
Im Schatten der Wächter
Graham Gardner(Author)
cbt (Publisher)
Published on 6. November 2006
Book
Paperback/Softback
224 pages
978-3-570-30343-6 (ISBN)
Description
Von Gewalt, Macht und Verführung
Der 14-jährige Elliot, selbst jahrelang geprügeltes Opfer seiner Mitschüler, erfindet sich nach einem Schulwechsel einfach neu. Kaltblütig und abgebrüht, sodass ihn nie wieder jemand verletzen kann. Tatsächlich werden auch an seiner neuen Schule schwache Schüler gequält, aber diesmal gehört Elliot nicht dazu. Im Gegenteil: Seine Maskerade ist so gut, dass ihn die "Wächter" in ihre Reihen aufnehmen. Aber um einer von ihnen zu sein, muss Elliot nun seinerseits andere quälen .Gardners intensive, schonungslos offene Erzählweise macht Elliots Qualen Seite für Seite fühlbar. Eine verstörende Chronik über Macht, Gewalt und Verführung.
Thema Mobbing - als Schullektüre geeignet.
Deutscher Jugendliteraturpreis 2005
Der 14-jährige Elliot, selbst jahrelang geprügeltes Opfer seiner Mitschüler, erfindet sich nach einem Schulwechsel einfach neu. Kaltblütig und abgebrüht, sodass ihn nie wieder jemand verletzen kann. Tatsächlich werden auch an seiner neuen Schule schwache Schüler gequält, aber diesmal gehört Elliot nicht dazu. Im Gegenteil: Seine Maskerade ist so gut, dass ihn die "Wächter" in ihre Reihen aufnehmen. Aber um einer von ihnen zu sein, muss Elliot nun seinerseits andere quälen .Gardners intensive, schonungslos offene Erzählweise macht Elliots Qualen Seite für Seite fühlbar. Eine verstörende Chronik über Macht, Gewalt und Verführung.
Thema Mobbing - als Schullektüre geeignet.
Deutscher Jugendliteraturpreis 2005
More details
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.3 cm
Width: 12.5 cm
ISBN-13
978-3-570-30343-6 (9783570303436)
Schweitzer Classification
Persons
Author
Graham Gardner wurde als zweitältestes von zehn Kindern in Worchestershire, England, geboren und ist dort aufgewachsen. Neben Schreiben und Lesen liebt er die Musik; er spielt Klassik, Rock und Ragtime auf dem Klavier und war Chorleiter und Kirchenorganist. Graham Gardner hat an der Universität von Wales in Aberystwyth studiert und im Rahmen seiner Doktorarbeit die Zusammenhänge zwischen Macht, Gemeinschaft und sozialen Veränderungen in ländlichen Regionen untersucht. Er ist neunundzwanzig, unverheiratet und arbeitet nach wie vor in der akademischen Forschung.
Translation
Content
Die letzte Stunde war vorbei. Er war schon fast zum Tor hinaus. Da packten sie ihn und schleppten ihn zurück zu den Umkleidekabinen hinter der Schule. Kevin Cunningham. John Sanders. Steven Watson. Jeder von denen war alleine schon schlimm genug. Die drei zusammen waren schrecklicher als alles, was er sich hatte vorstellen können. Sie stießen ihn mit dem Rücken gegen die Wand und hielten seine Arme fest. Kevin schob sich ganz dicht an ihn heran, bis sein Atem Elliots Gesicht streifte. »Hallo, Elliot. Hast du gedacht, wir hätten dich vergessen?« Er sagte nichts. Jede Reaktion würde alles noch schlimmer machen. »Antworte, wenn man mit dir spricht.« »Nein.« »Nein was?« »Nein - ich habe euch nicht vergessen.« »Du bist ein Verlierer, Elliot, weißt du das?« »Das . weiß ich.« Kevin lächelte. »Es gibt einen Ort für Typen wie dich, Elliot. Man nennt ihn Müllhalde. Warum tauchst du immer wieder in der Schule auf? Du weißt doch, dass wir auf dich warten, um dich dahin zurückzubringen, wo du hingehörst.« Er beugte sich vor und riss die Brusttasche von Elliots Jackett ab. Sie hing da wie eine tote Zunge. Dann machte er dasselbe mit den anderen Jackentaschen. Einen Moment lang fühlte Elliot gar nichts. Doch mit einem Mal bewegte sich etwas in ihm, als hätte man einen Schalter umgelegt. Plötzlich, unerklärlich und erschreckend, explodierte ein weiß glühender Zorn, etwas, das Elliot noch nie erlebt hatte. Die Wut fraß sich durch ihn hindurch, geriet außer Kontrolle, wurde zu einem brüllenden Feuersturm, zu der Raserei eines Wahnsinnigen. Er riss sich von den Händen los, die ihn gepackt hatten, stürzte sich auf Kevin und schlug ihn, schlug ihn, schlug ihn - wieder und wieder und wieder. »Ich bring dich um, ich bring dich um, bring dich um, bring dich um!« Sie zerrten ihn zurück und warfen ihn wieder gegen die Wand. Sein Hinterkopf schlug gegen die Kacheln und ihm wurde übel. Langsam stand Kevin auf. Er wischte sich das Blut von seinem Mund. »Das wirst du bereuen«, sagte er. »Sehr sogar.« Elliots Zorn war verflogen. Er spürte nur noch eine wohlige Taubheit in seinem Innern. Alles stand jetzt klar und deutlich vor ihm. Schon bald würde er tot sein. Aber in Wirklichkeit hatten sie ihn bereits vor langer Zeit umgebracht. Also konnten sie ihm gar nicht mehr wehtun. »Ihr könnt mich nicht umbringen«, sagte er. »Ich bin doch schon tot.« Der erste Schlag traf ihn direkt über dem Herzen und es tat überhaupt nicht weh. Ihr könnt mich nicht verletzen. Ich bin doch schon tot. Aber dann folgte der zweite Schlag, auf die Seite seines Kopfes, und der dritte, genau dorthin, wo der erste gelandet war. Und sehr bald kamen die Schmerzen. Aber ihr könnt mir nicht wehtun, dachte er. Ich bin schon tot. Der Schmerz wurde stärker - ein warmes Pochen, das sich langsam ausbreitete. Dann explodierte eine thermonukleare Bombe in seinem Kopf und er fiel. Und fiel. Und fiel. Und schließlich kam die Erlösung. Er starb.
Kapitel 1
Elliot Sutton schluckte die klebrige, säuerliche Angst herunter, die ihn zu ersticken drohte. Es war der erste Tag des neuen Jahres. In weniger als einer Woche erwartete ihn der erste Tag an seiner neuen Schule. Denk positiv, sagte er sich immer wieder. Es sollte ein neuer Anfang für ihn werden. In seiner neuen Schule wusste niemand von den vergangenen Ereignissen. Er ging dorthin mit einer reinen Weste und einer völlig unbefleckten Identität. Er konnte ein neues Leben beginnen - etwas, das sie sich alle erhofften. Das soll doch wohl ein Witz sein, dachte er. Als ob ein neues Haus und eine neue Stadt einen Zauberbann weben konnten, der seinen Vater gesund machen würde. Bisher hatte sein Vater nicht zu erkennen gegeben, dass er ihren Umzug überhaupt bemerkt hatte. Er saß in demselben Sessel und schaute sich dieselben Sendungen im Fernsehen an, Tag für Tag . Denk positiv. Elliot schaute sich in seinem Zimmer um und betrachtete die vollen Umzugskisten, die dickbäuchigen Plastiktüten und den abgewetzten offenen Koffer, aus dem seine Kleider auf den Boden quollen. Es war zwei Wochen her, seit sie in dieses Haus gezogen waren, und er hatte es noch immer nicht über sich gebracht, seine Sachen auszupacken. Er zog einfach die Kleidungsstücke hervor, die er täglich brauchte, und redete sich ständig ein, dass er die Sache »morgen« in Angriff nehmen würde. In Wahrheit fürchtete er sich davor auszupacken. Alles, was in den Kisten, den Plastiktüten und dem Koffer steckte, erinnerte ihn daran, wo er herkam. Und da wollte er ganz bestimmt nie wieder hin, nicht einmal in Gedanken. Während er so dastand, wurde ihm klar, dass er eine Entscheidung getroffen hatte, ohne sich dessen wirklich bewusst gewesen zu sein. Er würde nicht auspacken. Das meiste, was da verstaut war, gehörte seiner Vergangenheit an, nicht seiner Gegenwart. Es sollte bleiben, wo es war. Er würde nur herausholen, was er unbedingt brauchte. Der Rest sollte verborgen bleiben. Vielleicht konnte er die Sachen sogar irgendwie loswerden - auf diese Art würde er niemals in Versuchung kommen, zu seiner Vergangenheit zurückzukehren. Eine Welle von Energie überflutete ihn, und er machte sich an die Arbeit, bevor sie wieder abebben würde. Er leerte den Koffer auf dem Bett aus. Drei Paar Jeans, ziemlich abgetragen, aber das machte nichts. Sie durften bleiben. Ebenso seine Sweatshirts und seine T-Shirts. Einer der wenigen Vorteile, die es hatte, dass er seit seinem zwölften Lebensjahr nicht mehr viel gewachsen war, war die Tatsache, dass er noch keine neuen Kleider brauchte. Das war ein glücklicher Umstand, denn bei seinem letzten Versuch, seine Mutter zu überreden, ihm Geld für neue Sachen zu geben, hatte sie in seinen Kleiderschrank geschaut und gefragt: »Was ist denn an deinen Kleidern auszusetzen? Die sind doch noch tipptopp. Wahrscheinlich kannst du sie noch jahrelang tragen, solange du nicht wächst.« Was so viel hieß wie: Tut mir Leid, das können wir uns nicht leisten. Die Schuluniform war ein Problem. Er brauchte Hosen, ein Jackett, Hemden, eine Krawatte, eine Sporttasche . Das alles würde ein Vermögen kosten. Es war völlig ausgeschlossen, dass seine Mutter das Geld zusammenkratzen konnte, um die Sachen neu zu kaufen. Sie würden in einem Secondhandshop welche besorgen müssen. Was bedeutete, dass er sofort auffallen würde. Er schob die niederschmetternden Gedanken über die Kleiderfrage zur Seite, tauchte in die erstbeste Kiste, kramte die wenigen Bücher hervor, die er mitgebracht hatte, und stellte sie auf das Regal. Was den Rest des Zeugs anging. Er zog ein verstaubtes Fotoalbum hervor. Die Bilder - von ihm in den verschiedenen Stadien seiner Kindheit, von seiner Familie, seiner Mutter und seinem Vater - waren alle mindestens drei Jahre alt. Seine Mutter hatte schon seit langem keine Fotos mehr gemacht. Er legte das Album zurück, schob die Kisten unter sein Bett und wuchtete den Koffer auf seinen Schrank. Er beschloss, keine Poster aufzuhängen. Er wollte saubere, blanke Wände haben. Sie würden ihm ständig in freundliche Erinnerung rufen, dass dieses Haus brandneu war. Frisch. So wie alles, was sich von nun an ereignen würde. Er atmete tief ein und genoss den reinen, verführerischen Duft von frischer Farbe und frischem Holz. Lange hielt er die Luft in seinen Lungen. Eine Idee, die schon seit geraumer Zeit in seinen Gedanken gekeimt war, machte sich breit und entfaltete sich. Hier kennt mich niemand. Er hatte eine Chance. Nicht nur die Chance, den alten Elliot hinter sich zu lassen, sondern einen völlig neuen Elliot zu erfinden. Elliot, geboren aus dem Nichts. »Hier kennt mich niemand«, flüsterte er. Es musste nicht so sein wie früher. Ich lasse nicht zu, dass es so wird wie früher. Einst waren sie eine glückliche Familie gewesen. Das durfte er nie vergessen. Sein Vater hatte sein eigenes Geschäft gegründet. Er wollte Verpackungen herstellen und verkaufen, spezielle Verpackungen für zerbrechliche und kostbare Güter. »Der Markt wartet nur darauf«, sagte er immer wieder. Es gab Leute, die bereit waren, viel Geld dafür auszugeben, dass die Gegenstände, die sie mit der Post verschickten, nicht beschädigt wurden. »Teuer und exklusiv. Darum geht es.« Auch das sagte sein Vater immer wieder. Wo er vorher gearbeitet hatte, war es alles andere als teuer und exklusiv zugegangen. Vielmehr hatte sich alles um billige Angebote und Massenware gedreht. Elliots Vater hatte Verpackungen für eine große Firma entworfen, die diese Verpackungen an andere große Firmen weiterverkaufte. Es war ja nicht so, dass er seinen Job verabscheute, hatte er Elliot erklärt. Aber er mochte ihn auch nicht besonders. Und deshalb reichte er eines Tages seine Kündigung ein und stellte sich auf eigene Füße. Es war eine gute Zeit. Eine Atmosphäre von Erwartung und Erregung. Von ständiger Aktivität: Sein Vater, der ins Haus sauste, sein Essen herunterschlang und eilige Telefonate erledigte. Sein Vater, der sagte: »So muss man es machen - ich weiß es.« Mindestens zweimal am Tag sagte er das, jeden Tag, ein Jahr lang, so schien es. Und jeden Morgen zwängten sich Unmengen von Post, Umschläge über Umschläge, Briefe und Sendungen durch den Briefschlitz in der Tür. Auch später waren noch jede Menge Briefe gekommen. Nach einer Weile versiegte die Flut. Stattdessen klopfte es an der Tür, meistens während des Frühstücks. Elliots Mutter stand auf, öffnete die Tür, unterschrieb auf dem Klemmbrett des Postboten und kam dann, auf das weiße oder braune Rechteck in ihrer Hand starrend, zum Esstisch zurück. Sie öffnete die Umschläge niemals in Elliots Gegenwart. Sie starrte sie nur an, als ob sie sie nicht deutlich erkennen könnte, als ob sie nicht verstehen würde, was sie bedeuteten. Aber davor. Sobald die Briefe durch den Schlitz in der Tür raschelten, sprang sein Vater auf, um die Post zu holen. Er brachte sie zum Tisch und riss sie ungeduldig auf, während sich sein Gesicht beim Lesen zu einem Lächeln verzog oder er - gelegentlich - seine Stirn leicht in Falten legte. »Das ist eine Investition in unser aller Zukunft. Das ist für uns alle.« Eine weitere Lieblingsphrase seines Vaters. »Hörst du mir zu, Elliot, mein Junge? Das machen wir, damit wir dich weiter mit deinen heiß geliebten Büchern füttern können und trotzdem noch ein Abendessen auf dem Tisch steht. Ich habe übrigens gestern Abend noch um halb zwölf Licht in deinem Zimmer gesehen - aber wahrscheinlich hast du keine Ahnung, wie hoch unsere letzte Stromrechnung war, oder?« Den letzten Satz brüllte er immer in gespieltem Ärger hervor. Dann, um zu beweisen, dass alles nur ein Scherz war, packte er Elliot um die Taille, wirbelte ihn herum und sagte: »Und wahrscheinlich erwartest du von mir, dass wir am Samstag schon wieder zusammen in die Bücherei gehen.« Es war ein uralter Scherz. Elliot und sein Vater gingen jeden Samstag in die Bücherei, und Elliot las leidenschaftlich gern, solange er denken konnte. Wenn er sich in ein Buch vertiefte, versank er in einer anderen Welt, im Innern einer Geschichte. Eine kurze Zeit lang ließ ihn die Wirklichkeit in Ruhe. Auch jetzt griff er nach einem Buch.Er versuchte, die Angst auszublenden.
Glückliche Familien.Denk positiv.
Um einen neuen Elliot zu erschaffen, brauchte er zunächst einmal Geld. Viel Geld. In seiner Spardose hatten sich einhundertzweiundneunzig Pfund und neunundachtzig Pence befunden. Jeder Geldschein und jede Münze, die er sich verdient hatte, indem er fünf Tage in der Woche früh aufgestanden war und Zeitungen ausgetragen hatte. In Gedanken hatte er das Geld für unberührbar erklärt, bis zu dem Tag, an dem er etwas finden würde, was er sich wirklich wünschte. Seine Geldbörse war ganz prall von den Scheinen und Münzen, als er jetzt durch das Einkaufszentrum streifte. Er konnte jederzeit wieder anfangen zu sparen, für etwas, das er sich wirklich wünschte. Ja, sicher. Aber im Augenblick war wichtiger, was er wirklich brauchte. Nachdem er die Sporttasche gekauft hatte, waren allein für seine Schulausstattung schon über hundert Pfund angefallen, und das, obwohl er Glück gehabt und ein gut erhaltenes Secondhandjackett gefunden hatte. Die Schuhe kosteten weitere vierzig Pfund. Nach seinem Einkauf ließ er sich die Haare schneiden. Anstelle seiner kindisch langen schwarzen Strähnen ließ er sich die Haare an den Seiten abrasieren und sich die Spitzen blond färben. Langsam kam ein neuer Elliot zum Vorschein. Auf dem Heimweg war seine Geldbörse so leicht wie eine Feder. Das lohnt sich. Dafür lohnt sich jeder Penny. Die Reaktion seiner Mutter auf den Haarschnitt und die Kleider war weit weniger spektakulär, als er erwartet hatte. Der einzige Kommentar, den sie abgab, als er durch die Haustür marschierte, war: »Nun, wenn du unbedingt dein Geld zum Fenster rauswerfen willst, warum nicht? Das ist deine Sache. « Die Tatsache, dass er ihr sowohl Zeit als auch Geld gespart hatte, indem er die Sachen selbst gekauft hatte, würdigte sie mit keinem Wort. Sie sah müde aus. Sein Vater schaute sich ein Fußballspiel an. Der Ton war laut gedreht. Mit ziemlicher Sicherheit hatten sie sich gestritten, während er weg gewesen war. Eigentlich, dachte Elliot, war »Streit« das falsche Wort. Zu einem Streit gehörte mehr als eine Person, aber die Einzige, die herumbrüllte und weinte, war seine Mutter. Sein Vater saß einfach nur da. Das Abendessen verlief in unbehaglichem Schweigen. Elliot schaufelte Spagetti Bolognese in sich hinein, ohne irgendetwas zu schmecken. Alles würde hier genauso sein wie früher. Nichts würde sich ändern. »He.« Seine Mutter beugte sich über den Tisch und legte ihre Hand auf seinen Arm. Sie lächelte: ein echtes Lächeln, nicht die erschöpfte Grimasse, die sie sonst allenfalls zustande brachte. »Ich habe heute zwei Jobs gefunden. Morgens habe ich die Frühschicht als Putzfrau in der Papierfabrik und zweimal in der Woche arbeite ich nachts in einem Altenheim.« Er war nicht besonders glücklich darüber. »Wann willst du an den beiden Tagen denn schlafen? Du musst doch direkt von einem Job zum nächsten.« Sie drückte seinen Arm. »Mach dir keine Sorgen. Ich schaff das schon. Und das bedeutet, dass ich zu Hause bin, wenn du aus der Schule kommst.« Das ist nicht wichtig, wollte er sagen, doch er schwieg. Sein Einwand wäre nach all der Mühe, die sie sich gegeben hatte, ein Schlag ins Gesicht gewesen. Sie lächelte wieder. Zum ersten Mal bemerkte er graue Strähnen in ihrem schwarzen Haar. »Es wird uns hier gut gehen«, sagte sie. »Ich fühle es. Ein neuer Anfang für uns alle. Für dich, für mich und .« Sie blickte seinen Vater an, der von seinem Teller aufschaute. Elliot versuchte, in seinen Augen zu lesen. Gab es dort irgendetwas, das anders war? Ein Glimmen des alten Feuers hinter der Stumpfheit? Er redete sich ein, dass es so war, dass er nur nicht gründlich genug hinschaute. Nach dem Abendessen ging er ins Badezimmer und zog seine Schuluniform an. Die dunkelgrüne Krawatte wirkte an ihm zu groß, aber das konnte er nicht ändern. Doch abgesehen davon sah er ganz in Ordnung aus, dachte er erleichtert. Ein überaus wichtiger Punkt. Er betrachtete sein Gesicht im Spiegel. Der Haarschnitt tat seine Wirkung. Er machte seine Züge schärfer und älter. Härter. Das war nicht mehr das Gesicht eines Kindes. Aber seine Größe (klein) und sein Körperbau (leicht) brandmarkten ihn immer noch als Kind. Er würde auffallen - die Größe war das Erste, was die anderen bemerkten. Daran konnte er nichts ändern. Er hatte sich gerade ins Bett gelegt, als es an der Tür klopfte und seine Mutter hereinkam. Sie setzte sich auf die Bettkante, etwas, das sie nicht getan hatte, seit sie hierher gezogen waren. »Du musst Geduld mit ihm haben, Elliot. Er ist krank. Depression ist eine Krankheit. Und er leidet immer noch unter seinen Verletzungen. Es ist nicht seine Schuld, das musst du begreifen. Wir beide müssen das begreifen.« »Ich wünschte nur .« Er schwieg. Er konnte nicht aussprechen, was er sich wünschte. Sie beendete den Satz an seiner Stelle: »Du wünschst dir, dass alles so wäre wie vorher. Ich weiß. Mir geht es genauso. Aber es wird nie wieder so sein. Und wir müssen das akzeptieren.« Er wandte den Blick zur Seite und dachte an die Nacht, in der sein Vater nicht nach Hause gekommen war. Als das Geschäft schließlich florierte, hatte Elliots Vater angefangen, fast jeden Tag bis spätabends zu arbeiten. Elliot war darüber nicht besonders erfreut gewesen, denn oft war sein Vater nicht einmal zum Abendessen zu Hause. Elliot vermisste die gemeinsamen Mahlzeiten und die Tischgespräche über Gott und die Welt. Er vermisste das Gefühl, eine Familie zu haben. Auch die Samstage verliefen nun anders. Meistens war sein Vater unterwegs zu einem Kunden und konnte Elliot nicht zur Bücherei bringen. Stattdessen begleitete ihn seine Mutter. Elliot war ganz zufrieden damit, und später, als er älter wurde, ging er sowieso allein. Aber manchmal hatte er den Eindruck, dass es nicht mehr so viel Spaß machte wie früher.
Kapitel 1
Elliot Sutton schluckte die klebrige, säuerliche Angst herunter, die ihn zu ersticken drohte. Es war der erste Tag des neuen Jahres. In weniger als einer Woche erwartete ihn der erste Tag an seiner neuen Schule. Denk positiv, sagte er sich immer wieder. Es sollte ein neuer Anfang für ihn werden. In seiner neuen Schule wusste niemand von den vergangenen Ereignissen. Er ging dorthin mit einer reinen Weste und einer völlig unbefleckten Identität. Er konnte ein neues Leben beginnen - etwas, das sie sich alle erhofften. Das soll doch wohl ein Witz sein, dachte er. Als ob ein neues Haus und eine neue Stadt einen Zauberbann weben konnten, der seinen Vater gesund machen würde. Bisher hatte sein Vater nicht zu erkennen gegeben, dass er ihren Umzug überhaupt bemerkt hatte. Er saß in demselben Sessel und schaute sich dieselben Sendungen im Fernsehen an, Tag für Tag . Denk positiv. Elliot schaute sich in seinem Zimmer um und betrachtete die vollen Umzugskisten, die dickbäuchigen Plastiktüten und den abgewetzten offenen Koffer, aus dem seine Kleider auf den Boden quollen. Es war zwei Wochen her, seit sie in dieses Haus gezogen waren, und er hatte es noch immer nicht über sich gebracht, seine Sachen auszupacken. Er zog einfach die Kleidungsstücke hervor, die er täglich brauchte, und redete sich ständig ein, dass er die Sache »morgen« in Angriff nehmen würde. In Wahrheit fürchtete er sich davor auszupacken. Alles, was in den Kisten, den Plastiktüten und dem Koffer steckte, erinnerte ihn daran, wo er herkam. Und da wollte er ganz bestimmt nie wieder hin, nicht einmal in Gedanken. Während er so dastand, wurde ihm klar, dass er eine Entscheidung getroffen hatte, ohne sich dessen wirklich bewusst gewesen zu sein. Er würde nicht auspacken. Das meiste, was da verstaut war, gehörte seiner Vergangenheit an, nicht seiner Gegenwart. Es sollte bleiben, wo es war. Er würde nur herausholen, was er unbedingt brauchte. Der Rest sollte verborgen bleiben. Vielleicht konnte er die Sachen sogar irgendwie loswerden - auf diese Art würde er niemals in Versuchung kommen, zu seiner Vergangenheit zurückzukehren. Eine Welle von Energie überflutete ihn, und er machte sich an die Arbeit, bevor sie wieder abebben würde. Er leerte den Koffer auf dem Bett aus. Drei Paar Jeans, ziemlich abgetragen, aber das machte nichts. Sie durften bleiben. Ebenso seine Sweatshirts und seine T-Shirts. Einer der wenigen Vorteile, die es hatte, dass er seit seinem zwölften Lebensjahr nicht mehr viel gewachsen war, war die Tatsache, dass er noch keine neuen Kleider brauchte. Das war ein glücklicher Umstand, denn bei seinem letzten Versuch, seine Mutter zu überreden, ihm Geld für neue Sachen zu geben, hatte sie in seinen Kleiderschrank geschaut und gefragt: »Was ist denn an deinen Kleidern auszusetzen? Die sind doch noch tipptopp. Wahrscheinlich kannst du sie noch jahrelang tragen, solange du nicht wächst.« Was so viel hieß wie: Tut mir Leid, das können wir uns nicht leisten. Die Schuluniform war ein Problem. Er brauchte Hosen, ein Jackett, Hemden, eine Krawatte, eine Sporttasche . Das alles würde ein Vermögen kosten. Es war völlig ausgeschlossen, dass seine Mutter das Geld zusammenkratzen konnte, um die Sachen neu zu kaufen. Sie würden in einem Secondhandshop welche besorgen müssen. Was bedeutete, dass er sofort auffallen würde. Er schob die niederschmetternden Gedanken über die Kleiderfrage zur Seite, tauchte in die erstbeste Kiste, kramte die wenigen Bücher hervor, die er mitgebracht hatte, und stellte sie auf das Regal. Was den Rest des Zeugs anging. Er zog ein verstaubtes Fotoalbum hervor. Die Bilder - von ihm in den verschiedenen Stadien seiner Kindheit, von seiner Familie, seiner Mutter und seinem Vater - waren alle mindestens drei Jahre alt. Seine Mutter hatte schon seit langem keine Fotos mehr gemacht. Er legte das Album zurück, schob die Kisten unter sein Bett und wuchtete den Koffer auf seinen Schrank. Er beschloss, keine Poster aufzuhängen. Er wollte saubere, blanke Wände haben. Sie würden ihm ständig in freundliche Erinnerung rufen, dass dieses Haus brandneu war. Frisch. So wie alles, was sich von nun an ereignen würde. Er atmete tief ein und genoss den reinen, verführerischen Duft von frischer Farbe und frischem Holz. Lange hielt er die Luft in seinen Lungen. Eine Idee, die schon seit geraumer Zeit in seinen Gedanken gekeimt war, machte sich breit und entfaltete sich. Hier kennt mich niemand. Er hatte eine Chance. Nicht nur die Chance, den alten Elliot hinter sich zu lassen, sondern einen völlig neuen Elliot zu erfinden. Elliot, geboren aus dem Nichts. »Hier kennt mich niemand«, flüsterte er. Es musste nicht so sein wie früher. Ich lasse nicht zu, dass es so wird wie früher. Einst waren sie eine glückliche Familie gewesen. Das durfte er nie vergessen. Sein Vater hatte sein eigenes Geschäft gegründet. Er wollte Verpackungen herstellen und verkaufen, spezielle Verpackungen für zerbrechliche und kostbare Güter. »Der Markt wartet nur darauf«, sagte er immer wieder. Es gab Leute, die bereit waren, viel Geld dafür auszugeben, dass die Gegenstände, die sie mit der Post verschickten, nicht beschädigt wurden. »Teuer und exklusiv. Darum geht es.« Auch das sagte sein Vater immer wieder. Wo er vorher gearbeitet hatte, war es alles andere als teuer und exklusiv zugegangen. Vielmehr hatte sich alles um billige Angebote und Massenware gedreht. Elliots Vater hatte Verpackungen für eine große Firma entworfen, die diese Verpackungen an andere große Firmen weiterverkaufte. Es war ja nicht so, dass er seinen Job verabscheute, hatte er Elliot erklärt. Aber er mochte ihn auch nicht besonders. Und deshalb reichte er eines Tages seine Kündigung ein und stellte sich auf eigene Füße. Es war eine gute Zeit. Eine Atmosphäre von Erwartung und Erregung. Von ständiger Aktivität: Sein Vater, der ins Haus sauste, sein Essen herunterschlang und eilige Telefonate erledigte. Sein Vater, der sagte: »So muss man es machen - ich weiß es.« Mindestens zweimal am Tag sagte er das, jeden Tag, ein Jahr lang, so schien es. Und jeden Morgen zwängten sich Unmengen von Post, Umschläge über Umschläge, Briefe und Sendungen durch den Briefschlitz in der Tür. Auch später waren noch jede Menge Briefe gekommen. Nach einer Weile versiegte die Flut. Stattdessen klopfte es an der Tür, meistens während des Frühstücks. Elliots Mutter stand auf, öffnete die Tür, unterschrieb auf dem Klemmbrett des Postboten und kam dann, auf das weiße oder braune Rechteck in ihrer Hand starrend, zum Esstisch zurück. Sie öffnete die Umschläge niemals in Elliots Gegenwart. Sie starrte sie nur an, als ob sie sie nicht deutlich erkennen könnte, als ob sie nicht verstehen würde, was sie bedeuteten. Aber davor. Sobald die Briefe durch den Schlitz in der Tür raschelten, sprang sein Vater auf, um die Post zu holen. Er brachte sie zum Tisch und riss sie ungeduldig auf, während sich sein Gesicht beim Lesen zu einem Lächeln verzog oder er - gelegentlich - seine Stirn leicht in Falten legte. »Das ist eine Investition in unser aller Zukunft. Das ist für uns alle.« Eine weitere Lieblingsphrase seines Vaters. »Hörst du mir zu, Elliot, mein Junge? Das machen wir, damit wir dich weiter mit deinen heiß geliebten Büchern füttern können und trotzdem noch ein Abendessen auf dem Tisch steht. Ich habe übrigens gestern Abend noch um halb zwölf Licht in deinem Zimmer gesehen - aber wahrscheinlich hast du keine Ahnung, wie hoch unsere letzte Stromrechnung war, oder?« Den letzten Satz brüllte er immer in gespieltem Ärger hervor. Dann, um zu beweisen, dass alles nur ein Scherz war, packte er Elliot um die Taille, wirbelte ihn herum und sagte: »Und wahrscheinlich erwartest du von mir, dass wir am Samstag schon wieder zusammen in die Bücherei gehen.« Es war ein uralter Scherz. Elliot und sein Vater gingen jeden Samstag in die Bücherei, und Elliot las leidenschaftlich gern, solange er denken konnte. Wenn er sich in ein Buch vertiefte, versank er in einer anderen Welt, im Innern einer Geschichte. Eine kurze Zeit lang ließ ihn die Wirklichkeit in Ruhe. Auch jetzt griff er nach einem Buch.Er versuchte, die Angst auszublenden.
Glückliche Familien.Denk positiv.
Um einen neuen Elliot zu erschaffen, brauchte er zunächst einmal Geld. Viel Geld. In seiner Spardose hatten sich einhundertzweiundneunzig Pfund und neunundachtzig Pence befunden. Jeder Geldschein und jede Münze, die er sich verdient hatte, indem er fünf Tage in der Woche früh aufgestanden war und Zeitungen ausgetragen hatte. In Gedanken hatte er das Geld für unberührbar erklärt, bis zu dem Tag, an dem er etwas finden würde, was er sich wirklich wünschte. Seine Geldbörse war ganz prall von den Scheinen und Münzen, als er jetzt durch das Einkaufszentrum streifte. Er konnte jederzeit wieder anfangen zu sparen, für etwas, das er sich wirklich wünschte. Ja, sicher. Aber im Augenblick war wichtiger, was er wirklich brauchte. Nachdem er die Sporttasche gekauft hatte, waren allein für seine Schulausstattung schon über hundert Pfund angefallen, und das, obwohl er Glück gehabt und ein gut erhaltenes Secondhandjackett gefunden hatte. Die Schuhe kosteten weitere vierzig Pfund. Nach seinem Einkauf ließ er sich die Haare schneiden. Anstelle seiner kindisch langen schwarzen Strähnen ließ er sich die Haare an den Seiten abrasieren und sich die Spitzen blond färben. Langsam kam ein neuer Elliot zum Vorschein. Auf dem Heimweg war seine Geldbörse so leicht wie eine Feder. Das lohnt sich. Dafür lohnt sich jeder Penny. Die Reaktion seiner Mutter auf den Haarschnitt und die Kleider war weit weniger spektakulär, als er erwartet hatte. Der einzige Kommentar, den sie abgab, als er durch die Haustür marschierte, war: »Nun, wenn du unbedingt dein Geld zum Fenster rauswerfen willst, warum nicht? Das ist deine Sache. « Die Tatsache, dass er ihr sowohl Zeit als auch Geld gespart hatte, indem er die Sachen selbst gekauft hatte, würdigte sie mit keinem Wort. Sie sah müde aus. Sein Vater schaute sich ein Fußballspiel an. Der Ton war laut gedreht. Mit ziemlicher Sicherheit hatten sie sich gestritten, während er weg gewesen war. Eigentlich, dachte Elliot, war »Streit« das falsche Wort. Zu einem Streit gehörte mehr als eine Person, aber die Einzige, die herumbrüllte und weinte, war seine Mutter. Sein Vater saß einfach nur da. Das Abendessen verlief in unbehaglichem Schweigen. Elliot schaufelte Spagetti Bolognese in sich hinein, ohne irgendetwas zu schmecken. Alles würde hier genauso sein wie früher. Nichts würde sich ändern. »He.« Seine Mutter beugte sich über den Tisch und legte ihre Hand auf seinen Arm. Sie lächelte: ein echtes Lächeln, nicht die erschöpfte Grimasse, die sie sonst allenfalls zustande brachte. »Ich habe heute zwei Jobs gefunden. Morgens habe ich die Frühschicht als Putzfrau in der Papierfabrik und zweimal in der Woche arbeite ich nachts in einem Altenheim.« Er war nicht besonders glücklich darüber. »Wann willst du an den beiden Tagen denn schlafen? Du musst doch direkt von einem Job zum nächsten.« Sie drückte seinen Arm. »Mach dir keine Sorgen. Ich schaff das schon. Und das bedeutet, dass ich zu Hause bin, wenn du aus der Schule kommst.« Das ist nicht wichtig, wollte er sagen, doch er schwieg. Sein Einwand wäre nach all der Mühe, die sie sich gegeben hatte, ein Schlag ins Gesicht gewesen. Sie lächelte wieder. Zum ersten Mal bemerkte er graue Strähnen in ihrem schwarzen Haar. »Es wird uns hier gut gehen«, sagte sie. »Ich fühle es. Ein neuer Anfang für uns alle. Für dich, für mich und .« Sie blickte seinen Vater an, der von seinem Teller aufschaute. Elliot versuchte, in seinen Augen zu lesen. Gab es dort irgendetwas, das anders war? Ein Glimmen des alten Feuers hinter der Stumpfheit? Er redete sich ein, dass es so war, dass er nur nicht gründlich genug hinschaute. Nach dem Abendessen ging er ins Badezimmer und zog seine Schuluniform an. Die dunkelgrüne Krawatte wirkte an ihm zu groß, aber das konnte er nicht ändern. Doch abgesehen davon sah er ganz in Ordnung aus, dachte er erleichtert. Ein überaus wichtiger Punkt. Er betrachtete sein Gesicht im Spiegel. Der Haarschnitt tat seine Wirkung. Er machte seine Züge schärfer und älter. Härter. Das war nicht mehr das Gesicht eines Kindes. Aber seine Größe (klein) und sein Körperbau (leicht) brandmarkten ihn immer noch als Kind. Er würde auffallen - die Größe war das Erste, was die anderen bemerkten. Daran konnte er nichts ändern. Er hatte sich gerade ins Bett gelegt, als es an der Tür klopfte und seine Mutter hereinkam. Sie setzte sich auf die Bettkante, etwas, das sie nicht getan hatte, seit sie hierher gezogen waren. »Du musst Geduld mit ihm haben, Elliot. Er ist krank. Depression ist eine Krankheit. Und er leidet immer noch unter seinen Verletzungen. Es ist nicht seine Schuld, das musst du begreifen. Wir beide müssen das begreifen.« »Ich wünschte nur .« Er schwieg. Er konnte nicht aussprechen, was er sich wünschte. Sie beendete den Satz an seiner Stelle: »Du wünschst dir, dass alles so wäre wie vorher. Ich weiß. Mir geht es genauso. Aber es wird nie wieder so sein. Und wir müssen das akzeptieren.« Er wandte den Blick zur Seite und dachte an die Nacht, in der sein Vater nicht nach Hause gekommen war. Als das Geschäft schließlich florierte, hatte Elliots Vater angefangen, fast jeden Tag bis spätabends zu arbeiten. Elliot war darüber nicht besonders erfreut gewesen, denn oft war sein Vater nicht einmal zum Abendessen zu Hause. Elliot vermisste die gemeinsamen Mahlzeiten und die Tischgespräche über Gott und die Welt. Er vermisste das Gefühl, eine Familie zu haben. Auch die Samstage verliefen nun anders. Meistens war sein Vater unterwegs zu einem Kunden und konnte Elliot nicht zur Bücherei bringen. Stattdessen begleitete ihn seine Mutter. Elliot war ganz zufrieden damit, und später, als er älter wurde, ging er sowieso allein. Aber manchmal hatte er den Eindruck, dass es nicht mehr so viel Spaß machte wie früher.