Malkuth
Der Roman
NEPA (Publisher)
2nd Edition
Published in November 2010
Book
416 pages
978-3-9813800-0-2 (ISBN)
Description
Unlektorierte und unbearbeitete Ausgabe des Romans "Malkuth - Das Geheimnis der Pyramis Numeri"
'Malkuth' bedeutet 'Das Königreich' oder 'Die zehnte Sphäre', die auch als 'Strahlende Intelligenz' bezeichnet wird. Und 'Malkuth' ist der Titel dieses Buches. Es ist ein Buch mit Anspruch, das sei gleich vornweg gesagt. Mehr noch: Es ist ein Buch, das meisterlich unterhält.
Es spielt im Jahr 569 v. Chr. und in unserer Zeit. Der namenlose Ich-Erzähler führt zunächst ein gänzlich unspektakuläres Leben als Physiker am CERN und forscht an den Grundlagen für Zeitreisen. Doch schon bald überschlagen sich die Ereignisse:
Er gehört unvermittelt zu einer Geheimorganisation, die das Ziel verfolgt, die gesamte Menschheit auf bevorstehende Veränderungen vorzubereiten.
Gemeinsam mit anderen 'Auserwählten' gelangt unser Held auf die Insel 'Babel', deren Bewohner in einer idealen Gesellschaftsform leben. Etwaige Ähnlichkeiten mit Thomas Morus' Insel 'Utopia' sind durchaus gewollt.
Hier besteht für den Protagonisten die Möglichkeit, seine Forschungen fortzusetzen. Ganz nebenbei erhält er Einblick in die ihm völlig fremde Welt der Geheimlehren und gewinnt die Liebe einer hinreißenden Frau. Dann reißt ihn ein Laborunfall weit in die Vergangenheit - und auf einmal bekommt auch die Uhr seines Großvaters, die sich niemals reparieren ließ, ihren Sinn. Nun wird unser Hauptakteur in Geheimnisse eingeweiht, die Bedeutung für sein übriges Leben und die weitere Existenz 'Babels' haben werden.
Nehmen Sie teil an einer fantastischen Reise durch die Zeit, erleben Sie spannende Abenteuer hautnah mit und erfahren Sie Geheimnisse von wahrer Tragweite! - Ein Buch, das Sie nur schwer aus der Hand legen können, bevor Sie das letzte Wort gelesen haben!
'Malkuth' bedeutet 'Das Königreich' oder 'Die zehnte Sphäre', die auch als 'Strahlende Intelligenz' bezeichnet wird. Und 'Malkuth' ist der Titel dieses Buches. Es ist ein Buch mit Anspruch, das sei gleich vornweg gesagt. Mehr noch: Es ist ein Buch, das meisterlich unterhält.
Es spielt im Jahr 569 v. Chr. und in unserer Zeit. Der namenlose Ich-Erzähler führt zunächst ein gänzlich unspektakuläres Leben als Physiker am CERN und forscht an den Grundlagen für Zeitreisen. Doch schon bald überschlagen sich die Ereignisse:
Er gehört unvermittelt zu einer Geheimorganisation, die das Ziel verfolgt, die gesamte Menschheit auf bevorstehende Veränderungen vorzubereiten.
Gemeinsam mit anderen 'Auserwählten' gelangt unser Held auf die Insel 'Babel', deren Bewohner in einer idealen Gesellschaftsform leben. Etwaige Ähnlichkeiten mit Thomas Morus' Insel 'Utopia' sind durchaus gewollt.
Hier besteht für den Protagonisten die Möglichkeit, seine Forschungen fortzusetzen. Ganz nebenbei erhält er Einblick in die ihm völlig fremde Welt der Geheimlehren und gewinnt die Liebe einer hinreißenden Frau. Dann reißt ihn ein Laborunfall weit in die Vergangenheit - und auf einmal bekommt auch die Uhr seines Großvaters, die sich niemals reparieren ließ, ihren Sinn. Nun wird unser Hauptakteur in Geheimnisse eingeweiht, die Bedeutung für sein übriges Leben und die weitere Existenz 'Babels' haben werden.
Nehmen Sie teil an einer fantastischen Reise durch die Zeit, erleben Sie spannende Abenteuer hautnah mit und erfahren Sie Geheimnisse von wahrer Tragweite! - Ein Buch, das Sie nur schwer aus der Hand legen können, bevor Sie das letzte Wort gelesen haben!
More details
Language
German
Edition type
Unabridged edition
Dimensions
Height: 20.3 cm
Width: 14.8 cm
Weight
580 gr
ISBN-13
978-3-9813800-0-2 (9783981380002)
Schweitzer Classification
Persons
Alexander Faust und Jonathan Möwe wurden beide in den späten 1970er Jahren im thüringischen Wartburgkreis geboren. Eine weitere Gemeinsamkeit ist ihre Liebe zur Literatur, die ihnen immer wieder Zuflucht und Informationsquelle zugleich war.
Auf der Suche nach Antworten auf ihre Fragen und der Ergründung des Sinnes hinter dem Handeln der Menschen fanden die beiden zueinander und es entstand eine tiefe Freundschaft - geprägt von gegenseitiger Anziehung und Respekt.
So entstanden im Laufe der Zeit die Fundamente und die philosophischen Stand- punkte, welche diesem Buch zugrunde liegen.
Auf der Suche nach Antworten auf ihre Fragen und der Ergründung des Sinnes hinter dem Handeln der Menschen fanden die beiden zueinander und es entstand eine tiefe Freundschaft - geprägt von gegenseitiger Anziehung und Respekt.
So entstanden im Laufe der Zeit die Fundamente und die philosophischen Stand- punkte, welche diesem Buch zugrunde liegen.
Content
ir brummte der Schädel dermaßen, als hätte man in seinem Inneren einen Atomtest veranstaltet. Mein Körper fühlte sich an, als wäre er
gerade geschreddert worden. Ich hatte noch immer die Augen geschlossen
und versuchte allein am Gefühl auszumachen, ob bei mir noch alle Körper- teile vorhanden wären. Nachdem ich relativ sicher sein konnte, dass mir keine Gliedmaßen und lebenswichtigen Organe fehlten, schlug ich die Augen auf.
Auch wenn ich in diesem Moment in so etwas wie einem geistigen Dilemma
steckte, ich wusste sofort, wo ich war. - Nein, das ist nicht ganz korrekt. Ich wusste vielmehr sofort, wo ich nicht war. Aber auch das wollte ich noch nicht so recht wahrhaben.
Um meinen damaligen Erkenntnisstand zusammenzufassen: Ich wusste, dass
ich genau wusste, nicht zu wissen, wo ich war. Mit hoher Wahrscheinlichkeit aber wusste ich, wo ich nicht war.
Ein Psychologe hätte wohl gesagt: >Der Patient war zeitlich und örtlich des- orientiert.<
Es war tiefste Nacht. Ich rappelte mich auf und versuchte festzustellen, wie
meine nähere Umgebung beschaffen war. Doch der stark bewölkte Himmel ließ kaum etwas Mondlicht hindurchscheinen. So konnte ich nicht mehr als die Silhouette eines kleinen Berges ausmachen und einige wenige Bäume um mich herum.
Da ich vor Tagesanbruch noch keine Entscheidung über mein weiteres Vor- gehen treffen wollte - vielleicht würde sich meine Situation ja noch als weni- ger prekär herausstellen als zunächst angenommen - beschloss ich, in Rich- tung des Berges zu gehen. Am Morgen wollte ich ihn besteigen und versu- chen, mich zu orientieren.
Hier und da konnte man den Ruf einer Eule hören, hin und wieder scharrte etwas neben mir und ein leichter, aber kühler Wind blies mir entgegen.
Zum Glück hatte ich den silbernen Schutzanzug noch an, er hatte gute wär- meisolierende Eigenschaften und sollte mich diese Nacht wohl warmhalten. Am Fuße des Berges angekommen, setzte ich mich mit dem Rücken gegen einen Stein und versuchte, ein wenig vor mich hinzudösen. Ich wollte kein Risiko eingehen und den Aufstieg nicht bei dieser Finsternis wagen. Um etwas anderes Sinnvolles zu tun, war es ohnehin zu dunkel.
Nach ein paar Stunden, es mögen vielleicht drei oder vier gewesen sein, kam
langsam die Sonne am Horizont hervor. Also wusste ich schon einmal über die Himmelsrichtungen Bescheid.
Ein leichter Nebel, der sich über die Landschaft gelegt hatte, verzog sich langsam und auch die Wolken gaben Stück für Stück die Sicht auf einen blauen Himmel frei. Ich stapfte sicher schon etwas mehr als eine viertel Stunde in Richtung Gipfel, als meine alte Taschenuhr plötzlich anfing, leise zu rasseln. Ich knöpfte meinen Anzug auf und nahm das Täschchen, das Leilani für mich angefertigt hatte, von meinem Gürtel. Ich hatte sie schon eine ganze Weile nicht mehr ausgepackt. Umso verwunderter war ich, als ich auch mein kleines Feuerzeug entdeckte, welches ich von Viktor geschenkt bekam. Es war mir unbegreiflich, wie es hier hineingekommen war, aber meine Dankbarkeit war grenzenlos. Ich würde also nicht erfrieren müssen und könnte mir auch etwas zu essen machen. - Vorausgesetzt, ich hätte leid- lichen Jagderfolg.
Doch schien es mir im Moment erst mal wichtiger, die Uhr zu untersuchen.
Also klappte ich sie auf. Wie manchmal früher schon begann sie jetzt zu vib- rieren und schien sich zu erwärmen. Die drei Ringfassungen drehten sich plötzlich so, dass jeweils drei ihrer Verzierungen in einer Reihe standen. Nach einer kurzen Pause drehten sie sich nach dem gleichen Prinzip, zeigten dann aber in eine andere Richtung, um nach einer weiteren Pause damit fort- zufahren, sich zu drehen. Das Interessante daran war, dass die Uhr dabei immer stark ihre Temperatur veränderte.
Irgendwie wunderte mich das aber nicht mehr. Ich steckte sie wieder ein, hatte aber vor, sie weiter zu beobachten.
Als ich den Gipfel endlich erreicht hatte, begann ich die Umgebung nach irgendwelchen Anzeichen von Zivilisation abzusuchen. Außer einer kargen und steinigen Landschaft, die mit mehr oder weniger großen Hügeln durch- zogen war, welche wiederum mit mehr oder weniger starker Vegetation bewachsen waren, konnte ich nichts entdecken. Mir kam der Verdacht, dass ich mich irgendwo im östlichen Mittelmeerraum befinden könnte. Es war allerdings nicht mehr als eine vage Vermutung. Ich setzte mich resigniert auf einen kleinen Felsvorsprung und dachte nach. - Was nun?
Mir war schrecklich zumute. Ich wusste nicht, wo ich war und der Verdacht, ich könne womöglich auch noch in einer anderen Zeit gestrandet sein, ver- besserte mein Befinden auch nicht gerade. Ich saß noch eine Weile untätig rum, dann nahm ich die Uhr meines Großvaters noch mal zur Hand. Als ich sie aufklappte, richteten sich die Ringe abermals aus.
'Was hab ich denn schon für eine Wahl?', dachte ich mir und hoffte insge-
heim, dass mir mein alter Talisman helfen würde. Also entschied ich mich, in Richtung Südwesten zu gehen. Wenn die Ringe der Uhr diese Richtung anpeilten, war diese am wärmsten. Dieser Entscheidung lag nur ein grundle- gender Gedanke zugrunde: Ich glaubte irgendwie an die mystische Kraft, die nach Aussagen meines Großvaters in dieser Uhr steckte. In meiner Situation versuchte ich schließlich, am kleinsten Strohalm festzuhalten. Ich machte mich also auf den Weg.
Nachdem ich den Abstieg geschafft hatte, beschlich mich ein ernst zu neh- mendes Hungergefühl. Ich begriff, dass ich versuchen musste, mein Überle- ben zu sichern. Ich brauchte etwas Essbares und vor allem Wasser.
Das Zweite sollte sich als das geringste Problem erweisen. Nach einer Stunde Fußmarsch kam ich nämlich an einen Bach, der wohl zufällig das gleiche Ziel zu haben schien, wie ich. In diesem Bach tummelten sich ab und an auch kleinere Fische, doch wollte ich noch nicht essen oder Rast machen. Es erschien mir wichtiger, erst mal die Lage zu sondieren und vielleicht irgendwo Spuren von Menschen zu finden.
Da ich mich aber noch nicht mit der Erzeugung von Feuer beschäftigt hatte,
da sämtliches Holz nämlich nass oder zumindest feucht war, verwarf ich den
Gedanken, rohen Fisch essen zu müssen.
Die Sonne hatte den Zenit längst überschritten, als ich in einiger Entfernung etwas sah, was mir das Blut in den Adern stocken ließ.
Ein riesiger Braunbär trottete einen bewaldeten Berghang entlang und die Distanz zwischen ihm und mir wurde immer geringer. Noch schien er sich um seine eigenen Belange zu kümmern. Ich hatte jedoch nicht vor, heraus- zufinden, was er anstellen würde, wenn ich das Ziel seiner Aufmerksamkeit wäre.
>Ich brauche einen ausreichend großen Baum<, dachte ich mir und hielt auf eine Kie- fer zu, die unweit von mir gewurzelt hatte. Ich tanzte um diesen alten Baum herum wie ein Kleinkind, das auf den Schoß seiner Mutter möchte, ohne ihre Hilfe aber nicht hochkommt. Aus der Ferne hatten die unteren Äste irgendwie tiefer ausgesehen.
Inzwischen war auch Meister Petz auf mich aufmerksam geworden und
erhöhte sein Tempo. Begleitet von einem tiefen Brummen kam er auf mich zu. Ich ließ die Kiefer stehen und nahm die Beine in die Hand. So schnell ich konnte, rannte ich einer felsigen Bergwand entgegen. Mein Verfolger war jetzt eindeutig an mir interessiert und spurtete hinter mir her. Mit letzter Kraft stieg ich den steilen Fels hinauf und rettete mich - in etwa fünf Meter Höhe - auf einen Vorsprung. Dies tat ich in der Hoffnung, dass es der Bär nicht auch hinaufschaffen würde.
Den Rest des Tages saß ich nun dort oben und beobachtete, wie der Bär gemütlich unter mir herumschlenderte, im Gestrüpp stöberte und versuchte, im Bach einen Fisch zu erbeuten. Mein Magen hätte sich im Knurren schon längst mit Meister Petz messen können und inzwischen hätte wohl auch ich mit rohem Fisch vorliebgenommen. Doch meine Angst war weitaus größer als mein Hunger. So richtete ich mich dort oben - auf dem nackten Fels - für die Nacht ein. Für den nächsten Tag nahm ich mir vor, ein Feuer zu machen und zu versuchen, einige Fische zu fangen. Aufgrund meiner unbe- quemen Lage hatte ich ausgesprochen viel Zeit, um darüber nachzudenken.
Der Morgen graute und mein brauner Verfolger schien seiner Wege gegan- gen zu sein. Also wagte ich mich an den Abstieg. Noch wollte ich in der Nähe meines schützenden Fluchtortes bleiben, da ich ja nicht wusste, welche Gefahren hier draußen noch auf mich lauern würden. Ich begann Holz auf- zulesen, welches halbwegs trocken war und trug noch ein paar Blätter und anderes Gewächs zusammen. Nachdem ich dies alles in eine, wie ich dachte, vorteilhafte Form gebracht hatte, versuchte ich, die Blätter mit meinem Feuerzeug zu entzünden. Wie sich herausstellte, war das gar nicht so einfach. Es erwies sich als verdammt schwer, mit einer kleinen Feuerzeugflamme Holz aus dem Wald zu entzünden. Nachdem ich einige Zeit mit vergebli- chen Versuchen verbracht hatte, zerstreute ich mein Sammelsurium mit den Füßen und brüllte meinen Unmut in die Wildnis hinaus. Dabei kam mir eine Idee: Ich bräuchte nur kleineres und trockeneres Holz und schon würde es klappen! - Also machte ich mich auf, die nähere Umgebung zu durchstrei- fen. Doch überall, wo ich umherstöberte, spürte ich kalten Tau auf der Hand. So würde es also nichts werden.
Nach einigen Stunden des Suchens hatte ich eine Handvoll trockenes Gras und Blätter gesammelt. Ich breitete meinen Anzug aus und legte die reflek- tierende Seite in die Sonne, dann verteilte ich das Gras, die Blätter und ein wenig Holz darauf, in der Hoffnung, dass alles trocknen würde. Da dies aber eine Weile dauern sollte, begab ich mich wieder auf einen Streifzug. Ich würde schließlich noch mehr Holz brauchen, wenn das Feuer einmal in Gang wäre. Außerdem hegte ich die Hoffnung, vielleicht auch ein paar Bee- ren oder Früchte zu finden.
Ich lief einen Hügel hinauf und ließ den Wald hinter mir. Den Weg hatte ich
vorsorglich mit Holzstapeln markiert, die ich auf dem Rückweg mitnehmen wollte. Langsam wandelte sich der Hügel, den ich bestieg, zu einem ausge- wachsenen Berg. Da hinauf würde ich heute nicht mehr gehen, nicht mit so einem Loch in meinem Bauch! Also setzte ich mich erst mal auf die Wiese und sah mich um. Doch soweit mein Blick auch streifte, nirgends waren Spuren von Zivilisation oder Ähnlichem zu sehen. Alles, was ich sah, waren große Kiefernwälder, die sich an unzählige grüne Hügel schmiegten. Einsam-
keit umfing mich und ich sehnte mich nach Leilani. Während ich so vor mich hinschaute, fiel mir auf einmal Anand ein. Er müsste doch auch hier irgendwo sein. Ich sprang auf und rief nach ihm. Zehn Minuten später war ich völlig erschöpft, dafür hatte ich ein starkes Kratzen im Hals und sah ich die Sinnlosigkeit meines Unterfangens ein. Er konnte schließlich überall sein. Möglicherweise war Anand sogar tot.
gerade geschreddert worden. Ich hatte noch immer die Augen geschlossen
und versuchte allein am Gefühl auszumachen, ob bei mir noch alle Körper- teile vorhanden wären. Nachdem ich relativ sicher sein konnte, dass mir keine Gliedmaßen und lebenswichtigen Organe fehlten, schlug ich die Augen auf.
Auch wenn ich in diesem Moment in so etwas wie einem geistigen Dilemma
steckte, ich wusste sofort, wo ich war. - Nein, das ist nicht ganz korrekt. Ich wusste vielmehr sofort, wo ich nicht war. Aber auch das wollte ich noch nicht so recht wahrhaben.
Um meinen damaligen Erkenntnisstand zusammenzufassen: Ich wusste, dass
ich genau wusste, nicht zu wissen, wo ich war. Mit hoher Wahrscheinlichkeit aber wusste ich, wo ich nicht war.
Ein Psychologe hätte wohl gesagt: >Der Patient war zeitlich und örtlich des- orientiert.<
Es war tiefste Nacht. Ich rappelte mich auf und versuchte festzustellen, wie
meine nähere Umgebung beschaffen war. Doch der stark bewölkte Himmel ließ kaum etwas Mondlicht hindurchscheinen. So konnte ich nicht mehr als die Silhouette eines kleinen Berges ausmachen und einige wenige Bäume um mich herum.
Da ich vor Tagesanbruch noch keine Entscheidung über mein weiteres Vor- gehen treffen wollte - vielleicht würde sich meine Situation ja noch als weni- ger prekär herausstellen als zunächst angenommen - beschloss ich, in Rich- tung des Berges zu gehen. Am Morgen wollte ich ihn besteigen und versu- chen, mich zu orientieren.
Hier und da konnte man den Ruf einer Eule hören, hin und wieder scharrte etwas neben mir und ein leichter, aber kühler Wind blies mir entgegen.
Zum Glück hatte ich den silbernen Schutzanzug noch an, er hatte gute wär- meisolierende Eigenschaften und sollte mich diese Nacht wohl warmhalten. Am Fuße des Berges angekommen, setzte ich mich mit dem Rücken gegen einen Stein und versuchte, ein wenig vor mich hinzudösen. Ich wollte kein Risiko eingehen und den Aufstieg nicht bei dieser Finsternis wagen. Um etwas anderes Sinnvolles zu tun, war es ohnehin zu dunkel.
Nach ein paar Stunden, es mögen vielleicht drei oder vier gewesen sein, kam
langsam die Sonne am Horizont hervor. Also wusste ich schon einmal über die Himmelsrichtungen Bescheid.
Ein leichter Nebel, der sich über die Landschaft gelegt hatte, verzog sich langsam und auch die Wolken gaben Stück für Stück die Sicht auf einen blauen Himmel frei. Ich stapfte sicher schon etwas mehr als eine viertel Stunde in Richtung Gipfel, als meine alte Taschenuhr plötzlich anfing, leise zu rasseln. Ich knöpfte meinen Anzug auf und nahm das Täschchen, das Leilani für mich angefertigt hatte, von meinem Gürtel. Ich hatte sie schon eine ganze Weile nicht mehr ausgepackt. Umso verwunderter war ich, als ich auch mein kleines Feuerzeug entdeckte, welches ich von Viktor geschenkt bekam. Es war mir unbegreiflich, wie es hier hineingekommen war, aber meine Dankbarkeit war grenzenlos. Ich würde also nicht erfrieren müssen und könnte mir auch etwas zu essen machen. - Vorausgesetzt, ich hätte leid- lichen Jagderfolg.
Doch schien es mir im Moment erst mal wichtiger, die Uhr zu untersuchen.
Also klappte ich sie auf. Wie manchmal früher schon begann sie jetzt zu vib- rieren und schien sich zu erwärmen. Die drei Ringfassungen drehten sich plötzlich so, dass jeweils drei ihrer Verzierungen in einer Reihe standen. Nach einer kurzen Pause drehten sie sich nach dem gleichen Prinzip, zeigten dann aber in eine andere Richtung, um nach einer weiteren Pause damit fort- zufahren, sich zu drehen. Das Interessante daran war, dass die Uhr dabei immer stark ihre Temperatur veränderte.
Irgendwie wunderte mich das aber nicht mehr. Ich steckte sie wieder ein, hatte aber vor, sie weiter zu beobachten.
Als ich den Gipfel endlich erreicht hatte, begann ich die Umgebung nach irgendwelchen Anzeichen von Zivilisation abzusuchen. Außer einer kargen und steinigen Landschaft, die mit mehr oder weniger großen Hügeln durch- zogen war, welche wiederum mit mehr oder weniger starker Vegetation bewachsen waren, konnte ich nichts entdecken. Mir kam der Verdacht, dass ich mich irgendwo im östlichen Mittelmeerraum befinden könnte. Es war allerdings nicht mehr als eine vage Vermutung. Ich setzte mich resigniert auf einen kleinen Felsvorsprung und dachte nach. - Was nun?
Mir war schrecklich zumute. Ich wusste nicht, wo ich war und der Verdacht, ich könne womöglich auch noch in einer anderen Zeit gestrandet sein, ver- besserte mein Befinden auch nicht gerade. Ich saß noch eine Weile untätig rum, dann nahm ich die Uhr meines Großvaters noch mal zur Hand. Als ich sie aufklappte, richteten sich die Ringe abermals aus.
'Was hab ich denn schon für eine Wahl?', dachte ich mir und hoffte insge-
heim, dass mir mein alter Talisman helfen würde. Also entschied ich mich, in Richtung Südwesten zu gehen. Wenn die Ringe der Uhr diese Richtung anpeilten, war diese am wärmsten. Dieser Entscheidung lag nur ein grundle- gender Gedanke zugrunde: Ich glaubte irgendwie an die mystische Kraft, die nach Aussagen meines Großvaters in dieser Uhr steckte. In meiner Situation versuchte ich schließlich, am kleinsten Strohalm festzuhalten. Ich machte mich also auf den Weg.
Nachdem ich den Abstieg geschafft hatte, beschlich mich ein ernst zu neh- mendes Hungergefühl. Ich begriff, dass ich versuchen musste, mein Überle- ben zu sichern. Ich brauchte etwas Essbares und vor allem Wasser.
Das Zweite sollte sich als das geringste Problem erweisen. Nach einer Stunde Fußmarsch kam ich nämlich an einen Bach, der wohl zufällig das gleiche Ziel zu haben schien, wie ich. In diesem Bach tummelten sich ab und an auch kleinere Fische, doch wollte ich noch nicht essen oder Rast machen. Es erschien mir wichtiger, erst mal die Lage zu sondieren und vielleicht irgendwo Spuren von Menschen zu finden.
Da ich mich aber noch nicht mit der Erzeugung von Feuer beschäftigt hatte,
da sämtliches Holz nämlich nass oder zumindest feucht war, verwarf ich den
Gedanken, rohen Fisch essen zu müssen.
Die Sonne hatte den Zenit längst überschritten, als ich in einiger Entfernung etwas sah, was mir das Blut in den Adern stocken ließ.
Ein riesiger Braunbär trottete einen bewaldeten Berghang entlang und die Distanz zwischen ihm und mir wurde immer geringer. Noch schien er sich um seine eigenen Belange zu kümmern. Ich hatte jedoch nicht vor, heraus- zufinden, was er anstellen würde, wenn ich das Ziel seiner Aufmerksamkeit wäre.
>Ich brauche einen ausreichend großen Baum<, dachte ich mir und hielt auf eine Kie- fer zu, die unweit von mir gewurzelt hatte. Ich tanzte um diesen alten Baum herum wie ein Kleinkind, das auf den Schoß seiner Mutter möchte, ohne ihre Hilfe aber nicht hochkommt. Aus der Ferne hatten die unteren Äste irgendwie tiefer ausgesehen.
Inzwischen war auch Meister Petz auf mich aufmerksam geworden und
erhöhte sein Tempo. Begleitet von einem tiefen Brummen kam er auf mich zu. Ich ließ die Kiefer stehen und nahm die Beine in die Hand. So schnell ich konnte, rannte ich einer felsigen Bergwand entgegen. Mein Verfolger war jetzt eindeutig an mir interessiert und spurtete hinter mir her. Mit letzter Kraft stieg ich den steilen Fels hinauf und rettete mich - in etwa fünf Meter Höhe - auf einen Vorsprung. Dies tat ich in der Hoffnung, dass es der Bär nicht auch hinaufschaffen würde.
Den Rest des Tages saß ich nun dort oben und beobachtete, wie der Bär gemütlich unter mir herumschlenderte, im Gestrüpp stöberte und versuchte, im Bach einen Fisch zu erbeuten. Mein Magen hätte sich im Knurren schon längst mit Meister Petz messen können und inzwischen hätte wohl auch ich mit rohem Fisch vorliebgenommen. Doch meine Angst war weitaus größer als mein Hunger. So richtete ich mich dort oben - auf dem nackten Fels - für die Nacht ein. Für den nächsten Tag nahm ich mir vor, ein Feuer zu machen und zu versuchen, einige Fische zu fangen. Aufgrund meiner unbe- quemen Lage hatte ich ausgesprochen viel Zeit, um darüber nachzudenken.
Der Morgen graute und mein brauner Verfolger schien seiner Wege gegan- gen zu sein. Also wagte ich mich an den Abstieg. Noch wollte ich in der Nähe meines schützenden Fluchtortes bleiben, da ich ja nicht wusste, welche Gefahren hier draußen noch auf mich lauern würden. Ich begann Holz auf- zulesen, welches halbwegs trocken war und trug noch ein paar Blätter und anderes Gewächs zusammen. Nachdem ich dies alles in eine, wie ich dachte, vorteilhafte Form gebracht hatte, versuchte ich, die Blätter mit meinem Feuerzeug zu entzünden. Wie sich herausstellte, war das gar nicht so einfach. Es erwies sich als verdammt schwer, mit einer kleinen Feuerzeugflamme Holz aus dem Wald zu entzünden. Nachdem ich einige Zeit mit vergebli- chen Versuchen verbracht hatte, zerstreute ich mein Sammelsurium mit den Füßen und brüllte meinen Unmut in die Wildnis hinaus. Dabei kam mir eine Idee: Ich bräuchte nur kleineres und trockeneres Holz und schon würde es klappen! - Also machte ich mich auf, die nähere Umgebung zu durchstrei- fen. Doch überall, wo ich umherstöberte, spürte ich kalten Tau auf der Hand. So würde es also nichts werden.
Nach einigen Stunden des Suchens hatte ich eine Handvoll trockenes Gras und Blätter gesammelt. Ich breitete meinen Anzug aus und legte die reflek- tierende Seite in die Sonne, dann verteilte ich das Gras, die Blätter und ein wenig Holz darauf, in der Hoffnung, dass alles trocknen würde. Da dies aber eine Weile dauern sollte, begab ich mich wieder auf einen Streifzug. Ich würde schließlich noch mehr Holz brauchen, wenn das Feuer einmal in Gang wäre. Außerdem hegte ich die Hoffnung, vielleicht auch ein paar Bee- ren oder Früchte zu finden.
Ich lief einen Hügel hinauf und ließ den Wald hinter mir. Den Weg hatte ich
vorsorglich mit Holzstapeln markiert, die ich auf dem Rückweg mitnehmen wollte. Langsam wandelte sich der Hügel, den ich bestieg, zu einem ausge- wachsenen Berg. Da hinauf würde ich heute nicht mehr gehen, nicht mit so einem Loch in meinem Bauch! Also setzte ich mich erst mal auf die Wiese und sah mich um. Doch soweit mein Blick auch streifte, nirgends waren Spuren von Zivilisation oder Ähnlichem zu sehen. Alles, was ich sah, waren große Kiefernwälder, die sich an unzählige grüne Hügel schmiegten. Einsam-
keit umfing mich und ich sehnte mich nach Leilani. Während ich so vor mich hinschaute, fiel mir auf einmal Anand ein. Er müsste doch auch hier irgendwo sein. Ich sprang auf und rief nach ihm. Zehn Minuten später war ich völlig erschöpft, dafür hatte ich ein starkes Kratzen im Hals und sah ich die Sinnlosigkeit meines Unterfangens ein. Er konnte schließlich überall sein. Möglicherweise war Anand sogar tot.