Und immer wieder Liebe
Roman
Paola Calvetti(Author)
Goldmann (Publisher)
Published on 14. September 2009
Book
Hardback
448 pages
978-3-442-31210-8 (ISBN)
Description
Eine zweite Chance für die große Liebe
Von einer kleinen Buchhandlung, der großen Liebe und dem Glück der zweiten Chance
Wenn Märchen wahr werden und die Liebe plötzlich zwischen zwei Buchseiten steckt-.
Von einer kleinen Buchhandlung, der großen Liebe und dem Glück der zweiten Chance
Wenn Märchen wahr werden und die Liebe plötzlich zwischen zwei Buchseiten steckt-.
More details
Language
German
Product notice
With dust jacket
Dimensions
Height: 21.5 cm
Width: 13.5 cm
ISBN-13
978-3-442-31210-8 (9783442312108)
Schweitzer Classification
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Paola Calvetti
Der kleine italienische Buchsalon
Roman | Eine Liebesgeschichte zwischen Mailand und New York
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09/2025
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€4.99
Available for download
Persons
Paola Calvetti wurde 1958 in Mailand geboren, wo sie auch heute noch lebt. Nach Stationen als Pressesprecherin des italienischen Touring Club und der Mailänder Scala schrieb die renommierte Journalistin für große italienische Tageszeitungen und Frauenmagazine. Alle ihre Romane standen in Italien auf der Bestsellerliste und wurden mit Preisen ausgezeichnet.
Content
Zu Stein erstarrt stehen die Liebenden seit Ewigkeiten an der windgepeitschten Straße. Für einen Tag im Jahr befreit sie der sanfte Hauch einer Fee vom Verhängnis. Die beiden Verliebten werden zu Fleisch; der unachtsame Wanderer jedoch, der sie in ihrer Umarmung bestaunte, würde von dieser unmöglichen und ewigen Liebe zerschmettert.
Mittlerweile wache ich früh auf.
Zuvor aber, unmittelbar zuvor, widme ich Alice und der Buchhandlung die Phase der Glückseligkeit, die sich zwischen Schlaf und Wachen ausspannt. Sie beginnt gegen sechs, spätestens aber um Viertel nach sechs, wenn das Kräutergebräu, das ich nun statt der traumtötenden Pillen zu mir nehme, seine Wirkung getan hat und ich langsam zu mir komme. Meine Glieder sind dann noch schwer vom Schlaf und ich schaue mich - immer ein wenig überrascht - im Zimmer um. Gerade in dieser hohlen Stille meines Schlafzimmers entstehen die besten Ideen.
Und das Herz beruhigt sich.
Mein vorzeitiges Erwachen hat einen unangenehmen Nebeneffekt: Unmittelbar nach dem Frühstück verfalle ich in eine erbarmungswürdige Lethargie, und meine Lider gleiten wie Rollläden herab. Wenn ich könnte, würde ich auf dem Kassentresen der Buchhandlung die Arme verschränken, den Kopf darauf legen und ein Nickerchen machen, sei es auch noch so kurz. Oder ich würde mich wie Gabriellas Gordon Setter Mondo auf dem Kelim zu meinen Füßen ausstrecken, die Nase zwischen den Pfoten, mit seitlich abgewinkeltem Schwanz.
Weil das selbstverständlich nicht geht, beherrsche ich mich aber Morgen für Morgen.
Um das Gefühl der Taubheit abzuschütteln, begebe ich mich nach oben und ziehe mich unter dem Vorwand, die Thermoskanne aufüllen zu wollen, in die Kaffee-Ecke zurück. Sie ist nichts Besonderes, meine Kaffee-Ecke - sie ist kein echtes Café, sondern besteht nur aus zwei Sesseln und einigen Bistrotischen mit passenden Stühlen vom Flohmarkt an der Porte de Clignancourt, von wo ich sie wie die Reliquien eines Heiligen zu einem vollkommen überteuerten Preis habe anliefern lassen.
Punkt zehn öffnet Lust&Liebe die Türen für die Welt.
Die Öffnungszeiten sind nicht zufällig gewählt, denn das dringende Bedürfnis, in einer Liebesgeschichte zu blättern, macht sich selten direkt nach dem Frühstück bemerkbar oder wenn man sich voller Elan vor dem Bürocomputer niederlassen will. Für die schlaflosen Leser wiederum ist mein gediegener salle de thé auch nicht der richtige Ort. Komplizierte Geisteszustände wie die Euphorie des Verliebtseins, der Schmerz über ein unerklärliches Ende der Beziehung, das Bedauern über eine verpasste Gelegenheit, die Verwirrung einer ersten Nacht oder die Entscheidung zu einer schnellen Affäre lassen sich nicht bei einem Milchkaffee klären, trotz der beruhigenden Raffinesse der Porzellantassen und Gläser, die in Reih und Glied dastehen wie ein Bataillon dicklicher Soldaten. Pappbecher à la coffee break sind hier nicht zugelassen, ebenso wenig Croissants, Rosinen-Focaccine oder Kuchen, wie er in viktorianischen Romanen gereicht wird. Für die wahren Genüsse habe ich keine Lizenz, und ich habe auch noch nie in meinem Leben ein Soufflé zubereitet.
In meiner freien Stunde vor der Öffnung gehe ich ganz im Staubwischen auf. Eine weiche, sanfte Energie, die kaum mehr ist als ein leichtes Kitzeln, das mich von oben bis unten durchströmt, lässt den Staubwedel über Buchrücken und Buchdeckel tanzen. Mit seinem Bambusstiel und der Wolke von Gänsefedern ist er eine Hommage an mein altes Kindermädchen. Sie hieß Maria ('wie die Callas' sagte sie immer und war stolz, einen so handfesten und würdigen Namen zu tragen), und während sie die Esszimmermöbel polierte, sang sie Grazie dei fior und Vola colomba. Nachmittags kehrte ich von der Schule heim und traf sie in der Küche an, wo sie mit meiner Mutter in ein anregendes Gespräch vertieft war. Ich lauschte den Auswüchsen eines unglücklichen Lebens, und in meinen Kinderaugen und mit meiner überbordenden Fantasie erschien mir Maria wie ein Ausbund an Leidensfähigkeit, der allen Widrigkeiten zu trotzen vermochte.
Wenn ich Staub wische, singe ich vor mich hin. Popsongs aus den Siebzigerjahren, wahlweise Lucio Battisti, die Beatles oder Bruce Springsteen. Auf Opernarien verzichte ich, weil sie für mein dünnes Stimmchen zu kompliziert sind. Staubwolken wirbeln durch die Luft und provozieren im Synkopenrhythmus allergische Niesanfälle. Dennoch ist diese Tätigkeit eine notwendige Gymnastik und der Staubwedel ein treuer Verbündeter. Er pflegt den Kontakt zu Titeln und Schriftstellern, bringt Buchcover in Erinnerung, schielt auf die Inhaltsangaben im Klappentext, spürt verloren geglaubte Exemplare auf, gräbt die zu Unrecht vergessenen wieder aus. Der stumme Morgenappell ist ein Willkommensgruß an die Neuheiten, eine Form der Vertraulichkeit mit Romanen, die ich noch nicht kenne, eine Möglichkeit, Romane jenseits der Grenzen von Genres, Jahrhunderten und Schauplätzen miteinander in Verbindung zu bringen. Im düsteren Herrenhaus Tnornfield Hall gesteht Jane Eyre der scharfzüngigen Elizabeth Bennet, die dem äußeren Anschein nach vor dem gerissenen Mr. Darcy flieht, ihre unglückliche Schwärmerei für Rochester, während in der Kategorie 'Liebe auf Eis' Mr. Stevens in sturem Schweigen Miss Kenton nachseufzt, das Silberzeug poliert und von Neid zerfressen ist auf die von John Fowles höchstpersönlich signierte Geliebte des französischen Leutnants, die im 'Nolimetangere'-Schaufenster einem Brief von Mary McCarthy an Hannah Arendt Gesellschaft leistet, einem Einweihungsgeschenk von Gabriella.
Das ist ein Stilbruch, ich weiß.
Für das Staubputzen schreiben die Lehrbücher des Buchhandels exakte Regeln vor, verbunden mit der Empfehlung, die Ware - wie die Fantasielosen das nennen - am Abend vor dem Schließen wieder einzuräumen. Ich ziehe es vor, die Bücher auf den Tischen dösen zu lassen. Mögen sie nachts unter sich sein, frei und unbeaufsichtigt.
Ein leichter Schritt ist es nicht gewesen.
Ich lebte in einem undefinierbaren Wartezustand, wusste, dass sich etwas ändern musste, hatte aber nicht die geringste Vorstellung, was ich tun und wo ich anfangen sollte.
Ich sehnte mich nach Einfachheit.
Ich hatte das Bedürfnis nach Weite, nach Ruhe, nach Beständigkeit. Nach jahrelangen aufreibenden Dienstreisen um die ganze Welt machte ich einen Schnitt und brach ein letztes Mal auf. In der reinen Anonymität von Arvidsjaur, einem Ort im schwedischen Lappland, erwog ich bei Rentiersteaks und becherweise dunklem Bier meine Möglichkeiten. Als mich der vom Hotel gebuchte blonde Hüne zu einer 'exklusiven und unvergesslichen' Schlittenfahrt ins blanke Eis begleitete, leuchtete plötzlich auf meinem inneren Bildschirm ein einziger blinkender Satz auf: Die Stünde für den Wechsel ist da. Ich fühlte mich, als wäre ich ein zweites Mal geboren worden, auch wenn ich mich an das erste Mal nicht erinnern kann.
Zurück in Italien wartete eine ominöse Nachricht auf mich - ich möge mich bei Notar Predellini melden, hieß es.
Mittlerweile wache ich früh auf.
Zuvor aber, unmittelbar zuvor, widme ich Alice und der Buchhandlung die Phase der Glückseligkeit, die sich zwischen Schlaf und Wachen ausspannt. Sie beginnt gegen sechs, spätestens aber um Viertel nach sechs, wenn das Kräutergebräu, das ich nun statt der traumtötenden Pillen zu mir nehme, seine Wirkung getan hat und ich langsam zu mir komme. Meine Glieder sind dann noch schwer vom Schlaf und ich schaue mich - immer ein wenig überrascht - im Zimmer um. Gerade in dieser hohlen Stille meines Schlafzimmers entstehen die besten Ideen.
Und das Herz beruhigt sich.
Mein vorzeitiges Erwachen hat einen unangenehmen Nebeneffekt: Unmittelbar nach dem Frühstück verfalle ich in eine erbarmungswürdige Lethargie, und meine Lider gleiten wie Rollläden herab. Wenn ich könnte, würde ich auf dem Kassentresen der Buchhandlung die Arme verschränken, den Kopf darauf legen und ein Nickerchen machen, sei es auch noch so kurz. Oder ich würde mich wie Gabriellas Gordon Setter Mondo auf dem Kelim zu meinen Füßen ausstrecken, die Nase zwischen den Pfoten, mit seitlich abgewinkeltem Schwanz.
Weil das selbstverständlich nicht geht, beherrsche ich mich aber Morgen für Morgen.
Um das Gefühl der Taubheit abzuschütteln, begebe ich mich nach oben und ziehe mich unter dem Vorwand, die Thermoskanne aufüllen zu wollen, in die Kaffee-Ecke zurück. Sie ist nichts Besonderes, meine Kaffee-Ecke - sie ist kein echtes Café, sondern besteht nur aus zwei Sesseln und einigen Bistrotischen mit passenden Stühlen vom Flohmarkt an der Porte de Clignancourt, von wo ich sie wie die Reliquien eines Heiligen zu einem vollkommen überteuerten Preis habe anliefern lassen.
Punkt zehn öffnet Lust&Liebe die Türen für die Welt.
Die Öffnungszeiten sind nicht zufällig gewählt, denn das dringende Bedürfnis, in einer Liebesgeschichte zu blättern, macht sich selten direkt nach dem Frühstück bemerkbar oder wenn man sich voller Elan vor dem Bürocomputer niederlassen will. Für die schlaflosen Leser wiederum ist mein gediegener salle de thé auch nicht der richtige Ort. Komplizierte Geisteszustände wie die Euphorie des Verliebtseins, der Schmerz über ein unerklärliches Ende der Beziehung, das Bedauern über eine verpasste Gelegenheit, die Verwirrung einer ersten Nacht oder die Entscheidung zu einer schnellen Affäre lassen sich nicht bei einem Milchkaffee klären, trotz der beruhigenden Raffinesse der Porzellantassen und Gläser, die in Reih und Glied dastehen wie ein Bataillon dicklicher Soldaten. Pappbecher à la coffee break sind hier nicht zugelassen, ebenso wenig Croissants, Rosinen-Focaccine oder Kuchen, wie er in viktorianischen Romanen gereicht wird. Für die wahren Genüsse habe ich keine Lizenz, und ich habe auch noch nie in meinem Leben ein Soufflé zubereitet.
In meiner freien Stunde vor der Öffnung gehe ich ganz im Staubwischen auf. Eine weiche, sanfte Energie, die kaum mehr ist als ein leichtes Kitzeln, das mich von oben bis unten durchströmt, lässt den Staubwedel über Buchrücken und Buchdeckel tanzen. Mit seinem Bambusstiel und der Wolke von Gänsefedern ist er eine Hommage an mein altes Kindermädchen. Sie hieß Maria ('wie die Callas' sagte sie immer und war stolz, einen so handfesten und würdigen Namen zu tragen), und während sie die Esszimmermöbel polierte, sang sie Grazie dei fior und Vola colomba. Nachmittags kehrte ich von der Schule heim und traf sie in der Küche an, wo sie mit meiner Mutter in ein anregendes Gespräch vertieft war. Ich lauschte den Auswüchsen eines unglücklichen Lebens, und in meinen Kinderaugen und mit meiner überbordenden Fantasie erschien mir Maria wie ein Ausbund an Leidensfähigkeit, der allen Widrigkeiten zu trotzen vermochte.
Wenn ich Staub wische, singe ich vor mich hin. Popsongs aus den Siebzigerjahren, wahlweise Lucio Battisti, die Beatles oder Bruce Springsteen. Auf Opernarien verzichte ich, weil sie für mein dünnes Stimmchen zu kompliziert sind. Staubwolken wirbeln durch die Luft und provozieren im Synkopenrhythmus allergische Niesanfälle. Dennoch ist diese Tätigkeit eine notwendige Gymnastik und der Staubwedel ein treuer Verbündeter. Er pflegt den Kontakt zu Titeln und Schriftstellern, bringt Buchcover in Erinnerung, schielt auf die Inhaltsangaben im Klappentext, spürt verloren geglaubte Exemplare auf, gräbt die zu Unrecht vergessenen wieder aus. Der stumme Morgenappell ist ein Willkommensgruß an die Neuheiten, eine Form der Vertraulichkeit mit Romanen, die ich noch nicht kenne, eine Möglichkeit, Romane jenseits der Grenzen von Genres, Jahrhunderten und Schauplätzen miteinander in Verbindung zu bringen. Im düsteren Herrenhaus Tnornfield Hall gesteht Jane Eyre der scharfzüngigen Elizabeth Bennet, die dem äußeren Anschein nach vor dem gerissenen Mr. Darcy flieht, ihre unglückliche Schwärmerei für Rochester, während in der Kategorie 'Liebe auf Eis' Mr. Stevens in sturem Schweigen Miss Kenton nachseufzt, das Silberzeug poliert und von Neid zerfressen ist auf die von John Fowles höchstpersönlich signierte Geliebte des französischen Leutnants, die im 'Nolimetangere'-Schaufenster einem Brief von Mary McCarthy an Hannah Arendt Gesellschaft leistet, einem Einweihungsgeschenk von Gabriella.
Das ist ein Stilbruch, ich weiß.
Für das Staubputzen schreiben die Lehrbücher des Buchhandels exakte Regeln vor, verbunden mit der Empfehlung, die Ware - wie die Fantasielosen das nennen - am Abend vor dem Schließen wieder einzuräumen. Ich ziehe es vor, die Bücher auf den Tischen dösen zu lassen. Mögen sie nachts unter sich sein, frei und unbeaufsichtigt.
Ein leichter Schritt ist es nicht gewesen.
Ich lebte in einem undefinierbaren Wartezustand, wusste, dass sich etwas ändern musste, hatte aber nicht die geringste Vorstellung, was ich tun und wo ich anfangen sollte.
Ich sehnte mich nach Einfachheit.
Ich hatte das Bedürfnis nach Weite, nach Ruhe, nach Beständigkeit. Nach jahrelangen aufreibenden Dienstreisen um die ganze Welt machte ich einen Schnitt und brach ein letztes Mal auf. In der reinen Anonymität von Arvidsjaur, einem Ort im schwedischen Lappland, erwog ich bei Rentiersteaks und becherweise dunklem Bier meine Möglichkeiten. Als mich der vom Hotel gebuchte blonde Hüne zu einer 'exklusiven und unvergesslichen' Schlittenfahrt ins blanke Eis begleitete, leuchtete plötzlich auf meinem inneren Bildschirm ein einziger blinkender Satz auf: Die Stünde für den Wechsel ist da. Ich fühlte mich, als wäre ich ein zweites Mal geboren worden, auch wenn ich mich an das erste Mal nicht erinnern kann.
Zurück in Italien wartete eine ominöse Nachricht auf mich - ich möge mich bei Notar Predellini melden, hieß es.