
Labyrinth der Angst
Rachel Dylan(Author)
Francke-Buch (Publisher)
1st Edition
Published in January 2022
Book
Paperback/Softback
318 pages
978-3-96362-251-9 (ISBN)
Description
FBI-Special Agent Bailey Ryan ermittelt in einer Mordserie, die Washington, DC erschüttert. Auf Befehl von oben muss sie sich widerstrebend dem Team von NCIS-Ermittler Marco Agostino anschließen. Doch der arrogante Special Agent ist gar nicht so unsympathisch wie gedacht . Schnell haben die beiden einen Verdächtigen gefunden: einen Scharfschützen der Elite-Einheit der Navy-SEALs. Aber auch hier ist offenbar nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint.
Als Bailey und Marco tiefer graben, wird klar, dass jemand bereit ist, alles zu riskieren, um seine dunklen Geheimnisse zu wahren. Können sie der tödlichen Gefahr entkommen?
More details
Edition
Auflage
Language
German
Place of publication
Germany
Product notice
Klappenbroschur
Dimensions
Height: 202 mm
Width: 133 mm
Thickness: 24 mm
Weight
370 gr
ISBN-13
978-3-96362-251-9 (9783963622519)
Schweitzer Classification
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Persons
Author
Rachel Dylan arbeitete mehr als acht Jahre als Prozessanwältin für eine namhafte amerikanische Kanzlei. Heute ist sie als Justiziarin für einen der größten Automobilhersteller der USA tätig und schreibt christliche Romane, die in der Gerichtswelt spielen. Zusammen mit ihrem Mann, zwei Hunden und drei Katzen lebt sie in Michigan.
ISNI: 0000 0004 5508 0917 GND: 1194207995
ISNI: 0000 0004 5508 0917 GND: 1194207995
Translation
ISNI: 0000 0000 1092 9121 GND: 115450130
Content
Kapitel 1
»Ich glaube, die haben Leichen in ihrer Wohnung!«
Bailey Ryan saß mit ihren Freundinnen in einem Imbiss in Arlington, Virginia, und schob sich eine große Gabel voll Salat in den Mund, während Layla Karam aufgeregt ihre Geschichte erzählte.
»Bailey, Viv, ich sag's euch.« Layla hob die Hände. »Ich muss mir eine neue Bleibe suchen. Meine Nachbarn sind irre. Das mit den Leichen ist kein Witz.«
Bailey lachte über die absurde Behauptung ihrer Freundin.
Vivian Steeles braune Augen blitzten vor Begeisterung. »Leichen fallen in Baileys Zuständigkeitsbereich. Sie ist schließlich unsere FBI-Staragentin.«
Bailey schüttelte den Kopf. »Eine Staragentin hat mich, glaube ich, noch niemand genannt.«
Vivian lachte. »Beim Jurastudium haben sie dich nur als Streberin bezeichnet.«
Bailey legte eine Hand auf ihr Herz. »Auf keinen Fall. Layla war die Streberin.«
»Lügen. Alles Lügen.« Layla grinste und wickelte ihre langen schwarzen Haare um einen Finger. »Wir müssen uns übrigens entscheiden, ob wir zu dem Wiedersehenstreffen unseres Fachbereichs gehen wollen.«
»Das hängt von meinem Kalender ab«, erwiderte Viv. »Im Moment ist bei der Arbeit der Bär los.« Sie sah auf ihre Uhr. »Deshalb treffen wir uns auch um zehn Uhr abends zum Essen.« Nach außen hin arbeiteten Viv und Layla beide für das Außenministerium, aber während Viv tatsächlich das Ministerium als Anwältin vertrat, arbeitete Layla in Wirklichkeit als Analystin für die CIA. Nur ein sehr kleiner Personenkreis kannte die Wahrheit über Laylas Tätigkeit. Viv und sie arbeiteten gerade an einem gemeinsamen Projekt, das auch nächtliche Einsätze nötig machte. »Ich glaube, ich würde fünf Jahre nach dem Abschluss gerne mal die anderen wiedersehen - aber nur, wenn wir alle mitmachen.«
»Die Treffen der juristischen Fakultät von Georgetown sollen angeblich eine ziemlich schicke Angelegenheit sein«, warf Layla ein.
Bailey stöhnte. »Das hat mir gerade noch gefehlt. Wir sind doch mit den Leuten, die wir mögen, in Kontakt geblieben. Und ich habe kein Interesse daran, mit irgendjemand anderem Small Talk zu machen.«
»Das ist halt Washington D. C. - jeder spielt eine Rolle«, entgegnete Vivian.
Bailey verstand diesen Aspekt nur zu gut. Bei ihrer Karriere im FBI hatte sie genug mit internen und externen politischen Schachzügen und Machtspielchen zu tun. Dabei wollte sie doch nichts anderes, als nur ihre Arbeit zu machen und Verbrechen aufzuklären.
Sie hatte gerade den letzten Rest ihres Salats gegessen, als ihr Smartphone klingelte. »Sorry, Mädels, da muss ich rangehen.«
»Das kennen wir doch«, sagte Viv.
Alle drei hatten Jobs, die mit viel Druck verbunden waren - und Erreichbarkeit rund um die Uhr erforderten. Das war noch ein Grund, warum sie einander so gut verstanden. Niemand brauchte ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn die Arbeit rief. Im Gegenteil - sie unterstützten einander und waren im Ernstfall füreinander da. Bailey betrachtete diese beiden Frauen als ihre Familie.
Bailey stand auf, ging ein paar Schritte zur Seite und nahm das Gespräch an. »Ryan.«
»Wir haben einen Mord«, sagte Connor. »Komm zum Leichenschauhaus.«
»Bis gleich.« Ihre Beziehung zu Special Agent Remy Connor war gut, aber sachlich. Sie waren mehr als Partner, sie waren gute Freunde geworden. Der Special Agent, den alle nur Connor nannten und der fünf Jahre älter war als sie, war für Bailey wie der große Bruder, den sie nie gehabt hatte.
Sie kehrte zu ihren Freundinnen zurück. »Tut mir leid, ich muss los.«
»Diesmal wirklich eine Leiche?«, fragte Vivian.
Bailey nickte. »Ja.«
»Wir sollten uns auch an die Arbeit machen.« Viv sah zu Layla hinüber. »Wir machen im Moment öfter Nachtschichten, aber das ist echt nicht mein Ding. Wenigstens ist dieser Auftrag bald erledigt.«
»Keine Sorge, ich bin ja da für die moralische Unterstützung.« Layla lächelte.
Bailey wurde das Herz warm, als sie ihre Freundinnen ansah. »Seid brav. Ich melde mich später bei euch.« Sie stellte nie Fragen über die Arbeit der beiden, aber ihr war bewusst, dass Layla und Viv an einem wichtigen Projekt arbeiteten.
Sie verließ das Restaurant und stieg in die U-Bahn. Am L'Enfant Plaza stieg sie wieder aus und legte den kurzen Weg zur Gerichtsmedizin zurück. Als FBI-Agentin beschäftigte sie sich am Tag und häufig genug auch in der Nacht mit Dingen, denen die meisten Menschen lieber aus dem Weg gingen, aber ihre Tätigkeit war wichtig und erfüllend. Viel erfüllender als eine normale Anwaltsstelle in einer riesigen Kanzlei. Obwohl sie solche Angebote auch schon oft bekommen hatte.
Durch ihr Jurastudium hatte sie einen einzigartigen Blickwinkel, den viele ihrer Kolleginnen und Kollegen nicht hatten. Die meisten Agenten, die einen Abschluss in Rechtswissenschaften hatten, arbeiteten in anderen Teilen der Behörde. Doch Bailey hatte sich für einen Job als Special Agent entschieden. Sie brauchte die Herausforderungen, die mit der Aufklärung von Gewaltverbrechen verbunden waren.
Sie war in der Gerichtsmedizin keine Unbekannte, deshalb musste sie dem Mann vom Sicherheitsdienst nur kurz ihren Ausweis zeigen und ging dann weiter zu Connor, der im Foyer stand.
»Danke, dass du auf mich gewartet hast. Oder wolltest du nicht allein die Leiche besuchen?« Es machte Bailey Spaß, ihren Partner zu necken, und ihm schien es nichts auszumachen.
Er lächelte. »Du weißt doch, dass ich ein Teamplayer bin.«
»Also, was haben wir hier?«
Gemeinsam gingen sie den Gang hinunter zu dem Aufzug, der sie zur Leichenhalle im Keller bringen würde.
Connor sah sie an. »Die örtliche Polizei hat uns hinzugezogen, weil es der zweite Mord mit derselben Vorgehensweise innerhalb von drei Tagen ist. Der erste Mord wurde in Arlington begangen, aber dieses Opfer wurde in Foggy Bottom getötet. Die Police Departments von Arlington und Washington stehen in enger Verbindung und sie haben eins und eins zusammengezählt.«
Die Aufzugglocke ertönte. Als Bailey und Connor auf den Flur hinaustraten, sahen sie, dass die Gerichtsmedizinerin Jessie - oder Doc Phillips, wie sie hier genannt wurde - Dienst hatte. Mit ihr arbeitete Bailey am liebsten zusammen.
Die kleine, grauhaarige Frau begrüßte die Agenten herzlich. »Schönen guten Abend, Leute. Gut, dass Sie hier sind.«
Sie folgten Doc Phillips in die Leichenhalle und Bailey begann sofort mit ihren Fragen. »Connor hat mir erzählt, dass dieses Opfer dem von vor drei Tagen ähnelt?«
»Das stimmt. Ich habe den Autopsiebericht aus Arlington hier. Das erste Opfer ist ein gewisser Michael Rogers. Und auch wenn ich es nicht mit Sicherheit sagen kann, gibt es auffällige Ähnlichkeiten bei dem, was mit den beiden Leichen gemacht wurde.«
Doc Phillips zog das Laken zurück, mit dem das neue Opfer auf dem Tisch zugedeckt war. Als Erstes fiel Bailey die ausgesprochen kräftige Figur des Mannes auf. Bei seinem stattlichen und muskulösen Körper gab das Verbrechen noch mehr Rätsel auf.
»Habt ihr seine Statur bemerkt?«, fragte sie. »Er muss schon sehr überrascht worden sein, damit jemand ihn überwältigen konnte.«
Connor nickte. »Ich bin kein Experte, aber von den Einstichwinkeln der Wunden sieht es so aus, als wenn jemand von hinten gekommen ist und ihn überrumpelt hat.« Er fuhr sich mit der Hand durch die kurzen blonden Haare. »Habe ich recht, Doc?«
»Es stimmt, dass die Wunden von hinten verursacht wurden.« Die Gerichtsmedizinerin zeigte auf die Leiche. »Wie Sie sehen, gibt es mehrere Stichwunden. Ich kann Ihnen sagen, dass sie dieselbe Richtung und Tiefe haben wie bei Rogers.« Sie ging zu ihrem Schreibtisch und nahm ein Blatt Papier in die Hand. »Aber das können Sie selbst sehen. Dies ist der Bericht über Rogers.«
Bailey und Connor verbrachten die nächsten Minuten damit, den Bericht zu studieren.
»Also haben wir es möglicherweise mit demselben Täter zu tun«, sagte Bailey leise. »Nur drei Tage dazwischen, dieselbe Vorgehensweise. Keine Phase der Abkühlung zwischen den beiden Morden. Das sieht fast nach einem Amokläufer aus.«
»Ich bin der Meinung, dass es sich um denselben Täter handeln könnte, aber was den Rest betrifft, überlasse ich die Ermittlungen dem FBI.« Doc Phillips wandte den Blick ab.
Irgendwas stimmte hier nicht. »Was verschweigen Sie uns, Doc?«, fragte Bailey.
Doc Bailey trat verlegen von einem Fuß auf den anderen. »Na ja, vielleicht nicht nur dem FBI.«
»Wie meinen Sie das?«, erkundigte sich Connor.
Jessie Phillips sah ihn an. »Wir haben seine Fingerabdrücke durchs System laufen lassen und vorhin kam das Ergebnis.«
»Wer ist er?«, fragte Bailey.
»Ich weiß genau, wer er ist«, sagte eine tiefe Stimme hinter ihnen.
Bailey drehte sich um und sah einen großen Mann mit dunklen Haaren im Türrahmen stehen. Alles an ihm strahlte sehr großes Selbstbewusstsein aus - um nicht zu sagen: Arroganz.
»Und wer sind Sie?«, fragte sie.
»Special Agent Marco Agostini, NCIS.« Er ging auf sie zu.
Das erklärte das merkwürdige Verhalten der Gerichtsmedizinerin. Das FBI musste den Fall mit einer anderen Behörde teilen. »Und das bedeutet wohl, dass er einer von Ihren Leuten war?«
Marco Agostinis dunkle Augen ließen ihren Blick nicht los. »Infos nur nach Bedarf.«
* * *
Marco musterte die Blondine in der FBI-Jacke skeptisch. Auf keinen Fall würde er einer anderen Behörde die Leitung der Ermittlungen in diesem Fall überlassen.
»Da müssen Sie sich schon ein bisschen mehr Mühe geben, Kollege Agostini«, erwiderte die Blondine. »Wir haben Bedarf, was diese Information betrifft.«
Die Gerichtsmedizinerin entfernte sich einige Schritte. »Ich hole Kaffee, während Sie die Lage klären. Bin gleich wieder da.« Sie verschwand schnell, offensichtlich nicht erpicht darauf, in einen Revierkampf verwickelt zu werden. Marco konnte ihr das nicht verdenken.
»Und wer sind Sie?«, wollte er wissen.
»FBI-Special-Agent Bailey Ryan und dies ist mein Kollege, Supervisory Special Agent Remy Connor.«
Marco gab nicht nach. »Ich weiß, dass Sie nur versuchen, Ihre Arbeit zu machen, aber dasselbe gilt für mich auch. Diesen Fall übernimmt die Strafverfolgungsbehörde der Navy.«
Baileys leuchtend grüne Augen verengten sich ein wenig. »Wir wurden beide hierherbestellt. Sie wissen, dass Sie nicht einfach hereinspazieren und so tun können, als würden Sie die Ermittlungen leiten. Dies ist der zweite Mord dieser Art innerhalb weniger Tage. Es könnte sein, dass es sich um einen Serienmörder handelt, und dann muss das FBI einbezogen werden.«
Marco glaubte zu hören, wie Special Agent Connor leise lachte. Er versuchte, die beiden FBI-Agenten einzuschätzen. Ihren Bezeichnungen nach war er der ranghöhere Beamte, aber der Unterschied war nicht groß. Trotzdem musste er seinen Fall verteidigen. »Ich sage es noch einmal, Ma'am. Das hier ist Sache des NCIS.«
»Die Anweisung von meinem Chef lautet anders.« Ryan wandte sich an ihren Partner. »Oder wie siehst du das, Connor?«
»Genauso. Wie wäre es, wenn ich mich ans Telefon hänge und sehe, ob ich die Situation klären kann?« Connor verließ den Raum mit dem Handy am Ohr.
Marco nahm sich einen Augenblick Zeit, um Bailey Ryan zu mustern. Sie hatte glatte blonde Haare, die beinahe bis auf ihre Schultern fielen. Ihr sonnengebräunter Teint war höchstwahrscheinlich ein Zeichen dafür, dass sie sich viel draußen aufhielt. Sie war größer als die meisten Frauen, aber nicht so groß wie er selbst mit seinen eins fünfundachtzig. Wahrscheinlich sollte er diplomatisch sein und versuchen, die Situation nicht eskalieren zu lassen. »Special Agent Ryan, ich habe den allergrößten Respekt für das FBI.«
»Dann haben Sie aber eine interessante Art, das zu zeigen«, gab sie bissig zurück. »Was ist mit der Anweisung, dass wir alle im Sinne des Gemeinwohls zusammenarbeiten sollen?«
Jetzt saß er in der Falle. »Die gilt natürlich, aber hier gibt es möglicherweise Sicherheitsaspekte. Ich will nur kein Risiko eingehen.«
Bailey verschränkte die Arme. »Wenn Sie sich Sorgen wegen der Sicherheitsüberprüfung machen - ich war vor einigen Monaten an einer gemeinsamen Operation mit der Spionageabwehr des FBI beteiligt. Ich habe die höchste Stufe der Sicherheitsfreigabe. Das dürfte also kein Problem sein.«
Marco wusste ihren Eifer zu würdigen, aber trotzdem würde er nicht nachgeben - es spielte keine Rolle, dass sie mehr als kompetent zu sein schien. In Wirklichkeit hatte sein Sicherheitsargument weder Hand noch Fuß. Er versuchte nur, Zeit zu schinden und die Situation hoffentlich so bald wie möglich in den Griff zu bekommen.
Special Agent Ryan trat einen Schritt näher. »Soweit ich das beurteilen kann, ist dieses Verbrechen geschehen, während das Opfer nicht im Dienst war.«
»Das bedeutet aber nicht, dass der NCIS sich aus den Ermittlungen heraushält. Er ist trotzdem einer von uns. Und deshalb ist das hier unser Fall, wenn wir ihn wollen.«
Bailey stemmte die Hände in die Hüften, erwiderte aber nichts - wahrscheinlich, weil sie wusste, dass er recht hatte. Die Strafverfolgungsbehörde der Navy übernahm in der Regel die Leitung der Ermittlungen bei Fällen, in die ein Angehöriger der Navy-Dienste verwickelt war. Ja, sie mussten die ganze Zeit mit anderen Behörden zusammenarbeiten, aber er wollte, dass der NCIS hier das Ruder übernahm. An diesem Szenario schien ihm alles merkwürdig.
Sein Telefon klingelte und er blickte auf das Display, um zu sehen, wer ihn anrief. »Tut mir leid, Ma'am. Das ist meine Chefin, da muss ich drangehen.«
Bailey lächelte. »Kein Problem.«
Wahrscheinlich lächelte sie, weil es nichts Gutes verhieß, wenn die Leiterin des NCIS in diesem Moment anrief. »Agostini hier.«
»Director Mercer.«
»Was kann ich für Sie tun, Ma'am?« Marco graute vor ihrer Antwort.
»Sie sind in der Gerichtsmedizin, richtig?«
»Ja, Ma'am.« Er hielt die Luft an und wartete auf ihre Anweisung.
»Ich weiß, wir haben darüber gesprochen, dass dies ein exklusiver Fall für den NCIS ist, aber wir müssen nett zu den anderen Kindern im Sandkasten sein. Ich habe Druck von meinen Kollegen beim FBI bekommen. Sie wollen mitmischen, weil die Möglichkeit besteht, dass wir es mit einem Serienmörder oder Amokläufer zu tun haben, und weil das erste Opfer ein Zivilist war. Deshalb läuft es folgendermaßen: Wir arbeiten gemeinsam an dem Fall und im Moment hat der NCIS die Leitung.«
»Wieso sagen Sie >im Moment<, Ma'am?« Aber eigentlich kannte Marco die Antwort schon.
»Weil Sie wissen, dass die Dinge sich jeden Augenblick ändern können. Aber Sie müssen mit dem FBI arbeiten und nicht gegen die Kollegen. Habe ich mich klar ausgedrückt, Special Agent Agostini?«
Darauf gab es nur eine mögliche Antwort. »Glasklar, Ma'am.«
»Ich habe ein ungutes Gefühl bei dieser Sache, Agostini. Finden Sie so schnell wie möglich heraus, was da vor sich geht.«
»Natürlich, Ma'am.« Als er auflegte, sah er, dass Connor sich wieder zu Bailey gesellt hatte und die beiden sich in der Ecke des Raumes unterhielten. Zweifellos hatten sie gerade dieselbe Anweisung von ihrem Vorgesetzten erhalten. Jetzt musste er die zwei vom FBI mit einbeziehen. Es war nicht das erste Mal, dass er eine bittere Pille schlucken musste, und es würde auch nicht das letzte Mal sein.
Er ging zu den beiden Agenten und erwartete, dass Bailey triumphieren würde, aber sie sagte kein Wort. »Sie haben bestimmt auch mit Ihrem Boss gesprochen. Meine Anweisung lautet, dass wir gemeinsam ermitteln und der NCIS die Leitung übernimmt. Sind wir da auf demselben Stand?« Er sah erst Bailey und dann Connor an.
»Ja«, nickte Bailey. »Aber angesichts unserer begrenzten Ressourcen müssen Sie mit mir vorliebnehmen. Connor wird den Fall im Blick behalten, aber nicht das Alltagsgeschäft übernehmen. Wir sind im Moment ziemlich dünn besetzt, aber das ist bei Ihnen im NCIS bestimmt ähnlich.«
»Stimmt, so sieht es heutzutage bei uns allen aus. Weitere Budgetkürzungen und Einstellungsstopps, aber die Verbrecher lassen nicht locker.« Marco ergab sich in sein Schicksal, in den nächsten Wochen eine Menge Zeit mit Bailey Ryan zu verbringen. Ihm war durchaus aufgefallen, dass sie attraktiv war, aber sein Job hatte Priorität - immer. Deshalb war er wahrscheinlich mit einunddreißig noch immer Single. »Dann machen wir uns besser an die Arbeit. Wir sollten ins Büro des NCIS fahren und ein paar Leute von meinem Team als Helfer rekrutieren. In der Zwischenzeit kann ich Ihnen etwas über das zweite Opfer erzählen - Petty Officer First Class Sean Battle.«
»Worum geht es hier eigentlich wirklich? Warum so viel Inte-resse an einem gewöhnlichen Petty Officer?«, fragte Bailey.
Marco holte tief Luft. »Weil dieser eben nicht gewöhnlich war. Er war ein Navy SEAL.«