Zu wild!
Roman
Suzanne Brockmann(Author)
Blanvalet (Publisher)
Published on 11. February 2008
Book
Paperback/Softback
576 pages
978-3-442-36841-9 (ISBN)
Description
Ein spannender Lady-Thriller voller heißer Emotionen und atemloser Action!
New Hampshire im tiefsten Winter: Trotz der kühlen Temperaturen lodert das Feuer zwischen Troubleshooterin Lindsey Fontaine und Navy-SEAL-Officer Mark Jenkins. Doch so richtig angeheizt wird die Lage, als eine neue Kollegin bei einer Übung spurlos verschwindet - und die Suchenden sich nicht nur inmitten eines Jahrhundertschneesturms, sondern auch Auge in Auge mit einem Serienkiller wiederfinden .
New Hampshire im tiefsten Winter: Trotz der kühlen Temperaturen lodert das Feuer zwischen Troubleshooterin Lindsey Fontaine und Navy-SEAL-Officer Mark Jenkins. Doch so richtig angeheizt wird die Lage, als eine neue Kollegin bei einer Übung spurlos verschwindet - und die Suchenden sich nicht nur inmitten eines Jahrhundertschneesturms, sondern auch Auge in Auge mit einem Serienkiller wiederfinden .
More details
Series
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 18.3 cm
Width: 11.5 cm
ISBN-13
978-3-442-36841-9 (9783442368419)
Schweitzer Classification
Persons
Erst vor wenigen Jahren begann Suzanne Brockmann mit dem Schreiben, aber schnell wurde sie zur erklärten Meisterin des romantischen Thrillers. Vielfach ausgezeichnet, u. a. von den amerikanischen Leserinnen drei Jahre in Folge (2000 bis 2002) als 'Beste A
Content
Prolog
AFGHANISTAN OKTOBER 2005
Mark Jenkins stand vor der Kernschmelze.
Was nicht gerade eine besonders gute emotionale Verfassung bedeutete. Sie war keineswegs hilfreich dabei, sich in der kalten Herbstnacht zu verbergen, nur ein paar Schritte entfernt vom Tal, in dem der Feind sein Lager aufgeschlagen hatte.
Er prüfte noch einmal seine MP4.
Sie war geladen und feuerbereit.
Seine Hände zitterten aber noch immer.
Mit bloßer Willenskraft und einigen Dutzend beruhigenden Atemzügen versuchte Jenk, sich zusammenzureißen.
Einige Jungs in den SEAL-Teams arbeiteten in einem Dauerzustand schlechter Laune, so wie Izzy Zanella, der aus einigen Metern Entfernung zu ihm herübersah. Izzy stellte seine Zornesflamme auf Köcheln und ließ sich davon antreiben. Jenk hatte das stets für zu gefährlich gehalten - bis heute Nacht.
Ein Köcheln war nämlich eine Million mal besser als die hochkochende Wut, die ihn beim Anblick dieser vertrauten schwarzen Turnschuhe übermannt hatte, die leblos baumelnd über seinem Kopf hingen.
Gott verdammt.
Er zwang sich dazu durchzuatmen. Ein. Und aus. Ruhig, nicht abgehackt.
Konzentrier dich.
Er roch den Rauch, noch bevor er das Leuchten der Flammen in der Ferne sah.
Jemand hatte ein Lagerfeuer entfacht - ein Beweis dafür, dass der Feind annahm, dieser gottverlassene Fleck staubigen Landes würde ihm gehören, dass er hier draußen alleine wäre.
Das war gut so.
Außerdem war auch gut, dass der Neue, John Orlikowski, Funker dieses SEAL-Trupps war, ein Job, den Jenk normalerweise übernahm.
Als Mann für den Funk hätte er nicht von Lieutenant Jacquettes hünenhafter Seite weichen können.
Das hätte es ihnen beiden schwer gemacht, so zu tun, als würden Jenks Hände nicht zittern.
Nicht, dass der Lieutenant es nicht schon bemerkt hätte.
Jenk konnte sehen, wie sich Jacquette und Orlikowski hinter Izzy zurückzogen, weg vom Lager des Feindes. Der Lieutenant gab Izzy, der ihnen folgte, einen Wink.
Dann wies Jacquette Jenk mit einem Blick an, seine Stellung zu halten.
Ja klar, recht so. Du da drüben mit dem Gefühlsdurchfall, bleib ruhig, beweg dich nicht, versau die Sache nicht, indem du über deine zweifellos genauso zitternden Füße stolperst.
Es war eigenartig, nicht nah genug dran zu sein, nicht zu wissen, was der Lieutenant vorhatte.
Andererseits, wenn Jenk Jacquette richtig kannte - und das tat er ganz sicher -, würde der Lieutenant jemanden losschicken, um das Lager auszukundschaften.
Darum hatte er Izzy herüberbeordert. Irving Zanella wäre nicht die erste Wahl für eine Teestunde mit der Queen, aber er war schnell, lautlos und trotz seiner mächtigen, hochgewachsenen Gestalt unsichtbar, besonders nach Sonnenuntergang.
Jacquettes Ziel würde es sein, die Zahl der Feinde herauszufinden. Würden sich einige der Anführer als ranghohe al-Qaida-Terroristen identifizieren lassen, von der ganzen Welt gesucht im globalen Krieg gegen den Terror?
Würde es das SEAL-Team schaffen, jeden von ihnen zu töten? Einfach nur abknallen - ihr armseliges Leben ein ganzes Stück weniger schmerzhaft beenden, als diese Scheißkerle es selbst mit den Zivilisten getan hatten, als sie sie folterten und aufknüpften -
Nein, Moment. Dieser letzte Teil war Jenks persönliches Ziel. Darum saß er gewissermaßen hier in der Ecke, nahm eine Auszeit und versuchte, seinen Schmerz und Zorn in etwas Nützliches zu verwandeln.
Nicht, dass es einen Unterschied machte. Mit einem Acht-Mann-Trupp - größer als normal - hätte Jacquette ihn einfach nicht beachten müssen, bis es an der Zeit zum Rückzug war.
So wie die Dinge lagen, war es Jenks Aufgabe, das Ersatz-Funkgerät zu tragen, für den Fall, dass Johnny O. dem Super-man-Syndrom zum Opfer fiel. Als Anfänger fühlte John sich noch verpflichtet, sich nicht auf den Bauch zu werfen, wenn die Scheiße richtig losging. So als ob er seinen Teamkameraden beweisen müsste, dass seine cojones besonders grande wären.
Die verdammten Neulinge brauchten immer eine Weile, bis sie lernten, dass es ihre Eier nicht vergrößerte, wenn sie weggeschossen wurden. Es ließ sie verschwinden.
Wäre es nicht sein fester Entschluss gewesen, an diesem Einsatz teilzunehmen, wäre er jetzt nicht hier. Er war auf dieser Tour nur dabei, weil zwei einer waren und einer keiner. Weil der plötzliche Eierverlust die Stimme eines Anfängers um sieben Oktaven nach oben brachte. Das ließe zwar von überall die Hunde herbeilaufen, aber die anspruchsvolle Aufgabe, über Funk zu sprechen, müsste jemand anderer übernehmen.
i
Natürlich gab es auf der B-Seite des Superman-Syndroms noch die Möglichkeit, dass der junge John ohne Kampfhandlungen eierlos würde - unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Jenk hatte es schon gesehen. Ein Kerl, der das harte Kampfschwimmer-Training mit Bravour bestand, konnte erstarren, wenn er zum ersten Mal draußen in der richtigen Welt zu tun hatte.
Ihre Stimmen schwankten, und ihre Hände zitterten.
Scheiße.
Es war verdammt unfair, dass sich Zorn und Angst auf so ähnliche Art zeigten.
Izzy robbte zu ihm hinüber. 'Bist du okay?' Jenk nickte.
Iz schaute ihn mit einem eigenartigen Ausdruck in seinen normalerweise spöttischen Augen an. Bei jedem anderen hätte Jenk es Sorge genannt. Mitleid. Vielleicht sogar Mitgefühl.
'Tut mir leid, das mit Suhayla', sagte Izzy fast lautlos. 'Das war sie doch, oder?'
Jenk nickte wieder, eine kurz angebundene Bestätigung.
Es war tatsächlich Suhaylas Körper gewesen, der zusammen mit drei anderen Zivilisten an der Brücke hing, die wieder aufgebaut worden war, nachdem amerikanische Truppen im vergangenen Jahr das entlegene Bergdorf befreit hatten.
Zum dritten Mal.
Jenk war dort gewesen. Er hatte gesehen, wie die Marines ihr Lager aufschlugen, und geglaubt, was Suhayla und ihre Freunde geglaubt hatten - dass echte Hilfe eingetroffen und dort bleiben würde.
Suhayla Naaz - eine in London ausgebildete Ärztin - war mutig genug gewesen, dabei zu helfen, die örtliche Regierung zu bilden, ganz zu Beginn der Operation Enduring Freedom. Sie war gezwungen gewesen, sich zu verstecken, als sich die Amerikaner die ersten beiden Male nach Kabul zurückzogen, und kam dabei gerade so mit ihrem Leben davon.
Diesmal hatte sie nicht so viel Glück gehabt.
'Das ist hart', sagte Izzy. 'Sie so tot zu sehen.'
Jenk brachte ein weiteres knappes Nicken zustande. Ja.
'Geh jetzt nicht und lass dich umbringen, Marky-Mark. Ich möchte deinen Körper nicht den ganzen Weg nach Jalalabad zurückschleppen.'
Typisch Izzy. Er konnte einfach nicht sagen: 'Kumpel, ich mach mir Sorgen um dich.'
Jenk wechselte das Thema. 'Du schaust dich um?'
Normalerweise hätte er ein schlichtes Handsignal benutzt, um diese Frage zu stellen. Stattdessen hielt er seine Fäuste fest geballt.
Izzy nickte. 'In einer Sekunde.' Er machte eine Pause. 'Fischjunge sagte, dass du Suhayla mittlerweile ein paar Jahre gekannt hast. Und dass du erst letzte Woche eine E-Mail von ihr bekamst.'
Nun wusste Jenk, warum Izzy zu ihm hinübergekrochen war. Er war auf einer Erkundungstour.
'Hast du sie wirklich die ganze Zeit gebumst?', fragte Iz. Und ja, wahrscheinlich war da Bewunderung in seiner Stimme.
Izzys Welt war einfach. Er glaubte daran, dass ein Mann und eine Frau keine Beziehung zueinander haben könnten, die nicht - in Izzy-Sprache - ordentliches Durchbumsen beinhaltete.
Jenk starrte in die Nacht.
'Ich nehme das als ein Nein. Aber du wolltest - oder nicht?' In Izzyland gab es nur zwei Arten von Frauen. Die, mit denen man Sex haben wollte und die, mit denen nicht.
Bevor sie grausam ermordet wurde, war Suhayla Naaz eine schöne, wortgewandte, intelligente Frau. Sie war außerdem siebenundvierzig Jahre alt und verheiratet mit einem englischen Arzt, der mit ihren drei Kindern in Liverpool lebte. Im Laufe der vierzehn Tage, die Jenk im vergangenen Jahr in ihrem entlegenen Heimatort verbracht hatte, während er die umliegende Landschaft von verschiedenen üblen Typen reinigte, hatte sie bemerkt, dass er sehr gut darin war, Dinge zu erledigen.
Er war ihr bei der Beschaffung einer Wagenladung medizinischer Versorgungsgüter und Generatoren behilflich gewesen. Nahrung. Decken. Kleidung und Schuhe für die Kinder, die alles verloren hatten.
Sie hatten eine Seelenverwandtschaft festgestellt und waren Freunde geworden.
'Darum sind wir hier', fuhr Izzy fort. 'Ist doch so? Du hast einen von deinen üblichen Voodootricks abgezogen und es so gedreht, dass wir diesen Auftrag kriegen.'
Jenk schüttelte den Kopf. 'Du bist ein Idiot.'
'Im Ernst', sagte Izzy, 'ich weiß nicht, wie du es machst, Eminem. Aber Gillman hat die E-Mail gelesen - deine Freundin teilte dir also mit, dass es irgendein ernstes Problem gäbe, aber niemand würde ihr zuhören. Und keine Ahnung, wie, beeinflusst du den Verstand von irgendeinem Admiral, damit wir alle herkommen und du die Sache in Ordnung bringen kannst. Daraufhin ist sie derart dankbar, dass ihr es - bevor du dich versiehst - wild miteinander treibt. Leider Pech gehabt. Wir kommen zu spät. Kein Wunder, dass du so ausrastest.'
Ja genau, deswegen rastete er aus. Weil jetzt, wo Suhayla Naaz brutal gefoltert und getötet worden war und ihr Körper von einer Brücke hing, um andere davor zu warnen, mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten, Jenk niemals eine Chance haben würde, es wild mit ihr zu treiben.
Und plötzlich war das Geplänkel vorbei. Izzy hatte den Bogen überspannt.
'Du bist so ein Arschloch. Du hast keine Ahnung', flüsterte Jenk zwischen zusammengepressten Zähnen. 'Dr. Naaz war erstaunlich. Sie war klug, mutig und der Demokratie verpflichtet. Sie war all das, wovon die verdammten Politiker meinen, dass wir es hier drüben finden müssten. Und sie lassen sie hier baumeln, sitzen selbst in Sicherheit und bestätigen sich gegenseitig, dass Krieg die Hölle ist. Du kannst dem Lieutenant sagen, dass ich okay bin', sagte Jenk zu Izzy. 'Ich werde nicht durchdrehen. Aber ich bin wütend über diese Unfähigkeit. Warum bauen wir eine Brücke und lassen den Sektor dann den Aufständischen wieder in die Hände fallen?'
'Gute Frage. Ich bin sicher, irgendein Schreibtischhengst irgendwo in den Staaten hat etwas, das sie für die Antwort halten.'
'Der Gedanke, dass diese Bastarde', Jenk zeigte in Richtung des Lagerfeuers in der Nacht, 'diejenigen sind, die sie umgebracht haben. Aber wir haben ihnen dabei geholfen. Gott verdammt!' Er ließ einen Schwall von Schimpfwörtern los, die selbst seinem Vater die Augenbrauen gekräuselt hätten.
Izzy dagegen blieb ungerührt. 'Nachdem wir diesen Abschaum, der deine Freundin ermordet hat, ausgeschaltet haben, gehe ich vielleicht nach Washington, finde denjenigen, der die Politik macht und stelle ihm ein paar unangenehme Fragen.'
Ja, genau. Jenk gab ein verächtliches Geräusch von sich.
'Du glaubst nicht, dass ich dazu die Eier hätte?' Iz zuckte mit den Schultern. 'Hey, ich bin nicht der Schisser, dem die Hände zittern.' Er streckte zur Demonstration seine eigenen aus.
'Fick dich.' Jenk begleitete seine Worte mit dem Mittelfinger - mit einer Hand, die endlich ruhig war.
Izzy nickte, offensichtlich damit zufrieden, dass sich Jenk wieder voll unter Kontrolle hatte. Und das, so viel war nun mehr als klar, war der wahre Grund, warum er herübergekrochen war. Er klopfte Jenk auf die Schulter. 'Dampf ablassen, und wenn's nur ein bisschen ist, hält die Scheißwut fern.'
Weise Worte von Irving Zanella, Psychotherapeut.
Das war für Izzy ein neuer Titel zu seinen gewöhnlich farbenfrohen Namensschöpfungen.
'Na komm schon', sagte Izzy. 'Du und ich, Marky. Lieutenant Jacquette will, dass wir einen kleinen Mitternachtsspaziergang machen. Er dachte, die frische Nachtluft würde deine mädchenhaften Spinnereien vertreiben.'
Und obwohl das Zittern seiner Hände verschwunden war, wusste Jenk, dass er sie niemals vergessen würde. Mädchenhafte Spinnereien. Kein Zweifel, er würde sich an diese Nacht erinnern bis zu dem Tag, an dem er die Navy verließ.
Gedächtnisstützen seiner Teamkameraden würde er dazu auf keinen Fall brauchen. Er würde Dr. Suhayla Naaz, die niemals hätte sterben sollen, nicht vergessen.
'Aber trotzdem, willst du einen Rat, Mark?', unterbrach ihn Izzy. Jenk konnte seine Augen im Dunkeln der Nacht nicht ganz sehen - aber er wusste, dass es der größere Mann todernst meinte.
'Es wird nicht helfen', sagte Iz ruhig und bestimmt. 'Selbst wenn wir herausfinden, dass es eine Terror-Zelle mit direkter Verbindung zu Osama bin Laden ist. Selbst wenn wir beweisen können, dass das die Scheißkerle sind, die Suhayla aufgeknüpft haben und baumeln ließen. Selbst wenn wir sichergehen, dass keiner von ihnen jemals wieder einem anderen menschlichen Wesen Schaden zufügt.' Er schüttelte den Kopf. 'Es wird nicht helfen.' Dann lächelte er und verwandelte sich zurück in sein respektloses Selbst, so als ob ihm plötzlich bewusst würde, dass er zu viel von sich preisgab. 'Natürlich wird es verdammt noch mal nichts schaden, Tante M.'
Es waren zu viele von ihnen.
Es war unwirklich. Die Aufständischen waren aus Angst vor einem Luftangriff normalerweise nicht so dumm, zusammen dasselbe kleine Stück Grund und Boden zu besetzen. Trotzdem waren hier so viele versammelt, als gäbe es eine Art Taliban-Klassentreffen.
Izzy hatte sich weiter nach Norden bewegt und es Jenk überlassen, Köpfe zu zählen und Gesichter zu überprüfen und. Eine Sekunde mal, war das.?
Jenk fokussierte sein Nachtsichtgerät.
Ja, das war mit Sicherheit Yusaf Ghulam-Khan. Der Dolmetscher, der für die SEALs und auch für die Marines gearbeitet hatte, als Jenk das letzte Mal hier gewesen war. Er hatte auf der amerikanischen Gehaltsliste gestanden.
Was hatte Suhayla über ihn gesagt? 'Ich würde ihm nicht weiter trauen, als ich ihn mit meinem Wurfarm schleudern könnte.'
Sie war Baseballfan gewesen.
Damals, als Jenk ihn kennenlernte, hatte Yusaf Zugang zu allen möglichen Informationen gehabt. Er hatte seine Loyalität geschworen - nicht, dass dies irgendetwas bedeutete.
Im Moment war er kein Gefangener. Er ging herum als ein offensichtlich beliebter Mann, dem man anscheinend gratulierte.
Und von einer Sekunde zur anderen wusste Jenk Bescheid.
Dieses gewaltige Treffen war der Ärger, von dem Suhayla geschrieben hatte. Sie hatte ihren Bruder nach Kabul geschickt, wo es einen Internetzugang gab, um eine E-Mail an einen der wenigen Menschen zu schreiben, denen sie noch traute.
Jenk.
Da Yusaf wusste, dass Suhayla versuchen würde, die Amerikaner zu warnen, und nicht wusste, dass er zu spät kommen würde, hatte er mitgeholfen, sie zum Schweigen zu bringen.
Zumindest hatte er sie identifiziert. Es war aber auch absolut möglich, dass er ihr das Seil um den Hals gebunden hatte. Jenks Hände zitterten erneut. Was hatte Iz gesagt? Dampf ablassen. 'Scheißkerl, Scheißkerl, Scheißkerl', murmelte er. Izzy tauchte wieder auf und nahm dabei aus der Nacht Gestalt an, als hätte man ihn heraufbeschworen. Lautlos signalisierte er Jenk, dass er 112 Männer gezählt hatte. Jenk zeigte ihm blitzschnell seine Zahl - 147. Zusammen waren das fast 260 feindliche Kämpfer. Was zur Hölle ging hier vor?
Die Aufständischen versammelten sich nicht zur Vorbereitung auf eine anstehende Schlacht. Es gab in diesem irrwitzigen Mittelpunkt von Nirgendwo nichts, was man angreifen könnte. Zumindest nicht, nachdem die Amerikaner abgezogen waren. Wieder einmal.
Jenk schlich weit genug vom Lager weg, um sprechen zu können. Iz folgte ihm.
'Es ist ein Nachschublager', bestätigte Izzy. 'Munition, Waffen, Sprengstoff - sie haben ein Arsenal in dieser Höhle.'
Das also war die Antwort. Nachschub. Die Antwort auf die große Frage, warum den Aufständischen Munition und Sprengstoff nicht ausgingen, war schon länger kein Geheimnis. Beides kam mit bemerkenswerter Leichtigkeit über die Grenze hinein. Aber diese tollkühne Zusammenkunft bedeutete Schwierigkeiten. Es war eine Machtdemonstration -eine deutliche Botschaft an die Menschen dieser Gegend. Es war die klare Ansage, dass die Aufständischen die Amerikaner nicht länger als Bedrohung betrachteten.
Izzy blieb in Bewegung, zurück zu Jacquette. Es war für ihn offensichtlich, was getan werden musste. Sie mussten dem Lieutenant Bericht erstatten, und der würde einen Luftangriff anordnen, solange der Nachschub sich noch an diesen Koordinaten befand.
Wenn sie zuließen, dass er sich in der gebirgigen Landschaft verstreute, würde er zu den Amerikanern zurückkommen, Stück für Stück als Kugeln und Mörsergranaten.
Aber einen Luftangriff zu bestellen, war ein großes Problem, und nicht nur, weil man Luftunterstützung in letzter Zeit Tage im Voraus reservieren musste. Jenk hielt Izzy zurück.
'Wie fühlst du dich bei den Chancen von acht gegen zweihundertsechzig?', fragte er den größeren Mann. Die Ausrüstung, die er im feindlichen Lager gesehen hatte, beschränkte sich nicht auf Waffen und Munition. 'Sie haben Peilgeräte, auf dem neuesten Stand der Technik.'
Jenk hatte ähnliches Peilgerät in einem Trainingseinsatz bedient, und die schlechte Nachricht war, dass es funktionierte. Extrem gut. Technologie hatte die Angewohnheit, Bockspringen zu spielen. Es würde nicht lange dauern, bis irgendwelche kleine Genies im Labor ein Funkgerät erfinden würden, das man nicht mit dieser neuesten Ausrüstungsserie aufspüren konnte, aber noch hatten sie das nicht getan.
Unter dem Strich hieß das: Falls Jacquette die Funkstille brach, würde das dem Feind ihre Anwesenheit - und ihren Standort - über einen Lautsprecher mitteilen.
Zusammen mit der Artillerie, auf die Jenk im flackernden Licht des Feuers einen Blick geworfen hatte. Nein, das war keine gute Idee.
'Dann ziehen wir uns eben zurück', sagte Izzy. 'Bringen uns außer Mörserreichweite und ordern dann den Luftangriff.'
'Sie versperren unsere Route den Berg runter', bemerkte Jenk.
'Gehen wir eben über die Berge und durch die Scheißwälder, wenn wir müssen. Es gibt mehr als einen Weg zum Haus der Großmutter.'
Im Gegensatz zu Izzy kannte Jenk die Gegend gut. 'Das würde uns über die Grenze bringen.' Als er Izzys empörten Gesichtsausdruck sah, fügte er hinzu: 'Sieh mal, ich habe kein Problem damit. Die Waffen kommen von jenseits der Grenze. Scheiß-Osama ist wahrscheinlich auch da drüben und wird wie ein König behandelt. Aber ich kann dir schon jetzt sagen, sobald wir diese Information dem Lieutenant mitteilen, wird er murmeln, dass er nicht verantwortlich sein will für einen.'
'. internationalen Zwischenfall', sagte Lieutenant Jacquette grimmig, exakt so, wie Mark Jenkins vorhergesagt hatte. Es gehörte zum festen Programm aller Offiziere der U.S.-Streitkräfte. Im Gegensatz zu vielen anderen, die etwas zu sagen hatten, konnte Jacquette aber unter dem besten kommandierenden Offizier aller Zeiten lernen, Lieutenant Commander Tom Paoletti - der mittlerweile den Dienst verlassen hatte - was eine echte Schande war. 'Weitere Optionen?'
Wie Tommy Paoletti glaubte auch Jazz Jacquette an den Gedankenaustausch mit seinen Männern, ein Geben und Nehmen von Einfällen. Er glaubte tatsächlich an die Idee, vollständig Gebrauch zu machen von den Tausenden Trainingsstunden, die seine verpflichteten SEALs darin hatten, ohne Scheuklappen zu denken.
AFGHANISTAN OKTOBER 2005
Mark Jenkins stand vor der Kernschmelze.
Was nicht gerade eine besonders gute emotionale Verfassung bedeutete. Sie war keineswegs hilfreich dabei, sich in der kalten Herbstnacht zu verbergen, nur ein paar Schritte entfernt vom Tal, in dem der Feind sein Lager aufgeschlagen hatte.
Er prüfte noch einmal seine MP4.
Sie war geladen und feuerbereit.
Seine Hände zitterten aber noch immer.
Mit bloßer Willenskraft und einigen Dutzend beruhigenden Atemzügen versuchte Jenk, sich zusammenzureißen.
Einige Jungs in den SEAL-Teams arbeiteten in einem Dauerzustand schlechter Laune, so wie Izzy Zanella, der aus einigen Metern Entfernung zu ihm herübersah. Izzy stellte seine Zornesflamme auf Köcheln und ließ sich davon antreiben. Jenk hatte das stets für zu gefährlich gehalten - bis heute Nacht.
Ein Köcheln war nämlich eine Million mal besser als die hochkochende Wut, die ihn beim Anblick dieser vertrauten schwarzen Turnschuhe übermannt hatte, die leblos baumelnd über seinem Kopf hingen.
Gott verdammt.
Er zwang sich dazu durchzuatmen. Ein. Und aus. Ruhig, nicht abgehackt.
Konzentrier dich.
Er roch den Rauch, noch bevor er das Leuchten der Flammen in der Ferne sah.
Jemand hatte ein Lagerfeuer entfacht - ein Beweis dafür, dass der Feind annahm, dieser gottverlassene Fleck staubigen Landes würde ihm gehören, dass er hier draußen alleine wäre.
Das war gut so.
Außerdem war auch gut, dass der Neue, John Orlikowski, Funker dieses SEAL-Trupps war, ein Job, den Jenk normalerweise übernahm.
Als Mann für den Funk hätte er nicht von Lieutenant Jacquettes hünenhafter Seite weichen können.
Das hätte es ihnen beiden schwer gemacht, so zu tun, als würden Jenks Hände nicht zittern.
Nicht, dass der Lieutenant es nicht schon bemerkt hätte.
Jenk konnte sehen, wie sich Jacquette und Orlikowski hinter Izzy zurückzogen, weg vom Lager des Feindes. Der Lieutenant gab Izzy, der ihnen folgte, einen Wink.
Dann wies Jacquette Jenk mit einem Blick an, seine Stellung zu halten.
Ja klar, recht so. Du da drüben mit dem Gefühlsdurchfall, bleib ruhig, beweg dich nicht, versau die Sache nicht, indem du über deine zweifellos genauso zitternden Füße stolperst.
Es war eigenartig, nicht nah genug dran zu sein, nicht zu wissen, was der Lieutenant vorhatte.
Andererseits, wenn Jenk Jacquette richtig kannte - und das tat er ganz sicher -, würde der Lieutenant jemanden losschicken, um das Lager auszukundschaften.
Darum hatte er Izzy herüberbeordert. Irving Zanella wäre nicht die erste Wahl für eine Teestunde mit der Queen, aber er war schnell, lautlos und trotz seiner mächtigen, hochgewachsenen Gestalt unsichtbar, besonders nach Sonnenuntergang.
Jacquettes Ziel würde es sein, die Zahl der Feinde herauszufinden. Würden sich einige der Anführer als ranghohe al-Qaida-Terroristen identifizieren lassen, von der ganzen Welt gesucht im globalen Krieg gegen den Terror?
Würde es das SEAL-Team schaffen, jeden von ihnen zu töten? Einfach nur abknallen - ihr armseliges Leben ein ganzes Stück weniger schmerzhaft beenden, als diese Scheißkerle es selbst mit den Zivilisten getan hatten, als sie sie folterten und aufknüpften -
Nein, Moment. Dieser letzte Teil war Jenks persönliches Ziel. Darum saß er gewissermaßen hier in der Ecke, nahm eine Auszeit und versuchte, seinen Schmerz und Zorn in etwas Nützliches zu verwandeln.
Nicht, dass es einen Unterschied machte. Mit einem Acht-Mann-Trupp - größer als normal - hätte Jacquette ihn einfach nicht beachten müssen, bis es an der Zeit zum Rückzug war.
So wie die Dinge lagen, war es Jenks Aufgabe, das Ersatz-Funkgerät zu tragen, für den Fall, dass Johnny O. dem Super-man-Syndrom zum Opfer fiel. Als Anfänger fühlte John sich noch verpflichtet, sich nicht auf den Bauch zu werfen, wenn die Scheiße richtig losging. So als ob er seinen Teamkameraden beweisen müsste, dass seine cojones besonders grande wären.
Die verdammten Neulinge brauchten immer eine Weile, bis sie lernten, dass es ihre Eier nicht vergrößerte, wenn sie weggeschossen wurden. Es ließ sie verschwinden.
Wäre es nicht sein fester Entschluss gewesen, an diesem Einsatz teilzunehmen, wäre er jetzt nicht hier. Er war auf dieser Tour nur dabei, weil zwei einer waren und einer keiner. Weil der plötzliche Eierverlust die Stimme eines Anfängers um sieben Oktaven nach oben brachte. Das ließe zwar von überall die Hunde herbeilaufen, aber die anspruchsvolle Aufgabe, über Funk zu sprechen, müsste jemand anderer übernehmen.
i
Natürlich gab es auf der B-Seite des Superman-Syndroms noch die Möglichkeit, dass der junge John ohne Kampfhandlungen eierlos würde - unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Jenk hatte es schon gesehen. Ein Kerl, der das harte Kampfschwimmer-Training mit Bravour bestand, konnte erstarren, wenn er zum ersten Mal draußen in der richtigen Welt zu tun hatte.
Ihre Stimmen schwankten, und ihre Hände zitterten.
Scheiße.
Es war verdammt unfair, dass sich Zorn und Angst auf so ähnliche Art zeigten.
Izzy robbte zu ihm hinüber. 'Bist du okay?' Jenk nickte.
Iz schaute ihn mit einem eigenartigen Ausdruck in seinen normalerweise spöttischen Augen an. Bei jedem anderen hätte Jenk es Sorge genannt. Mitleid. Vielleicht sogar Mitgefühl.
'Tut mir leid, das mit Suhayla', sagte Izzy fast lautlos. 'Das war sie doch, oder?'
Jenk nickte wieder, eine kurz angebundene Bestätigung.
Es war tatsächlich Suhaylas Körper gewesen, der zusammen mit drei anderen Zivilisten an der Brücke hing, die wieder aufgebaut worden war, nachdem amerikanische Truppen im vergangenen Jahr das entlegene Bergdorf befreit hatten.
Zum dritten Mal.
Jenk war dort gewesen. Er hatte gesehen, wie die Marines ihr Lager aufschlugen, und geglaubt, was Suhayla und ihre Freunde geglaubt hatten - dass echte Hilfe eingetroffen und dort bleiben würde.
Suhayla Naaz - eine in London ausgebildete Ärztin - war mutig genug gewesen, dabei zu helfen, die örtliche Regierung zu bilden, ganz zu Beginn der Operation Enduring Freedom. Sie war gezwungen gewesen, sich zu verstecken, als sich die Amerikaner die ersten beiden Male nach Kabul zurückzogen, und kam dabei gerade so mit ihrem Leben davon.
Diesmal hatte sie nicht so viel Glück gehabt.
'Das ist hart', sagte Izzy. 'Sie so tot zu sehen.'
Jenk brachte ein weiteres knappes Nicken zustande. Ja.
'Geh jetzt nicht und lass dich umbringen, Marky-Mark. Ich möchte deinen Körper nicht den ganzen Weg nach Jalalabad zurückschleppen.'
Typisch Izzy. Er konnte einfach nicht sagen: 'Kumpel, ich mach mir Sorgen um dich.'
Jenk wechselte das Thema. 'Du schaust dich um?'
Normalerweise hätte er ein schlichtes Handsignal benutzt, um diese Frage zu stellen. Stattdessen hielt er seine Fäuste fest geballt.
Izzy nickte. 'In einer Sekunde.' Er machte eine Pause. 'Fischjunge sagte, dass du Suhayla mittlerweile ein paar Jahre gekannt hast. Und dass du erst letzte Woche eine E-Mail von ihr bekamst.'
Nun wusste Jenk, warum Izzy zu ihm hinübergekrochen war. Er war auf einer Erkundungstour.
'Hast du sie wirklich die ganze Zeit gebumst?', fragte Iz. Und ja, wahrscheinlich war da Bewunderung in seiner Stimme.
Izzys Welt war einfach. Er glaubte daran, dass ein Mann und eine Frau keine Beziehung zueinander haben könnten, die nicht - in Izzy-Sprache - ordentliches Durchbumsen beinhaltete.
Jenk starrte in die Nacht.
'Ich nehme das als ein Nein. Aber du wolltest - oder nicht?' In Izzyland gab es nur zwei Arten von Frauen. Die, mit denen man Sex haben wollte und die, mit denen nicht.
Bevor sie grausam ermordet wurde, war Suhayla Naaz eine schöne, wortgewandte, intelligente Frau. Sie war außerdem siebenundvierzig Jahre alt und verheiratet mit einem englischen Arzt, der mit ihren drei Kindern in Liverpool lebte. Im Laufe der vierzehn Tage, die Jenk im vergangenen Jahr in ihrem entlegenen Heimatort verbracht hatte, während er die umliegende Landschaft von verschiedenen üblen Typen reinigte, hatte sie bemerkt, dass er sehr gut darin war, Dinge zu erledigen.
Er war ihr bei der Beschaffung einer Wagenladung medizinischer Versorgungsgüter und Generatoren behilflich gewesen. Nahrung. Decken. Kleidung und Schuhe für die Kinder, die alles verloren hatten.
Sie hatten eine Seelenverwandtschaft festgestellt und waren Freunde geworden.
'Darum sind wir hier', fuhr Izzy fort. 'Ist doch so? Du hast einen von deinen üblichen Voodootricks abgezogen und es so gedreht, dass wir diesen Auftrag kriegen.'
Jenk schüttelte den Kopf. 'Du bist ein Idiot.'
'Im Ernst', sagte Izzy, 'ich weiß nicht, wie du es machst, Eminem. Aber Gillman hat die E-Mail gelesen - deine Freundin teilte dir also mit, dass es irgendein ernstes Problem gäbe, aber niemand würde ihr zuhören. Und keine Ahnung, wie, beeinflusst du den Verstand von irgendeinem Admiral, damit wir alle herkommen und du die Sache in Ordnung bringen kannst. Daraufhin ist sie derart dankbar, dass ihr es - bevor du dich versiehst - wild miteinander treibt. Leider Pech gehabt. Wir kommen zu spät. Kein Wunder, dass du so ausrastest.'
Ja genau, deswegen rastete er aus. Weil jetzt, wo Suhayla Naaz brutal gefoltert und getötet worden war und ihr Körper von einer Brücke hing, um andere davor zu warnen, mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten, Jenk niemals eine Chance haben würde, es wild mit ihr zu treiben.
Und plötzlich war das Geplänkel vorbei. Izzy hatte den Bogen überspannt.
'Du bist so ein Arschloch. Du hast keine Ahnung', flüsterte Jenk zwischen zusammengepressten Zähnen. 'Dr. Naaz war erstaunlich. Sie war klug, mutig und der Demokratie verpflichtet. Sie war all das, wovon die verdammten Politiker meinen, dass wir es hier drüben finden müssten. Und sie lassen sie hier baumeln, sitzen selbst in Sicherheit und bestätigen sich gegenseitig, dass Krieg die Hölle ist. Du kannst dem Lieutenant sagen, dass ich okay bin', sagte Jenk zu Izzy. 'Ich werde nicht durchdrehen. Aber ich bin wütend über diese Unfähigkeit. Warum bauen wir eine Brücke und lassen den Sektor dann den Aufständischen wieder in die Hände fallen?'
'Gute Frage. Ich bin sicher, irgendein Schreibtischhengst irgendwo in den Staaten hat etwas, das sie für die Antwort halten.'
'Der Gedanke, dass diese Bastarde', Jenk zeigte in Richtung des Lagerfeuers in der Nacht, 'diejenigen sind, die sie umgebracht haben. Aber wir haben ihnen dabei geholfen. Gott verdammt!' Er ließ einen Schwall von Schimpfwörtern los, die selbst seinem Vater die Augenbrauen gekräuselt hätten.
Izzy dagegen blieb ungerührt. 'Nachdem wir diesen Abschaum, der deine Freundin ermordet hat, ausgeschaltet haben, gehe ich vielleicht nach Washington, finde denjenigen, der die Politik macht und stelle ihm ein paar unangenehme Fragen.'
Ja, genau. Jenk gab ein verächtliches Geräusch von sich.
'Du glaubst nicht, dass ich dazu die Eier hätte?' Iz zuckte mit den Schultern. 'Hey, ich bin nicht der Schisser, dem die Hände zittern.' Er streckte zur Demonstration seine eigenen aus.
'Fick dich.' Jenk begleitete seine Worte mit dem Mittelfinger - mit einer Hand, die endlich ruhig war.
Izzy nickte, offensichtlich damit zufrieden, dass sich Jenk wieder voll unter Kontrolle hatte. Und das, so viel war nun mehr als klar, war der wahre Grund, warum er herübergekrochen war. Er klopfte Jenk auf die Schulter. 'Dampf ablassen, und wenn's nur ein bisschen ist, hält die Scheißwut fern.'
Weise Worte von Irving Zanella, Psychotherapeut.
Das war für Izzy ein neuer Titel zu seinen gewöhnlich farbenfrohen Namensschöpfungen.
'Na komm schon', sagte Izzy. 'Du und ich, Marky. Lieutenant Jacquette will, dass wir einen kleinen Mitternachtsspaziergang machen. Er dachte, die frische Nachtluft würde deine mädchenhaften Spinnereien vertreiben.'
Und obwohl das Zittern seiner Hände verschwunden war, wusste Jenk, dass er sie niemals vergessen würde. Mädchenhafte Spinnereien. Kein Zweifel, er würde sich an diese Nacht erinnern bis zu dem Tag, an dem er die Navy verließ.
Gedächtnisstützen seiner Teamkameraden würde er dazu auf keinen Fall brauchen. Er würde Dr. Suhayla Naaz, die niemals hätte sterben sollen, nicht vergessen.
'Aber trotzdem, willst du einen Rat, Mark?', unterbrach ihn Izzy. Jenk konnte seine Augen im Dunkeln der Nacht nicht ganz sehen - aber er wusste, dass es der größere Mann todernst meinte.
'Es wird nicht helfen', sagte Iz ruhig und bestimmt. 'Selbst wenn wir herausfinden, dass es eine Terror-Zelle mit direkter Verbindung zu Osama bin Laden ist. Selbst wenn wir beweisen können, dass das die Scheißkerle sind, die Suhayla aufgeknüpft haben und baumeln ließen. Selbst wenn wir sichergehen, dass keiner von ihnen jemals wieder einem anderen menschlichen Wesen Schaden zufügt.' Er schüttelte den Kopf. 'Es wird nicht helfen.' Dann lächelte er und verwandelte sich zurück in sein respektloses Selbst, so als ob ihm plötzlich bewusst würde, dass er zu viel von sich preisgab. 'Natürlich wird es verdammt noch mal nichts schaden, Tante M.'
Es waren zu viele von ihnen.
Es war unwirklich. Die Aufständischen waren aus Angst vor einem Luftangriff normalerweise nicht so dumm, zusammen dasselbe kleine Stück Grund und Boden zu besetzen. Trotzdem waren hier so viele versammelt, als gäbe es eine Art Taliban-Klassentreffen.
Izzy hatte sich weiter nach Norden bewegt und es Jenk überlassen, Köpfe zu zählen und Gesichter zu überprüfen und. Eine Sekunde mal, war das.?
Jenk fokussierte sein Nachtsichtgerät.
Ja, das war mit Sicherheit Yusaf Ghulam-Khan. Der Dolmetscher, der für die SEALs und auch für die Marines gearbeitet hatte, als Jenk das letzte Mal hier gewesen war. Er hatte auf der amerikanischen Gehaltsliste gestanden.
Was hatte Suhayla über ihn gesagt? 'Ich würde ihm nicht weiter trauen, als ich ihn mit meinem Wurfarm schleudern könnte.'
Sie war Baseballfan gewesen.
Damals, als Jenk ihn kennenlernte, hatte Yusaf Zugang zu allen möglichen Informationen gehabt. Er hatte seine Loyalität geschworen - nicht, dass dies irgendetwas bedeutete.
Im Moment war er kein Gefangener. Er ging herum als ein offensichtlich beliebter Mann, dem man anscheinend gratulierte.
Und von einer Sekunde zur anderen wusste Jenk Bescheid.
Dieses gewaltige Treffen war der Ärger, von dem Suhayla geschrieben hatte. Sie hatte ihren Bruder nach Kabul geschickt, wo es einen Internetzugang gab, um eine E-Mail an einen der wenigen Menschen zu schreiben, denen sie noch traute.
Jenk.
Da Yusaf wusste, dass Suhayla versuchen würde, die Amerikaner zu warnen, und nicht wusste, dass er zu spät kommen würde, hatte er mitgeholfen, sie zum Schweigen zu bringen.
Zumindest hatte er sie identifiziert. Es war aber auch absolut möglich, dass er ihr das Seil um den Hals gebunden hatte. Jenks Hände zitterten erneut. Was hatte Iz gesagt? Dampf ablassen. 'Scheißkerl, Scheißkerl, Scheißkerl', murmelte er. Izzy tauchte wieder auf und nahm dabei aus der Nacht Gestalt an, als hätte man ihn heraufbeschworen. Lautlos signalisierte er Jenk, dass er 112 Männer gezählt hatte. Jenk zeigte ihm blitzschnell seine Zahl - 147. Zusammen waren das fast 260 feindliche Kämpfer. Was zur Hölle ging hier vor?
Die Aufständischen versammelten sich nicht zur Vorbereitung auf eine anstehende Schlacht. Es gab in diesem irrwitzigen Mittelpunkt von Nirgendwo nichts, was man angreifen könnte. Zumindest nicht, nachdem die Amerikaner abgezogen waren. Wieder einmal.
Jenk schlich weit genug vom Lager weg, um sprechen zu können. Iz folgte ihm.
'Es ist ein Nachschublager', bestätigte Izzy. 'Munition, Waffen, Sprengstoff - sie haben ein Arsenal in dieser Höhle.'
Das also war die Antwort. Nachschub. Die Antwort auf die große Frage, warum den Aufständischen Munition und Sprengstoff nicht ausgingen, war schon länger kein Geheimnis. Beides kam mit bemerkenswerter Leichtigkeit über die Grenze hinein. Aber diese tollkühne Zusammenkunft bedeutete Schwierigkeiten. Es war eine Machtdemonstration -eine deutliche Botschaft an die Menschen dieser Gegend. Es war die klare Ansage, dass die Aufständischen die Amerikaner nicht länger als Bedrohung betrachteten.
Izzy blieb in Bewegung, zurück zu Jacquette. Es war für ihn offensichtlich, was getan werden musste. Sie mussten dem Lieutenant Bericht erstatten, und der würde einen Luftangriff anordnen, solange der Nachschub sich noch an diesen Koordinaten befand.
Wenn sie zuließen, dass er sich in der gebirgigen Landschaft verstreute, würde er zu den Amerikanern zurückkommen, Stück für Stück als Kugeln und Mörsergranaten.
Aber einen Luftangriff zu bestellen, war ein großes Problem, und nicht nur, weil man Luftunterstützung in letzter Zeit Tage im Voraus reservieren musste. Jenk hielt Izzy zurück.
'Wie fühlst du dich bei den Chancen von acht gegen zweihundertsechzig?', fragte er den größeren Mann. Die Ausrüstung, die er im feindlichen Lager gesehen hatte, beschränkte sich nicht auf Waffen und Munition. 'Sie haben Peilgeräte, auf dem neuesten Stand der Technik.'
Jenk hatte ähnliches Peilgerät in einem Trainingseinsatz bedient, und die schlechte Nachricht war, dass es funktionierte. Extrem gut. Technologie hatte die Angewohnheit, Bockspringen zu spielen. Es würde nicht lange dauern, bis irgendwelche kleine Genies im Labor ein Funkgerät erfinden würden, das man nicht mit dieser neuesten Ausrüstungsserie aufspüren konnte, aber noch hatten sie das nicht getan.
Unter dem Strich hieß das: Falls Jacquette die Funkstille brach, würde das dem Feind ihre Anwesenheit - und ihren Standort - über einen Lautsprecher mitteilen.
Zusammen mit der Artillerie, auf die Jenk im flackernden Licht des Feuers einen Blick geworfen hatte. Nein, das war keine gute Idee.
'Dann ziehen wir uns eben zurück', sagte Izzy. 'Bringen uns außer Mörserreichweite und ordern dann den Luftangriff.'
'Sie versperren unsere Route den Berg runter', bemerkte Jenk.
'Gehen wir eben über die Berge und durch die Scheißwälder, wenn wir müssen. Es gibt mehr als einen Weg zum Haus der Großmutter.'
Im Gegensatz zu Izzy kannte Jenk die Gegend gut. 'Das würde uns über die Grenze bringen.' Als er Izzys empörten Gesichtsausdruck sah, fügte er hinzu: 'Sieh mal, ich habe kein Problem damit. Die Waffen kommen von jenseits der Grenze. Scheiß-Osama ist wahrscheinlich auch da drüben und wird wie ein König behandelt. Aber ich kann dir schon jetzt sagen, sobald wir diese Information dem Lieutenant mitteilen, wird er murmeln, dass er nicht verantwortlich sein will für einen.'
'. internationalen Zwischenfall', sagte Lieutenant Jacquette grimmig, exakt so, wie Mark Jenkins vorhergesagt hatte. Es gehörte zum festen Programm aller Offiziere der U.S.-Streitkräfte. Im Gegensatz zu vielen anderen, die etwas zu sagen hatten, konnte Jacquette aber unter dem besten kommandierenden Offizier aller Zeiten lernen, Lieutenant Commander Tom Paoletti - der mittlerweile den Dienst verlassen hatte - was eine echte Schande war. 'Weitere Optionen?'
Wie Tommy Paoletti glaubte auch Jazz Jacquette an den Gedankenaustausch mit seinen Männern, ein Geben und Nehmen von Einfällen. Er glaubte tatsächlich an die Idee, vollständig Gebrauch zu machen von den Tausenden Trainingsstunden, die seine verpflichteten SEALs darin hatten, ohne Scheuklappen zu denken.