
Das Stillschweigen
Description
Er lümmelt herum und steckt mit Charlie zusammen, dem Kriegskumpan, der in einem Campingwagen im nahen Wäldchen lebt. Da beginnt eine Serie von bizarren Krankheits- und Todesfällen das Dorf zu erschüttern, in dem bald nichts mehr so ist wie früher. Zwar haben Filz, Mißgunst und Amoral die Atmosphäre unter den Bewohnern schon immer bestimmt, doch wirkt die Rückkehr des verlorenen Sohnes wie ein Katalysator: Lange in der Geschichte verborgene Schuld kommt ans Tageslicht. In seinem neuen Roman - halb Krimi, halb figurenreiche Provinztragödie - inszeniert Claus den Ausbruch einer kollektiven Hysterie.
Die spannende Geschichte einer alltäglichen Katastrophe - Claus erzählt sie mit Hellsicht und illusionslosem Mitgefühl.
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ISNI: 0000 0001 2121 3871 GND: 118927949
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Ab und zu hatten Dolf und Alma im Fernsehen weiße Soldaten gesehen, die weit vorgebeugt durch afrikanisches Buschwerk schlichen. Plötzlich peitschte ein Regen von Speeren und Pfeilen auf sie nieder. Sie riefen sich auf Westflämisch etwas zu. Eine dieser Stimmen hätte die von René sein können. Mit den Armen fuchtelnd rannten die Soldaten zusammen, aber nicht einer von ihnen ähnelte René. Auch der letzte nicht, der den Hubschrauber nicht erreichen konnte und zurückblieb, knieend, ein Dutzend Pfeile in Rücken und Genick.
Die schwarzen Verfolger, die kreischten, tanzten und mit Maschinenpistolen auf den Helikopter schossen, waren vierzehnjährige Jungs in Frauenkleidern, mit strohgelben Perücken und belgischen Käppis. Manche trugen weiße BHs, auf die blutige Brustwarzen gemalt waren.
Der Morgen bleibt grau. Dann bewegt sich das Foto in der Fensterscheibe und verblaßt. Die verzerrte Person dreht sich eine Zigarette, steckt sie an, das Zimmer füllt sich mit süßlich riechendem Qualm. Dolf wirft noch einen Blick auf seinen Gemüsegarten, auf den Fußballplatz von Excelsior Alegem dahinter, und dahinter die Schornsteine der Brauerei. Als nähme er Abschied von einer Ordnung, die nicht mehr dieselbe sein kann, nachdem René nun zurück ist. Er dreht sich zu seinem Sohn um.
"Mutter ist in den Supermarkt gegangen", sagt Dolf. "Hoffentlich denkt sie auch an unsere Zigaretten. Die werden nämlich nächste Woche teurer. Die Regierung gönnt uns kein Vergnügen mehr. Das hat man davon, wenn Katholiken und Sozialisten zusammen an der Regierung sind."