
Prismatisches Sehen
Die Camera Lucida als Metapher des Visuellen im frühen 19. Jahrhundert
Erna Fiorentini(Author)
Wallstein (Publisher)
Published on 1. January 2018
Book
Paperback/Softback
256 pages
978-3-8353-0307-2 (ISBN)
Description
Wissenschaftsgeschichte auf höchstem Niveau: eine Erforschung der Sehweise im frühen 19. Jahrhundert und ihre Auswirkungen auf die Wissenschaft.
Um 1800 etablierte sich eine Sehweise, die Theorie und Praxis von Naturbeobachtung und Bildproduktion in verschiedenen Bereichen von Kunst und Wissenschaft mitbestimmte. Erna Fiorentini erforscht dieses »Prismatische Sehen«.
Wie beim optischen Prinzip des Prismas vermischten sich hier die Ansprüche individueller Wahrnehmung und einer »objektiven« bildlichen Darstellungsweise. Das prismatische Sehen wirkte sich auf Theorie und Praxis der Landschaftsskizze, der Naturgeschichte, der Mikroskopie und der Landvermessung aus. Dabei waren das Zusammenspiel von sensorischen, kognitiven und emotionalen Erfahrungsformen und die Wege, dieses Zusammenspiel in Bilder zu übersetzen, von besonderer Bedeutung. So modulierte dieses Interesse auch wesentlich die ästhetische wie epistemologische Wertigkeit jener bildlichen Produktionsprozesse, die auf dem sensorischen Vermögen des Betrachters basieren.
Ein besonderes Phänomen ist dabei die rasante Verbreitung optischer Zeichenhilfen, die, wie die 1807 von William Wollaston entwickelte Camera Lucida, auf der Prismenoptik beruhten und sich als ideale Metaphern der neuen Sehweise anbieten.
Zur Reihe:
Die Wissenschaftsgeschichte verstand sich lange Zeit als eine Art Gedächtnis der Wissenschaften. Heute sucht sie ihren Platz in der Kulturgeschichte und sieht ihre Aufgabe nicht zuletzt darin, Brücken zwischen den Naturwissenschaften und den Geisteswissenschaften zu bauen. Die Formen, in denen dies geschieht, sind keineswegs ausgemacht. Sie sind Gegenstand eines großen, gegenwärtig im Gange befindlichen Experiments. Die historische Einbettung der wissenschaftlichen Erkenntnis, der Blick auf die materielle Kultur der Wissenschaften, auf ihre Objekte und auf die Räume ihrer Darstellung verlangt nach neuen Formen der Reflexion, des Erzählens und der Präsentation. Die von Michael Hagner und Hans-Jörg Rheinberger herausgegebene Reihe »Wissenschaftsgeschichte« versteht sich als ein Forum, auf dem solche Versuche vorgestellt werden.
More details
Series
Language
German
Place of publication
Göttingen
Germany
Illustrations
40, z.T. farb.,
ISBN-13
978-3-8353-0307-2 (9783835303072)
Schweitzer Classification
Person
Die Autorin
Erna Fiorentini, geb. 1961, Doktorin der Geochemie und Klassischen Archäologie sowie der Kunstgeschichte. Seit 2003 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin und zugleich visiting scholar am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Verhältnis von Kunst und Naturwissenschaft und zur Ästhetik und Epistemologie von Wahrnehmungs- und Bildproduktionsprozessen.