
Der schöne Tod
Stauffers vierter Fall
Roger Graf(Author)
Vidal Verlag
1st Edition
Published in October 2014
Book
416 pages
978-3-9523734-8-4 (ISBN)
Description
Im Zürcher Sihlwald entdeckt ein Passant die Leiche eines jungen Mannes. Der Tote sieht aus, als hätte er sich für eine kurze Rast hingesetzt. Die Ermittlungsgruppe um Damian Stauffer findet schnell heraus, dass der Mörder sein Opfer erst nach der Tat sorgfältig an den Baum gesetzt hat. Die Spuren führen Damian Stauffer und sein Team fünf Tage lang kreuz und quer durch die Schweiz und schließlich auch nach Holland, wo eine junge Frau tot aufgefunden wurde. Die verblüffende Parallele: Auch diese Leiche wurde nachträglich hingesetzt.
More details
Language
German
Place of publication
Winterthur
Switzerland
Dimensions
Height: 13.6 cm
Width: 21.6 cm
Weight
597 gr
ISBN-13
978-3-9523734-8-4 (9783952373484)
Schweitzer Classification
Person
Roger Graf ist Autor mehrerer Kriminalromane, Hörspiele und Theaterstücke.
Eine Auswahl davon:
Die haarsträubenden Fälle des Philip Maloney (Hörspielserie)
Zürich bei Nacht
Tanz an der Limmat
Kurzer Abgang
Die Frau am Fenster (1. Damian Stauffer-Krimi)
Der Mann am Gartenzaun (2. Damian Stauffer-Krimi)
Die rechte Hand (3. Damian Stauffer-Krimi)
Der schöne Tod (Stauffers vierter Fall), Vidal Verlag
Content
1.
Die Leiche war an einer Bahnstation außerhalb der Stadt entdeckt worden. Um 6 Uhr wurde Stauffer darüber informiert. Zwanzig Minuten später war er in seinem Wagen unterwegs. Er kannte den Weg, da man vor einigen Jahren durch das Sihltal fahren musste, wenn man Richtung Gotthard fuhr. Eine neue Autobahnverbindung entlastete die Strecke mittlerweile stark. Als er das Haus verlassen hatte, hatte er skeptisch nach oben geschaut. Dunkle Wolken verhießen nichts Gutes. Stauffer mochte keine verregneten Tatorte. Es war keine Woche her, als er kurz nach Mitternacht an den Ort einer Messerstecherei gerufen wurde. Ein junger Türke war schwer verletzt vor einem Nachtklub aufgefunden worden. Als Stauffer eintraf, regnete es in Strömen und die Polizisten vor Ort versuchten, so gut es ging, den Tathergang zu rekonstruieren. Zwei Tage später konnte der Täter, anhand von Zeugenaussagen und Ermittlungen im Umfeld des Opfers, ausfindig gemacht werden. Stauffer kam damals um 3 Uhr morgens völlig durchnässt nach Hause und befürchtete, dass er sich erkältet haben könnte, was dann aber doch nicht der Fall war. Die Meteorologen suchten seit Wochen verzweifelt eine stabile Hochdrucklage. Bis dahin blieb es nur im Tessin und im Wallis einige Tage am Stück schön und warm. Immerhin gab es meteorologische Indizien, dass sich dies am Wochenende ändern könnte. Im Radio wurde berichtet, dass es derzeit keine Verkehrsbehinderungen in der Schweiz gab, was Stauffer mit einem Kopfnicken quittierte. Als er in der Brunau auf die Autobahn fuhr, war es zwanzig vor sieben. Auf der Gegenfahrbahn war einiges los, Pendler fuhren in die Stadt, nur wenige waren in die andere Richtung unterwegs. Noch bevor er losgefahren war, hatte er Wenger und Locher eine Kurzmitteilung geschickt. Jetzt meldete sich Wenger. Da Stauffer noch nicht wusste, was genau vorgefallen war, überließ er es seinem Kollegen, ob er sich sofort auf den Weg machen wollte. Stauffer bog von der Autobahn ab auf die Straße, die nach Adliswil und danach ins Sihltal führte. Als sein Handy klingelte, drückte er den Knopf der Freisprecheinrichtung.
'Bei der S-Bahn-Station?', fragte Locher.
'Ja, der Tote wurde dort gefunden.'
'Ist es gesichert, dass es was für uns ist?'
'Scheint so', sagte Stauffer.
'Sind die anderen auch informiert?'
'Vorerst nur du und Walter. Sobald wir mehr wissen, schauen wir weiter.'
'Ich kann in einer halben Stunde da sein.'
'Ja, das ist gut.'
Er glaubte, in Tanja Lochers Stimme Freude herauszuhören. Sie bearbeitete seit Wochen zwei ältere Fälle und wie so oft, gab es keinerlei neue Erkenntnisse, was sie ihm vor zwei Tagen mit deutlichem Frust offengelegt hatte. Den anderen erging es nicht besser. Wenigstens hatten sie bei einem Mordfall, der acht Jahre zurücklag, einen neuen Zeugen gefunden, dessen Aussagen blieben allerdings widersprüchlich. Bei einem anderen Fall war Wenger auf einen möglichen Zusammenhang mit einer Einbruchserie gestoßen. Das war nicht viel, aber jede Kleinigkeit konnte irgendwann zur Aufklärung eines Verbrechens beitragen. Dazu kamen zwei Beziehungsdelikte, die üblichen Streitereien mit tödlichem Ausgang und ein Selbstmord, der ratlose Angehörige zurückließ, bis ein Abschiedsbrief gefunden wurde, aus dem hervorging, dass der 60-jährige Mann davon ausging, an Alzheimer erkrankt zu sein. Der Mann hatte den Abschiedsbrief in sein eigenes Postfach gelegt. Als Stauffer auf der kurvenreichen Strecke fuhr, sah er einen Wagen, der in einer schmalen Einfahrt stand, die Hecktür geöffnet, die Ablage mit schwarzen Abfallsäcken gefüllt. Er versuchte im Rückspiegel den Fahrer zu sehen, doch in der nächsten Kurve verlor er den Wagen aus dem Blickwinkel. Er glaubte sich daran zu erinnern, dass vor vielen Jahren eine Leiche im Sihlwald gefunden worden war. Als er darüber nachdachte, war er sich plötzlich nicht mehr sicher. Mit den Jahren werde ich eine ganze Landkarte voller Leichen gespeichert haben, dachte er. Ihm fiel ein, dass er mit Mirjam auch schon diese Strecke gefahren war. Damals hatten sie sich vorgenommen, später den großen Wildpark zu besuchen. Doch wie bei vielen Sehenswürdigkeiten blieb es beim Vorsatz. Ob es daran lag, dass man in Gedanken bereits einmal dort war? Er sah Mirjam vor sich, als sie ihm eröffnete, Rahel während ihres Aufenthaltes in England zu begleiten. Eine Mutter, die ihre Tochter beim Auslandaufenthalt begleitet, hatte er lachend erwidert. Mirjam schien das nicht seltsam zu finden. Rahel habe die Idee sogar richtig gut gefunden. Vier Wochen Sprachschule, während Mirjam die Zeit nutzen würde, alte Bekannte zu treffen. Stauffer wusste von Mirjams Freunden in England, dennoch war er überrascht, dass sie gleich einen Monat weg wollte. Ohne ihn zu fragen, ob er mitkommen würde. Was natürlich sowieso nicht infrage kam, aber immerhin eine Erwähnung wäre es wert gewesen. Erst am nächsten Tag fragte sie ihn, ob er sie an einem Wochenende besuchen komme, was er sofort bejahte. Er wunderte sich erneut, wie selbstverständlich Mirjam in ein Flugzeug zu steigen bereit war, obwohl ihr Ehemann bei einem Absturz ums Leben gekommen war. Er wusste nicht, wie er sich verhalten würde. Flugangst kannte er nicht, aber wenn man derart unmittelbar mit einem Flugzeugcrash konfrontiert wurde, konnte das durchaus ein Trauma verursachen. Stauffer sah die Schilder, die auf den Wildpark und den Parkplatz hinwiesen und er sah den Sihltalbahnhof. Ein Schild wies auf einen Campingplatz hin, Stauffer konnte jedoch nicht erkennen, wo sich der Platz befand. Als er abbog, wunderte er sich. Weit und breit konnte er keine Einsatzfahrzeuge ausmachen, der Parkplatz war leer, nur vor dem Restaurant entdeckte er zwei Fahrzeuge. Hatte ihm der Einsatzleiter nicht gesagt, dass die Leiche in der Nähe des Bahnhofs gefunden worden war? Er stellte den Wagen ab und stieg aus. Es war kühl, aber da kein Wind ging, nicht unangenehm. Stauffer fiel die Stille auf, die nur durch wenige vorbeifahrende Autos gestört wurde. Er schaute sich um, sein erster Eindruck bestätigte sich, hier gab es keinen Einsatz. Er suchte auf dem Handy die Nummer des letzten Anrufers und hätte beinahe Wengers Anschluss gewählt. Er überlegte, wie der Einsatzleiter hieß, und ärgerte sich darüber, dass er die Nummer nicht mitsamt dem Namen abgespeichert hatte. Hoffentlich meldet er sich mit Namen, dachte er.
'Traber.'
'Stauffer', sagte er erleichtert. 'Wo seid ihr?'
'Bist du unterwegs?'
'Ich bin beim Bahnhof.'
'Beim Bahnhof?'
'Beim Wildpark.'
'Ach so.'
'Was, ach so?'
'Es gibt ein Platzproblem', sagte Traber.
'Ja?'
'Der Fundort ist auf einem kleinen Parkplatz. Wir haben die rechte Fahrbahn gesperrt.'
'Wo ist dieser Parkplatz?'
'Etwa zwei Kilometer vom Wildpark entfernt.'
'Was ist mit Locher? Ist sie schon bei euch?'
'Nein. Wie gesagt, es gibt ein Platzproblem.'
'Soll ich wieder umkehren?', fragte Stauffer verärgert.
'Kannst du vielleicht deine Leute beim Bahnhof einsammeln und mit ihnen in einem Wagen weiterfahren?'
'Ich weiß nicht, wann sie da sind. Ich möchte keine Zeit verlieren.'
'Ja. Verstehe. Wir machen das so, ich werde sie abholen lassen. Dauert keine fünf Minuten. Gibst du ihnen Bescheid?'
Stauffer willigte ein, noch immer verärgert. Er tippte eine Kurzmitteilung, die er an Wenger und Locher verschickte, danach lenkte er den Wagen zurück auf die Straße. Nach kurzer Fahrt sah er eine Polizistin, die ihn anwies anzuhalten. Es gab wenig Gegenverkehr, trotzdem dauerte es lange, bis ihm erlaubt wurde, auf die Gegenfahrbahn zu wechseln. Er fuhr im Schritttempo an den Einsatzwagen vorbei, die wie an einer Schnur vor dem Parkplatz aufgereiht standen. Auf dem Platz war nur ein Wagen geparkt. Der Lenker hinter ihm betätigte die Lichthupe, doch Stauffer ließ sich nicht beirren. Am Ende der Fahrzeugreihe angelangt, stellte er sein Auto ab, ohne den nervösen Lenker hinter sich weiter zu beachten.
Als er ausstieg, sah er Polizisten, die damit beschäftigt waren, die Umgebung abzusuchen. Es machte alles einen gut organisierten Eindruck. Er sah, dass auf dem Parkplatz Reifenspuren markiert waren. Die Polizisten gingen auf schmalen Brettern, die behelfsmäßig als Weg dienten. Ein Uniformierter kam auf ihn zu und es schien, als würde er Stauffer nicht sofort erkennen. Dann drehte sich der Uniformierte um und ging zu einem groß gewachsenen Mann, der in ein Walkie-Talkie sprach. Stauffer erkannte Traber, auch wenn er ihn nicht ganz so dünn in Erinnerung hatte. Er sah drahtig wie ein Sportler aus, vielleicht Triathlon, mutmaßte Stauffer.
'Willst du ihn gleich sehen?', fragte Traber.
'Zuerst die Zusammenfassung', sagte Stauffer.
'Um halb sechs hielt ein Personenwagen an. Der Mann hatte eine volle Blase, offenbar kennt er sich hier aus und war schon öfter auf dem Parkplatz. Er sah ein Motorrad. Da drüben.' Traber zeigte nach links. Stauffer sah, wie Kriminaltechniker an einem roten Motorrad Spuren sicherstellten. 'Der Mann schaute sich um und sah einen Mann, der vor einem Baum saß.'
'Ja?', fragte Stauffer.
'Er dachte, dass der Mann betrunken war oder schlief. Wegen des starken Drucks auf der Blase und weil er an dem Mann vorbei wollte, machte er sich bemerkbar, aber der Mann reagierte nicht. Als er näherkam, sah er die vielen Fliegen, sowie die geöffneten Augen und die seltsame Gesichtsfarbe. Dann rief er die Polizei.'
'Bevor oder nachdem er sich erleichterte?'
'Was?'
'Er hatte einen starken Druck auf der Blase.'
'Ich weiß nicht, vielleicht war der weg, nachdem er die Leiche gesehen hatte.'
'Ist der Mann noch hier?'
'Ja. Er sitzt in seinem Wagen.'
'Gut. Ich will nachher mit ihm reden. Wo ist der Tote?'
'Da oben.'
Stauffer sah eine Fahrverbotstafel, darunter stand Waldstraße. Er sah einen breiten Weg, der nach oben in den Wald führte. Auf der rechten Seite stand das Zelt, direkt vor einem Baum.
'Von der Straße aus konnte man die Leiche nicht sehen.'
Traber zeigte zur Straße.
'Müssen hier so viele Wagen rumstehen?', fragte Stauffer.
'Es sind alle so abgestellt, dass der Parkplatz frei ist. Wir sichern Reifenprofile. Allerdings war der erste Wagen, der vor Ort war, ein wenig ungestüm und ist direkt auf den Platz gefahren.'
'Ein ungestümer Wagen?', fragte Stauffer.
'Ein junger Kollege. Aber er hat sogleich alles gesichert und die eigenen Reifenabdrücke markiert.'
'Vorbildlich', sagte Stauffer sarkastisch. Am Waldrand lag ein alter Autositz, daneben anderer Unrat. 'Ich will hochauflösende Fotos von allem.'
'Wir machen Videoaufnahmen.'
'Ja, aber Fotos sind wichtig, Details erkennt man nur auf Fotos.'
Traber nickte. Sie gingen auf das Zelt zu, das vorne offen stand. Stauffer sah eine Frau, die am Boden kniete. Als sie sich erhob, sah er den Toten. Tatsächlich sah er aus, als hätte er sich müde oder betrunken an einen Baumstamm gelehnt. Sein Kopf war nach vorne geneigt, die Augen geöffnet. Stauffer verscheuchte Fliegen.
'Er ist erwürgt worden', sagte Traber und tippte der Frau an den Arm.
'Mit einem Seil oder etwas Ähnlichem', sagte die Frau, ohne sich Stauffer vorzustellen. Sie trug eine modische Brille mit bordeauxfarbenem Rand, der den Farbton ihrer Haare wiedergab. 'An der Schläfe hat er zudem eine Platzwunde. Vermutlich wurde er zuerst niedergeschlagen.'
'Gibt es Schleifspuren?', fragte Stauffer.
'Keine offensichtlichen.'
Er überlegte, was das bedeuten konnte. Gab es Schleifspuren, die man nicht sah, aber mithilfe technischer Geräte sichtbar machen konnte?
'Sieht aus, als ob man ihn ganz bewusst so hingesetzt hat', sagte Traber.
Stauffer ging einen Schritt zurück. Es war der erste größere Baum, wenn man vom Parkplatz die Waldstraße raufging. Wenn man die Leiche verstecken wollte, hätte man sie weiter oben platzieren müssen. Jeder, der auf den Parkplatz fuhr, hätte den Toten früher oder später bemerkt.
'Was denkst du?', fragte Traber.
'Das Motorrad', sagte Stauffer.
'Wir wissen noch nicht, ob es ihm gehört.'
'Es ist sorgfältig abgestellt.'
'Was?'
'Er hat sich etwas dabei gedacht.'
'Wer?'
Stauffer realisierte erst jetzt, dass Traber seine Äußerungen als Teil einer Unterhaltung verstand.
'Ich denke nur nach.'
'Verstehe', sagte Traber und Stauffer konnte deutlich heraushören, dass er überhaupt nichts verstand. Wo bleibt Tanja, dachte er. Ich brauche jetzt Leute, die die richtigen Fragen stellen. Erleichtert griff er zum klingelnden Handy. Locher war eingetroffen, Wenger würde in einer halben Stunde folgen. Er fragte Traber, ob er Locher abholen könne, so wie das ausgemacht war.
'Ich organisiere das', sagte er leicht pikiert. Stauffer ignorierte den Unterton. Er sah nicht ein, weshalb man an einem Tatort auf jedes Ego Rücksicht nehmen sollte. Er wandte sich der Ärztin zu, die auf ihn einen angenehm professionellen Eindruck machte.
'Wie lange ist er schon tot?'
'Ein paar Stunden. Wahrscheinlich zwischen Mitternacht und 3 Uhr morgens.'
Stauffer bückte sich und schaute in das Gesicht des Toten. Ein junger Mann mit ungepflegten Haaren, schlecht rasiert.
'Wie viel Kraft benötigt man, um jemanden mit einem Seil zu erwürgen?'
'Kommt drauf an. Wir wissen nicht, ob er sich wehrte. Ob er dazu in der Lage war. Und die Technik spielt eine Rolle.'
'Die Technik?', fragte Stauffer.
'Ein ruckartiges Ziehen kann einen Effekt wie beim Erhängen haben, langsames Zuziehen dauert viel länger, wichtig ist auch, ob das Opfer versuchte, eine Hand zwischen Hals und Schlinge zu bringen.'
Sie machte ihm vor, wie man versuchen konnte, den Würgemechanismus zu bremsen. Stauffer nickte und blickte auf die Hände des Toten.
'Es gibt dafür keine Anzeichen', sagte die Ärztin.
Er konnte sich nicht wehren oder er hat sich nicht gewehrt, dachte Stauffer. War das überhaupt möglich? Würde nicht jeder instinktiv versuchen, die Schlinge zu lockern?
'Die Platzwunde?', fragte Stauffer.
'Oberhalb der Schläfe. Kann durchaus einen Knock-out-Effekt bewirken.'
Knock-out-Effekt. Gab es dafür kein deutsches Wort? Stauffer verwarf den Gedanken. Knock-out-Effekt gefiel ihm gut.
'Sie arbeiten bei der Gerichtsmedizin?', fragte er.
'Nur vorübergehend.'
Sie lächelte. Stauffer fand, dass man der Ärztin sofort einen langfristigen Vertrag anbieten sollte.
'Ich bin Damian Stauffer.'
'Ich weiß', sagte die Ärztin, ohne ihren Namen zu nennen. Ehe Stauffer etwas erwidern konnte, nahm sie einen Anruf entgegen. Ihr Name klang fremd, Stauffer war sich nicht sicher, dass er ihn richtig mitbekam. Er ging einige Schritte zurück, die Ärztin schüttelte den Kopf, als wolle sie ihm sagen, dass es sie nicht störte, wenn er mithörte. Er lächelte und zeigte nach links, ehe er weiterging. Nur wenige Meter weiter oben befand man sich an einem anderen Ort. Ihm fiel sofort die Ruhe auf, die Straße nahm man kaum noch wahr. Der Waldboden dämpfte die Schritte, zwischen den lichten Baumreihen wuchsen Sträucher. Stauffer sah sich um, entdeckte mehrere Bäume, die jenem ähnlich sahen, vor dem die Leiche lag. Warum nicht hier? Als er ein Geräusch hörte, drehte er sich um und sah, wie sich Traber näherte, eine Hand nach oben haltend.
'Deine Leute sind jetzt da.'
'Wenger auch?'
'Ja.'
Stauffer lächelte und ging zurück zum Zelt. Vermutlich würde Walter Wenger sofort begreifen, dass es sich um einen komplizierten Fall handelt, wenn er den Leichenfundort inspiziert hatte. Wenn man am Tatort Fragezeichen aussteckte, wäre der Platz voll davon, dachte Stauffer. Genau das Richtige für Wenger.
2.
Stauffer wartete, bis ein Wagen anhielt und er sah, wie Locher und Wenger ausstiegen. Er ging ihnen entgegen und fasste zusammen, was er wusste. Wenger drehte sich in alle Richtungen, während Tanja Locher nach oben zum Zelt schaute.
'Von hier sieht man das Zelt, was aber ist mit der Leiche?', fragte Wenger. 'Würde man sie vom Parkplatz aus sehen?'
Wenger ging bis an den Rand des Platzes und blieb neben dem Müll stehen.
'Er ist an den Baum angelehnt, die Beine nach oben ausgerichtet', sagte Locher. 'Weder von hier noch von der Straße aus konnte man die Leiche sehen.'
'Das ist raffiniert', sagte Wenger.
'Er wurde ganz bewusst da hingelegt', mutmaßte Locher.
'Gesetzt', sagte Stauffer. 'Er lehnt am Baum.'
'Das könnte wichtig sein', sagte Wenger.
'Vielleicht war es die einfachste Variante', sagte Locher. 'Der oder die Täter wollten nicht, dass die Leiche von der Straße oder vom Parkplatz aus entdeckt werden konnte.'
'Was ist mit den Baumstämmen?', fragte Wenger und ging einige Schritte. Auf der linken Seite, schräg gegenüber dem Leichenfundort, lagen fünf gefällte Baumstämme. 'Man hätte die Leiche auch hinter die Baumstämme legen können.'
Stauffer nickte.
'Oder weiter oben', sagte Locher.
'Ja', sagte Stauffer. 'Nur einige Meter weiter oben gibt es verschiedene Möglichkeiten. Verscharren der Leiche wäre auch möglich gewesen.'
'Das spricht dafür, dass es nur einen Täter gibt', sagte Locher.
'Ja, eher', sagte Wenger. 'Aber wir wissen nicht genug. Es kann unterschiedliche Gründe geben, weshalb der Tote genau da liegt.' Er zeigte auf das Zelt.
'Wenn er mitten in der Nacht ermordet wurde, stellt sich die Frage, was er hier suchte', sagte Locher. 'Ist es nachts hier nicht stockfinster?'
'Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Leiche nicht weiter oben abgelegt wurde', vermutete Wenger.
'Ja', sagte Stauffer. 'Wir sollten uns den Parkplatz nachts anschauen. Wenn wir bis dahin noch ohne Idee sind, wer der Täter sein könnte.'
'Hat man den Halter des Motorrades schon ermittelt?', fragte Locher.
'Vielleicht hat er es entwendet?', spekulierte Wenger.
'Das werden wir bald wissen', sagte Stauffer. 'Ich möchte, dass ihr euch den Toten anschaut.'
Wenger und Locher nickten und gingen zum Zelt. Stauffer wollte wissen, was für Eindrücke der Tatort auf sie machte. Unterdessen ging er zu Traber und fragte ihn, ob man etwas über die Identität des Toten hatte.
'Den Halter des Motorrades kennen wir. Martin Keiser. Angemeldet in Zürich. In der Nähe der Allmend. Könnte hinhauen.'
'Ja?' Stauffer wusste nicht, worauf Traber hinauswollte.
'Wenn er in Schwamendingen wohnen würde, wäre die Frage naheliegend, was er nachts hier draußen trieb. Gut, auch wenn er in der Allmend wohnte, darf man sich fragen, weshalb er nachts auf diesem Parkplatz war.'
'Wenn er es tatsächlich ist.'
'Ist das jetzt ein Fall für euch?'
'Ja. Ein Selbstmord oder Unfall kann wohl ausgeschlossen werden.'
'Sieht danach aus.'
'Ich möchte alle Informationen, alles, was ihr hier vorgefunden habt, die Fotos und Videos, alle Spuren, möglichst rasch, damit wir sofort loslegen können.'
'Es gibt Reifenspuren. Da es aber in den vergangenen Wochen regnerisch war, lässt es sich schwer sagen, wie alt die Spuren sind. Wenn ein Wagen allerdings ganz vorne an der Straße abgestellt war, gibt es keine Spuren. Dort ist der Belag fest.'
Er zeigte Richtung Straße. Stauffer nickte.
'Noch was?', fragte Traber, als er bemerkte, dass Stauffer neben ihm stehen blieb.
'Ich überlege.'
Traber nickte und sah verlegen zu Boden, so als wolle er Stauffer nicht weiter stören.
'Warst du als Erster vor Ort?'
'Nein, eine Streife war zuerst da.'
'Was für einen Eindruck hattest du, als du hier ankamst?'
'Mein Eindruck?'
'Was ist dir aufgefallen?'
'Die Leiche. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich meine, er sitzt da am Baum angelehnt. Es sah friedlich aus.'
'Friedlich', sagte Stauffer und nickte.
'Ich finde kein anderes Wort dafür', entschuldigte sich Traber.
'Das ist ein gutes Wort', sagte Stauffer. Ein friedlicher Tatort. Ein Mörder, der sich Mühe gab, einen friedlichen Tatort zu hinterlassen.
'Ich kümmere mich wieder um meine Leute', sagte Traber. Stauffer nickte und fragte nach dem Mann, der den Toten gefunden hatte. Traber zeigte auf einen schwarzen Offroader. Stauffer ging auf den Wagen zu. Er sah einen Mann, der telefonierte. Er sah aus wie ein gepflegter Geschäftsmann, unterwegs zu einem Termin. Als Stauffer ans Fenster klopfte, schaute der Mann ihn fragend an, ehe er die Scheibe nach unten ließ. Stauffer stellte sich umständlich vor. Der Mann machte auf den ersten Blick einen gefassten Eindruck, doch er wirkte blass und seine Hand zitterte, als er ungelenk aus dem Fenster einen Gruß andeutete. Wie auf Knopfdruck erzählte er, was er schon Traber erzählt hatte.
'War Ihnen das Motorrad gleich aufgefallen?', fragte Stauffer.
'Erst als ich anhielt. Nein. Erst als ich ausgestiegen bin, sonst wäre ich vermutlich weitergefahren. Ich sah mich um, konnte aber niemanden sehen, erst als ich da rauf ging. Ich weiß nicht, weshalb ich weiterging, aber ich glaube, ich dachte, der Mann braucht Hilfe. Nein. Ich dachte eigentlich nichts dabei, ich wollte nur an ihm vorbeigehen. Und dann sah ich die Fliegen. Das ist seltsam, wie ein Film, ich kann mir mein eigenes Verhalten nicht erklären. Ist das normal?'
'Es ist nicht normal, dass man einen Toten entdeckt', sagte Stauffer.
'Ich wusste plötzlich, er ist tot. Von da an lief alles automatisch ab. Ich weiß nicht mehr, wie ich zurück zum Wagen kam, und erinnere mich auch nicht daran, die Polizei gerufen zu haben. Erst als der Streifenwagen eintraf, wurde ich wieder, wie soll ich sagen, wach?'
'Sie hatten die ganze Zeit nie das Gefühl, dass noch jemand in der Nähe war?'
Er überlegte und schüttelte den Kopf. Stauffer bedankte sich und ging zurück zum Tatort. Er sah, dass sich Locher und Wenger unterhielten. Er winkte ihnen zu und rief, dass sie nach oben gehen sollten. Die Waldstraße rauf. Da, wo es ruhiger war.
'Eure Eindrücke?', fragte Stauffer.
'Gegensätzlich', sagte Wenger.
'Ja?'
'Brutal und sanft zugleich. Die Tat ist brutal. Sie benötigt Kraft und Wut oder eine starke Motivation. Aber dazu passt nicht, wie die Leiche platziert wurde. Als habe man ihn sanft hingesetzt.'
'Unheimlich', sagte Locher. 'Mein erster Gedanke. Ein unheimlicher Mord.'
'Es könnten mehrere Personen beteiligt gewesen sein', sagte Wenger. 'Einer oder zwei, die ihn töteten, ein Dritter, der den Toten so hinsetzte.'
'Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Tote erst später da hingesetzt wurde', sagte Locher.
'Wie später?', fragte Stauffer.
'Das sieht nach unterschiedlichen Emotionen aus', sagte Locher. 'Unmittelbar nach der Tat würde ein Mörder nicht so handeln.'
'Vorsicht', unterbrach Wenger, 'du gehst von einem normalen Täter aus. Für mich wirkt es wie eine Inszenierung. Oder eine Mitteilung.'
'Glaubst du, Opfer und Täter kannten sich?', fragte Stauffer.
'Schwierig zu sagen. Ich würde sagen, eher nicht.'
Stauffer wartete auf weitere Erläuterungen, doch Wenger schwieg.
'Fürsorglich', sagte Locher unvermittelt. 'Das ist das Wort, nach dem ich gesucht habe. Es schaut für mich fast fürsorglich aus, wie das Opfer an den Baum gelehnt wurde.'
'Ein fürsorglicher Mörder', sagte Stauffer.
'Als würde er die brutale Tat danach bereuen.'
'Lasst uns über den Tatort reden', sagte Wenger.
'Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer zufälligen Begegnung kam?', fragte Locher.
'Es ist Sommer, die Leute sitzen bei schönem Wetter länger draußen', sagte Stauffer.
'Wir haben kein schönes Wetter', sagte Locher lachend.
'Wohl wahr', sagte Stauffer. 'Aber wenn die Sonne durchkommt, ist es warm.'
'Trotzdem', sagte Locher. 'Weiter vorne gibt es ein Restaurant und Parkplätze.'
'Wenn man es weiß', kommentierte Wenger.
'Ein guter Gedanke', sagte Stauffer. 'Wenn er auf dem Motorrad aus der anderen Richtung kam, wusste er möglicherweise nicht, dass es weiter vorne einen größeren Parkplatz gibt.'
'Wir müssen über zwei Leute reden', sagte Wenger. 'Das Mordopfer und den Täter. Dieser Parkplatz wird nachts kaum als Ausflugsziel genutzt.'
'Jemand könnte hier im Auto geschlafen haben', sagte Locher.
'Eine Variante', sagte Wenger. 'Gibt es beim Restaurant vorne nicht einen Campingplatz?'
'Ja', sagte Locher, 'aber dort zu übernachten kostet etwas.'
'Für einen Autofahrer finden wir triftige Gründe, weshalb er hier anhielt', sagte Stauffer. 'Was aber ist mit dem Opfer? Was könnte er für Gründe gehabt haben, mit dem Motorrad hier zu halten?'
'Austreten, um zu pinkeln', sagte Wenger, 'oder keinen Sprit mehr. Das sollten wir überprüfen lassen.'
'Starker Regen', sagte Locher. 'Wenn keine Brücke in der Nähe ist, unter der man Schutz findet, hält man auf einem Parkplatz.
'Wo ist eigentlich der Helm?', fragte Wenger. Stauffer schüttelte verärgert den Kopf. Weshalb hatte er Traber nicht gleich nach dem Helm gefragt? Und überhaupt, trug der Tote Kleidung, die auf einen Motorradfahrer hinwies? Er sagte, dass er den Einsatzleiter fragen würde, und zeigte mit dem Kopf an, dass sie zurück zum Zelt gehen sollten.
'Er könnte auch hungrig oder durstig gewesen sein', sagte Locher.
'Wie beim Täter stellt sich die Frage, weshalb hier und weshalb nicht bei der Bahnstation, wo alles vorhanden ist.'
'Er wollte seine Ruhe haben', sagte Stauffer. 'Oder es war dringend. Vielleicht wurde ihm übel oder er hatte Magenkrämpfe.'
'Das kann bei der Obduktion geklärt werden', sagte Wenger. 'Wir müssen möglichst rasch herausfinden, ob es sich beim Opfer um diesen Martin Keiser handelt, auf den das Motorrad zugelassen ist.'
'Wir fahren nachher gleich hin', sagte Stauffer. Er sah Traber und hob die Hand. Als Traber nicht reagierte, rief er seinen Namen. Er streckte die ausgebreitete Hand in die Höhe, wie wenn er jemand stoppen wollte.
'Ich schaue mir das Gelände an', sagte Wenger und zeigte zur Waldstraße. 'Kann durchaus sein, dass da hinten das Seil rumliegt.'
'Oder irgendwo auf einem Baum', sagte Locher. Wenger schaute sie fragend an.
'Ein Seil verfängt sich in den Ästen. Wer sucht schon in den Baumkronen nach einer Tatwaffe?'
'Kein schlechter Gedanke', sagte Wenger und folgte ihrem Blick.
'Was würde das über den Täter aussagen?', fragte Stauffer.
'Das Seil kann Hinweise auf den Täter liefern', sagte Wenger. 'Wenn er es aber behält, kann es ihn einwandfrei überführen, wenn wir ihm auf die Schliche kommen. Ein intelligenter Täter ist sich dessen bewusst.'
'Ein intelligenter Täter würde das Seil woanders entsorgen', sagte Locher.
'Manchmal machen dumme Menschen am wenigsten Fehler', sagte Wenger. 'Weil sie nicht groß nachdenken. Wer nachdenkt und eine Lösung findet, muss auch über die Konsequenzen der Lösung nachdenken. Das ist alles andere als einfach, wenn man unter Stress steht.'
'Klingt jetzt aber sehr akademisch', sagte Locher. 'Noch haben wir keine Ahnung, ob das Seil entsorgt wurde. Wir wissen noch nicht einmal, ob es ein Seil war.'
'Soll ich alles Weitere mit ihm koordinieren?', fragte Wenger und zeigte auf Traber, der auf dem schmalen Brett balancierte und auf sie zukam.
'Ja. Ich denke, die Leute machen hier einen guten Job. Aber hier ist keiner mit deiner Erfahrung und deinem Wissen.'
Wenger reagierte nicht auf das Kompliment. Sie schwiegen, als Traber sich näherte.
'Du musst entschuldigen, aber es gibt einiges zu organisieren', sagte Traber zu Stauffer.
'Ist schon gut. Es sind weitere Fragen zu klären. Habt ihr einen Motorradhelm gefunden?'
'Nein. Auch keine weiteren Kleidungsstücke. Sollen wir den Müll mitnehmen oder genügt es, wenn wir ihn fotografieren?'
Stauffer überlegte, während Traber fortfuhr.
'Es hat Wasserpfützen auf dem alten Autositz, den jemand entsorgt hat, und die Dosen und Flaschen sehen aus, als würden sie schon länger daliegen.'
'Wir sollten jetzt keinen Fehler machen', sagte Stauffer. 'Packt das Zeug ein und lasst es auf Fingerabdrücke untersuchen.'
'Was ist mit dem Kleinmüll, der hier überall herumliegt? Zigarettenkippen, Verpackungen, Plastikteile.'
'Fotografieren und einsammeln.'
Traber nickte und runzelte gleichzeitig die Stirn.
'Trug der Tote ein Handy bei sich?'
Traber nickte. 'Prepaid.'
'Geld? Führerausweis? Kreditkarten?'
'Habt ihr das noch nicht bekommen?'
'Wovon redest du?'
'Das Portemonnaie, das man bei der Leiche gefunden hat. Hat einer von der Spurensicherung an sich genommen.'
'Wo ist der Mann?', fragte Stauffer verärgert.
'Müsste unten beim Wagen der Spurensicherung sein.'
Stauffer schüttelte den Kopf, verzichtete aber darauf zu fluchen.
'Ich mache das', sagte Locher und ging mit festem Schritt über das Brett.
'Sonst noch was, das für uns wichtig ist?', fragte Stauffer.
'Es sind mindestens zwölf Leute hier und ich muss schauen, dass das einigermaßen koordiniert über die Bühne geht.'
'Schon gut', sagte Stauffer und hob beschwichtigend die Hand. Traber drehte sich weg und ging. Stauffer atmete tief durch und überlegte, wie sie weiter vorgehen sollten. Wenger blieb vorerst am Tatort, er und Locher kümmerten sich um die Identität des Motorradhalters und jemand musste im Polizeipräsidium die Arbeit organisieren. Holzer war längere Zeit weg, Bolliger und Elfie Marthaler waren ebenfalls in den Ferien, blieben Fontini und Herold. Ein Anruf bei der Gasser würde genügen, damit ihm zwei Dutzend Polizisten zugeteilt würden oder mehr, je nachdem, wie sich der Fall in den nächsten Stunden entwickelte. Tanja Locher kam mit einem Plastikbeutel in der Hand zurück.
'We got him', sagte sie.
'Ja?', fragte Stauffer.
'Martin Keiser. Ihm gehört das Motorrad.'
'Das wissen wir bereits.'
'Im Portemonnaie stecken zwei Kundenkarten und ein Ausweis. Hier.'
Sie zeigte Stauffer den Motorradfahrausweis. Er erkannte das Gesicht des Toten.
'Kein Schlüssel?', fragte Stauffer.
'Doch. Den können wir mitnehmen.'
'Gut, dann sollten wir jetzt zu seinem Wohnort fahren.'
'Wer informiert die anderen?', fragte Locher.
'Walter soll sich darum kümmern. Im Moment geht es darum, möglichst viel über das Opfer zu erfahren. Ruf Fontini an und gib ihm Name, Adresse und Geburtsdatum durch.'
Noch während er sprach, wählte sie die Nummer.
'Was machen wir mit den Medien?', fragte sie mit dem Handy am Ohr.
'Vorerst nichts', sagte Stauffer. 'Wir sollten jetzt keine Zeit verlieren.'
Tanja Locher erklärte Manuele Fontini, wo sie sich befanden und was geschehen war. Der Computertechniker hörte aufmerksam zu, und noch während sie sprach, hörte sie, wie er auf der Tastatur tippte. Fontini fragte nach dem Fabrikat des Motorrades, und als Locher zögerte, nannte er ihr Herstellernamen, bis sie ihn unterbrach. Der Computerspezialist galt als brillanter Kopf, aber er war keiner, der sich kurzfassen konnte. Manchmal musste man ihn daran erinnern, was für die Ermittlungen wesentlich war und was nicht.