
Vom Kriege
Vollständige letzte Fassung von 1832
Carl Von Clausewitz(Author)
RaBaKa-Publishing
1st Edition
Published on 1. July 2010
Book
632 pages
978-3-940185-11-2 (ISBN)
Description
Kurzbeschreibung
UNGEKÜRZTE FASSUNG
Mit einem Vorwort des Philosophen, Politwissenschaftlers, Publizisten und Historikers Dr. Patrick Horvath
16 Jahre lang arbeitete General Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz (1780-1831) an seinem bahnbrechenden militärtheoretischen Werk Vom Kriege. Von einer vollständigen Veröffentlichung zu Lebzeiten sah er ab und verfügte, dass seine Frau, Marie von Clausewitz, die letzte und endgültige Fassung erst nach seinem Tode veröffentlichen sollte. Diese letzte und vollständige Fassung aus dem Jahre 1832 liegt dem Leser in dieser Ausgabe vor.
Durch Vom Kriege wurde Carl von Clausewitz zu einem der wichtigsten Heeresreformer der letzten 200 Jahre. Insbesondere sein Anliegen, über das Studium der Politik- und Kriegsgeschichte zu logischen Prinzipien der Kriegsführung zu gelangen und auf dem Weg dorthin nicht nur die Physiologie, sondern auch die Psychologie des Krieges zu beleuchten, macht ihn bis zum heutigen Tage praktisch relevant: Seine Methode der Abschreckung durch ein großes Heer und umfassende Kriegsmaterialien wird immer noch von den Krieg führenden Nationen angewandt.
Neben Sun Tzu's Über die Kunst des Krieges gilt Clausewitz' Vom Kriege als das einflussreichste Werk über die Theorie und Strategie des Krieges in der Geschichte der Menschheit überhaupt. Es führt den Krieg und die Kriegsführung auf ihre einfachsten Elemente zurück.
Ob wir Kriege befürworten oder ablehnen, sie sind Bestandteile unserer Geschichte und Kultur: Wollen wir unsere Kultur verstehen und unsere Zukunft in Frieden gestalten, müssen wir unsere Kriege verstehen und bewältigen.
UNGEKÜRZTE FASSUNG
Mit einem Vorwort des Philosophen, Politwissenschaftlers, Publizisten und Historikers Dr. Patrick Horvath
16 Jahre lang arbeitete General Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz (1780-1831) an seinem bahnbrechenden militärtheoretischen Werk Vom Kriege. Von einer vollständigen Veröffentlichung zu Lebzeiten sah er ab und verfügte, dass seine Frau, Marie von Clausewitz, die letzte und endgültige Fassung erst nach seinem Tode veröffentlichen sollte. Diese letzte und vollständige Fassung aus dem Jahre 1832 liegt dem Leser in dieser Ausgabe vor.
Durch Vom Kriege wurde Carl von Clausewitz zu einem der wichtigsten Heeresreformer der letzten 200 Jahre. Insbesondere sein Anliegen, über das Studium der Politik- und Kriegsgeschichte zu logischen Prinzipien der Kriegsführung zu gelangen und auf dem Weg dorthin nicht nur die Physiologie, sondern auch die Psychologie des Krieges zu beleuchten, macht ihn bis zum heutigen Tage praktisch relevant: Seine Methode der Abschreckung durch ein großes Heer und umfassende Kriegsmaterialien wird immer noch von den Krieg führenden Nationen angewandt.
Neben Sun Tzu's Über die Kunst des Krieges gilt Clausewitz' Vom Kriege als das einflussreichste Werk über die Theorie und Strategie des Krieges in der Geschichte der Menschheit überhaupt. Es führt den Krieg und die Kriegsführung auf ihre einfachsten Elemente zurück.
Ob wir Kriege befürworten oder ablehnen, sie sind Bestandteile unserer Geschichte und Kultur: Wollen wir unsere Kultur verstehen und unsere Zukunft in Frieden gestalten, müssen wir unsere Kriege verstehen und bewältigen.
More details
Edition
1., vollständige deutsche Neuauflage
Language
German
Target group
Interessierte an Militärgeschichte, Militärpolitik, Politik, strategisches und taktisches Denken, Kriegspsychologie und Kriegsphilosophie
Dimensions
Height: 16 cm
Width: 11.7 cm
ISBN-13
978-3-940185-11-2 (9783940185112)
Schweitzer Classification
Persons
Author
Militärtheoretiker, General, Heeresreformer
Foreword
Philosoph, Politwissenschaftler, Publizist, Historiker
Preface
Content
Carl von Clausewitz: Vom Kriege
Impressum
Vorwort von Patrick Horvath
Clausewitz - vielschichtig und aktuell
Vorrede
Geschrieben im Marmor-Palais bei Potsdam, den 30. Juni 1832.
Marie von Clausewitz,
geborene Gräfin Brühl,
Oberhofmeisterin Ihrer Königlichen Hoheit der
Prinzessin Wilhelm.
Erster Teil
Erstes Buch Über die Natur des Krieges
Kapitel I: Was ist Krieg?
1. Einleitung
2. Definition
3. Äußerste Anwendung der Gewalt
4. Das Ziel ist, den Feind wehrlos zu machen
5. Äußerste Anstrengung der Kräfte
6. Modifikationen in der Wirklichkeit
7. Der Krieg ist nie ein isolierter Akt
8. Er besteht nicht aus einem einzigen Schlag ohne Dauer
9. Der Krieg ist mit seinem Resultat nie etwas Absolutes
10. Die Wahrscheinlichkeiten des wirklichen Lebens treten an die Stelle des Äußersten und Absoluten der Begriffe
11. Nun tritt der politische Zweck wieder hervor
12. Ein Stillstand im kriegerischen Akt ist dadurch noch nicht erklärt
13. Es gibt nur einen Grund, welcher das Handeln aufhalten kann, und dieser scheint immer nur auf einer Seite sein zu können
14. Dadurch würde eine Kontinuität in das kriegerische Handeln kommen, die alles wieder steigerte
15. Hier wird also ein Prinzip der Polarität in Anspruch genommen
16. Angriff und Verteidigung sind Dinge von verschiedener Art und von ungleicher Stärke, die Polarität kann also nicht auf sie angewendet werden
17. Die Wirkung der Polarität wird oft durch die Überlegenheit der Verteidigung über den Angriff vernichtet, und so erklärt sich der Stillstand des kriegerischen Aktes
18. Ein zweiter Grund liegt in der unvollkommenen Einsicht des Falles
19. Der häufige Stillstand im kriegerischen Akt entfernt den Krieg noch mehr vom Absoluten, macht ihn noch mehr zum Wahrscheinlichkeitskalkül
20. Es fehlt also nur noch der Zufall, um ihn zum Spiel zu machen, und dessen entbehrt er am wenigsten
21. Wie durch seine objektive Natur, so wird der Krieg auch durch die subjektive zum Spiel
22. Wie dies dem menschlichen Geiste im allgemeinen am meisten zusagt
23. Aber der Krieg bleibt doch immer ein ernsthaftes Mittel für einen ernsthaften Zweck. Nähere Bestimmungen desselben
24. Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln
25. Verschiedenartigkeit der Kriege
26. Sie können alle als politische Handlungen betrachtet werden
27. Folgen dieser Ansicht für das Verständnis der Kriegsgeschichte und für die Grundlagen der Theorie
28. Resultat für die Theorie
Kapitel II: Zweck und Mittel im Kriege
Kapitel III: Der kriegerische Genius
Kapitel IV: Von der Gefahr im Kriege
Kapitel V: Von der körperlichen Anstrengung im Kriege
Kapitel VI: Nachrichten im Kriege
Kapitel VII: Friktion im Kriege
Kapitel VIII: Schlußbemerkungen zum ersten Buch
Zweites Buch Über die Theorie des Krieges
Kapitel I: Einteilung der Kriegskunst
Kapitel II: Über die Theorie des Krieges
Zuerst verstand man unter Kriegskunst nur die Zubereitung der Streitkräfte
In der Belagerungskunst kommt zuerst der Krieg selbst vor
Dann streifte die Taktik bis dahin
Das eigentliche Kriegführen kam nur gelegentlich inkognito vor
Die Betrachtungen über Kriegsbegebenheiten führten das Bedürfnis einer Theorie herbei
Bestreben, eine positive Lehre aufzustellen
Beschränkung auf materielle Gegenstände
Überlegenheit der Zahl
Unterhalt der Truppen
Basis
Innere Linien
Alle diese Versuche sind verwerflich
Sie schließen das Genie von der Regel aus
Schwierigkeit der Theorie, sobald geistige Größen in Betracht kommen
Die geistigen Größen können im Kriege nicht ausgeschlossen werden
Hauptschwierigkeiten der Theorie des Kriegführens
Erste Eigentümlichkeit: geistige Kräfte und Wirkungen (Das feindselige Gefühl)
Die Eindrücke der Gefahr (Der Mut)
Umfang des Einflusses, welchen die Gefahr übt
Andere Gemütskräfte
Eigentümlichkeit des Geistes
Aus der Mannigfaltigkeit der geistigen Individualität entspringt aber die Mannigfaltigkeit der Wege, die zum Ziel führen
Zweite Eigentümlichkeit: lebendige Reaktion
Dritte Eigentümlichkeit: Ungewißheit aller Datis
Eine positive Lehre ist unmöglich
Auswege für die Möglichkeit einer Theorie (Die Schwierigkeiten sind nicht überall gleich groß)
Die Theorie soll eine Betrachtung und keine Lehre sein
Mit diesem Gesichtspunkt wird die Theorie möglich, und ihr Widerspruch mit der Praxis hört auf
Die Theorie betrachtet also die Natur der Zwecke und Mittel. Zweck und Mittel in der Taktik
Umstände, welche die Anwendung der Mittel immer begleiten
Örtlichkeit
Tageszeit
Wetter
Zwecke und Mittel in der Strategie
Umstände, welche die Anwendung der Mittel begleiten
Sie bilden neue Mittel
Die Strategie entnimmt die zu untersuchenden Mittel und Zwecke nur aus der Erfahrung
Wie weit die Analyse der Mittel gehen muß
Große Vereinfachung des Wissens
Sie erklärt das schnelle Ausbilden großer Feldherren, und warum ein Feldherr kein Gelehrter ist
Früherer Widerspruch
Man leugnete deshalb den Nutzen alles Wissens und schrieb alles der natürlichen Anlage zu
Das Wissen muß sich nach der Stelle richten
Das Wissen im Kriege ist sehr einfach, aber nicht zugleich sehr leicht
Wie das Wissen beschaffen sein muß
Das Wissen muß ein Können werden
Kapitel III: Kriegskunst oder Kriegswissenschaft
Der Sprachgebrauch ist noch uneinig (Können und Wissen. Wissenschaft, wo bloßes Wissen; Kunst, wo Können der Zweck ist)
Schwierigkeit, das Erkennen vom Urteil zu sondern (Kriegskunst)
Der Krieg ist ein Akt des menschlichen Verkehrs
Unterschied
Kapitel IV: Methodismus
Kapitel V: Kritik
Kapitel VI: Über Beispiele
Drittes Buch Von der Strategie überhaupt
Kapitel I: Strategie
Mögliche Gefechte sind der Folgen wegen als wirkliche zu betrachten
Doppelter Zweck des Gefechts
Beispiele
Sieht man es nicht so an, so gibt man anderen Dingen einen falschen Wert
Kapitel II: Elemente der Strategie
Kapitel III: Moralische Größen
Kapitel IV: Die moralischen Hauptpotenzen
Kapitel V: Kriegerische Tugend des Heeres
Kapitel VI: Die Kühnheit
Kapitel VII: Beharrlichkeit
Kapitel VIII: Überlegenheit der Zahl
Kapitel IX: Die Überraschung
Kapitel X: Die List
Kapitel XI: Sammlung der Kräfte im Raum
Kapitel XII: Vereinigung der Kräfte in der Zeit
Kapitel XIII: Strategische Reserve
Kapitel XIV: Ökonomie der Kräfte
Kapitel XV: Geometrisches Element
Kapitel XVI: Über den Stillstand im kriegerischen Akt
Kapitel XVII: Über den Charakter der heutigen Kriege
Kapitel XVIII: Spannung und Ruhe
Das dynamische Gesetz des Krieges
Viertes Buch Das Gefecht
Kapitel I: Übersicht
Kapitel II: Charakter der heutigen Schlacht
Kapitel III: Das Gefecht überhaupt
Kapitel IV: Fortsetzung
Kapitel V: Über die Bedeutung des Gefechts
Kapitel VI: Dauer des Gefechts
Kapitel VII: Entscheidung des Gefechts
Kapitel VIII: Einverständnis beider Teile zum Gefecht
Kapitel IX: Die Hauptschlacht Ihre Entscheidung
Kapitel X: Fortsetzung. Wirkung des Sieges
Kapitel XI: Fortsetzung. Der Gebrauch der Schlacht
Kapitel XII: Strategische Mittel, den Sieg zu benutzen
Kapitel XIII: Rückzug nach verlorener Schlacht
Kapitel XIV: Das nächtliche Gefecht
Zweiter Teil
Fünftes Buch Die Streitkräfte
Kapitel I: Übersicht
Kapitel II: Armee, Kriegstheater, Feldzug
1. Kriegstheater
2. Armee
3. Feldzug
Kapitel III: Machtverhältnis
Kapitel IV: Waffenverhältnis
Kapitel V: Schlachtordnung des Heeres
Kapitel VI: Allgemeine Aufstellung des Heeres
Kapitel VII: Avantgarde und Vorposten
Kapitel VIII: Wirkungsart vorgeschobener Korps
Kapitel IX: Lager
Kapitel X: Märsche
Kapitel XI: Fortsetzung
Kapitel XII: Fortsetzung
Kapitel XIII: Quartiere
Kapitel XIV: Der Unterhalt
Kapitel XV: Operationsbasis
Kapitel XVI: Verbindungslinien
Kapitel XVII: Gegend und Boden
Kapitel XVIII: Überhöhen
Sechstes Buch Verteidigung
Kapitel I: Angriff und Verteidigung
1. Begriff der Verteidigung
2. Vorteile der Verteidigung
Kapitel II: Wie verhalten sich Angriff und Verteidigung in der Taktik zueinander
Kapitel III: Wie verhalten sich Angriff und Verteidigung in der Strategie zueinander
Kapitel IV: Konzentrizität des Angriffs und Exzentrizität der Verteidigung
Kapitel V: Charakter der strategischen Verteidigung
Kapitel VI: Umfang der Verteidigungsmittel
Kapitel VII: Wechselwirkung von Angriff und Verteidigung
Kapitel VIII: Widerstandsarten
Kapitel IX: Die Verteidigungsschlacht
Kapitel X: Festungen
Kapitel XI: Fortsetzung des vorigen Kapitels
Kapitel XII: Defensivstellung
Kapitel XIII: Feste Stellungen und verschanzte Lager
Kapitel XIV: Flankenstellungen
Kapitel XV: Gebirgsverteidigung
Kapitel XVI: Fortsetzung
Kapitel XVII: Fortsetzung
Kapitel XVIII: Verteidigung von Strömen und Flüssen
Kapitel IX: Fortsetzung
Kapitel XX: A. Verteidigung von Morästen B. Überschwemmungen
A. Verteidigung von Morästen
B. Überschwemmungen
Kapitel XXI: Verteidigung von Wäldern
Kapitel XXII: Der Kordon
Kapitel XXIII: Schlüssel des Landes
Kapitel XXIV: Flankenwirkung
Kapitel XXV: Rückzug in das Innere des Landes
Kapitel XXVI: Volksbewaffnung
Kapitel XXVII: Verteidigung eines Kriegstheaters
Kapitel XXVIII: Fortsetzung
Kapitel XIX: Sukzessiver Widerstand
Kapitel XXX: Verteidigung eines Kriegstheaters
Siebtes Buch Der Angriff
Kapitel I: Der Angriff in Beziehung auf die Verteidigung
Kapitel II: Natur des strategischen Angriffs
Kapitel III: Vom Gegenstande des strategischen Angriffs
Kapitel IV: Abnehmende Kraft des Angriffs
Kapitel V: Kulminationspunkt des Angriffs
Kapitel VI: Vernichtung der feindlichen Streitkräfte
Kapitel VII: Die Offensivschlacht
Kapitel VIII: Flußübergänge
Kapitel IX: Angriff von Defensivstellungen
Kapitel X: Angriff verschanzter Lager
Kapitel XI: Angriff eines Gebirges
Kapitel XII: Angriff von Linienkordons
Kapitel XIII: Manövrieren
Kapitel XIV: Angriff von Morästen, Überschwemmungen, Wäldern
Kapitel XV: Angriff eines Kriegstheaters mit Entscheidung
Kapitel XVI: Angriff eines Kriegstheaters ohne Entscheidung
Kapitel XVII: Angriff von Festungen
Kapitel XVIII: Angriff von Transporten
Kapitel XIX: Angriff einer feindlichen Armee in Quartieren
Kapitel XX: Diversion
Ausführung
Kapitel XXI: Invasion
Kapitel XXII: Über den Kulminationspunkt des Sieges
Achtes Buch Kriegsplan
Kapitel I: Einleitung
Kapitel II: Absoluter und wirklicher Krieg
Kapitel III: A. Innerer Zusammenhang des Krieges B. Von der Größe des kriegerischen Zweckes und der Anstrengung
A. Innerer Zusammenhang des Krieges
B. Von der Größe des kriegerischen Zweckes und der Anstrengung
Kapitel IV: Nähere Bestimmungen des kriegerischen Zieles
Kapitel V: Fortsetzung. Beschränktes Ziel
Kapitel VI: A. Einfluß des politischen Zweckes auf das kriegerische Ziel B. Der Krieg ist ein Instrument der Politik
A. Einfluß des politischen Zweckes auf das kriegerische Ziel
B. Der Krieg ist ein Instrument der Politik
Kapitel VII: Beschränktes Ziel. Angriffskrieg
Kapitel VIII: Beschränktes Ziel. Verteidigung
Kapitel IX: Kriegsplan, wenn Niederwerfung des Feindes das Ziel ist
Impressum
Vorwort von Patrick Horvath
Clausewitz - vielschichtig und aktuell
Vorrede
Geschrieben im Marmor-Palais bei Potsdam, den 30. Juni 1832.
Marie von Clausewitz,
geborene Gräfin Brühl,
Oberhofmeisterin Ihrer Königlichen Hoheit der
Prinzessin Wilhelm.
Erster Teil
Erstes Buch Über die Natur des Krieges
Kapitel I: Was ist Krieg?
1. Einleitung
2. Definition
3. Äußerste Anwendung der Gewalt
4. Das Ziel ist, den Feind wehrlos zu machen
5. Äußerste Anstrengung der Kräfte
6. Modifikationen in der Wirklichkeit
7. Der Krieg ist nie ein isolierter Akt
8. Er besteht nicht aus einem einzigen Schlag ohne Dauer
9. Der Krieg ist mit seinem Resultat nie etwas Absolutes
10. Die Wahrscheinlichkeiten des wirklichen Lebens treten an die Stelle des Äußersten und Absoluten der Begriffe
11. Nun tritt der politische Zweck wieder hervor
12. Ein Stillstand im kriegerischen Akt ist dadurch noch nicht erklärt
13. Es gibt nur einen Grund, welcher das Handeln aufhalten kann, und dieser scheint immer nur auf einer Seite sein zu können
14. Dadurch würde eine Kontinuität in das kriegerische Handeln kommen, die alles wieder steigerte
15. Hier wird also ein Prinzip der Polarität in Anspruch genommen
16. Angriff und Verteidigung sind Dinge von verschiedener Art und von ungleicher Stärke, die Polarität kann also nicht auf sie angewendet werden
17. Die Wirkung der Polarität wird oft durch die Überlegenheit der Verteidigung über den Angriff vernichtet, und so erklärt sich der Stillstand des kriegerischen Aktes
18. Ein zweiter Grund liegt in der unvollkommenen Einsicht des Falles
19. Der häufige Stillstand im kriegerischen Akt entfernt den Krieg noch mehr vom Absoluten, macht ihn noch mehr zum Wahrscheinlichkeitskalkül
20. Es fehlt also nur noch der Zufall, um ihn zum Spiel zu machen, und dessen entbehrt er am wenigsten
21. Wie durch seine objektive Natur, so wird der Krieg auch durch die subjektive zum Spiel
22. Wie dies dem menschlichen Geiste im allgemeinen am meisten zusagt
23. Aber der Krieg bleibt doch immer ein ernsthaftes Mittel für einen ernsthaften Zweck. Nähere Bestimmungen desselben
24. Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln
25. Verschiedenartigkeit der Kriege
26. Sie können alle als politische Handlungen betrachtet werden
27. Folgen dieser Ansicht für das Verständnis der Kriegsgeschichte und für die Grundlagen der Theorie
28. Resultat für die Theorie
Kapitel II: Zweck und Mittel im Kriege
Kapitel III: Der kriegerische Genius
Kapitel IV: Von der Gefahr im Kriege
Kapitel V: Von der körperlichen Anstrengung im Kriege
Kapitel VI: Nachrichten im Kriege
Kapitel VII: Friktion im Kriege
Kapitel VIII: Schlußbemerkungen zum ersten Buch
Zweites Buch Über die Theorie des Krieges
Kapitel I: Einteilung der Kriegskunst
Kapitel II: Über die Theorie des Krieges
Zuerst verstand man unter Kriegskunst nur die Zubereitung der Streitkräfte
In der Belagerungskunst kommt zuerst der Krieg selbst vor
Dann streifte die Taktik bis dahin
Das eigentliche Kriegführen kam nur gelegentlich inkognito vor
Die Betrachtungen über Kriegsbegebenheiten führten das Bedürfnis einer Theorie herbei
Bestreben, eine positive Lehre aufzustellen
Beschränkung auf materielle Gegenstände
Überlegenheit der Zahl
Unterhalt der Truppen
Basis
Innere Linien
Alle diese Versuche sind verwerflich
Sie schließen das Genie von der Regel aus
Schwierigkeit der Theorie, sobald geistige Größen in Betracht kommen
Die geistigen Größen können im Kriege nicht ausgeschlossen werden
Hauptschwierigkeiten der Theorie des Kriegführens
Erste Eigentümlichkeit: geistige Kräfte und Wirkungen (Das feindselige Gefühl)
Die Eindrücke der Gefahr (Der Mut)
Umfang des Einflusses, welchen die Gefahr übt
Andere Gemütskräfte
Eigentümlichkeit des Geistes
Aus der Mannigfaltigkeit der geistigen Individualität entspringt aber die Mannigfaltigkeit der Wege, die zum Ziel führen
Zweite Eigentümlichkeit: lebendige Reaktion
Dritte Eigentümlichkeit: Ungewißheit aller Datis
Eine positive Lehre ist unmöglich
Auswege für die Möglichkeit einer Theorie (Die Schwierigkeiten sind nicht überall gleich groß)
Die Theorie soll eine Betrachtung und keine Lehre sein
Mit diesem Gesichtspunkt wird die Theorie möglich, und ihr Widerspruch mit der Praxis hört auf
Die Theorie betrachtet also die Natur der Zwecke und Mittel. Zweck und Mittel in der Taktik
Umstände, welche die Anwendung der Mittel immer begleiten
Örtlichkeit
Tageszeit
Wetter
Zwecke und Mittel in der Strategie
Umstände, welche die Anwendung der Mittel begleiten
Sie bilden neue Mittel
Die Strategie entnimmt die zu untersuchenden Mittel und Zwecke nur aus der Erfahrung
Wie weit die Analyse der Mittel gehen muß
Große Vereinfachung des Wissens
Sie erklärt das schnelle Ausbilden großer Feldherren, und warum ein Feldherr kein Gelehrter ist
Früherer Widerspruch
Man leugnete deshalb den Nutzen alles Wissens und schrieb alles der natürlichen Anlage zu
Das Wissen muß sich nach der Stelle richten
Das Wissen im Kriege ist sehr einfach, aber nicht zugleich sehr leicht
Wie das Wissen beschaffen sein muß
Das Wissen muß ein Können werden
Kapitel III: Kriegskunst oder Kriegswissenschaft
Der Sprachgebrauch ist noch uneinig (Können und Wissen. Wissenschaft, wo bloßes Wissen; Kunst, wo Können der Zweck ist)
Schwierigkeit, das Erkennen vom Urteil zu sondern (Kriegskunst)
Der Krieg ist ein Akt des menschlichen Verkehrs
Unterschied
Kapitel IV: Methodismus
Kapitel V: Kritik
Kapitel VI: Über Beispiele
Drittes Buch Von der Strategie überhaupt
Kapitel I: Strategie
Mögliche Gefechte sind der Folgen wegen als wirkliche zu betrachten
Doppelter Zweck des Gefechts
Beispiele
Sieht man es nicht so an, so gibt man anderen Dingen einen falschen Wert
Kapitel II: Elemente der Strategie
Kapitel III: Moralische Größen
Kapitel IV: Die moralischen Hauptpotenzen
Kapitel V: Kriegerische Tugend des Heeres
Kapitel VI: Die Kühnheit
Kapitel VII: Beharrlichkeit
Kapitel VIII: Überlegenheit der Zahl
Kapitel IX: Die Überraschung
Kapitel X: Die List
Kapitel XI: Sammlung der Kräfte im Raum
Kapitel XII: Vereinigung der Kräfte in der Zeit
Kapitel XIII: Strategische Reserve
Kapitel XIV: Ökonomie der Kräfte
Kapitel XV: Geometrisches Element
Kapitel XVI: Über den Stillstand im kriegerischen Akt
Kapitel XVII: Über den Charakter der heutigen Kriege
Kapitel XVIII: Spannung und Ruhe
Das dynamische Gesetz des Krieges
Viertes Buch Das Gefecht
Kapitel I: Übersicht
Kapitel II: Charakter der heutigen Schlacht
Kapitel III: Das Gefecht überhaupt
Kapitel IV: Fortsetzung
Kapitel V: Über die Bedeutung des Gefechts
Kapitel VI: Dauer des Gefechts
Kapitel VII: Entscheidung des Gefechts
Kapitel VIII: Einverständnis beider Teile zum Gefecht
Kapitel IX: Die Hauptschlacht Ihre Entscheidung
Kapitel X: Fortsetzung. Wirkung des Sieges
Kapitel XI: Fortsetzung. Der Gebrauch der Schlacht
Kapitel XII: Strategische Mittel, den Sieg zu benutzen
Kapitel XIII: Rückzug nach verlorener Schlacht
Kapitel XIV: Das nächtliche Gefecht
Zweiter Teil
Fünftes Buch Die Streitkräfte
Kapitel I: Übersicht
Kapitel II: Armee, Kriegstheater, Feldzug
1. Kriegstheater
2. Armee
3. Feldzug
Kapitel III: Machtverhältnis
Kapitel IV: Waffenverhältnis
Kapitel V: Schlachtordnung des Heeres
Kapitel VI: Allgemeine Aufstellung des Heeres
Kapitel VII: Avantgarde und Vorposten
Kapitel VIII: Wirkungsart vorgeschobener Korps
Kapitel IX: Lager
Kapitel X: Märsche
Kapitel XI: Fortsetzung
Kapitel XII: Fortsetzung
Kapitel XIII: Quartiere
Kapitel XIV: Der Unterhalt
Kapitel XV: Operationsbasis
Kapitel XVI: Verbindungslinien
Kapitel XVII: Gegend und Boden
Kapitel XVIII: Überhöhen
Sechstes Buch Verteidigung
Kapitel I: Angriff und Verteidigung
1. Begriff der Verteidigung
2. Vorteile der Verteidigung
Kapitel II: Wie verhalten sich Angriff und Verteidigung in der Taktik zueinander
Kapitel III: Wie verhalten sich Angriff und Verteidigung in der Strategie zueinander
Kapitel IV: Konzentrizität des Angriffs und Exzentrizität der Verteidigung
Kapitel V: Charakter der strategischen Verteidigung
Kapitel VI: Umfang der Verteidigungsmittel
Kapitel VII: Wechselwirkung von Angriff und Verteidigung
Kapitel VIII: Widerstandsarten
Kapitel IX: Die Verteidigungsschlacht
Kapitel X: Festungen
Kapitel XI: Fortsetzung des vorigen Kapitels
Kapitel XII: Defensivstellung
Kapitel XIII: Feste Stellungen und verschanzte Lager
Kapitel XIV: Flankenstellungen
Kapitel XV: Gebirgsverteidigung
Kapitel XVI: Fortsetzung
Kapitel XVII: Fortsetzung
Kapitel XVIII: Verteidigung von Strömen und Flüssen
Kapitel IX: Fortsetzung
Kapitel XX: A. Verteidigung von Morästen B. Überschwemmungen
A. Verteidigung von Morästen
B. Überschwemmungen
Kapitel XXI: Verteidigung von Wäldern
Kapitel XXII: Der Kordon
Kapitel XXIII: Schlüssel des Landes
Kapitel XXIV: Flankenwirkung
Kapitel XXV: Rückzug in das Innere des Landes
Kapitel XXVI: Volksbewaffnung
Kapitel XXVII: Verteidigung eines Kriegstheaters
Kapitel XXVIII: Fortsetzung
Kapitel XIX: Sukzessiver Widerstand
Kapitel XXX: Verteidigung eines Kriegstheaters
Siebtes Buch Der Angriff
Kapitel I: Der Angriff in Beziehung auf die Verteidigung
Kapitel II: Natur des strategischen Angriffs
Kapitel III: Vom Gegenstande des strategischen Angriffs
Kapitel IV: Abnehmende Kraft des Angriffs
Kapitel V: Kulminationspunkt des Angriffs
Kapitel VI: Vernichtung der feindlichen Streitkräfte
Kapitel VII: Die Offensivschlacht
Kapitel VIII: Flußübergänge
Kapitel IX: Angriff von Defensivstellungen
Kapitel X: Angriff verschanzter Lager
Kapitel XI: Angriff eines Gebirges
Kapitel XII: Angriff von Linienkordons
Kapitel XIII: Manövrieren
Kapitel XIV: Angriff von Morästen, Überschwemmungen, Wäldern
Kapitel XV: Angriff eines Kriegstheaters mit Entscheidung
Kapitel XVI: Angriff eines Kriegstheaters ohne Entscheidung
Kapitel XVII: Angriff von Festungen
Kapitel XVIII: Angriff von Transporten
Kapitel XIX: Angriff einer feindlichen Armee in Quartieren
Kapitel XX: Diversion
Ausführung
Kapitel XXI: Invasion
Kapitel XXII: Über den Kulminationspunkt des Sieges
Achtes Buch Kriegsplan
Kapitel I: Einleitung
Kapitel II: Absoluter und wirklicher Krieg
Kapitel III: A. Innerer Zusammenhang des Krieges B. Von der Größe des kriegerischen Zweckes und der Anstrengung
A. Innerer Zusammenhang des Krieges
B. Von der Größe des kriegerischen Zweckes und der Anstrengung
Kapitel IV: Nähere Bestimmungen des kriegerischen Zieles
Kapitel V: Fortsetzung. Beschränktes Ziel
Kapitel VI: A. Einfluß des politischen Zweckes auf das kriegerische Ziel B. Der Krieg ist ein Instrument der Politik
A. Einfluß des politischen Zweckes auf das kriegerische Ziel
B. Der Krieg ist ein Instrument der Politik
Kapitel VII: Beschränktes Ziel. Angriffskrieg
Kapitel VIII: Beschränktes Ziel. Verteidigung
Kapitel IX: Kriegsplan, wenn Niederwerfung des Feindes das Ziel ist
Erstes Buch
Über die Natur des Krieges
Kapitel I: Was ist Krieg?
1. Einleitung
Wir denken die einzelnen Elemente unseres Gegenstandes, dann die einzelnen Teile oder Glieder desselben und zuletzt das Ganze in seinem inneren Zusammenhange zu betrachten, also vom Einfachen zum Zusammengesetzten fortzuschreiten. Aber es ist hier mehr als irgendwo nötig, mit einem Blick auf das Wesen des Ganzen anzufangen, weil hier mehr als irgendwo mit dem Teile auch zugleich immer das Ganze gedacht werden muß.
2. Definition
Wir wollen hier nicht erst in eine schwerfällige publizistische Definition des Krieges hineinsteigen, sondern uns an das Element desselben halten, an den Zweikampf. Der Krieg ist nichts als ein erweiterter Zweikampf. Wollen wir uns die Unzahl der einzelnen Zweikämpfe, aus denen er besteht, als Einheit denken, so tun wir besser, uns zwei Ringende vorzustellen. Jeder sucht den anderen durch physische Gewalt zur Erfüllung seines Willens zu zwingen; sein nächster Zweck ist, den Gegner niederzuwerfen und dadurch zu jedem ferneren Widerstand unfähig zu machen.
Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.
Die Gewalt rüstet sich mit den Erfindungen der Künste und Wissenschaften aus, um der Gewalt zu begegnen. Unmerkliche, kaum nennenswerte Beschränkungen, die sie sich selbst setzt unter dem Namen völkerrechtlicher Sitte, begleiten sie, ohne ihre Kraft wesentlich zu schwächen. Gewalt, d. h. die physische Gewalt (denn eine moralische gibt es außer dem Begriffe des Staates und Gesetzes nicht), ist also das Mittel, dem Feinde unseren Willen aufzudringen, der Zweck. Um diesen Zweck sicher zu erreichen, müssen wir den Feind wehrlos machen, und dies ist dem Begriff nach das eigentliche Ziel der kriegerischen Handlung. Es vertritt den Zweck und verdrängt ihn gewissermaßen als etwas nicht zum Kriege selbst Gehöriges.
3. Äußerste Anwendung der Gewalt
Nun könnten menschenfreundliche Seelen sich leicht denken, es gebe ein künstliches Entwaffnen oder Niederwerfen des Gegners, ohne zuviel Wunden zu verursachen, und das sei die wahre Tendenz der Kriegskunst. Wie gut sich das auch ausnimmt, so muß man doch diesen Irrtum zerstören, denn in so gefährlichen Dingen, wie der Krieg eins ist, sind die Irrtümer, welche aus Gutmütigkeit entstehen, gerade die schlimmsten. Da der Gebrauch der physischen Gewalt in ihrem ganzen Umfange die Mitwirkung der Intelligenz auf keine Weise ausschließt, so muß der, welcher sich dieser Gewalt rücksichtslos, ohne Schonung des Blutes bedient, ein Übergewicht bekommen, wenn der Gegner es nicht tut. Dadurch gibt er dem anderen das Gesetz, und so steigern sich beide bis zum äußersten, ohne daß es andere Schranken gäbe als die der innewohnenden Gegengewichte.
So muß man die Sache ansehen, und es ist ein unnützes, selbst verkehrtes Bestreben, aus Widerwillen gegen das rohe Element die Natur desselben außer acht zu lassen.
Sind die Kriege gebildeter Völker viel weniger grausam und zerstörend als die der ungebildeten, so liegt das in dem gesellschaftlichen Zustande, sowohl der Staaten in sich als unter sich. Aus diesem Zustande und seinen Verhältnissen geht der Krieg hervor, durch ihn wird er bedingt, eingeengt, ermäßigt: aber diese Dinge gehören ihm nicht selbst an, sind ihm nur ein Gegebenes, und nie kann in der Philosophie des Krieges selbst ein Prinzip der Ermäßigung hineingetragen werden, ohne eine Absurdität zu begehen.
Der Kampf zwischen Menschen besteht eigentlich aus zwei verschiedenen Elementen, dem feindseligen Gefühl und der feindseligen Absicht. Wir haben das letztere dieser beiden Elemente zum Merkmal unserer Definition gewählt, weil es das allgemeine ist. Man kann sich auch die roheste, an Instinkt grenzende Leidenschaft des Hasses nicht ohne feindliche Absicht denken, dagegen gibt es viele feindselige Absichten, die von gar keiner oder wenigstens von keiner vorherrschenden Feindschaft der Gefühle begleitet sind. Bei rohen Völkern herrschen die dem Gemüt, bei Gebildeten die dem Verstande angehörenden Absichten vor; allein dieser Unterschied liegt nicht in dem Wesen von Roheit und Bildung selbst, sondern in den sie begleitenden Umständen, Einrichtungen usw.: er ist also nicht notwendig in jedem einzelnen Fall, sondern er beherrscht nur die Mehrheit der Fälle, mit einem Wort: auch die gebildetsten Völker können gegeneinander leidenschaftlich entbrennen.
Man sieht hieraus, wie unwahr man sein würde, wenn man den Krieg der Gebildeten auf einen bloßen Verstandesakt der Regierungen zurückführen und ihn sich immer mehr als von aller Leidenschaft loslassend denken wollte, so daß er zuletzt die physischen Massen der Streitkräfte nicht wirklich mehr brauchte, sondern nur ihre Verhältnisse, eine Art Algebra des Handelns.
Die Theorie fing schon an, sich in dieser Richtung zu bewegen, als die Erscheinungen der letzten Kriege sie eines Besseren belehrten. Ist der Krieg ein Akt der Gewalt, so gehört er notwendig auch dem Gemüt an. Geht er nicht davon aus, so führt er doch darauf mehr oder weniger zurück, und dieses Mehr oder Weniger hängt nicht von dem Grade der Bildung, sondern von der Wichtigkeit und Dauer der feindseligen Interessen ab.
Finden wir also, daß gebildete Völker den Gefangenen nicht den Tod geben, Stadt und Land nicht zerstören, so ist es, weil sich die Intelligenz in ihre Kriegführung mehr mischt und ihnen wirksamere Mittel zur Anwendung der Gewalt gelehrt hat als diese rohen Äußerungen des Instinkts.
Die Erfindung des Pulvers, die immer weitergehende Ausbildung des Feuergewehrs zeigen schon hinreichend, daß die in dem Begriff des Krieges liegende Tendenz zur Vernichtung des Gegners auch faktisch durch die zunehmende Bildung keineswegs gestört oder abgelenkt worden ist.
Wir wiederholen also unseren Satz: der Krieg ist ein Akt der Gewalt, und es gibt in der Anwendung derselben keine Grenzen; so gibt jeder dem anderen das Gesetz, es entsteht eine Wechselwirkung, die dem Begriff nach zum äußersten führen muß. Dies ist die erste Wechselwirkung und das erste Äußerste, worauf wir stoßen.
(Erste Wechselwirkung.)
4. Das Ziel ist, den Feind wehrlos zu machen
Wir haben gesagt: den Feind wehrlos zu machen sei das Ziel des kriegerischen Aktes, und wir wollen nun zeigen, daß dies wenigstens in der theoretischen Vorstellung notwendig ist.
Wenn der Gegner unseren Willen erfüllen soll, so müssen wir ihn in eine Lage versetzen, die nachteiliger ist als das Opfer, welches wir von ihm fordern; die Nachteile dieser Lage dürfen aber natürlich, wenigstens dem Anscheine nach, nicht vorübergehend sein, sonst würde der Gegner den besseren Zeitpunkt abwarten und nicht nachgeben. Jede Veränderung dieser Lage, welche durch die fortgesetzte kriegerische Tätigkeit hervorgebracht wird, muß also zu einer noch nachteiligeren führen, wenigstens in der Vorstellung. Die schlimmste Lage, in die ein Kriegführender kommen kann, ist die gänzliche Wehrlosigkeit. Soll also der Gegner zur Erfüllung unseres Willens durch den kriegerischen Akt gezwungen werden, so müssen wir ihn entweder faktisch wehrlos machen oder in einen Zustand versetzen, daß er nach Wahrscheinlichkeit damit bedroht sei. Hieraus folgt: daß die Entwaffnung oder das Niederwerfen des Feindes, wie man es nennen will, immer das Ziel des kriegerischen Aktes sein muß.
Nun ist der Krieg nicht das Wirken einer lebendigen Kraft auf eine tote Masse, sondern, weil ein absolutes Leiden kein Kriegführen sein würde, so ist er immer der Stoß zweier lebendiger Kräfte gegeneinander, und was wir von dem letzten Ziel der kriegerischen Handlung gesagt haben, muß von beiden Teilen gedacht werden. Hier ist also wieder Wechselwirkung. Solange ich den Gegner nicht niedergeworfen habe, muß ich fürchten, daß er mich niederwirft, ich bin also nicht mehr Herr meiner, sondern er gibt mir das Gesetz, wie ich es ihm gebe. Dies ist die zweite Wechselwirkung, die zum zweiten Äußersten führt.
(Zweite Wechselwirkung.)
5. Äußerste Anstrengung der Kräfte
Wollen wir den Gegner niederwerfen, so müssen wir unsere Anstrengung nach seiner Widerstandskraft abmessen; diese drückt sich durch ein Produkt aus, dessen Faktoren sich nicht trennen lassen, nämlich: die Größe der vorhandenen Mittel und die Stärke der Willenskraft.
Die Größe der vorhandenen Mittel würde sich bestimmen lassen, da sie (wiewohl doch nicht ganz) auf Zahlen beruht, aber die Stärke der Willenskraft läßt sich viel weniger bestimmen und nur etwa nach der Stärke des Motivs schätzen. Gesetzt, wir bekämen auf diese Weise eine erträgliche Wahrscheinlichkeit für die Widerstandskraft des Gegners, so können wir danach unsere Anstrengungen abmessen und diese entweder so groß machen, daß sie überwiegen, oder, im Fall dazu unser Vermögen nicht hinreicht, so groß wie möglich. Aber dasselbe tut der Gegner; also neue gegenseitige Steigerung, die in der bloßen Vorstellung wieder das Bestreben zum Äußersten haben muß. Dies ist die dritte Wechselwirkung und ein drittes Äußerstes, worauf wir stoßen.
(Dritte Wechselwirkung.)
6. Modifikationen in der Wirklichkeit
So findet in dem abstrakten Gebiet des bloßen Begriffs der überlegende Verstand nirgends Ruhe, bis er an dem Äußersten angelangt ist, weil er es mit einem Äußersten zu tun hat, mit einem Konflikt von Kräften, die sich selbst überlassen sind, und die keinen anderen Gesetzen folgen als ihren inneren; wollten wir also aus dem bloßen Begriffe des Krieges einen absoluten Punkt für das Ziel, welches wir aussetzen, und für die Mittel, welche wir anwenden sollen, ableiten, so würden wir bei den beständigen Wechselwirkungen zu Extremen geraten, die nichts als ein Spiel der Vorstellungen wären, hervorgebracht durch einen kaum sichtbaren Faden logischer Spitzfindigkeit. Wenn man, fest an das Absolute haltend, alle Schwierigkeiten mit einem Federstrich umgehen und mit logischer Strenge darin beharren wollte, daß man sich jederzeit auf das Äußerste gefaßt machen und jedesmal die äußerste Anstrengung daransetzen müsse, so würde ein solcher Federstrich ein bloßes Büchergesetz sein und keins für die wirkliche Welt.
Gesetzt auch, jenes Äußerste der Anstrengungen wäre ein Absolutes, was leicht gefunden werden könnte, so muß man doch gestehen, daß der menschliche Geist sich dieser logischen Träumerei schwerlich unterordnen würde. Es würde in manchen Fällen ein unnützer Kraftaufwand entstehen, welcher in anderen Grundsätzen der Regierungskunst ein Gegengewicht finden müßte; eine Anstrengung des Willens würde erfordert werden, die mit dem vorgesetzten Zweck nicht im Gleichgewicht stände und also nicht ins Leben gerufen werden könnte, denn der menschliche Wille erhält seine Stärke nie durch logische Spitzfindigkeiten.
Anders aber gestaltet sich alles, wenn wir aus der Abstraktion in die Wirklichkeit übergehen. Dort mußte alles dem Optimismus unterworfen bleiben, und wir mußten uns den einen wie den anderen denken, nicht bloß nach dem Vollkommenen strebend, sondern auch es erreichend. Wird dies jemals in der Wirklichkeit auch so sein? Es würde so sein, wenn:
1. der Krieg ein ganz isolierter Akt wäre, der urplötzlich entstünde und nicht mit dem früheren Staatsleben zusammenhinge,
2. wenn er aus einer einzigen oder aus einer Reihe gleichzeitiger Entscheidungen bestünde,
3. wenn er eine in sich vollendete Entscheidung enthielte und nicht der politische Zustand, welcher ihm folgen wird, durch den Kalkül schon auf ihn zurückwirkte.
7. Der Krieg ist nie ein isolierter Akt
Was den ersten Punkt betrifft, so ist jeder der beiden Gegner dem anderen keine abstrakte Person, auch für denjenigen Faktor im Widerstandsprodukt, der nicht auf äußere Dinge beruht, nämlich den Willen. Dieser Wille ist kein ganz Unbekanntes; er tut sich kund für das, was er morgen sein wird, in dem, was er heute war. Der Krieg entsteht nicht urplötzlich; seine Verbreitung ist nicht das Werk eines Augenblicks, es kann also jeder der beiden Gegner den anderen großenteils schon aus dem beurteilen, was er ist, was er tut, nicht nach dem, was er, strenge genommen, sein und tun müßte. Nun bleibt aber der Mensch mit seiner unvollkommenen Organisation immer hinter der Linie des Absolut-Besten zurück, und so werden diese von beiden Seiten in Wirksamkeit tretenden Mängel ein ermäßigendes Prinzip.
8. Er besteht nicht aus einem einzigen Schlag ohne Dauer
Der zweite Punkt gibt uns zu folgenden Betrachtungen Veranlassung.
Wäre die Entscheidung im Kriege eine einzige oder eine Reihe gleichzeitiger, so müßten natürlich alle Vorbereitungen zu derselben die Tendenz zum Äußersten bekommen, denn ein Versäumnis ließe sich auf keine Weise wieder einbringen; es würden also aus der wirklichen Welt höchstens die Vorbereitungen des Gegners, soweit sie uns bekannt sind, einen Maßstab für uns abgeben können, und alles übrige fiele wieder der Abstraktion anheim. Besteht aber die Entscheidung aus mehreren sukzessiven Akten, so kann natürlich der vorgehende mit allen seinen Erscheinungen am nachfolgenden ein Maß werden, und auf diese Weise tritt auch hier die wirkliche Welt an, die Stelle des Abstrakten und ermäßigt so das Bestreben nach dem Äußersten.
Nun würde aber jeder Krieg notwendig in einer einzigen Entscheidung oder in einer Reihe gleichzeitiger enthalten sein müssen, wenn die zum Kampf bestimmten Mittel alle zugleich aufgeboten würden oder sich aufbieten ließen; denn da eine nachteilige Entscheidung die Mittel notwendig vermindert, so kann, wenn sie in der ersten alle angewendet worden sind, eine zweite eigentlich nicht mehr gedacht werden. Alle kriegerischen Akte, die nachfolgen könnten, gehörten dem ersten wesentlich zu und bildeten eigentlich nur seine Dauer.
Allein wir haben gesehen, daß schon bei den Vorbereitungen zum Kriege die wirkliche Welt an die Stelle des bloßen Begriffs, ein wirkliches Maß an die Stelle einer äußersten Voraussetzung tritt; also schon darum werden beide Gegner in ihrer Wechselwirkung hinter der Linie einer äußersten Anstrengung zurückbleiben und also nicht sogleich alle Kräfte aufgeboten werden.
Über die Natur des Krieges
Kapitel I: Was ist Krieg?
1. Einleitung
Wir denken die einzelnen Elemente unseres Gegenstandes, dann die einzelnen Teile oder Glieder desselben und zuletzt das Ganze in seinem inneren Zusammenhange zu betrachten, also vom Einfachen zum Zusammengesetzten fortzuschreiten. Aber es ist hier mehr als irgendwo nötig, mit einem Blick auf das Wesen des Ganzen anzufangen, weil hier mehr als irgendwo mit dem Teile auch zugleich immer das Ganze gedacht werden muß.
2. Definition
Wir wollen hier nicht erst in eine schwerfällige publizistische Definition des Krieges hineinsteigen, sondern uns an das Element desselben halten, an den Zweikampf. Der Krieg ist nichts als ein erweiterter Zweikampf. Wollen wir uns die Unzahl der einzelnen Zweikämpfe, aus denen er besteht, als Einheit denken, so tun wir besser, uns zwei Ringende vorzustellen. Jeder sucht den anderen durch physische Gewalt zur Erfüllung seines Willens zu zwingen; sein nächster Zweck ist, den Gegner niederzuwerfen und dadurch zu jedem ferneren Widerstand unfähig zu machen.
Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.
Die Gewalt rüstet sich mit den Erfindungen der Künste und Wissenschaften aus, um der Gewalt zu begegnen. Unmerkliche, kaum nennenswerte Beschränkungen, die sie sich selbst setzt unter dem Namen völkerrechtlicher Sitte, begleiten sie, ohne ihre Kraft wesentlich zu schwächen. Gewalt, d. h. die physische Gewalt (denn eine moralische gibt es außer dem Begriffe des Staates und Gesetzes nicht), ist also das Mittel, dem Feinde unseren Willen aufzudringen, der Zweck. Um diesen Zweck sicher zu erreichen, müssen wir den Feind wehrlos machen, und dies ist dem Begriff nach das eigentliche Ziel der kriegerischen Handlung. Es vertritt den Zweck und verdrängt ihn gewissermaßen als etwas nicht zum Kriege selbst Gehöriges.
3. Äußerste Anwendung der Gewalt
Nun könnten menschenfreundliche Seelen sich leicht denken, es gebe ein künstliches Entwaffnen oder Niederwerfen des Gegners, ohne zuviel Wunden zu verursachen, und das sei die wahre Tendenz der Kriegskunst. Wie gut sich das auch ausnimmt, so muß man doch diesen Irrtum zerstören, denn in so gefährlichen Dingen, wie der Krieg eins ist, sind die Irrtümer, welche aus Gutmütigkeit entstehen, gerade die schlimmsten. Da der Gebrauch der physischen Gewalt in ihrem ganzen Umfange die Mitwirkung der Intelligenz auf keine Weise ausschließt, so muß der, welcher sich dieser Gewalt rücksichtslos, ohne Schonung des Blutes bedient, ein Übergewicht bekommen, wenn der Gegner es nicht tut. Dadurch gibt er dem anderen das Gesetz, und so steigern sich beide bis zum äußersten, ohne daß es andere Schranken gäbe als die der innewohnenden Gegengewichte.
So muß man die Sache ansehen, und es ist ein unnützes, selbst verkehrtes Bestreben, aus Widerwillen gegen das rohe Element die Natur desselben außer acht zu lassen.
Sind die Kriege gebildeter Völker viel weniger grausam und zerstörend als die der ungebildeten, so liegt das in dem gesellschaftlichen Zustande, sowohl der Staaten in sich als unter sich. Aus diesem Zustande und seinen Verhältnissen geht der Krieg hervor, durch ihn wird er bedingt, eingeengt, ermäßigt: aber diese Dinge gehören ihm nicht selbst an, sind ihm nur ein Gegebenes, und nie kann in der Philosophie des Krieges selbst ein Prinzip der Ermäßigung hineingetragen werden, ohne eine Absurdität zu begehen.
Der Kampf zwischen Menschen besteht eigentlich aus zwei verschiedenen Elementen, dem feindseligen Gefühl und der feindseligen Absicht. Wir haben das letztere dieser beiden Elemente zum Merkmal unserer Definition gewählt, weil es das allgemeine ist. Man kann sich auch die roheste, an Instinkt grenzende Leidenschaft des Hasses nicht ohne feindliche Absicht denken, dagegen gibt es viele feindselige Absichten, die von gar keiner oder wenigstens von keiner vorherrschenden Feindschaft der Gefühle begleitet sind. Bei rohen Völkern herrschen die dem Gemüt, bei Gebildeten die dem Verstande angehörenden Absichten vor; allein dieser Unterschied liegt nicht in dem Wesen von Roheit und Bildung selbst, sondern in den sie begleitenden Umständen, Einrichtungen usw.: er ist also nicht notwendig in jedem einzelnen Fall, sondern er beherrscht nur die Mehrheit der Fälle, mit einem Wort: auch die gebildetsten Völker können gegeneinander leidenschaftlich entbrennen.
Man sieht hieraus, wie unwahr man sein würde, wenn man den Krieg der Gebildeten auf einen bloßen Verstandesakt der Regierungen zurückführen und ihn sich immer mehr als von aller Leidenschaft loslassend denken wollte, so daß er zuletzt die physischen Massen der Streitkräfte nicht wirklich mehr brauchte, sondern nur ihre Verhältnisse, eine Art Algebra des Handelns.
Die Theorie fing schon an, sich in dieser Richtung zu bewegen, als die Erscheinungen der letzten Kriege sie eines Besseren belehrten. Ist der Krieg ein Akt der Gewalt, so gehört er notwendig auch dem Gemüt an. Geht er nicht davon aus, so führt er doch darauf mehr oder weniger zurück, und dieses Mehr oder Weniger hängt nicht von dem Grade der Bildung, sondern von der Wichtigkeit und Dauer der feindseligen Interessen ab.
Finden wir also, daß gebildete Völker den Gefangenen nicht den Tod geben, Stadt und Land nicht zerstören, so ist es, weil sich die Intelligenz in ihre Kriegführung mehr mischt und ihnen wirksamere Mittel zur Anwendung der Gewalt gelehrt hat als diese rohen Äußerungen des Instinkts.
Die Erfindung des Pulvers, die immer weitergehende Ausbildung des Feuergewehrs zeigen schon hinreichend, daß die in dem Begriff des Krieges liegende Tendenz zur Vernichtung des Gegners auch faktisch durch die zunehmende Bildung keineswegs gestört oder abgelenkt worden ist.
Wir wiederholen also unseren Satz: der Krieg ist ein Akt der Gewalt, und es gibt in der Anwendung derselben keine Grenzen; so gibt jeder dem anderen das Gesetz, es entsteht eine Wechselwirkung, die dem Begriff nach zum äußersten führen muß. Dies ist die erste Wechselwirkung und das erste Äußerste, worauf wir stoßen.
(Erste Wechselwirkung.)
4. Das Ziel ist, den Feind wehrlos zu machen
Wir haben gesagt: den Feind wehrlos zu machen sei das Ziel des kriegerischen Aktes, und wir wollen nun zeigen, daß dies wenigstens in der theoretischen Vorstellung notwendig ist.
Wenn der Gegner unseren Willen erfüllen soll, so müssen wir ihn in eine Lage versetzen, die nachteiliger ist als das Opfer, welches wir von ihm fordern; die Nachteile dieser Lage dürfen aber natürlich, wenigstens dem Anscheine nach, nicht vorübergehend sein, sonst würde der Gegner den besseren Zeitpunkt abwarten und nicht nachgeben. Jede Veränderung dieser Lage, welche durch die fortgesetzte kriegerische Tätigkeit hervorgebracht wird, muß also zu einer noch nachteiligeren führen, wenigstens in der Vorstellung. Die schlimmste Lage, in die ein Kriegführender kommen kann, ist die gänzliche Wehrlosigkeit. Soll also der Gegner zur Erfüllung unseres Willens durch den kriegerischen Akt gezwungen werden, so müssen wir ihn entweder faktisch wehrlos machen oder in einen Zustand versetzen, daß er nach Wahrscheinlichkeit damit bedroht sei. Hieraus folgt: daß die Entwaffnung oder das Niederwerfen des Feindes, wie man es nennen will, immer das Ziel des kriegerischen Aktes sein muß.
Nun ist der Krieg nicht das Wirken einer lebendigen Kraft auf eine tote Masse, sondern, weil ein absolutes Leiden kein Kriegführen sein würde, so ist er immer der Stoß zweier lebendiger Kräfte gegeneinander, und was wir von dem letzten Ziel der kriegerischen Handlung gesagt haben, muß von beiden Teilen gedacht werden. Hier ist also wieder Wechselwirkung. Solange ich den Gegner nicht niedergeworfen habe, muß ich fürchten, daß er mich niederwirft, ich bin also nicht mehr Herr meiner, sondern er gibt mir das Gesetz, wie ich es ihm gebe. Dies ist die zweite Wechselwirkung, die zum zweiten Äußersten führt.
(Zweite Wechselwirkung.)
5. Äußerste Anstrengung der Kräfte
Wollen wir den Gegner niederwerfen, so müssen wir unsere Anstrengung nach seiner Widerstandskraft abmessen; diese drückt sich durch ein Produkt aus, dessen Faktoren sich nicht trennen lassen, nämlich: die Größe der vorhandenen Mittel und die Stärke der Willenskraft.
Die Größe der vorhandenen Mittel würde sich bestimmen lassen, da sie (wiewohl doch nicht ganz) auf Zahlen beruht, aber die Stärke der Willenskraft läßt sich viel weniger bestimmen und nur etwa nach der Stärke des Motivs schätzen. Gesetzt, wir bekämen auf diese Weise eine erträgliche Wahrscheinlichkeit für die Widerstandskraft des Gegners, so können wir danach unsere Anstrengungen abmessen und diese entweder so groß machen, daß sie überwiegen, oder, im Fall dazu unser Vermögen nicht hinreicht, so groß wie möglich. Aber dasselbe tut der Gegner; also neue gegenseitige Steigerung, die in der bloßen Vorstellung wieder das Bestreben zum Äußersten haben muß. Dies ist die dritte Wechselwirkung und ein drittes Äußerstes, worauf wir stoßen.
(Dritte Wechselwirkung.)
6. Modifikationen in der Wirklichkeit
So findet in dem abstrakten Gebiet des bloßen Begriffs der überlegende Verstand nirgends Ruhe, bis er an dem Äußersten angelangt ist, weil er es mit einem Äußersten zu tun hat, mit einem Konflikt von Kräften, die sich selbst überlassen sind, und die keinen anderen Gesetzen folgen als ihren inneren; wollten wir also aus dem bloßen Begriffe des Krieges einen absoluten Punkt für das Ziel, welches wir aussetzen, und für die Mittel, welche wir anwenden sollen, ableiten, so würden wir bei den beständigen Wechselwirkungen zu Extremen geraten, die nichts als ein Spiel der Vorstellungen wären, hervorgebracht durch einen kaum sichtbaren Faden logischer Spitzfindigkeit. Wenn man, fest an das Absolute haltend, alle Schwierigkeiten mit einem Federstrich umgehen und mit logischer Strenge darin beharren wollte, daß man sich jederzeit auf das Äußerste gefaßt machen und jedesmal die äußerste Anstrengung daransetzen müsse, so würde ein solcher Federstrich ein bloßes Büchergesetz sein und keins für die wirkliche Welt.
Gesetzt auch, jenes Äußerste der Anstrengungen wäre ein Absolutes, was leicht gefunden werden könnte, so muß man doch gestehen, daß der menschliche Geist sich dieser logischen Träumerei schwerlich unterordnen würde. Es würde in manchen Fällen ein unnützer Kraftaufwand entstehen, welcher in anderen Grundsätzen der Regierungskunst ein Gegengewicht finden müßte; eine Anstrengung des Willens würde erfordert werden, die mit dem vorgesetzten Zweck nicht im Gleichgewicht stände und also nicht ins Leben gerufen werden könnte, denn der menschliche Wille erhält seine Stärke nie durch logische Spitzfindigkeiten.
Anders aber gestaltet sich alles, wenn wir aus der Abstraktion in die Wirklichkeit übergehen. Dort mußte alles dem Optimismus unterworfen bleiben, und wir mußten uns den einen wie den anderen denken, nicht bloß nach dem Vollkommenen strebend, sondern auch es erreichend. Wird dies jemals in der Wirklichkeit auch so sein? Es würde so sein, wenn:
1. der Krieg ein ganz isolierter Akt wäre, der urplötzlich entstünde und nicht mit dem früheren Staatsleben zusammenhinge,
2. wenn er aus einer einzigen oder aus einer Reihe gleichzeitiger Entscheidungen bestünde,
3. wenn er eine in sich vollendete Entscheidung enthielte und nicht der politische Zustand, welcher ihm folgen wird, durch den Kalkül schon auf ihn zurückwirkte.
7. Der Krieg ist nie ein isolierter Akt
Was den ersten Punkt betrifft, so ist jeder der beiden Gegner dem anderen keine abstrakte Person, auch für denjenigen Faktor im Widerstandsprodukt, der nicht auf äußere Dinge beruht, nämlich den Willen. Dieser Wille ist kein ganz Unbekanntes; er tut sich kund für das, was er morgen sein wird, in dem, was er heute war. Der Krieg entsteht nicht urplötzlich; seine Verbreitung ist nicht das Werk eines Augenblicks, es kann also jeder der beiden Gegner den anderen großenteils schon aus dem beurteilen, was er ist, was er tut, nicht nach dem, was er, strenge genommen, sein und tun müßte. Nun bleibt aber der Mensch mit seiner unvollkommenen Organisation immer hinter der Linie des Absolut-Besten zurück, und so werden diese von beiden Seiten in Wirksamkeit tretenden Mängel ein ermäßigendes Prinzip.
8. Er besteht nicht aus einem einzigen Schlag ohne Dauer
Der zweite Punkt gibt uns zu folgenden Betrachtungen Veranlassung.
Wäre die Entscheidung im Kriege eine einzige oder eine Reihe gleichzeitiger, so müßten natürlich alle Vorbereitungen zu derselben die Tendenz zum Äußersten bekommen, denn ein Versäumnis ließe sich auf keine Weise wieder einbringen; es würden also aus der wirklichen Welt höchstens die Vorbereitungen des Gegners, soweit sie uns bekannt sind, einen Maßstab für uns abgeben können, und alles übrige fiele wieder der Abstraktion anheim. Besteht aber die Entscheidung aus mehreren sukzessiven Akten, so kann natürlich der vorgehende mit allen seinen Erscheinungen am nachfolgenden ein Maß werden, und auf diese Weise tritt auch hier die wirkliche Welt an, die Stelle des Abstrakten und ermäßigt so das Bestreben nach dem Äußersten.
Nun würde aber jeder Krieg notwendig in einer einzigen Entscheidung oder in einer Reihe gleichzeitiger enthalten sein müssen, wenn die zum Kampf bestimmten Mittel alle zugleich aufgeboten würden oder sich aufbieten ließen; denn da eine nachteilige Entscheidung die Mittel notwendig vermindert, so kann, wenn sie in der ersten alle angewendet worden sind, eine zweite eigentlich nicht mehr gedacht werden. Alle kriegerischen Akte, die nachfolgen könnten, gehörten dem ersten wesentlich zu und bildeten eigentlich nur seine Dauer.
Allein wir haben gesehen, daß schon bei den Vorbereitungen zum Kriege die wirkliche Welt an die Stelle des bloßen Begriffs, ein wirkliches Maß an die Stelle einer äußersten Voraussetzung tritt; also schon darum werden beide Gegner in ihrer Wechselwirkung hinter der Linie einer äußersten Anstrengung zurückbleiben und also nicht sogleich alle Kräfte aufgeboten werden.