Der Sohn einer Hure
Description
Johann F., Sohn einer Nobelprostituierten, ist einer der
erfolglosesten Schriftsteller des 21. Jahrhunderts.
Seine Mutter hat es nach Beendigung ihrer aktiven Laufbahn
mit der Quick-Sex-Kette
Mach schnell und geh
zu
Reichtum und Ansehen gebracht.
Sein mittelloser Vater, ein nostalgischer Nazi, schwärmt für
Schnaps und kleine Hitlerfiguren aus Marzipan.
Seine Geliebte hingegen schwärmt vor allem für sich selbst,
weil sie sich für die größte Philosophin aller Zeiten hält.
Johann F. liebt es, stundenlang mit ihr über Gott und die
Welt zu diskutieren.
Aber er hasst es, mit ihr zu schlafen.
Und das ist sein Verderben.
Reviews / Votes
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Dieser mit gängigen Klischees und Verhaltensmustern geschickt hantierenden Roman übt eine über seinen bissigen Humor weit hinausgehende, breit gefächerte Faszination aus.
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Andreas Tiefenbacher, Bücherschau
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SELBSTERKENNTNIS
Was ist der Mensch? Woher kommt er? Und wohin geht er?
Früher habe ich mich gern mit solchen philosophischen Fragen beschäftigt, besonders in der Zeit, als meine Geliebte noch bei mir war.
Heute ist mir das wurscht.
Ob er jetzt die Krönung der Schöpfung ist oder ein degeneriertes Flughörnchen, ein Kind Gottes oder meinetwegen auch nur das Resultat eines ziemlich missglückten Versuchs extraterrestrischer Astronauten, intelligentes Leben auf der Erde zu etablieren, macht für mich keinen Unterschied mehr.
Fest steht, dass ich ihn nicht ausstehen kann.
Und hätte ich bei der Vorsehung einen Wunsch frei, so würde ich wünschen, dass die gesamte Menschheit innerhalb eines einzigen Tages krepiert, mich selbst natürlich eingeschlossen.
Denn letztlich ist jede einzelne Lebensform - vom Einzeller bis zum gewaltigen Mammutbaum - nichts weiter als eine Krebserkrankung des Anorganischen, ein Zersetzungsprozess, eine Revolution des Vergänglichen gegen das Unvergängliche.
Was lebt, hat Stoffwechsel. Leben verändert. Jedes Leben verändert. Und was kommt dabei heraus?
Ein stinkendes, ekelerregendes Abfallprodukt.
Unsere biologische Aufgabe besteht nämlich nicht etwa darin, Scheiße zu Gold zu veredeln, sondern vielmehr darin, Gold in Scheiße zu verwandeln, bis eines nicht allzu fernen Tages die gesamte Oberfläche unseres bedauernswerten Planeten mit einer meterdicken Schicht aus Exkrementen bedeckt sein wird.
Das und nichts anderes ist der ganze Sinn unseres Daseins. So sieht's aus.
Und deshalb interessiert mich das alles heute nicht mehr. Weil in Wahrheit alles belanglos ist.
Ich will nichts mehr wissen von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Literatur, Kunst, Kultur - und von Philosophie schon gar nicht.
Obwohl ich immerhin zugeben muss, dass meine Philosophiererei wenigstens nicht ganz fruchtlos war, denn immerhin verdanke ich ihr die wichtigste aller Erkenntnisse, nämlich die Selbsterkenntnis:
Ich habe erkannt, dass ich ein Arschloch bin.
Natürlich ist es nicht besonders angenehm, mit dem Bewusstsein zu leben, ein charakterlich minderwertiges Subjekt zu sein, aber ich habe mich damit abgefunden, es wäre dumm, etwas anderes sein zu wollen als was man eben ist.
Außerdem hat es auch seine Vorteile:
Es spielt für mich überhaupt keine Rolle mehr, was andere über mich denken, eine schlechtere Meinung als ich selbst können sie von mir gar nicht haben.
Ich brauche auf keinen mehr Rücksicht zu nehmen, und nicht einmal mein Über-Ich fordert mich noch zu guten Taten auf, ich habe es in Pension geschickt, ohne goldene Uhr, mit einem kräftigen Fußtritt in den Hintern, ganz wie im wirklichen Leben.
Verglichen mit den Ansprüchen, die ich an mich selbst stelle, erscheint sogar ein Higgs-Teilchen so groß wie ein Roter Riese.
Ich könnte also eigentlich, wenn schon nicht glücklich, so doch wenigstens zufrieden sein. Ich bin es aber nicht.
Meine Geliebte hat mich verlassen, und ich habe keinen mehr, der mich in meinem Liebeskummer tröstet.
Ich leide unaussprechlich, denn auch wenn ich kein Gewissen, keine Moral, keinen Glauben und keine Ziele mehr habe, so habe ich immer noch Gefühle, weil ich nun einmal nicht aus Holz bin, denn hölzerne Arschlöcher gibt es nicht.
Ich verbringe meine Tage mit Weinen und Saufen.
Ich saufe wie ein Loch.
Kein Wunder. Ich bin ja eins.