
Ferne Ufer
Roman
Diana Gabaldon(Author)
Blanvalet (Publisher)
Published on 1. May 2004
Book
Paperback/Softback
1088 pages
978-3-442-36107-6 (ISBN)
Description
Überzeugt, daß ihre große Liebe, der rothaarige Clanführer Jamie Fraser, in der blutigen Schlacht von Culloden 1746 gefallen ist, kehrt Claire Randall mit seinem Kind unter dem Herzen in ihre eigene Zeit, ins 20. Jahrhundert zurück. Es ist ihr jedoch unmöglich, Jamie zu vergessen. Als die gemeinsame Tochter Brianna 20 Jahre alt und gut versorgt ist, tritt Claire mit einem winzigen Fünkchen Hoffnung erneut die gefährliche Reise durch den magischen Steinkreis ins Schottland des 18. Jahrhunderts an. Und tatsächlich findet sie Jamie - lebend! Aber ihre glühende, unermeßliche Liebe durch Zeit und Raum bleibt nicht lange ungestört. Denn Jamie hat sein Ziel - Unabhängigkeit für Schottland - nie aus den Augen verloren. Er wird wegen Hochverrats gesucht. So bleibt ihnen nur die Flucht - vor königlichen Henkern, korrupten Richtern und eifersüchtigen Frauen. Werden sie all den finsteren Machenschaften entkommen, das sichere Ufer eines fernen Landes erreichen können?
More details
Series
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.3 cm
Width: 12.5 cm
ISBN-13
978-3-442-36107-6 (9783442361076)
Schweitzer Classification
Other editions
Previous edition

Other
2002
1st Edition
Goldmann
€13.00
Article exhausted; check for reprint
Persons
Author
Diana Gabaldon war Honorarprofessorin für Tiefseebiologie und Zoologie an der Universität von Arizona, bevor sie sich hauptberuflich dem Schreiben widmete. Bereits ihr erster Roman Feuer und Stein wurde international zu einem gigantischen Erfolg und führte dazu, dass Millionen von Lesern zu begeisterten Fans ihrer Romane wurden. Zuletzt wurde Gabaldons Highland-Saga unter dem Titel Outlander hochkarätig fürs Fernsehen verfilmt. Diana Gabaldon ist Mutter dreier erwachsener Kinder und lebt mit ihrem Mann in Scottsdale, Arizona.
Translation
Content
ERSTER TEIL
Die Schlacht und die Liebe
Leichenschmaus
16. April 1746
Er war tot. Andererseits tat ihm die Nase weh, was ihm unter den Umst?en seltsam erschien. Zwar vertraute er darauf, da?ihn sein Sch?pfer mit Verst?nis und Gnade empfangen w?rde, aber wie alle Menschen versp?rte auch er tief im Innern jene Spur von Schuld, die einen vor der H?lle zittern l?. Doch er hielt es f?r ziemlich unwahrscheinlich, da?sich die Qualen dort auf eine zerschlagene Nase beschr?ten.Der Himmel konnte dies allerdings auch nicht sein. Zum einen hatte er ihn nicht verdient. Zum anderen sah es hier nicht danach aus. Und zum dritten bezweifelte er, da?der Lohn der Seligen - ebensowenig wie der der Verdammten - in einer gebrochenen Nase bestand.Er hatte sich das Fegefeuer immer als d?steren Ort vorgestellt, und das r?tliche Licht, das ihn umgab, schien dazu zu passen. Sein Geist wurde allm?ich klarer, und langsam kehrte auch seine Denkf?gkeit zur?ck. Jetzt, so dachte er, m??e irgend jemand kommen und ihm sagen, wie das Urteil lautete, wie lange er f?r seine S?nden b??n mu?e. Aber ob er sich auf einen Teufel oder einen Engel einstellen sollte, wu?e er nicht. Sein Schullehrer hatte ihm nicht erkl?, wer dem Fegefeuer vorstand.W?end er wartete, versuchte er sich klarzumachen, welche Qualen ihm m?glicherweise bevorstanden. Hier und dort hatte er Schnitte, Wunden, blaue Flecken, und er war sicher, da?er sich den Ringfinger der rechten Hand - der so schwer zu sch?tzen war, weil er steif abstand - erneut gebrochen hatte. Aber das war alles nicht so schlimm. Was noch?Claire. Der Name schnitt ihm ins Herz und l?ste einen Schmerz aus, der heftiger war als alles, was er zuvor hatte ertragen m?ssen.G? es seinen K?rper noch, h?e er sich vor Pein zusammengekr?mmt. Als er Claire durch den Steinkreis schickte, hatte er gewu?, da?es so kommen w?rde. Geistige Qualen geh?rten wohl zum Fegefeuer dazu, und er war schon vorher davon ausgegangen, da?der Schmerz ?ber die Trennung die gr??e Strafe f?r ihn bedeuten w?rde - eine Strafe, die ausreichte, um ihn f?r alles b??n zu lassen, was er je getan hatte, Mord und Betrug eingeschlossen.Zwar wu?e er nicht, ob es erlaubt war, im Fegefeuer zu beten, aber f?r alle F?e wagte er einen Versuch. Lieber Gott, la?sie in Sicherheit sein. Sie und das Kind. Gewi?hatte sie den Steinkreis unbeschadet erreicht, denn im zweiten Monat der Schwangerschaft war sie noch schlank und flink auf den Beinen. Au?rdem ?erst entschlossen, eine Frau, die durchf?hrte, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte. Aber ob sie auch den gef?lichen ?ergang zu dem Ort, von dem sie gekommen war, bew?igt hatte, w?rde er nie erfahren. Bei dieser Vorstellung war seine schmerzende Nase wahrlich nicht der Rede wert.Als er sich wieder an die Bestandsaufnahme seiner k?rperlichen Gebrechen machte, mu?e er zu seinem Entsetzen feststellen, da?ihm sein linkes Bein abhanden gekommen war. Er sp?rte es nicht mehr. Wahrscheinlich w?rde er es zu einem angemessenen Zeitpunkt zur?ckerhalten, entweder wenn er in den Himmel kam oder am Tag des J?ngsten Gerichts. Au?rdem kam sein Schwager Ian mit dem Holzbein ganz gut zurecht.Trotzdem, seiner Eitelkeit ging es gegen den Strich. Aber vielleicht ging es gerade darum, ihn von der S?nde der Eitelkeit zu befreien. Er bi?in Gedanken die Z?e zusammen und nahm sich vor, was immer auch kommen m?ge, mit gr??m?glicher Kraft und Demut zu ertragen. Aber gegen seinen Willen fuhr seine Hand (oder was er als Hand benutzte) suchend nach unten, um zu ertasten, wo sein Bein jetzt endete.Die Hand stie?auf etwas Hartes, und die Finger verfingen sich in feuchtem, verklebtem Haar. Erschreckt fuhr er auf und brach mit einiger M?he die angetrocknete Blutkruste auf, die auf seinen Augen lag. Die Erinnerung kehrte zur?ck, und er st?hnte. Er hatte sich geirrt. James Fraser befand sich doch in der H?lle. Aber leider war er nicht tot.Der K?rper eines Mannes lag quer ?ber ihm. Sein Gewicht lastete auf Jamies linkem Bein, und so war klar, weshalb er es nicht mehr sp?rte. Schwer wie eine Kanonenkugel bohrte sich das Gesicht des Mannes in Jamies Magen, so da?sich auf seinem hellen Hemd das dunkle Haar abzeichnete. Vor Entsetzen b?te Jamie sich auf, und der Kopf rollte ihm seitlich in den Scho? Ein halboffenes Auge starrte ihm blicklos unter den dunklen Str?en entgegen.Jack Randall. Seine feine rote Uniformjacke war so durchn?, da?sie fast schon schwarz wirkte. Unbeholfen versuchte Jamie, ihn fortzuschieben, doch er war zu schwach. Kraftlos stie?seine Hand gegen Randalls Schulter, und sein Ellenbogen gab unter ihm nach, als er sich aufst?tzen wollte. Pl?tzlich lag er wieder auf dem R?cken und schaute in den verhangenen, bla?rauen Himmel.Jamie pre?e die H?e auf den morastigen Boden und rutschte zur Seite. Als er sich von dem leblosen Gewicht befreite, traf ihn der kalte Regen, der ihm auf die Brust prasselte, wie ein Schlag. Er bibberte.Er kr?mmte sich zusammen und k?fte mit den schmutzverkrusteten, zerknitterten Falten seines Plaids. Pl?tzlich h?rte er ?ber dem heulenden Aprilwind Ger?che - geisterhafte Rufe, St?hnen und Klagen. Und dar?ber das heisere Kr?zen von Kr?n. Von Dutzenden von Kr?n, dem Klang nach zu urteilen.Seltsam, dachte er. V?gel fliegen nicht bei Regen. Mit einem letzten Ruck zog er das Plaid unter sich fort und h?llte sich darin ein. Als er sich vorbeugte, um die Beine zuzudecken, sah er, da?sein Kilt und sein linkes Bein blutverschmiert waren. Aber das beunruhigte ihn nicht weiter. Langsam erstarben die Laute des Kampfget?mmels in seinen Ohren, und er ?berlie?das Feld von Culloden den kr?zenden Kr?n.Er erwachte erst wieder, als jemand seinen Namen rief. ?Fraser! Jamie Fraser! Bist du da??Nein, dachte er benommen, bin ich nicht. Wo immer er w?end seiner Ohnmacht auch gewesen war, besser als hier schien es allemal. Er lag in einer kleinen Senke, in der halbhoch das Wasser stand. Der Regen hatte aufgeh?rt, nicht jedoch der Wind, der immer noch pfeifend und mit Eisesk?e ?ber das Moor fuhr. Der Himmel war inzwischen fast schwarz.?Glaub mir, ich habe ihn hier runtergehen sehen. Direkt neben dem dicken Ginsterbusch.? Die Stimmen wurden leiser, als die M?er davongingen.Neben seinem Ohr raschelte es, und als er den Kopf wandte, sah er eine Kr?. Wie ein schwarzes Kn?l aus windzerzausten Federn stand sie vor ihm im Gras und betrachtete ihn mit ihren funkelnden Knopfaugen. Offensichtlich beruhigt, da?er keine Gefahr darstellte, verrenkte sie l?ig den Hals und hieb ihren dicken, scharfen Schnabel in Jack Randalls Auge.Jamie schrie entsetzt auf und fuhr hoch. Mit einem warnenden Kr?zen flog die Kr? davon.?Aye! Da dr?ben.?Jamie h?rte schmatzende Schritte im Sumpf. Dann sah er ein Gesicht und sp?rte das beruhigende Gewicht einer Hand auf seiner Schulter.?Er lebt! Hier her?ber, MacDonald. Hilf mir, er kann nicht mehr allein gehen.? Sie waren zu viert, und mit einiger M?he zogen sie ihn auf die Beine und legten seine empfindungslosen Arme ?ber Ewan Camerons und Iain MacKinnons Schultern.La? mich in Ruhe, wollte er ihnen sagen, denn mit dem Bewu?sein war die Erinnerung zur?ckgekehrt. Eigentlich hatte er doch sterben wollen. Aber er freute sich viel zu sehr, sie bei sich zu haben. W?end des Schlafes war das Gef?hl in sein Bein zur?ckgekehrt, und jetzt merkte er, wie ernst seine Verletzung war. Er w?rde ohnehin bald sterben, aber wenigstens mu?e er es nicht allein in dieser dunklen Ein?de tun.?Wasser!? Jemand dr?ckte ihm einen Becher an die Lippen, und er konnte sich lange genug hochstemmen, um zu trinken, ohne etwas zu versch?tten. Kurz darauf sp?rte er eine Hand auf seiner Stirn. Aber dann war sie wieder fort, ohne da?ein Wort gefallen w?.In ihm brannte ein Feuer. Sobald er die Augen schlo? sp?rte er die Flammen. Seine Lippen waren rissig und wund von der Hitze, aber das schien ihm immer noch besser als die K?e, die ihn in Abst?en sch?ttelte. Wenigstens konnte er w?end der Fieberattacken stilliegen; wenn ihn der Sch?ttelfrost packte, erwachten in seinem verletzten Bein die D?nen.Murtagh! Bei dem Gedanken an seinen Patenonkel hatte er das Gef?hl, etwas Schreckliches sei geschehen, aber er konnte sich nicht genau entsinnen. Murtagh war tot, soviel war klar, aber woher wu?e er das? Gut die H?te der Hochl?er war gefallen, hingeschlachtet auf dem Moor - das hatte er aus den Gespr?en der M?er in der Bauernkate entnommen. Aber an die Schlacht selbst erinnerte er sich nicht.Aus seinen fr?heren K?fen wu?e er, da?eine solche Ged?tnisl?cke bei Soldaten nicht selten auftrat. Aber die Erinnerung w?rde zur?ckkehren - er hoffte nur, da?der Tod ihr zuvorkam. Unwillk?rlich b?te er sich auf. Dabei scho?ein stechender Schmerz durch sein Bein, der ihn aufst?hnen lie?? Alles in Ordnung, Jamie?? Ewan, der neben ihm lag, st?tzte sich auf den Ellbogen. Im D?erlicht war sein besorgtes Gesicht nur schwach zu erkennen. Um die Stirn trug er eine blutgetr?te Bandage, und auf seinem Kragen waren rostrote Flecken.?Aye, es geht. ? Er streckte die Hand aus und strich Ewan dankbar ?ber die Schulter. Ewan dr?ckte sie und lie?sich dann wieder zur?cksinken.Die Kr?n waren wieder da - Kriegsv?gel, Leichenfledderer, die sich am Fleisch der Gefallenen g?tlich taten. Ebenso unverfroren w?rden die grausamen Biester auch nach seinen Augen picken, dachte er und sp?rte ?berdeutlich seine runden Aug?el, w?end das Licht der aufgehenden Sonne seine geschlossenen Lider dunkel und blutrot aufschimmern lie?Vier der M?er hatten sich vor dem einzigen Fenster des Bauernhauses zusammengefunden und unterhielten sich leise.?Davonrennen? ? fragte einer, w?end er mit dem Kopf auf die restlichen M?er wies. ?Mein Gott, bestenfalls k?nnen wir gerade noch humpeln. Und sechs von uns k?nnen keinen einzigen Schritt mehr tun.??Wenn ihr laufen k?nnt, macht euch auf den Weg? , sagte ein Mann, der auf dem Boden lag. Mit verzerrtem Gesicht wies er auf sein Bein, das in die Reste einer zerfetzten Decke gewickelt war. ?La? euch von uns nicht aufhalten.?Mit einem grimmigen L?eln wandte sich Duncan MacDonald vom Fenster ab und sch?ttelte den Kopf. Das Licht, das durch die Schlitze in der Mauer fiel, lie?seine vor Ersch?pfung zerfurchten Z?ge scharf hervortreten. ?Hier wimmelt es nur so von Engl?ern. Unversehrt entkommt keiner von Culloden.??Und die schon gestern geflohen sind, gelangen auch nicht weit?, f?gte MacKinnon leise hinzu. ?Habt ihr nicht geh?rt, wie die englischen Truppen letzte Nacht im Eiltempo vorbeimarschiert sind? Es wird ihnen ein leichtes sein, unsere ausgezehrten Leute einzufangen.?Niemand antwortete ihm. Sie wu?en es alle selbst nur zu gut. Viele der Hochlandschotten hatten sich schon vor der Schlacht kaum noch auf den Beinen halten k?nnen vor Ersch?pfung, Hunger und K?e.Jamie wandte den Kopf zur Wand und betete, da?seine Leute fr?h genug aufgebrochen waren. Lallybroch lag weit entfernt und in einsamer Gegend; wenn sie eine gute Strecke von Culloden hinter sich gebracht hatten, bestand keine gro? Gefahr mehr, da?man sie aufsp?rte. Aber Claire hatte ihm gesagt, da?Cumberlands Soldaten die gesamten Highlands durchk?en und auf ihrem Rachefeldzug bis in die entlegensten Winkel vordringen w?rden.Bei dem Gedanken an Claire fuhr eine Welle unendlicher Sehnsucht durch seinen K?rper. Wenn sie doch hier w?, ihre H?e auf ihn legen, seine Wunden versorgen und seinen Kopf in ihren Scho?betten k?nnte! Aber sie war weit fort, zweihundert Jahre weit, dem Himmel sei Dank! Langsam f?llten sich seine Augen mit Tr?n, und ungeachtet seiner Schmerzen rollte er sich auf die Seite, um sie vor den anderen zu verbergen.Lieber Gott, la?sie in Sicherheit sein, betete er. Sie und das Kind.Am Nachmittag roch es pl?tzlich nach Rauch. In dicken Schwaden drang er durch das Fenster. Er war bei?nder als der Qualm des Schwarzpulvers, und sein schwacher Geruch nach gebratenem Fleisch lie?Schreckliches ahnen.?Sie verbrennen die Toten? , sagte MacDonald. Seit sie in der Kate Zuflucht gesucht hatten, war er kaum von seinem Platz am Fenster gewichen. Das eingefallene Gesicht und das zur?ckgestrichene pechschwarze und schmutzverkrustete Haar lie?n ihn selbst wie einen Totensch?l wirken.Hin und wieder ert?nte ?ber dem Moor ein scharfer Knall. Musketen. Der Gnadenschu?aus den Waffen jener englischen Offiziere, die Mitleid walten lie?n, bevor sie die in ihren Tartan geh?llten K?rper auf den Haufen zu ihren Landsm?ern warfen. Als Jamie wieder aufsah, hatte MacDonald am Fenster die Augen geschlossen.Ewan Cameron bekreuzigte sich. ?Hoffentlich gew?t man uns die gleiche Gnade?, fl?sterte er.Sie wurde ihnen gew?t. Kurz nach Mittag des zweiten Tages n?rten sich schlie?ich schwere Stiefelschritte. Dann wurde die T?r ger?chlos aufgesto?n.?Herrgott! ? Ein leiser Ausruf, der dem Sprecher beim Anblick der M?er im Raum wohl gegen seinen Willen ?ber die Lippen gekommen war. Durch die offene T?r drang Zugwind in den Raum und wirbelte die stickige Luft ?ber den zusammengekauerten, blutverschmierten K?rpern auf, die auf dem gestampften Lehmboden lagen.Bewaffneten Widerstand hatten sie nie in Erw?ng gezogen; dazu fehlte ihnen die Kraft und auch die Aussicht auf Erfolg. Statt dessen sa?n die Jakobiten da und warteten ab, welches Schicksal die Engl?er ihnen zugedacht hatten.Er war ein Major in einer geb?gelten Uniform und mit frisch gewachsten Stiefeln. Kurz blieb er stehen, um die M?er im Raum zu betrachten, dann trat er, gefolgt von seinem Leutnant, ein.?Ich bin Lord Melton?, sagte er. Unschl?ssig blickte er sich um, als suchte er einen Anf?hrer, an den er seine Worte richten konnte.Duncan MacDonald sah gleichfalls suchend in die Runde. Dann stand er langsam auf und neigte den Kopf. ?Duncan MacDonald von Glen Richie?, sagte er, ?und andere Soldaten Seiner Majest?K?nig James.??Das hatte ich vermutet? , entgegnete der Engl?er trocken. Zwar schien er erst Anfang Drei?g, doch er bewegte sich mit dem Selbstvertrauen eines erfahrenen Soldaten. Gr?ndlich musterte er einen Mann nach dem anderen, griff dann in seine Tasche und zog einen zusammengerollten Bogen heraus.?Hier ist ein Befehl von Seiner Gnaden, dem Herzog von Cumberland?, erkl?e er, ?der mich erm?tigt, jeden Mann, der an diesem verr?rischen Aufstand teilgenommen hat, auf der Stelle hinrichten zu lassen.? Erneut blickte er ?ber die M?er im Raum. ?Gibt es hier jemanden, der behauptet, an dem Verrat nicht beteiligt gewesen zu sein??Bitter lachten die Soldaten auf. Nicht beteiligt, hier, am Rand des Schlachtfelds? Wo in ihren Gesichtern noch der Ru?des Schwarzpulvers klebte??Nein, Mylord?, erwiderte MacDonald mit einem leisen L?eln. ?Alles Verr?r. Wird man uns h?en???er Meltons Gesicht huschte ein Ausdruck des Ekels, doch dann wurde es wieder starr. Obwohl er schlank und zartgliedrig war, wirkte er respekteinfl??nd.?Ihr werdet erschossen?, entgegnete er. ? Ich gebe euch eine Stunde, um euch vorzubereiten.? Z?gernd warf er seinem Leutnant einen Blick zu, als f?rchtete er, vor seinem Untergebenen zu gro??tig zu erscheinen. ?Wenn ihr Schreibmaterial braucht? , f?gte er dann aber doch hinzu, ?um einen Brief zu verfassen, wird der Schreiber meines Regiments euch zur Seite stehen.? Kurz nickte er MacDonald zu. Dann machte er auf dem Absatz kehrt und verlie?den Raum.Die Stunde war bitter. Einige machten von dem Angebot Gebrauch und kritzelten verbissen. Andere beteten leise oder sa?n einfach da und warteten.MacDonald hatte f?r Giles McMartin und Frederick Murray um Gnade gebeten und dabei ins Feld gef?hrt, da?sie noch nicht einmal siebzehn und daher nicht in gleichem Ma? verantwortlich seien wie die ?teren. Da das Ansinnen abgelehnt worden war, sa?n die beiden, kalkwei?im Gesicht, an der Wand und hielten sich die Hand.Ihr Los bek?mmerte Jamie zutiefst - ihres und das der anderen, der treuen Freunde und tapferen K?fer. Doch wenn er an sich selbst dachte, sp?rte er nur Erleichterung. Keine Sorgen mehr und keine Pflichten. F?r seine M?er, seine Frau, sein ungeborenes Kind hatte er alles getan, was in seiner Macht stand. Nun sollte sein k?rperliches Elend m?glichst bald ein Ende haben, und er war dankbar f?r den Frieden, den er dann finden w?rde.Mehr der Form halber denn aus einem echten Bed?rfnis heraus schlo?er die Augen und begann um Vergebung seiner S?nden zu beten. Aber es wollte ihm nicht gelingen. Es war zu sp? um Abbitte zu tun.W?rde er Claire gleich finden, wenn er tot war? Oder, wie er vermutete, zu einer Zeit der Trennung verdammt sein? In jedem Fall w?rde er sie wiedersehen; an diese ?erzeugung klammerte er sich fester als an alle Glaubenss?e der Kirche. Gott hatte sie ihm gegeben, Gott w?rde sie wieder zusammenf?hren.Anstatt zu beten, beschwor er vor seinem inneren Auge Claires Gesicht herauf, die Linie ihrer Wangen und Schl?n, die breiten, hellen Brauen, die ihn immer zu einem Ku?mitten zwischen die klaren, bernsteinfarbenen Augen gereizt hatten. Er sah ihren Mund vor sich, erinnerte sich an die volle, weiche Kurve, seinen Geschmack und das Gef?hl, das er ihm gegeben hatte. Die Gebete, das Kratzen der Federn, das leise, erstickte Schluchzen von Giles McMartin nahm er kaum noch wahr.Am Nachmittag kehrte Lord Melton zur?ck. Diesmal begleiteten ihn nicht nur sein Leutnant und ein Schreiber, sondern auch sechs Soldaten. Wieder blieb er an der T?r stehen, aber MacDonald hatte sich bereits erhoben, bevor Melton zum Sprechen ansetzen konnte.?Ich gehe als erster? ,erkl?e er und durchquerte festen Schritts die Kate. Als er sich b?ckte, um unter dem T?rsturz hindurchzutreten, legte ihm Lord Melton die Hand auf den Arm.?Bitte geben Sie mir Ihren vollen Namen, Sir! Mein Schreiber mu?ihn notieren.?Die Mundwinkel zu einem bitteren Grinsen verzogen, sah MacDonald den Schreiber an.?Aha, Sie stellen ein Verzeichnis Ihrer Troph? auf! Aye, wie Sie wollen.? Er zuckte die Achseln und richtete sich auf. ?Duncan William MacLeod MacDonald von Glen Richie.? H?flich verbeugte er sich vor dem Lord. ? Zu Ihren Diensten - Sir!? Er trat aus der T?r, und kurz darauf ert?nte in der N? ein einzelner Pistolenschu?
Die Schlacht und die Liebe
Leichenschmaus
16. April 1746
Er war tot. Andererseits tat ihm die Nase weh, was ihm unter den Umst?en seltsam erschien. Zwar vertraute er darauf, da?ihn sein Sch?pfer mit Verst?nis und Gnade empfangen w?rde, aber wie alle Menschen versp?rte auch er tief im Innern jene Spur von Schuld, die einen vor der H?lle zittern l?. Doch er hielt es f?r ziemlich unwahrscheinlich, da?sich die Qualen dort auf eine zerschlagene Nase beschr?ten.Der Himmel konnte dies allerdings auch nicht sein. Zum einen hatte er ihn nicht verdient. Zum anderen sah es hier nicht danach aus. Und zum dritten bezweifelte er, da?der Lohn der Seligen - ebensowenig wie der der Verdammten - in einer gebrochenen Nase bestand.Er hatte sich das Fegefeuer immer als d?steren Ort vorgestellt, und das r?tliche Licht, das ihn umgab, schien dazu zu passen. Sein Geist wurde allm?ich klarer, und langsam kehrte auch seine Denkf?gkeit zur?ck. Jetzt, so dachte er, m??e irgend jemand kommen und ihm sagen, wie das Urteil lautete, wie lange er f?r seine S?nden b??n mu?e. Aber ob er sich auf einen Teufel oder einen Engel einstellen sollte, wu?e er nicht. Sein Schullehrer hatte ihm nicht erkl?, wer dem Fegefeuer vorstand.W?end er wartete, versuchte er sich klarzumachen, welche Qualen ihm m?glicherweise bevorstanden. Hier und dort hatte er Schnitte, Wunden, blaue Flecken, und er war sicher, da?er sich den Ringfinger der rechten Hand - der so schwer zu sch?tzen war, weil er steif abstand - erneut gebrochen hatte. Aber das war alles nicht so schlimm. Was noch?Claire. Der Name schnitt ihm ins Herz und l?ste einen Schmerz aus, der heftiger war als alles, was er zuvor hatte ertragen m?ssen.G? es seinen K?rper noch, h?e er sich vor Pein zusammengekr?mmt. Als er Claire durch den Steinkreis schickte, hatte er gewu?, da?es so kommen w?rde. Geistige Qualen geh?rten wohl zum Fegefeuer dazu, und er war schon vorher davon ausgegangen, da?der Schmerz ?ber die Trennung die gr??e Strafe f?r ihn bedeuten w?rde - eine Strafe, die ausreichte, um ihn f?r alles b??n zu lassen, was er je getan hatte, Mord und Betrug eingeschlossen.Zwar wu?e er nicht, ob es erlaubt war, im Fegefeuer zu beten, aber f?r alle F?e wagte er einen Versuch. Lieber Gott, la?sie in Sicherheit sein. Sie und das Kind. Gewi?hatte sie den Steinkreis unbeschadet erreicht, denn im zweiten Monat der Schwangerschaft war sie noch schlank und flink auf den Beinen. Au?rdem ?erst entschlossen, eine Frau, die durchf?hrte, was sie sich in den Kopf gesetzt hatte. Aber ob sie auch den gef?lichen ?ergang zu dem Ort, von dem sie gekommen war, bew?igt hatte, w?rde er nie erfahren. Bei dieser Vorstellung war seine schmerzende Nase wahrlich nicht der Rede wert.Als er sich wieder an die Bestandsaufnahme seiner k?rperlichen Gebrechen machte, mu?e er zu seinem Entsetzen feststellen, da?ihm sein linkes Bein abhanden gekommen war. Er sp?rte es nicht mehr. Wahrscheinlich w?rde er es zu einem angemessenen Zeitpunkt zur?ckerhalten, entweder wenn er in den Himmel kam oder am Tag des J?ngsten Gerichts. Au?rdem kam sein Schwager Ian mit dem Holzbein ganz gut zurecht.Trotzdem, seiner Eitelkeit ging es gegen den Strich. Aber vielleicht ging es gerade darum, ihn von der S?nde der Eitelkeit zu befreien. Er bi?in Gedanken die Z?e zusammen und nahm sich vor, was immer auch kommen m?ge, mit gr??m?glicher Kraft und Demut zu ertragen. Aber gegen seinen Willen fuhr seine Hand (oder was er als Hand benutzte) suchend nach unten, um zu ertasten, wo sein Bein jetzt endete.Die Hand stie?auf etwas Hartes, und die Finger verfingen sich in feuchtem, verklebtem Haar. Erschreckt fuhr er auf und brach mit einiger M?he die angetrocknete Blutkruste auf, die auf seinen Augen lag. Die Erinnerung kehrte zur?ck, und er st?hnte. Er hatte sich geirrt. James Fraser befand sich doch in der H?lle. Aber leider war er nicht tot.Der K?rper eines Mannes lag quer ?ber ihm. Sein Gewicht lastete auf Jamies linkem Bein, und so war klar, weshalb er es nicht mehr sp?rte. Schwer wie eine Kanonenkugel bohrte sich das Gesicht des Mannes in Jamies Magen, so da?sich auf seinem hellen Hemd das dunkle Haar abzeichnete. Vor Entsetzen b?te Jamie sich auf, und der Kopf rollte ihm seitlich in den Scho? Ein halboffenes Auge starrte ihm blicklos unter den dunklen Str?en entgegen.Jack Randall. Seine feine rote Uniformjacke war so durchn?, da?sie fast schon schwarz wirkte. Unbeholfen versuchte Jamie, ihn fortzuschieben, doch er war zu schwach. Kraftlos stie?seine Hand gegen Randalls Schulter, und sein Ellenbogen gab unter ihm nach, als er sich aufst?tzen wollte. Pl?tzlich lag er wieder auf dem R?cken und schaute in den verhangenen, bla?rauen Himmel.Jamie pre?e die H?e auf den morastigen Boden und rutschte zur Seite. Als er sich von dem leblosen Gewicht befreite, traf ihn der kalte Regen, der ihm auf die Brust prasselte, wie ein Schlag. Er bibberte.Er kr?mmte sich zusammen und k?fte mit den schmutzverkrusteten, zerknitterten Falten seines Plaids. Pl?tzlich h?rte er ?ber dem heulenden Aprilwind Ger?che - geisterhafte Rufe, St?hnen und Klagen. Und dar?ber das heisere Kr?zen von Kr?n. Von Dutzenden von Kr?n, dem Klang nach zu urteilen.Seltsam, dachte er. V?gel fliegen nicht bei Regen. Mit einem letzten Ruck zog er das Plaid unter sich fort und h?llte sich darin ein. Als er sich vorbeugte, um die Beine zuzudecken, sah er, da?sein Kilt und sein linkes Bein blutverschmiert waren. Aber das beunruhigte ihn nicht weiter. Langsam erstarben die Laute des Kampfget?mmels in seinen Ohren, und er ?berlie?das Feld von Culloden den kr?zenden Kr?n.Er erwachte erst wieder, als jemand seinen Namen rief. ?Fraser! Jamie Fraser! Bist du da??Nein, dachte er benommen, bin ich nicht. Wo immer er w?end seiner Ohnmacht auch gewesen war, besser als hier schien es allemal. Er lag in einer kleinen Senke, in der halbhoch das Wasser stand. Der Regen hatte aufgeh?rt, nicht jedoch der Wind, der immer noch pfeifend und mit Eisesk?e ?ber das Moor fuhr. Der Himmel war inzwischen fast schwarz.?Glaub mir, ich habe ihn hier runtergehen sehen. Direkt neben dem dicken Ginsterbusch.? Die Stimmen wurden leiser, als die M?er davongingen.Neben seinem Ohr raschelte es, und als er den Kopf wandte, sah er eine Kr?. Wie ein schwarzes Kn?l aus windzerzausten Federn stand sie vor ihm im Gras und betrachtete ihn mit ihren funkelnden Knopfaugen. Offensichtlich beruhigt, da?er keine Gefahr darstellte, verrenkte sie l?ig den Hals und hieb ihren dicken, scharfen Schnabel in Jack Randalls Auge.Jamie schrie entsetzt auf und fuhr hoch. Mit einem warnenden Kr?zen flog die Kr? davon.?Aye! Da dr?ben.?Jamie h?rte schmatzende Schritte im Sumpf. Dann sah er ein Gesicht und sp?rte das beruhigende Gewicht einer Hand auf seiner Schulter.?Er lebt! Hier her?ber, MacDonald. Hilf mir, er kann nicht mehr allein gehen.? Sie waren zu viert, und mit einiger M?he zogen sie ihn auf die Beine und legten seine empfindungslosen Arme ?ber Ewan Camerons und Iain MacKinnons Schultern.La? mich in Ruhe, wollte er ihnen sagen, denn mit dem Bewu?sein war die Erinnerung zur?ckgekehrt. Eigentlich hatte er doch sterben wollen. Aber er freute sich viel zu sehr, sie bei sich zu haben. W?end des Schlafes war das Gef?hl in sein Bein zur?ckgekehrt, und jetzt merkte er, wie ernst seine Verletzung war. Er w?rde ohnehin bald sterben, aber wenigstens mu?e er es nicht allein in dieser dunklen Ein?de tun.?Wasser!? Jemand dr?ckte ihm einen Becher an die Lippen, und er konnte sich lange genug hochstemmen, um zu trinken, ohne etwas zu versch?tten. Kurz darauf sp?rte er eine Hand auf seiner Stirn. Aber dann war sie wieder fort, ohne da?ein Wort gefallen w?.In ihm brannte ein Feuer. Sobald er die Augen schlo? sp?rte er die Flammen. Seine Lippen waren rissig und wund von der Hitze, aber das schien ihm immer noch besser als die K?e, die ihn in Abst?en sch?ttelte. Wenigstens konnte er w?end der Fieberattacken stilliegen; wenn ihn der Sch?ttelfrost packte, erwachten in seinem verletzten Bein die D?nen.Murtagh! Bei dem Gedanken an seinen Patenonkel hatte er das Gef?hl, etwas Schreckliches sei geschehen, aber er konnte sich nicht genau entsinnen. Murtagh war tot, soviel war klar, aber woher wu?e er das? Gut die H?te der Hochl?er war gefallen, hingeschlachtet auf dem Moor - das hatte er aus den Gespr?en der M?er in der Bauernkate entnommen. Aber an die Schlacht selbst erinnerte er sich nicht.Aus seinen fr?heren K?fen wu?e er, da?eine solche Ged?tnisl?cke bei Soldaten nicht selten auftrat. Aber die Erinnerung w?rde zur?ckkehren - er hoffte nur, da?der Tod ihr zuvorkam. Unwillk?rlich b?te er sich auf. Dabei scho?ein stechender Schmerz durch sein Bein, der ihn aufst?hnen lie?? Alles in Ordnung, Jamie?? Ewan, der neben ihm lag, st?tzte sich auf den Ellbogen. Im D?erlicht war sein besorgtes Gesicht nur schwach zu erkennen. Um die Stirn trug er eine blutgetr?te Bandage, und auf seinem Kragen waren rostrote Flecken.?Aye, es geht. ? Er streckte die Hand aus und strich Ewan dankbar ?ber die Schulter. Ewan dr?ckte sie und lie?sich dann wieder zur?cksinken.Die Kr?n waren wieder da - Kriegsv?gel, Leichenfledderer, die sich am Fleisch der Gefallenen g?tlich taten. Ebenso unverfroren w?rden die grausamen Biester auch nach seinen Augen picken, dachte er und sp?rte ?berdeutlich seine runden Aug?el, w?end das Licht der aufgehenden Sonne seine geschlossenen Lider dunkel und blutrot aufschimmern lie?Vier der M?er hatten sich vor dem einzigen Fenster des Bauernhauses zusammengefunden und unterhielten sich leise.?Davonrennen? ? fragte einer, w?end er mit dem Kopf auf die restlichen M?er wies. ?Mein Gott, bestenfalls k?nnen wir gerade noch humpeln. Und sechs von uns k?nnen keinen einzigen Schritt mehr tun.??Wenn ihr laufen k?nnt, macht euch auf den Weg? , sagte ein Mann, der auf dem Boden lag. Mit verzerrtem Gesicht wies er auf sein Bein, das in die Reste einer zerfetzten Decke gewickelt war. ?La? euch von uns nicht aufhalten.?Mit einem grimmigen L?eln wandte sich Duncan MacDonald vom Fenster ab und sch?ttelte den Kopf. Das Licht, das durch die Schlitze in der Mauer fiel, lie?seine vor Ersch?pfung zerfurchten Z?ge scharf hervortreten. ?Hier wimmelt es nur so von Engl?ern. Unversehrt entkommt keiner von Culloden.??Und die schon gestern geflohen sind, gelangen auch nicht weit?, f?gte MacKinnon leise hinzu. ?Habt ihr nicht geh?rt, wie die englischen Truppen letzte Nacht im Eiltempo vorbeimarschiert sind? Es wird ihnen ein leichtes sein, unsere ausgezehrten Leute einzufangen.?Niemand antwortete ihm. Sie wu?en es alle selbst nur zu gut. Viele der Hochlandschotten hatten sich schon vor der Schlacht kaum noch auf den Beinen halten k?nnen vor Ersch?pfung, Hunger und K?e.Jamie wandte den Kopf zur Wand und betete, da?seine Leute fr?h genug aufgebrochen waren. Lallybroch lag weit entfernt und in einsamer Gegend; wenn sie eine gute Strecke von Culloden hinter sich gebracht hatten, bestand keine gro? Gefahr mehr, da?man sie aufsp?rte. Aber Claire hatte ihm gesagt, da?Cumberlands Soldaten die gesamten Highlands durchk?en und auf ihrem Rachefeldzug bis in die entlegensten Winkel vordringen w?rden.Bei dem Gedanken an Claire fuhr eine Welle unendlicher Sehnsucht durch seinen K?rper. Wenn sie doch hier w?, ihre H?e auf ihn legen, seine Wunden versorgen und seinen Kopf in ihren Scho?betten k?nnte! Aber sie war weit fort, zweihundert Jahre weit, dem Himmel sei Dank! Langsam f?llten sich seine Augen mit Tr?n, und ungeachtet seiner Schmerzen rollte er sich auf die Seite, um sie vor den anderen zu verbergen.Lieber Gott, la?sie in Sicherheit sein, betete er. Sie und das Kind.Am Nachmittag roch es pl?tzlich nach Rauch. In dicken Schwaden drang er durch das Fenster. Er war bei?nder als der Qualm des Schwarzpulvers, und sein schwacher Geruch nach gebratenem Fleisch lie?Schreckliches ahnen.?Sie verbrennen die Toten? , sagte MacDonald. Seit sie in der Kate Zuflucht gesucht hatten, war er kaum von seinem Platz am Fenster gewichen. Das eingefallene Gesicht und das zur?ckgestrichene pechschwarze und schmutzverkrustete Haar lie?n ihn selbst wie einen Totensch?l wirken.Hin und wieder ert?nte ?ber dem Moor ein scharfer Knall. Musketen. Der Gnadenschu?aus den Waffen jener englischen Offiziere, die Mitleid walten lie?n, bevor sie die in ihren Tartan geh?llten K?rper auf den Haufen zu ihren Landsm?ern warfen. Als Jamie wieder aufsah, hatte MacDonald am Fenster die Augen geschlossen.Ewan Cameron bekreuzigte sich. ?Hoffentlich gew?t man uns die gleiche Gnade?, fl?sterte er.Sie wurde ihnen gew?t. Kurz nach Mittag des zweiten Tages n?rten sich schlie?ich schwere Stiefelschritte. Dann wurde die T?r ger?chlos aufgesto?n.?Herrgott! ? Ein leiser Ausruf, der dem Sprecher beim Anblick der M?er im Raum wohl gegen seinen Willen ?ber die Lippen gekommen war. Durch die offene T?r drang Zugwind in den Raum und wirbelte die stickige Luft ?ber den zusammengekauerten, blutverschmierten K?rpern auf, die auf dem gestampften Lehmboden lagen.Bewaffneten Widerstand hatten sie nie in Erw?ng gezogen; dazu fehlte ihnen die Kraft und auch die Aussicht auf Erfolg. Statt dessen sa?n die Jakobiten da und warteten ab, welches Schicksal die Engl?er ihnen zugedacht hatten.Er war ein Major in einer geb?gelten Uniform und mit frisch gewachsten Stiefeln. Kurz blieb er stehen, um die M?er im Raum zu betrachten, dann trat er, gefolgt von seinem Leutnant, ein.?Ich bin Lord Melton?, sagte er. Unschl?ssig blickte er sich um, als suchte er einen Anf?hrer, an den er seine Worte richten konnte.Duncan MacDonald sah gleichfalls suchend in die Runde. Dann stand er langsam auf und neigte den Kopf. ?Duncan MacDonald von Glen Richie?, sagte er, ?und andere Soldaten Seiner Majest?K?nig James.??Das hatte ich vermutet? , entgegnete der Engl?er trocken. Zwar schien er erst Anfang Drei?g, doch er bewegte sich mit dem Selbstvertrauen eines erfahrenen Soldaten. Gr?ndlich musterte er einen Mann nach dem anderen, griff dann in seine Tasche und zog einen zusammengerollten Bogen heraus.?Hier ist ein Befehl von Seiner Gnaden, dem Herzog von Cumberland?, erkl?e er, ?der mich erm?tigt, jeden Mann, der an diesem verr?rischen Aufstand teilgenommen hat, auf der Stelle hinrichten zu lassen.? Erneut blickte er ?ber die M?er im Raum. ?Gibt es hier jemanden, der behauptet, an dem Verrat nicht beteiligt gewesen zu sein??Bitter lachten die Soldaten auf. Nicht beteiligt, hier, am Rand des Schlachtfelds? Wo in ihren Gesichtern noch der Ru?des Schwarzpulvers klebte??Nein, Mylord?, erwiderte MacDonald mit einem leisen L?eln. ?Alles Verr?r. Wird man uns h?en???er Meltons Gesicht huschte ein Ausdruck des Ekels, doch dann wurde es wieder starr. Obwohl er schlank und zartgliedrig war, wirkte er respekteinfl??nd.?Ihr werdet erschossen?, entgegnete er. ? Ich gebe euch eine Stunde, um euch vorzubereiten.? Z?gernd warf er seinem Leutnant einen Blick zu, als f?rchtete er, vor seinem Untergebenen zu gro??tig zu erscheinen. ?Wenn ihr Schreibmaterial braucht? , f?gte er dann aber doch hinzu, ?um einen Brief zu verfassen, wird der Schreiber meines Regiments euch zur Seite stehen.? Kurz nickte er MacDonald zu. Dann machte er auf dem Absatz kehrt und verlie?den Raum.Die Stunde war bitter. Einige machten von dem Angebot Gebrauch und kritzelten verbissen. Andere beteten leise oder sa?n einfach da und warteten.MacDonald hatte f?r Giles McMartin und Frederick Murray um Gnade gebeten und dabei ins Feld gef?hrt, da?sie noch nicht einmal siebzehn und daher nicht in gleichem Ma? verantwortlich seien wie die ?teren. Da das Ansinnen abgelehnt worden war, sa?n die beiden, kalkwei?im Gesicht, an der Wand und hielten sich die Hand.Ihr Los bek?mmerte Jamie zutiefst - ihres und das der anderen, der treuen Freunde und tapferen K?fer. Doch wenn er an sich selbst dachte, sp?rte er nur Erleichterung. Keine Sorgen mehr und keine Pflichten. F?r seine M?er, seine Frau, sein ungeborenes Kind hatte er alles getan, was in seiner Macht stand. Nun sollte sein k?rperliches Elend m?glichst bald ein Ende haben, und er war dankbar f?r den Frieden, den er dann finden w?rde.Mehr der Form halber denn aus einem echten Bed?rfnis heraus schlo?er die Augen und begann um Vergebung seiner S?nden zu beten. Aber es wollte ihm nicht gelingen. Es war zu sp? um Abbitte zu tun.W?rde er Claire gleich finden, wenn er tot war? Oder, wie er vermutete, zu einer Zeit der Trennung verdammt sein? In jedem Fall w?rde er sie wiedersehen; an diese ?erzeugung klammerte er sich fester als an alle Glaubenss?e der Kirche. Gott hatte sie ihm gegeben, Gott w?rde sie wieder zusammenf?hren.Anstatt zu beten, beschwor er vor seinem inneren Auge Claires Gesicht herauf, die Linie ihrer Wangen und Schl?n, die breiten, hellen Brauen, die ihn immer zu einem Ku?mitten zwischen die klaren, bernsteinfarbenen Augen gereizt hatten. Er sah ihren Mund vor sich, erinnerte sich an die volle, weiche Kurve, seinen Geschmack und das Gef?hl, das er ihm gegeben hatte. Die Gebete, das Kratzen der Federn, das leise, erstickte Schluchzen von Giles McMartin nahm er kaum noch wahr.Am Nachmittag kehrte Lord Melton zur?ck. Diesmal begleiteten ihn nicht nur sein Leutnant und ein Schreiber, sondern auch sechs Soldaten. Wieder blieb er an der T?r stehen, aber MacDonald hatte sich bereits erhoben, bevor Melton zum Sprechen ansetzen konnte.?Ich gehe als erster? ,erkl?e er und durchquerte festen Schritts die Kate. Als er sich b?ckte, um unter dem T?rsturz hindurchzutreten, legte ihm Lord Melton die Hand auf den Arm.?Bitte geben Sie mir Ihren vollen Namen, Sir! Mein Schreiber mu?ihn notieren.?Die Mundwinkel zu einem bitteren Grinsen verzogen, sah MacDonald den Schreiber an.?Aha, Sie stellen ein Verzeichnis Ihrer Troph? auf! Aye, wie Sie wollen.? Er zuckte die Achseln und richtete sich auf. ?Duncan William MacLeod MacDonald von Glen Richie.? H?flich verbeugte er sich vor dem Lord. ? Zu Ihren Diensten - Sir!? Er trat aus der T?r, und kurz darauf ert?nte in der N? ein einzelner Pistolenschu?