FriedWald
Die Bestattungsalternative
Sylvia Frevert(Author)
Gütersloher Verlagshaus
Published on 24. May 2010
Book
Hardback
176 pages
978-3-579-06834-3 (ISBN)
Description
Wenn die Natur die Grabpflege übernimmt
- Alle Informationen über die letzte Ruhestätte an den Wurzeln eines Baumes
- Entstehung, Konzept und Organisation der FriedWälder
- Mit Landkarte und Adressen aller FriedWälder
FriedWald ist eine alternative Bestattungsform, bei der die Asche Verstorbener direkt an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt wird. Der Baum wird damit zum natürlichen Grabmal. FriedWald ist eine natürliche und würdevolle Alternative zu traditionellen Bestattungsritualen und die Natur übernimmt dabei die Grabpflege. Die als FriedWald ausgewiesenen Wälder werden von den Kommunen oder Kirchen getragen und von den zuständigen Forstämtern gepflegt. FriedWald ist europaweit markenrechtlich geschützt und steht für Natur- und Umweltschutz.
Sylvia Frevert stellt hier die Entstehung und das Konzept der FriedWälder vor und richtet den Blick auch in die Zukunft. Ausführlich beschreibt sie, wie eine Bestattung im FriedWald abläuft: von der Waldführung mit der Baumauswahl bis zur Beisetzung und deren Gestaltung.
- Alle Informationen über die letzte Ruhestätte an den Wurzeln eines Baumes
- Entstehung, Konzept und Organisation der FriedWälder
- Mit Landkarte und Adressen aller FriedWälder
FriedWald ist eine alternative Bestattungsform, bei der die Asche Verstorbener direkt an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt wird. Der Baum wird damit zum natürlichen Grabmal. FriedWald ist eine natürliche und würdevolle Alternative zu traditionellen Bestattungsritualen und die Natur übernimmt dabei die Grabpflege. Die als FriedWald ausgewiesenen Wälder werden von den Kommunen oder Kirchen getragen und von den zuständigen Forstämtern gepflegt. FriedWald ist europaweit markenrechtlich geschützt und steht für Natur- und Umweltschutz.
Sylvia Frevert stellt hier die Entstehung und das Konzept der FriedWälder vor und richtet den Blick auch in die Zukunft. Ausführlich beschreibt sie, wie eine Bestattung im FriedWald abläuft: von der Waldführung mit der Baumauswahl bis zur Beisetzung und deren Gestaltung.
More details
Language
German
Product notice
With flaps
Illustrations
Durchgehend 4-fbg.
Dimensions
Height: 23.5 cm
Width: 16 cm
ISBN-13
978-3-579-06834-3 (9783579068343)
Schweitzer Classification
Content
Nomen est omen. Meine Eltern gaben mir den Vornamen Sylvia. Erst sehr viel später habe ich aus einem Buch erfahren, wie gut dieser Name zu mir passt. Meine Kindheit verbrachte ich auf dem großelterlichen Bauernhof in der Nähe des Bad Salzufler Obernberg-Waldes. Der Wald war, ist und bleibt für mich ein Ort mit einer besonderen Anziehungskraft. Von meinem Schreibtisch aus blicke ich auf Wald zu meiner Linken und zu meiner Rechten. Eine mehr als hundert Jahre alte riesige Rosskastanie beschirmt das Haus und meinen Sitzplatz im Garten. Über die Rosskastanie, meinen Lieblingsbaum, werden Sie in diesem Buch noch mehr erfahren. Meine Liebe zur Natur spiegelt sich in meiner Arbeit als Autorin wider. FriedWald - die Bestattung in der Natur - ist ein Konzept, das ich von ganzem Herzen vertreten kann. Es begegnete mir erstmals im Jahr 2004. Ich schrieb den allerersten Artikel über den damals in der Planung befindlichen FriedWald Kalletal. Dieser Bericht brachte eine Lawine ins Rollen, denn er war kritisch. Warum? Ursprünglich war ein anderer Standort als der heute realisierte geplant: ein für die Holzgewinnung überaus wertvoller, für einen FriedWald aber zu steril aussehender Saat-Buchen-Bestand. Förster Frank Homuth war alarmiert. Wie viel besser würde doch der vis a vis der Weser gelegene frühere Hude-Wald 'Ihmser Bruch' passen mit seinen urigen Baumveteranen und der abwechslungsreichen Vegetation. Ich erfuhr von der Sorge des Försters, besuchte ihn im Kalletal und verfasste einen Artikel, den Sie heute noch auf meiner Internetseite www.sylvia-frevert.de lesen können. Dieser sorgte letztendlich dafür, dass der FriedWald Kalletal an seinem heutigen, wunderschönen Standort, dem Ihmser Bruch, eröffnet wurde, wo Frank Homuth noch heute als begeisterter FriedWald-Förster wirkt. Der Erfolg von FriedWald liegt für mich in dem einzigartigen, zeitgemäßen Konzept. FriedWald füllt die Lücke zwischen anonymer Grabstätte, die den Hinterbliebenen den so wichtigen Ort zum Trauern entzieht und einer normalen Grabstätte, die immer wiederkehrender Grabpflege bedarf. FriedWald ist ein Ort des Erinnerns. Ein Ort, der keine Ansprüche stellt. Ein Ort, der Trost spendet.
'Der Anlass, warum wir hier sind, ist traurig. Aber ich fühle mich trotzdem getröstet, ja fast glücklich in der Natur.' Dieser Ausspruch eines FriedWald-Försters nach einer Beisetzung spricht mir aus der Seele.
Sylvia Frevert
Barntrup-Alverdissen, Frühjahr 2010
Die letzte Ruhestätte
Früher und heute
Es ist den Menschen von jeher ein Bedürfnis, ihre Toten zu bestatten. Seit dem 3. Jahrhundert zählt die Bestattung zu den sieben Werken der Barmherzigkeit. Selbst Feinden, Unchristlichen, vermeintlich moralisch verwerflichen Menschen wurde dieses Recht zuerkannt. Für die ewige Ruhe gibt es in den meisten Kulturen einen eigenen Ort, den 'Friedhof'. Der Friedhof ist - wie der Name schon sagt - ein umfriedeter Raum. Die Totenruhe ist unter besonderen Schutz gestellt.
Stätten für die Toten, im Griechischen tatsächlich 'Nekropole' (Stadt der Toten) genannt, existieren in unterschiedlicher Form seit vorchristlicher Zeit, und bereits in vorchristlicher Zeit gab es die unterschiedlichsten Formen der Bestattung.
Die Erdbestattung
Die ältesten bekannten Grabstätten stammen aus der Zeit um 5.500 v. Chr. und die Toten wurden in der 'Hockerstellung' bestattet. Ob diese Form gewählt wurde im Blick auf eine Auferstehung, Rückkehr zur ursprünglichen embryonalen Haltung oder einfach aus Platzgründen, ist nicht bekannt.
Regelrechte Paläste bauten die Ägypter ihren Toten. Bereits zu Lebzeiten sorgten die feudalen Herrscher und Reichen für ein prunkvolles Grabgehäuse. Auch die Behandlung der Leichen, die zur Kunst erhobene Mumifizierung, verschlang Unsummen von Geld. Aufwendige Mausoleen sind auch aus Kleinasien bekannt.
Die Hünengräber dagegen sind eine erste Form der Massenbestattung. Relikte von Hünengräbern sind noch heute in Südskandinavien und der norddeutschen Tiefebene zu finden. Hünengräber sind aus großen Gesteinsblöcken geschaffene Grabkammern, in denen bis zu einhundert Verstorbene beigesetzt wurden. Nur große Menschen, Hünen, hatten die Kraft, die riesigen Gesteinsblöcke zu bewegen, daher der Name Hünengrab. Sie sind nicht zu verwechseln mit Hügelgräbern aus Erdmaterial.
Auch der Sarg hat eine Geschichte, die bis in die Urzeit reicht. Der Name leitet sich ab von Sarkophag, den Einzelgräbern der griechischen Antike. Sarkophag heißt übersetzt 'Fleischfresser', weil der für den Sarkophag verwendete Kalkstein die Zersetzung des Leichnams förderte.
Griechen und Römern war die Bestattung eine humanitäre Pflicht, die sie auch ihren Feinden gewährten. Es herrschte der Glaube, dass nicht bestattete Verstorbene einhundert Jahre lang ruhelos umherirren müssten. Das Mindestmaß einer Bestattung waren die heute noch bei Erdbestattungen gebräuchlichen drei Handvoll Erde, die auf den Leichnam geworfen wurden.
Die Luftbestattung
Diese Form der Bestattung wurde sowohl bei den Indern, den Indianern als auch bei den nordischen Wikingern praktiziert. Die Toten wurden an einem exponierten Ort, beispielsweise in einem Turm oder auf einem Gestell aus Holz, den Vögeln zum Fraß überlassen. Ebenso fand man diese Bestattungsform auch in der Südsee.
Zur See fahrende Völker, wie die Wikinger, verbanden die Luft- mit der Feuerbestattung. Sie bahrten ihre Toten auf einem Schiff auf, zündeten es an und ließen es auf das Meer hinaustreiben.
Die Feuerbestattung
Seit 1.500 v. Chr., in der Bronzezeit, war die Feuerbestattung bei unseren Vorfahren, den Germanen, bekannt. Sie enthielt bereits - in vereinfachter Form - alle Elemente der heutigen Feuerbestattung. Die Verstorbenen wurden verbrannt, die Asche sowie der Schmuck und wenige persönliche Gegenstände in Urnen verwahrt.
Auch im Judentum war die Leichenverbrennung bekannt. Im Römischen Reich galt sie gar als vornehmste Bestattungsform. Der Leichnam wurde dem reinigenden Feuer übergeben.
In Indien hat die Feuerbestattung ebenfalls eine lange Tradition. Dort ist sie bis heute die übliche Bestattungsform. Nach hinduistischem Glauben befreit das Feuer die Seele aus dem Körper.
Das Christentum und der mohammedanische Glaube setzten der Feuerbestattung ein Ende - vielleicht um sich bewusst von Andersgläubigen abzugrenzen. Ihren Höhepunkt fand die ganzheitliche Bestattung des Leibes wohl im 4. Jahrhundert, als sich der Brauch entwickelte, Heilige, Patrone und Wohltäter der Kirche direkt im Gotteshaus beizusetzen. Die Auferstehung des Leibes und die Vorstellung, dass Gott den Menschen als Ganzes zu sich ruft, waren ausschlaggebend für die Abwendung von der Feuerbestattung. Kaiser Karl der Große verbot mit dem Edikt von Paderborn im Jahr 785 unter Androhung der Todesstrafe die Leichenverbrennung ganz.
Das Mittelalter mit dem Kirchhof
Im Mittelalter gab es eine enge räumliche Verbindung zwischen der Kirche und der Bestattung. Die Toten wurden auf dem Kirchhof, einem geweihten Platz ringsum die Kirche, bestattet. Der Kirchhof war zumeist von einer Mauer umgeben, die dazu diente, den Lebensraum der Toten von dem der Lebenden zu trennen. Der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tode und eine tief begründete Angst vor den so genannten 'Wiedergängern' - Tote, die zurückkehrten und einen schlechten Einfluss auf die Lebenden nahmen - machte eine strenge Trennung notwendig. Dies ging so weit, dass so genannte 'Hexenroste', Gitter am Ein- und Ausgang zum Kirchhof in den Boden eingelassen wurden. Auch der dreimalige Erdwurf auf das Grab kann als Wunsch gedeutet werden, den Toten im Grab zu halten.
Mit einem stillen Friedhof hatte der Kirchhof allerdings nicht viel gemein. Mitten in der Stadt gelegen, war er im 16. Jahrhundert ein Ort des 'prallen Lebens'. Die umliegenden Bewohner ließen ihr Vieh auf dem Platz weiden und nicht selten kam es vor, dass die Tiere auf der Suche nach Futter die manchmal nur 30 Zentimeter tief bestatteten Leichname wieder ausgruben. Es herrschte ein Kommen und Gehen wie auf einem Marktplatz, denn der Kirchhof wurde auch für das Tauschen oder Verkaufen von Waren genutzt. Martin Luther beklagte am Beispiel des Wittenberger Friedhofs, 'dass es keinen öffentlicheren und unstilleren Ort in der ganzen Stadt gibt als eben den Kirchhof, wo man täglich, ja Tag und Nacht, darüber läuft, und das sowohl Menschen als auch Vieh'.
Die Folge dieser unhaltbaren Zustände waren strengere Vorgaben für die Begräbnisse. So wurde durch Kirchenordnungen geregelt, wo und wann wer begraben werden durfte. Erwachsene Katholiken wurden am Vormittag zu Grabe getragen, Kinder am Nachmittag. In den Abendstunden bestattete man ungetaufte Kinder, die aus Kostengründen oftmals ohne Sarg bestattet wurden. Der Totengräber trug sie unter seinem Mantel vom Sterbehaus zum Friedhof. Die Redewendung 'unter dem Deckmantel' hat hier ihren Ursprung.
Vom Kirchhof zum Friedhof
Bereits im 16. Jahrhundert wurden vereinzelt Friedhöfe aus hygienischen Gründen und aus Platzmangel an den Rand der Städte verlegt. Die Reformationsbewegung gab den Anstoß und im 18. Jahrhundert entwickelte sich ein regelrechter Boom zur Friedhofsverlegung. Zu dieser Zeit gab es erstmals verbindliche Angaben über die Tiefe der Gräber. Die Trennung von Grab und Kirche war vollzogen - aus dem Kirchhof wurde der Friedhof.
Streit gab es zunächst um die Einziehung der Gebühren. Waren die Friedhöfe städtisches oder kirchliches Eigentum? Eine Verordnung Napoleons aus dem Jahr 1807 legte schließlich fest, dass es den Gemeinden oblag, die Plätze für Friedhöfe zu erwerben. Die Pfarren hatten sie zu pflegen und durften Einkünfte aus Bestattungen erzielen.
Anders als die im Halbrund um die Pfarrkirche angelegten Kirchhöfe unterlagen die Friedhöfe der Platz- und Kostenminimierung. Rechteckig oder viereckig sollten sie sein mit einem ringsum sie herumführenden 18 bis 24 Fuß (5,40 bis 7,20 Meter) breiten Weg und einem großzügigen runden oder ovalen Platz in der Mitte für die Leichenzüge. Ebenso waren die Bepflanzung und die Friedhofseinfassung vorgeschrieben und es entstanden im Laufe der Zeit echte Gartenparadiese, von denen alte Friedhöfe noch heute zeugen.
Anders als der Ort der 'lebenden Toten' im Mittelalter wurde der Friedhof zur Erinnerungs- und Gedenkstätte. Das Grabmal und auch die Bestattung selbst dienten dazu, die soziale Stellung des Verstorbenen deutlich zu machen, wie Zünfte und Bruderschaften, die eigene Begräbnisrituale entwickelten.
Bürgertum und Adelige legten Wert auf besonders repräsentative Grabstätten. Es entwickelte sich ein regelrechter 'Grabmalkult' in den Kreisen, die es sich leisten konnten. Demgegenüber gab es die Gemeinschaftsgräber, mehrere Meter breit und tief, in denen die Menschen der unteren gesellschaftlichen Schichten ihre letzte Ruhe fanden - ohne Sarg, lediglich in ein Leinentuch gehüllt.
Im Unterschied zu den 'ewigen Grabstätten', die im Judentum und Islam religiöse Pflicht sind, kennen Christen schon im Mittelalter die Praxis des so genannten 'Abräumens', also die Wiederbenutzung der Gräber. Die Überreste, vor allem aus den Gemeinschafts- und Armengräbern, wurden nach dem Abräumen in 'Beinhäusern' gesammelt.
Zahlreiche Friedhofsreformen brachten immer wieder neue Vorgaben in der Grabmalgestaltung. Die Neuerungen gingen einher mit einer Technisierung der Bestattungskultur.
Die Familie hatte immer weniger Einfluss auf die Bestattung, die Aufbahrung der Toten im eigenen Haus geschah immer seltener. Anstelle des Abschiednehmens im häuslichen Sterbezimmer traten kommunale Leichenhallen. Die erste wurde um 1790 in München errichtet und damit entfiel in der Regel auch der Leichenzug als gemeinsamer Gang zum Friedhof.
Das Handwerk der professionellen Bestatter entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bestatter übernahmen nicht nur den Leichentransport und die Bestattung, sondern immer mehr auch zeremonielle Dienste. Während früher alle Aufgaben rund um Tod und Bestattung der Kirche zufielen, rückten nunmehr die Bestatter und die Kommunen an ihre Stelle. Sichtbares Zeichen dafür ist bis heute das Abhalten der Trauerfeier in der Leichenhalle oder einer Trauerhalle statt in der Kirche.
Das 20. Jahrhundert brachte einen eher pragmatischen Umgang mit dem Tod. Die Feuerbestattung als kostengünstige Bestattungsvariante rückte mit Abstand zu kirchlichen Zeremonien wieder mehr in den Blickpunkt. Die Arbeiterbewegung und freigeistige Vereinigungen unterstützten die Feuerbestattung. Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte sie einen regelrechten Boom als preiswerte und hygienische Bestattungsmöglichkeit.
Die heutigen Bestattungsformen auf Friedhöfen sind:
* Das Familiengrab, Wahlgrab (hier kann das Nutzungsrecht verlängert werden)
* Das Reihengrab oder Einzelgrab - die am meisten verbreitete Form der Erdbestattung mit durchschnittlichen Ruhezeiten um die 20 Jahre. Danach verschwindet das Grab und mit ihm der Ort des Gedenkens
* Das anonyme Urnengrab - keine Symbole oder Grabzeichen, keine Wahlmöglichkeit der Lage des Grabes, die Identität des Toten verschwindet gänzlich, zentrale Gedenksteine
* Besondere Urnengrabstätten wie Stelen, Kolumbarien
* Baumgräber für Urnen
Nach dem technisierten Umgang mit dem Tod, der Trauerfeier im Stundentakt in öffentlichen Trauerhallen haben sich mittlerweile die Erwartungen an eine Bestattung wieder geändert. (Mit-)Gestaltungsmöglichkeiten bei den Trauerfeiern sind gewünscht, sie sollen individueller, persönlicher und selbstbestimmter werden.
Nach einem 'Abgeben der Bestattung' in die Hand von professionellen Bestattern, der Nutzung von kommunalen Orten der Trauer - sei es Leichenhalle oder Friedhof - wächst derzeit der Wunsch nach individuellen, familiennahen und persönlichen Erinnerungsorten. Eine Abkehr von der kühlen Professionalität und die Rückkehr der Bestattung in die Hände der Familien und Hinterbliebenen kennzeichnet die Trauerkultur der Moderne.
Naturbestattungen
'Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt! Wie die Samen, die unter der Schneedecke träumen, träumen Eure Herzen vom Frühling. Vertraut diesen Träumen, denn in ihnen verbirgt sich das Tor zur Unendlichkeit. Die Blumen des Frühlings sind die Träume des Winters.'
(Khalil Gibran)
Die Vorstellung, nach dem Tod in freier Natur bestattet zu werden, hat für viele Menschen etwas Tröstliches. Naturbestattungen - das sind Bestattungen in einem naturnahen Umfeld außerhalb eines traditionellen Friedhofes.
Die Seebestattung, Asche-Streufelder, die Bestattung zu Füßen eines Felsens, die Luftbestattung, die Weltraumbestattung, der Asche-Diamant - dies alles sind im weitesten Sinne Formen der Naturbestattung. In Deutschland ist die Bestattung Ländersache, allerdings gilt für ganz Deutschland Friedhofszwang. Auch das am 1. September 2003 in NRW in Kraft getretene neue Bestattungsgesetz änderte dies nicht. Andere europäische Nachbarländer sind in dieser Beziehung sehr viel liberaler. Die Folge: ein regelrechter 'Urnen-Tourismus' hat sich entwickelt. Internetseiten geben freizügig Tipps, wie der Friedhofszwang in Deutschland umgangen werden kann.
Ausgenommen vom Friedhofszwang ist lediglich die Seebestattung. Früher war sie nur Seeleuten vorbehalten. Seit 1972 ist die Beisetzung von Urnen auf hoher See in Deutschland allen Menschen zugänglich. Der Kapitän des Schiffes verzeichnet die Stelle außerhalb der Dreimeilenzone, an der die Urne versenkt wurde, in seinem Logbuch. Die Seebestattung macht derzeit rund 0,5 Prozent aller Bestattungen in Deutschland aus.
Der weitaus größte Teil der Naturbestattungen in Deutschland ist die Urnenbeisetzung zu Füßen eines Baumes. FriedWald ist der Wegbereiter und führende Anbieter dieser alternativen Bestattungsform.
Die Bestattung in freier Natur - eine fast poetische Vorstellung. Doch ganz so romantisch ist der Weg in Deutschland zunächst nicht, denn vor diese Form der Bestattung hat der Gesetzgeber die Einäscherung gesetzt. Trotz eines großen Faibles für die Naturbestattung ist für einige Menschen die Kremation ein großes Hemmnis - sei es aus religiöser Sicht oder aus einem undefinierbaren 'Bauchgefühl' heraus.
Information und Aufklärung hilft oftmals, eine innere Barriere zu überwinden. Daher hier ein kurzer Blick in die Geschichte der Feuerbestattung und anschließend eine sachliche Information über die Vorgänge in einem Krematorium.
Die Geschichte der Feuerbestattung
Die Feuerbestattung ist in vielen Kulturen bekannt. Erste Urnengräber gab es bereits in der Bronzezeit. Im Hinduismus und Buddhismus ist das Verbrennen des Leichnams die übliche Art der Bestattung und gibt - so der hinduistische Glaube - der Seele die Möglichkeit, den Körper zu verlassen, um wiedergeboren zu werden. Für die nomadischen Völker war die Feuerbestattung ebenfalls die für sie praktikable Art, ihre Toten zu versorgen und die Überreste mit sich zu führen.
Unsere germanischen Vorfahren verbrannten die Leichen angesehener Persönlichkeiten mit ausgewählten Hölzern. Auch im Römischen Reich galt die Leichenverbrennung aufgrund der hohen Kosten für Holz als Privileg der Reichen. So war die Feuerbestattung gegenüber der Erdbestattung sogar die vornehmere Variante.
Das Christentum und der Islam allerdings lehnten eine Feuerbestattung lange Zeit ab - der Islam bis heute. Hier wird auf den Koran Vers 5,31 verwiesen: 'Da sandte Allah einen Raben, der auf dem Boden scharrte, dass er ihm zeige, wie er den Leichnam seines Bruders verbergen könne.' Dies wird als Hinweis dafür genommen, wie ein Mensch zu bestatten ist.
Die ursprüngliche Ablehnung der Feuerbestattung im Christentum begründete sich in dem Glauben an die leibliche Auferstehung. Außerdem war die (Erd-)Bestattung Jesu Christi ein Vorbild. Lediglich Häretiker, also Andersgläubige und Sünder - man erinnere sich an die Hexenverbrennungen -, wurden dem Feuer preisgegeben, damit es sie von ihren Sünden befreie. Die evangelische Kirche hat die Feuerbestattung schließlich in den 20er-Jahren erlaubt. Die katholische Kirche legitimierte sie in ihrem II. Vatikanischen Konzil im Jahr 1963.
Die Feuerbestattung war früher lediglich dem gehobenen Bürgertum zugänglich. Das änderte sich 1874, einem Jahr, in dem die Feuerbestattung zudem diesen neuen Namen erhielt. Zuvor wurde sie etwas derb als 'Leichenverbrennung' bezeichnet. Der Dresdener Ingenieur Richard Schneider, der an der Entwicklung des ersten produktionsreifen Einäscherungsapparates in Deutschland beteiligt war, soll diesen Begriff geprägt haben.
Außerdem hatte die Feuerbestattung zwei große Förderer: die Mediziner Heinrich Wilhelm Reclam und Gottlob Friedrich Küchenmeister. Sie propagierten diese Art der Bestattung nicht zuletzt aus hygienischen Gründen und konstituierten die ersten Feuerbestattungsvereine in Berlin und Dresden. Mit finanzieller Unterstützung dieser Feuerbestattungsvereine konnte am 10. Dezember 1878 das erste Krematorium Deutschlands in Gotha eröffnet werden. Es folgte 1891 das Krematorium in Heidelberg, dann 1892 das Krematorium in Hamburg.
Die Zahl der Anhänger dieser Bestattungsform wuchs mit der Zahl der eröffneten Krematorien. Dennoch war die Feuerbestattung auch Ende des 19. Jahrhunderts noch eine elitäre Angelegenheit, die vor allem gebildete und begüterte Personen wie Kaufleute, Industrielle und Beamte nutzten. Zwischen 1878 und 1898 starben im Deutschen Reich 24,4 Millionen Menschen. Aber lediglich 3.110 wurden feuerbestattet.
'Der Anlass, warum wir hier sind, ist traurig. Aber ich fühle mich trotzdem getröstet, ja fast glücklich in der Natur.' Dieser Ausspruch eines FriedWald-Försters nach einer Beisetzung spricht mir aus der Seele.
Sylvia Frevert
Barntrup-Alverdissen, Frühjahr 2010
Die letzte Ruhestätte
Früher und heute
Es ist den Menschen von jeher ein Bedürfnis, ihre Toten zu bestatten. Seit dem 3. Jahrhundert zählt die Bestattung zu den sieben Werken der Barmherzigkeit. Selbst Feinden, Unchristlichen, vermeintlich moralisch verwerflichen Menschen wurde dieses Recht zuerkannt. Für die ewige Ruhe gibt es in den meisten Kulturen einen eigenen Ort, den 'Friedhof'. Der Friedhof ist - wie der Name schon sagt - ein umfriedeter Raum. Die Totenruhe ist unter besonderen Schutz gestellt.
Stätten für die Toten, im Griechischen tatsächlich 'Nekropole' (Stadt der Toten) genannt, existieren in unterschiedlicher Form seit vorchristlicher Zeit, und bereits in vorchristlicher Zeit gab es die unterschiedlichsten Formen der Bestattung.
Die Erdbestattung
Die ältesten bekannten Grabstätten stammen aus der Zeit um 5.500 v. Chr. und die Toten wurden in der 'Hockerstellung' bestattet. Ob diese Form gewählt wurde im Blick auf eine Auferstehung, Rückkehr zur ursprünglichen embryonalen Haltung oder einfach aus Platzgründen, ist nicht bekannt.
Regelrechte Paläste bauten die Ägypter ihren Toten. Bereits zu Lebzeiten sorgten die feudalen Herrscher und Reichen für ein prunkvolles Grabgehäuse. Auch die Behandlung der Leichen, die zur Kunst erhobene Mumifizierung, verschlang Unsummen von Geld. Aufwendige Mausoleen sind auch aus Kleinasien bekannt.
Die Hünengräber dagegen sind eine erste Form der Massenbestattung. Relikte von Hünengräbern sind noch heute in Südskandinavien und der norddeutschen Tiefebene zu finden. Hünengräber sind aus großen Gesteinsblöcken geschaffene Grabkammern, in denen bis zu einhundert Verstorbene beigesetzt wurden. Nur große Menschen, Hünen, hatten die Kraft, die riesigen Gesteinsblöcke zu bewegen, daher der Name Hünengrab. Sie sind nicht zu verwechseln mit Hügelgräbern aus Erdmaterial.
Auch der Sarg hat eine Geschichte, die bis in die Urzeit reicht. Der Name leitet sich ab von Sarkophag, den Einzelgräbern der griechischen Antike. Sarkophag heißt übersetzt 'Fleischfresser', weil der für den Sarkophag verwendete Kalkstein die Zersetzung des Leichnams förderte.
Griechen und Römern war die Bestattung eine humanitäre Pflicht, die sie auch ihren Feinden gewährten. Es herrschte der Glaube, dass nicht bestattete Verstorbene einhundert Jahre lang ruhelos umherirren müssten. Das Mindestmaß einer Bestattung waren die heute noch bei Erdbestattungen gebräuchlichen drei Handvoll Erde, die auf den Leichnam geworfen wurden.
Die Luftbestattung
Diese Form der Bestattung wurde sowohl bei den Indern, den Indianern als auch bei den nordischen Wikingern praktiziert. Die Toten wurden an einem exponierten Ort, beispielsweise in einem Turm oder auf einem Gestell aus Holz, den Vögeln zum Fraß überlassen. Ebenso fand man diese Bestattungsform auch in der Südsee.
Zur See fahrende Völker, wie die Wikinger, verbanden die Luft- mit der Feuerbestattung. Sie bahrten ihre Toten auf einem Schiff auf, zündeten es an und ließen es auf das Meer hinaustreiben.
Die Feuerbestattung
Seit 1.500 v. Chr., in der Bronzezeit, war die Feuerbestattung bei unseren Vorfahren, den Germanen, bekannt. Sie enthielt bereits - in vereinfachter Form - alle Elemente der heutigen Feuerbestattung. Die Verstorbenen wurden verbrannt, die Asche sowie der Schmuck und wenige persönliche Gegenstände in Urnen verwahrt.
Auch im Judentum war die Leichenverbrennung bekannt. Im Römischen Reich galt sie gar als vornehmste Bestattungsform. Der Leichnam wurde dem reinigenden Feuer übergeben.
In Indien hat die Feuerbestattung ebenfalls eine lange Tradition. Dort ist sie bis heute die übliche Bestattungsform. Nach hinduistischem Glauben befreit das Feuer die Seele aus dem Körper.
Das Christentum und der mohammedanische Glaube setzten der Feuerbestattung ein Ende - vielleicht um sich bewusst von Andersgläubigen abzugrenzen. Ihren Höhepunkt fand die ganzheitliche Bestattung des Leibes wohl im 4. Jahrhundert, als sich der Brauch entwickelte, Heilige, Patrone und Wohltäter der Kirche direkt im Gotteshaus beizusetzen. Die Auferstehung des Leibes und die Vorstellung, dass Gott den Menschen als Ganzes zu sich ruft, waren ausschlaggebend für die Abwendung von der Feuerbestattung. Kaiser Karl der Große verbot mit dem Edikt von Paderborn im Jahr 785 unter Androhung der Todesstrafe die Leichenverbrennung ganz.
Das Mittelalter mit dem Kirchhof
Im Mittelalter gab es eine enge räumliche Verbindung zwischen der Kirche und der Bestattung. Die Toten wurden auf dem Kirchhof, einem geweihten Platz ringsum die Kirche, bestattet. Der Kirchhof war zumeist von einer Mauer umgeben, die dazu diente, den Lebensraum der Toten von dem der Lebenden zu trennen. Der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tode und eine tief begründete Angst vor den so genannten 'Wiedergängern' - Tote, die zurückkehrten und einen schlechten Einfluss auf die Lebenden nahmen - machte eine strenge Trennung notwendig. Dies ging so weit, dass so genannte 'Hexenroste', Gitter am Ein- und Ausgang zum Kirchhof in den Boden eingelassen wurden. Auch der dreimalige Erdwurf auf das Grab kann als Wunsch gedeutet werden, den Toten im Grab zu halten.
Mit einem stillen Friedhof hatte der Kirchhof allerdings nicht viel gemein. Mitten in der Stadt gelegen, war er im 16. Jahrhundert ein Ort des 'prallen Lebens'. Die umliegenden Bewohner ließen ihr Vieh auf dem Platz weiden und nicht selten kam es vor, dass die Tiere auf der Suche nach Futter die manchmal nur 30 Zentimeter tief bestatteten Leichname wieder ausgruben. Es herrschte ein Kommen und Gehen wie auf einem Marktplatz, denn der Kirchhof wurde auch für das Tauschen oder Verkaufen von Waren genutzt. Martin Luther beklagte am Beispiel des Wittenberger Friedhofs, 'dass es keinen öffentlicheren und unstilleren Ort in der ganzen Stadt gibt als eben den Kirchhof, wo man täglich, ja Tag und Nacht, darüber läuft, und das sowohl Menschen als auch Vieh'.
Die Folge dieser unhaltbaren Zustände waren strengere Vorgaben für die Begräbnisse. So wurde durch Kirchenordnungen geregelt, wo und wann wer begraben werden durfte. Erwachsene Katholiken wurden am Vormittag zu Grabe getragen, Kinder am Nachmittag. In den Abendstunden bestattete man ungetaufte Kinder, die aus Kostengründen oftmals ohne Sarg bestattet wurden. Der Totengräber trug sie unter seinem Mantel vom Sterbehaus zum Friedhof. Die Redewendung 'unter dem Deckmantel' hat hier ihren Ursprung.
Vom Kirchhof zum Friedhof
Bereits im 16. Jahrhundert wurden vereinzelt Friedhöfe aus hygienischen Gründen und aus Platzmangel an den Rand der Städte verlegt. Die Reformationsbewegung gab den Anstoß und im 18. Jahrhundert entwickelte sich ein regelrechter Boom zur Friedhofsverlegung. Zu dieser Zeit gab es erstmals verbindliche Angaben über die Tiefe der Gräber. Die Trennung von Grab und Kirche war vollzogen - aus dem Kirchhof wurde der Friedhof.
Streit gab es zunächst um die Einziehung der Gebühren. Waren die Friedhöfe städtisches oder kirchliches Eigentum? Eine Verordnung Napoleons aus dem Jahr 1807 legte schließlich fest, dass es den Gemeinden oblag, die Plätze für Friedhöfe zu erwerben. Die Pfarren hatten sie zu pflegen und durften Einkünfte aus Bestattungen erzielen.
Anders als die im Halbrund um die Pfarrkirche angelegten Kirchhöfe unterlagen die Friedhöfe der Platz- und Kostenminimierung. Rechteckig oder viereckig sollten sie sein mit einem ringsum sie herumführenden 18 bis 24 Fuß (5,40 bis 7,20 Meter) breiten Weg und einem großzügigen runden oder ovalen Platz in der Mitte für die Leichenzüge. Ebenso waren die Bepflanzung und die Friedhofseinfassung vorgeschrieben und es entstanden im Laufe der Zeit echte Gartenparadiese, von denen alte Friedhöfe noch heute zeugen.
Anders als der Ort der 'lebenden Toten' im Mittelalter wurde der Friedhof zur Erinnerungs- und Gedenkstätte. Das Grabmal und auch die Bestattung selbst dienten dazu, die soziale Stellung des Verstorbenen deutlich zu machen, wie Zünfte und Bruderschaften, die eigene Begräbnisrituale entwickelten.
Bürgertum und Adelige legten Wert auf besonders repräsentative Grabstätten. Es entwickelte sich ein regelrechter 'Grabmalkult' in den Kreisen, die es sich leisten konnten. Demgegenüber gab es die Gemeinschaftsgräber, mehrere Meter breit und tief, in denen die Menschen der unteren gesellschaftlichen Schichten ihre letzte Ruhe fanden - ohne Sarg, lediglich in ein Leinentuch gehüllt.
Im Unterschied zu den 'ewigen Grabstätten', die im Judentum und Islam religiöse Pflicht sind, kennen Christen schon im Mittelalter die Praxis des so genannten 'Abräumens', also die Wiederbenutzung der Gräber. Die Überreste, vor allem aus den Gemeinschafts- und Armengräbern, wurden nach dem Abräumen in 'Beinhäusern' gesammelt.
Zahlreiche Friedhofsreformen brachten immer wieder neue Vorgaben in der Grabmalgestaltung. Die Neuerungen gingen einher mit einer Technisierung der Bestattungskultur.
Die Familie hatte immer weniger Einfluss auf die Bestattung, die Aufbahrung der Toten im eigenen Haus geschah immer seltener. Anstelle des Abschiednehmens im häuslichen Sterbezimmer traten kommunale Leichenhallen. Die erste wurde um 1790 in München errichtet und damit entfiel in der Regel auch der Leichenzug als gemeinsamer Gang zum Friedhof.
Das Handwerk der professionellen Bestatter entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bestatter übernahmen nicht nur den Leichentransport und die Bestattung, sondern immer mehr auch zeremonielle Dienste. Während früher alle Aufgaben rund um Tod und Bestattung der Kirche zufielen, rückten nunmehr die Bestatter und die Kommunen an ihre Stelle. Sichtbares Zeichen dafür ist bis heute das Abhalten der Trauerfeier in der Leichenhalle oder einer Trauerhalle statt in der Kirche.
Das 20. Jahrhundert brachte einen eher pragmatischen Umgang mit dem Tod. Die Feuerbestattung als kostengünstige Bestattungsvariante rückte mit Abstand zu kirchlichen Zeremonien wieder mehr in den Blickpunkt. Die Arbeiterbewegung und freigeistige Vereinigungen unterstützten die Feuerbestattung. Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte sie einen regelrechten Boom als preiswerte und hygienische Bestattungsmöglichkeit.
Die heutigen Bestattungsformen auf Friedhöfen sind:
* Das Familiengrab, Wahlgrab (hier kann das Nutzungsrecht verlängert werden)
* Das Reihengrab oder Einzelgrab - die am meisten verbreitete Form der Erdbestattung mit durchschnittlichen Ruhezeiten um die 20 Jahre. Danach verschwindet das Grab und mit ihm der Ort des Gedenkens
* Das anonyme Urnengrab - keine Symbole oder Grabzeichen, keine Wahlmöglichkeit der Lage des Grabes, die Identität des Toten verschwindet gänzlich, zentrale Gedenksteine
* Besondere Urnengrabstätten wie Stelen, Kolumbarien
* Baumgräber für Urnen
Nach dem technisierten Umgang mit dem Tod, der Trauerfeier im Stundentakt in öffentlichen Trauerhallen haben sich mittlerweile die Erwartungen an eine Bestattung wieder geändert. (Mit-)Gestaltungsmöglichkeiten bei den Trauerfeiern sind gewünscht, sie sollen individueller, persönlicher und selbstbestimmter werden.
Nach einem 'Abgeben der Bestattung' in die Hand von professionellen Bestattern, der Nutzung von kommunalen Orten der Trauer - sei es Leichenhalle oder Friedhof - wächst derzeit der Wunsch nach individuellen, familiennahen und persönlichen Erinnerungsorten. Eine Abkehr von der kühlen Professionalität und die Rückkehr der Bestattung in die Hände der Familien und Hinterbliebenen kennzeichnet die Trauerkultur der Moderne.
Naturbestattungen
'Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt! Wie die Samen, die unter der Schneedecke träumen, träumen Eure Herzen vom Frühling. Vertraut diesen Träumen, denn in ihnen verbirgt sich das Tor zur Unendlichkeit. Die Blumen des Frühlings sind die Träume des Winters.'
(Khalil Gibran)
Die Vorstellung, nach dem Tod in freier Natur bestattet zu werden, hat für viele Menschen etwas Tröstliches. Naturbestattungen - das sind Bestattungen in einem naturnahen Umfeld außerhalb eines traditionellen Friedhofes.
Die Seebestattung, Asche-Streufelder, die Bestattung zu Füßen eines Felsens, die Luftbestattung, die Weltraumbestattung, der Asche-Diamant - dies alles sind im weitesten Sinne Formen der Naturbestattung. In Deutschland ist die Bestattung Ländersache, allerdings gilt für ganz Deutschland Friedhofszwang. Auch das am 1. September 2003 in NRW in Kraft getretene neue Bestattungsgesetz änderte dies nicht. Andere europäische Nachbarländer sind in dieser Beziehung sehr viel liberaler. Die Folge: ein regelrechter 'Urnen-Tourismus' hat sich entwickelt. Internetseiten geben freizügig Tipps, wie der Friedhofszwang in Deutschland umgangen werden kann.
Ausgenommen vom Friedhofszwang ist lediglich die Seebestattung. Früher war sie nur Seeleuten vorbehalten. Seit 1972 ist die Beisetzung von Urnen auf hoher See in Deutschland allen Menschen zugänglich. Der Kapitän des Schiffes verzeichnet die Stelle außerhalb der Dreimeilenzone, an der die Urne versenkt wurde, in seinem Logbuch. Die Seebestattung macht derzeit rund 0,5 Prozent aller Bestattungen in Deutschland aus.
Der weitaus größte Teil der Naturbestattungen in Deutschland ist die Urnenbeisetzung zu Füßen eines Baumes. FriedWald ist der Wegbereiter und führende Anbieter dieser alternativen Bestattungsform.
Die Bestattung in freier Natur - eine fast poetische Vorstellung. Doch ganz so romantisch ist der Weg in Deutschland zunächst nicht, denn vor diese Form der Bestattung hat der Gesetzgeber die Einäscherung gesetzt. Trotz eines großen Faibles für die Naturbestattung ist für einige Menschen die Kremation ein großes Hemmnis - sei es aus religiöser Sicht oder aus einem undefinierbaren 'Bauchgefühl' heraus.
Information und Aufklärung hilft oftmals, eine innere Barriere zu überwinden. Daher hier ein kurzer Blick in die Geschichte der Feuerbestattung und anschließend eine sachliche Information über die Vorgänge in einem Krematorium.
Die Geschichte der Feuerbestattung
Die Feuerbestattung ist in vielen Kulturen bekannt. Erste Urnengräber gab es bereits in der Bronzezeit. Im Hinduismus und Buddhismus ist das Verbrennen des Leichnams die übliche Art der Bestattung und gibt - so der hinduistische Glaube - der Seele die Möglichkeit, den Körper zu verlassen, um wiedergeboren zu werden. Für die nomadischen Völker war die Feuerbestattung ebenfalls die für sie praktikable Art, ihre Toten zu versorgen und die Überreste mit sich zu führen.
Unsere germanischen Vorfahren verbrannten die Leichen angesehener Persönlichkeiten mit ausgewählten Hölzern. Auch im Römischen Reich galt die Leichenverbrennung aufgrund der hohen Kosten für Holz als Privileg der Reichen. So war die Feuerbestattung gegenüber der Erdbestattung sogar die vornehmere Variante.
Das Christentum und der Islam allerdings lehnten eine Feuerbestattung lange Zeit ab - der Islam bis heute. Hier wird auf den Koran Vers 5,31 verwiesen: 'Da sandte Allah einen Raben, der auf dem Boden scharrte, dass er ihm zeige, wie er den Leichnam seines Bruders verbergen könne.' Dies wird als Hinweis dafür genommen, wie ein Mensch zu bestatten ist.
Die ursprüngliche Ablehnung der Feuerbestattung im Christentum begründete sich in dem Glauben an die leibliche Auferstehung. Außerdem war die (Erd-)Bestattung Jesu Christi ein Vorbild. Lediglich Häretiker, also Andersgläubige und Sünder - man erinnere sich an die Hexenverbrennungen -, wurden dem Feuer preisgegeben, damit es sie von ihren Sünden befreie. Die evangelische Kirche hat die Feuerbestattung schließlich in den 20er-Jahren erlaubt. Die katholische Kirche legitimierte sie in ihrem II. Vatikanischen Konzil im Jahr 1963.
Die Feuerbestattung war früher lediglich dem gehobenen Bürgertum zugänglich. Das änderte sich 1874, einem Jahr, in dem die Feuerbestattung zudem diesen neuen Namen erhielt. Zuvor wurde sie etwas derb als 'Leichenverbrennung' bezeichnet. Der Dresdener Ingenieur Richard Schneider, der an der Entwicklung des ersten produktionsreifen Einäscherungsapparates in Deutschland beteiligt war, soll diesen Begriff geprägt haben.
Außerdem hatte die Feuerbestattung zwei große Förderer: die Mediziner Heinrich Wilhelm Reclam und Gottlob Friedrich Küchenmeister. Sie propagierten diese Art der Bestattung nicht zuletzt aus hygienischen Gründen und konstituierten die ersten Feuerbestattungsvereine in Berlin und Dresden. Mit finanzieller Unterstützung dieser Feuerbestattungsvereine konnte am 10. Dezember 1878 das erste Krematorium Deutschlands in Gotha eröffnet werden. Es folgte 1891 das Krematorium in Heidelberg, dann 1892 das Krematorium in Hamburg.
Die Zahl der Anhänger dieser Bestattungsform wuchs mit der Zahl der eröffneten Krematorien. Dennoch war die Feuerbestattung auch Ende des 19. Jahrhunderts noch eine elitäre Angelegenheit, die vor allem gebildete und begüterte Personen wie Kaufleute, Industrielle und Beamte nutzten. Zwischen 1878 und 1898 starben im Deutschen Reich 24,4 Millionen Menschen. Aber lediglich 3.110 wurden feuerbestattet.