Meat
Thriller
Joseph D'Lacey(Author)
Heyne (Publisher)
Published on 3. February 2009
Book
Paperback/Softback
448 pages
978-3-453-43372-4 (ISBN)
Description
Du bist, was du isst!
Eine schreckliche Zukunftsvision:
Die Stadt Abyrne ist umgeben von Wildnis. Die Menschen darin brauchen Fleisch zum Überleben. Doch die Kontrolle über die Fleischfabrik hat eine allmächtige, skrupellose Minderheit, die den Rest der Bevölkerung terrorisiert. Das Volk hungert und braucht Nahrung. Der Konflikt zwischen den Herrschenden und Beherrschten bricht offen aus.
* Ein Horrorszenario, das jedem Leser den Schlaf raubt
* Hochaktuell und zutiefst schockierend
* Ihr schlimmster Albtraum wird wahr
Eine schreckliche Zukunftsvision:
Die Stadt Abyrne ist umgeben von Wildnis. Die Menschen darin brauchen Fleisch zum Überleben. Doch die Kontrolle über die Fleischfabrik hat eine allmächtige, skrupellose Minderheit, die den Rest der Bevölkerung terrorisiert. Das Volk hungert und braucht Nahrung. Der Konflikt zwischen den Herrschenden und Beherrschten bricht offen aus.
* Ein Horrorszenario, das jedem Leser den Schlaf raubt
* Hochaktuell und zutiefst schockierend
* Ihr schlimmster Albtraum wird wahr
More details
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.7 cm
Width: 11.8 cm
ISBN-13
978-3-453-43372-4 (9783453433724)
Schweitzer Classification
Persons
Content
Unter Himmeln aus angelaufenem Silber, den granitfarbenen Wolken entgegen, rennt Richard Shanti nach Hause.
Schritt für Schritt, die Füße schwer wie Blei, ringt das Keuchen seines Atems mit dem Trommeln seiner Füße um einen gemeinsamen Rhythmus. Der letzte Rest Feuchtigkeit in seinem Körper ist der Schleimpfropfen in seiner Kehle. Im stetigen, monotonen Wechsel signalisieren ihm seine Beine, dass sie den brennenden Schmerz nicht mehr ertragen, dass sie zu müde sind, weiterzumachen. Er will auf sie hören.
Stattdessen spuckt er ihnen den kostbaren Schleim vor die Füße.
Ihm ist der Schweiß ausgegangen, bis auf den letzt en Tropfen ist er auf seinen Schläfen verdampft. Sein Gesicht steht in Flammen. Das Salz beißt in seinen Augen, aber er hat keine Tränen mehr, es hinauszuspülen. Dieser Lauf dörrt ihn aus.
Er lächelt.
Seine Waden und Schenkel brennen wie Feuer. Mit jedem Schritt lodern die Flammen höher. Seine Muskeln sind nur noch Lava und Gall ert. Jegliche Widerstandskraft ist aus ihnen entwichen. Ihr Speicher an Güte oder Gnade ist bis aufs letzte Gramm erschöpft.
Noch nicht.
Seine Schienenbeine biegen sich unter der Last jeder einzelnen Berührung mit dem Boden. Er spürt, wie sie unter der Belastung nachgeben. In seiner Vorstellung durchziehen Haarrisse die blendend weißen Knochen, bis sie bersten. Es klingt wie das Brechen eines Holzlineals in einem vollen Wasserbecken. Es multipliziert seinen Schmerz. Das morsche Splittern kracht durch seine Sinne und klingt eine Ewigkeit in seinen Ohren nach.
Was wird es kosten, die Schuld zu tilgen? Ich werde alles dafür tun. Ich will meine Unschuld zurück.
Er läuft.
Es geht immer noch schneller. Der Schmerz setzt die Interpunktion. Seine Sohlen trommeln im Takt der Qual auf der steinigen Straße.
Tack-tack-tack-tack-tack-tack-tack.
Er läuft.
Dies ist seine einzige Hoffnung auf Erlösung. Er läuft. Er zahlt.
Dieses Leben ist nicht lang genug, ihn von all dem Übel, das er in die Welt gebracht hat, zu reinigen. Seine Verdammnis ist selbstverschuldet. Jeder Teil von ihm soll dafür Buße tun. Die Agonie in seinen Fußsohlen sticht bis herauf ins Mark seiner Knochen. Er stellt sich vor, wie seine Fußwurzel unter dem Druck zu splittern beginnt.
Er läuft. Zwingt den Schmerz in seinen Körper. Der Rucksack schlägt auf seinen Rücken, als hätte er einen eigenen Willen. Jeder Schritt wirft ihn hoch und schleudert ihn dann mit Wucht wieder herunter gegen seine Wirbelsäule. Er hindert ihn daran, in einen gleichmäßigen Laufrhythmus zu finden. Die Riemen scheuern an seinen Schultern, und das Gewicht droht ihn, hintenüberzureißen. Ohne Unterlass hämmert er auf ihn ein, prügelt ihn gen Boden.
Der ungestüme Durchzug der Luft hat seine Lungen verödet. Die Abgase der vorbeifahrenden Lastwagen krall en sich in seiner Kehl e fest, bis sie zu einem giftigen Schlick destilliert sind, von dem ihm übel wird.
Er läuft. Er zahlt. Er betet.
Der Schmerz ist nun allgegenwärtig. Die von seinen Gelenken und Knochen ausgehende Pein schabt jeden einzelnen Augenblick seine Nervenbahnen entlang. Seine Existenz ist strahlendes, weißes Leid.
Vielleicht reinigt es mich.
"Hey, Eispickel!", rief Bob Torrance von der erhöhten Aussichtsplattform am Kopf der Stahltreppe. "Wie schnell läuft die Schlachtstraße heute?"
Shanti verglich den Schusszähler neben der Zugangsklappe mit der Hauptuhr.
"Läuft mit 130 die Stunde, Sir."
Torrance grinste gleichermaßen vor Bewunderung und Verzückung. Eine hohe Produktionsrate garantierte Bonuszahlungen für alle. Dank ihr würde er bei den Männern und bei Rory Magnus eine gute Figur machen.
"Schneller als du bringt nur 'ne Seuche das Vieh um die Ecke, Rick. Mach weiter so."
Shanti war mit Abstand der abgebrühteste Mitarbeiter in Magnus-Fleisch-Produktion und der erklärte Liebling von Bob Torrance, dem Vorarbeiter an der Schlachtstraße. Jemand wie er war ihm noch nie zuvor begegnet. Sie nannten ihn Eispickel oder Eispickel-Rick, weil er die Schlachtschusspistole mit einer Gemütsruhe und Gefühlskälte bediente, die ihresgleichen suchte. Psychologisch betrachtet war Shantis Job einer der härtesten an der Schlachtstraße, es war derjenige, welcher die Psyche am heftigsten belastete. Aus diesem Grund wechselten sich vier ausgebildete Schlächter aus der Belegschaft auf der Position ab: Auf eine Woche am Bolzenschussapparat folgten drei Wochen in anderen Bereichen der Straße oder sonst wo in der Fabrik. Niemand konnte pausenlos töten, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Monat für Monat, ohne dass es bleibende Spuren im Kopf hinterlässt. Die regelmäßige Auszeit war zwingend notwendig zur Erhaltung der geistigen Gesundheit und, was noch wesentlich wichtiger war, um eine möglichst hohe Produktivität des Arbeiters zu garantieren.
Wenn es aber jemand fertigbrachte, lebenden und atmenden Kreaturen, von jetzt bis zu seiner Pensionierung, das Bolzenschussgerät zwischen die Brauen zu drücken, ohne jemals nur einen einzigen Tag freizunehmen, war es Eispickel, Richard Shanti. Wenn irgendjemand für den Rest seines Lebens diesen Wesen, die jeden Moment ausgeblutet, ausgeweidet, portioniert und verpackt sein würden, in die Augen sehen könnt e, ohne dass seine Psyche dabei auch nur die leiseste Spur eines Schadens davontrug, dann war er das.
Und er sah ihnen in die Augen. Jedermann hier hatte gesehen, wie er es tat.
Für die meisten Schlächter waren die Augen das Problem. Torrance konnte sehr gut nachvollziehen, warum: In jungen Jahren hatte er selbst als Schlächter gearbeitet. Er wusste, dass es der härteste Job im Schlachthaus war. Wie könnte man zusehen, wenn das Licht in Tausenden von Augenpaaren erlosch, ohne dass es einem naheging? Wie sollte man sich nicht fragen, wohin dieses Licht verschwand? Wie konnte man sich nicht fragen, ob nicht vielleicht doch etwas falsch daran war, was man tat?
Diese Fragen hinterließen Spuren in den Köpfen der Leute. Jedes der erlöschenden Augenpaare hatte seine eigene Beschaffenheit, seinen eigenen Charakter. Jedes Augenpaar war absolut einzigartig.
Was störte es ihn, wenn die anderen Arbeiter Shanti mieden? Was, wenn der jede Nacht und jeden Morgen rannte, bis er beinahe zusammenbrach? Solange er pünktlich zur Arbeit erschien und diese so gut erledigte, wie er es immer tat, hatte Torrance keinen Grund zur Klage. Jeder Schlächter braucht e einen Ausgleich zu seiner Arbeit. Wenn das Laufen Shanti dabei half, seinen Job zu bewältigen, war das Torrance nur recht und billig.
Schritt für Schritt, die Füße schwer wie Blei, ringt das Keuchen seines Atems mit dem Trommeln seiner Füße um einen gemeinsamen Rhythmus. Der letzte Rest Feuchtigkeit in seinem Körper ist der Schleimpfropfen in seiner Kehle. Im stetigen, monotonen Wechsel signalisieren ihm seine Beine, dass sie den brennenden Schmerz nicht mehr ertragen, dass sie zu müde sind, weiterzumachen. Er will auf sie hören.
Stattdessen spuckt er ihnen den kostbaren Schleim vor die Füße.
Ihm ist der Schweiß ausgegangen, bis auf den letzt en Tropfen ist er auf seinen Schläfen verdampft. Sein Gesicht steht in Flammen. Das Salz beißt in seinen Augen, aber er hat keine Tränen mehr, es hinauszuspülen. Dieser Lauf dörrt ihn aus.
Er lächelt.
Seine Waden und Schenkel brennen wie Feuer. Mit jedem Schritt lodern die Flammen höher. Seine Muskeln sind nur noch Lava und Gall ert. Jegliche Widerstandskraft ist aus ihnen entwichen. Ihr Speicher an Güte oder Gnade ist bis aufs letzte Gramm erschöpft.
Noch nicht.
Seine Schienenbeine biegen sich unter der Last jeder einzelnen Berührung mit dem Boden. Er spürt, wie sie unter der Belastung nachgeben. In seiner Vorstellung durchziehen Haarrisse die blendend weißen Knochen, bis sie bersten. Es klingt wie das Brechen eines Holzlineals in einem vollen Wasserbecken. Es multipliziert seinen Schmerz. Das morsche Splittern kracht durch seine Sinne und klingt eine Ewigkeit in seinen Ohren nach.
Was wird es kosten, die Schuld zu tilgen? Ich werde alles dafür tun. Ich will meine Unschuld zurück.
Er läuft.
Es geht immer noch schneller. Der Schmerz setzt die Interpunktion. Seine Sohlen trommeln im Takt der Qual auf der steinigen Straße.
Tack-tack-tack-tack-tack-tack-tack.
Er läuft.
Dies ist seine einzige Hoffnung auf Erlösung. Er läuft. Er zahlt.
Dieses Leben ist nicht lang genug, ihn von all dem Übel, das er in die Welt gebracht hat, zu reinigen. Seine Verdammnis ist selbstverschuldet. Jeder Teil von ihm soll dafür Buße tun. Die Agonie in seinen Fußsohlen sticht bis herauf ins Mark seiner Knochen. Er stellt sich vor, wie seine Fußwurzel unter dem Druck zu splittern beginnt.
Er läuft. Zwingt den Schmerz in seinen Körper. Der Rucksack schlägt auf seinen Rücken, als hätte er einen eigenen Willen. Jeder Schritt wirft ihn hoch und schleudert ihn dann mit Wucht wieder herunter gegen seine Wirbelsäule. Er hindert ihn daran, in einen gleichmäßigen Laufrhythmus zu finden. Die Riemen scheuern an seinen Schultern, und das Gewicht droht ihn, hintenüberzureißen. Ohne Unterlass hämmert er auf ihn ein, prügelt ihn gen Boden.
Der ungestüme Durchzug der Luft hat seine Lungen verödet. Die Abgase der vorbeifahrenden Lastwagen krall en sich in seiner Kehl e fest, bis sie zu einem giftigen Schlick destilliert sind, von dem ihm übel wird.
Er läuft. Er zahlt. Er betet.
Der Schmerz ist nun allgegenwärtig. Die von seinen Gelenken und Knochen ausgehende Pein schabt jeden einzelnen Augenblick seine Nervenbahnen entlang. Seine Existenz ist strahlendes, weißes Leid.
Vielleicht reinigt es mich.
"Hey, Eispickel!", rief Bob Torrance von der erhöhten Aussichtsplattform am Kopf der Stahltreppe. "Wie schnell läuft die Schlachtstraße heute?"
Shanti verglich den Schusszähler neben der Zugangsklappe mit der Hauptuhr.
"Läuft mit 130 die Stunde, Sir."
Torrance grinste gleichermaßen vor Bewunderung und Verzückung. Eine hohe Produktionsrate garantierte Bonuszahlungen für alle. Dank ihr würde er bei den Männern und bei Rory Magnus eine gute Figur machen.
"Schneller als du bringt nur 'ne Seuche das Vieh um die Ecke, Rick. Mach weiter so."
Shanti war mit Abstand der abgebrühteste Mitarbeiter in Magnus-Fleisch-Produktion und der erklärte Liebling von Bob Torrance, dem Vorarbeiter an der Schlachtstraße. Jemand wie er war ihm noch nie zuvor begegnet. Sie nannten ihn Eispickel oder Eispickel-Rick, weil er die Schlachtschusspistole mit einer Gemütsruhe und Gefühlskälte bediente, die ihresgleichen suchte. Psychologisch betrachtet war Shantis Job einer der härtesten an der Schlachtstraße, es war derjenige, welcher die Psyche am heftigsten belastete. Aus diesem Grund wechselten sich vier ausgebildete Schlächter aus der Belegschaft auf der Position ab: Auf eine Woche am Bolzenschussapparat folgten drei Wochen in anderen Bereichen der Straße oder sonst wo in der Fabrik. Niemand konnte pausenlos töten, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Monat für Monat, ohne dass es bleibende Spuren im Kopf hinterlässt. Die regelmäßige Auszeit war zwingend notwendig zur Erhaltung der geistigen Gesundheit und, was noch wesentlich wichtiger war, um eine möglichst hohe Produktivität des Arbeiters zu garantieren.
Wenn es aber jemand fertigbrachte, lebenden und atmenden Kreaturen, von jetzt bis zu seiner Pensionierung, das Bolzenschussgerät zwischen die Brauen zu drücken, ohne jemals nur einen einzigen Tag freizunehmen, war es Eispickel, Richard Shanti. Wenn irgendjemand für den Rest seines Lebens diesen Wesen, die jeden Moment ausgeblutet, ausgeweidet, portioniert und verpackt sein würden, in die Augen sehen könnt e, ohne dass seine Psyche dabei auch nur die leiseste Spur eines Schadens davontrug, dann war er das.
Und er sah ihnen in die Augen. Jedermann hier hatte gesehen, wie er es tat.
Für die meisten Schlächter waren die Augen das Problem. Torrance konnte sehr gut nachvollziehen, warum: In jungen Jahren hatte er selbst als Schlächter gearbeitet. Er wusste, dass es der härteste Job im Schlachthaus war. Wie könnte man zusehen, wenn das Licht in Tausenden von Augenpaaren erlosch, ohne dass es einem naheging? Wie sollte man sich nicht fragen, wohin dieses Licht verschwand? Wie konnte man sich nicht fragen, ob nicht vielleicht doch etwas falsch daran war, was man tat?
Diese Fragen hinterließen Spuren in den Köpfen der Leute. Jedes der erlöschenden Augenpaare hatte seine eigene Beschaffenheit, seinen eigenen Charakter. Jedes Augenpaar war absolut einzigartig.
Was störte es ihn, wenn die anderen Arbeiter Shanti mieden? Was, wenn der jede Nacht und jeden Morgen rannte, bis er beinahe zusammenbrach? Solange er pünktlich zur Arbeit erschien und diese so gut erledigte, wie er es immer tat, hatte Torrance keinen Grund zur Klage. Jeder Schlächter braucht e einen Ausgleich zu seiner Arbeit. Wenn das Laufen Shanti dabei half, seinen Job zu bewältigen, war das Torrance nur recht und billig.