Anderl von Rinn
Ritualmordkult und Neuorientierung in Judenstein 1945-1995
Bernhard Fresacher(Author)
Tyrolia (Publisher)
Published in 1998
Book
Paperback/Softback
224 pages
978-3-7022-2125-6 (ISBN)
Description
Wider die Macht der Tradition, oder warum der Abschied vom Anderl-von-Rinn-Kult so schwierig ist.
Anderl von Rinn spielt die Hauptrolle in einer antisemitischen Ritualmord-Tradition, die seit 400 Jahren im katholischen Tirol und weit darüber hinaus verwurzelt ist. Nicht nur die Wallfahrtskirche, sondern auch der Tourismus vor Ort haben bis in unsere Zeit von dieser Tradition profitiert. Nach dem Holocaust hat die Kirche - zuerst zögerlich, dann vehement - versucht, ihr ein Ende zu setzen.
Dieser mühsame Prozeß wird in der vorliegenden Studie erstmals wissenschaftlich aufgearbeitet und systematisch dargestellt. 1953 wurde der Gedenktag des Anderl von Rinn aus dem diözesanen Kalender gestrichen, 1961 zwei diffamierende, antisemitische Darstellungen aus der Kirche entfernt, erst Mitte der 80er Jahre wurde die Anderl-Reliquie vom Hochaltar genommen, für die Kirche ein neues Patrozinium vorgeschlagen, und noch 1994 sah sich Bischof Stecher gezwungen, ein kirchenrechtlich relevantes Dekret zur Beendigung des Kultes des "Seligen Anderle von Rinn" zu veröffentlichen. Währendessen setzten reaktionäre katholische Kreise das Anderl auf ihre Fahne und machten es zum Patron ihres Kampfes gegen die Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Am Beispiel Anderl von Rinn zeigt Fresacher die Hartnäckigkeit eines latenten Antisemitismus auf. Der Geist, aus dem in Europa an die 700 Ritualmordbeschuldigungen erstanden, ist nicht tot. Weiters fragt er nach den Mechanismen öffentlicher Auseinandersetzung und Meinungsbildung in einer Kleingemeinde im Zeitalter der Mediengesellschaft.
Anderl von Rinn spielt die Hauptrolle in einer antisemitischen Ritualmord-Tradition, die seit 400 Jahren im katholischen Tirol und weit darüber hinaus verwurzelt ist. Nicht nur die Wallfahrtskirche, sondern auch der Tourismus vor Ort haben bis in unsere Zeit von dieser Tradition profitiert. Nach dem Holocaust hat die Kirche - zuerst zögerlich, dann vehement - versucht, ihr ein Ende zu setzen.
Dieser mühsame Prozeß wird in der vorliegenden Studie erstmals wissenschaftlich aufgearbeitet und systematisch dargestellt. 1953 wurde der Gedenktag des Anderl von Rinn aus dem diözesanen Kalender gestrichen, 1961 zwei diffamierende, antisemitische Darstellungen aus der Kirche entfernt, erst Mitte der 80er Jahre wurde die Anderl-Reliquie vom Hochaltar genommen, für die Kirche ein neues Patrozinium vorgeschlagen, und noch 1994 sah sich Bischof Stecher gezwungen, ein kirchenrechtlich relevantes Dekret zur Beendigung des Kultes des "Seligen Anderle von Rinn" zu veröffentlichen. Währendessen setzten reaktionäre katholische Kreise das Anderl auf ihre Fahne und machten es zum Patron ihres Kampfes gegen die Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Am Beispiel Anderl von Rinn zeigt Fresacher die Hartnäckigkeit eines latenten Antisemitismus auf. Der Geist, aus dem in Europa an die 700 Ritualmordbeschuldigungen erstanden, ist nicht tot. Weiters fragt er nach den Mechanismen öffentlicher Auseinandersetzung und Meinungsbildung in einer Kleingemeinde im Zeitalter der Mediengesellschaft.
More details
Language
German
Illustrations
30 Quellentexte, 32 schw.-w. Abb., 2 Ktn
Dimensions
Height: 20.5 cm
Width: 13.5 cm
Weight
360 gr
ISBN-13
978-3-7022-2125-6 (9783702221256)
Schweitzer Classification
Persons
Dr. BERNHARD FRESACHER, geb. 1964 in Salzburg; Studium der katholischen Theologie in Salzburg und Würzburg; Studium der Psychologie in Trier und Mainz; 1991 - 1995 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Dogmatik und Ökumenische Theologie der Universität Mainz; 1995 Promotion; seit 1996 Leiter des Referates Ehe und Familie des Bistums Trier.