Robbers
Thriller
Christopher Cook(Author)
Heyne (Publisher)
Published on 6. April 2010
Book
Paperback/Softback
560 pages
978-3-453-67573-5 (ISBN)
Description
Ein Meisterwerk der harten Thrillerliteratur
Irgendwo in Texas: Es geht nur um einen Penny - Grund genug für die beiden Kleinkriminellen Eddie und Ray Bob, einen Ladenbesitzer zu erschießen. Verfolgt von einem wortkargen Ranger, der ganz eigene Vorstellungen von Recht und Gesetz hat, ziehen die beiden eine beispiellose Blutspur durchs Land, bis es zur endgültigen Abrechnung kommt.
Eine gnadenlose Hetzjagd voll sprachlicher Finesse und finsterer Wucht für alle Fans von Quentin Tarantino und den Coen-Brothers.
Irgendwo in Texas: Es geht nur um einen Penny - Grund genug für die beiden Kleinkriminellen Eddie und Ray Bob, einen Ladenbesitzer zu erschießen. Verfolgt von einem wortkargen Ranger, der ganz eigene Vorstellungen von Recht und Gesetz hat, ziehen die beiden eine beispiellose Blutspur durchs Land, bis es zur endgültigen Abrechnung kommt.
Eine gnadenlose Hetzjagd voll sprachlicher Finesse und finsterer Wucht für alle Fans von Quentin Tarantino und den Coen-Brothers.
More details
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.7 cm
Width: 11.8 cm
ISBN-13
978-3-453-67573-5 (9783453675735)
Schweitzer Classification
Persons
Content
Eddie hatte nicht vor, den Typen zu erschien. Er hatte auch nicht vorgehabt, ihn zu berauben.
Nach Rippchensandwichs und Bier im T-Bones Bar-B-Q-House nahmen sie die Lamar in sdlicher Richtung. An diesem trn Tag im Mai hatten sie kein bestimmtes Ziel. Unter dem babyblauen Himmel, ber den die Sonne glitt wie ein schmelzendes Stck Butter, lien sie es ruhig angehen. Vorbei an Gebrauchtwagenln mit flatternden Reklamebern aus Plastik, an Reformkostgeschen, Plattenln und Bars. Um sie herum war alles erfllt vom hellen Licht des Sdens und der sommerlichen Hitze, von Auspuffgasen, die beind vom Asphalt aufstiegen, vom hypnotischen nachmittichen Alkoholnebel.
Sie fuhren weiter nach Sden durch den eren Handelsbezirk und berquerten die Brcke ber den trkis schimmernden Colorado. Weiter oben, wo hohe baumbestandene Ufer den Flusslauf flankierten, zog ein einsames Rennruderboot durch die vom Wind aufgewhlte Oberfle wie ein ber das Wasser eilender Tausendfer. Flussabws lagen die Brcken ber die First Street und Congress Street und die an ein schiefes Gebiss erinnernde Silhouette des glrnen Stadtzentrums.
Austin, Hauptstadt des Staates Texas, Universitstadt. Frherer Magnet der Gegenkultur und Zufluchtsort fr Slacker - inzwischen nur noch geil auf Geld. Hier trieb man es mit dem Kapital auf Teufel komm raus. Die Balcones-Falte hatte die Beine zum Rudelfick mit Einkaufcentern breitgemacht. Die gedften, entspannten Tage waren nur noch Mythos und Geschichte. Und jetzt: Silicon Gulch, Hightech-Hysterie und der Zustrom aus Kalifornien, eine Stadt, die berrannt worden war von Cyberokies, die zwei Generationen nach dem allgemeinen Kopfsprung in die Wsten des Westens allmich zurckkehrten, die Taschen voll mit geraubtem Geld.
Sie waren zurckgekommen, um Austin an den Mainstream anzupassen. Und hatten Erfolg gehabt. Von einigen langhaarigen Relikten einmal abgesehen, die sich in vereinzelten universitn Enklaven gehalten hatten, berdauerten die einzigen noch sprbaren Outlaw-Instinkte in der kraftvollen Musikszene des ungezten innerstischen Club-Distrikts. Die rebellischen twierten Jugendlichen dort waren voll aufrhrerischer Ideen und hatten unbegrenzt Zeit. Ansonsten jagten Mchtegernpolitiker nach coolen Hauptstadt-Schnheiten, wend Dotcom-Kommandos mit Angst vor Bnmten ihrer Bullenlust frnten. Entfesselte Profitgier des freien Marktes.
Auf dieses Szenario trafen Eddie und Ray Bob, Aunseiter aus dem llichen Grenzgebiet, aus den nicht wahrgenommenen und vergessenen Randbezirken der urbanen Medienlandschaften. Begafften die Grotadt, um zu sehen, was los war. Und waren nicht sonderlich beeindruckt. Noch mehr Leute, die sich fr Dollars krummmachten. Zwei Fremde inmitten weit entfernter Verwandtschaft, jung, arbeitslos und pleite, die nach einem spn und fettigen Mittagessen in Langeweile verfielen. Und in einem gestohlenen Eldorado-Cabrio Fastfood-Lokale und Pfandleihen an sich vorberziehen lien.
Bis Ray Bob sagte: "Gib mir was zu rauchen, Kumpel."
Eddie fischte ein Pchen aus der Tasche seines T-Shirts, zerknautschte es und warf es aus dem Wagen. "Ich hab keine mehr, halt mal bei diesem 7-Eleven."
Ray Bob lenkte den Caddy auf den leeren Parkplatz und bremste direkt vor den Doppelglastren, die ber und ber mit Reklameschildern fr RC-Cola-Zwlferpacks beklebt waren. Er schaltete das Automatikgetriebe in Parkposition und lieden Motor laufen.
"Hey", sagte er. "Kauf blonicht die beschissenen Filterlosen. Hol welche mit Filter."
Eddie, der schon ausgestiegen war, stellte einen Fuauf die Stotange und rollte sein Feuerzeug ber den Handrcken. "Mann, du wei doch, dass ich ohne Filter rauche. Wenn du Filterzigaretten willst, gib mir Geld!"
"Ich bin pleite."
Eddie zuckte die Schultern. "Ich hab blovier Dollar, also kauf ich Filterlose." "Fick dich!"
"Ach ja? Ich steck ihn dir quer rein, Arschloch." "Nimm den Mund deiner Mutter." "Schon versucht."
"Das wundert mich nicht", sagte Ray Bob. Mit ernstem Gesicht fragte er: "Wie war es denn?"
"Deine war besser", sagte Eddie. "Sie hat keine Ze."
"Dann versuch's beim nsten Mal mit ihrer Mse."
Sie konnten so miteinander reden, sie waren schlieich Kumpel.
Als Eddie den Laden betrat, bimmelten Kuhglocken aus Kupfer an der Tr. Kaleidoskopischer erblick: ein Konsumenten-Soixante-neu/ Hier drinnen gab es alles, was man wollte, dicht an dicht aufgereiht, um das Auge zu erfreuen und den Betrieb zu beschleunigen. Eddie blieb einen Moment stehen und schttelte den Kopf. Dann marschierte er zur Kasse zwischen den Lottoscheinen und einem Ster mit Lone-Star-Schlsselanhern. "Geben Sie mir ein Pchen Camel ohne!"
Der Verker, ein pummeliger junger Mann mit einer Haut wie polierte Bronze und einem schwarzen Schnurrbart, ein Inder oder Pakistani, legte das Pchen auf die Theke und tippte den Betrag ein. "Vier Dollar und ein Cent", sagte er.
Eddie schaute auf die Anzeige der Kasse. "Ich hab hier vier Dollar, Partner. Wo ist denn der Beher frs Wechselgeld?"
Der Mann deutete auf einen leeren Plastikaschenbecher. "Nichts mehr drin."
"Hey, kein Problem. Ich bezahl's beim nsten Mal."
Der Verker legte eine Hand auf das Camel-Pchen und zog es zurck auf seine Seite der Theke. "Es kostet vier Dollar und einen Cent."
Eddie schaute ihn an. "Du willst das Gesch wegen einem einzigen Cent platzen lassen?"
Der junge Mann zupfte den Kragen seines roten 7-Ele-ven-Hemdes zurecht und betrachtete irgendetwas oberhalb von Eddies linker Schulter, als w er vllig konzentriert. Als ginge ihn das Ganze gar nichts an. "Das ist eben der Preis."
Eddie runzelte unglig die Stirn. Er lieden Verschluss seines Feuerzeugs auf- und zuschnappen. Schnapp, schnapp. "Mann, du machst mich fertig."
"Ich mache niemanden fertig."
"Natrlich tust du das. Aus welchem Scheiand bist du berhaupt?"
"Aus einem guten Land." Der Verker blickte ihm einen Moment lang direkt in die Augen, dann drehte er sich nach hinten, um das Pchen zurck ins Regal zu stellen. Als er sich wieder umwandte, presste er die dunkelbraunen He flach auf die Theke. Seine Fingernl hatten die Farbe von Elfenbein, wie Knochen. Sein Haar war schwarz wie Kreosot, seine Gesichtszge resolut und angespannt. Vielleicht auch etwas trotzig.
"Ein sehr gutes Land", sagte er. "Da bezahlen wir fr das, was wir bekommen."
Ein heir Blitz zuckte wie ein Krampf durch Eddies Schultern, kletterte seinen Hals hinauf und erreichte seinen Kiefer. Er musterte den Typen scharf. "Du gehst mir auf den Sack, Partner. Jetzt hr mal zu. Das hier ist Amerika. Gib mir die Zigaretten!"
"Vier Dollar und einen Cent."
"Ich glaub's einfach nicht."
Nach Rippchensandwichs und Bier im T-Bones Bar-B-Q-House nahmen sie die Lamar in sdlicher Richtung. An diesem trn Tag im Mai hatten sie kein bestimmtes Ziel. Unter dem babyblauen Himmel, ber den die Sonne glitt wie ein schmelzendes Stck Butter, lien sie es ruhig angehen. Vorbei an Gebrauchtwagenln mit flatternden Reklamebern aus Plastik, an Reformkostgeschen, Plattenln und Bars. Um sie herum war alles erfllt vom hellen Licht des Sdens und der sommerlichen Hitze, von Auspuffgasen, die beind vom Asphalt aufstiegen, vom hypnotischen nachmittichen Alkoholnebel.
Sie fuhren weiter nach Sden durch den eren Handelsbezirk und berquerten die Brcke ber den trkis schimmernden Colorado. Weiter oben, wo hohe baumbestandene Ufer den Flusslauf flankierten, zog ein einsames Rennruderboot durch die vom Wind aufgewhlte Oberfle wie ein ber das Wasser eilender Tausendfer. Flussabws lagen die Brcken ber die First Street und Congress Street und die an ein schiefes Gebiss erinnernde Silhouette des glrnen Stadtzentrums.
Austin, Hauptstadt des Staates Texas, Universitstadt. Frherer Magnet der Gegenkultur und Zufluchtsort fr Slacker - inzwischen nur noch geil auf Geld. Hier trieb man es mit dem Kapital auf Teufel komm raus. Die Balcones-Falte hatte die Beine zum Rudelfick mit Einkaufcentern breitgemacht. Die gedften, entspannten Tage waren nur noch Mythos und Geschichte. Und jetzt: Silicon Gulch, Hightech-Hysterie und der Zustrom aus Kalifornien, eine Stadt, die berrannt worden war von Cyberokies, die zwei Generationen nach dem allgemeinen Kopfsprung in die Wsten des Westens allmich zurckkehrten, die Taschen voll mit geraubtem Geld.
Sie waren zurckgekommen, um Austin an den Mainstream anzupassen. Und hatten Erfolg gehabt. Von einigen langhaarigen Relikten einmal abgesehen, die sich in vereinzelten universitn Enklaven gehalten hatten, berdauerten die einzigen noch sprbaren Outlaw-Instinkte in der kraftvollen Musikszene des ungezten innerstischen Club-Distrikts. Die rebellischen twierten Jugendlichen dort waren voll aufrhrerischer Ideen und hatten unbegrenzt Zeit. Ansonsten jagten Mchtegernpolitiker nach coolen Hauptstadt-Schnheiten, wend Dotcom-Kommandos mit Angst vor Bnmten ihrer Bullenlust frnten. Entfesselte Profitgier des freien Marktes.
Auf dieses Szenario trafen Eddie und Ray Bob, Aunseiter aus dem llichen Grenzgebiet, aus den nicht wahrgenommenen und vergessenen Randbezirken der urbanen Medienlandschaften. Begafften die Grotadt, um zu sehen, was los war. Und waren nicht sonderlich beeindruckt. Noch mehr Leute, die sich fr Dollars krummmachten. Zwei Fremde inmitten weit entfernter Verwandtschaft, jung, arbeitslos und pleite, die nach einem spn und fettigen Mittagessen in Langeweile verfielen. Und in einem gestohlenen Eldorado-Cabrio Fastfood-Lokale und Pfandleihen an sich vorberziehen lien.
Bis Ray Bob sagte: "Gib mir was zu rauchen, Kumpel."
Eddie fischte ein Pchen aus der Tasche seines T-Shirts, zerknautschte es und warf es aus dem Wagen. "Ich hab keine mehr, halt mal bei diesem 7-Eleven."
Ray Bob lenkte den Caddy auf den leeren Parkplatz und bremste direkt vor den Doppelglastren, die ber und ber mit Reklameschildern fr RC-Cola-Zwlferpacks beklebt waren. Er schaltete das Automatikgetriebe in Parkposition und lieden Motor laufen.
"Hey", sagte er. "Kauf blonicht die beschissenen Filterlosen. Hol welche mit Filter."
Eddie, der schon ausgestiegen war, stellte einen Fuauf die Stotange und rollte sein Feuerzeug ber den Handrcken. "Mann, du wei doch, dass ich ohne Filter rauche. Wenn du Filterzigaretten willst, gib mir Geld!"
"Ich bin pleite."
Eddie zuckte die Schultern. "Ich hab blovier Dollar, also kauf ich Filterlose." "Fick dich!"
"Ach ja? Ich steck ihn dir quer rein, Arschloch." "Nimm den Mund deiner Mutter." "Schon versucht."
"Das wundert mich nicht", sagte Ray Bob. Mit ernstem Gesicht fragte er: "Wie war es denn?"
"Deine war besser", sagte Eddie. "Sie hat keine Ze."
"Dann versuch's beim nsten Mal mit ihrer Mse."
Sie konnten so miteinander reden, sie waren schlieich Kumpel.
Als Eddie den Laden betrat, bimmelten Kuhglocken aus Kupfer an der Tr. Kaleidoskopischer erblick: ein Konsumenten-Soixante-neu/ Hier drinnen gab es alles, was man wollte, dicht an dicht aufgereiht, um das Auge zu erfreuen und den Betrieb zu beschleunigen. Eddie blieb einen Moment stehen und schttelte den Kopf. Dann marschierte er zur Kasse zwischen den Lottoscheinen und einem Ster mit Lone-Star-Schlsselanhern. "Geben Sie mir ein Pchen Camel ohne!"
Der Verker, ein pummeliger junger Mann mit einer Haut wie polierte Bronze und einem schwarzen Schnurrbart, ein Inder oder Pakistani, legte das Pchen auf die Theke und tippte den Betrag ein. "Vier Dollar und ein Cent", sagte er.
Eddie schaute auf die Anzeige der Kasse. "Ich hab hier vier Dollar, Partner. Wo ist denn der Beher frs Wechselgeld?"
Der Mann deutete auf einen leeren Plastikaschenbecher. "Nichts mehr drin."
"Hey, kein Problem. Ich bezahl's beim nsten Mal."
Der Verker legte eine Hand auf das Camel-Pchen und zog es zurck auf seine Seite der Theke. "Es kostet vier Dollar und einen Cent."
Eddie schaute ihn an. "Du willst das Gesch wegen einem einzigen Cent platzen lassen?"
Der junge Mann zupfte den Kragen seines roten 7-Ele-ven-Hemdes zurecht und betrachtete irgendetwas oberhalb von Eddies linker Schulter, als w er vllig konzentriert. Als ginge ihn das Ganze gar nichts an. "Das ist eben der Preis."
Eddie runzelte unglig die Stirn. Er lieden Verschluss seines Feuerzeugs auf- und zuschnappen. Schnapp, schnapp. "Mann, du machst mich fertig."
"Ich mache niemanden fertig."
"Natrlich tust du das. Aus welchem Scheiand bist du berhaupt?"
"Aus einem guten Land." Der Verker blickte ihm einen Moment lang direkt in die Augen, dann drehte er sich nach hinten, um das Pchen zurck ins Regal zu stellen. Als er sich wieder umwandte, presste er die dunkelbraunen He flach auf die Theke. Seine Fingernl hatten die Farbe von Elfenbein, wie Knochen. Sein Haar war schwarz wie Kreosot, seine Gesichtszge resolut und angespannt. Vielleicht auch etwas trotzig.
"Ein sehr gutes Land", sagte er. "Da bezahlen wir fr das, was wir bekommen."
Ein heir Blitz zuckte wie ein Krampf durch Eddies Schultern, kletterte seinen Hals hinauf und erreichte seinen Kiefer. Er musterte den Typen scharf. "Du gehst mir auf den Sack, Partner. Jetzt hr mal zu. Das hier ist Amerika. Gib mir die Zigaretten!"
"Vier Dollar und einen Cent."
"Ich glaub's einfach nicht."