
Entwicklung der Entwicklungspolitik
Wochenschau Verlag
Published in 1999
Book
Paperback/Softback
90 pages
978-3-87920-580-6 (ISBN)
Description
Franz Nuscheler: Deutsche Entwicklungspolitik: Auf alten Wegen vor neuen Herausforderungen? (S. 9-22)
Die Entwicklungspolitik befindet sich nach dem Ende des Kalten Krieges in der politischen Irrelevanzfalle. Auch ihre
Instrumentalisierung als "präventive Sicherheitspolitik" zur Abwehr von "neuen Bedrohungen" aus dem Süden konnte
ihren Bedeutungsverlust nicht verhindern. Im Gefolge der Globalisierungsdebatte wurde sie zunehmend als "globale Strukturpolitik"
thematisiert, aber weder institutionell noch konzep-tionell auf diese Aufgabe vorbereitet. Die rot-grüne Koalitionsregierung
leitete zwar in einigen Bereichen eine entwicklungspolitische Wende ein, die sie aber noch gegen bürokratische
Apparate und widerstrebende Interessen durchsetzen muß. Bei jedem Regierungswechsel fand die angekündigte Wende mehr
in der Rhetorik denn in der Praxis statt.
Claudia Olejniczak: Die Dritte-Welt-Bewegung in Deutschland: Historische Entwicklungslinien im Ost-West-
Vergleich (S. 23-36)
Der Aufsatz hat das Anliegen, die Dritte-Welt-Bewegungen in West- und Ostdeutschland in ihrem entstehungsgeschichtlichen
Kontext darzustellen. Daher werden die konzeptionellen und thematischen Entwicklungsphasen der Bewegungen in
beiden Teilen Deutschlands aufgezeigt. Der Vergleich der Bewegungsgeschichten veranschaulicht, daß trotz der unterschiedlichen
politisch-institutionellen Rahmenbedingungen in beiden deutschen Staaten entwicklungspolitische Initiativen
entstanden sind, die erstaunliche Parallelen erkennen lassen. Ähnlichkeiten zeigen sich nicht nur in inhaltlicher Hinsicht,
sondern auch in bezug auf eine konfrontative Stellung zur staatlichen Entwicklungspolitik, die die Legitimation und die
öffentliche Wirksamkeit der Bewegungen verstärkte.
Uwe Andersen/Ingo Homberger/Nelson Penedo: Lokale Agenda 21 und Entwicklungspolitik (S. 37-53)
Die 1992 in Rio de Janeiro verabschiedete "Agenda 21" zeichnet sich u. a. durch den Versuch einer stärkeren Basisanbindung
auf der lokalen Ebene aus und entwickelt dort inzwischen eine zunehmende Dynamik. Es zeigt sich, daß dabei der Aspekt der
Entwicklungspolitik trotz einiger Erfolge - wie jüngste Umfragen belegen - häufig noch zu kurz kommt. Die Verfasser
beschäftigen sich mit den Gründen der Nichtthematisierung von Entwicklungspolitik in lokalen Agendaprozessen und zeigen
Chancen und Grenzen lokaler Entwicklungspolitik auf. Am Beispiel der Stadt Osnabrück wird deutlich, daß v. a. eine
frühzeitige organisatorische Einbindung entwicklungspolitischer Akteure vielversprechend ist. Eine sinnvolle Handlungsoption
lokaler Akteure ist die Unterstützung von lokalen Agen-daprozessen in der Dritten Welt.
Jürgen H. Wolff: Armutsbekämpfung durch Entwicklungshilfe: Mythos oder Realität? (S. 54-69)
Nach einem Blick auf die Armutsbekämpfung in der Geschichte der Entwicklungspolitik werden die methodischen Probleme
der Definition und Messung von "Armut" ausführlich erörtert sowie die vorhandenen Daten zur Verbreitung von Armut
vorgestellt. Die Analyse der Beziehung von Entwicklungspolitik und Armut führt zu einer sehr skeptischen Einschätzung der
Möglichkeiten, Armut mit Hilfe von Entwicklungspolitik direkt zu bekämpfen. Empfohle wird hier die Konzentration auf
die Bitter-Armen, insbesondere der Kampf gegen Fehlernährung und die Förderung von Basisgesundheitsdiensten. Den
übrigen Armen kann indirekt durch Wirtschaftswachstum geholfen werden, wie die Erfahrung zeigt.
Gero Erdmann: Demokratisierung der Entwicklung (S. 70-87)
In der Entwicklungspolitik ist die Wiederentdeckung der Politik zu verzeichnen. Die alte These von der wirtschaftlichen
Entwicklung als Voraussetzung zur Demokratie ist nicht länger haltbar, zu widersprüchlich sind die Forschungsergebnisse.
Demokratie oder die Beachtung von politischen und bürgerlichen Menschenrechten werden weit stärker als bisher als wesentlicher
Bestandteil von Entwicklung angesehen. Kulturell begründete Einwände gegen die Universalität der Menschenrechte
Die Entwicklungspolitik befindet sich nach dem Ende des Kalten Krieges in der politischen Irrelevanzfalle. Auch ihre
Instrumentalisierung als "präventive Sicherheitspolitik" zur Abwehr von "neuen Bedrohungen" aus dem Süden konnte
ihren Bedeutungsverlust nicht verhindern. Im Gefolge der Globalisierungsdebatte wurde sie zunehmend als "globale Strukturpolitik"
thematisiert, aber weder institutionell noch konzep-tionell auf diese Aufgabe vorbereitet. Die rot-grüne Koalitionsregierung
leitete zwar in einigen Bereichen eine entwicklungspolitische Wende ein, die sie aber noch gegen bürokratische
Apparate und widerstrebende Interessen durchsetzen muß. Bei jedem Regierungswechsel fand die angekündigte Wende mehr
in der Rhetorik denn in der Praxis statt.
Claudia Olejniczak: Die Dritte-Welt-Bewegung in Deutschland: Historische Entwicklungslinien im Ost-West-
Vergleich (S. 23-36)
Der Aufsatz hat das Anliegen, die Dritte-Welt-Bewegungen in West- und Ostdeutschland in ihrem entstehungsgeschichtlichen
Kontext darzustellen. Daher werden die konzeptionellen und thematischen Entwicklungsphasen der Bewegungen in
beiden Teilen Deutschlands aufgezeigt. Der Vergleich der Bewegungsgeschichten veranschaulicht, daß trotz der unterschiedlichen
politisch-institutionellen Rahmenbedingungen in beiden deutschen Staaten entwicklungspolitische Initiativen
entstanden sind, die erstaunliche Parallelen erkennen lassen. Ähnlichkeiten zeigen sich nicht nur in inhaltlicher Hinsicht,
sondern auch in bezug auf eine konfrontative Stellung zur staatlichen Entwicklungspolitik, die die Legitimation und die
öffentliche Wirksamkeit der Bewegungen verstärkte.
Uwe Andersen/Ingo Homberger/Nelson Penedo: Lokale Agenda 21 und Entwicklungspolitik (S. 37-53)
Die 1992 in Rio de Janeiro verabschiedete "Agenda 21" zeichnet sich u. a. durch den Versuch einer stärkeren Basisanbindung
auf der lokalen Ebene aus und entwickelt dort inzwischen eine zunehmende Dynamik. Es zeigt sich, daß dabei der Aspekt der
Entwicklungspolitik trotz einiger Erfolge - wie jüngste Umfragen belegen - häufig noch zu kurz kommt. Die Verfasser
beschäftigen sich mit den Gründen der Nichtthematisierung von Entwicklungspolitik in lokalen Agendaprozessen und zeigen
Chancen und Grenzen lokaler Entwicklungspolitik auf. Am Beispiel der Stadt Osnabrück wird deutlich, daß v. a. eine
frühzeitige organisatorische Einbindung entwicklungspolitischer Akteure vielversprechend ist. Eine sinnvolle Handlungsoption
lokaler Akteure ist die Unterstützung von lokalen Agen-daprozessen in der Dritten Welt.
Jürgen H. Wolff: Armutsbekämpfung durch Entwicklungshilfe: Mythos oder Realität? (S. 54-69)
Nach einem Blick auf die Armutsbekämpfung in der Geschichte der Entwicklungspolitik werden die methodischen Probleme
der Definition und Messung von "Armut" ausführlich erörtert sowie die vorhandenen Daten zur Verbreitung von Armut
vorgestellt. Die Analyse der Beziehung von Entwicklungspolitik und Armut führt zu einer sehr skeptischen Einschätzung der
Möglichkeiten, Armut mit Hilfe von Entwicklungspolitik direkt zu bekämpfen. Empfohle wird hier die Konzentration auf
die Bitter-Armen, insbesondere der Kampf gegen Fehlernährung und die Förderung von Basisgesundheitsdiensten. Den
übrigen Armen kann indirekt durch Wirtschaftswachstum geholfen werden, wie die Erfahrung zeigt.
Gero Erdmann: Demokratisierung der Entwicklung (S. 70-87)
In der Entwicklungspolitik ist die Wiederentdeckung der Politik zu verzeichnen. Die alte These von der wirtschaftlichen
Entwicklung als Voraussetzung zur Demokratie ist nicht länger haltbar, zu widersprüchlich sind die Forschungsergebnisse.
Demokratie oder die Beachtung von politischen und bürgerlichen Menschenrechten werden weit stärker als bisher als wesentlicher
Bestandteil von Entwicklung angesehen. Kulturell begründete Einwände gegen die Universalität der Menschenrechte
More details
Series
Language
German
Dimensions
Height: 15.8 cm
Width: 22.9 cm
Weight
151 gr
ISBN-13
978-3-87920-580-6 (9783879205806)
Schweitzer Classification
Persons
Contributions
ISNI: 0000 0003 8149 1763 GND: 120762196
ISNI: 0000 0000 8097 3849 GND: 107451603
Editor-in-chief
ISNI: 0000 0003 8149 1763 GND: 120762196