Erstarrt
Beth Goobie(Author)
CBT (Publisher)
Published on 9. February 2009
Book
Paperback/Softback
128 pages
978-3-570-30528-7 (ISBN)
Description
Sophie wird von ihrem Vater geschlagen - brutal und regelmäßig. Sophie versucht mit allen Mitteln, dieses schlimme Geheimnis zu verbergen .
More details
Language
German
Dimensions
Height: 18 cm
Width: 11.5 cm
ISBN-13
978-3-570-30528-7 (9783570305287)
Schweitzer Classification
Persons
Beth Goobie wurde 1959 im kanadischen Guelph, Ontario geboren. Nach ihrem Highschool-Abschluss studierte sie Psychologie. Sechs Jahre lang arbeitete sie als Psychotherapeutin und half psychisch und sexuell missbrauchten Kindern. Seit 1987 ist sie mehrfach
Content
Larry, mein Freund, brachte mich mit dem Auto nach Hause. Wir kamen von einer Tanzveranstaltung in einer Schule auf der anderen Seite der Stadt. Bei unserem Haus angelangt, hielt er am Straßenrand. Da ich schon längst hätte zu Hause sein müssen, öffnete ich die Tür und wollte aussteigen.
'Hey!', schrie Larry. Wie üblich hatte er die Stereoanlage bis zum Anschlag aufgedreht und die Bässe dröhnten.
'Was ist?', schrie ich zurück und hielt die Tür offen. Ich hatte meinem Vater versprochen, nicht zu spät zu kommen. Er würde wütend sein. Richtig wütend.
Larry verdrehte die Augen und drehte das Radio leiser. 'Na ja, Sophie', meinte er und trommelte nervös mit den Fingern aufs Lenkrad. 'Ich glaube, ich gehe von jetzt an lieber mit Wendy weg. Es ist aus zwischen uns, klar? Ich seh dich in der Schule, und wenn du willst, können wir auch miteinander reden, aber das ist alles. Mach dir keine Hoffnungen, dass ich meine Meinung ändere, denn das werde ich nicht tun.'
Ich saß einfach nur da und starrte ihn an. Die Tatsache, dass er mit mir Schluss machte, kam nicht überraschend. Auch Wendy nicht - schließlich hatte er den ganzen Abend mit ihr getanzt. Ich wusste nur nicht, was ich sagen sollte. So ist das immer. Ich bin einfach nur dumm und langweilig - es lohnt sich nicht, sich mit mir zu unterhalten.
Dumm, dachte ich und sah auf meine Füße. Dummer, nutzloser Niemand.
'Na dann', sagte Larry und ließ den Motor aufheulen. 'Wir sehen uns.'
Dann drehte er die Anlage wieder auf, also stieg ich aus. Ich hatte kaum die Tür zugeworfen, als er auch schon mit quietschenden Reifen losfuhr, die Straße hinunter. Einen Moment lang starrte ich ihm nach. Seit drei Monaten gingen wir miteinander, und ich hatte jeden Tag darauf gewartet, dass er mit mir Schluss machte. Ehrlich gesagt war ich überrascht, dass er so lange gebraucht hatte.
Ich ging zum Haus. Plötzlich öffnete sich die Tür und mein Vater stand da. Er sagte nichts, stand einfach nur da und sah mich an. Sofort lief es mir unangenehm kalt den Rücken hinunter - kalt und kribbelnd. Irgendetwas würde geschehen - das wusste ich.
'Schon wieder zu spät?', sagte er, als ich näher kam. 'Los, rein hier.'
Mir wurden die Knie weich, und mein Herz hämmerte so heftig, dass ich es im ganzen Körper spüren konnte. Ich versuchte, ihn nicht zu berühren, während ich mich durch die Tür an ihm vorbeizwängte, doch er packte mich am Arm. Dann schloss er die Tür und löschte draußen das Licht.
Im Haus brannte nirgendwo Licht. Alles lag im Schatten - nur ich und mein Dad und seine riesige, brennende Wut. Bevor ich mich rühren konnte, nahm er meinen Kopf in beide Hände.
'Sich nicht an die abgemachten Zeiten halten', zischte er. 'Viel zu lang wegbleiben. Mich mitten in der Nacht aufwecken! Und du hast noch Bewährung wegen Diebstahls. Hängst mit diesem Nichtsnutz von Freund rum, der dich nur noch mehr in Schwierigkeiten bringt. Ärger, Ärger, Ärger. du machst nichts als Ärger.'
Er stieß meinen Hinterkopf an die Wand. 'Dummkopf', sagte er und stieß ihn wieder an die Wand. 'Nichtsnutz', sagte er und stieß wieder zu. 'Niemand', sagte er.
Dann schlug er meinen Kopf einfach weiter an die Wand. Wumm wumm wumm. Meine Gedanken verschwammen in schwarzen Wellen. Wumm wumm wumm. Ich konnte nichts tun, nichts sagen. Dummer, nutzloser Niemand.
Schließlich hörte er auf. Er ließ meinen Kopf los und ich glitt an der Wand hinunter. Einen Moment lang blieben wir so. Er beugte sich keuchend über mich, während ich mir den Kopf hielt, um sicherzugehen, dass er noch da war.
Dann drehte er sich um und ging die Treppe hinauf. Ich lauschte seinen Schritten auf jeder Stufe, bis sie im Schlafzimmer verschwanden. Das Bett knarrte, als er sich hinlegte. Ich wusste, dass er die Tür offen gelassen hatte. Das hieß, dass ich besonders leise sein musste, wenn ich auf dem Weg in mein eigenes Zimmer daran vorbeikam.
Falls ich überhaupt aufstehen konnte. Als ich versuchte, den Kopf zu heben, war es, als ob man mir eine Kugel durch den Kopf jagte. Es tat weh, wenn ich ihn an die Wand lehnte, und auch, wenn ich ihn einfach hängen ließ. Also legte ich das Kinn in die Hände und versuchte, den Kopf ruhig zu halten, und zwar so, dass er nicht mehr so schmerzte. Das half etwas, aber nach einer Weile wurden mir die Arme müde.
Ich steckte mir die Hand in den Mund und biss so fest zu, dass sie noch mehr wehtat als mein Kopf. Dann rappelte ich mich hoch und ging die Treppe hinauf. Die ganze Zeit über biss ich mir in die Hand, um mich vom Kopf abzulenken. Am oberen Ende der Treppe blieb ich stehen und lauschte. Ich konnte Dad nicht schnarchen hören, also musste er wach sein. Der bloße Gedanke daran ließ meinen Kopf noch mehr schmerzen, deshalb biss ich noch fester zu und machte mich auf den Weg durch den Flur.
Leise, ich war ganz leise. Ich ging auf Zehenspitzen. Doch als ich zur Tür meines Vaters kam, stand er da und beobachtete mich.
'Tut mir leid', flüsterte ich, ohne ihn anzusehen. Bitte, bitte, dachte ich nur. Tu mir nicht weh. Lass mich bitte einfach ins Bett gehen!
Er sagte kein Wort, sondern sah mir nur nach, während ich den Flur entlangging. Wenn er so war - ruhig und abwartend -, das war das Schlimmste. Dann konnte alles passieren - alles.
Aber heute Abend starrte er mich nur an. So leise wie möglich ging ich an ihm vorbei und in mein Zimmer. Ich schloss die Tür nicht, da ihn das nur wütend machte. Ohne mich auszuziehen, ging ich direkt ins Bett. Dann lag ich im Dunkeln und versuchte, über das laute Hämmern meines Herzens hinweg zu lauschen.
Ich konnte nichts hören. Das bedeutete entweder, dass er immer noch in seiner Zimmertür stand und lauschte oder dass er wieder ins Bett gegangen war. Vielleicht stand er aber auch direkt vor meiner Tür, um zu sehen, ob ich irgendwelchen Lärm machte. Egal was ich tat, ich durfte kein Geräusch machen. Es war wichtig, absolut still zu sein. Ich durfte mich nicht umdrehen. Ich durfte nicht schwer atmen. Ich musste leise sein, leise, LEISE.
Ich musste dringend aufs Klo. Beim Tanzen hatte ich zwei Pops getrunken, was dämlich war. Dummer, nutzloser Niemand. Ich hätte es besser wissen und gar nichts trinken sollen. Jetzt würde ich es die ganze Nacht lang aushalten müssen.
Stand er draußen und lauschte?
Leise, ich musste leise sein.
Kapitel 2
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war Dad schon gegangen. Das merkte ich an der Atmosphäre des Hauses: Es war, als wäre es plötzlich viel geräumiger. Dad ging sogar samstags ins Büro, wo er Grundstücke verkaufte. Er musste Geld verdienen, um für meine Mutter und mich zu sorgen, sagte er immer.
Ich war froh, dass er weg war, denn so konnte ich langsam aufstehen. Mein Kopf tat immer noch weh, und ich fühlte mich schwer und träge, wie eine alte Frau. Langsam und vorsichtig tastete ich mich Schritt
für Schritt nach unten. Ich versuchte, nicht daran zu denken, was gestern Abend geschehen war. Das war aus und vorbei und heute war ein neuer Tag.
'Hey!', schrie Larry. Wie üblich hatte er die Stereoanlage bis zum Anschlag aufgedreht und die Bässe dröhnten.
'Was ist?', schrie ich zurück und hielt die Tür offen. Ich hatte meinem Vater versprochen, nicht zu spät zu kommen. Er würde wütend sein. Richtig wütend.
Larry verdrehte die Augen und drehte das Radio leiser. 'Na ja, Sophie', meinte er und trommelte nervös mit den Fingern aufs Lenkrad. 'Ich glaube, ich gehe von jetzt an lieber mit Wendy weg. Es ist aus zwischen uns, klar? Ich seh dich in der Schule, und wenn du willst, können wir auch miteinander reden, aber das ist alles. Mach dir keine Hoffnungen, dass ich meine Meinung ändere, denn das werde ich nicht tun.'
Ich saß einfach nur da und starrte ihn an. Die Tatsache, dass er mit mir Schluss machte, kam nicht überraschend. Auch Wendy nicht - schließlich hatte er den ganzen Abend mit ihr getanzt. Ich wusste nur nicht, was ich sagen sollte. So ist das immer. Ich bin einfach nur dumm und langweilig - es lohnt sich nicht, sich mit mir zu unterhalten.
Dumm, dachte ich und sah auf meine Füße. Dummer, nutzloser Niemand.
'Na dann', sagte Larry und ließ den Motor aufheulen. 'Wir sehen uns.'
Dann drehte er die Anlage wieder auf, also stieg ich aus. Ich hatte kaum die Tür zugeworfen, als er auch schon mit quietschenden Reifen losfuhr, die Straße hinunter. Einen Moment lang starrte ich ihm nach. Seit drei Monaten gingen wir miteinander, und ich hatte jeden Tag darauf gewartet, dass er mit mir Schluss machte. Ehrlich gesagt war ich überrascht, dass er so lange gebraucht hatte.
Ich ging zum Haus. Plötzlich öffnete sich die Tür und mein Vater stand da. Er sagte nichts, stand einfach nur da und sah mich an. Sofort lief es mir unangenehm kalt den Rücken hinunter - kalt und kribbelnd. Irgendetwas würde geschehen - das wusste ich.
'Schon wieder zu spät?', sagte er, als ich näher kam. 'Los, rein hier.'
Mir wurden die Knie weich, und mein Herz hämmerte so heftig, dass ich es im ganzen Körper spüren konnte. Ich versuchte, ihn nicht zu berühren, während ich mich durch die Tür an ihm vorbeizwängte, doch er packte mich am Arm. Dann schloss er die Tür und löschte draußen das Licht.
Im Haus brannte nirgendwo Licht. Alles lag im Schatten - nur ich und mein Dad und seine riesige, brennende Wut. Bevor ich mich rühren konnte, nahm er meinen Kopf in beide Hände.
'Sich nicht an die abgemachten Zeiten halten', zischte er. 'Viel zu lang wegbleiben. Mich mitten in der Nacht aufwecken! Und du hast noch Bewährung wegen Diebstahls. Hängst mit diesem Nichtsnutz von Freund rum, der dich nur noch mehr in Schwierigkeiten bringt. Ärger, Ärger, Ärger. du machst nichts als Ärger.'
Er stieß meinen Hinterkopf an die Wand. 'Dummkopf', sagte er und stieß ihn wieder an die Wand. 'Nichtsnutz', sagte er und stieß wieder zu. 'Niemand', sagte er.
Dann schlug er meinen Kopf einfach weiter an die Wand. Wumm wumm wumm. Meine Gedanken verschwammen in schwarzen Wellen. Wumm wumm wumm. Ich konnte nichts tun, nichts sagen. Dummer, nutzloser Niemand.
Schließlich hörte er auf. Er ließ meinen Kopf los und ich glitt an der Wand hinunter. Einen Moment lang blieben wir so. Er beugte sich keuchend über mich, während ich mir den Kopf hielt, um sicherzugehen, dass er noch da war.
Dann drehte er sich um und ging die Treppe hinauf. Ich lauschte seinen Schritten auf jeder Stufe, bis sie im Schlafzimmer verschwanden. Das Bett knarrte, als er sich hinlegte. Ich wusste, dass er die Tür offen gelassen hatte. Das hieß, dass ich besonders leise sein musste, wenn ich auf dem Weg in mein eigenes Zimmer daran vorbeikam.
Falls ich überhaupt aufstehen konnte. Als ich versuchte, den Kopf zu heben, war es, als ob man mir eine Kugel durch den Kopf jagte. Es tat weh, wenn ich ihn an die Wand lehnte, und auch, wenn ich ihn einfach hängen ließ. Also legte ich das Kinn in die Hände und versuchte, den Kopf ruhig zu halten, und zwar so, dass er nicht mehr so schmerzte. Das half etwas, aber nach einer Weile wurden mir die Arme müde.
Ich steckte mir die Hand in den Mund und biss so fest zu, dass sie noch mehr wehtat als mein Kopf. Dann rappelte ich mich hoch und ging die Treppe hinauf. Die ganze Zeit über biss ich mir in die Hand, um mich vom Kopf abzulenken. Am oberen Ende der Treppe blieb ich stehen und lauschte. Ich konnte Dad nicht schnarchen hören, also musste er wach sein. Der bloße Gedanke daran ließ meinen Kopf noch mehr schmerzen, deshalb biss ich noch fester zu und machte mich auf den Weg durch den Flur.
Leise, ich war ganz leise. Ich ging auf Zehenspitzen. Doch als ich zur Tür meines Vaters kam, stand er da und beobachtete mich.
'Tut mir leid', flüsterte ich, ohne ihn anzusehen. Bitte, bitte, dachte ich nur. Tu mir nicht weh. Lass mich bitte einfach ins Bett gehen!
Er sagte kein Wort, sondern sah mir nur nach, während ich den Flur entlangging. Wenn er so war - ruhig und abwartend -, das war das Schlimmste. Dann konnte alles passieren - alles.
Aber heute Abend starrte er mich nur an. So leise wie möglich ging ich an ihm vorbei und in mein Zimmer. Ich schloss die Tür nicht, da ihn das nur wütend machte. Ohne mich auszuziehen, ging ich direkt ins Bett. Dann lag ich im Dunkeln und versuchte, über das laute Hämmern meines Herzens hinweg zu lauschen.
Ich konnte nichts hören. Das bedeutete entweder, dass er immer noch in seiner Zimmertür stand und lauschte oder dass er wieder ins Bett gegangen war. Vielleicht stand er aber auch direkt vor meiner Tür, um zu sehen, ob ich irgendwelchen Lärm machte. Egal was ich tat, ich durfte kein Geräusch machen. Es war wichtig, absolut still zu sein. Ich durfte mich nicht umdrehen. Ich durfte nicht schwer atmen. Ich musste leise sein, leise, LEISE.
Ich musste dringend aufs Klo. Beim Tanzen hatte ich zwei Pops getrunken, was dämlich war. Dummer, nutzloser Niemand. Ich hätte es besser wissen und gar nichts trinken sollen. Jetzt würde ich es die ganze Nacht lang aushalten müssen.
Stand er draußen und lauschte?
Leise, ich musste leise sein.
Kapitel 2
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war Dad schon gegangen. Das merkte ich an der Atmosphäre des Hauses: Es war, als wäre es plötzlich viel geräumiger. Dad ging sogar samstags ins Büro, wo er Grundstücke verkaufte. Er musste Geld verdienen, um für meine Mutter und mich zu sorgen, sagte er immer.
Ich war froh, dass er weg war, denn so konnte ich langsam aufstehen. Mein Kopf tat immer noch weh, und ich fühlte mich schwer und träge, wie eine alte Frau. Langsam und vorsichtig tastete ich mich Schritt
für Schritt nach unten. Ich versuchte, nicht daran zu denken, was gestern Abend geschehen war. Das war aus und vorbei und heute war ein neuer Tag.