
Rechtsästhetik.
Sinnliche Analogien im juristischen Denken.
Daniel Damler(Author)
Duncker & Humblot (Publisher)
1st Edition
Published on 7. July 2016
Book
Hardback
408 pages
978-3-428-14841-7 (ISBN)
Description
Nietzsche nannte sie den »Fundamentaltrieb des Menschen«: die Neigung und Befähigung, das Unbegreifliche als etwas Vertrautes, der Wahrnehmung Zugängliches zu begreifen. Auch die Staats- und Rechtswissenschaft operiert fortwährend mit abstrakten und zugleich sinnlich unterlegten Begriffen. Umso erstaunlicher, dass wir über den Einfluss lebensweltlicher Revolutionen auf das juristische Denken bislang kaum etwas wissen. Da Umbrüche in der materiellen Welt den Bestand an Metaphern verändern, die dem Juristen Halt und Orientierung geben, verändern sie mittelbar das Denken selbst. Das erklärt den Erfolg »ästhetischer Tugenden«: Schönheitsideale, die so sehr ersehnt und begehrt werden, dass die an sich nur auf die materielle Welt bezogene Verheißung in eine juristische Apologie umschlägt.
Daniel Damler erzählt eine etwas andere Rechtsgeschichte, in der nicht - wie üblich - Interessen und Ideen die Hauptrolle spielen, sondern lebensweltliche und künstlerische Leitbilder. Hat die Ästhetisierung der Himmelsmechanik in der langen Sternennacht der Aufklärung einen Anteil an der Idealisierung der verfassungsrechtlichen Gewaltenteilung? Begünstigte die komplexe polyphone Musik der Renaissance den Aufstieg des neuzeitlichen Staates? Besteht ein Zusammenhang zwischen der rechtlichen Verselbständigung von »Körperschaften« und der Stilisierung des menschlichen Leibes zu einem Signet des Glaubens in der christlichen Kunst? Hat der Transparenz-Fetisch der Moderne seinen Ursprung in der hypnotischen Wirkung illuminierter Glasfassaden?
Reviews / Votes
»Die Schrift ist kein Traktat, und man hätte sie - ehrenvoll genug - wohl besser mir >Vorstudien zu einer Rechtsästhetik< betitelt. So betrachtet ist ihr Wert allerdings unbestreitbar: Sie lässt uns - glänzend geschrieben und reich an Quellen - mit großem Staunen veblüffende Parallelen zwischen rechtlichen und nicht-rechtlichen, juristischen und nicht-juristischen >Ästhetiken< entdecken.[...]« Prof. Dr. Joachim Lege, in: Rechtswissenschaft, Heft 3/2017 »Verf. legt eine ungemein belesene, rechtvergleichende, rechtsgeschichtliche und interdisziplinäre Schrift vor, die nicht nur die Grenzen von Privatrecht und Öffentlichem Recht transzendiert, sondern auch fachfremde Literatur einbezieht. Die Reichweite der Arbeit ist daher enorm. Da wo auf die eingerichteten und ausgeübten Literaturbetriebe der Rechtswissenschaft zurückgegriffen wird, widersetzt sich der Autor erfreulicherweise der >Lektüre des intellektuellen Establishments< (S. 24) und liest in fast dekonstruktivistischer Manier quer zu den ausgetretenen Pfaden. Das ist erfrischend ausgeführt. Schon von daher lohnt sich die Lektüre der Habilitationsschrift und schon deshalb übertrifft das Buch die üblichen Leistungen in der Literaturgattung >juristische Habilitationsschrift<, die wie kaum Vergleichbares von Konformitätsdruck gepraägt ist, deutlich.[...]« Prof. Dr. Andreas Fischer-Lescano, in: Der Staat, Band 56, Heft 1/2017More details
Thesis
Professorial dissertation
2016
Universität Tübingen
Language
German
Place of publication
Berlin
Germany
Product notice
Cloth over boards
Illustrations
39
39 Abb.; 408 S., 39 schw.-w. Abb.
Dimensions
Height: 23.3 cm
Width: 15.7 cm
Weight
805 gr
ISBN-13
978-3-428-14841-7 (9783428148417)
Schweitzer Classification
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E-Book
05/2019
1st Edition
Duncker & Humblot
€89.99
Available for download
Person
Daniel Damler (born 1975) is a German legal scholar and practitioner. Damler studied law, modern and medieval history at the universities of Tübingen, Frankfurt/Main and Madrid. Among his publications: »Imperium Contrahens. Eine Vertragsgeschichte des spanischen Weltreichs in der Renaissance« (Imperium Contrahens: A history of treaties of the Spanish empire in the Renaissance, 2008); »Wildes Recht. Zur Pathogenese des Effektivitätsprinzips in der neuzeitlichen Eigentumslehre« (Untamed Law: Toward a pathogenesis of the principle of effectiveness in modern property doctrine, 2nd Edition, 2010).
Content
Dikes Unterwelt - Prolog
Erster Teil: Konstitutive Sinnbilder
I. Meta-phorein: Sinnstiftung durch Übertragung - II. Studien zur Ästhetik des Privatrechts
Zweiter Teil: Regulative Sinnbilder
I. kalos kai agathos als kognitive Interferenz - II. Studien zur Ästhetik der Staatslehre
Aisthesis und Politeia - Epilog
Abbildungsnachweise
Quellen- und Literaturverzeichnis
Personen- und Sachverzeichnis