
Die Botin des Königs
Reiter-Trilogie 2 - Roman
Kristen Britain(Author)
Heyne (Publisher)
Published on 5. January 2009
Book
Paperback/Softback
768 pages
978-3-453-53299-1 (ISBN)
Description
Abenteuerlich und märchenhaft, spannend und magisch
Die magische Reiter-Trilogie geht weiter: Karigans Mission ist noch nicht zu Ende. Denn auch wenn der finstere Magier Shawdell längst besiegt ist, so gilt dies nicht für die dunklen Kräfte, die er nach tausend Jahren wieder zum Leben erweckte. In den Tiefen des Waldes schlummert Etwas, das ganz Sacoridia bedroht. Seine Vorboten erreichen bereits die Städte, unheimliche Ereignisse häufen sich. Die Flüsse fließen plötzlich stromaufwärts, Tiere versteinern und in geschlossenen Räumen fällt Schnee.
Zeit für Karigan, ein zweites Mal dem Ruf der Grünen Reiter zu folgen und ihren Vater zu verlassen. Doch diesmal scheint auch die Magie der Reiter nicht stark genug. Zahlreiche der erfahrenen, älteren Reiter fielen bereits dem Feind zum Opfer. Die Reihen der königlichen Boten sind gefährlich ausgedünnt. Und Karigan weiß nicht, ob sie der ihr zugedachten Aufgabe gewachsen ist. Zudem beunruhigen sie immer wieder kehrende Visionen, in denen sie sich einer wilden Amazone gegenübersieht.
Die magische Reiter-Trilogie geht weiter: Karigans Mission ist noch nicht zu Ende. Denn auch wenn der finstere Magier Shawdell längst besiegt ist, so gilt dies nicht für die dunklen Kräfte, die er nach tausend Jahren wieder zum Leben erweckte. In den Tiefen des Waldes schlummert Etwas, das ganz Sacoridia bedroht. Seine Vorboten erreichen bereits die Städte, unheimliche Ereignisse häufen sich. Die Flüsse fließen plötzlich stromaufwärts, Tiere versteinern und in geschlossenen Räumen fällt Schnee.
Zeit für Karigan, ein zweites Mal dem Ruf der Grünen Reiter zu folgen und ihren Vater zu verlassen. Doch diesmal scheint auch die Magie der Reiter nicht stark genug. Zahlreiche der erfahrenen, älteren Reiter fielen bereits dem Feind zum Opfer. Die Reihen der königlichen Boten sind gefährlich ausgedünnt. Und Karigan weiß nicht, ob sie der ihr zugedachten Aufgabe gewachsen ist. Zudem beunruhigen sie immer wieder kehrende Visionen, in denen sie sich einer wilden Amazone gegenübersieht.
More details
Series
Language
German
Place of publication
München
Germany
Dimensions
Height: 20.6 cm
Width: 13.5 cm
ISBN-13
978-3-453-53299-1 (9783453532991)
Schweitzer Classification
Persons
Content
Wir segeln in die Nacht. Der Wind ist uns nun endlich freundlicher gesinnt und stark genug, dass wir schneller vorankommen als unter Rudern. Auf diese Weise können wir kostbare Ethera sparen, und die Handwerker haben Zeit, die Maschinen zu reparieren.
Zunächst war es verwirrend, nicht mehr das Stampfen der Maschinen zu hören, die ununterbrochen gedröhnt hatten, seit wir in See gestochen sind, aber nun habe ich es sehr gemütlich hier in meiner Kabine, wo nur das Knarren des Holzes ertönt und das sanfte Wiegen des Ozeans zu spüren ist. Es ist dunkel draußen, und es gibt nur noch mich, mein Tagebuch und ein Prisma, um mir zu leuchten.
Der Kontinent, den wir suchen, ist immer noch weit entfernt, sagt Kapitän Verano. Alessandros ist ausgesprochen unruhig und klettert jeden Tag in den Mastkorb, als könne er das Neue Land herbeizwingen. Das hier ist immerhin seine Expedition, seine Suche nach einer Möglichkeit, Arcosia zu heilen, und zudem eine Gelegenheit, die Autorität des Kaiserreiches in einem neuen Land zu begründen.
Alessandros ist ein Sohn des Kaisers und von Gott auserwählt, ihm auf den Thron zu folgen. Ich weiß, dass er diese Expedition auch noch aus einem anderen Grund organisiert hat als aus denen, die wir bereits kennen: Er will sich mit diesem Erfolg vor Gott und dem Volk von Arcosia würdig erweisen, gewiss, aber vor allem möchte er seinen geliebten Vater beeindrucken.
Es tut ihm gut, auf See zu sein. Seine Wangen sind rosig, und das Sonnenlicht glitzert in seinen Augen. Er ist wieder jung geworden, und ich kann seine Aufregung spüren. Das ist für uns beide ein großes Abenteuer. Seine Begeisterung ist tatsächlich so ansteckend, dass mein junger Knappe Renald, der uns heute Abend bedient hat, beinahe Wein auf uns vergoss, als er uns zuhörte. Alessandros hat nur gelacht. Renald ist die meiste Zeit ein guter Junge; manchmal kommt er mir wie ein jüngerer Bruder vor, und ich habe ihn sehr gern. Diese Reise wird ihn zum Mann machen.
Während zahllose Tage vergehen, beschäftige ich mich damit, die vagen Karten des Kontinents zu betrachten, die der Kapitän besitzt. Angeblich wird dieses Land von einem barbarischen Volk bewohnt, und es gibt Rohstoffe im Überfluss. Man darf solchen Berichten nicht immer trauen, da sie oft übertreiben. Dennoch, wir können es kaum erwarten zu sehen, was uns dieses geheimnisvolle Land bringen wird, und niemand ist aufgeregter als Alessandros del Mornhavon.
DER REITERRUF
Schwüle Nachtluft, vermischt mit dem Geruch des Meeres, drang durch das weit offene Fenster herein und zupfte an den Laken, die die junge Frau bedeckten. Ihr langes braunes Haar fiel über das Kissen, und ihre Brust hob sich in langsamen, gleichmäßigen Atemzügen. Sie schlief, ohne ihren geisterhaften Besuch zu bemerken, vollkommen ruhig und entspannt.
Und genau das war das Problem.
Missbilligung flackerte über die rauchigen Züge der Erscheinung. Du kannst mich hören, aber du willst nicht, was?
Die Erscheinung berührte das Mädchen an der Schulter, als ob sie es wachrütteln wollte, aber ihre Hand ging einfach durch das Fleisch hindurch.
Kann mich nicht spüren. Kann mich nicht sehen. WILL mich nicht hören.
Das Mädchen hatte inzwischen sehr gut gelernt, den Ruf zu ignorieren, und wenn es etwas gab, das Lil Ambriodhe furchtbar in Rage brachte, dann war es, ignoriert zu werden.
Lil hatte ihrer Ansicht nach schon viel Geduld gehabt; sie hatte sich Zeit gelassen, bis die junge Frau ihre Ausbildung zu Ende gebracht hatte, weil sie annahm, das könnte nichts schaden, und weil sie hoffte, dass sie danach endlich den Ruf hören und nach Sacor zurückkehren würde, um vor dem König ihren Schwur als Grüner Reiter zu leisten.
Aber das tat sie nicht. Sie ignorierte den Ruf und ging stattdessen nach Hause, nach Korsa, und wozu? Um Wollballen auf einem der elenden Packwagen ihres Vaters zu zählen? Um Hauptbücher zu führen? Was war daran schon interessant? Warum wehrte sie sich?
Lil lief auf und ab, bis sie bemerkte, dass ihre Füße den Boden nicht mehr berührten, sondern darüberschwebten. Bei allen fünf Höllen! Sie versuchte, sich auf den Boden zu konzentrieren, sodass sie zumindest die Illusion hervorrief, darauf zu stehen. Aber das kostete zu viel Energie. Sie verfluchte die Grenzen ihrer derzeitigen Gestalt und starrte wütend auf das schlafende Mädchen, das all diese Umstände erforderlich machte. Wenn sie es gekonnt hätte, hätte sie es einfach aus dem Bett geworfen. Zum Glück waren nicht alle Reiter so schwierig.
Und noch während sie das dachte, bemerkte sie, dass auf dem Boden unter ihren Füßen ein kostbarer durnesischer Teppich lag und dass die geschnitzten Balken an der Decke an die Arbeit hervorragender Schiffszimmerleute erinnerten. Die Möbel waren poliert und kunstvoll mit Elfenbeinintarsien verziert. Sie sahen fremdartig aus, als hätte man sie aus Übersee hergebracht. Selbst die Matratze, auf der das Mädchen schlief, war luxuriös mit Eiderdaunen gestopft, und die Laken waren von feinster Qualität.
Als Tochter eines reichen Kaufmanns lebte das Mädchen in einem Luxus, der für die meisten Sacorider unvorstellbar war, und Lil verstand, dass es schwierig sein mochte, dieses privilegierte und bequeme Leben gegen die rauen und gefährlichen Pflichten eines Grünen Reiters einzutauschen.
Oder nein, sie verstand es nicht! Die Reiter leisteten wichtige Arbeit. Es gab genug Kaufleute auf der Welt und nicht annähernd genug Grüne Reiter.
Diese junge Frau wurde gebraucht. Sie, die vor über einem Jahr einen abtrünnigen Eleter besiegt und eine wichtige Rolle dabei gespielt hatte, den Thron des Königs zu retten. Und es stand ihr noch erheblich mehr bevor.
Ein Zeichen dafür, dass noch nicht alles verloren war, stellte die Brosche mit dem geflügelten Pferd dar, die auf dem Nachttisch lag. Lil konnte sie deutlicher erkennen als den Rest des Zimmers, sie schien fester und leuchtender zu sein als alles andere. Offenbar konnte sich das Mädchen nicht davon trennen; die Verbindung bestand immer noch. Hätte die Brosche sie verlassen, dann wäre es nicht mehr möglich, dass sie ein Reiter würde.
Und auch ich hätte keine Verbindung mehr zu ihr.
Lil berührte ihre eigene Brosche, die an dem grünblauen Umhang befestigt war, den sie über die Schulter drapiert trug, und die Berührung tröstete und stärkte sie. Die Brosche hatte ihr geholfen, so weit durch die Schichten der Welt zu kommen. Der Widerhall ihres Reiterabzeichens sang in ihr, und die Brosche des Mädchens schien zu glitzern, als wolle sie antworten.
Des Reiters Herz die Brosche sucht. Lil musste lächeln, als ihr das alte Lied einfiel. Großes Herz, starkes Herz, voller Mut. das Herz ist eines Reiters größtes Gut. Das Lied würde sie nie vergessen. Jeder Möchtegern-Barde und Dorftrottel im ganzen Land hatte es gesungen, wohin sie auch gekommen war, ob es nun die Halle eines großen Clanfürsten war oder eine heruntergekommene Schänke, wo die Ziegen an den Binsen kauten, die auf den Boden gestreut waren. Sie konnte ihm nicht entkommen.
Zunächst war es verwirrend, nicht mehr das Stampfen der Maschinen zu hören, die ununterbrochen gedröhnt hatten, seit wir in See gestochen sind, aber nun habe ich es sehr gemütlich hier in meiner Kabine, wo nur das Knarren des Holzes ertönt und das sanfte Wiegen des Ozeans zu spüren ist. Es ist dunkel draußen, und es gibt nur noch mich, mein Tagebuch und ein Prisma, um mir zu leuchten.
Der Kontinent, den wir suchen, ist immer noch weit entfernt, sagt Kapitän Verano. Alessandros ist ausgesprochen unruhig und klettert jeden Tag in den Mastkorb, als könne er das Neue Land herbeizwingen. Das hier ist immerhin seine Expedition, seine Suche nach einer Möglichkeit, Arcosia zu heilen, und zudem eine Gelegenheit, die Autorität des Kaiserreiches in einem neuen Land zu begründen.
Alessandros ist ein Sohn des Kaisers und von Gott auserwählt, ihm auf den Thron zu folgen. Ich weiß, dass er diese Expedition auch noch aus einem anderen Grund organisiert hat als aus denen, die wir bereits kennen: Er will sich mit diesem Erfolg vor Gott und dem Volk von Arcosia würdig erweisen, gewiss, aber vor allem möchte er seinen geliebten Vater beeindrucken.
Es tut ihm gut, auf See zu sein. Seine Wangen sind rosig, und das Sonnenlicht glitzert in seinen Augen. Er ist wieder jung geworden, und ich kann seine Aufregung spüren. Das ist für uns beide ein großes Abenteuer. Seine Begeisterung ist tatsächlich so ansteckend, dass mein junger Knappe Renald, der uns heute Abend bedient hat, beinahe Wein auf uns vergoss, als er uns zuhörte. Alessandros hat nur gelacht. Renald ist die meiste Zeit ein guter Junge; manchmal kommt er mir wie ein jüngerer Bruder vor, und ich habe ihn sehr gern. Diese Reise wird ihn zum Mann machen.
Während zahllose Tage vergehen, beschäftige ich mich damit, die vagen Karten des Kontinents zu betrachten, die der Kapitän besitzt. Angeblich wird dieses Land von einem barbarischen Volk bewohnt, und es gibt Rohstoffe im Überfluss. Man darf solchen Berichten nicht immer trauen, da sie oft übertreiben. Dennoch, wir können es kaum erwarten zu sehen, was uns dieses geheimnisvolle Land bringen wird, und niemand ist aufgeregter als Alessandros del Mornhavon.
DER REITERRUF
Schwüle Nachtluft, vermischt mit dem Geruch des Meeres, drang durch das weit offene Fenster herein und zupfte an den Laken, die die junge Frau bedeckten. Ihr langes braunes Haar fiel über das Kissen, und ihre Brust hob sich in langsamen, gleichmäßigen Atemzügen. Sie schlief, ohne ihren geisterhaften Besuch zu bemerken, vollkommen ruhig und entspannt.
Und genau das war das Problem.
Missbilligung flackerte über die rauchigen Züge der Erscheinung. Du kannst mich hören, aber du willst nicht, was?
Die Erscheinung berührte das Mädchen an der Schulter, als ob sie es wachrütteln wollte, aber ihre Hand ging einfach durch das Fleisch hindurch.
Kann mich nicht spüren. Kann mich nicht sehen. WILL mich nicht hören.
Das Mädchen hatte inzwischen sehr gut gelernt, den Ruf zu ignorieren, und wenn es etwas gab, das Lil Ambriodhe furchtbar in Rage brachte, dann war es, ignoriert zu werden.
Lil hatte ihrer Ansicht nach schon viel Geduld gehabt; sie hatte sich Zeit gelassen, bis die junge Frau ihre Ausbildung zu Ende gebracht hatte, weil sie annahm, das könnte nichts schaden, und weil sie hoffte, dass sie danach endlich den Ruf hören und nach Sacor zurückkehren würde, um vor dem König ihren Schwur als Grüner Reiter zu leisten.
Aber das tat sie nicht. Sie ignorierte den Ruf und ging stattdessen nach Hause, nach Korsa, und wozu? Um Wollballen auf einem der elenden Packwagen ihres Vaters zu zählen? Um Hauptbücher zu führen? Was war daran schon interessant? Warum wehrte sie sich?
Lil lief auf und ab, bis sie bemerkte, dass ihre Füße den Boden nicht mehr berührten, sondern darüberschwebten. Bei allen fünf Höllen! Sie versuchte, sich auf den Boden zu konzentrieren, sodass sie zumindest die Illusion hervorrief, darauf zu stehen. Aber das kostete zu viel Energie. Sie verfluchte die Grenzen ihrer derzeitigen Gestalt und starrte wütend auf das schlafende Mädchen, das all diese Umstände erforderlich machte. Wenn sie es gekonnt hätte, hätte sie es einfach aus dem Bett geworfen. Zum Glück waren nicht alle Reiter so schwierig.
Und noch während sie das dachte, bemerkte sie, dass auf dem Boden unter ihren Füßen ein kostbarer durnesischer Teppich lag und dass die geschnitzten Balken an der Decke an die Arbeit hervorragender Schiffszimmerleute erinnerten. Die Möbel waren poliert und kunstvoll mit Elfenbeinintarsien verziert. Sie sahen fremdartig aus, als hätte man sie aus Übersee hergebracht. Selbst die Matratze, auf der das Mädchen schlief, war luxuriös mit Eiderdaunen gestopft, und die Laken waren von feinster Qualität.
Als Tochter eines reichen Kaufmanns lebte das Mädchen in einem Luxus, der für die meisten Sacorider unvorstellbar war, und Lil verstand, dass es schwierig sein mochte, dieses privilegierte und bequeme Leben gegen die rauen und gefährlichen Pflichten eines Grünen Reiters einzutauschen.
Oder nein, sie verstand es nicht! Die Reiter leisteten wichtige Arbeit. Es gab genug Kaufleute auf der Welt und nicht annähernd genug Grüne Reiter.
Diese junge Frau wurde gebraucht. Sie, die vor über einem Jahr einen abtrünnigen Eleter besiegt und eine wichtige Rolle dabei gespielt hatte, den Thron des Königs zu retten. Und es stand ihr noch erheblich mehr bevor.
Ein Zeichen dafür, dass noch nicht alles verloren war, stellte die Brosche mit dem geflügelten Pferd dar, die auf dem Nachttisch lag. Lil konnte sie deutlicher erkennen als den Rest des Zimmers, sie schien fester und leuchtender zu sein als alles andere. Offenbar konnte sich das Mädchen nicht davon trennen; die Verbindung bestand immer noch. Hätte die Brosche sie verlassen, dann wäre es nicht mehr möglich, dass sie ein Reiter würde.
Und auch ich hätte keine Verbindung mehr zu ihr.
Lil berührte ihre eigene Brosche, die an dem grünblauen Umhang befestigt war, den sie über die Schulter drapiert trug, und die Berührung tröstete und stärkte sie. Die Brosche hatte ihr geholfen, so weit durch die Schichten der Welt zu kommen. Der Widerhall ihres Reiterabzeichens sang in ihr, und die Brosche des Mädchens schien zu glitzern, als wolle sie antworten.
Des Reiters Herz die Brosche sucht. Lil musste lächeln, als ihr das alte Lied einfiel. Großes Herz, starkes Herz, voller Mut. das Herz ist eines Reiters größtes Gut. Das Lied würde sie nie vergessen. Jeder Möchtegern-Barde und Dorftrottel im ganzen Land hatte es gesungen, wohin sie auch gekommen war, ob es nun die Halle eines großen Clanfürsten war oder eine heruntergekommene Schänke, wo die Ziegen an den Binsen kauten, die auf den Boden gestreut waren. Sie konnte ihm nicht entkommen.