Gier
Thriller
Marcel Feige(Author)
Goldmann (Publisher)
Published on 9. June 2008
Book
Paperback/Softback
608 pages
978-3-442-46580-4 (ISBN)
Description
Ein intimer Blick in die Abgründe der deutschen Gesellschaft
Schock an einer Hauptschule im Berliner Problembezirk Neukölln: Der Lehrer Matthias Brodbeck wurde ermordet. Wenige Tage vor den Senatswahlen bestimmt eine Schlagzeile Politik und Medien: Gewalt an Schulen eskaliert! Die beiden Schüler Lukaz und Asim, die des Lehrermords verdächtigt werden, sind untergetaucht. Die Ermittlungen führen ins Nichts, und Kommissar Kalkbrenner, der eigentlich im Urlaub ist, muss den Fall übernehmen. Kalkbrenner findet bald heraus: Sowohl Brodbeck als auch seine Frau Judith hatten Kontakt zu einer stadtbekannten Rotlichtgröße, in deren Machenschaften auch ranghohe Politiker verstrickt sind.
Schock an einer Hauptschule im Berliner Problembezirk Neukölln: Der Lehrer Matthias Brodbeck wurde ermordet. Wenige Tage vor den Senatswahlen bestimmt eine Schlagzeile Politik und Medien: Gewalt an Schulen eskaliert! Die beiden Schüler Lukaz und Asim, die des Lehrermords verdächtigt werden, sind untergetaucht. Die Ermittlungen führen ins Nichts, und Kommissar Kalkbrenner, der eigentlich im Urlaub ist, muss den Fall übernehmen. Kalkbrenner findet bald heraus: Sowohl Brodbeck als auch seine Frau Judith hatten Kontakt zu einer stadtbekannten Rotlichtgröße, in deren Machenschaften auch ranghohe Politiker verstrickt sind.
More details
Series
Language
German
Dimensions
Height: 18.7 cm
Width: 11.8 cm
ISBN-13
978-3-442-46580-4 (9783442465804)
Schweitzer Classification
Person
Marcel Feige, geboren 1971, arbeitete als leitender Redakteur bei verschiedenen Musik-, Lifestyle- und Stadt-Magazinen. Seit 1998 lebt er als Schriftsteller in Berlin. Für seine Biografie 'Nina Hagen. That's why the lady is a punk' erhielt er den renommierten internationalen Buchpreis 'Corine'. Weitere Thriller von Marcel Feige sind bei Goldmann in Vorbereitung.
Content
Die beiden Jungs drückten sich in den letzten Rest Dunkelheit, den der erwachende Morgen noch für sie übrig gelassen hatte.
'Scheiße, Mann!', fluchte der erste und trat dabei ungelenk von einem Fuß auf den anderen, wie jemand, dem die Kälte allmählich, aber sicher in die Glieder kroch. 'Der verarscht uns doch!'
'Nein, er wollte um 7.00 Uhr hier sein', antwortete der zweite und rieb sich seine Arme, so als würde zu viel Speed in seinem Blut toben.
Doch tatsächlich war es weder kalt, noch hatten die beiden Drogen genommen. In Wahrheit waren sie nur höllisch nervös.
'Was sagen wir den anderen, wenn er nicht kommt?'
'Er hat gesagt, er kommt. Also kommt er.'
'Aber wenn er nicht kommt, dann.'
'Verdammt, Lukaz! Halt einfach dein Maul und warte.'
Der Angesprochene dachte kurz nach, als habe ihm sein Kumpel eine knifflige Rechenaufgabe gestellt. Mathe war noch nie seine Stärke gewesen. 'Asim, halt doch selbst dein
Maul!'
Asim zeigte ihm den Stinkefinger, dann zog er die Kapuze seines Sweaters tiefer in die Stirn und spähte um die Mauerecke herum, in deren Schatten sie sich verbargen. Von den Fetzen einer zerrissenen Zeitung, die der Wind raschelnd vorwärtstrieb, und einem offenbar vergessenen T-Shirt abgesehen, lag der Schulhof leer und verlassen vor ihnen.
Auf den Straßen jenseits der Schule herrschte dagegen wie immer Hektik. Lkws parkten in zweiter Reihe vor dem asiatischen Stehimbiss, der türkischen Döner- und der deutschen Frittenbude mit dem Namen Bratfritze. Spediteure schrien einander irgendetwas zu, während sie Kartons abluden. Autofahrer hupten, weil der Verkehr sich staute. Die S-Bahn ratterte quietschend über die Hochgleise. Gab es auf der Straße einmal einen seltenen Moment der Ruhe, dann dröhnte aus irgendeinem der Fenster kreischender Orientpop oder das Geschimpfe eines Mannes, der ein Problem mit seiner Frau, seinen Kindern oder sonst wem hatte. Der Lärm gehörte zu dem Stadtviertel dazu wie die Graffiti auf den Häuserwänden oder die Hundescheiße auf den Gehsteigen. Nur das Vogelgezwitscher aus den Bäumen mochte nicht so recht in die grauen Häuserschluchten passen.
Lukaz hob die rechte Hand, formte mit Daumen und Zeigefinger eine Waffe und richtete sie auf eine Baumkrone. 'Bum!', machte er. Weil sein Kumpel nicht reagierte, sagte er: 'Ey, Asim. Mein Bruder hat wirklich schon mal auf Vögel geschossen, drüben im Görlitzer Park. Ich war dabei.'
Asim verdrehte die Augen.
'Ich schwör's.'
'Du weißt doch noch nicht einmal, wie man eine Knarre entsichert.' 'Wetten doch.'
Lukaz griff in seine Jackentasche und zog etwas heraus. 'Die ist von meinem Bruder!'
Asim brauchte zwei Sekunden, bis er in dem Zwielicht erkannte, um was es sich bei dem schwarzen Gegenstand in der Hand seines Kumpels handelte. 'Bist du total bescheuert?'
'Mann, ich dachte mir, dass.'
'Was? Dass wir ein bisschen Eindruck schinden?'
Lukaz schwieg ertappt. Asim starrte ihn fassungslos an.
Sein Kumpel war einen halben Kopf größer, aber zwei Jahre jünger als er. Sie gingen beide in dieselbe Klasse, weil Asim zweimal nicht versetzt worden war. Zuletzt im vergangenen Jahr, als er fast drei Monate lang regelmäßig den Unterricht versäumt hatte. Kurz bevor ihn die Bullen mit dem Beutel Ecstasy-Pillen aufgegriffen hatten. Es war ein dummer Zufall gewesen, nur ein Moment der Unachtsamkeit. Trotzdem zu spät. Sie hatten ihn zu Hause abgeliefert und seinen Eltern mit Jugendamt, Gericht, Knast und noch anderen Bestrafungen gedroht.
'Warum gehst du nicht zur Schule?', hatte Asims Vater geschluchzt, als der Streifenwagen endlich davongefahren war.
'Was habe ich bloß falsch gemacht?', hatte er wissen wollen, während er auf seinen Sohn eingedroschen hatte. Immer und immer wieder hatte er mit der Hand ausgeholt und dabei muslimische Gebetsformeln gemurmelt. Asim hatte nichts gesagt, keinen Mucks von sich gegeben. Klaglos hatte er den Schmerz ertragen - genauso wie die Erkenntnis, dass die Schläge seines Vaters nur dessen Enttäuschung über sein eigenes jämmerliches Versagen waren.
Vielleicht wäre für Asim die Versetzung sogar noch drin gewesen, wenn er ein bisschen mehr Vertrauen zur Polizei gehabt hätte. Aber niemand vertraute den Bullen. Man redete nicht mal mit ihnen. Stattdessen hatte Asim sich geschworen: Noch einmal lasse ich mich nicht erwischen!
Samuel, in dessen Auftrag er mit den Drogen unterwegs gewesen war, hatte versprochen, sich wegen des Vorfalls erkenntlich zu zeigen. Heute wollte er endlich sein Versprechen einlösen. Wenn alles glattging, würde Asim nie wieder auch nur einen Gedanken an Schule verschwenden müssen. Andererseits brauchten er und Lukaz sich keine Gedanken mehr um gar nichts zu machen, sollte Samuel sie hier mit der Knarre erwischen.
'Mann, pack bloß das Ding weg.' Asim schüttelte den Kopf. 'Hast du immer noch nicht kapiert, mit wem wir es zu tun haben?'
Lukaz steckte die Pistole zurück in seine Jackentasche. Er öffnete den Mund zu einer Antwort, schloss ihn dann wieder mit einem schnappenden Geräusch, als eine betont freundliche Stimme hinter ihm fragte: 'Was habt ihr beiden hier zu suchen?'
'Du bist auf der Suche nach was ganz Besonderem, oder?'
Die Frau zupfte an ihrem Dekollete. Nicht dass es da viel zurechtzurücken gegeben hätte. Das Kleid war eigentlich nur ein schmaler Fetzen Stoff, noch dazu transparent. Er konnte ihre Brüste erkennen, die von einem Push-Up mit Tigerfellmotiv in ihrer üppigen Form gehalten wurden. Mit einer fließenden Bewegung schloss sie die Tür hinter ihm. Sie war ohne Frage ein Profi. Das war ihm sofort aufgefallen, als er den Club betreten und die Frauen an der Theke aufgereiht sitzen gesehen hatte.
In dem Zimmer, in dem sie sich nun befanden, war alles schwarz. Die Wände. Der Teppichboden. Selbst der Satinbezug der Matratze. Nur unter dem Bett lag ein leuchtend roter Teppich. An der Decke über dem Bett waren Spiegel angebracht.
Er roch ihr Parfüm. Es kam ihm bekannt vor, aber er wusste den Namen nicht. Dann drehte er sich zu ihr um. Sie hielt ein Paar Handschellen hoch. Ja, sie war wirklich ein Profi.
'Vorher sollten wir aber noch etwas klären', sagte sie.
Er hasste es, darüber zu reden, weil es ihm immer die Stimmung verdarb. Aber da es sein musste, zog er schnell zwei gelbe Scheine aus der Hosentasche.
'Soll ich mich ausziehen?', fragte sie, während sie die 400 Euro in eine kleine Schatulle steckte, die neben dem Bett stand.
Er nickte. 'Hier im Bett?'
Wieder nur eine bejahende Kopfbewegung. 'Du bist nicht sehr gesprächig, oder?' Schweigen.
Sie zuckte mit den Schultern und begann sich zu entkleiden. Sie hatte glatte, vom Solarium gebräunte Haut. Als sie ihren BH abgelegt hatte, verharrten ihre Brüste trotz der Schwerkraft an Ort und Stelle. Offenbar trug sie Implantate, aber das machte ihm nichts aus. Es hätte ihn weitaus mehr gestört, wenn sie ihre Schuhe ausgezogen hätte. Doch weil sie schon lange in dem Beruf arbeitete, wusste sie, was das Auge des Kunden verlangte, und behielt die High Heels an.
Er mochte den Anblick einer nackten Frau, deren Füße sich dem eleganten Schwung hoher Schuhe anpassten. Dadurch bekamen die Beine eine Länge, die sie in Wirklichkeit nie besaßen. Eine optische Täuschung. Aber war nicht alles nur eine Illusion?
Mit den Handschellen fesselte er sie ans Bettgestell. Dann schlug er zu, nicht sehr fest, nur mit einem leichten Klaps.
'Mein Po verträgt mehr', sagte sie.
Er dachte: Ich brauche es nur zu tun.
'Du willst es doch auch, oder?' Sie lächelte ergeben und professionell.
Erneut holte er aus, und diesmal klatschte es lauter. Sie verzog den Mund, sagte aber keinen Ton. Noch spielte sie ihre Rolle perfekt.
Dann schlug er noch einmal zu. Noch einmal. Und noch einmal.
'Hör auf!', japste sie jetzt.
'Nein', antwortete er. 'Du willst es doch auch.'
Wieder fuhr seine Hand auf sie hinab. Ihre Haut färbte sich rot unter seinen Schlägen. Sie jammerte. Dann platzte die Haut auf.
'Scheiße, Mann!', fluchte der erste und trat dabei ungelenk von einem Fuß auf den anderen, wie jemand, dem die Kälte allmählich, aber sicher in die Glieder kroch. 'Der verarscht uns doch!'
'Nein, er wollte um 7.00 Uhr hier sein', antwortete der zweite und rieb sich seine Arme, so als würde zu viel Speed in seinem Blut toben.
Doch tatsächlich war es weder kalt, noch hatten die beiden Drogen genommen. In Wahrheit waren sie nur höllisch nervös.
'Was sagen wir den anderen, wenn er nicht kommt?'
'Er hat gesagt, er kommt. Also kommt er.'
'Aber wenn er nicht kommt, dann.'
'Verdammt, Lukaz! Halt einfach dein Maul und warte.'
Der Angesprochene dachte kurz nach, als habe ihm sein Kumpel eine knifflige Rechenaufgabe gestellt. Mathe war noch nie seine Stärke gewesen. 'Asim, halt doch selbst dein
Maul!'
Asim zeigte ihm den Stinkefinger, dann zog er die Kapuze seines Sweaters tiefer in die Stirn und spähte um die Mauerecke herum, in deren Schatten sie sich verbargen. Von den Fetzen einer zerrissenen Zeitung, die der Wind raschelnd vorwärtstrieb, und einem offenbar vergessenen T-Shirt abgesehen, lag der Schulhof leer und verlassen vor ihnen.
Auf den Straßen jenseits der Schule herrschte dagegen wie immer Hektik. Lkws parkten in zweiter Reihe vor dem asiatischen Stehimbiss, der türkischen Döner- und der deutschen Frittenbude mit dem Namen Bratfritze. Spediteure schrien einander irgendetwas zu, während sie Kartons abluden. Autofahrer hupten, weil der Verkehr sich staute. Die S-Bahn ratterte quietschend über die Hochgleise. Gab es auf der Straße einmal einen seltenen Moment der Ruhe, dann dröhnte aus irgendeinem der Fenster kreischender Orientpop oder das Geschimpfe eines Mannes, der ein Problem mit seiner Frau, seinen Kindern oder sonst wem hatte. Der Lärm gehörte zu dem Stadtviertel dazu wie die Graffiti auf den Häuserwänden oder die Hundescheiße auf den Gehsteigen. Nur das Vogelgezwitscher aus den Bäumen mochte nicht so recht in die grauen Häuserschluchten passen.
Lukaz hob die rechte Hand, formte mit Daumen und Zeigefinger eine Waffe und richtete sie auf eine Baumkrone. 'Bum!', machte er. Weil sein Kumpel nicht reagierte, sagte er: 'Ey, Asim. Mein Bruder hat wirklich schon mal auf Vögel geschossen, drüben im Görlitzer Park. Ich war dabei.'
Asim verdrehte die Augen.
'Ich schwör's.'
'Du weißt doch noch nicht einmal, wie man eine Knarre entsichert.' 'Wetten doch.'
Lukaz griff in seine Jackentasche und zog etwas heraus. 'Die ist von meinem Bruder!'
Asim brauchte zwei Sekunden, bis er in dem Zwielicht erkannte, um was es sich bei dem schwarzen Gegenstand in der Hand seines Kumpels handelte. 'Bist du total bescheuert?'
'Mann, ich dachte mir, dass.'
'Was? Dass wir ein bisschen Eindruck schinden?'
Lukaz schwieg ertappt. Asim starrte ihn fassungslos an.
Sein Kumpel war einen halben Kopf größer, aber zwei Jahre jünger als er. Sie gingen beide in dieselbe Klasse, weil Asim zweimal nicht versetzt worden war. Zuletzt im vergangenen Jahr, als er fast drei Monate lang regelmäßig den Unterricht versäumt hatte. Kurz bevor ihn die Bullen mit dem Beutel Ecstasy-Pillen aufgegriffen hatten. Es war ein dummer Zufall gewesen, nur ein Moment der Unachtsamkeit. Trotzdem zu spät. Sie hatten ihn zu Hause abgeliefert und seinen Eltern mit Jugendamt, Gericht, Knast und noch anderen Bestrafungen gedroht.
'Warum gehst du nicht zur Schule?', hatte Asims Vater geschluchzt, als der Streifenwagen endlich davongefahren war.
'Was habe ich bloß falsch gemacht?', hatte er wissen wollen, während er auf seinen Sohn eingedroschen hatte. Immer und immer wieder hatte er mit der Hand ausgeholt und dabei muslimische Gebetsformeln gemurmelt. Asim hatte nichts gesagt, keinen Mucks von sich gegeben. Klaglos hatte er den Schmerz ertragen - genauso wie die Erkenntnis, dass die Schläge seines Vaters nur dessen Enttäuschung über sein eigenes jämmerliches Versagen waren.
Vielleicht wäre für Asim die Versetzung sogar noch drin gewesen, wenn er ein bisschen mehr Vertrauen zur Polizei gehabt hätte. Aber niemand vertraute den Bullen. Man redete nicht mal mit ihnen. Stattdessen hatte Asim sich geschworen: Noch einmal lasse ich mich nicht erwischen!
Samuel, in dessen Auftrag er mit den Drogen unterwegs gewesen war, hatte versprochen, sich wegen des Vorfalls erkenntlich zu zeigen. Heute wollte er endlich sein Versprechen einlösen. Wenn alles glattging, würde Asim nie wieder auch nur einen Gedanken an Schule verschwenden müssen. Andererseits brauchten er und Lukaz sich keine Gedanken mehr um gar nichts zu machen, sollte Samuel sie hier mit der Knarre erwischen.
'Mann, pack bloß das Ding weg.' Asim schüttelte den Kopf. 'Hast du immer noch nicht kapiert, mit wem wir es zu tun haben?'
Lukaz steckte die Pistole zurück in seine Jackentasche. Er öffnete den Mund zu einer Antwort, schloss ihn dann wieder mit einem schnappenden Geräusch, als eine betont freundliche Stimme hinter ihm fragte: 'Was habt ihr beiden hier zu suchen?'
'Du bist auf der Suche nach was ganz Besonderem, oder?'
Die Frau zupfte an ihrem Dekollete. Nicht dass es da viel zurechtzurücken gegeben hätte. Das Kleid war eigentlich nur ein schmaler Fetzen Stoff, noch dazu transparent. Er konnte ihre Brüste erkennen, die von einem Push-Up mit Tigerfellmotiv in ihrer üppigen Form gehalten wurden. Mit einer fließenden Bewegung schloss sie die Tür hinter ihm. Sie war ohne Frage ein Profi. Das war ihm sofort aufgefallen, als er den Club betreten und die Frauen an der Theke aufgereiht sitzen gesehen hatte.
In dem Zimmer, in dem sie sich nun befanden, war alles schwarz. Die Wände. Der Teppichboden. Selbst der Satinbezug der Matratze. Nur unter dem Bett lag ein leuchtend roter Teppich. An der Decke über dem Bett waren Spiegel angebracht.
Er roch ihr Parfüm. Es kam ihm bekannt vor, aber er wusste den Namen nicht. Dann drehte er sich zu ihr um. Sie hielt ein Paar Handschellen hoch. Ja, sie war wirklich ein Profi.
'Vorher sollten wir aber noch etwas klären', sagte sie.
Er hasste es, darüber zu reden, weil es ihm immer die Stimmung verdarb. Aber da es sein musste, zog er schnell zwei gelbe Scheine aus der Hosentasche.
'Soll ich mich ausziehen?', fragte sie, während sie die 400 Euro in eine kleine Schatulle steckte, die neben dem Bett stand.
Er nickte. 'Hier im Bett?'
Wieder nur eine bejahende Kopfbewegung. 'Du bist nicht sehr gesprächig, oder?' Schweigen.
Sie zuckte mit den Schultern und begann sich zu entkleiden. Sie hatte glatte, vom Solarium gebräunte Haut. Als sie ihren BH abgelegt hatte, verharrten ihre Brüste trotz der Schwerkraft an Ort und Stelle. Offenbar trug sie Implantate, aber das machte ihm nichts aus. Es hätte ihn weitaus mehr gestört, wenn sie ihre Schuhe ausgezogen hätte. Doch weil sie schon lange in dem Beruf arbeitete, wusste sie, was das Auge des Kunden verlangte, und behielt die High Heels an.
Er mochte den Anblick einer nackten Frau, deren Füße sich dem eleganten Schwung hoher Schuhe anpassten. Dadurch bekamen die Beine eine Länge, die sie in Wirklichkeit nie besaßen. Eine optische Täuschung. Aber war nicht alles nur eine Illusion?
Mit den Handschellen fesselte er sie ans Bettgestell. Dann schlug er zu, nicht sehr fest, nur mit einem leichten Klaps.
'Mein Po verträgt mehr', sagte sie.
Er dachte: Ich brauche es nur zu tun.
'Du willst es doch auch, oder?' Sie lächelte ergeben und professionell.
Erneut holte er aus, und diesmal klatschte es lauter. Sie verzog den Mund, sagte aber keinen Ton. Noch spielte sie ihre Rolle perfekt.
Dann schlug er noch einmal zu. Noch einmal. Und noch einmal.
'Hör auf!', japste sie jetzt.
'Nein', antwortete er. 'Du willst es doch auch.'
Wieder fuhr seine Hand auf sie hinab. Ihre Haut färbte sich rot unter seinen Schlägen. Sie jammerte. Dann platzte die Haut auf.