Der Museumsmörder
Roman
Earlene Fowler(Author)
btb (Publisher)
Published on 1. June 2002
Book
Paperback/Softback
288 pages
978-3-442-72903-6 (ISBN)
Description
Benni Harper, Ex-Cowgirl mit einer Vorliebe für edle Quiltdecken, muss noch einmal ganz von vorne anfangen. Nach dem tragischen Unfalltod ihres Mannes verlässt sie ihre Ranch und übernimmt in dem kleinen kalifornischen Küstenort San Celina die Leitung des Volkskundemuseums. Doch schon bei ihrer ersten Ausstellung gerät sie in schwere Turbulenzen. Die attraktive junge Töpferin Marla wird im Museum brutal erstochen, und Benni sieht verblüfft ihre Kusine Rita in Marlas Wagen vom Tatort verschwinden. Gabe Ortiz, der Polizeichef von San Celina, ist entschlossen, auf die Hilfe der kleinen, forschen Frau mit dem wirren Lockenhaar zu verzichten. Doch Benni lässt sich nicht aufhalten. Nach und nach stößt sie bei ihren eigenwilligen Nachforschungen auf alte Familiengeheimnisse, bizarre Lügengespinste - und darauf, was an jenem Abend, als ihr Mann Jack ums Leben kam, wirklich geschah.
Start einer neuen "bemerkenswerten Serie" (Publishers Weekly).
"Freche, witzige Dialoge - und Quiltmuster, die dem Ganzen Pfiff und Psychologie verleihen!" Chicago Sun-Times
Start einer neuen "bemerkenswerten Serie" (Publishers Weekly).
"Freche, witzige Dialoge - und Quiltmuster, die dem Ganzen Pfiff und Psychologie verleihen!" Chicago Sun-Times
More details
Series
72903
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.7 cm
Width: 11.8 cm
ISBN-13
978-3-442-72903-6 (9783442729036)
Schweitzer Classification
Persons
Earlene Fowler lebt mit ihrem Mann, einer Unmenge von Quilts und dreiundzwanzig Paar Cowboystiefeln im kalifornischen Fountain Valley. In Amerika hat die Benni-Harper-Serie mittlerweile Kultstatus.
Content
Mein Tag begann zwar nicht mit Mord, doch der Gedanke daran schoss mir durch den Kopf.
"Rette mich", flüsterte die Stimme am Telefon.
Ich schnappte mir den Apparat und zog ihn zu mir unter die Daunendecke. Meine gute Laune war dahin. "Lass mich in Ruhe", fauchte ich meine Anruferin an.
"Du bist meine letzte Chance." Es war eine raue, alte Stimme, die so schnarrte wie ein Glücksrad in Las Vegas.
Ich lachte höhnisch. "Pech gehabt." Das war vielleicht grausam, aber keineswegs unberechtigt, denn ich war schon früher von dieser Stimme genervt worden.
"Dann kann ich aber für nichts garantieren!"
Erfreut bemerkte ich einen Anflug von Panik.
"Du weißt genau, dass du die Quittung dafür bekommst, wenn du etwas Unüberlegtes anstellst", warnte ich. "Wenn ich du wäre, würde ich ihr lieber nichts antun."
"Aber ich halte es nicht mehr aus."
"Sie ist deine Schwester, Oma."
Ich blinzelte zum Radiowecker auf dem Nachttisch neben meinem Bett - sieben Uhr morgens - und das an einem Tag, an dem ich nicht vor zehn im Volkskundemuseum sein musste. In der vergangenen Woche hatten wir offiziell geschlossen gehabt, da wir unsere neue Ausstellung vorbereiteten, eine Sammlung antiker Quilts von zahlreichen Einwohnern des San Celina County.
Eine heftige Regenböe rüttelte an den Fenstern meines kleinen Hauses im spanischen Stil. Der pazifische Sturm, der seit Tagen vor der Central Coast in Kalifornien lag, hatte über Nacht San Celina angegriffen. Während auf meinem Dach kleine Mäusesoldaten doppelt so schnell wie üblich herumtrappelten, versuchte ich mich zu erinnern, ob ich wohl die Fenster meines Trucks hochgekurbelt hatte.
"Sie macht mich noch wahnsinnig", klagte Oma Dove. "Sie hat sämtliche Fußböden schon zweimal gebohnert. Folgt mir überallhin. Räumt ständig meine Pfannen und Töpfe um." Jetzt nahm Doves Stimme ihre normale Lautstärke an. Tante Garnet schien das Zimmer verlassen zu haben. "Sie hat mit ihrer grässlichen kleinen Handarbeitsschere alle meine Pflanzen bis auf kleine Knubbel heruntergeschnitten. Benni, sie hat meine Haare ganz merkwürdig angesehen!"
Doves langer, weißer, geflochtener Zopf reizte ihre jüngere Schwester seit Jahren.
"Sie hat dein Haus noch nicht gesehen. Sie liebt Kunsthandwerksausstellungen."
"Auf gar keinen Fall. Ich hab diese Woche mit dem Folk-Art-Festival genug um die Ohren. Ich kann nicht noch den Babysitter für Tante Garnet spielen." Ich wühlte mich im Bett nach oben, wickelte die Decke um mich und wappnete mich gegen den Angriff, der auch nicht lange auf sich warten ließ.
"Wer hat dir deinen ersten BH gekauft, junges Fräulein? Wer hat dir all deine Kenntnisse übers Pokern beigebracht? Wer hat deine schmutzigen Windeln gewechselt?"
Ein weiterer Windstoß drückte den Regen gegen mein Schlafzimmerfenster. Ich kroch wieder unter die Decke und betete, dass der Sturm nicht so schlimm sein möge, wie er sich anhörte.
Sie versuchte es mit Erpressung. "Ich habe deinem Vater nicht erzählt, wann du wirklich mit Jack vom Abschlussball nach Hause gekommen bist." Sie legte eine bedeutungsvolle Pause ein. "Noch nicht."
Ich lachte. "Dove, das war vor siebzehn Jahren. Meine Tugendhaftigkeit interessiert Daddy schon lange nicht mehr."
Ihre nächste Attacke galt meinem weichen Herz. "Deine Mama, Gott hab sie selig, hätte gewollt, dass du deiner hilflosen alten Großmutter beistehst." Ihre Stimme überschlug sich dramatisch.
"Mama hätte sich hier bei mir versteckt. Und du bist etwa so wehrlos wie ein Trampeltier."
Ich wechselte den Hörer ans andere Ohr.
"Wer hätte gedacht, dass einer meiner Söhne eine derart kaltherzige Tochter großzieht?"
"Es kommt mir eher so vor, als ob ich den größten Teil meiner Kindheit hinter dir hergetrottet wäre."
"Ein Dollar pro Chip am Donnerstag", wechselte sie abrupt das Thema. Ihr war klar, dass sie so nicht weiterkommen würde.
"Ganz schön hoher Einsatz, dieses Jahr. Wer kommt denn so?"
"Alle bis auf Clarence. Ein paar seiner Bullen haben Fieber."
Jedes Jahr zu Thanksgiving kamen Oma Doves Kinder, vier Söhne und zwei Töchter sowie deren Familien aus dem ganzen Land herbei, um sich auf der Ranch meines Vaters außerhalb von San Celina zu treffen. Alle trugen dann ihre besten Stiefel und brachten hundert Dollar mit für unser "Keine-Gnade-macht-sie-fertig-wenn-sie-eh-schon-hinten-liegen-Poker-Turnier".
"Wann wirst du denn hier sein?", wollte sie wissen.
"Weiß ich noch nicht", wich ich aus, während meine Gedanken neun Monate zurückschweiften, als meine Familie sich das letzte Mal versammelt hatte, zu Jacks Beerdigung. Eine Einladung meiner Schwiegereltern hatte ich auch schon ausgeschlagen; nachdem ich fünfzehn Jahre lang zwischen der Harper- und der Ramsey-Ranch hin- und hergependelt war, wurde mir bei dem Gedanken, zu einer von beiden zu fahren, melancholisch zu Mute und leicht schwach im Magen.
Doves Stimme wurde sanft. Eine Seltenheit bei ihr. "Komm doch zu uns, Zuckerschnecke. Es wird dir bestimmt gut tun."
"Bis Samstag hab ich noch so viel zu erledigen."
Sie schnalzte leise mit der Zunge, hakte jedoch nicht weiter nach. "Hast du Rita in letzter Zeit gesehen?"
"Nicht mehr, seit sie hier vor ein paar Wochen wieder ausgezogen ist."
"Garnet kaut sich schon die Nägel ab, weil sie immer noch nicht angerufen hat."
Tante Garnets einundzwanzigjährige Enkelin, meine Kusine Rita, war vor zwei Monaten in Arkansas ausgezogen und hatte vage Pläne, ein College zu besuchen und ein neues Leben zu beginnen. Sie hatte ganz spontan und zu jedermanns Bestürzung eine zweijährige Verlobung mit einem Mann wieder aufgelöst, der doch wunderbar geeignet - das südliche Wort für wohlhabend - war. Mit einer gehörigen Portion Zweifel und Vorahnungen behaftet, war ich dazu überredet worden, sie bei mir wohnen zu lassen. Tante Garnet, Daddy, und selbst Dove waren überzeugt davon gewesen, dass ihre Gesellschaft mir gut tun würde.
Die Kekskrümel im ganzen Haus tolerierte ich ja noch, und selbst die endlosen, schniefenden Telefongespräche mit ihren Freundinnen in Pine Bluff hatten meinen Blutdruck nur unerheblich gesteigert, aber als ich eines Morgens äußerst spärlich bekleidet in einem rosafarbenen T-Shirt und alten Jagdsocken von Jack meine Küche betreten hatte und diesem dunkeläugigen Cowboy mit nacktem Oberkörper und einem dreckigen, weißen Stetson auf dem Kopf begegnete, der einen Becher von meinem Schokolade-Amaretto-Kaffee schlürfte, hatte ich endgültig genug.
"Rette mich", flüsterte die Stimme am Telefon.
Ich schnappte mir den Apparat und zog ihn zu mir unter die Daunendecke. Meine gute Laune war dahin. "Lass mich in Ruhe", fauchte ich meine Anruferin an.
"Du bist meine letzte Chance." Es war eine raue, alte Stimme, die so schnarrte wie ein Glücksrad in Las Vegas.
Ich lachte höhnisch. "Pech gehabt." Das war vielleicht grausam, aber keineswegs unberechtigt, denn ich war schon früher von dieser Stimme genervt worden.
"Dann kann ich aber für nichts garantieren!"
Erfreut bemerkte ich einen Anflug von Panik.
"Du weißt genau, dass du die Quittung dafür bekommst, wenn du etwas Unüberlegtes anstellst", warnte ich. "Wenn ich du wäre, würde ich ihr lieber nichts antun."
"Aber ich halte es nicht mehr aus."
"Sie ist deine Schwester, Oma."
Ich blinzelte zum Radiowecker auf dem Nachttisch neben meinem Bett - sieben Uhr morgens - und das an einem Tag, an dem ich nicht vor zehn im Volkskundemuseum sein musste. In der vergangenen Woche hatten wir offiziell geschlossen gehabt, da wir unsere neue Ausstellung vorbereiteten, eine Sammlung antiker Quilts von zahlreichen Einwohnern des San Celina County.
Eine heftige Regenböe rüttelte an den Fenstern meines kleinen Hauses im spanischen Stil. Der pazifische Sturm, der seit Tagen vor der Central Coast in Kalifornien lag, hatte über Nacht San Celina angegriffen. Während auf meinem Dach kleine Mäusesoldaten doppelt so schnell wie üblich herumtrappelten, versuchte ich mich zu erinnern, ob ich wohl die Fenster meines Trucks hochgekurbelt hatte.
"Sie macht mich noch wahnsinnig", klagte Oma Dove. "Sie hat sämtliche Fußböden schon zweimal gebohnert. Folgt mir überallhin. Räumt ständig meine Pfannen und Töpfe um." Jetzt nahm Doves Stimme ihre normale Lautstärke an. Tante Garnet schien das Zimmer verlassen zu haben. "Sie hat mit ihrer grässlichen kleinen Handarbeitsschere alle meine Pflanzen bis auf kleine Knubbel heruntergeschnitten. Benni, sie hat meine Haare ganz merkwürdig angesehen!"
Doves langer, weißer, geflochtener Zopf reizte ihre jüngere Schwester seit Jahren.
"Sie hat dein Haus noch nicht gesehen. Sie liebt Kunsthandwerksausstellungen."
"Auf gar keinen Fall. Ich hab diese Woche mit dem Folk-Art-Festival genug um die Ohren. Ich kann nicht noch den Babysitter für Tante Garnet spielen." Ich wühlte mich im Bett nach oben, wickelte die Decke um mich und wappnete mich gegen den Angriff, der auch nicht lange auf sich warten ließ.
"Wer hat dir deinen ersten BH gekauft, junges Fräulein? Wer hat dir all deine Kenntnisse übers Pokern beigebracht? Wer hat deine schmutzigen Windeln gewechselt?"
Ein weiterer Windstoß drückte den Regen gegen mein Schlafzimmerfenster. Ich kroch wieder unter die Decke und betete, dass der Sturm nicht so schlimm sein möge, wie er sich anhörte.
Sie versuchte es mit Erpressung. "Ich habe deinem Vater nicht erzählt, wann du wirklich mit Jack vom Abschlussball nach Hause gekommen bist." Sie legte eine bedeutungsvolle Pause ein. "Noch nicht."
Ich lachte. "Dove, das war vor siebzehn Jahren. Meine Tugendhaftigkeit interessiert Daddy schon lange nicht mehr."
Ihre nächste Attacke galt meinem weichen Herz. "Deine Mama, Gott hab sie selig, hätte gewollt, dass du deiner hilflosen alten Großmutter beistehst." Ihre Stimme überschlug sich dramatisch.
"Mama hätte sich hier bei mir versteckt. Und du bist etwa so wehrlos wie ein Trampeltier."
Ich wechselte den Hörer ans andere Ohr.
"Wer hätte gedacht, dass einer meiner Söhne eine derart kaltherzige Tochter großzieht?"
"Es kommt mir eher so vor, als ob ich den größten Teil meiner Kindheit hinter dir hergetrottet wäre."
"Ein Dollar pro Chip am Donnerstag", wechselte sie abrupt das Thema. Ihr war klar, dass sie so nicht weiterkommen würde.
"Ganz schön hoher Einsatz, dieses Jahr. Wer kommt denn so?"
"Alle bis auf Clarence. Ein paar seiner Bullen haben Fieber."
Jedes Jahr zu Thanksgiving kamen Oma Doves Kinder, vier Söhne und zwei Töchter sowie deren Familien aus dem ganzen Land herbei, um sich auf der Ranch meines Vaters außerhalb von San Celina zu treffen. Alle trugen dann ihre besten Stiefel und brachten hundert Dollar mit für unser "Keine-Gnade-macht-sie-fertig-wenn-sie-eh-schon-hinten-liegen-Poker-Turnier".
"Wann wirst du denn hier sein?", wollte sie wissen.
"Weiß ich noch nicht", wich ich aus, während meine Gedanken neun Monate zurückschweiften, als meine Familie sich das letzte Mal versammelt hatte, zu Jacks Beerdigung. Eine Einladung meiner Schwiegereltern hatte ich auch schon ausgeschlagen; nachdem ich fünfzehn Jahre lang zwischen der Harper- und der Ramsey-Ranch hin- und hergependelt war, wurde mir bei dem Gedanken, zu einer von beiden zu fahren, melancholisch zu Mute und leicht schwach im Magen.
Doves Stimme wurde sanft. Eine Seltenheit bei ihr. "Komm doch zu uns, Zuckerschnecke. Es wird dir bestimmt gut tun."
"Bis Samstag hab ich noch so viel zu erledigen."
Sie schnalzte leise mit der Zunge, hakte jedoch nicht weiter nach. "Hast du Rita in letzter Zeit gesehen?"
"Nicht mehr, seit sie hier vor ein paar Wochen wieder ausgezogen ist."
"Garnet kaut sich schon die Nägel ab, weil sie immer noch nicht angerufen hat."
Tante Garnets einundzwanzigjährige Enkelin, meine Kusine Rita, war vor zwei Monaten in Arkansas ausgezogen und hatte vage Pläne, ein College zu besuchen und ein neues Leben zu beginnen. Sie hatte ganz spontan und zu jedermanns Bestürzung eine zweijährige Verlobung mit einem Mann wieder aufgelöst, der doch wunderbar geeignet - das südliche Wort für wohlhabend - war. Mit einer gehörigen Portion Zweifel und Vorahnungen behaftet, war ich dazu überredet worden, sie bei mir wohnen zu lassen. Tante Garnet, Daddy, und selbst Dove waren überzeugt davon gewesen, dass ihre Gesellschaft mir gut tun würde.
Die Kekskrümel im ganzen Haus tolerierte ich ja noch, und selbst die endlosen, schniefenden Telefongespräche mit ihren Freundinnen in Pine Bluff hatten meinen Blutdruck nur unerheblich gesteigert, aber als ich eines Morgens äußerst spärlich bekleidet in einem rosafarbenen T-Shirt und alten Jagdsocken von Jack meine Küche betreten hatte und diesem dunkeläugigen Cowboy mit nacktem Oberkörper und einem dreckigen, weißen Stetson auf dem Kopf begegnete, der einen Becher von meinem Schokolade-Amaretto-Kaffee schlürfte, hatte ich endgültig genug.