streithammel gebärdete und schnell in Rage geriet. Er machte seinem Namen alle Ehre, war er doch in der Tat leicht aufbrausend. Ihn zu etwas zu bringen, was nicht hundertprozentig seinem Willen entsprach, war aussichtslos. Für gewöhnlich versuchte er zunächst, sich aus einer Sache herauszuwinden; wollte es ihm nicht gelingen zu entwischen, ging er zum Angriff über. Hinzu kam, dass er nichts mehr verabscheute, als Etikette, aufgesetzte Höflichkeiten und Anbiederungen. Sowohl jene, die man ihm entgegenbrachte, als auch jene, die man von ihm erwartete.
Und so scherte er sich schon seit geraumer Zeit weder um das eine noch um das andere. Dieses Mal allerdings fühlte er sich mehr geschmeichelt, als er selbst erwartet hatte, kam die Anerkennung doch nicht von den Gastronomiekritikern und Gästen, sondern auch von seinesgleichen: In der Jury, die ihn ausgewählt hatte, waren Küchenchefs aus der ganzen Welt vertreten.
World's best chief in the artistic category. Für jemanden wie ihn, der sich, mit sechsunddreißig Jahren, für seine Besessenheit ausgezeichnet sah, seine Ruhelosigkeit, sein inneres Rebellieren, das sich stets am Rande der Missachtung gesellschaftlicher Normen und der political correctness bewegte, war das, was seit einiger Zeit vor sich ging, äußerst verblüffend. Nie hatte Gaspard klein beigegeben; lange hatte er seine Ungeduld zügeln, immer wieder Durststrecken überwinden müssen, doch er hatte sich unbeirrbar und mit blindem Vertrauen den schmalen, ungewissen Grat entlanggetastet. Sein erster durch den berühmten roten Restaurantführer verliehener Stern hatte ihn in Erstaunen versetzt. Den zweiten hatte er erwartet, wenn auch mit gewisser Skepsis. Der dritte kam wie ein Weihnachtsgeschenk hereingeschneit. Mal wurde er zum Skandalon hochstilisiert, dann wieder zum Genie. Und das war weder gelogen noch die Wahrheit: Gaspard passte das ausgezeichnet, und dem Restaurantführer, der bei seiner letzten Ausgabe einen leichten Rückgang der Verkaufszahlen verbuchen musste, war die Chance, sein Image innerhalb kürzester Zeit neu aufzupolieren, mehr als gelegen gekommen.
Ohne Violaine de Blancseing, seiner PR-Assistentin, hätte das alles ganz anders ausgesehen. Sie hatte es verstanden, das Ganze in seinem Sinne zu nutzen, denn solche Spielereien langweilten ihn zu Tode.
Es gibt Frauen, die man nur aus der Ferne betrachtet. Bei denen einem selbst der Gedanke an einen Wangenkuss außerhalb jeglicher Vorstellungskraft scheint.
Violaine, dies blonde Gift, hatte ihm Schwindel verursacht wie ein Glas Wein auf nüchternen Magen. Er hatte sich ihr mit den Schlichen eines Indianers genähert, bäuchlings hinter den Dünen heranrobbend. Ein Indianer, der, am Fluss angekommen, seinen Kopf hebt und sieht, wie die Soldaten die Waffen fallen lassen, um ihm voller Hochachtung zu applaudieren.
Zwischen seinem dritten Stern und ihrer Hochzeit war nicht mehr als ein Monat vergangen.
Der Himmel über New York war fahl, flirrender Staub und die Neonlichter des Flughafens überdeckten den Sternenglanz, als Gaspard, schäumend vor Wut, am Abend zuvor in die Boing gestiegen war.
Seine Auszeichnung hatte er nicht erhalten. Die weiße Limousine, die ihn am Hoteleingang erwartete, hatte nicht Manhattan angesteuert. Der Portier des Hotel Pierre hatte ihm nicht die Tür aufgehalten, der Gepäckjunge hatte nicht seinen Koffer auf den goldenen Wagen gelegt; er hatte nicht in einer Dampfwolke geduscht, seinen Smoking nicht übergestreift und auch seine Rede nicht gehalten.
Der Traum platzte bei der Einreise. Ein schärferer Ton war angeschlagen worden, Gaspard verstand nicht, was man von ihm wollte. Er war müde, angespannt, genervt. Ein gefährlicher Cocktail für jeden x-Beliebigen, ohne Zweifel, doch fatal für eine so reizbare Person wie ihn. Und bereits kurze Zeit später hatte er sich in einer Isolierzelle wiedergefunden.
Er hatte von ähnlichen Fällen bereits gehört. Doch wie man mit ihm umgesprungen war, verdutzte ihn noch immer. In einer schnellen, sauberen Aktion hatte man ihn in das erstbeste Flugzeug zurück nach Paris verfrachtet. Auf seine Kosten selbstverständlich. Und obwohl er in seiner Hosentasche ein Rückflugticket erster Klasse für die kommende Woche hatte, war er weniger als vierundzwanzig Stunden nach seinem Abflug aus Paris schon wieder auf dem Heimweg - in der Economy Class.
Eine dumpfe Wut legte sich ihm auf seinen zu lange schon leeren Magen. Bereitwillig nahm er eine Tasse faden Tee und ein Madeleine von einer erschöpften, doch freundlichen Stewardess entgegen. Nicht selten zog er durch sein ansprechendes Äußeres die Aufmerksamkeit von Frauen auf sich. Auch die Stewardess trug keine Scheuklappen. Sie musterte ihn und gab ihm anschließend, aus Mitleid mit seinem großen, unbequem in einen kleinen Sitz gezwängten Körper, einen anderen Platz in der Reihe vor den Notausgängen. So klemmten zumindest seine Knie nicht länger unter seinem Kinn. Glich Gaspard für gewöhnlich einem großen, etwas zerzausten Teddybär, wirkte er in diesem Moment, mit seinen zerwühlten Haaren und wutschnaubend wie er war, eher beängstigend.
Was für eine verrückte Geschichte! Erschöpft, wie er war, hatte er nur noch einen einzigen Wunsch: unter seine Bettdecke zu schlüpfen, die Arme um seine Frau zu schlingen, seine Nase in ihrem Nacken zu vergraben und ihren Geruch einzuatmen.
Sie würde sich zu ihm drehen, ohne dabei die Augen zu öffnen. Ah, sich einfach nur fallen lassen und alles vergessen!
Die schöne, elegante Violaine - jene Art von Frau, die alle zehn Jahre gerade mal fünf Minuten allein ist - hatte vor einem Jahr die sonderbare Idee gehabt, sich Hals über Kopf in ihn zu verlieben. Bis heute konnte er es noch immer nicht fassen, dass sie inzwischen seine Frau war.
Er steckte den Schlüssel ins Schloss, noch immer außer Atem von der Treppe, die er hinaufgehastet war, und betrat die Wohnung. Drinnen war es stockfinster. Die schweren Vorhänge waren zugezogen, das Licht am Eingang gelöscht. Eilig schleuderte er sein Gepäck in die Garderobe und begann sich auszuziehen, während er noch ging. Ein Kleidungsstück nach dem anderen ließ er auf seinem Weg durch die Wohnung zu Boden gleiten; das Schlafzimmer erreichte er mit nichts weiter am Leib als seinen heruntergekrempelten Socken sowie einem Schuh, den er sich mühsam abzustreifen versuchte, während er auf einem Bein balancierte.
Wie ein Labrador, der mit angelegten Ohren und hängender Zunge an einem menschenleeren Strand den Wellen hinterherjagt.
Angefangen hatte alles am Vortag in New York. Voller Stolz war er dort angekommen, die Brust derart geschwellt, dass ihm das Atmen schwerfiel, ohne dabei die Knopfleiste seines Hemds zum Bersten zu bringen. Ein Knopf war ihm tatsächlich bereits im Flugzeug in die vordere Reihe gehüpft und im dicken Teppichboden der First Class abhanden gekommen.
Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte er sich beeilen müssen, um im Hotel noch zu duschen und sich umzuziehen. Anschließend hätte er den Abend, der ihm zu Ehren ausgerichtet werden sollte, mit einer in mühsamem Englisch genuschelten Dankesrede eröffnet. Er hätte sich auf einem erleuchteten Podium wiedergefunden, bekleidet mit einem Smoking - von Dior -, schwarzer Krawatte und makellosem Plastron, die Schuhe derart auf Hochglanz poliert, dass sich sein Gesicht darin spiegelte.
Er sollte die Auszeichnung 'Küchenchef des Jahres, Kategorie Kreativität' erhalten oder besser gesagt world's best chief in the artistic category, wie
es auf der Einladungskarte in goldenen Lettern gedruckt stand.
Sein eigentlicher Name, Philippe Coimbra, wurde nur noch in offiziellen Dokumenten wie diesem verwendet. Zunächst nur für seine Freunde, später auch für alle anderen, war er einfach nur Gaspard. Bereits in der Grundschule hatte man ihn nach diesem Kobold benannt, weil er sich bei Auseinandersetzungen als wahrer Streithammel gebärdete und schnell in Rage geriet. Er machte seinem Namen alle Ehre, war er doch in der Tat leicht aufbrausend. Ihn zu etwas zu bringen, was nicht hundertprozentig seinem Willen entsprach, war aussichtslos. Für gewöhnlich versuchte er zunächst, sich aus einer Sache herauszuwinden; wollte es ihm nicht gelingen zu entwischen, ging er zum Angriff über. Hinzu kam, dass er nichts mehr verabscheute, als Etikette, aufgesetzte Höflichkeiten und Anbiederungen. Sowohl jene, die man ihm entgegenbrachte, als auch jene, die man von ihm erwartete.
Und so scherte er sich schon seit geraumer Zeit weder um das eine noch um das andere. Dieses Mal allerdings fühlte er sich mehr geschmeichelt, als er selbst erwartet hatte, kam die Anerkennung doch nicht von den Gastronomiekritikern und Gästen, sondern auch von seinesgleichen: In der Jury, die ihn ausgewählt hatte, waren Küchenchefs aus der ganzen Welt vertreten.
World's best chief in the artistic category. Für jemanden wie ihn, der sich, mit sechsunddreißig Jahren, für seine Besessenheit ausgezeichnet sah, seine Ruhelosigkeit, sein inneres Rebellieren, das sich stets am Rande der Missachtung gesellschaftlicher Normen und der political correctness bewegte, war das, was seit einiger Zeit vor sich ging, äußerst verblüffend. Nie hatte Gaspard klein beigegeben; lange hatte er seine Ungeduld zügeln, immer wieder Durststrecken überwinden müssen, doch er hatte sich unbeirrbar und mit blindem Vertrauen den schmalen, ungewissen Grat entlanggetastet. Sein erster durch den berühmten roten Restaurantführer verliehener Stern hatte ihn in Erstaunen versetzt. Den zweiten hatte er erwartet, wenn auch mit gewisser Skepsis. Der dritte kam wie ein Weihnachtsgeschenk hereingeschneit. Mal wurde er zum Skandalon hochstilisiert, dann wieder zum Genie. Und das war weder gelogen noch die Wahrheit: Gaspard passte das ausgezeichnet, und dem Restaurantführer, der bei seiner letzten Ausgabe einen leichten Rückgang der Verkaufszahlen verbuchen musste, war die Chance, sein Image innerhalb kürzester Zeit neu aufzupolieren, mehr als gelegen gekommen.
Ohne Violaine de Blancseing, seiner PR-Assistentin, hätte das alles ganz anders ausgesehen. Sie hatte es verstanden, das Ganze in seinem Sinne zu nutzen, denn solche Spielereien langweilten ihn zu Tode.
Es gibt Frauen, die man nur aus der Ferne betrachtet. Bei denen einem selbst der Gedanke an einen Wangenkuss außerhalb jeglicher Vorstellungskraft scheint.
Violaine, dies blonde Gift, hatte ihm Schwindel verursacht wie ein Glas Wein auf nüchternen Magen. Er hatte sich ihr mit den Schlichen eines Indianers genähert, bäuchlings hinter den Dünen heranrobbend. Ein Indianer, der, am Fluss angekommen, seinen Kopf hebt und sieht, wie die Soldaten die Waffen fallen lassen, um ihm voller Hochachtung zu applaudieren.
Zwischen seinem dritten Stern und ihrer Hochzeit war nicht mehr als ein Monat vergangen.
Der Himmel über New York war fahl, flirrender Staub und die Neonlichter des Flughafens überdeckten den Sternenglanz, als Gaspard, schäumend vor Wut, am Abend zuvor in die Boing gestiegen war.
Seine Auszeichnung hatte er nicht erhalten. Die weiße Limousine, die ihn am Hoteleingang erwartete, hatte nicht Manhattan angesteuert. Der Portier des Hotel Pierre hatte ihm nicht die Tür aufgehalten, der Gepäckjunge hatte nicht seinen Koffer auf den goldenen Wagen gelegt; er hatte nicht in einer Dampfwolke geduscht, seinen Smoking nicht übergestreift und auch seine Rede nicht gehalten.
Der Traum platzte bei der Einreise. Ein schärferer Ton war angeschlagen worden, Gaspard verstand nicht, was man von ihm wollte. Er war müde, angespannt, genervt. Ein gefährlicher Cocktail für jeden x-Beliebigen, ohne Zweifel, doch fatal für eine so reizbare Person wie ihn. Und bereits kurze Zeit später hatte er sich in einer Isolierzelle wiedergefunden.
Er hatte von ähnlichen Fällen bereits gehört. Doch wie man mit ihm umgesprungen war, verdutzte ihn noch immer. In einer schnellen, sauberen Aktion hatte man ihn in das erstbeste Flugzeug zurück nach Paris verfrachtet. Auf seine Kosten selbstverständlich. Und obwohl er in seiner Hosentasche ein Rückflugticket erster Klasse für die kommende Woche hatte, war er weniger als vierundzwanzig Stunden nach seinem Abflug aus Paris schon wieder auf dem Heimweg - in der Economy Class.
Eine dumpfe Wut legte sich ihm auf seinen zu lange schon leeren Magen. Bereitwillig nahm er eine Tasse faden Tee und ein Madeleine von einer erschöpften, doch freundlichen Stewardess entgegen. Nicht selten zog er durch sein ansprechendes Äußeres die Aufmerksamkeit von Frauen auf sich. Auch die Stewardess trug keine Scheuklappen. Sie musterte ihn und gab ihm anschließend, aus Mitleid mit seinem großen, unbequem in einen kleinen Sitz gezwängten Körper, einen anderen Platz in der Reihe vor den Notausgängen. So klemmten zumindest seine Knie nicht länger unter seinem Kinn. Glich Gaspard für gewöhnlich einem großen, etwas zerzausten Teddybär, wirkte er in diesem Moment, mit seinen zerwühlten Haaren und wutschnaubend wie er war, eher beängstigend.