Der lebende See
Vielfarbig - Band 2: Utopische Erzählungen
Slov ant Gali(Author)
Verlag neun9zig
Published on 31. October 2013
Book
184 pages
978-3-944907-01-7 (ISBN)
Description
Wann ist eine Story "utopisch"? Wenn sie vom Raumflug in ferne Welten und Begegnungen mit fremden Intelligenzen handelt? Solche Geschichten kommen vor. Wenn sie mit der Bewegung in Zeit und Raum spielt? Ja, auch. Wenn sie Verhältnisse schildert, die wir erreichen oder solche, denen wir besser entgehen sollten? Von beidem ist etwas dabei. Auch verrückt anmutende Einfälle und boshafte, die schon nicht nur Utopie sind. Der Leser durchlebt verschiedene Empfindungen: Einmal genießt er Nervenkitzel, einmal Verwunderung . und dann Schmunzeln und befreites Kopfschütteln. Wenn wir einem Außerirdischen begegnen, wäre offen, wer dabei die Regeln bestimmt. Wer aber über eine solche Begegnung schreibt, darf sie selbst bestimmen. Er spielt auf der Klaviatur des möglichen Unmöglichen. Wer erwartet schon, dass ein Kurzschluss einem Menschen zwingende Überzeugungskraft in seine linke Hand gibt, wie in "Mit dem Toaster fing alles an"? Oder dass die Strafe für eine kleine Umweltsünde so drastisch ausfallen könnte wie in "Zum letzten Mal FKK"?. Die Idee der Titelgeschichte fällt vergleichsweise konventionell aus: Raumfahrer strandet auf einem scheinbar paradiesischen Planeten, wird von Eingeborenen aufgenommen, löst deren Geheimnis und lässt eine Entwicklung beginnen - aber zu nahe an Bekanntem ist keine der Geschichten. Nicht einmal das Endzeit-Roadmovie, das natürlich auch nicht fehlt. Letztlich bleibt eine kräftige Portion Unterhaltung - und dümmer geht keine aus diesem Leseerlebnis .
More details
Language
German
Place of publication
Berlin und Sehnd
Germany
Edition type
New edition
Product notice
sewn/stitched
Illustrations
Fötus im Glas
Dimensions
Height: 21 cm
Width: 15 cm
Weight
270 gr
ISBN-13
978-3-944907-01-7 (9783944907017)
Schweitzer Classification
Persons
Content
. Ich blinzelte, hoffentlich unauffällig. Das Gesicht unmittelbar vor mir konnte das eines Mädchens sein. Zumindest hatten die Züge etwas Weiches. Es war im Prinzip alles da, was auch in einem Menschengesicht zu finden gewesen wäre. Nur war alles etwas zu groß geraten und wurde beherrscht von eben jenen Facettenaugen, die mir im Albtraum begegnet waren. Dagegen wären Froschaugen als schön durchgegangen. Wie kam ich eigentlich auf Facetten? Nichts Menschlich-Schönes jedenfalls.
Dann kam der nächste Schock. Jenes Wesen, das ich für ein Mädchen hielt, gab Geräusche von sich. Für mich klangen sie wie an- und abschwellendes Summen. Oder lauter Ens und Ems aneinandergefügt. Das weiter hinten sitzende Wesen summte dem Mädchen etwas zu, woraufhin es noch betonter modulierte. Und endlich begriff ich: Das Mädchen hatte gesprochen! Entgegen jeder Vernunft in meiner Sprache! "Ich bin Wroohn. Du brauchst dich nicht zu fürchten. Wir Schla meinen es gut mit dir. Der See gab dir dein Leben wieder."
Als sie noch einmal mit diesen Sätzen von vorn begann, murmelte ich: "Ich verstehe dich. Ich bin Jonathan, John, ein Mensch. Danke!" So wurde ich aufgenommen in die Gemeinde der Schla, wurde einer der ihren.
Das Schwerste war die Gewöhnung an ihre allgegenwärtige Hässlichkeit. Den zweiten Schla bekam ich zwar auch oft zu Gesicht. Die häufigste Kontaktperson der Schla aber war für mich diese Wroohn. Im Laufe der Zeit begriff ich, dass sie im Alter war, in dem die Gemeinschaft den Einzelnen ihre Partnerschaften empfahl. Bei mir sah diese Gemeinschaft eine besonders schwierige Partnerschaft voraus. Also hatte man der sehr einfühlsamen Wroohn nahegelegt, sich um mich zu kümmern. Ich mochte es kaum glauben, dass das Mädchen mich schon mehrere Wochen lang gepflegt hatte, dass sie mit jeder Kleinigkeit meines Körperbaus vertraut war. Nun, da ich zwar noch extrem schwach, aber schon wieder ein munterer Mann war, dem dies leicht anzusehen und zu begreifen war, kam eine Veränderung hinzu. Es schien dem Mädchen großen Spaß zu bereiten, mich zu waschen und dabei eben jene Veränderung hervorzurufen. Als ich ihr antwortete, dass dies bei Menschenmännern das körperliche Zeichen zur Bereitschaft sei, sich mit einem weiblichen Wesen zu vereinen, stutzte sie. "Und das Zeichen kommt immer so schnell und so oft?" "Wenn du so handfest damit umgehst, ja."
Dann kam der nächste Schock. Jenes Wesen, das ich für ein Mädchen hielt, gab Geräusche von sich. Für mich klangen sie wie an- und abschwellendes Summen. Oder lauter Ens und Ems aneinandergefügt. Das weiter hinten sitzende Wesen summte dem Mädchen etwas zu, woraufhin es noch betonter modulierte. Und endlich begriff ich: Das Mädchen hatte gesprochen! Entgegen jeder Vernunft in meiner Sprache! "Ich bin Wroohn. Du brauchst dich nicht zu fürchten. Wir Schla meinen es gut mit dir. Der See gab dir dein Leben wieder."
Als sie noch einmal mit diesen Sätzen von vorn begann, murmelte ich: "Ich verstehe dich. Ich bin Jonathan, John, ein Mensch. Danke!" So wurde ich aufgenommen in die Gemeinde der Schla, wurde einer der ihren.
Das Schwerste war die Gewöhnung an ihre allgegenwärtige Hässlichkeit. Den zweiten Schla bekam ich zwar auch oft zu Gesicht. Die häufigste Kontaktperson der Schla aber war für mich diese Wroohn. Im Laufe der Zeit begriff ich, dass sie im Alter war, in dem die Gemeinschaft den Einzelnen ihre Partnerschaften empfahl. Bei mir sah diese Gemeinschaft eine besonders schwierige Partnerschaft voraus. Also hatte man der sehr einfühlsamen Wroohn nahegelegt, sich um mich zu kümmern. Ich mochte es kaum glauben, dass das Mädchen mich schon mehrere Wochen lang gepflegt hatte, dass sie mit jeder Kleinigkeit meines Körperbaus vertraut war. Nun, da ich zwar noch extrem schwach, aber schon wieder ein munterer Mann war, dem dies leicht anzusehen und zu begreifen war, kam eine Veränderung hinzu. Es schien dem Mädchen großen Spaß zu bereiten, mich zu waschen und dabei eben jene Veränderung hervorzurufen. Als ich ihr antwortete, dass dies bei Menschenmännern das körperliche Zeichen zur Bereitschaft sei, sich mit einem weiblichen Wesen zu vereinen, stutzte sie. "Und das Zeichen kommt immer so schnell und so oft?" "Wenn du so handfest damit umgehst, ja."