Das Echo-Labyrinth 4
Volontäre der Ewigkeit
Max Frei(Author)
Blanvalet (Publisher)
Published on 7. July 2008
Book
Paperback/Softback
256 pages
978-3-442-24475-1 (ISBN)
Description
Wieder einmal wird Max in Echo mit absonderlichen Begebenheiten konfrontiert; manche davon - wie etwa der Fall des nörgeligen Restaurantbesitzers Mochi Fo - lassen sich mit Max' eigenen magischen Mitteln lösen. Doch als er es eines Nachts mit Zombies zu tun bekommt, muss Max eilig in unsere Welt zurückkehren, um nach dem einzigen wirksamen Gegenmittel zu suchen .
Russische Fantasy ist einfach fantastisch!
Voll hintersinnigem Humor und komischkluger Einfälle.
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More details
Series
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.3 cm
Width: 11.5 cm
ISBN-13
978-3-442-24475-1 (9783442244751)
Schweitzer Classification
Persons
Max Frei ist das Pseudonym des russischen Autoren-Paares Svetlana Martynchik und Igor Stepin. Martynchik, die den Helden Max Frei erfunden und entwickelt hat, wurde 1965 in Odessa geboren, studierte in Moskau und lebt derzeit in Vilnius/Litauen. Max Frei
Content
Die Brille von Baka Bugwin
Max, du siehst ja die ganze Zeit auf die Straße. Gibt's da draußen was Besonderes?' Ich zuckte zusammen und wäre beinahe aus dem Fenster gefallen. 'Hast du mich aber erschreckt, Kofa! Du bist wirklich unglaublich leise.'
'Das gehört zu meinem Beruf - das weißt du doch', sagte Kofa Joch, stellte seine Tasse mit Kamra auf den Tisch und machte es sich in meinem Sessel gemütlich. 'Nun sag schon - was hast du da draußen gesehen?'
'Dass fast Vollmond ist und eine herrliche Sommernacht in schönster Blüte steht. Solche einfachen Dinge berühren mich immer tief. Zwar lassen sie in mir keinen Dichter erwachen und auch keinen Gott, der davon träumt, aus dem Totenreich zurückzukehren und wieder an die Macht zu gelangen, aber. Ich rede Unsinn, stimmt's?'
'Ein bisschen', sagte Kofa lächelnd, 'doch es hält sich in Grenzen. Und die Nacht ist wirklich prächtig - wie geschaffen, mit einer wunderbaren Frau spazieren zu gehen, statt im Büro zu sitzen.'
'Ach, so einen Spaziergang könnte ich zu jeder Tages und Nachtzeit machen', seufzte ich. 'Aber meine Freundin ist kein Fan von Mondscheinaktivitäten. Darum
kann ich mit ihr nur zwischen Küche und Schlafzimmer promenieren - und das auch eher selten, da ich tagsüber schlafe und abends ins Büro gehe. Außerdem hat Lady Techi ihre Lebenseinstellung geändert und vertraut niemandem mehr, der nicht wenigstens ab und zu in den eigenen vier Wänden übernachtet. Mein Leben ist also ziemlich grausam.'
'Jammere nicht so viel, Max - das kauf ich dir nicht ab. Auf deiner Stirn steht in Großbuchstaben, dass du glücklich bist. Und weißt du was? Ich bin entschlossen, deine Gier nach romantischen Spaziergängen zu befriedigen.'
'Willst du mir zu diesem Zweck etwa die Dame deines Herzens überlassen?', fragte ich erstaunt. 'Du bist wirklich ein Freund!'
'Ach, nein. Du sollst mich nur begleiten. Das Schiff aus Arwaroch ist schon über zwei Wochen weg, und wir beide sind seither nicht mehr abends ausgegangen. Keine Ausflüchte - das hast du mir schon vor langer Zeit versprochen.'
'Sündige Magister - lieber sterbe ich, als dass ich diesen Eid nicht erfülle.'
In letzter Zeit war es im Haus an der Brücke schick, die seltsamen Besucher aus Arwaroch nachzuahmen, und man zitierte ihre pompösen Sprüche gern.
Ich trank meine Kamra aus, verließ den Platz am Fenster, legte den Todesmantel ab und hüllte mich in das unauffällige Grün meines dienstlichen Lochimantels. Er gefiel mir zwar überhaupt nicht, war für nächtliche Streifzüge aber bestens geeignet.
'Ich bin zu allem bereit, Kofa. Wohin führst du mich?'
'Dorthin, wo du noch nie gewesen bist - in eine Kneipe, die etwa hundert Jahre vor deinem seltsamen Auftauchen, pardon: vor deiner eigenartigen Ankunft in Echo, aus der Mode gekommen ist. Inzwischen gehen nur noch die Nachbarn dorthin. Und alte Romantiker wie ich. Denk dir - das ist der einzige Ort in der Hauptstadt, an dem ich ohne Probleme mein wahres Gesicht zeigen kann. Dort muss ich niemanden verfolgen und keine Ermittlungen anstellen, und alle Gäste kennen sich seit einer Ewigkeit.'
'Klingt interessant. Und was ist das für eine Kneipe?'
'Sie heißt Juffins Dutzend und ist eins der kleinsten Gasthäuser in Echo. Aber das bedeutet nicht, dass die Küche zu wünschen übrig ließe.'
'Wie heißt sie? Juffins Dutzend? Warum das denn? Ist die Besitzerin etwa scharf auf unseren Chef?'
'Die Besitzerin ist ein Mann.'
Wir gingen auf die Straße.
'Lass ihn stehen', meinte Kofa und hielt mich zurück, als ich in meinen Wagen einsteigen wollte. 'Du hast dich doch eben noch beklagt, dass niemand nachts mit dir durch die Stadt spazieren will. Wir gehen zu Fuß.'
'Ach, das war nur ein blinder Reflex.'
'Seine Reflexe sollte man beherrschen - vor allem, wenn sie unnütz sind. Wer nur aus Reflex handelt, bemerkt die Welt ringsum gar nicht.'
'Du redest schon wie Lonely-Lokley', brummte ich. 'Dabei ist die Nacht viel zu hübsch, um ihn nachzuahmen. Erzähl mir lieber mehr über dieses Wirtshaus.'
'Da gibt es nicht viel zu erzählen. Es gehört einem Mann namens Mochi Fa, der - unter uns gesagt - mit unserem Chef verwandt ist. Kurz nach seiner Ankunft aus Kettari hat Juffin diesem Mochi ein Dutzend Kronen geliehen und dann rasant Karriere gemacht. Damals bin ich ihm ständig nachgehetzt', sagte Kofa mit nostalgischem Lächeln, berichtigte seine Erinnerung aber rasch: 'Wenn ich's mir recht überlege, war Juffin damals schon Chef unserer Behörde. Das Ganze trug sich ja am Anfang der Epoche des Gesetzbuchs zu. Tagsüber, musst du wissen, hat Juffin fleißig gearbeitet, und abends hat er in ganz Echo Mau-Mau gespielt und dabei unverschämte Beträge gewonnen.'
'War das, bevor Seine Majestät Gurig VII. ihm verboten hat, in der Öffentlichkeit Mau-Mau zu spielen? Hat er das nicht mit Sorgen um die ökonomische Stabilität der Hauptstadt begründet?'
'Genau. Jeden Abend gab es mehr bankrotte Hauptstädter, und Juffin verließ jedes Mal eine andere Gaststätte mit einem Rucksack voller Geld. Und in seinen unschuldigen Augen stand stets nur die Frage:>Wer hat diesen Dummköpfen bloß Mau-Mau beigebracht?'Und? Taucht unser Chef dort oft auf?'
'Du kennst diesen Snob doch. Er lässt sich zu keinem Essen überreden, das nicht von unserer wunderbaren Madame Zizinda stammt', brummte Kofa. 'Eigentlich geht er nur ins Fressfass. Zum letzten Mal hat man ihn meines Wissens vor fünfzig Jahren im Juffins Dutzend gesichtet.'
'Warum hast du mir diese Kneipe eigentlich nicht schon früher gezeigt?'
'Die dortige Küche kennen zu lernen, mein Junge, ist wie ein Ritterschlag', stellte Sir Kofa mit Nachdruck fest. 'Es ist unmöglich, dort mit einem Novizen hinzugehen.'
'Bin ich jetzt also reif genug dafür?'
'Das wohl nicht, aber ich bin heute milde gestimmt', meinte Kofa lächelnd. 'Schwein gehabt.'
In diesem Moment erreichten wir das Tor zu den drei Brücken. Doch statt in die Neustadt zu gehen, spazierten wir an der Stadtmauer entlang, traten in einen spärlich beleuchteten Torweg und landeten vor einer massiven Tür.
'Sind wir etwa schon da?', fragte ich erstaunt.
'Kaum zu glauben, was? Ich habe mehrmals versucht, Mochi zu überreden, endlich eine Laterne neben den Eingang zu hängen. Tagsüber sieht man hier kaum etwas, und nachts.'
'Ja, ich an seiner Stelle würde nicht so geizig mit der Werbung in eigener Sache sein.'
'Das Problem ist, dass Mochi Ratschläge kaum erträgt und lieber den ganzen Tag welche erteilen würde. Außerdem kennen seine Stammkunden das Lokal gut, und neue Gäste braucht er ohnehin nicht. Er hat nur zwölf Tische, und einen davon muss er für Juffin frei halten. Aber jetzt komm endlich rein, Max.'
Mein Freund drückte mühsam die Klinke und öffnete nicht minder mühsam die Tür zum Paradies.
Ich kam in einen dunklen Raum und blinzelte verlegen, während meine Augen sich ans Dämmerlicht gewöhnten. Sir Kofa stupste mich in den Rücken und begrüßte die übrigen Gäste freundlich. Ich erkannte kein einziges Gesicht, leistete aber keinen Widerstand, setzte mich auf den ersten freien Stuhl, der sich als erstaunlich bequem erwies, und sah mich um.
Das Juffins Dutzend war ein kleines, nettes Wirtshaus nach meinem Geschmack. Die Einrichtung war schlicht, und an den Wänden hingen hübsche Bilder. Nur da und dort tummelte sich ein wenig Kitsch. Die wenigen Besucher erschienen mir wie Mitglieder eines elitären Clubs - keine auferstandenen Kreuzritter oder Träger des hiesigen Nobelpreises zwar, aber angenehm reservierte und doch sympathische Intellektuelle vom Schlage unseres Sir Kofa.
'Mein Leben lang habe ich geträumt, an einen Ort wie diesen zu geraten', flüsterte ich ihm zu.
'Gefällt es dir hier wirklich?', fragte er erfreut. 'Ich war mir nicht sicher, ob du das alles zu schätzen weißt, aber jetzt bin ich froh. Hallo, Sir Kima, sind Sie aus Ihrem Keller geflüchtet? Daran haben Sie recht getan! So eine Nacht sollte man nicht allein in der Burg Jafach verbringen. Wollen Sie uns nicht Gesellschaft leisten?'
Ich erblickte einen älteren Mann in schlichtem Mantel. Er hatte so intensiv leuchtende blaue Augen, dass ich ganz verwirrt war.
'Kennen Sie sich noch nicht?', fragte Kofa erstaunt. 'Das ist Sir Kima Blimm, der Großvater von Lady Melamori. Du hast schon einiges aus seinem Keller gekostet, Max.'
'Wir kennen uns gut, aber nur vom Hörensagen. Jetzt können wir den offiziellen Begrüßungsritus durchführen', erklärte der blauäugige Sir Kima lächelnd. 'Du bist es wirklich!', rief er dann und setzte hinzu: 'Ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich dich duze, Max.'
'Aber nicht doch. Wer so oft mit Sir Melifaro zu tun hat wie ich, ist gegen Beleidigungen immun.'
'Das verstehe ich gut', meinte Kima kichernd und fragte dann deutlich besorgt: 'Wie geht es meiner Enkelin? Könntet ihr mir ein wenig über sie erzählen?'
'Was gibt es da schon zu berichten?', meinte Kofa achselzuckend. 'Wenn sie ins Haus an der Brücke kommt, hat sie dieses seltsame Wesen aus Arwaroch auf dem Rücken. Und regelmäßig verirrt sie sich auf die Flure der Stadtpolizei, wo sie die Mitarbeiter von General Bubuta erschrickt, von denen einige echte Angst vor ihr haben. Das macht ihr einen Heidenspaß. Sehen Sie Ihre Enkelin so selten, Sir Kima?'
'Leider praktisch gar nicht. Das Mädchen hat sich mit ihren Eltern gestritten, als ihr Vater ein paar Bemerkungen über ihren exotischen Liebhaber machte. Ich war von Anfang an dafür, die Sache mit Geduld anzugehen. Dieser groß gewachsene junge Mann - wie heißt er noch. ach ja, Alotho - geht jetzt endlich nach Arwaroch, und die Sache ist bald vergessen. Wie ist meine Enkelin bloß auf die Idee gekommen, den Streit mit ihrem Vater auf mich zu übertragen? Früher hat sie mich oft besucht und mir von ihren Problemen erzählt, aber das hat sich inzwischen alles geändert.'
Kima Blimm ließ den Kopf hängen und sagte dann: 'Sündige Magister, ich rede zu viel. Wir sollten das Thema wechseln.'
'Der grausame Mochi kommt auf uns zu - da haben wir sowieso keine andere Wahl. Die nächste halbe Stunde sprechen wir nur übers Essen.'
Ein blonder Mann mit vielen grauen Haaren trat zu uns an den Tisch. Seine blauen Augen musterten uns streng. Er trug eine Brille mit viereckigem Metallgestell und einen schwarzen Lochimantel aus Leder. Aus der Enzyklopädie der Welt von Sir Manga Melifaro wusste ich, dass diese Kleidung typisch für Seeleute war, hatte in Echo bisher aber noch keinen solchen Ledermantel gesichtet.
'Mochi hält diese Sachen für praktischer. Wenn er einen Soßenfleck oder so was abbekommt, muss er den Mantel nicht ausziehen, sondern wischt ihn bloß ab und arbeitet weiter', erklärte mir Kofa flüsternd.
'So einen vernünftigen Menschen hab ich hier schon lange nicht mehr getroffen', rief ich begeistert.
'Guten Abend, Kofa! Guten Abend, Kima! Ich freue mich, Sie mal wieder zu sehen. Guten Abend, Max! Ich habe Sie auch ohne Ihren Todesmantel erkannt. Schön, dass Sie bei mir vorbeischauen.'
Alle diese Nettigkeiten hatte Mochi so gereizt gesagt, als hielte er uns am Ohr und wollte uns zwingen, eine Pirogge zu essen.
'Nimm das nicht so ernst, Max. So redet er mit allen', meldete sich Sir Kofa per Stumme Rede, und ich merkte, dass ich mein Staunen nicht hatte verbergen können.
'Schon in Ordnung. Langsam gefällt mir das sogar. Er näselt so hübsch und vermeidet es, mich mit>Sir'Da Sie heute erstmals bei mir sind, fühle ich mich verpflichtet, Ihnen bei der Auswahl des Menüs zu helfen', sagte Mochi streng.
'Hör nicht auf ihn, Junge', mischte Kofa sich ins Gespräch. 'Ich weiß besser, womit du anfangen solltest.'
'Nein, Kofa, das wissen Sie nicht. Zurzeit wohnt die Schwester meiner Frau bei mir. Sie hat einen Mann aus Tulan geheiratet, und so haben Sie heute die einmalige Chance, einige Gerichte der dortigen Küche zu probieren. Das ist eine großartige Gelegenheit, Ihren Horizont zu erweitern.'
'Hört sich spannend an', meinte ich.
'Das klingt nur so', meinte Kofa skeptisch. 'Diese Frau ist schon seit einem halben Jahr hier, und ich hatte bereits mehrfach Gelegenheit, die Küche von Tulan kennen zu lernen. Sie ist ganz einfach und völlig unspektakulär. Kushi auf kumanische Art dagegen - das ist wirklich etwas Besonderes. Oder Honigpute auf isamonische Art. Hast du schon bemerkt, dass es hier vor allem exotische Gerichte gibt?'
'Ich tue mein Bestes, die Leute davon zu überzeugen, dass wir nicht nur in einem Vereinigten Königreich leben, sondern in einer großen, rätselhaften Welt voller Völker, deren Kultur unsere Aufmerksamkeit verdient', sagte der Wirt, und seine Stimme klang erneut gereizt. 'Aber ich muss noch mal betonen, dass man all die Gerichte, von denen Sie eben gesprochen haben, Kofa, immer wieder bestellen kann, während die tulanische Küche.'
'Zu den Magistern mit Ihnen, Mochi! Servieren Sie mir also eine Spezialität aus Tulan. Davon werde ich schon nicht sterben', sagte ich resigniert. 'Schließlich hab ich mal fünf Hamburger auf einmal gegessen und überlebt.'
'Was hast du gegessen, Max?', fragte Kima interessiert.
'Hamburger sind eine Spezialität der Leeren Länder, auf die wir sehr stolz sind', sagte ich aufgeblasen. 'Ich habe zwar den Verdacht, dass dabei nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, aber beweisen kann ich nichts.'
'Polemik gehört jedenfalls nicht zu deinen Stärken, Max', seufzte Kofa enttäuscht. 'Ich hätte nie gedacht, dass du so leicht zu überzeugen bist. Aber mach, was du willst - ich nehme Kushi.'
'Auf kumanische Art?', fragte der Wirt so gereizt wie zuvor und notierte die Bestellung.
'Jedenfalls nicht auf tulanische Art.'
'Für mich bitte das Gleiche', sagte Kima Blimm, der auch endlich einen Wunsch äußern musste. 'Du, Kofa, bist in diesem Bereich der größte Experte. Deshalb ist deine Wahl für mich absolut verbindlich.'
'Siehst du?', meinte Kofa und wandte sich mit einem viel sagenden Blick an mich. 'So handeln kluge Menschen.'
'Macht nichts', antwortete ich und winkte resigniert ab. 'Ich habe mir ohnehin vorgenommen, alle Gerichte in diesem wunderbaren Wirtshaus zu probieren. In einem Jahr erkennst du mich nicht wieder. Dann bin ich der Stammgast hier und obendrein der Dickste im Lokal.'
'Gratuliere, Mochi. Sie haben einen neuen Stammkunden', meinte Kofa lächelnd. 'Und das ist mein Verdienst, denn ich habe ihn mitgebracht.'
'Besser spät als nie', brummte der Wirt und nahm mir die Speisekarte weg, für die ich ohnehin keine Zeit hatte. 'Wissen Sie schon, was Sie trinken wollen?'
Der Klang seiner Stimme ließ vermuten, er würde uns auspeitschen, wenn wir keine Antwort parat hätten.
'Nichts', sagte mein Kollege und lächelte breit. 'Im Prinzip sind Max und ich dienstlich hier, dürfen also keine gefährlichen Getränke zu uns nehmen. Und auch Kima wird sich beherrschen, da er Zugang zum Weinkeller des Siebenzackigen Blattes hat.'
'Du hast nicht über mich zu verfügen', protestierte Kima lächelnd. 'Ich wollte Mochi gerade um ein paar edle Tropfen bitten. Man kann doch mal probieren.'
'Und ich trinke Kamra', rief ich.
'Vor dem Essen? Sir Max, haben Sie denn keine Angst vor den Dunklen Magistern?', fragte der Wirt streng.
Er schien drauf und dran, mir mit dem Zeigefinger zu drohen.
'Natürlich vor dem Essen', rief ich. 'Und nach dem Essen selbstverständlich auch. Seien Sie froh, dass ich mich beim Essen mit dem Trinken zurückhalte.'
'Danke für Backobst', sagte der Wirt gereizt wie immer und zuckte die Achseln.
Obwohl er die ganze Zeit mufflig war, hatte ich seine Augen hinter der Brille ausgesprochen freundlich funkeln sehen. Mochi Fa hatte einen seltsamen, sehr rauen Charme. Ich verstand gut, warum mein Chef ihm vor langer Zeit Geld für dieses Wirtshaus geliehen hatte. Auch ich wäre an seiner Stelle weich geworden.
Mochi kam nach wenigen Minuten wieder an unseren Tisch, stellte ein paar Tassen mit Kamra vor uns ab, schüttelte erstaunt den Kopf, enthielt sich aber jeden Kommentars. Kima Blimm bekam ein kleines, dunkles Fläschchen.
'Das ist Wein aus Iraschi', sagte der Wirt streng zu ihm. 'Anders als die Kamra ist der Wein von dort durchaus genießbar - genau wie die Süßigkeiten.'
Das Essen kam eine halbe Stunde später. Mein namenloses Gericht aus Tulan erwies sich als verführerisch duftender Pilaw. Meine Gesprächspartner schüttelten den Kopf, aber ich war zufrieden.
Max, du siehst ja die ganze Zeit auf die Straße. Gibt's da draußen was Besonderes?' Ich zuckte zusammen und wäre beinahe aus dem Fenster gefallen. 'Hast du mich aber erschreckt, Kofa! Du bist wirklich unglaublich leise.'
'Das gehört zu meinem Beruf - das weißt du doch', sagte Kofa Joch, stellte seine Tasse mit Kamra auf den Tisch und machte es sich in meinem Sessel gemütlich. 'Nun sag schon - was hast du da draußen gesehen?'
'Dass fast Vollmond ist und eine herrliche Sommernacht in schönster Blüte steht. Solche einfachen Dinge berühren mich immer tief. Zwar lassen sie in mir keinen Dichter erwachen und auch keinen Gott, der davon träumt, aus dem Totenreich zurückzukehren und wieder an die Macht zu gelangen, aber. Ich rede Unsinn, stimmt's?'
'Ein bisschen', sagte Kofa lächelnd, 'doch es hält sich in Grenzen. Und die Nacht ist wirklich prächtig - wie geschaffen, mit einer wunderbaren Frau spazieren zu gehen, statt im Büro zu sitzen.'
'Ach, so einen Spaziergang könnte ich zu jeder Tages und Nachtzeit machen', seufzte ich. 'Aber meine Freundin ist kein Fan von Mondscheinaktivitäten. Darum
kann ich mit ihr nur zwischen Küche und Schlafzimmer promenieren - und das auch eher selten, da ich tagsüber schlafe und abends ins Büro gehe. Außerdem hat Lady Techi ihre Lebenseinstellung geändert und vertraut niemandem mehr, der nicht wenigstens ab und zu in den eigenen vier Wänden übernachtet. Mein Leben ist also ziemlich grausam.'
'Jammere nicht so viel, Max - das kauf ich dir nicht ab. Auf deiner Stirn steht in Großbuchstaben, dass du glücklich bist. Und weißt du was? Ich bin entschlossen, deine Gier nach romantischen Spaziergängen zu befriedigen.'
'Willst du mir zu diesem Zweck etwa die Dame deines Herzens überlassen?', fragte ich erstaunt. 'Du bist wirklich ein Freund!'
'Ach, nein. Du sollst mich nur begleiten. Das Schiff aus Arwaroch ist schon über zwei Wochen weg, und wir beide sind seither nicht mehr abends ausgegangen. Keine Ausflüchte - das hast du mir schon vor langer Zeit versprochen.'
'Sündige Magister - lieber sterbe ich, als dass ich diesen Eid nicht erfülle.'
In letzter Zeit war es im Haus an der Brücke schick, die seltsamen Besucher aus Arwaroch nachzuahmen, und man zitierte ihre pompösen Sprüche gern.
Ich trank meine Kamra aus, verließ den Platz am Fenster, legte den Todesmantel ab und hüllte mich in das unauffällige Grün meines dienstlichen Lochimantels. Er gefiel mir zwar überhaupt nicht, war für nächtliche Streifzüge aber bestens geeignet.
'Ich bin zu allem bereit, Kofa. Wohin führst du mich?'
'Dorthin, wo du noch nie gewesen bist - in eine Kneipe, die etwa hundert Jahre vor deinem seltsamen Auftauchen, pardon: vor deiner eigenartigen Ankunft in Echo, aus der Mode gekommen ist. Inzwischen gehen nur noch die Nachbarn dorthin. Und alte Romantiker wie ich. Denk dir - das ist der einzige Ort in der Hauptstadt, an dem ich ohne Probleme mein wahres Gesicht zeigen kann. Dort muss ich niemanden verfolgen und keine Ermittlungen anstellen, und alle Gäste kennen sich seit einer Ewigkeit.'
'Klingt interessant. Und was ist das für eine Kneipe?'
'Sie heißt Juffins Dutzend und ist eins der kleinsten Gasthäuser in Echo. Aber das bedeutet nicht, dass die Küche zu wünschen übrig ließe.'
'Wie heißt sie? Juffins Dutzend? Warum das denn? Ist die Besitzerin etwa scharf auf unseren Chef?'
'Die Besitzerin ist ein Mann.'
Wir gingen auf die Straße.
'Lass ihn stehen', meinte Kofa und hielt mich zurück, als ich in meinen Wagen einsteigen wollte. 'Du hast dich doch eben noch beklagt, dass niemand nachts mit dir durch die Stadt spazieren will. Wir gehen zu Fuß.'
'Ach, das war nur ein blinder Reflex.'
'Seine Reflexe sollte man beherrschen - vor allem, wenn sie unnütz sind. Wer nur aus Reflex handelt, bemerkt die Welt ringsum gar nicht.'
'Du redest schon wie Lonely-Lokley', brummte ich. 'Dabei ist die Nacht viel zu hübsch, um ihn nachzuahmen. Erzähl mir lieber mehr über dieses Wirtshaus.'
'Da gibt es nicht viel zu erzählen. Es gehört einem Mann namens Mochi Fa, der - unter uns gesagt - mit unserem Chef verwandt ist. Kurz nach seiner Ankunft aus Kettari hat Juffin diesem Mochi ein Dutzend Kronen geliehen und dann rasant Karriere gemacht. Damals bin ich ihm ständig nachgehetzt', sagte Kofa mit nostalgischem Lächeln, berichtigte seine Erinnerung aber rasch: 'Wenn ich's mir recht überlege, war Juffin damals schon Chef unserer Behörde. Das Ganze trug sich ja am Anfang der Epoche des Gesetzbuchs zu. Tagsüber, musst du wissen, hat Juffin fleißig gearbeitet, und abends hat er in ganz Echo Mau-Mau gespielt und dabei unverschämte Beträge gewonnen.'
'War das, bevor Seine Majestät Gurig VII. ihm verboten hat, in der Öffentlichkeit Mau-Mau zu spielen? Hat er das nicht mit Sorgen um die ökonomische Stabilität der Hauptstadt begründet?'
'Genau. Jeden Abend gab es mehr bankrotte Hauptstädter, und Juffin verließ jedes Mal eine andere Gaststätte mit einem Rucksack voller Geld. Und in seinen unschuldigen Augen stand stets nur die Frage:>Wer hat diesen Dummköpfen bloß Mau-Mau beigebracht?'Und? Taucht unser Chef dort oft auf?'
'Du kennst diesen Snob doch. Er lässt sich zu keinem Essen überreden, das nicht von unserer wunderbaren Madame Zizinda stammt', brummte Kofa. 'Eigentlich geht er nur ins Fressfass. Zum letzten Mal hat man ihn meines Wissens vor fünfzig Jahren im Juffins Dutzend gesichtet.'
'Warum hast du mir diese Kneipe eigentlich nicht schon früher gezeigt?'
'Die dortige Küche kennen zu lernen, mein Junge, ist wie ein Ritterschlag', stellte Sir Kofa mit Nachdruck fest. 'Es ist unmöglich, dort mit einem Novizen hinzugehen.'
'Bin ich jetzt also reif genug dafür?'
'Das wohl nicht, aber ich bin heute milde gestimmt', meinte Kofa lächelnd. 'Schwein gehabt.'
In diesem Moment erreichten wir das Tor zu den drei Brücken. Doch statt in die Neustadt zu gehen, spazierten wir an der Stadtmauer entlang, traten in einen spärlich beleuchteten Torweg und landeten vor einer massiven Tür.
'Sind wir etwa schon da?', fragte ich erstaunt.
'Kaum zu glauben, was? Ich habe mehrmals versucht, Mochi zu überreden, endlich eine Laterne neben den Eingang zu hängen. Tagsüber sieht man hier kaum etwas, und nachts.'
'Ja, ich an seiner Stelle würde nicht so geizig mit der Werbung in eigener Sache sein.'
'Das Problem ist, dass Mochi Ratschläge kaum erträgt und lieber den ganzen Tag welche erteilen würde. Außerdem kennen seine Stammkunden das Lokal gut, und neue Gäste braucht er ohnehin nicht. Er hat nur zwölf Tische, und einen davon muss er für Juffin frei halten. Aber jetzt komm endlich rein, Max.'
Mein Freund drückte mühsam die Klinke und öffnete nicht minder mühsam die Tür zum Paradies.
Ich kam in einen dunklen Raum und blinzelte verlegen, während meine Augen sich ans Dämmerlicht gewöhnten. Sir Kofa stupste mich in den Rücken und begrüßte die übrigen Gäste freundlich. Ich erkannte kein einziges Gesicht, leistete aber keinen Widerstand, setzte mich auf den ersten freien Stuhl, der sich als erstaunlich bequem erwies, und sah mich um.
Das Juffins Dutzend war ein kleines, nettes Wirtshaus nach meinem Geschmack. Die Einrichtung war schlicht, und an den Wänden hingen hübsche Bilder. Nur da und dort tummelte sich ein wenig Kitsch. Die wenigen Besucher erschienen mir wie Mitglieder eines elitären Clubs - keine auferstandenen Kreuzritter oder Träger des hiesigen Nobelpreises zwar, aber angenehm reservierte und doch sympathische Intellektuelle vom Schlage unseres Sir Kofa.
'Mein Leben lang habe ich geträumt, an einen Ort wie diesen zu geraten', flüsterte ich ihm zu.
'Gefällt es dir hier wirklich?', fragte er erfreut. 'Ich war mir nicht sicher, ob du das alles zu schätzen weißt, aber jetzt bin ich froh. Hallo, Sir Kima, sind Sie aus Ihrem Keller geflüchtet? Daran haben Sie recht getan! So eine Nacht sollte man nicht allein in der Burg Jafach verbringen. Wollen Sie uns nicht Gesellschaft leisten?'
Ich erblickte einen älteren Mann in schlichtem Mantel. Er hatte so intensiv leuchtende blaue Augen, dass ich ganz verwirrt war.
'Kennen Sie sich noch nicht?', fragte Kofa erstaunt. 'Das ist Sir Kima Blimm, der Großvater von Lady Melamori. Du hast schon einiges aus seinem Keller gekostet, Max.'
'Wir kennen uns gut, aber nur vom Hörensagen. Jetzt können wir den offiziellen Begrüßungsritus durchführen', erklärte der blauäugige Sir Kima lächelnd. 'Du bist es wirklich!', rief er dann und setzte hinzu: 'Ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich dich duze, Max.'
'Aber nicht doch. Wer so oft mit Sir Melifaro zu tun hat wie ich, ist gegen Beleidigungen immun.'
'Das verstehe ich gut', meinte Kima kichernd und fragte dann deutlich besorgt: 'Wie geht es meiner Enkelin? Könntet ihr mir ein wenig über sie erzählen?'
'Was gibt es da schon zu berichten?', meinte Kofa achselzuckend. 'Wenn sie ins Haus an der Brücke kommt, hat sie dieses seltsame Wesen aus Arwaroch auf dem Rücken. Und regelmäßig verirrt sie sich auf die Flure der Stadtpolizei, wo sie die Mitarbeiter von General Bubuta erschrickt, von denen einige echte Angst vor ihr haben. Das macht ihr einen Heidenspaß. Sehen Sie Ihre Enkelin so selten, Sir Kima?'
'Leider praktisch gar nicht. Das Mädchen hat sich mit ihren Eltern gestritten, als ihr Vater ein paar Bemerkungen über ihren exotischen Liebhaber machte. Ich war von Anfang an dafür, die Sache mit Geduld anzugehen. Dieser groß gewachsene junge Mann - wie heißt er noch. ach ja, Alotho - geht jetzt endlich nach Arwaroch, und die Sache ist bald vergessen. Wie ist meine Enkelin bloß auf die Idee gekommen, den Streit mit ihrem Vater auf mich zu übertragen? Früher hat sie mich oft besucht und mir von ihren Problemen erzählt, aber das hat sich inzwischen alles geändert.'
Kima Blimm ließ den Kopf hängen und sagte dann: 'Sündige Magister, ich rede zu viel. Wir sollten das Thema wechseln.'
'Der grausame Mochi kommt auf uns zu - da haben wir sowieso keine andere Wahl. Die nächste halbe Stunde sprechen wir nur übers Essen.'
Ein blonder Mann mit vielen grauen Haaren trat zu uns an den Tisch. Seine blauen Augen musterten uns streng. Er trug eine Brille mit viereckigem Metallgestell und einen schwarzen Lochimantel aus Leder. Aus der Enzyklopädie der Welt von Sir Manga Melifaro wusste ich, dass diese Kleidung typisch für Seeleute war, hatte in Echo bisher aber noch keinen solchen Ledermantel gesichtet.
'Mochi hält diese Sachen für praktischer. Wenn er einen Soßenfleck oder so was abbekommt, muss er den Mantel nicht ausziehen, sondern wischt ihn bloß ab und arbeitet weiter', erklärte mir Kofa flüsternd.
'So einen vernünftigen Menschen hab ich hier schon lange nicht mehr getroffen', rief ich begeistert.
'Guten Abend, Kofa! Guten Abend, Kima! Ich freue mich, Sie mal wieder zu sehen. Guten Abend, Max! Ich habe Sie auch ohne Ihren Todesmantel erkannt. Schön, dass Sie bei mir vorbeischauen.'
Alle diese Nettigkeiten hatte Mochi so gereizt gesagt, als hielte er uns am Ohr und wollte uns zwingen, eine Pirogge zu essen.
'Nimm das nicht so ernst, Max. So redet er mit allen', meldete sich Sir Kofa per Stumme Rede, und ich merkte, dass ich mein Staunen nicht hatte verbergen können.
'Schon in Ordnung. Langsam gefällt mir das sogar. Er näselt so hübsch und vermeidet es, mich mit>Sir'Da Sie heute erstmals bei mir sind, fühle ich mich verpflichtet, Ihnen bei der Auswahl des Menüs zu helfen', sagte Mochi streng.
'Hör nicht auf ihn, Junge', mischte Kofa sich ins Gespräch. 'Ich weiß besser, womit du anfangen solltest.'
'Nein, Kofa, das wissen Sie nicht. Zurzeit wohnt die Schwester meiner Frau bei mir. Sie hat einen Mann aus Tulan geheiratet, und so haben Sie heute die einmalige Chance, einige Gerichte der dortigen Küche zu probieren. Das ist eine großartige Gelegenheit, Ihren Horizont zu erweitern.'
'Hört sich spannend an', meinte ich.
'Das klingt nur so', meinte Kofa skeptisch. 'Diese Frau ist schon seit einem halben Jahr hier, und ich hatte bereits mehrfach Gelegenheit, die Küche von Tulan kennen zu lernen. Sie ist ganz einfach und völlig unspektakulär. Kushi auf kumanische Art dagegen - das ist wirklich etwas Besonderes. Oder Honigpute auf isamonische Art. Hast du schon bemerkt, dass es hier vor allem exotische Gerichte gibt?'
'Ich tue mein Bestes, die Leute davon zu überzeugen, dass wir nicht nur in einem Vereinigten Königreich leben, sondern in einer großen, rätselhaften Welt voller Völker, deren Kultur unsere Aufmerksamkeit verdient', sagte der Wirt, und seine Stimme klang erneut gereizt. 'Aber ich muss noch mal betonen, dass man all die Gerichte, von denen Sie eben gesprochen haben, Kofa, immer wieder bestellen kann, während die tulanische Küche.'
'Zu den Magistern mit Ihnen, Mochi! Servieren Sie mir also eine Spezialität aus Tulan. Davon werde ich schon nicht sterben', sagte ich resigniert. 'Schließlich hab ich mal fünf Hamburger auf einmal gegessen und überlebt.'
'Was hast du gegessen, Max?', fragte Kima interessiert.
'Hamburger sind eine Spezialität der Leeren Länder, auf die wir sehr stolz sind', sagte ich aufgeblasen. 'Ich habe zwar den Verdacht, dass dabei nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht, aber beweisen kann ich nichts.'
'Polemik gehört jedenfalls nicht zu deinen Stärken, Max', seufzte Kofa enttäuscht. 'Ich hätte nie gedacht, dass du so leicht zu überzeugen bist. Aber mach, was du willst - ich nehme Kushi.'
'Auf kumanische Art?', fragte der Wirt so gereizt wie zuvor und notierte die Bestellung.
'Jedenfalls nicht auf tulanische Art.'
'Für mich bitte das Gleiche', sagte Kima Blimm, der auch endlich einen Wunsch äußern musste. 'Du, Kofa, bist in diesem Bereich der größte Experte. Deshalb ist deine Wahl für mich absolut verbindlich.'
'Siehst du?', meinte Kofa und wandte sich mit einem viel sagenden Blick an mich. 'So handeln kluge Menschen.'
'Macht nichts', antwortete ich und winkte resigniert ab. 'Ich habe mir ohnehin vorgenommen, alle Gerichte in diesem wunderbaren Wirtshaus zu probieren. In einem Jahr erkennst du mich nicht wieder. Dann bin ich der Stammgast hier und obendrein der Dickste im Lokal.'
'Gratuliere, Mochi. Sie haben einen neuen Stammkunden', meinte Kofa lächelnd. 'Und das ist mein Verdienst, denn ich habe ihn mitgebracht.'
'Besser spät als nie', brummte der Wirt und nahm mir die Speisekarte weg, für die ich ohnehin keine Zeit hatte. 'Wissen Sie schon, was Sie trinken wollen?'
Der Klang seiner Stimme ließ vermuten, er würde uns auspeitschen, wenn wir keine Antwort parat hätten.
'Nichts', sagte mein Kollege und lächelte breit. 'Im Prinzip sind Max und ich dienstlich hier, dürfen also keine gefährlichen Getränke zu uns nehmen. Und auch Kima wird sich beherrschen, da er Zugang zum Weinkeller des Siebenzackigen Blattes hat.'
'Du hast nicht über mich zu verfügen', protestierte Kima lächelnd. 'Ich wollte Mochi gerade um ein paar edle Tropfen bitten. Man kann doch mal probieren.'
'Und ich trinke Kamra', rief ich.
'Vor dem Essen? Sir Max, haben Sie denn keine Angst vor den Dunklen Magistern?', fragte der Wirt streng.
Er schien drauf und dran, mir mit dem Zeigefinger zu drohen.
'Natürlich vor dem Essen', rief ich. 'Und nach dem Essen selbstverständlich auch. Seien Sie froh, dass ich mich beim Essen mit dem Trinken zurückhalte.'
'Danke für Backobst', sagte der Wirt gereizt wie immer und zuckte die Achseln.
Obwohl er die ganze Zeit mufflig war, hatte ich seine Augen hinter der Brille ausgesprochen freundlich funkeln sehen. Mochi Fa hatte einen seltsamen, sehr rauen Charme. Ich verstand gut, warum mein Chef ihm vor langer Zeit Geld für dieses Wirtshaus geliehen hatte. Auch ich wäre an seiner Stelle weich geworden.
Mochi kam nach wenigen Minuten wieder an unseren Tisch, stellte ein paar Tassen mit Kamra vor uns ab, schüttelte erstaunt den Kopf, enthielt sich aber jeden Kommentars. Kima Blimm bekam ein kleines, dunkles Fläschchen.
'Das ist Wein aus Iraschi', sagte der Wirt streng zu ihm. 'Anders als die Kamra ist der Wein von dort durchaus genießbar - genau wie die Süßigkeiten.'
Das Essen kam eine halbe Stunde später. Mein namenloses Gericht aus Tulan erwies sich als verführerisch duftender Pilaw. Meine Gesprächspartner schüttelten den Kopf, aber ich war zufrieden.