
Die Bedrohung
Roman
Vince Flynn(Author)
Heyne (Publisher)
Published on 3. February 2009
Book
Paperback/Softback
432 pages
978-3-453-43368-7 (ISBN)
Description
Um das iranische Atomwaffenprogramm zu zerschlagen, führen israelische Agenten einen Anschlag auf unterirdische Nuklearanlagen durch. Aus Sorge vor Vergeltungsschlägen reist CIA-Chefin Irene Kenndey in die Region. Doch das Treffen mit dem iranischen Geheimdienstchef nimmt eine verheerende Wendung. Sie fällt in die Hände von Terroristen. Antiterror-Agent Mitch Rapp bleibt nicht viel Zeit, um seine Vorgesetzte zu retten und eine politische Katastrophe von ungeahntem Ausmaß abzuwenden.
More details
Series
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.7 cm
Width: 11.8 cm
ISBN-13
978-3-453-43368-7 (9783453433687)
Schweitzer Classification
Persons
Author
Vince Flynn, geboren 1966 in St. Paul, Minnesota, arbeitete in der PR-Branche und verbrachte einige Zeit im US-Elite-Corps der Marines, in dem er Kampfpilot werden wollte. Bald entdeckte er jedoch seine wahre Leidenschaft und eroberte mit dem Schreiben hochaktueller Politthriller die Bestsellerlisten. Für die TV-Serie 24 war er als Berater tätig. Vince Flynn verstarb im Juni 2013.
Translation
Content
GOLFITO, COSTA RICAMitch Rapp strich mit den Fingerspitzen über ihren glatten nackten Oberschenkel, hinauf zur Taille und über ihren flachen Bauch. Sein Körper schmiegte sich an den ihren, Brust an Rücken, und ihr Kopf ruhte auf seinem Arm. Dieser Augenblick gehörte nicht zum Plan, aber es war nicht wirklich überraschend gekommen. Es hatte sehr wohl kleine Andeutungen gegeben; verstohlene Blicke, Bemerkungen, die nur halb im Scherz gemeint waren. Die Spannung hatte sich über Monate hinweg aufgebaut. Jeder für sich fragte sich, wie weit es wohl gehen würde. Und dann kamen sie in diese private Villa mit Blick auf den einsamen Strand. Die warme feuchte Luft, das Rauschen der Brandung, die Tequilas, die sie zusammen tranken - das alles erzeugte eine Stimmung voll knisternder erotischer Spannung.Rapp küsste ihre nackte Schulter, stupste eine Locke ihres seidigen schwarzen Haars mit der Nase an und lauschte ihrem Atem. Sie schlief immer noch fest. Er lag eine ganze Weile still da und genoss den Duft und die Berührung der schönen Frau, die neben ihm lag. Er hatte sich lange nicht mehr so lebendig gefühlt, wenngleich irgendwo tief in ihm immer noch Schuldgefühle lauerten und nur darauf warteten, jeden Moment wieder hervorzubrechen. Er spürte, wie es in den Tiefen seines Unterbewusstseins brodelte. Wie es versuchte, an die Oberfläche zu kommen. Wie es ihn zwang, an Dinge zu denken, die er am liebsten vergessen würde, was ihm aber, wie er wusste, nie gelingen würde.Er löste sich von ihr, drehte sich auf den Rücken und starrte zum Ventilator an der Decke. Kerzenflammen tanzten in der leichten Brise und warfen ein schwaches Licht auf die langsam kreisenden Ventilatorflügel und die dunklen fleckigen Balken über ihm. Draußen, jenseits der offenen Balkontür, rollten die Wellen auf den Strand herauf. Zwei Jahre war es jetzt her, dass eine Bombe sein Haus an der Chesapeake Bay zerstört hatte; bei der Explosion kamen seine Frau und das Kind, das sie unter ihrem Herzen trug, ums Leben. Nicht ein Mal seit jenem tragischen Tag hatte er ruhig geschlafen, und heute Nacht würde es nicht anders sein.Sie hatten es auf ihn abgesehen gehabt an jenem Herbstnachmittag, nicht auf sie. Seine Schuldgefühle angesichts ihres Todes steigerten sich abwechselnd zu rasender Wut und tiefster Trauer. Er war ein Narr gewesen, zu glauben, dass er ein ruhiges Leben führen und eine Familie gründen könnte. Er hatte einfach zu viele Feinde. Da waren all die Verwandten jener Männer, die er getötet hatte. Ausländische Regierungen und Potentaten, die nichts lieber sehen würden, als dass Mitch Rapp in seinem eigenen Blut am Boden lag. Es hatte Momente gegeben - Momente der tiefsten Trauer und Verzweiflung, in denen er sich insgeheim wünschte, dass es einem von ihnen gelingen möge. Dann war es ihm fast recht, dass er so viele Feinde hatte. Vielleicht hatte ja einmal einer von ihnen Glück und erlöste ihn von seinem Elend.Die Wahrscheinlichkeit, dass das heute Nacht geschehen würde, war jedoch äußerst gering. Auch wenn sein Zusammensein mit dieser Frau etwas anderes vermuten ließ, befand sich Rapp nicht auf einer romantischen Reise zu zweit. Auf den Punkt gebracht, war er an diesen beschaulichen Ort gekommen, um einen Mann zu töten. Einen egomanischen Politprofi, der seine eigenen Interessen und die seiner politischen Verbündeten mit üblen Mitteln verfolgte und dabei dem Land großen Schaden zufügte. Mit seinen dunklen Machenschaften hatte er die letzten Präsidentschaftswahlen manipuliert und den Tod von Dutzenden unschuldiger Menschen in Kauf genommen. Mit jeder Woche, die verging, war sich der Mann sicherer, dass er ungeschoren davonkommen würde. Schließlich wussten nur ganz wenige, welche Rolle er bei diesen Vorfällen gespielt hatte, doch zu seinem Pech waren das Leute, die nicht daran dachten, einen solchen Verrat ungestraft zu lassen.Rapp und sein Team hatten den Mann fast ein Jahr lang im Auge behalten. Zuerst war die Überwachung äußerst zurückhaltend erfolgt - aus der Ferne, von einem Ende des Kontinents zum anderen. Sie folgten seiner Spur mit elektronischen Mitteln - über seine Kredit- und Bankomatkarte. Im Laufe der Monate ließ die Wachsamkeit der Zielperson immer mehr nach, und die Überwachung wurde intensiviert. Abhörvorrichtungen wurden in der Nähe seines Hauses, seines Büros und seiner Yacht angebracht, und auch seine Handygespräche wurden abgehört. Auf seinen Computern wurde Spyware installiert, und sie begannen jeden seiner Schritte zu verfolgen - auf der Suche nach bestimmten Verhaltensmustern und einer günstigen Gelegenheit.So bekamen sie auch mit, dass er diese Reise plante, einen einmonatigen Ausflug von San Diego nach Panama und zurück. Er hatte vor, einen ersten Trip mit seiner nagelneuen, zwei Millionen Dollar teuren Yacht zu unternehmen. Rapp wusste über seine Reiseroute Bescheid und schickte ein Vorausteam zu den verschiedenen Häfen, um die Lage auszukundschaften. Die Zielperson in irgendeinem fernen Dritte-Welt-Land auszuschalten war um vieles günstiger, als dies in den USA zu tun.Es stellte sich heraus, dass Golfito der ideale Ort war. Ein relativ kleines Fischerdorf mit wachsendem Tourismus. Ein paarmal in der Woche legten Kreuzfahrtschiffe an, um ihren Passagieren einen Landausflug zu ermöglichen. Der Handel nahm zu, das Immobiliengeschäft blühte, und es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Niemandem würden zwei Leute auffallen, die für einige Tage hierherkamen und wieder verschwanden. Was die Operation selbst betraf, so sah Rapp keinerlei Probleme. Eines jedoch machte ihm Sorgen; die nackte Frau neben ihm im Bett bestand darauf, dass sie es sein sollte, die diesen Mann ins Grab schickte.Es war nur logisch, dass Maria Rivera dazu ausersehen wurde, Rapp auf dieser Mission zu begleiten. Sie sprach fließend Spanisch und war hoch motiviert, was die Zielperson betraf. Vielleicht sogar ein bisschen zu motiviert, was Rapp zögern ließ. Und obwohl sie durchaus imstande war, die Zielperson auszuschalten, sei es mit bloßen Händen oder mit einer Waffe, so gab es noch etwas, das Rapp zu denken gab: Sie verfügte über keine praktische Erfahrung. Es hatte seine Gründe, warum professionelle Killer meistens von den Sondereinsatzkräften oder aus den »mean streets«, den zwielichtigen Vierteln einer Großstadt, kamen. Die Angehörigen beider Gruppen hatten keine Skrupel, Gewalt anzuwenden. Sie betrachteten sie als ein Mittel zur Erreichung eines Zieles. Das Erfolgsrezept war oft sehr einfach und bestand darin, Gewalt mit noch größerer Gewalt zu bekämpfen.Die reizende Latina neben ihm hatte weder die »mean streets« eines Ghettos gesehen noch die nicht minder raue Welt der Sondereinsatzkräfte. Sie hatte in den vergangenen zehn Jahren vielmehr in einer der besten Polizeiorganisationen der Welt gearbeitet. Maria Rivera war Trägerin des schwarzen Gürtels zweiten Grades, eine hervorragende Pistolenschützin und eine ehemalige Agentin des Secret Service.